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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie dir Annoncen • Bureaux von Haasenstein u. Bögler in VTT. t
Frankfurt a. M., Lasiel, Magdeburg und Wien; Rudolf 2LÄJL1. ^c(tDT(T,
Moste in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; E. L.
Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin Hannover, Parts.
Marburg,
Sonntag, 8. März 1896
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
^uuLioa ^ieb Jllustrirtes Sonntagsblatt. e"llnep«4fr:nb«n her Reaktion: 10—11 Uhr VormiU
Zweites Blatt.
(Rachdruck verboten.)
Bon der Berliner-Gewerbe- Ausstellung.
Unbeeinflußte Brief« von Georg Paulsen.
Ist die Temparatur auch z. Z. zum Bauen nicht günstig, so zimmert und mauert und malt doch Alles, denn die Sache soll bis zum Mai fertig sein.
Nun, Alles ist möglich, aber keine Ausstellung ist zur rechten Zeit in allen ihren Theilen wirklich fix und fertig. Das giebt es nun einmal nirgends, auch in Berlin nicht. Man muß zuftieden sein, wenn ein äußerer Schein der Vollendung hervor- gerufen wird, und daran wird es auch hier nicht fehlen.
Ihrer ganzen Anlage nach, am Ufer der sich hier zu stattlicher Breite ausdehnenden Spree, hat die Ausstellung eine erhebliche äußerliche Aehnlichkeit mit der letzten Pariser Weltausstellung, der sie auch an Größe gleichkommt. Der Ausstellungs-Terrain umfaßt 1200 000 Quadratmeter; freilich bleibt Berlin mit nur etwa 4000 Ausstellern hinter Paris zurück, sie wird auch keine Wunderwerke bieten, wie die Pariser Maschinenhalle, die weit den Eiffelthurm an Großartigkeit übertraf, aber eine Gewerbe-Ausstellung kann auch keine Weltausstellung sein.
Im Verhältniß zu den rund 4000 Ausstellern etwas zu reichlich ist für das Amüsement gesorgt, man hört von etwas gar zu vielen Tingeltangeleien, und den Fehler, den Vorwurf einer Amusements- Ausstellung, den man 1889 Paris nicht mit Unrecht machte, hat man auch in Berlin nicht zu verineiden verstanden. Freilich bringt das zu Vergnügungs- Etablissements verpachtete Land das meiste Geld, nur, daß der Deutsche kein Franzose ist, und nicht, wie dieser, bei solchen Gelegenheiten gern die Goldfüchse ungezählt springen läßt. Man wird das auch in Berlin merken, daß nicht jeder deutsche Ausstellungsbesucher einen Scheffel Reichsmünze zur Ausstellung bringt.
Das riesige Terrain hat seinen Centralpunkt in der großen Anlage des Hauptgebäudes, in dem untergebracht wird, was zweifellos das Publikum am meisten interessiren wird. Hier kann man ohne viele Phantasie schon sich ein Bild von dem vollendeten Bau machen; was noch fehlt, stört den Gesammt- eindruck nicht, der minder großartig ist, als vertraulich und anheimelnd. Schlanke Thürme verhindern, daß die zwischen ihnen erscheinende Kuppel zu plump erscheint, man hat nicht nach demselben Rezepte gearbeitet, wie beim neuen Reichstagsgebäude, wo die in die Mitte des Hauses gebrachte Kuppel viel zu wenig großarttg in die Erscheinung tritt. Wandelhallen vor dem Hauptgebäude mit allerlei prakttschen Zwecken dienenden Einrichtungen umschließen einen Halbkreis, auf welchem sich das Hauptgetriebe der Ausstellung entwickeln wird.
Ein Pendant zum Hauptgebäude der Ausstellung bildet gegenüber ein Riesen-Restaurant, es wird darin nicht allzu billig sein, elegant, hochmodern. Ein künstlicher See füllt den Raum zwischen beiden Bau-Anlagen aus, hier wird tapfer im Wasser ge
wirkt werden. Zahlreiche .Einzelbauten, mehr oder minder großartig, mehr oder minder elegant, bedecken das ganze Ausstellungs-Gebiet, auf sie Alle wird später genauer zurückzukommen sein.
Aber die Haupt-Schaustellungen des Unternehmens müssen noch hier klargestellt sein: Die Ausstellung „Alt-Berlin", die Berlin zur Zeit des großen Kurfürsten zeigen soll, mit dem Theater „Alt-Berlin", Tourniren, Umzügen u. s. w. Die Leitung dieser Abtheilung hatte sich etwas „verhauen", indem sie ankündigen ließ, es gelte eine Darstellung des Berlins von 1640. Gerade in diesem Jahre sah es in der damaligen brandenburgischen Hauptstadt ttostlos aus, Schmutz, Raub und Mord hatten überhand genommen, die Schweine liefen auf der Gasse umher, und der Stärkere nahm von dem Schwächeren, was er bekommen konnte. Das wird man wohl nicht gerade vorführen wollen.
Ein besonderes Interesse wird die vom deuffchen Reiche protegirte Kolonial - Ausstellung erwecken, in der unsere Kolonien im dortigen Leben und Treiben vertteten sein werden. Weniger wissenschaftlich, aber um so feucht-vergnügter wird es in der Sonder-Ausstellung „Kairo" zugehen. Neu ist der Gedanke freilich nicht, Geld wird man auch loswerden können, aber man weiß ja, Niemand wandelt ungesttaft unter Palmen. Ziemlich jede bisherige Weltausstellung hatte ihr Kairo, also kann man es ja in Berlin auch nachmachen.
Ein Glanzstück ersten RangeS wird das Panorama des Zillerthals in den Alpen sein mit einer Zahnradbahn, die aus der Ebene nach der Region des ewigen Schnee's führt. DaS ist ein vollwichtiger Ersatz für den Parffer Eiffelthurm, an dem Jeder seine Freude haben wird.
Alles, was Schaustellungen heißt, wird ganz sicher zum Mai fix und fertig sein; jeder Tag späterer Vollendung bringt einen Geldverlust mit sich und bei den hohen Anlagekosten wird „Verdienen" extta groß geschrieben.
Das sind die Hauptpunkte der Ausstellung. Wird sie auch gerade kein Weltwunder werden, sie wird sich sehen lassen können. Und nun zu den Ausstellern.
Daß Berlin eine „Schneiderstadt" geworden ist, zeigt sich nicht blos in den Erfahrungen des Kon- fekttonsstteiks, sondern auch bei dieser Ausstellung. Ziemlich der sechste Theil aller Aussteller gehört der Bekleidungs - Jndusttie an, mithin dem Schneidergewerbe. Bei dieser Ziffer muß man sich um so mehr wundern, daß Berlin sich noch immer nicht von den Pariser, resp. englischen Moden hat emanzipieren können.
Die Metallindustrie hat 350, die Kurz- und Galanteriewaarcn-Industrie hat 300, die Maschinen- und Transporttndustrie 280 Aussteller. Tie Ziffern sind respektabel, aber sie zeigen auch, daß doch diese Berliner Gewerbeausstellung von einer deutschen Ausstellung ein gutes Stück eusernt ist. Die Holzindustrie hat 225 Aussteller, Buch-, und Steindruck und verwandte Fächer haben 200 Aussteller, und so geht es dann weiter abwärts.
Ueber die Leistungen wird Niemand zu klagen haben, „ordentlich ober gar nicht!" sagt der Berliner, sagt auch die Berliner Industrie. Und man sagt es besonders mit Bezug auf diese Ausstellung. Daß die äußeren Verhältnisse den aufgewendeten Fleiß be- günsttgen möchten, kann man nur wünschen.
Freilich an einer Konkurrenz in Ausstellungen wird in diesem Jahre ebensowenig Mangel sein, wie in irgend einem Gewerbe-Betriebe an Konkurrenz Mangel ist.
Vermischtes.
Kleine Nachrichten. Der zweite Sieger int Distanzrtttt Berlin-Wien, Premierlieutenant v. Kronen- feldt, Sohn des früheren Rittmeisters int hannöverschen Garde - Kürassier - Regiment, ist in Hannover gestorben. Die letzte Ehre erwies ihm an der Spitze des Offizierkorps der kommandirende General von Seebeck. — In Lohr bei Würzburg hat sich der Verleger des „Lohrer Anzeigers", Puschacher, erschossen. — Sämmtliche Rindviehmärkte Unterfrankens wurden verboten wegen der Ausbreitung der Manl- und Klauenseuche. — Bürgermeister Frey aus Markdorf bei Mannheim ist bei Emmishofen von einem Eisenbahn- zuge überfahren worden; es soll Selbstmord vorliegen. — In Charlottenburg bei Berlin sind die 3 Direktoren einer Kreditbank wegen Unterschlagungen verhaftet. — Von einer drückenden Sorge sind die Bismarckgratulanten befreit! In der Gegend von Jever sind nämlich die Kiebitze eingetroffen, so daß, wenn die Vögel einigermaßen ihrer Pflicht ein» gedenk sind, an |ber Kompletirung der Einsendung diesmal nicht gezweifelt werden kann. — Bedeutende Unregelmäßigkeiten sind bei der Sparkaffe des Amtes in Rhynern votgekommen. Die Sparkasse, sowie andere städtische Kaffen wurden von zwei Regierungsbeamten geschlossen.
Reiches Vermächtniß. Eine Zuwendung von 300 000 Mark ist der Stadt Mainz für wissenschaftliche und rnildthätige Zwecke von dem vor Kurzem in Berlin verstorbenen Rentner Niederwiesen zu Theil geworden. Der Verstorbene hat lange Jahre in Mainz eine Weinhandlung betrieben. Einen gleichen Bcttag zu denselben Zwecken hat die Stadt Bingen, der Geburtsort Niederwiesen's, erhalten, während der übrige Theil des Vermögens, der sich auf eine Million beziffert, der Stadt Berlin für öffentliche Zwecke zufällt.
Die drei Hauptgewinne der Kölner Dom- bau-Lottrrie int Bettage vou 75,000, 30,000 und 15,000 Mk. fielen — eine merkwürdige Laune der Glücksgötttn — in ein- und dieselbe Kollekte in Straßburg in E. Das Glück hat fich auch diesmal so einsichtsvoll gezeigt, daß es das große Loos von 75,000 Mk. einem Elementarlehrer im Reichslande in die Hand spielte (Loos Nr. 337,718). Der zweite Treffer fiel auf Loos 270,773 und kam nach dem Badischen, der dritte fiel auf 337,835 und kam nach der Pfalz.
Flüchtiger „Genosse". Der fozialisttsche Muster- bäcker Petzold-Dresden, der bei der Erhebung der Reichskommission für Arbeiterstatistik als Auskunftsperson diente und für den Maximalarbeitstag einttat, ist mit Hinterlassung großer Schulden verschwunden. Er hat besonders „Genoffen" hineingelegt.
Freigesprochen wurde der Redakteur Schmidt von der sozialdemottattschen „Süddeuffchen Post", welcher einen vom früheren Lieutenant Hofmeister herrührenden Arttkel aufgenommen hatte, in dem behauptet war, daß bei einzelnen Regimentern die Ver
pflegung schlecht sei, die Unteroffiziere von der Mannschaftsmenage zehren usw. Der Zengenbeweis ergab, daß die Vorwürfe bei einzelnen Regimentern, wie in Metz, Erlangen und München, großen Thells begründet gewesen seien.
Verschollen. Der Dampfer „Colombino", der sich auf der Fahrt von Konstantinopel nach der Krim befand, ist an seinem Bestimmungsort nicht angekommen. Da auch jede Nachricht von dem Schiffe fehlt, fürchtet man, daß es während des letzten Sturmes untergegangen ist.
Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich in bet Brennerei zu Neugörtzig im Kreise Schwerin a. b. Warthe. Als bei einer Revision ber Brennerei ber Obersteuerconttoleur Remelski unb ber Steuerconttoleur Krubaek ben Gährraum betraten, fielen sie sofort besinnungslos um. Krubaek war auf ber Stelle erstickt, währenb Remelski sich wieber erholte. Krubaek hinterläßt eine Frau unb sieben unversorgte Kinber.
Ueber einen sprechenden Kanarienvogel berichtet in ber „Gefieberten Welt" ein Dresdener: Ich hörte ihn währenb ber kürzlich hier ungehaltenen Kanarien - Ausstellung im Stadtwaldschlößchen. Ter Lärm um ihn herum schien ihn wenig zu stören; denn bald nachdem ich mir ein Plätzchen am Tische erobert hatte, begann er, auf das Pfeifen eines Herrn antwortend, mit seinem Gesang, in welchem er auch die Worte: „Du, du, du, du süßes, lirdes Mätzchen, du, du!" langsam und deutlich zu Gehör brachte. Zweimal hatte ich das Vergnügen, ihn die Worte wiederholen zu hören, nud daß der kleine Künstler mit der Wiederholung seiner Kunst nicht kargte, beweisen die unterschriebenen Bescheinigungen anderer Personen. Der gescheckt gefärbte Vogel war von gewöhnlicher Landrasse.
DergnügungSanzeiger.
Königliches Schauspielhaus zu 6af f cL D Bom 8. bis 16. März.
Sonntag, ben 8. März: „Robert und Bertram". Dienstag, den 10. März: „Der Trompeter von Söllingen." Mittwoch, den 11. März: „Hänsel und Gretel". Donnerstag, den 12. März: „Zwei glückliche Tage". Freitag, den 13. März: .Hans Helling". Sonnabend, den 14. März: „Gräfin Fritzi". Sonntag, den II. März: „Die M-ister- inger von Nürnberg". Anfang 6 Uhr.
R«pertoir»Entwnrf der Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Sonnabend, den 7. März: „Teufels Antheil". Sonn- tag, den 8. März: 31/« Uhr: „Götz von Berlichingen". Erm. Preise. 7 Uhr: „Der Evangelimann." Gr. Preise.
Schauspielhaus.
Sonnabend, den 7. März: „Shakespeare - CycluS". IV. Abend. Vorstellung bei kleinen Preisen. „Siel Lärm um Nichts". Sonntag, den 8. März: Abends 7 Uhr: „Zwei glückliche Tage". Montag den 9. März: „Das Modell".
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