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A^rburg, Mittwoch, 4. iVLärz 1896.
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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag: Z oh. Au g. Koch, Unionsitäts-Buchdruckerei in Marburg jj ® „ _ „ „ , /
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Die Börsen - Enquetekommission hatte
(Fortsetzung folgt.)
eine unheilbare Herzenswunde schlagen muß. Wenn Sie wüßten' — fuhr die junge Frau mit leuchtenden Blicken fort — „wie er sein junges Weib gehegt und gepflegt und verwöhnt hat! Es war noch ein gar zu einfältiges Ding und James ersetzte ihm nicht allein Vater und Mutter — war ihm auch zugleich Freund — und Lehrer — und der zärtlichste Gatte! — O — am liebsten hätte er meinen Schritten seine Hände unterbreitet und zum Dank" — Frau Gertys Stimme schwankte, große Thronen zitterten in ihren langen Wimpern — „stehe ich im Begriff, ihm das bitterste Leid, das ihn treffen kann, anzuthun l'
Erschöpft, von Schmerz übermannt, schauerte sie in sich zusammen und schlug die schmalen Hände über ihr thränenfeuchtes Gesicht.
Doktor Kroner war tief erschüttert.
„Frau Gerty' — die vertrauliche Benennung entfloh ihm unwillkürlich — „Gott ist barmherzig und wird Sie Ihrem James erhalten' — sagte er mit warmem Eifer. „Ich bitte Sie um Alles, sich nicht diesem fassungslosen Weh hinzugeben, der Anblick solchen Jammers muß Herrn North, dem Sie doch jeden Schmerz zu ersparen wünschen, unnennbare Qualen bereiten, darum —* *
Sie erhob matt abwehrend die Hand.
„Von solchen Augenblicken' — flüsterte sie mit chwachem Lächeln — „wissen nur Gott und meine alte, neue Betsy.'
Ich erwähne hier die Heranziehung, die Verlockung des Publikums durch Betheiligung an
zunächst nur ein Register für Maaren vorgeschlagen, wobei sie natürlich vornehmlich die Berliner Produktenbörse, also die Getreidebörse im Auge hatte. Und in welchem Umfange die hiesige Börse sich die Spiellust des Publikums zunutze gemacht hat und welchen Gewinn sie daraus gezogen hat, das werden Sie freundlichst ersehen haben, meine Herren, aus dem Sturm der Entrüstung, welcher sich kundgab, als die Börsen-Enquetekommission dieses Register für die Waarenbörse angenommen hatte.
Diese Enttüstung ist in der Börsenkommission selbst in schönster Weise ad absuidum geführt worden. Die Vertreter des Freisinns, die Anwälte der Börse, haben sich für das Register ausgesprochen. Ja Herr Dr. Barth, der sich als Führer einer Börsenphalanrgegen das „gemeingefährliche" Agrarier- thum allwöchentlich in empfehlende Erinnerung bringt, hat sogar erklärt, er werde der Erste sein, der sich in das Börsenregister Einträgen lasse. Ob er das zu Spekulationszwecken thuu will oder zu seinem Privatvergnügen oder endlich, um die Herren von der Börse zu ermuthigeu, sei dahingestellt, die Hauptsache ist, daß er es thun will und daß er dadurch die „sogenannte" Empfindlichkeit der Börsianer, der schon von Seiten der Regierung ein Dämpfer aufgelegt worden ist, gründlich lächerlich gemacht hat.
(Nachdruck verbot»!,.) Marine-Jagden in drei Erdtheilen.
Vo» Kapitänlieutenant «. D. von Niesseo.
1. Auf Trinidad (West.Indien).
„3io Celsius im Schatten ttotz der ziemlich ftischen Brise und alle paar Stunden besprengtem Deck - da wird es an Land noch wärmer sein!" Von dieser ganz richttgen Folgerung ausgehend, beschlossen die dienstfteien Offiziere eines der Anfang 1886 auf der Rhede von Port of Spain liegenden deutschen . Geschwaderschiffe, eine Sonntags-Boot- Parthie zu unternehmen. Einige artige Seekadetten wurden dazu eingeladen, das Boot gehörig mit Moselwein und Sauerbrunnen beftachtet und Jagdgewehre nebst Revolvern mitgenommen. Der günstige Wind gestattete Segel zu setzen, sodaß die ganz weiß gekleideten Boots-Insassen rauchend und plaudernd, auch das Trinken nicht vergessend, in die fröhlichste Stimmung gerieten. Bald lag auch ein dicker Pelikan als erste Jagdbeute im Boot und dadurch angespornt, entschloß man sich, die Mündung eines südlich der Stadt mündenden, kleinen Flusses aufzusuchen, um auf Kaimans zu fahnden. Kaum hatte das^Boot eine kleine Strecke stromauf gerudert und eine Sandbank berührt, als plötzlich ganz gegen die Regel die Jäger von 3 Kaimans angegriffen wurden, die mit rasender Wuth an der Bootswand emporkletterten und mit ihren fürchterlich bewehrten, unheimlichen Rachen nach den Insassen und den Riemen schnappten, wobei einer der letzteren glatt mrchgebissen wurde. Im Nu standen einige See- kadettcn auf den DuchtenAsBänken) und ließen die
Deutsches Reich.
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* Berlin, 2. März. (Tagesbericht.) Die Kaiserlichen Majestäten besuchten gestern den Gottesdienst in der Kaiser Wilhelm - Gedächtnißkirche und Abends das Berliner Theater. Heute machte das Kaiserpaar eine Promenade im Thiergarten. 2hr der Rückfahrt sprach der Monarch im Auswärtiger Amt vor und hörte, von dort nach dem Königlichen Schlosse zurückgekehrt, verschiedene Vorttäge. Abends wurde die Vorstellung im Cirkus Renz besucht.
* (v. Stosch f.) Der Wittwe des Generals v. Stosch sandte der Kaiser ein Beileidstelegramm, worin er in wärmster Antheilnahme der tiefen Trauer um den Heimgang des Gatten gedenkt, „des Freundes meines elterlichen Hauses, des vielseitig befähigten, in Krieg und Frieden erprobten, hochbewährten Soldaten, welcher, an die Spitze meiner Marine gestellt, unvergeßlich bleibende Verdienste um dieselbe sich erwarb". Wie die Marine und die Armee, die um
Zur Börsenreform.
* Die Reichstagskommission zur Vorberathung des Börsengesetzentwurfes hat die erste Lesung der Vorlage beendet und zahlreiche Verbesserungen derselben vorgenommen. Der bemerkenswertheste Beschluß der Kommission, der im Lande mit größter Genug- thuung ausgenommen worden ist, ist das Verbot des Getteideterminhandels. Wie das Plenum des Reichstags sich zu dieser Angelegenheit stellen wird, ist noch unsicher; doch scheinen die Aussichten, daß es den Beschlüssen der Kommission beitteten werde, nicht ganz schlechte zu sein; die öffentliche Meinung wird hier leicht einen wohlthätigen Druck auszuüben vermögen. Ueber die Stellungnahme der verbündeten Regierungen wird erst die zweite Lesung Klarheit bringen, vorläufig ist die Erwartung, daß der Bundesrath die Kommissionsbeschlüsse im Großen und Ganzen acceptiren werde, eine durchaus berechtigte.
Ueber den Terminhandel in Maaren hat Herr Graf von Kanitz-Podangen sich in der Reichstagssitzung am 9. Januar ausführlich geäußert. Da das Interesse an dieser besonderen Thätigkeit der Börse jetzt überaus rege ist, geben wir das Wesentlichste der betteffenden Ausführungen in Folgendem wieder:
Eines definitiven Urtheils, einer Darlegung ! meines persönlichen Standpunktes möchte ich int gegenwärtigen Stadium mich noch enthalten; aber das Eine darf ich sagen, daß mir ein Terminhandel m Maaren bedenklich erscheint, sobald die Maare eine nicht fungible Sache ist. @in Pfund Gold, ein Pfund Silber hat immer und unter allen Umständen den gleichen Werth, mag das Pfund Gold aus Kalifornien, mag es aus Australien stammen. Anders ift es bei Maaren, anders bei Getteide. Ein Kilogramm Weizen kann unter Umständen halb so viel oder noch weniger werih sein, als ein anderes Kilogramm. Wenn nun diese Maaren, die von unendlich verschiedener Beschaffenheit und verschiedenem Werth sind, gleichwohl auf Termin gehandelt werden, so versteht es sich ganz von selbst, daß der Preis für die gute Maare darunter leidet. Natürlich muß für jedes Termingeschäft in Maaren eine Liefemngsqualität vereinbart werden. Der verabredete Preis gilt eben für diese Liefemngsqualität, Md die gute Maare, welche über derselben steht, muß sich diesem Preise fügen. Dieser Uebelstand wird verschärft, wenn minderwerthige Maare in großen Quantitäten auf den Markt gebracht,
ihn kauern, so werde auch er den Verstorbenen stets m ehrendem Gedächtniß behalten. Die Beisetzung findet am Mittwoch auf dem Friedhof in Oestrich statt.
* (Srüel f.) Der vorgestern verstorbene Geheime Regiemngsrath a. D. Dr. Brücl war lauge ^ahre Vorkämpfer des Welfenthnms. Geboren 1818 bekleidete er feit Anfang 1863 die Stelle eines Generalsekretärs (Unterstaatssekretärs) im Hannoverschen Kultusministerium, verttat danach im Jahre 1866 von der Zeit der preußischen Besetzung bis zur Einverleibung Hannovers die Stelle des hannoverschen unb fungirte hieraus als Direktor k , uktusdepartements bei der hannoverschen Civil- adnilnlsttation bis zu der auf sein Ansuchen im Jahre 1868 erfolgten Entlassung aus dem aktiven Dienste. Dem preußischen Abgeordnetenhause gehörte er als Hofpttant des Centtums seit 1870 an; er verttat den Wahlkreis Melle-Iburg. Mitglied des Reichstages war er von 1890 bis 1893.
, * (Sucfcrfteuerborlage.) DieAussichten d^ Zuckersteuervorlage sind, der „Post" zufolge, sehr ungünstig; in Reichstagskreisen heißt es, daß die Vorlage wohl an eine Kommission verwiesen werden ^urde, dott aber begraben werde. Auf unbedingte Unterstützung zählt die Vorlage wohl nur bei den Nattonalliberalen; bei den Liberalen, Sozialdemo- ttaten und Polen aber findet der Entwurf nicht einen Freund. Die Freikonservativen werden für die Vorlage emtreten, aber nicht, ohne Bedenken zur Sprache zu bringen. Von den Konservativen wollen etwa 10 bis 12 Abgeordnete gegen die Vorlage stimmen, vom Centtum sogar 40 bis 50 Abgeordnete.
, . * (N eiehstag.) Im Reichstage kamen heute bei der ersten Berathung der Zuckersteuervorlage nach der elnstundlgen einleitenden Rede des Staats- sekretars Graf Posadowsky die Abgg. Richter als absoluter Gegner, Graf Bismarck und Spahn als bedingte Freunde der Vorlage zum Wort. Morgen indet die Fortsetzung der Berathung statt. (Vergl. Reichstagsbencht. D. Red.) k
(B äckereigewerbe.) Nachdem der Bundes- rath des deutschen Reichs dem Anttage Preußens )etr- .^gerung der Arbeiterverhältnisse in Backereien und Konditoreien zugestimmt hat, wird demnächst die diese Verhältnisse regelnde ^nung veröffentlich werden. Eine Zustimmung des Reichstages ist nicht nöthig, denn es handelt sich nur um einen Verwaltungsatt.
* (Koloniales.) Gouverneur v. Wißmanu hat m Dmtsch-Ostaftika infolge der jetzt eingettetenen
mit abwehrender Geberde gegen die mit der Lampe einttetende Dienerin — „ich werde danach klingeln
* »S ®rie\ ~ 3U Kroner gewandt — „nicht mich solchen sanft abschiednehmenden Dämmerschein? Er paßt ohnedies zu dem, was ich zu sagen habe, besser, als grelles Lampenlicht. Also - neigen e« Ihr Ohr noch ein wenig näher, lieber Doktor — es wird mir doch schwerer, als ich geglaubt — und es ist doch in ein paar Morten gesagt, nämlich:Z Wenn ich nicht mehr sein werde —
„Frau North — welcher Gedanke!" fiel Doktor Krwier, seine Bestürzung hinter einem unbefangenen fMet” verbergend rasch em. „Jener Zeitpunkt liegt hoffentlich noch in weiter Ferne!'
Frau Gerty blickte aufmerksam forschend in Kroner's edles Gesicht.
, Fr°"rld, nicht so!' sagte sie nach
kurzem Schweigen. „Weßhalb mich täuschen wollen? Hinter Ihrer scheinbaren Zuversicht lese ich: Sie wissen langst, mein Lebensfaden fft beinahe abge- ponnen —
„Verehrteste Frau!'
-Still mein Freund! Es ist, wie ich sage! Möglich, daß noch viele Wochen, ja M.nate vergehen können, aber ebenso möglich, daß unertoartet wie beim leisesten Luftzug eine Kerze verlischt der Äthern in meiner kranken Brust für immer stockt! Dann, Herr Doktor, verlassen Sie meinen Jame« in seinem Schmerze nicht. Er wttd des Trostes bedürfen, denn er liebt seine kleine Getty so innig und — sehen Sie, das fft mein größter Kummer, daß diese undankbare Gerty dem geliebten Manne der emzig für sie gelebt, dem sie Alles, Alles war —
(Nachdruck verboten.)
Die Salon-Fee.
Noma» von 8L Mark»
(Fortsetzung.)
„3a, aufrichtig gestanden," fuhr die junge Frau fort, „wäre es mir sehr erwünscht, Charlotte käme heute ein Viettelstündchen später — Sie sehen mich verwundert an, Herr Dottor? Ich habe den günstigen Zufall, Sie allein zu sprechen, wirklich seit Langem ttsehnt."
„Befehlen gnädige Frau über mich.'
„Kein Befehl, Herr Doktor, nur' — Frau Gettys Stimme klang bewegt — „die erste Bitte ttnes geängstigten Herzens! Und bitte, rücken Sie Ihren Stuhl dichter, ganz dicht heran — das sprechen fällt mir ein klein wenig schwer — ich hatte vorhin einen flehten Anfall — nun — Sie wissen ja!'
„Dann, verehrte Frau,' — fiel Doktor Kroner «n — „durfte es geratener sein, wtt verschieben «e Unterredung! Ich stehe Ihnen zu jeder anderen Zeit fteudig zu Diensten! Auch unsere Lesestunde " wenn sie wünschen, daß sie heute ausfällf — . £ ^hob sich, wie zögernd — „dann will ich Fräu-
!ttn Wildow benachrichtigen.'
! f »Nein, nein! bleiben Sie!' bat Frau North Mnglich. „Sie haben nichts zu besorgen — ich stchle mich jetzt ausnehmend wohl, nur, ob morgen M3eit? sie unterbrach sich mit einem Seufzer und mhr dann heftig in heiterem Flüstertöne fort: (5rine Bitte ist zu wichtig, als daß ich sie auf Water verschieden dürste, sie betrifft - ach, laß noch ** Lampe, Betsy' — unterbrach sie sich abermals,
ad hoc herangeschleppt wird, um für lieferbar erklärt> zu werden.
Unter diesen Umständen ist der Käufer, wenn er solchen Geschäften und die dagegen zu ergreifenden große Terminabschlüsse macht, gar nicht in der Lage, Maßregeln, diejenigen Preise anzulegen, welche er für gute, brauchbare Maare gern bewilligen würde, und die Verluste, welche die deutsche Laudwirthschaft durch diese Manipulation der Getreide- Entwerthung erleidet, beziffern sich alle Jahre auf viele, viele Millionen. Mir werden ja bei Prüfung der schwierigen Frage näher zu untersuchen haben, welches die überwiegenden Interessen sind. Es wird behauptet, daß die großen Konsumenten, die großen Müllereibettiebe gar nicht bestehen können, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, sich rechtzeitig durch Terminkäufe ihren Bedarf zu sichern. Ich mag auf dies schwierige Thema, welches uns Tage und Tage in der Enquete- kommission beschäftigt hat, hier des Näheren nicht eingehen ; aber das eine darf ich sagen, daß diese Prüfung, mag sie aussalleu wie sie will, das Resultat zeitigen wird, daß den wenigen Interessenten der wenigen Gruppen, welche ein nachgewiesenes Interesse am Terminhandel haben, eine sehr viel größere Zahl von Interessenten gegenübersteht, die einen sehr viel größeren Nachtheil davon haben.
Nun hängen aber mit dem Terminhandel doch noch andere Uebelstände zusammen, das sind die Geschäfte in fingirter Maare, bei der die Absicht einer Lieferung gänzlich ausgeschlossen ist. Die amerikanische Antioption Bill machte bereits einen scharfen Unterschied zwischen den sogenannten Options und Futures auf der einen Seite und den reellen Liefeningsgeschäften auf der anderen Seite. Man darf das unmöglich verwechseln, und es ist in der iE^at so verschieden wie Tag und Nacht, wenn auch vielleicht die äußeren Merkmale fehlen. Das solide, reelle Lieferungsgeschäft in effektiven Maaren zu verhindern, wird ja keinem Menschen einfallen, aber, meine Herren, diese riesigen Abschlüsse, die in fingirten Waaren gemacht werden, wenn z. B. der Bürgermeister einer kleinen Stadt Schlesiens verleitet wird zu Börsenspekulationen und handelt tausende von Tonnen Weizen, die er niemals brauchen kann, nur, um bei der Berechnung der Differenz einen Gewinn 31t machen, und wenn nun diese Mengen von fingirten Waaren nicht nur von Outsiders, sondern auch von eigentlichen Börsenmännem gehandelt werden, um damit einen Preisdruck hervorzurufen, dann werden Sie mir doch hoffentlich zugeben, daß sie kein nützliches Anhängsel unseres Börsenverkehrs sind.