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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
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KLarbnrg,
Sonnabend, 29 Februar 1896.
Anzeigen nimmt «utgrgen die Expedition dieses Blattes, sowie di« Annoncen-Bureaux von Haasenstein u Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe iu Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; C. L. Daube u. Co. iu Frankfurt a. M., Berlin Hannover Paris
XXXI. Jahrg.
AM- Wir eröffnen hiermit ein ein- monatliches Abonnement auf den Monat März. Der Bezugspreis für diesen Monat ist für Marburg frei in's Haus 70 Pfg., durch die Post 75 Pfg. (excl. Bestellgeld).
Ein Reichs-Vereinsgesetz?
□ Die im Reichstage wiederholt verhandelte» Anträge der Sozialdemokraten und Freisinnigen über die einheitliche Regelung des Vereinsrecht» durch bei Reich werden nunmehr eine Kommission beschäftigen. Die ReichStagSmehrheit betreibt allerdings mit Bor liebe die Geschäfte der Sozialdemokratie. Die Reichs Verfassung leistet ihr auch insofern eine» gewiss-» Vorschub, alS fie i» ihre« Art. 14 Nr. 16 die Zuständigkeit deS Reiche» iu Frage» der LereinSwefe»« ausdrücklich a»erken»t. Die verbü»dete» Regierungen habe» bisher keine Veranlassung z« einer Aenderung des jetzige» Z»pa»drS gehabt, weil die einzelne» La»deS.Verei»rgefetze im Kroße» u»d Sargen dem praktische» Bedürsniß entspreche».
Die Frage ist iudeß dnrch die Auslösung ter sogialdemokratischen Vereine auf Grund de» preußische» Berei»SgesetzeS auch für weitere Kreise vo» Jnterrsse geworden. Rach § 8 desselben dürfen Bereine, die Sffentliche Angelegenheiten behandel», weder durch Lomitsr, noch durch Centralorgane »der ähnliche Einrichtungen miteinander in Verbindung trete». ES herrscht die Befürchtung, daß »ach diese» le» stimmnngr« alle Pmtei-Organisationen in jedem A»ge»blick der Rtglichkeit ter polizeilichen Auflösung preis gegeben find, da alle Parteien das Bedürsniß habe», fich z« konstituire», g» orgnntstre» u»d für ihre Partetzwecke im weiteste« Rahme« z« werbe«.
Ale Parteien find den« auch in de« Wunsche der Abänderung dieser Brstimmnnge« einig. Aber die Schwierigkeiten einer einheitliche» Regel»», deS LereinSrechtS trete» sofort bei de» betreffe»de» praktische» Vorschläge« hervor. Die Sozialdemokratie und der Freifin» wolle« anch de« Frauen dir Theil- «ahme a« de» Berei» « sicher» u»d die Altersgrenze für de» Si»tritt zu de» Vereine» herabsetze». S» dieser Forder«», schon m»ß die retchSgesetzlichr Regelung der Frage scheitern. Ma» mag über die Erweitern»! der Rechtsfähigkeit der Fraue» denke» wie ma» will, ihr i» bürgerliche» ErwerbSlebe» de» weiteste» Eptelra»« gt»»e», — zugebe« wird wo»
(Nachdruck verboten.)
Die Salon-Fee.
Roma« vo« A. Marby.
(Fortsrtzullg.)
.Ja, bai allein ist'«, was wir beim Lese» beklagen, daß es uns nie vergönnt sein wird, die plastischen Kunstwerke der großen Reister mit eigenen Augen zu schauen l“ warf Han» unter einem bäauernden Seufzer ein. —
.Was Dich betrifft — wer vermöchte das jetzt schon zu behaupten? Einem Ranne steht die ganze Wett offen und Du, lieber fian*' — Charlotte strich sanft di« schwarze Haarlocke au» de» Bruder» umdüsterter Stirn — „bist noch so jung l Kannst in Deinem Leben «och «eit «mherkommr« und viel Schöne« sehen !'
.Jung?" rief Hari» halb lachend — «bist Du etwa nicht mehr jung, Sei»?'
.Ich?" Wa» [leg nicht in dem undefinirberen Tone, womit Charlotte da» eine kurze Wort aussprach l Aber wie, um dm schmerzlichen Eindruck zu verwischen, fuhr fie z» Doktor Kröver gewendet hastig fort: .Ich hoffe, Herr Doktor, Sie find nun überzeugt, daß ich nach seinem vollen Werthe da» Such zu schätzen «eiß und für feinen Besitz sehr, sehr dankbar bin?"
.Ich vermag nicht zu sagen, mein Fräulein, wie froh, wie innig ftoh Ihre Worte «ich mache«,' lautete die Antwort im Tone wahrhafter Senuglhuunz.
Han» ließ e» fich nicht nehmen, Doktor Kroner voran zu leuchten. Ehe er in dessen Zimmer di» Lau pe auf den Schreibtisch stellte, hielt er fie ab- sichtlich so, daß ihr voller Schein auf Tora» in frischem Blumenschmuck« prangende» PorttaÜ fiel,
ehrlicher Weise doch, daß nefete Zett »tcht die Auf- gäbe hat, die Frau ihrem natürliche» Berufe noch »ehr zu e»tfre»deu. Die Frau gehört i» da» Hauk u«b i» die Family, nicht auf btt Rednertribüne u»d in öff-ntliche Vereine. Der große Zvg bei Gegenwart geht iu alle» gebildete» und für der «üsstige Beuriheilung zugängliche» Kreise» auf eine Minden uz de» deutsche» Berei»». und Versammlung». Unwesen«, als de» eigeutliche» Nährbode»« für BolkS- verbild»», nab des Tummelplätze» für Halbbildung und geistige Unreife. Nur eine vollständige Der- kennnng aller natürliche» Bedingungen de» Frauen- leben» kann da die Grausamkeit zeitigen, auch noch die Frauen in de» Strudel der TageSstreitigkelte» zu zerre« und so dem menschlichen Unverstand und fitlichen Elend neue» Vorschub ,» leiste».
Die verbündete» Regierur,e» »erde» »ach den Erklär»»,e» de» Minister» v. d. «ecke de« positive» Vorschläge» de» Reichstage» ,»r Reform bi» Berei»»- rechtes zwar e»tgege»fehe», obwohl der Minister silbst vo» der Unhaltbarkeit de» bestihende» Gesetze» nicht überzeugt ist, auch «icht -»gebe» kann, daß es jemals in tendenziöser Weise, wir die Sozialdemo kratie behauptet, angewandt worden ist. Der Ri- nister glaubt nicht au die Möglichkeit der Schaff«, eine» annehmbaren deutschen Verein»,esetze» aus der Bast» der gemachte» Vorschläge, und derselben Ueber- zengu»g wird ma» überall sei», wo ma» die letzte» Zwecke der sozialdemokratische» Anträge klar durchschaut.
Deutsches Reich.
• 87.8:6t. «»,<„»!«>.) «efer»
Abend waren die Minister Miquel nnd vo» Hammer- stet» bei den Kaiserliche« Rajestäte« zum The« geladen. Heute, e» ihrem Hochzeitstage, «ahme« der Kaiser uud die Kaiseri« dir Glückwünsche der nächste« Umgebung entgegen und begäbe» fich zur Tafel bei der Kaiserin Friedrich. Im Königl. Schlosse fand Abend» eine größere Gesellschaft statt, «»läßlich de» Hochzeitstage» liefe» äußerst zahlreiche Bouquet» und Lttme»'Arra»geme»t», sowie briefliche und telegraphische Glückwünsche ei». — 3m Reich»- kmrzlerpalai» »ahm der Kaiser eine» lä»gero» Vortrag de» Fürste» Hohr»lohe entgege». — Der kommandirenre General de» li. Armeekorps, v. Blume, hat, wie die „Straßbg. Post' jetzt feststellt, eine» Ohren- leiden» »ege» vor et»ige» Woche« de» Kaiser sei« Abschiedsgesuch eingereicht. Eine Entscheid»», darauf ist »och nicht erfolgt. — Sei« »Ojährige» Rilitärdtenstjubili«« begeht am 8. Rärz
nnd wartete gespannt, in welcher Weise der Ueber- raschle seine Freude kund thun würde. Han» hatte sich auf diesen Moment kindisch gefreut, verstohlen richtete er einen neugierigen Blick auf de« geliebten Doktor — wa« »ar bei? Eine tiefe Falte zwischen den Brauen, die Lippen fest aufeinander gepreßt, wandte dieser dem bekränzten Bilde schweigend den Rücke«. Beleidigte ihn etwa die kleine finnige Aufmerksamkeit ?"
Da« triumphireude Lächeln um de» Knaben Mund erstarb, er wünschte kleinlaut eine gute Nacht und kehrte enttäuscht zu den Schwestem zurück
„Denkt Euch; er hat kein Wort gesagt I' berichtigte Han» betrübt. „Ja, al» er die Blumen sah, wurde sein Gesicht ganz bleich und sah so böse au«, daß ich erschrack. Wie erklärst Du Dir da», Lolo? Für Deine gute Absicht kann er Dir doch nicht zürnen?'
Charlotte, auf de» Teppich die trocknen Tannen- nadeln zusammenfegend, antwortete nicht gleich, so daß Han» seine Frag« voll zagender Ungeduld wiederholte. Da, den kleinen Kopf noch tiefer bückend, erwiderte fie in gepreßte» Tone: „Ich glaube nicht, aber daß Doktor Kroner davon ein Aufheben» macht, verdient fie noch «Niger l Vielleicht hast Du Dich auch geirrt?*
.Nein, nein, neinl' verficherte Han«. ' .Ich kenne jede Miene de, edlen, gtügen Gesicht« zu ge- na«, um gewiß zu sei«, daß ihr auffallend »er- änderter »«»druck keine Freude »iebetfpiegelte/
Charlotte schwieg, von einer eigenthümlich be- ängstigenden Empfindung ergriffe«. Sie erinnerte sich, wie er ihre Frage nach dem Befreien seiner Brant merkwürdig flüchtig beantwortet »nd feine» Besuch« in Sifina« während be« ganzen Abend» mit keiner wetteren Silbe gedacht, hatte. War dir»
Ge»eralfeld»«schall Prinz Georg vo« Sachse«. A» bet Jubiläumsfeier wirb fich auch die preußische Armee betheilige», iibe« die kommaudtreube» Generale be» der 2. Armeeinspektio«, deren Ge»erali»spekteur Prinz Georg ist, unteistehendin 5. und 6. 8hm. e- korpik «ab efae Deputation seine» 16. (altmtiktschen) Ulaneuregiment» sich nach DreSbeu begebe« werbe«.
*(FürstBt»marck «ab v Bötticher.) Die .Hamb. Nachr.' hatte« »eulich der .Germania' gegenüber be» rkt, daß, wenn in FriedrichSivh Bei- st!»mn»g gegen Herr, v. Bötticher existire, fie ihren Ur spinn, nur i» Verhalten de» Minister» vor de» Rücktritte de» Fürsten Bismarck habe» kirne. Daz» schrieb die .Bvss. 3t,.': .War Fürst BiSmarck wirklich, so lange er noch Kanzler war, gegen Herr» v. Bötticher verstimmt, so lag e» ja i» sei»« Hand, t» irgend einer Weise für Abhilfe zu sorge»'. Dem gegenüber erkläre« jetzt die .Hamb. Nachr.', daß i» be» letzte» Wmterrnouate« 1889/90 der Einfluß des Herr» v. Bötticher erheblich stärker war, al» der feine» Vorgesetzte«.
.♦ (Verbot de» Getreide « Termi«. handel».) Die Mehrheit der Börsengesetzko»»isfiou de» Reichstag»hat, so lesen wiri« b« „Sons. Korresp.', nach einer mehrere E tzaugen süllenbr» Debatte sich für be» Verbot be» Terminhandel» in G. treibe «nb Mühlenfabrikate« anigesproqe». Unsere» Erachten» ist dadnich der Birsengesetzentwnrf ganz erheblich verbessert worden. Erft die Einfügung diese» L« bote» ist geeignet, die Börse»!! form z« einer Schutz maßregel für die Setteideprodnzente» z« machen. Alle dir andere» Kantrle« — summt be« Spekulanten regißer — falle» gegen ein grnidiätzttche» Verbot deS Getreibetermiuhandel» wenig in'« Gewicht; denn fie können «nd «erden umgangen werde». 3» Umgehe» der Gesetze fi»d di« Herren vo» der Börse bekanntlich Meister. Da» Verbot aber ist »icht zn xm gehen, «nd darum begrüße« wir dessen Annahme in der Kommission mit Genugthuung. Zwar vnfichern heute sch,« einzelue Börse»,rgane auf Grund .bester Informationen', daß die .maßgebenden Staat» männer' einem Verbot be» Termmhandel» nach leinet Richtung hin zustimme» würde»; allei» wir find davon überzengt, daß an eine« solche» Widerspruche da» Zustandekommen de» Börsengesetze» mit der Lerbottklausel am letzte» Ende »icht scheitet» würde. Da aber die Mehthett für da» Verbot i» der Kom- misfio» eine nur geringe (elf gegen neax Stimmen) war «»d da vo« C.utrum vier Rttglieder gegen nnd »ur zwei für da» Verbot stimmten, ist da» Schicksal
absichtlich geschehen? Hatte mit seiner schönen Braut oder deren Angehörigen eint irgendwie verstimmende Scene staltgrfunden? Aber er erschien so heiter, so glücklich! Konnte er die» sei« und gleichzeitig unter einem Zerwürfniß mit dem ihm theuersten Wesen leiden? Unmöglich! Doktor R ontt wat einzig und allein zu stolz, von der „armen' Ctzarlottt Die geringste Revanche für feine »erfchwenoerifche Großmuth anzunehmen. Doch Stolz gegen Stolz! von nun an wollte fie und die Geschwister dem hochmüthigen Manne auch nicht« mehr zu verdanken haben — die Beweise feine» Wohlwollen« brannten ihr förmlich auf der Seele. —
Ob Charlotte nicht stutzig geworden über die Empfindungen de» „hochmüthigen' Manne«, wenn fie ihn hätt« beobachten können, nachdem Han« ihn verlassen?
Beim ersten Blick auf dar Bild durchzuckte ein unbeschreiblich stechender Schmerz Doktor Krönet', Stuft. Der letzte dünne Flor, welch« bi» zur Stund« den wahren Zustand fein-» Inner« noch mitleidig verhüllt hatte, znriß: niftt ferne verlobte Braut — die, welche ihr Bild mit Blumen geschmückt, liebte et mit glühender Leidenschaft 1 Diese jähe Erkenntniß traf ihn wie ein zermalmender Schlag, beraubte ihn minutenlang jedm klaren Ge- danken» 1
Wa» nun — war nun?
Sollte et Charlotten« Nähe fliehen? jetzt noch. ao et für ihn bereit« zu spät geworden war? Da« half'« ihm noch, ihre« gesegneten Anblick» freisiHig sich zu berauben? noch ein paar kurze Monate, dann mußte « ja so wie so dem schmerzliche« Glück entsagen! Wie, wo«U hätte er auch ein plötzliche» Fortgehen von ihren durchdringenden,
dieser Klausel i« Plena« wohl ftaglich. Die Fraktion diktatur be« Ce«tt»m» ist sehr wohl i« Staube, auch i« diese« Paukte wieder der Börse ehea Gefalle« zu erweise« u«b da» Terminhandel»- verbot zur Ablehnung ,« bri«ge». Maa wird dah« die eudgiltige Stelluagaahwe de» CeatrumSvorstaade», also die Parole der .Kölaische« Volkszeitung', ab- warten müsse«, bevor «a« darüber klar sehr« kau».
* (Konfektio«»streik.) Mit be« «erhält- »isse« in der Berli«« Konfektion« branche steht e» doch immer »och ziemlich a«bestim«t au». ES scheint, alS ob dieBergliichrbesttmmunge», welche zu« E»de be« Streiks führte«, webet vo« alle« Großkoufek- tiouäre« «och vo« elfe« Meister« eiugehalieu würbe». Man berathichlagt »ne, wa« »»ter diese» Verhält- »isse» geschehe» soll.
* (Fürst BiSmarck u«d die Kolonial- Politik.) Ueber die kolo»i«lpoltttsche Auffassung ces Fürste» Birmarck geht be« .Hau». Cour.' von einem bet Theiluehmer an de» jü»gste« Empfänge« in FtiebtichStuh eine Riltheiluvg $«, die nach viele« Richtangen hin äußerst inteteffant ist. 3a Bezug auf die Kolonisation« frage hält Fürst Birmarck »ach wie vor fest, daß in fernen Erdtheile« der Kaufmann voran und der Staat mit seine« Schatze ihm Nachfolge« müsse. E» sei immer da» Richttge, eine« Küstenstrich vo« zwei oder drei Tagereise« Brette i« Besitz zu nehme« «nd mit be« dahttrter liegende» Neger» fre«» dschaftttche Abkcmmr« zu treffe»; würde» diese verletzt oder käme» sonstige Gewaltthätigk ite« vor, so müsse ma» »»verzüglich militärische Expeditione,, t» da» Hinterlard zur energische« und abschreckende« Züchtigung der Eingeborene« vornehme«. Bo« der Verpflanznng de» preußische« Regiek««g»affeflor» «nd feixe* bureau- kratrsche» Shst-m« «ach Afrika verspricht fich der Fürst wenig Erfolge. Der Altreichskanzler ist auch Cent unbedingter Anhänger der Aufhebung der Sklaverei. Dagegen sprach er fich mit Schärfe gege« die brutale und falsche Behandlung der Schwarze« am, wie fie leider auch von deutscher Sette in den be kannte» Fälle« vorgekommen sei. ES »ecke zwar i« de« Negervölker» et*«» von der Pferde- nnd Hnndenatnr, aber selbst in B-z«g auf diese beide« Thiere sei da» Syste« der Dress«r mittel» Schläge« veraltet. Wtßman» habe die richtige Art und Weise gehabt, mit de» Regerstämmeu fettig zn Wersen.
** (Durchgefallene Referendare.) Au» be» kurze» Nachrichten, die ab u»d zu i« die Tage»« blätter komme« über da» Lr«eb«iß der erste« juristt-
ernften Augen wottviren sollen? — und ihr, der Starken, Stolzen, erwuchs cu» seinem Bleiben ja keine Befahr! — Und wie er um ihretwegen litt, würde, durst« fi« «iemal», niemals ahnen!' —
Ach, jetzt verstand er, warum Dora» leicht«, tändelnd« Art und Weise, ihr unersättlicher Hang nach geselligen Zerstreuungen ihn so unsympathisch berührt hatten. Angesicht« dieser von Vergnügen zu Vergnügen flatternden, genußsüchtigen Schmetterling-natur hatte fich ihm wieder und wieder der Vergleich «ufgedrängt mit der Einzigen, die in edelster Selbstlosigkeit ihre wahlberechtigten An- sptüche an die Freuden der Jugend opferte und eie Sorge für da» Wohl der Ihrigen al» ihr« -Lchste Lebensaufgabe erkannte. Und welche Seelen- stärke, welche innere Freudigkeit gehört dazu, welch« unermüdlich« Thätigkett, um ihren Pflichten gerecht z« werden I Wie beneiden-werth wird der Mann sein, dem da» keusche, stolze Mädchenherz fich in Liebe zuneigt, der ihre Sorgen, ihre Mühsal mit ihr tragen darf! Selig, dreimal selig der, dem e» gelingt, um den festgeschloffenen kleinen Mund, oer niemals lacht, ein Lächeln de« Glücks zu zaubern und in den dunklen, schwermüthigen Augen den Strahl der Liebe zu entzünde»! —
Doktor Kroner'« Lippen preßten fich in lautloser Qasl aufeinander; fein rastlose« Auf- und Abschreiten unterbrechend, heftet« er feine wie magnetisch angezogenen brennenden Blicke auf den berückend lieblichen Mädchenkopf mit den über» mfithig lachenden Augen «nd dem schwellenden Munde. Keine passendere Folie für da« glück- athmende Geschöpf, als der bunte, duftend« Blumen- rahmen 1
Seine Braut — der er Treue geschworen — Treue halten mußte — ja, mußte! trotzrem seine