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(?) Wehrshause«, 21. Dez. Auf dem be' nachbarten Neuhof wollte am Donnerstag Abend ein Knecht Stroh vom Boden werfen. Infolge eines Fehltritts stürzte derselbe in die Scheunen­tenne und verletzte sich derart, daß er am anderen Morgen in die Klinik nach Marburg gefahren werden mußte.

X Ebsdorf, 23. Dez. Vor kurzem inspi­zierte Herr Regierungs- und Schulrath Dr. Hinze aus Gaffel einige Schulen des Kreises Marburg. Die Jnspicirung hatte lediglich den Zweck, nach Rücksprache mit den betreffenden Geistlichen die Gründung eines neuen Kreis schulinspektionsbezirkes in die Wege zu leiten. Wie sicher verlautet, wird Herr Pfarrer Werner in Cappel zum Kreisschulinspektor der neuen Bezirkes ernannt werden. Die 24 Schulen, welche den neuen Bezirk bilden, gehörten bisher theils zum Kreisschulinspektionsbezirk Kirchhain, theils zu demjenigen Fronhausen.

tt Lohra, 21. Dez. Die Wahrheit des vielgebrauchten Sprüchwortes: »Heute roth, morgen tobt" hat durch einen heute Nachmittag hier stattgefundenen Unglücksfall einmal wieder ihre Bestätigung gefunden. Der in den 30er Jahren stehende Sohn einer hiesigen, achtbaren Familie war damit beschäftigt, einen auf einem Keinen Handschlitten vom Bahnhofe geholten Sack Mais vor die Hausthür zu schaffen. Hier­bei rutschte er bei der jetzt herrschenden Glätte aus und stürzte so unglücklich mit dem Nacken auf den steinernen Tritt vor der Hausthüre, daß er das Genick brach und sofort eine Leiche war. Als seine Angehörigen die Stubenthür öffneten, sahen sie ihn als Leiche im Hausflur liegen. Der Schmerz der Eltern und Geschwister um den so plötzlich aus dem Leben Geschiedenen ist natürlich sehr groß und der Antheil an diesem schrecklichen Ünglücksfall allgemein.

B. Lohto, 22. Dez. Heute Abend gegen 5 Uhr fand in dem Schulsaal der Oberstufe der hiesigen Schule die Weihnachtsfeier der unter der Leitung der hier stationirten Diakonie­schwester stehenden Kleinkinderschule statt. Nach Abfingen kleiner Weihnachtslieder folgten Einzel- Vorträge der Kleinen. Die mit großem Fleiße eingeübten Gedichtchen und Dialoge fanden durch ihre finngemäße Betonung und die laute Aus­sprache regen Beifall. Nach dem Abfragen der Weihnachtsgeschichte, die durch paffende, einge­legte Gedichtchen und Liedchen eingetheilt war, kam endlich das lang ersehnte Christkindchen mit seinen Geschenken. Die Knaben erhielten ein Hemdchen und ein kleiner Pferdchen, die Mädchen ein Halstüchelchen und ein Eimerchen. Die Freude der Kleinen über die Geschenke war natürlich sehr groß und freudig zogen sie

Hessen-Nassau und NachbargebieLr

Hersfeld, 21. Dezbr. Die mit Spannung erwartete Entscheidung des Kreistages über die Uebernahme der Grnndentschädigung für den Bau der Nebenbahn Gerstungen-Vacha-Hünfeld ist, laut »Herss. Ztg." in der heutigen Kreis­tags-Sitzung gefallen und zwar in dem Sinne, daß die Kreisbehörde für die Aufbringung deS noch fehlenden Restes an der Pauschaulsumme Sorge tragen ebent. einen Theil desselben selbst übernehmen (im ganzen handelt es sich um noch ca. 23000 Mark).

n Oberndorf, 21. Dez. Dem Holzhauer­meister Brößel ist von Sr. Majestät, dem König, das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Dasselbe wurde dem p. Brößel von dem Revierverwalter der Obers. Treisbach im Beisein mehrerer Beamten und Holzhauer im Walde mit einer patriotischen Ansprache über­geben. Ein Hoch auf Sr. Majestät beschloß die einfache Feier.

Wetzlar, 21. Dez. Der Kaufmann Jakob Krafft hat sein Amt als Stadtverordneter nieder­gelegt, weil er fich von dem Stadtverordneten­kollegium und der Baukommisfion übergangen und übervortheilt glaubt, was er in einem Schreiben an den Stadtverordneten Vorsteher darlegte. Er hat einen Prozeß gegen die Stadt angestrengt. Bürgermeister v. Zengen wies in der letzten Stadtverordnetenfitzung den gegen ihn erhobenen Borwurf der Pflichtwidrrgkeit und der öffentlichen Bezichtigung eines Amts- Verbrechens (Entfernung von Urkunden aus den Akten) ganz entschieden zurück und erklärte, er werde den Fall der Vorgesetzten Behörde zur Entscheidung vorlegen und aus strafgerichtlichem Wege Sühne fordern. Die Versammlung ge­nehmigte einstimmig und ohne Debatte die Amtsniederlegung des Kaufmanns Krafft.

Wetzlar, 22. Dez. Der Miethgeld- Schwindler, über den letzthin in mehreren Mit- theilungen aus den Kreisen Wetzlar und Bieden­kopf geklagt wurde, ist jetzt in Krofdorf ver­haftet worden. Es ist ein Bursche Namens Cloos aus Frankenbach bei Rodheim a. d. B.

Obeuhaufe«, 21. Dez. Der schwer­beladene Bierwagen der Gießener Brauerei Dönninghof kam heute auf der zur Station Friedelhausen führenden, mit Eis bedeckten glatten Straße zwischen den beiden neuen Brücken ins Rutschen und sauste mit feinem Hintertheil die steile Böschung hinab, den Vorderwagen mit­reißend. Dabei schlug er um und Kutscher und Bierfäßer (gefüllt) kollerten die Böschung hinab. Glücklicherweise blieb der Wagen an den Weidep- stürnpfen hängen, so daß die Pferde fich hart am Rande zu halten vermochten. Auch der Kutscher war zu seinem Glücke mit einigen Hautabschürfungen davon gekommen, mußte sich jedoch von der Brauerei telegraphisch Hülse er­bitten.

Cro«berg, 21. Dezember. Ein sehr trauriger Fall dem ein junge» Menschenleben zum Opfer fiel ereignete fich gestern gegen Abend aus dem sogenannten Bleichweiher. Drei 13jähr. Knaben wagten fich auf die dünne Eisdecke, um Schlittschuhe zu laufen. Plötzlich gab die Eis­decke nach und die drei Knaben verschwanden in der Tiefe. Zweien von ihnen gelang es, fich wieder heraus zu schaffen, während der dritte Knabe, Adam Frank, unter das Eis gerieth und den Tod fand. Die seitens der beiden hiesigen Aerzte, welche alsbald zur Stelle waren, ange­stellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Das Eisenbahnunglück bei Altenbecken.

Da8 Eisenbahnunglück über daS wir leider in letzter Nummer berichten mußten, stellt sich als größer heraus, als die ersten Nachrichten es vermuthen ließen. Bis jetzt find 14 Tote ge­borgen, ob nicht noch unter den Trümmern jemand liegt, weiß man nicht.

Die Uns all st eile liegt aus einem Strecken­heil, dessen Befahren, seiner natürlichen Be­schaffenheit wegen, eine besondere Vorsicht er­

an der Hand der Mutter nach ver freier ihrer Wohnung zu.

n. Warzenbach, 21. Dez. Hier wurde von dem Zimmermeister Dersch ein Schwein ge­schlachtet, welches das seltene Gewicht von 540 Pfund hatte.

8 Kirchhai«, 23. Dez. Heute Vormittag trat hier der Kreistag zusammen. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung betraf die Ohrn- thalbahn: Nach längerer Debatte, über die wir morgen Näheres bringen werden, wurde ein­stimmig beschloffen, bei der Kgl. Eisenbahnver­waltung die Einführung der Ohmthalbahn in die Staatsbahn zu beantragen.

% Schweinsberg, 22. Dez. Herr Lehrer Kuffert wird auf feinen Antrag mit dem kom­menden 1. Januar von hier in die Schulstelle zu Schönlach versetzt. Während seiner drei­einhalbjährigen Thätigkeit in hiesiger Stadt­schule hat er sich viel Liebe und Achtung er­worben, sodaß wir ihn, der allzeit ein pflicht­eifriger Beamter war, nur ungerne scheiden sehen. Wir wünschen ihm auch in Zukunft alles Gute!

Ausland

Italien. Als chinesische Kriegsbeute haben, wie der römische Berichterstatter des »Daily Expreß" berichtet:Die Italiener die besten Stücke der kaiserlichen Bibliothek von Peking nach Rom gebracht. Der italienische Oberdol­metscher, Vigna del Ferro, begleitete die Bücher, ließ sie in der »Vittor Emanuel-Bibliothek" aufstellen und hat soeben einen Katalog fertig- gestellt. Unter den Büchern befindet sich eine Geschichte der Hahn-Dynastie, der berühmtesten, der vierundzwanzig der chinesischen Dynastien.

Portngal. Der Vettrag zwischen dem Generalgouverneur der portugiesischen Besitzungen von Mozambique und Lord Milner ist gestern unterzeichnet worden. Dieser Verttag reguliert endgültig die Einführung portugiesischer Produkte, einschließlich des gesamten Güterverkehrs nach dem Transvaal und in die englischen Kolonien mit Hilfe eines Transitverkehrs durch Trans­vaal, der für Portugal die günstigsten Be­dingungen feststellt. Der Vertrag ermöglicht ebenso und begünstigt in bis dahin unbekanter Weise die Einführung portugiesischer Arbeiter für die Gold- und Diamanten - Gruben und wiederholt im übrigen alle die vor Beginn des Krieges in Geltung befindlich gewesenen Regulative und Abkommen zwischen der portu- giefischen Regierung und der Regierung der Transvaal-Republik, unter Wahrung aller Vor­rechte Portugals. Das gesamte Abkommen ist derart günstig für die portugiesischen Besitzungen, daß auf Grund desselben in Lissabon ein schnelles Aufblühen der gesamten portugisischen Besitzungen von Mozambique erwartet wird.

Südafrika. Reuters Bureau meldet aus Harrismith vom 20. Dec.: General Dartnell mit leichter Reichskavallerie und Deomanry ver­wickelte am 18. ds. bei Langberg Dewet, der 800 Mann, eine Haubitze und ein anderes Ge­schütz hatte, in ein Gefecht. Nach vierstündigem Kampfe wurden die Buren zurückgeworfen. Von Bethlehem aus griff General Campbell mit in den Kampf ein. Die Buren hatten 5 Tobte und 20 Verwundete, 2 wurden gefangen ge­nommen. Auf englischer Seite fiel ein Mann, ferner wurden vier Offiziere und zehn Mann verwundet.

trug eine Verlachung und die yümörMsche Versteigerung bei. Auf alle Fälle können die Beranstalter mit dem Erfolg zufrieden sein.

* Die Wrikrwchtshtschrerrmg der Kleinkinder­schule im Katholischen Schwesternhaus fand am gestrigen Sonntag Nachmittag statt. Nach einer von den Kleinen brav botgetragenen Weihnachtsdichtung dankte Herr Kaplan Böschen denen, deren Gaben die Bescheerung ermöglicht hatten, und führte den Kindern die hohe Bedeutung des Weihnachtsfestes bor Augen. Dann ging's zur Bescheerung selbst, bei dem die Kleinen nützliche Gaben, zumeist Bekleidungsgegenstände, Gebäck und Aepfel rc. erhielten. Zu der schönen Feier hatten sich zahlreiche Freunde der Klein­kinderschule eingefunden.

8 Gaßwiriht Lereix. Auch in diesem Jahre hatte es sich der Gastwirthe-Verein für Marburg und Umgegend nicht nehmen lassen, aus den Erträgnissen der in den einzelnen Lokalitäten ausgestellten Sammelbüchsen für die atmen, be­dürftigen Kinder unserer Stadt eine Weihnachts- bescheerung zu beranstalten. Dieselbe wurde am Sonnabend Nachmittag im Beisein zahl­reicher Freunde der Kinderwett im Saale des Restaurants Fronhof abgehalten. Der Vor­sitzende des Gastwirthe-Vereins, Herr Restau­rateur Bärtsch, begrüßte zunächst die Erschie­nenen und wies auf den Zweck der Veranstaltung hin. An eine längere Ansprache des Herrn Pfarrer Scheffer schloß fich dann der gemein­same Gesang des schönen Weihnachtsliedes »Stille Nacht, heilige Nacht!" In einem Seiten­zimmer hatte die städtische Kapelle Platz ge­nommen und begleitete den Gesang. Die Kinder, im Ganzen 41 an der Zahl, hatten währenddessen um einen reichgedeckten Tisch Ausstellung genommen. Die Geschenke für die Knaben bestanden in je einem completten An­zug fammt Unterjacken, Hemden, Strümpfen, Handschuhen und Kopfbedeckung. Die Mädchen erhielten je ein neues Kleid nebst dem sonstigen nöthigen Zubehör. Kurz, man kann dreist sagen, daß jedes betheiligte Kind völlig neu­gekleidet wurde. Auch das nöthige Weihnachts­gebäck, Aepsel nnd Nüsse rc. waren reichlich vorhanden. Herr Rector Hentze sprach im Namen der Kinder in herzlichen Worten deren Dank aus, worauf die schöne Feier ihr Ende fand.

* Marburgs Brvilkenmgszahl. Nach Mit­theilung des Einwohner-Meldeamts hat Marburg die Zahl von 18000 Einwohner erreicht. Er­freulicher Weise steht am 1. April k. I. ein reger Zuzug in Aussicht, da fortwährend nach Wohnungen Nachfrage ist.

In Berlin wurde am eonnabenb gegen ben ehemaligen Geheimen Kanzleidiener des Kultus- Ministeriums Voigt verhandelt, der in den Jahren 1894 bis 1901 an den nach London geflüchteten Journalisten Br. Hamburger gegen Entgelt Mit­theilungen lieferte. Boigt war im Sommer in Haft genommen worden, als es sich aber nicht feststellen liefe, daß er bei dem Vertrauensbruch in der Zoll - tarifangelegenheit seine Hände im Spiel hatte, gegen 5000 Mk. Kaution freigelassen. Der Angeklagte bestritt entschieden, fich in Betreff des Zolltarifintwurss eine» Verrrauensbruches schuldig gemacht zu haben, räumte dagegen ein, Dr Ham­burger gegen Entgelt Mitthe lungen anderer Art ge­macht zu haben Der Gerichtshof erkannte auf drei Monate Gefängnife

In Schweinih-Wittenberg hat am Freitag die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen freifinnige« Abg. v. Siemens stattgefunden Abg. b. Siemens ist 1898 in der Stichwahl mit 8713 gegen 7829 konservative Stimmen gewählt worden, nach­dem in der Hauptwahl 5694 freifinnige, 7231 konser­vative und 1736 sozialdemokratische Stimmen abge­geben worden. Bei der jetzigen Wahl haben erhalten Rittergutsbesitzer v. Leipziger (deutsch-konservativ) 8024, Barth (fress. Bgg.) 6640 und Rohrbach (soz) 2049 Stimmen.

fordert. TUe Bahn durchfchneioet hier mätzA Höhenzüge und führt stellenweise durch tr^Achei Einschnitte in denen zwei Geleise neben ander liegen. Wegen der starken Neigung ?Le hielt der D Zug in Paderborn eine ©dw. L*r maschine. Kurz vor einer sehr hohen UeU LöUi führung überfuhr die V-Zugmaschine das Pf^ LI0 eines aufs Gleise gecathenen Fuhrwerks. Dav-^ man den Körper beseitigen konnte, mußte , Zug etwas zurückgeschoben werden.

RäumupgSarbeit dauerte etwa eine MertEäge stunde, das ganze Zugpersonal war dabei h schäftigt. Der Maschinenführer stellte schriftSmäßig Wachen aus, solange der Zug aZtmen freier Strecke lag, der betreffende Bahnwärt^uler gab unzweifelhaft das SignalHalt!" rüM ft toärtS; dieses wurde jedoch vom Hintermar^^ten dem Bahnwärter Klinghardt, nicht beachtet, gab einfach dem Personenzug das Signals so Freie Fahrt!" Das Unheil nahm fein^L rii Lauf, der Personenzug rannte mit vollAhmg Dampfkraft auf die Schlußmaschine des V-Zugg g, auf, so daß letztere in den Schlußwagen dritte» .rnen' Klaffe, der ihr zunächst stand, hineinflog. Tir urbe schwere Maschine fabelte den Personenwagq rt;§ förmlich in zwei Theile: die unglückliche, TÜj( Passagiere waren die Opfer dieses furchtbar^- Anpralls. Was weiter geschah, wer möchte schildern, wer das Bild des TodeS malenRNre Die erste Nachricht lief 1 Uhr 42 Min. r -

Bahnhof Altenbecken ein. Aerzte, HilfspersonL^t wurden verlangt. Einer Periode der planlos«^ Dispositionen folgte zielbewußtes Handeln, aI|Lt bi der Paderborner Rettungszng eintraf. Mit befcmm Axt wurden die Holz- und Eisenwände bZXfy Trümmerhaufens durchschlagen, um die Lebende, Mch zu retten und die Sterbenden zu bergen. Nebe, Me vielen Beispielen hochherzigen Handelns und bet (teile selbstlosen Hingabe ein solches der Gefühllofig- y feit: Vor die unter den Trümmern um Hilfe jnber schreienden, in eisiger Kälte und Rässe Der. ^ii kommenden stellte fich ein Reisender mit de« M Kodak, um eine Momentausnahme g« enbi< machen. Xeße

Zur Untersuchung des Unglücks und feraerLnem Ursache ist ein Kommissar vom ElsenbahnminLhan! sterium bereits in der vergangenen Nacht naÄkPT1, der Unfallstelle abgereift. ^ri

Herr Prokurist Hellmuth Leiter aus Berli, berichtet einem Berliner Blatte über feine Wahr ^flip nehmungen wie folgt:

.Ich befand mich, nachdem der Zug Paderborn 1.1,,, verlassen hatte, im Speisewagen, wo ich nut zahlreiche, uthe anderen Reisenden das Diner einnahm. Kurz hinter Neuenbeken war ich in mein Abtheil 3. Claffe zurück- gekehrt und safe lesend in einer Ecke, als ein heftige: Stofe erfolgte. Erschreckt sprang ich auf und ließ das Feaster herab, um hinauszufihen, als im selbe, Augenblick ein neuer, noch stärkerer Stofe erfolgte, der mich mit dem Kopf an den Fensterrahmen schleuderte. Blitzschnell stand das Eisenbahnunglück von Offenbach vor meinem Geiste; ich fühlte, dafe em Unglück geschehen sei und sprang zur Thür hinan» auf den schmalen Eisenbahndamm, an deffen rechter Seite eine Felswand emporstieg, während links ein abschüssiger, mit Schnee gesüllier Graben lag. E» herrschte fast undurchdringlicher Nebel, doch ließen das entsetzliche Schreien der Schwerverwundeten, di« Hilferufe von Frauen und Kindern keinen Zweifel, F wo die Katastrophe erfolgt war. Unser v Zug flöte üche 1 Berlin hatte, da bie Strecke steil bergan ging, hinten eini i-jeni Maschine, welche stofeen half, und auf diese Maschim B war ein von Neuenbeken abgelassener Personenzug in ischirr Nebel aufgefahren. Die Maschine hatte den letzten V Wagen des v-Zuges völlig getheilt und die Hälft« ochges zertrümmert; zwischen den starken Holztbeilen der mftige Wände waren Männer, Frauen und Kinder einge- U klemmt; auch unter der Schiebemaschine lagen mehre« firn i Persone«, die bereits tobt waren; das Bild war ein lattirt grauenhaftes, unvergeßliches. Von den Holztheilei ; leim des zertrümmerten Wagens rann das Blut der be P dauernswerthen Opfer in den Schnee. Ein von 1 komi Paderborn nach Magdeburg reisenber Kapuzinerpat« D ging von einem Sterbenden zum andern und ertheilir töfete denselben die Absolution, dann half er in aufopfernder misten Weise zu retten, was noch zu retten war. Leider maill« gab es kein Beil, kein HandwerKzeug, um etwa» Ordentliches schaffen zu können. Inzwischen waren in den letzten beiden Wagen die Gasbe- S hälter explodirt, und die Wagentheile brannten. Du 1 den Reisenden, welche im Speisewagen und in den vord.ra!, latmei unbeschädigt gebliebenen Abtheilungen gesessen hatten D betheiligten sich ohne Ausnahme an dem Samariter- mit fi werk: die Herren trugen die Tobten und Verletzte, idet d auf das zweite Gleis und legten sie in langer Reih« tifttid nebeneinander auf ausgebreitete Decken. Unter be, tzend Tobten waren zwei lebensfrohe Studenten aus Bowl las bu welche zu den Weihnachtsferien fuhren. Während «steht die Eltern freudig bewegt in Berlin ihrer Auskunft rrtheu harrten, lagen sie aus schneebedeckter westfälischer Erde D Ein vierzehnjähriger Gymnasiast aus Paderborn hat» »prozi kurz vor dem Zusammenstofe den Mitfahrenden seine» chmäß Abtheils noch sein brillantes Zeugnife gezeigt, eine ebentl halbe Stunde später war das junge Leben vernichtet ins Nic

Marburg und Umgegend

Marburg, 23. Dezbr.

* Person»!-Richrichtex. ernannt: Zum Königlichen Eisenbah nstationsassistenten: die Sta- tümSaffiftenten May in Wildungen, Naß in Eschwege, Ludwig Schneider in Marburg, Heinrich Stahl in Marburg. Zum Königl. Eifenbahnwagenmeister: Wagenmstr.: Schmuch in Treysa.

* De» »estrige ©«mit» brachte uns Winters Anfang, und damit zugleich den kürzesten Tag und die längste Nacht. Dieser kürzeste Tag hat nur eine Länge von 7 Stunden 48 Minuten, die Nacht dagegen 16 Stunden und 12 Minuten. Der nächste Tag nimmt nach astronomischer Berechnung schon wieder um einige Sekunden zu. Die Zunahme beträgt am 26. Dezember 1, am 31. Dezember 3 Minuten. Merkliche Ver­längerungen find erst bedeutend später zu spüren, und außerdem nur erst an ganz Hellen Tagen, weil trübes Wetter mehr verkürzt, als die Mi­nuten Unterschied betragen.

8 Lehrlixgshestx. Zu der gestern Abend in der Aula der alten Realschule abgehaltenen Weihnachtsfeier des LehrlingSheimS hatten fich außer etwa 100 Lehrlingen auS hiesiger Stadt zahlreiche Handwerksmeister und sonstige Freunde des Heims eingefunden. Inmitten des Saals hatte ein großer, prächtig geschmückter Weih­nachtsbaum Aufstellung gesunden. Eröffnet wurde die Feier mit dem gemeinsamen Gesänge des Weihnachtsliedes »Stille Nacht, heilige Nacht," woraus Herr Pfarrer Metz eine An­sprache hielt. Es folgten Vorführungen von Lichtbildern, meistens Ansichten von aus der biblischen Geschichte, bekannter Städte rc. aus dem heiligen Land. Zum Schluß erhielten die Lehrlinge allerhand kleinere Geschenke, Aepfel, Nüffe, Portemonnaies rc. Viel zur Erheiterung

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Vermischtes

Der Pariser Postbote «nd feix Kalender

Wer in Paris Briefe erhält, der empfängt u« 6etgfai das Dezemberende auch einen ungewohnten Be-. H such, ben Besuch seines Postboten. In Pari» öDtt1' liegest der Postbote sein kleines Revier, oft nu$ ein Gäßchen, zehnmal im Tage, aber den meiste g? Bewohnern der großen Mietshäuser bleibt er Staffage des Straßenbildes, ein anonyme» Wesen. Allein der Pförtner, dieses nothweudigi lebe! jedes Hauses, kennt ihn. Bei ihm giebt er seine Sachen ab, und dieser Tyrann vo« Eigentümer und Miether vertheilt sie, gehöck UxA lurchschnuppert, in die einzelnen Wohnungen- bei Nur einmal im Jahr kommen die Miether mit »tebatl ihm in Berührung. Der Postbote kommt daN« 1 mit einer noch dicker geschwollenen Tasche, toünfd)'1 3a uns freundlich Guten Tag und breitet daN» auf dem Tische eine ganze Auswahl hübsche'