Einzelbild herunterladen
 

iui*8

er

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg and Kirchhain.

Jtl M2

im

t,

U- 4< teffen Versammlungsreden v»n den Sozial» !* lein o traten wiederholt Bezug genommen worden

ir Heim

M.

»s,

)s

fcefW eewaeiJ ne«. J

imerirte wert. md am

ratawu

|0, beim die Be- (8112

mannte? (7957

oberen Stufen die Weiße, zarte Gestalt seiner Elfe. Er grüßt ehrerbietig, und sie neigt freundlich das Köpfchen, im nächsten Moment ist sie hinter der Wendung der Treppe ver­schwunden. Der Lieutnant schaut ihr nach und achtet nicht aus den leisen, pfeifenden Ton, der den Lippen seiner Tante entfährt.

Ihrem scharfen Blick ist die Rose in des Mädchens Gürtel nicht entgangen, eS ist genau dasselbe Exemplar wie jene, die ihr Neffe während des ganzen Gottesdienstes in der Hand gehalten hat. Sie seufzt tief auf, dann aber nickt sie energisch vor sich hin und murmelt ingrimmig:Werde Dir die Flöten töne bei­bringen, mein Söhnchen." Sie denkt an die zärtlich geliebte Nichte daheim, deren verwöhn­tes Herzchen sich auf den schmucken Offizier an ihre Seite kapriziert hat. Ernas Lebensglück sollte gewiß nicht scheitern, weil sich der Leicht­fuß da eine Liebschaft in den Kopf gesetzt hatte. Dafür würde sie sorgen, sie die Tante Therese. Schweigend schreiten die Baronin und ihr Neffe heimwärts. Zwar versucht letzterer einige­mal ein Gespräch in Gang zu bringen, aber die kurzen Antworten der Dame lassen ihn diese Absicht bald aufgeben. So hängt er seinen Gedanken nach, ach leider find sie keines­wegs freudiger Natur. Er sagt sich, daß et­was geschehen muß; von Elfe kann er nicht lassen, das fühlt er zu bestimmt, aber auch, daß er dem Mädchen gegenüber nicht weiter gehen darf, ehe er sich nicht über seine Lage klar ist.

(Fortsetzung folgt.)

klaischen ausgenommen. Trotz weit vorgerückter Stunde nahm hiernach noch der preußische Land- wirthschaftSminister Podbielski da-Wort zu einem Appell an die deutsche Landwirthschaft, der Gemeinsamkeit der Interessen aller Zweige des nationalen Wirtschaftsleben Rechnung tra­gend, ohne Einseitigkeit sich mit der Regierung auf die in der Vorlage gegebene Mittellinie zu stellen. Die Debatte wird morgens nochmals ausgenommen und vorausfichtlich zu Ende geführt werden.

1802.

m 1902. entiehet cbell.

Alle die Ihr mühselig und beladen seit." Das Mädchen horcht auf. Das ist das Rechte. Sie will beten.

Glückliches Kind! Zum erstenmale im Leben sorgt daS kleine Herz, und sofort findet es den einzigen Weg zu Trost und Zuversicht, daS Gebet. Und mag dies kindische, egoistische Flehen noch weit entfernt sein von jenem Anrufen des Vaters in Geist und Wahrheit, gleichviel, es findet den Weg zum Throne des Herrn.

Werner von Buchwald hat sich neben ferner Tante niedergelassen. Er ist fo sehr in Ge­danken versunken, daß er weder ihren Aerger über sein langes Ausbleiben noch die Betroffen­heit, mit der sie die Rose in seiner Hand be­trachtet, bemerkt. Er blickt aufmerksam nach der Kanzel. Redet der Geistliche fo sinnlos, oder versagt sein Verstand? Er hört die Worte, doch sie geben keinen Sinn. Und dieser dumpfe Druck auf Stirn und Brust. Ihm ist, als müsse er aufspringen und hinausstürzen. Da endlich Amen. Alles aber, was wir sonst noch auf dem Herzen haben, daS bringen wir vor Gott im Gebete deS Herrn," sagt die milde Predigerstimme. Und zwei junge Menschen­köpfe senken sich tiefer, zwei paar Lippen sprechen leise die alten, ewig neuen Worte des Vater-UnserS mit, und zwei heiße Herzen einen sich in dem Wunsche: sich angehören zu dürfen für Zeit und Ewigkeit. So haben sie beide noch nicht gebetet, so noch nicht gefühlt, wie jedes Wort deS Geistlichen im Innern widerhallt.

Der Segen ist gesprochen.

Im Augenblick, wo Werner mit der Ba­ronin die Treppe erreicht, erscheint auf den

Der Zolltarif vor dem Reichstag.

Ueber die MittwochSfitzung deS Reichstags pird unS berichtet:

Heute fetzte der Reichstag die Zolltarif- tebatte fort. Der Graf Kanitz, der zuerst ks Wort erhielt, vertrat bezüglich der land- »irthschaftlichen Zölle keine präzise, über die Kotlage hinauSgehende Forderung, sondern xibrertete sich allgemein über die handels­politischen Beziehungen, insbesondere gegen- jber dem rücksichtslos protektionistischen und Mresfiven System Nordamerikas, dessen Abwehr sie Hauptaufgabe der nächsten sein werde, und tzndigt einen Vertrag auf Einführung von ßetorfionL-Werthzöllen an. Der amerikanischen Konkurrenz gegenüber bezeichnete et unter anderem kn Schutz der Rohkupfer- und Roheisenproduktion il? nothwendig; an die Abschaffung der Eisen- M werde man niemals denken können.

Nach einer mehr als zweistündigen Rede ks Abgeordneten Singer, die in breitester Leise die Behauptung variirte, daß nur der tzroßgrundbefitz ein Interesse an Getreidezöllen jabe, folgte als dritter Redner des CentrumS kr bayrische Bauernvertreter Dr. Heim, aus

Nacht- er.

haben, die Zollerhöhungen des Auslandes auch mit Zollerhöhungen zu beantworten (Sehr richtig rechts.) Die Gestaltung unserer Handelsbeziehungen zu Amerika ist die weitaus wichtigste Aufgabe für die nächste zehn Jahre. Ich glaube nicht, daß wir mit Amerika bald zu einem Reziprontätsvertrag kommen werden. Im Falle eines Zollkrieges mit Amerika find wir in der befferen Position. Was Rußland an« betrifft, so rechnet Deutschland für die letzten 10 Jahre nach seinen Statistiken eine lluterbilanz Rußland gegenüber von 2 Millionen aus; Rußland rechnet nach feinen Statistiken für sich eine Unterbilanz heraus. Wenn Rußland nun auf den Tarif von 1891 znrückkommen wollte, so können wir schon zu­frieden sein (Oho, links); denn der war in der ur­sprünglichen Gestalt viel niedriger als der jetzige. Ich kann nicht verstehen, weshalb rusfischerseits ein so be- sonderes Gewicht auf die Getreidezölle gelegt wird, welche seinerzeit bekanntlich unerheblich erhöht werden sollen. (Heiterkeit.). Wir brauchen einen ei«, heimischen Körnerbau, besonders in Kriegszeiten. Sonst kann es uns Pasfieren, daß wir ausgehungert werden und kapitulieren muffen. (Lachen links.) Das römische Weltreich ging zu Grunde, als der italienische Bauernstand ruiniert war und als die Latifundien den bäuerifchen Besitz anfgesogen. (Sehr wahr! links.) Mommsen sagte, das einzige Mittel war ober damals noch nicht bekannt. Ich könnte leicht ein Beispiel der Leistungsfähigkeit der Armee anführen, welcher ein reicher Industriestaat stellt. Hüten wir uns vor dem Uebergang zu einem Industriestaat; erhalten Sie uns unsere Volkskraft und Wehrkraft sowie den Reichtum durch die Land- wirthschast! (Bravo! rechts.)

dringlicher, unterstützt von einem flehenden Blick seiner Augen.

Elfe steht regungslos, in ihrem Köpfchen wirbeln die vernünftigen und thörichten Ge­danken wirr durcheinander. So sagt sie nichts, sondern versucht zu lachen, denn damit hat sie sich stets geholfen, wenn die Leidenschaft zu ihr sprach. Und diese gleichmüthig lachenden Augen haben noch jeden ernüchtert. Ein Mädchen, das liebt, lacht dem, der ihr seine Liebe gesteht, nicht inS Gesicht. So hebt sie auch jetzt die Augen und versucht, zu lachen und ahnt nicht, daß mehr in den blauen Sternen zu lesen ist, als sie hineinlegen will. Und der Lieutnant versteht zu lesen und sich den zärt­lichen Schimmer zu deuten. Sein Blick leuchtet auf und haftet dann auf den Rosen in des Mädchens Gürtel:O, Fräulein Else, geben Sie mir etwas, das mich an Sie erinnert, während ich Sie nicht sehe. Geben Sie mir eine Ihrer Rosen." Sie zieht eine der Blüten hervor, und wie es nun kommt? greift er zu eifrig danach? zieht sie die Hand zu hastig zurück? kurz, beide reißen sich im selben Augen­blick an den scharfen Dornen. Ein Bluttröpfchen sickert durch die weißen Handschuhe, und die beiden Menschenkinder schauen betroffen darauf nieder. Das Licht in ihren Augen ist erloschen.

Ein langer banger Blick, und Werner steigt die Treppe hinab, Elfe tritt ein.

Eben besteigt der Pfarrer die Kanzel. Das Mädchen setzt sich tief aufathmend in die letzte Bank. Sie giebt sich Mühe, der Predigt zu folgen, aber Werner's banger Blick will ihr nicht aus dem Sinn.Kommet her zu mir

F (Nachdruck verboten.)

Else.

I Roman von Hanna Aschenbach.

I (Fortsetzung.)

| Mamas Schelten über ihre lange Toilette fcmmt ihr in den Sinn. Freilich die gute Mutter konnte ja nicht ahnen, warum ihr ßöchterchen heute gar nicht fertig wurde, Anzug ptb Frisur zu ordnen. Sie gefällt sich heute »rnicht, die kleine Schönheit, und doch ruht M Leutnants Auge mit bewunderndem Ent- Mcken auf ihr.

| Und in der Thal, sie bietet einen reizenden Anblick. Frau Herwig kleidet ihre Jüngste fast Mts in Weiß, und so trägt sie auch heute trotz Ms trüben Wetters ein weißes Kleid, auS wei» tot Wollstoff mit dito Jacket und ein ent» MrkendeS Amazonenhütchen au8 weißem Filz, lein Band, kein Ausputz, kein Schmuck stört ge elegante Einfachheit dieser Toilette, nur im lütte! wetteifern zwei rosige Maiden-blnsh mit Mm Jncarnat deS Gesichtchens. Der Lieutenant ftllärt der jungen Dame, warum er sie nach Mr Gottesdienste nicht begleiten könne, daß er tiet bestimmt hoffe, sie Dienstag vor oder nach Mr Stunde zu treffen.

Unter diesen Worten sind die beiden zur Mpore hinaufgestiegen. Elfe will eintreten, Mer er hält sie zurück:Fräulein Elfe, liebes gtäulein Elfe, ich bin so unglücklich, daß ich gute um das Vergnügen komme, mit Ihnen F Plaudern. Thut es Ihnen auch ein wenig pb?" Er hat die Stimme zum Flüstern ge- Mmpft, und so klingt die Frage nur noch ein»

dar. Er diente ihnen jetzt mit einer Rede, He von allen agrarischen Reden der bisherigen Debatte zweifellos die wirkungsvollste war. «s war fast dramatisch, wie der Redner daS Interesse der 2 Millionen Bauern und ihrer ji Millionen Arbeiter an den Getreidepreisen ,|mb vor allem an der Sicherung des in» Indischen Markts mit schlagend beweisenden Hahlen belegte und auf die sozialdemokra» «scheu Zwischenrufe schlagfertig erwidernd, die Binger und Bebel Schritt für Schritt zurück- lug und ihren Widerspruch zum Schweigen «achte. Die Forderung des 7 Mark Zolls eignete Ich der Redner nicht an, er erklärte sie viel- Mhr für übertrieben, vertrat aber al8 einftim» Inges Verlangen der bayerischen Bauern einen 1 Mark-Zoll für alle Getreidearten, indem er Mn Hafer» und Gerstenzoll als Ausgleichung Mr den aus Rücksichten der Volksernährung in Mwiffen Grenzen zu haltenden Brotkornzoll de- Michnete. Im Gegensätze zum Grafen Kanitz, Mr sich gegen langfristige Handelsverträge erklärt Wtte, betonte er die Nothwendigkeit stabiler Mihältniffe für die Industrie und damit auch Mr die Landwirthschaft, die ihren Abnehmer in Mr Industrie habe.

1 Die Rede wurde von der Rechten mit stür- Mischem Beifall und sonst nicht üblichem Hände-

Slbfl Singer (Soz.): Wir find der Ueberzeugung, daß die Folge der Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle eine Verschlechterung der Lebenshaltung der arbeitenden Klassen sein muß und stimmen deßhalb gegen die Vorlage. Redner wendet sich gegen einzelne Aeußerungen der Abg. Graf v. Arnim und Frhr. von Hey! und bemerkt, wenn das Proletariat erwacht und ferne Partei die politische Macht erlangt habe, dann werde sie alle Zölle auf Lebensrnittel beseitigen. Die Mehrheitsparteien hätten nicht die Mehrheit des Volkes hinter sich. Die Abgeordneten der schütz, zöllnerischen Mehrheit hätten bet den letzten Wähle im Durchschnitt nur 15000 Stimmen, die der frei- händlerischen Minorität jedoch 25 000 Stimmen be­kommen , und im Fall einer Reichstagsanslösung werde sich dieses Verhältniß noch mehr zu Gunsten der Linken verschieben. Die sozialdemokratische Petition mit ihren zahllosen Unterschriften beweise, wie der

Abg Singer (fortfa hrend): Die Agrarier wollen alles besteuern nur zweierlei r icht, Kaviar und Hummern. (Gelächter.) Nothleidend sei n nicht die landwirthschaftlichen Besitzer, sondern die landwirth» schaftlichen Arbeiter. Wo ist der Bundesrathvertreter für Sachsen-Eoburg-Gotha, der doch vom Landtage beauftragt sei, hier gegen den Brotwucher einzutreten? Wo find die Vertreter der Hansastädte? Die Vorlage wolle nichts weiter als eine Besteuerung deS Hungers.

Arbeiter über die Vorlage denkt. Großen Vortheil von der Erhöhung der Getreidezölle hätten auch die deutschen Fürsten, die sämmtlich Großgrundbefitzer seien. Fünfzehn deutsche Fürsten bezögen bisher aus ihrem Grundbesitz einen Jahresgewinn von über 2300000 Mk. nach der Zollerhöhung werde der Ge­winn über 3 470600 Mk. betragen. Da sei es eine Beleidigung gegen die deutschen Fürsten seitens des Bundesraths, wenn er ihnen Einnahmen verschaffen wolle, die aus einer Mehrbelastung der Hungernden hervorgingen. Aehnliche Zahlen erhält man bei anderen Großgrundbesitzern Das seien die noth- leidenden Landwirthe, denen jetzt geholfen werden solle. Der deutsche Kaiser werde bei der Zoll- erhöhung allein einen jährlichen Gewinn von 15 Millionen haben.

Vizepräsident Graf Stolberg ersucht -den Redner, die Person Sr. Majestät nicht in dieser Weise in die Debatte zu ziehen. (Beifall rechts.)

Bei besserem Besuch wird die erste Lesung deS Zolltarifs fortgesetzt.

Erster Redner ist

Abg. Graf. Kanitz (kons.): Noch nie haben in den gesetzgebenden Körperschaften die Jnteresseukämpfe fo heftig getobt, noch niemals ist das Schlagwort der Brotverteuerung so ausgebeutet worden wie diesmal. Die landwirthschaftlichen Schutzzölle haben sich als bei weitem nicht ausreichend erwiesen. In Frankreich weiß man, daß die Erhaltung der Land- wirthschaft gleichbedeutend ist mit der Erhaltung der Wehrkraft des Landes. Bei «ns hat sich diese Ueber- zengang noch nicht recht Bahn gebrochen. Die Sozialdemokraten meinen, durch die landwirthschaft» lichen Schutzzölle werden die Lebenshaltung des Volkes verschlechtert; welche Belastung aber für uns Landwirthe die Industrie darstellt, darüber schweigen die Herren. (Sehr richtig rechts.) Wir find aber bereit diese Lasten zu trage«, im Hinblick auf die Soli- barität der Interessen, die die Landwirth­schaft mit der Industrie verbindet. Herr Bebel hat es fertig gebracht die Nothlage des Handwerks mit dem Getreidezoll in Verbindung zu bringen. Die Handwerker aber denken darüber ganz anders; sie wissen genau, daß das Blühen ihres Gewerbes mit dem Wohlergehen der Landwirthschaft eng zu- sammenhängt. Ich erinnere Herrn Bebel nur an die Thatfache, daß nach der amtlichen Statistik im letzten Jahre in Landon nicht weniger als 48 Menschen an Hunger und Entbehrung gestorben find, Hört! hört recht). Das ist also der Fall in einem Lande, das die Vortheile des Jndustrie- staats genießt und billige Getreidepreise bat. (Sehr gut rechts.) Nach unserer Meinung hängt der Wohlstand des Landes von einer gleichmäßigen Fürsorge für Stadt und Land ab. In der Zeit der außerordentlich hohen Getreidepreise im Jahre 1891, hat der Abg Richter im preußischen Abgeordneten- hause eine längere Zolltarifdebatte heraufveschworen. Er hat auf tue traurigen Verhältnisse hingewiesen, daß die Leute über die russische und österreichische Grenze gehen, um dort Brot zu kaufen. Damals fragten wir ihn. warum blieben die Leute nicht dort, wo das Brot billiger war, warum tarnen sie wieder zu uns? Der Abg. Richter ist uns die Antwort schuldig geblieben und die Antwort ist doch so einfach: Es kommt weniger auf den Preis des Brotes als auf den Arbeitsverdienst an. (Sehr richtig rechts.) Das billigste Brot hilft demArbeiter nichts, wen« et nichts verdient. Wir aber wollen durch die Umgestaltung des Zolltarifs die deutsche Arbeit schützen, deshalb find wir die besten Oreunbe bet Arbeiter. (Lebhafte Zustimmung rechts, ärm links.) Wir können unsere Interessen bann am wirksamsten schützen, wenn wir jeder Zeit die Macht

»ierteljahr.tch.r B^ugsprets: M bn fcjptbttion 2 ML, «rjcheint täglich außer an Werktagen nach toonn- uuö Feiertagen.

, , bA PoWniern »LS «.(excl. Bestell»»). _ ÄFlUl-Purfl Sonntagsbeilage: Illa stritte« Svnntagsblatt. qz»

I«f,rtiv«eb»hr: dl, «rfpaltem Zelle oder deren St«« 10 Wz 13 Tumber 1Q01 «ad »erlag: Ioh. An,, «och, UniverfiiätS-Buchdruckerei ov. ^llyrg

»ettonw: die Zeile 36 Big. Jl/tßtuUJvi 1W1, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

Abg. Heim (ttentr.): Zwei lauge Reden der extremsten Gegner haben wir gehört, ich stehe nun in der Mitte. Auf der einen Seite der Wortführer des ost elbischen Grundbefitzes, der Krautjunker, würde Bebel sagen (große Heiterkeit), auf der andern Seite in Herrn Singer ein Vertreter derer, die unter Brot­wucher zu leiden haben, Die Hanbelsverttäge haben einseitig der Industrie Nutzen gebracht, und doch will fie Herr Gothein unverändert aufrecht erhalten trotz der bedenklichen Benachtheiligung der Landwirthfchast. Ich verweise auf ein Werk von Ballot, der dies aus- führlich beleuchtet. (Zuruf des Abg. Gothein): Es mag ja fein, Herr Gothein, daß Ihnen der Herr nicht genügt; Sie genügen mir auch nicht. (Große Heiter- kett.) Herr Bebel meint, bei Handelsverträgen müsse einer immer Schaden leiden Das ist richtig, aber warum fall der leidende Theil das Inland und nicht das Ausland Jfein? (Sehr richtig rechts). Abpeordn. Richter meint, die Landwirthschaft habe viele Millionen aus dem Staatssäckel bezogen. Herr Bebel würde sagen: Die Krautjunker haben den Staat um viele Millionen bestohlen. Aber wenn das wahr ist, dann hat sicher das Großkapital die Hände aufgehalten und diese Millionen eingesteckt, (Lebhafte Zustimmung.) Wenn im Jahre für 40 Millionen Centn er (Betreibe nur eine Mark pro Centner mehr­bezahlt wird, hat der kleine Landwirth baran kein Interesse? (Zuruf des Abg. Bebel.) Herr Kollege Bebel, Sie geben also zu, daß dadurch auch der kleine Bauer einen Vortheil hat. (Hört, hört rechts.) Was haben Sie denn auf der Linken für Anschauungen über die Frage, was ein großer und ein kleiner Bauer auf den Markt liefert? Keine Ahnung haben Sie. (Große Heiterkeit.) Aber die Konstatierung dieser Thatsachen (nach links) ist Ihnen umbequem. (Leb- hafte Zustimmung rechts, Zuruf links: Cirkus Busch.) 'Rufen Sie nur Cirkus Busch, >a giebt es auch ct* Ochsen und Elefanten ' aus Amerika. (Stürmische Heiterkeit rechts, Lärm links.) Bei einem Bauer, der noch vielfach Naturalwirthschaft treibt, ist eine Mark zwanzigmal so viel Werth als beim Städter. Darum hat auch der Kleinbauer vollkommen recht, wenn er gleich dem Großgrundbesitzer sagt: Ich leide unter der heutigen Handelspolitik. Bei uns in Baiern helfen die kleinen Bauern den mittlern und größeren Bauer, und so haben sie ein lebhaftes Interesse daran, daß es den großen Bauern gut geht Herr Bebel hat eine rührende Geschichte erzählt, wo fich ein Kind in­folge Hungers nach dem Himmel sehnt. Ich sage aber, viele Arbeiter haben etn besseres LoS als unsere Bauern. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ich verweise nur auf die Kleinbauern in dem Fichtelgebirge. (Zuruf links: Das find keine Agrarier!) Daß weiß ich doch Wohl besser, in der Gegend bin ich nämlich gewählt! (Stürmlsche Heiterkeit) Edmund Klapper hat überzeugend nachgewiesen, daß Getreidepreise und Brodpreise nicht parallel laufen. Unsere Zoll- Politik findet auch den Beifall unserer Arbeiter. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die sind auch da­nach!) Wer einen folchen Zuruf macht, der ist auch danach. (Großer Beifall und Heiterkeit.) Die Linke droht mit Obstruktion. Ja wenn man nach Eugen