für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
Z 290
Zweites Blatt
noch schäften.
n.
248
31,75
46,30
495 143
309
67
72 > Stimmen
211
40 = 60,00 Gewählt:
Verantwortlich für die Redaktion: Hans Hupfer in Marburg.
Für die Bure«
gingen ferner bei uns ein: I. M. 2 Mk.
Weitere Gaben nimmt entgegen die Exped. der 'Oberh. Ztg.'.
(304 St.), Stroms« (294) St) (84 6t), Stork _ (79 6t.)
'th. Rumpf
' Hering -----
> von Lengerke, (39 6t.), Bonhoff (35 St)
Gleim (31 6t.), Hoffmann (30 6t)
Kirchliche Nachrichten.
Mittwoch den 11. Dezember 1901.
Miffiemsftimde (Kernerkapelle).
Abends 8 Uhr: Herr Superintendent Happich. MichaelSkapelle (Adventsgottesdienst).
Abends 8 Uhr: Herr Pfarrer Manger.
Refermtrte Stadt- und UniverfitätSkirch^ Adventsgottesdienst in ter Kirchenstube (Eingang vom Kreuzgang aus):
Abends 7*/i Uhr: Herr Pfarrer Schindewolf.
Donnerstag den 11. Dezember 1961. Bibelftuude in Ockershausen (Schule). AbendS 7*/i Uhr: Herr Pfarrer Schmidt.
Gngesandt.
(Ohne Verantwortung der Redaktion.)
Wahlbetrachtuuge«.
Unter de« Engpässen der Gebirge ist derjenige von Thermopylä, wo Leonidas mit seinen 300 Spartanern den Heldentod fürs Vaterland erlitt, wohl der erste, von dem die deutschen Schüler Kenntniß erhalten. Aber eS girbt noch so manchen anderen in- tereffanten Engpaß; das beweist eine neuerschienene Serie sogen. Liebig-Bilder, zu denen die Liebig's Fleisch-Extract-Compagnie dieses Thema gewählt hat. Geboten werden, außer den Thermopylen, die Gebirgs- päffe von Cha-Tow in China, vom 6t. Gotthardt (Schweiz) und von Fmstermünz (Tirol), der Mala- kandpaß in Indien und der Chilootpaß in Alaska. Die zierlichen Kärtchen werden eifrige Nehmer finden; ihre Rückseiten bieten, wie noch erwähnt sein mag, wiederum eine Collection neuer Recepte aus dem Gebiete der Kochkunst, die der Hausfrau willkommen sein werden.
Vom Büchermarkt.
^^*»*.DiePhotographieimHause.' Lehrbuch für Amateure. 1. Theil. Berlin. Verlag von Ottomar Anschütz. Das Buch ifi für die Liebhaber- Photographen und hauptsächlich für diejenigen, welche mit der Absicht umgehen, es werden zu wollen, deshalb von besonderem Werth, weil eS in möglichst kurzer und anschaulicher Form das bietet, was der Amateur zur Herstellung eines Bildes nothwendig wissen muß. Um ein solches Lehrbuch zu schreiben, genügt es nicht, daß der Äersasier den Gegenstand sebstbeherrfcht, sondern er muß auch die Fehler kennen, die der Anfänger begeht, und hierzu bot sich dem Versaffer hinreichend Gelegenbeit in seiner Anstalt, in der viele Amateure ausgebildet und tausende solcher Amateur- Aufnahmen entwickelt werden. So darf denn das Buch als ein zuverlässiger Führer durch die Anfangsgründe der Photographienbezeichnct werde« Die Ausstattung ist vorzüglich.
schäft (d. h. mit dem Bürger- »nd Hausbesitzer-Verein) Vorschläge zu machen, als ein sehr verständiges und als das allein Richtige an. Vorher hatte sich auch der Kandidat deS Bürgervereins, Engel, welcher sich Wohl als der spirites rectcr aller öffentlichen Angriffe gegen die .Rathhauspartei' bekennen wird, bei Mitgliedern derselben in der auffälligsten Weise bemüht, auf der .Rathhausliste' genannt und vor geschlagen zu werden, und somit anerkannt, daß eine solche Vorschlagsliste nicht nur berechtigt ist, sondern auch zugegeben, daß eine solche Empfehlung ihm besonders wirksam erschien.
Kann angesichts einer solchen Handlungsweise sich Jemand noch eines „besonders steifen Rückgrates' rühmen? Liegt nicht in der gefliffentlichen Wiederholung und Betonung solcher Ausdrücke eine beabsichtigte Beleidigung des gesammten Stadtverordneten- Kollegiums? Haben Männer, die so handeln, das Recht, von .Wahlmache' Andern gegenüber zu sprechen ? ‘ V' ' -«... I -.~'V ' I
Aber noch mehr! Auf Einzelheiten, namentlich auch auf die Nichtbeachtung der Beschlüsie einer zu dem Zwecke einberufenen öffentlichen Versammlung des Bürger- (und des Hausbesitzer-) Vereins, die der Vorstand, welchem der Genannte als Mitglied angehört, ans eigene Faust hinter verschloftenen Thüren änderte, kommen wir vielleicht später einmal zurück.
Was nun aber die Vorschlagslisten der ver- schiedenen Parteien anbelangt, so find wir auf indirektem Wege in den glücklichen Besitz von sechs verschiedenen Wahlvorschlägen gekommen, aus welchen sämmtlich der Kandidat des Bürgervereins, Engel, inVerbindung mit Kandidaten gegnerischer Parteien genannt ist, für welche eine Annäherungganz ausgeschlossen war.
Wer die Verhältnisse Marburgs kennt, der weiß ganz genau, daß unmöglich sechs Wahlausschüsse sich bilden konnten, nur um einen Kandidaten zu streichen und an seine Stelle den Herrn MechanikuS Engel zu setzen, um feine Wahl zu empfehlen. Wer unsere Verhältniffe kennt, der weiß, daß die Zettel, welche eine Vereinigung dieses Namens mit denen aus dem gegnerischen Lager zum Zwecke der Wahl empfahlen, aus einer Fabrik kamen, in welcher die Druckerschwärze Verwendung fand, um im T r ü b e n zu fischen. Die Bemerkung der.Hessischen Landeszeitung', daß dieser Kandidat .Leben in die Bude gebracht hat' kann nur in diesem Sinne gebeutet werden.
Die nachfolgende Zusammenstellung aus den verschiedenen 6 gedrucktenWahlvorschlägen wird am besten das Wahlmanöver kennzeichnen:
1. Engel, Rumpf, Seife, Stroinsky
2. Stroinsky, Engel, Rumpf, Nicolei
3. Stroinsky, Engel, Rumpf, Keppler
4. 6troinSky, Engel, Dörbecker, Üaubscheer.
5. Hildebrand, Engel, Schneider, Stroinsky 8. Stroinsky, Engel, Zriß, Dörbecker.
Der Vergleich wird noch intereflanter, wenn man auch die aus den Zetteln genannten Kandidaten der andern Wahlabthrilungen daneben stellt. Dann erkennt man sofort die Bestrebung, über die Herkunft des Vorschlags zu täuschen: Turnverein, Kausm.- Verein, Nördlicher Stadttheil, Katholische Gemeinde, Handwerksmeister, Lehrer und Beamte — kurz alle Partheien werden in Anspruch genommen, um die öffentliche Meinung irre zu machen und nach einer Fährte zu führen.
Es wäre wünschenswerth, wenn gegenüber solchem Treiben öffentlich festgestellt würde, wer denn eigentlich Herrn Engel auf den sämmtlichen SZetteln nominirt hat.
Wir meinen, ein solches Verfahren verdient niedriger gehängt zu werden; bei der bevorstehenden Stichwahl wird die Wirkung nicht ausbleiben, denn .Untreue schlägt ihren eigenen Herrn'. Es ist festgestellt, daß der genannte Kandidat mit verschiedenen Herren anderer Wahlausschüsse unterhandelt und dabei Versprechungen gemacht hat, die er gar nicht einhalten konnte. DaS find die Muster: .Wie in Marburg Kommunal-Wahlen gemacht werden!'
Wie nun der Vorstand des Büraervereins die Bewegung ungeschickt geleitet hat, so ist er auch unvorbereitet in dieselbe eingetreten. Nicht einmal die Wähler der verschiedenen Abtheilungen waren bekannt; eine Vorschlagsliste war daher noch Abtheilungen von ihm gar nicht aufzustellrn Selbst der Kandidat des Bürgervereins Engel wußte nicht einmal, welcher Wählerklasse er angehörte. Und wo find denn nun eigentlich die so »st zitirten 5 Mark-Männer, die in der 3. Abtheilung ausgestellt werden sollten, geblieben? Im Gegensatz zu den Ausführnngen der Wortsührer, die fich unter keiner Bedingung einen Wahlberechtigten aus einer anderen Klaffe für Die 3. Wahl-Abtheilung Vorschlägen laflen wollten, wurde gerade von ihnen selbst Engel als Wahlberechtigter der 2. Abtheilung zum Kandidaten für dir 3. Abtheilung vorarschlagrn; das find die Konsequenzen der öffentlichen Besprechungen, die darauf berechnet waren, den wenigerbemittelten Wählern der 3. Abtheilung zuzurusen: .Kommt her, wir wollen zufammenstehen, helft uns wählen!'
Der Erfolg war denn auch der ganzen SBetoegung entsprechend: Zwei vom Wahloorschlag der Rathhauspartei abweichend genannte Kandidaten fielen durch, einer kommt in Stichwahl. Ob auch diesmal wieder vierWahlvorschlagszettel(erscheinen werden, auf denen jedesmal Engel in Verbindung mit einem der andern Kandidaten genannt wird? Wir werden sehen.
Wenn man zum Schluß davon absehen will, daß auch diesmal eine nach alten Vorbildern den nörd- lichen Öuartier-Jntereffen Rechnung ttagende Wahlbewegung, die aber glücklicherweise nicht energisch genug zum Ausdruck kam, bestand, dann dürsen aber
her Heilstätte Oberkaufungen, im vergangenen Jahre sind auch jetzt wieder ritt des Winters nach einem übermäßigen andrang im Frühjahr und Sommer in ilstätte Oberkaufungen eine Reihe von unbesetzt geblieben. Der Grund hierfür zu suchen, daß man noch vielfach den
ren mit großem Vorurtheile gegenüber- Während die Lungenkranken der beffer
Stände jetzt schon so von den günstigen einer Freiluftbehandlung im Winter gt find, daß die für derartige Patienten mten meist recht theueren Privatanstalten intet mrchschnittlich bester besucht find Sommer, herrscht in den Kreisen, aus n sich die Patienten der Dolksheilstätten ren, noch weitverbreitet die für Viele so ignißvolle Ansicht, daß Lungenkranke eigent- lin der sogenannten „günstigeren Jahres- worunter man schlechthin die warme oder üie Jahreszeit versteht, erfolgreich behan- Nexben können. Demgegenüber verdient wrgehoben zu werden, daß zu keiner Zeit ihrer die Heilerfolge bei Lungenkranken i Heilstätten schlechtere find, als gerade i heißen Monaten und zu keiner Zeit als in einem klare«, kalten Winter. Diese >än durch die Erfahrung bestätigte That- findet eint Erklärung darin, daß es fich 'nem tuberculösen Lungenleiden — und • gehören vor Allem die ErkrankungS- die man noch immer mit dem falschen trügerischen Namen .Lungenspitzcatarrh' »et — nicht um einen einfachen Catarrh t, sondern um eine Erkrankung des Lungen- 8 selbst, die nur dadurch auSheilen kann, lf dem langsamen Wege durch den Stoff» i allmählich der ganze Körper mit seinen i und Geweben an Widerstandskraft ge- und gesünder wird. Ist der Körper schlaff, ipetit schlecht, wie eS im heißen Sommer sei« pflegt, dann erfolgt dieser HeilungS- j nur langsam und schwer; umgekehrt ist der Erfolg der Eur in erfrischenden, Zrper mächtig anregenden Winterlust ein «fferer und schneller eintretender. Leider trotzdem so oft der Euranfang bis zum hr hinausgeschoben. Und der Erfolg hier- Ueberall in den Lungenheilstätten macht die Erfahrung, daß im Derhältniß die i Schwerkranken und für eine erfolgreiche dlung Ungeeigneten im Frühjahr in die ten kommen; unter den im Frühjahr 1901 Heilstätte Oberkaufungen aufgenommene» iten mußten durchschnittlich ca. 4 von 10 krank wieder nach Hause geschickt werden, nd aber die Kranken, die im Herbst oder : erkrankten, den Winter über zu Hause und fich nicht entschließen konnten, s o- n einer Heilanstalt Genesung zu suchen. uteS könnte also Aufklärung und Belehr-
doch zwei Parteien nicht übersehen werden, die diesmal zum erstenmale in die Erscheinung getreten find. Das ist die der Handwerksmeister und die der vereinigten Lehrerschaft, des mittleren und kleinen Beamtenthums.
Während erstere eine Lebensfähigkeit noch nicht aufwies, die auf Erfolg rechnen konnte (wenn man nicht die Thatsache als einen negativen Ei folg bezeichnen will, daß der Kandidat der .Rathhauspartei' Klee dadurch nicht schon im ersten Wahlgang siegte), so war es die Bewegung der andern Partei, die schon im ersten Wahlgange den Erfolg hatte, daß die beiden von ihr ausgestellteil Kandidaten zur Stichwahl kommen, von denen einer ganz wahrscheinlich endgiltig gewählt werden wird.
Mit dieser Bewegung, die gutgeleitet und wohl» organifirt zum erstenmale aufgetreten ist, werden, wenn sie sich lebensfähig erhält, künftig die führenden Männer im Wahlkampf für die Stadtverordneten- Wahlen rechnen müffen. Ohne Lärm, ganz im Stillen und in disciplinirten Formen hat sich diese Wahlbewegung eingeführt und ihre Aufgabe in großen Zügen und in vollendetem Aufmärsche durchgeführt. Sie verdient Anerkennung und kann den gewerbe- treibenden bürgerlichen Wahlparteien als Vorbild dienen. Zweifellos wird diese Vereinigung des Beamtenthums und der Lehrerschaft bei der Nachwahl neuen Zuwachs an Wahlkräften aus der verbliebenen Reserve erhalten, nachdem diese ihre eigene Macht erkannt hat. So ist denn der Ausgang vorauszusehen. Zur Gewinnung ihrer Kräfte macht auch der Kandidat des Bürgervereins unter dem Kennwort ,Cassius' (die lateinischen Namen scheinen ihm sehr zu imponiren) verzweifelte Anstrengungen behufs Abschluß eines Konpromiffes. Nachdem er sich selbst aber so sehr compromitttrt hat, erscheint dieser Versuch vergeblich.
Nun — wir wollen den Ausgang, der unS nicht zweifelhaft erscheint, abwarten. Er wird uns vielleicht Gelegenheit geben, noch einmal aus die Wahlen zurückzukommen und auch einige Wahlkuriosa zu veröffentlichen. ,
Möge aber dir Nachwahl «usfallen, wie sie wolle, wir wünschen, daß sie unserer Vaterstadt zum Wohle gereiche, m deren Dienst wir unsere Kräfte stelle«.
Marburg im Dezember 1901.
H. Berdux »en. Dr. Euler. PH. Seebinger-
fte im regelmäßigen Turnus vorzunehmenden •tu zur Ergänzung der Stadtverordneten-Ver» «ung haben stattgefunden. Die Wogen der Er- & die diesmal mehr denn je zuvor unsere ruhige friedliebende Bürgerschaft aufgerüttelt hatte, find £ geglättet. Die Bürgerschaft hat gesprochen. Wissentlichkeit, die während des Wahlk-mpses so gerufen wurde, hat nicht nur an seinem Ausgange, auch an den Vorgängen vor der Wahl ein Interesse. Diesem Zwecke mögen diese Aus- Pflen dienen. Folgende Zusammenstellung wird Mebniß der Hauptwahlen vom 26. und 27. v. M. "chaulichen.
L «bsol.
^berechtigte, Wähler, Prozent, Mehrheit.
bth. 1559
Es find also von den zehn K a n d id aten dersog. .R a t h hauSP art e i' acht glatt durchs Ziel gegangen, einer (Zeiß—152 St ) ist unterlegen, einer (Klee—229 St.) kommt zur Stichwahl, die am 13. d M. stattffndcn wird.
Die Wahlen ergaben in der II. und III. Abth. eine auffällige Stimmen-Zerfplitterung. Der toefent liche Grund ist darin zu finden, daß sich mehrere Wahl-Ausschüsse gebildet Haren und abweichend vom .Ratbhaus-Vorschlag' besondere Kandidaten nannten.
Daß ohne irgendwelche Vorschläge eine Zusammensetzung der städtischen Körperschaften, von denen die eine durch die Wahlen der andern ergänzt wird, nicht in einer Weise zustandekäme, die den Forderungen aller Stände und Kreise gerecht und daher weder als eine Vertretung der Gesainmt- Bürgerschaft angesehen werden könnte, noch die Möglichkeit bieten würde, geeignete Kräfte für die zu bildenden Kommissionen zu gewinnen, leuchtet wohl ohne Weiteres ein. Es fragt fich nun: wer sind denn die berufenen Männer, die Führung bei den Wahlen zu übernehmen. Die Antwort kann doch nur die fein: Diejenigen, welche erfahrungsmäßig in der Lage find, beurteilen zu können, welche Arbeiten von den Gewählten zu bewältigen find und welche Fähigkeiten an die Uebernahme des Amtes gestellt werden müssen. Es liegt daher gar nichts Auffälliges in dem Vorgehen der im Colleg verbleibenden Stadtverordneten, ihren Mitgliedern Vorschläge zu machen. Die (in verschiedenen Besprechungen der Preffe von einer gewifsen Seite bestrittene) Berechtigung dazu besteht ohne jeden Zweifel. Weshalb nun der Lärm, da ja am letzten Ende Her Bürgerschaft überlasten bleibt, ob sie diese oder ihr von anderer Seite gemachte Vorschläge annehmen oder nach eignem Ermessen ihrerPflicht genügen will ? DieBehauptung von gegnerischer Seite, daß es Bürgern, die nicht nach der .Rathhantpfeife' tanzten, schlecht ergehen könnte („wehe den Armen;') ist einfältig und beweist, daß diese Männer gar kein Verständniß für die Pflichten eines städtischen Vertreters haben. Die Behauptung wird aber auch widerlegt durch das geschlossene Vorgehen der Gemeindebeamten bet der diesmaligen Wahl ftir die III. Abth., womit der seitherige Stadtver- ordnete Zeiß, welcher zur Wiederwahl vorgeschlagen war, aus der Körperschaft verdrängt worden ist.
Welchem Gemeindebeamte«' qoll daraus der Prozeß gemacht werden? Wir haben das Gefühl, daß jeder nach feiner Ueberzeugung wählen soll; die Eigenschaft des Gemeindebeamten darf bieten aber nicht hindern, seine Bürgerpflicht nach eignem Ermessen ausinübe« und ihr zu genügen.
Welche Machtmittel befliße denn nun auch einEinziger der städtischen Vertreter ober der oberste städtische Verwaltungsbeamte, gegen die ©emeinbebeamten ein- zuschreiten, weil sie geschloffen gegen Stroinski gestimmt haben? Wir behaupten: ketns. Und wenn die gegnerische Behauptung bei diesem Beispiel nicht Stich hält, so kann sie erst recht nicht aufrecht erhalten werden und ist hinfällig gegenüber allen anderen Wählern.
Das kann also kein Grund sein für Jemanden, nach den Vorschlägen der.Rathhausmänner' zu wählen. Die Bürgerschaft erkennt nie kmehr iu ihrer über- wiegenden Mehrheit, — wie dies ans dem jedesmaligen Ergebnisten der Wahlen ersichtlich ist — die vorbemet kten Anssührnngen als richtig an und wählt aus diesem Grund nach diesen Vorschlägen.
Von der ftüheren Regel, daß nur wenige einflußreiche Männer vom „Ratdhause' Vorschlagslisten ausstellten (einem Verfahren, dem wir jetzt fo wenig wie früher zustimmen können) ist diesmal abgewichen worden und es find die vom Sladtverordneten-Colleg (natürlich nur von den im Colleg verbliebenen Stadtverordneten) Beauftragten zum engeren Wahlausschüsse mit Vertretern von fast allen bürgerlichen Vereinen (soweit sie nicht blos gesellschastliche Zwecke verfolgen) in Verbindung getreten, um sich gemeinsam mit ihren Vereinen auf bestimmte Vorschläge zu einigen. Der Versuch ist leider an dem Widerstand der beiden Vertreter des Bürgervereins und (was so ziemlich dasselbe) des Hausbefitzervereins gescheitert. Schon vor und während der ersten Sitzung machten sie ihre Meinung dahin geltend, daß nur ihnen, nicht auch anderenbürgerlichen Verein en das Recht zugestanden werden könne, mit uns (den 4 Stadtverordneten) bezüglich der Wahlvorschläge in gemeinsame Berathungen zu treten. Diese Ansicht brachten die beiden Vertreter — freilich ohne Erfolg — zum Ausdruck. In einer zweiten Sitzung kam dann der gewaltsam herbeigeführte Bruch und die offene Kriegserklärung. Wir sollten am Wahltage die „(Quittung* erhalten.
Von diesem Augenblicke au wurden wir wieder zur ,Rathhauspartei* erhoben. Wir fügten uns ins Unvermeidliche und schwiegen auch aus die öffentlichen Angriffe, die mit Unwahrheiten und Entstellungen gespickt waren, nachdem wir uns begnügt hatten, eine Rechtfertigung auf das erste „Eingesandt' zu veröffentlichen. Alle mit den Kennwörtern „homo Hipien»,' „nnee pro mnltis“, „enum cuiqne*, „ein freies Wort an freie Bürger' bezeichneten, in der Preffe er- schienenen Ausführungen hätten — wenn der Serfaffer nun einmal gerne lateinisch zeichnet — auch eben ogut „aigelis* unterschrieben werden können; in der Feststellung des Einsenders hätte das nichts geändert. Daß aber her Name nicht öffentlich genannt wurde, läßt nicht darauf schließen, daß der Betreffende ein besonders „steifes Rückgrat' besitzt.
Alle diese RaisonnementS bestritten — abgesehen von ihrem beleidigenden Inhalte — der städtischen Vertretung das Recht, das jedem Bürger gewährleistet ist, Vorschläge für die Wahlen zu machen — aber wohlgemerkt: erst von dem Zeitpunkte des Zer- würfuiffes ab. Vorher erkannte man das Vorgehen der vier Beauftragten, gemeinsam mit der Bürger-
Siorteltühritcher Bezugspreis: bei der Erpchittou 2 AL, Erfchernt täglich außer an Werklagen aacy oonn- uiu
bei allen Postämtern 2L6 Mk. (ezel. Bestellgeld). Sonntagsbeilage: Jllustrirte« Sonntagoblatt. Oß ’-trtflTfl
InsertionSgebAhr: die gespallene Zelle oder deren Raum 10 Pfß. QfntH-HtnA 11 Tiooomfiw 1QH1 Druck und Verlag: Joh. Sag. «och, Universitäts-Buchdruckerei uu* k'u"4d
Reklamen: die Zelle 26 Psg. 2UCUUDUUJ, U- JUCgullUa 1»U1. Marburg, Markt 21. - Telephon 6ü