Zweites Blatt
williges Ohr.
sFortsetznng feiet.''
verantwortlich für die Redaktion: Hans Hupfe» in Marburg.
wie sich die beiden Augenpaare treffen, wurzeln sie fest ineinander — sekundenlang — magnetisch sestgehalten, verheißungsvoll. Langsam beugt sich der schöne Männerkopf herab zu der zierlichen Elfengestalt. Will er die frischen Lippen berühren, die ihm halbgeöffnet entgegenblühen? Schon ist er ihnen ganz nah, und noch immer haften die Blicke ineinander.
In des Mädchens Augen liegt auf einmal so viel Hingebung, so viel zärtliche Demuth, daß dem Manne die Thränen in die seinen schießen. Er richtet sich mit heftigem Ruck auf, und seine Lippen murmeln fast unhörbar: „Deine Unschuld schützt Dich, kleine Else." Er erfaßt ihre Hand, von der sie unterwegs den Handschuh gestreift hat und bedeckt sie mit heißen Küffen, bis sie ihm unter heißem Erröthen entzogen wird. Wir muffen umkehren,, es ist höchste Zeit," stammelt Elfe nach Fassung ringend. „Lassen Sie mir noch einmal Ihr Händchen," bettelt Werner und ergreift dasselbe ungeachtet ihres Widerstrebens. „Diese zarten Fingerchen sollen arbeiten im Haushalt? nein, das darf nicht sein, das kann Ihre Frau Mutter nicht verlangen. Man sieht Ihnen au, daß Sie zu anderem bestimmt find. Warum besorgen solche Sachen nicht die Dienstboten?" „Weil wir keine haben. Mama hat eine Aufwartung, das ist billiger." Sie seufzt und der junge Offizier macht eine Bewegung mit den Schultern, als wolle er sagen: „Bagatelle!"
Freilich Werner von Buchwald verstand von Geldsachen rein gar nichts. Er lebte, wie es ihm gefiel, und da er keine kostspieligen Passionen hatte, kam er stets mit seinem Zuschuß aus. Im übrigen kümmerte er sich absolut nicht um seine Finanzen und dachte kaum je daran, daß seine Mutter finanziell von der Tante unterstützt wurde. Er überlegte sich auch jetzt nicht, daß die Mutter der jungen Dame wohl ganz genau wiffen würde, warum sie ihre zierliche Tochter zu häuslichen Arbeiten anhielt; er bestärkte die kleine, eitle Elfe noch in der Ansicht, die schon längst in ihr geschlummert, daß sie etwas Besonderes sei und sand nur zu
— seiner neuesten Flamme und feinen Gedichten." „Und er Sie?"
Werner blickt höchst gespannt auf Elfes Lippen. Sie merkt e8 und bricht in ein fröhliches Gelächter aus. „Ach, Sie Schlaumeier, gelt, so möchten Sie hinter meine Schwächen kommen?" Und de« Lieutnants Protest nicht beachtend: „Na, meinetwegen, ein Geheimniß habe ich me daran» gemacht. Ich vernasche all mein Geld in der Konditorei, bin furchtsam und faul im Haushalt, wische Staub nur, wo man's sieht, putze mich gern und möchte gern elegante Toiletten tragen, überhaupt eine Dame der großen Welt sein, Bälle, Theater, Konzerte besuchen, ins Bad reisen, verehrt und bewundert werden. Ich Haffe die bürgerlichen Kreise, möchte zur Elite des Landes gehören und bei Hofe vorgestellt werden."
Des Mädchens Augen blitzen, und ein tiefer Atemzug hebt die junge Brust — „und das kann nie werden" „Warum nicht, Fräulein Elfe!"
Werner ist ernst geworden, und sein Blick ruht zärtlich auf dem erregten Gesichtchen, als er fortfährt: „Das ist die einzige Sphäre, in bie Sie paffen. Sie sind geschaffen für bie Höhen des Daseins. Sie würden die Königin eines jeden Salons sein, und bei Hose würde man Sie mit offenen Armen aufnehmen. Aber kennen Sie denn dieses Leben, Kind, dies Leben in Luxus und Eleganz, das Schweben über spiegelndes Parkett, da» Strahlen hundertarmiger Lüster, das Düsten von Orangenlauben, das wetteifernde Blitzen edler Steine und schöner Frauenaugen, das berauschende Parfüm, das die Räume füllt, in denen die höchsten Herrschaften die Eröme des Landes bei sich sehen? Dort möchte ich Sie sehen, Fräulein Elfe, in einer Ihrer würdigen Kourrobe, Brillanten in den dunklen Locken — oder nein, so wie Sie sind, in diesem duftigen Gewand, und alle Welt würde Ihnen zu Füßen liegen. Ich hatte es satt, das Leben in jenen Sphären, ich gestehe es, aber jetzt, wo ich Sie kenne, zieht e8 mich mit taussnd Armen zurück."
Elfe hat das Köpfchen tief gesenkt, ihre Wangen glühen, und bie heißen Lippen sind wie durstig geöffnet. Wie Zaubermufik drang die einschmeichelnde Stimme an ihr Ohr, vor ihren Augen gaukeln bunte, schimmernde Bilder, und die feurigen Worte des unvorsichtigen Mannes finden nur allzu empfänglichen Boden in dem eitlen Herzchen. „Nun Fräulein Elfe, was sagen Sie?" „Daß es sehr, sehr schön wäre!"
Einen Moment trifft ihn ein strahlender Blick au» den blauen Sternen, dann erlischt der helle Schein, und fie blicken trübe. „Und doch kann es niemals »erben, benn ich bin arm, und meine Eltern find geschieden." Elfes Stimme klingt herb, und fie blickt nicht auf. Das Wort geschieden, es klingt ihr heute so entsetzlich. Einen Augenblick ist alle» still. Endlich hebt Elfe die Augen, fie kann die Pause nicht ertragen. Da trifft fie ein Blick, so warm und innig, und Werner flüstert zärtlich an ihrem Ohr:
„Sie find muthig und wahr, kleine Elfe. Mit dem letzteren sagen Sie mir nichts Neues, ich kenne das Verhältnis Ihrer Eltern, das erstere ist kein Unglück. Nur Mut, mein Kind, und vertrauen Sie mir, es wird noch alles gut." Des Mädchens Blick leuchtet auf, und
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Else.
Moman von Hanna Aschenbach.
(Fortsetzung.)
„Ost nehme ich mir’8 vor," fuhr Elfe fort, „tapfer zu sein, aber eS gelingt mir nicht, es fürchtet fich halt ganz von alleine. Wenn ein Gewitter kommt, halte ich mir die Ohren zu und stecke den Kopf tief ins Kissen, aber ich höre es, und sehe es doch. Und wenn es blitzt, dann schaue ich mich schnell im Zimmer um, ob es-mtwa eingeschlagen hat."
Werner lacht laut auf, aber da trifft ihn solch ein entrüsteter Blick auS den schimmernden Blauaugen, daß- er sein Gesicht schleunigst in ernste Falten zu legen versucht, was ihm aber schlecht gelingt. „Verzeihen Sie mir, mein Fräulein. Meine Heiterkeit war sehr un- paffend." — „Allerdings," bemerkt die Kleine würdevoll. D«nn lachen die Beiden ausgelassen. „Wie ich mich nach Ihnen gesehnt habe, Fräulein Elfe," platzt der Leutnant jsast gegen seinen Willen heraus. „Sie ahnten wohl nicht, daß ich täglich an ihrer Mahnung vorbeispaziert, geritten ober gefahren bin, unb daß ich gestern schon über eine Stunde in bet Gluthitze auf bet Albertbrücke geschmort habe, um Sie eventuell auf dem Wege zur Stunde zu treffen. Heute habe ich nun endlich das Glück, Sie zu sehen. Freuen Sie fich auch ein wenig?"
Else hebt den Blick, senkt ihn aber sofort wieder — als blendeten fie die Flammen, die au» den but klen Männeraugen übet ihr Gesichtchen sprühen. „Ja", sagt sie verwirrt, und innerlich fügt fie hinzu: „es wird gefährlich , wenn ich nur eine Anknüpfung wüßte." Halt, so ging's. Sie wollte von seiner Familie sprechen,dann würde er nach der ihren fragen. „Ich weiß garnicht, Herr Leutnant, Sie erzählten mir noch nichts von Ihren Eltern. Leben fie hier in Dresden?"
Erfreut greift Werner das Thema auf. „Mein Vater ist längst gestorben, Fräulein Elfe, aber meine Mutter lebt hier. Sie war sehr krank, doch jetzt ist fie aus dem Wege der Befferung. Ich hoffe, fie bald zur Kirche bringen zu können, da werden Sie fie kennen lernen. ES ist ein liebe», gute» Mütterlein. Geschwister besitze ich keine." —
„O!" sagt da» Mädchen bedauernd, „da» finde ich traurig und langweilig. Mit wem haben Sie denn da gespielt und fich gekrutscht ? Eurt, da» ist mein Bruder, und ich, wir knitschen un» ost." — „Aber, mein gnädiges Fräulein, wenn ich wüßte, wa» kruschen ist?" „Krutschen," verbessert Elfe mit wichtiger Miene, „da» wiffen Sie nicht?" Die blauen Sterne schauen ihn ungläubig an. „Knitschen heißt fich necken und dann böse fein, aber nur zum Schein. E» ist sehr lustig. Mama schilt un» immer, daß wir so viel Lärm dabei machen." Der junge Mann amüsiert sich köstlich. „Heber wa» krutschen Sie sich denn gewöhnlich?" „O, da giebt's vielerlei. Ich ärgere Eurt mit seiner Bartwichse — er hat nämlich bestimmt welche
Schütze dein Pferd vor Sturz und Kronen- tritt. Bei den meisten Neuerungen und Verbesserungen, welche die Erfindung für da» Hufeisen gebracht hat, kam es dem Erfinder darauf an, bie Stollen und Griffe möglichst scharf herzustelle« und ihre Auswechselungsfähigkeit nach Möglichkeit zu erleichtern. DaS Patent „Neuß" verfolgte ein gänzlich anderes Prinzip. Durch die Gestaltung der Stollen in Form eine» H wurde die Schneide verbreitert und vertheilt. Dadurch wurde das Anklammerungsver- mögen des Hufes noch vergrößert, die Abnutzung der Schärfe eine ungleich geringere, schließlich bei der vertheilten und verbreiterten Schnittfläche eines H so tiefe und gefährliche Verletzungen, wie Kronentritte k. verhindert. Die Firma Leonhardt u. Eo., Schöneberg- Berlin hat in ihrem großartig erweiterten Etablissement die Massenherstellung der „Neuß'schen H Stollen" und deren Vertrieb übernommen.
Vom Büchermarkt.
V Edith Nebelong, Mieze Wichmann, auS dem Leben einer jungen Dame unserer Zeit, übersetzt auS dem Dänischen dürfte in Folge seiner Originalität in Deutschland daffelbe große Aufsehen erregen, wie in den drei skandinavischen Reichen. Die Psychologie des modern-jungen Mädchens ist hier mit Keckheit und prachtvoller Beobachtungsgabe von einer gleichaltrigen behandelt. Aehnlich den bekannten Romane« von Gabriele Reuter und HanS von Kahlenberg, so ist Edith Nebelong's Stil durchaus originell. Die Verfasserin besitzt ein starkes Talent. Ma« liest Mieze Wichmann mit ungetrübtem Vergnügen, stets gefesselt und ausgezeichnet unterhalten, weil ihre Verfasserin ein so gescheidter Kopf und eine so witzige junge Dame ist.
V „Hochzeitsvorbereitungen' lautet der viel des Amüsanten und Lustigen versprechende Titel des soeben erschienen neunten Bandes der humoristisch- sathrischen Biliothek „Die Berliner Range" (Verlag von Rich. Bong, Berlin Preis 1 Mark) und daß der rühmlichst bekannte Autor Ernst Georgy hält, was er verspricht, dürste am schlagendsten der bereits -/• Millionen Exemplare übersteigende Absatz „Der Berliner Range beweisen.
V Im Verlage von E A. Seemann in Leipzig ist soeben eine große farbige Nachbildung des berühmten Gemäldes von Tizian, Der Zins- aroschen (Christus mit dem Pharisäer), das fich in der Gemäldegalerie zu Dresden befindet, erschienen. Die Verlagsbuchhandlung hat den ursprünglich auf 8 Mark angefetzten Preis auf 2 Mark ermäßigt.
V In einem höchst originellen Umschlag nach einem Entwurf von Albert Klinger, einem unserer befähigst«! und eigenartigsten Plakatmaler«, liegt unS Hest 6. deS XVI. Jahrgangs der .Moderne« Kunst" (Verla, von Rich. Bon,, Berlin W 57. - Eiuzelheft 60 Psg.) vor.
V Den in dem aufreibenden Erwerbsleben unserer Tage mitten drin stehenden modernen Kulturmenschen wiro ein Aufsatz über Arbeit und Ermüdung, den wir in den neniften (6.) Hefte der Illustrierten Zeitschrift „Zur guten Stunde" (Deutsches Verlags- Haus Bong u. Co., Berlin W., Preis des Vierzehn» tagsheftes 40 Ps.) finden, lebhaft interesfiren.
V Reformvorschläge für den höheren Unterricht betitelt sich eine Reihe Artikel, welche in zwangloser Fvlge in der weitverbreiteten illustrierten Zeitschrift „Für Alle Welt" (Deutsches Äerlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57. — Preis des VierzehntagshesteS 40 Ps.) erscheinen.
*** Alpine Majestäten und ihr Gefolge. Die Gebirgswelt der Erde in Bildern. — Monatlich ein Heft im Format von 45:30 cm mit ca. 24 feinsten Ansichten aus der GebirgSwelt aus Kunstdruckpapier. — Preis des Hestes 1 Mark. — Heft XI und XII. Verlag der Vereinigten Kunstau- stalten A -9., München. Kaulbachstraße 51 a.
V A. von Blomberg. Höhenlust. Roman. Brosch. 3.—, gbd. 4.—. Verlag von 6. Ungleich in Leipzig.
» E. Schrill (Pastor S. Keller). Zweimal gestorben. Erzählung aus dem russischen Leben. Brosch. 3.50, gbd. 4.50. Verlag von E. Ungleich in Leipzig.
Vergnügungs-Anzeiger Nevertoir-Eutwurs der Frankfurter Etadttheater.
Opernhaus
Sonntag, 8. Dez., 3 >/. Uhr: „Der Bajazzo." Hierauf: „Phantasien im Bremer Rathskeller.' 7 Uhr: „Feuersnoth." Vorher: „Die Maienkönigin.'
Montag, 9. Dez. „Martha" oder „Der Markt zu Richmond.'
Schauspielhaus.
Sonntag, 8 Dez., 3Uhr: „Im Weißen Rößl." 7 Uhr: ,Wa8 ihr wollt.'
Montag, 9. Dez. „Hoffnung."
Königliches Theater zu Cassel
Sonntag, 8. Dez.: „Wilhelm Tell".
Montag, 9. Dez.: „Der Geizige". „Der eingebildete Kranke".
Dienstag, 10. Dez.: „Der Bajazzo". „Phantasien im Bremer Rathskeller'.
Mittwoch, 11. Dez.: „Florio und Flavio'.
Donnerstag, 12 Dez.: „Ein Stücklein vom Schill'.
„Der Uebersall'.
Freitag, 13. Dez.: „Das Mädchenherz'.
Sonnabend, 14. Dez.: „Der Registrator auf Reisen".
Sonntag, 15. Dez.: „DieMeistersinger von Nürnberg'.
Bfiitellibtitdiei Be,ua»vretS: bei der Expedition 2 All., fW-t»/» Erscheint täglich auher an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.
oso 8i,t‘dKÄSä®i(ttd.Ä). Marvurg •™Wua,36. Jahrg.
Jli 2öö Z«,.rtio«s,eb»hr. di. gespaltene Zelle oder beten «amn 10»ft - IQAI Druck und »erlag: Joh A-g «och, Univerfitats-Buchdrucketei k H H
Reklamen: die Zelle 25 Psg. öOHIttttt], O. ^C^CUlDCl laUl. Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
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Diese» altberühmte Bier, welche» infolge seines großen Malz», unb Warze» Extraktes unb geringen Alkoholes besonders Kindern, Blutarmen, Wöchnerinnen, nährenden Mätter« unb Reksnvaleseenten jeder Art von hohen medizinischen
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