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-dasselbe Bild wie am Tage vorher. Auch der DeichSkanzler erschien bald nach Beginn der kitzung. Die Kosten der Debatte wurden heute Wächst von Süddeutschland bestritten. Aar
Sie Münchener »Allgemeine Zeitung' schrieb: »Der Abgeordnete Richter ist wirklich alt ge»
Die heutige Nummer umfaßt zehn Seiten.
dem Reichskanzler umzuhängen bestrebt ist, während fie Gras Bülow vor aller Augen dem freisinnigen Führer angehängt hat. Wie nämlich in der „Freis. Ztg." mitgetheilt wird, soll die Richter'sche Rede als Broschüre zum,Verkauf gestellt werden; ob im Anhänge auch die Erwiderung des Reichskanzlers eine Stelle finden wird, dürfte mehr als zweifelhaft sein.
„Herr Kardinal, thun Sie das Ihrige'.
So hatte am Dienstag der Herr Reichskanzler unter sehr witziger und zu großer Heiterkeit stimmender Anwendung des bekannten oft citirten „geflügelten Worte-' auSgerufen. Es ist nun recht albern, daß die freisinnige und sozialdemokratische Preffe unter Führung deS „Vorwärts" dem Citat nachgeht und den „ergent- lichen Sinn' deflelben feststellt, um daraus nachzuweisen, daß Herr Graf v. Bülow sich „verhauen' habe; denn seine Aufforderung könne gemäß den Worten deS König- Philipp nur bedeuten, daß die Tarifvorlage „vom Leben zum Tode" gebracht werde, daß also daS Centrum die Funktion eines Großinquisitors zu übernehmen habe. Alles Citiren würde recht bald ein Ende nehmen müssen, wenn grundsätzlich ein so strenger Maßstab an die Anwendung geflügelter Worte gelegt werden sollte. Auch der Abgeordnete Richter würde alsdann in seiner Bewegungsfreiheit gehindert werden, denn auch er liebt die Anbringung von — allerdings weniger klassischen — Citaten. Die Haupt' Wirkung derselben besteht aber in ihrem momentanen Eindruck; das spätere Nörgeln hat demnach gar keinen Zweck. Daß insonderheit der Reichskanzler den Don Carlos ebenso genau kennen dürfte, als der „Vorwärts", Herr Gothein und die anderen Nachbeter, wird doch niemand bezweifeln.
württembergischen zweiten Kammer, in feiner schwäbischen Mundart gegen die Vorlage in'S Feld führte, war eigentlich nur ein matterer Aufguß des gestrigen Bebel'fchen Feuertranks. Als Beifallskorona fungirten in Ermangelung eigener Parteigenossen Paher's freisinnige Volk» Partei und Sozialdemokraten. Von seinen diScreten politischen Freunden, deren daS amtliche Verzeichniß deS Reichsboten 6 bis 8 aufführt, konnten wir keinen im Saale erblicken. Sein Landsmann, der württembergische Minister vd Pischerk, folgte ihm in der Reihe der Redner. Seine Ausführungen deckten ßch ungefähr mit denen seines bayerischen AmtSgenossen. Als letzter betrat heute der nationalliberale Freiherr v. Hehl die Tribüne, welcher sich NamenS eines TheilS seiner Fraktion für Kommisfionsberath- ung ausprach. Darauf vertagte sich daS HauS in ziemlich vorgerückter Stunde auf morgen, wo die heutige Debatte nach Erledigung einiger kleinen Sachen, sestgesttzt wird.
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Parlamentarisches.
Reichstag.
». Berlin, 6. Dezember.
Die erfbeLefung des Zolltarifs wird beischwächerem
Besuch fortgesetzt. . •
Aba. Speck (Cent.): In der Besprechung ist mit Recht die Bedeutung der Landw rthschaft hervorge»
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Mre könnte sich an dem verglommenen Feuer ihrer ^ßeifteiuHg noch nicht einmal ein sriereubes Rind *e zitternden Hände wärmen. Ich habe geuug a «l bereits erfahrenen Enttäuschungen einer derartigen Vereinsmeierei." »Auf mich," eroberte der Geistliche, stehenbleibend, »haben >le Ausführungen des Redner? grotzen 6in- tad gemacht, da meine Erfahrungen mich zu bett- «ben Schlüssen führen, die er mit so rührender ^arme vertrat. Sie gestattten mir wohl zn bemerken, ^8 freiwillig wirkende Vereine leichter die Schablonen- Zähigkeit vermeiden können, .bei amtliche Stellen so
Umschau.
„Stimmen der Presse."
* Wer in der heutigen Zeit genöthigt ist, sich durch die hervorragenden Parteizeitungen hindurchzuarbeiten, wird für diese nicht immer dankbare Arbeit häufig durch recht heitere Momente entschädigt. Unter anderem gewährt eS einen ziemlich hohen Genuß, die „Stimmen der Presse" gegenüberzuhalten und diese Gegensätze auf sich wirken zu lassen. So war in der Mittwochs-Nummer der Parteizeitungen u. a. folgende „Stimmen" zu Gehör gebracht.
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Göhre über die Nationalsozialen.
Im Dezemberhest der „Sozialistischen Monatshefte" findet man einen lesenswerthen Aufsatz von dem Mitbegründer deS nationalsozialen Vereins und nunmehrigen Sozialdemokraten Paul Göhre: „über: „Die Entwicklung der Nationalsozialen vom christlich-proletarischen Sozialismus zum bürgerlichen Liberalismus'. Der ehemalige intimste Freund Naumanns schreibt, nachdem er die Gegnerschaft der Nati- onalsozealen gegen die Sozialdemokratie — „den allein wahren und echten Sozialismus" betont hat:
Die letzten anderthalb Jahre haben Wohl auch die letzten hemmenden Schranken, vor allem namentlich zwischen ihnen und der Freifinnigen Vereinigung, niedergerissen: Der Kampf um die Handelsverträge hat dieses Wunder bewirkt. Aus Brüdern der Sozim- demokratie find die nationalsozialen Brüder der Frei- finnigen Vereinigung geworden. Auch hierbei hat
Der Zolltarif vor dem Reichstag.
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt jn8 über die Freitag - Sitzung bei Reichstag-:
Die heutige -Sitzung des Reichstages begann «ht mit der üblichen Pünktlichkeit; erst um jelb zwei Uhr erschien der Präsident Graf . tzallestrem im Saale und erklärte die Sitzung Er geöffnet. Das hatte seinen Grund darin, ß die kurz vor der Mittagszeit angesetzte Lerathung des Seniorenkonvents sich ungewöhnlich lange hinzog. Wie auf der Preßtribüne Mbald verlautete, war daS interessanteste krgebniß der Zusammenkünfte dieser Vertraue»- »inner aller Parteien des Hause» da», daß der Etat, der heute dem Reichstag zugegangen ist, ast nach den Weihnachtsferien zur Berathung ' gelangt. So konnte also mit dieser geringen Ver» 1 jögerung der Faden heute da weitergesponnen «erden, wo er gestern abgebrochen war. Aber «eich' ein Unterschied zwischen gestern und heute.
Wenn nur erst der Fritz da wäre! »Mit schlauem Lächeln fragte darauf sein Geuvffe: »Das Geld hast du wohl in der Ladenkafie des Kaufmanns gefunden, für den dn immer Pakete wegträgst? Dann fügte er beschwichtigend hinzu: »Du brauchst nicht bange zu fein, daß ich so etwas weitersage. Ich habe ja selbst noch nichts weggenommen; aber verraten thue ich dich sicher nicht. Darauf kannst du Gift nehmen. Sieh, da kommt auch der Fritz angehumpelt!'
Wirklich kam aus einer Nebengasse ein kleiner stämmiger Bursche hervor, der sich erst schlau nach allen Seiten umschaute und dann zu den Freunden herüberhuschte. »Ist die Lust rein?" fragte er vor- sichtig- . ist fein Polizist und auch "kein Lehrer in der Nähe?" Dann fiel er mit über die Herrlichkeiten her, die Schorfe feinen Taschen entnommen hatte. Endlich sagte er schmatzend: .Ich habe so furchtbaren Hunger weil ich feit vorgestern nichts Ordentliches gegessen habe. Da bin ich doch meinet Mutter ausgekniffen, ehe fie mich in die Schule bringen konnte. Sie hatte mich eingesperrt; aber ich bin aus dem Fenster gesprungen und fortge laufen. Dabei habe ich mit das Bein vertreten; doch das wird schon wieder besser werden. Die erste Nacht habe ich in der Leh. mannschen Scheune im Heu gelegen; aber da war es zu kalt, der Wind rüttelte an allen Ziegeln, und die Eulen schrien so schauerlich, daß ich mich ordentlich gefürchtet habe Gestern Nacht habe ich im Warte- saale auf dem Bahnhofe kampiert, bis ich hinausge» schmissen wurde. Heute kann ich wohl bei einem oon Euch schlafen? Ihr müßt mir helfen, damit ich nicht wieder in die dumme Schule zu gehen brauche, wo man immer nur frommes Zeug zu hören bekommt und niemals etwas Lustiges. Schorfe, kann ich bei Dir bleiben?" Dieser antwortete aber: »Das Kunst» stück wirst Du wohl nicht fertig bringen; denn wir vier Kinder schlafen schon in einem Bette, weißt Du, so quer über die Bettstelle hin, und bann würden > Dich ja meine Alten sehen, die euch in der Kammer schlafen, oder der Maurer Gottlieb, der in der -einen Ecke sein Bett stehen hat. Gehe doch lieber heute
Kestern eine der stürmischesten und leidenschaft» sich erregtesten Sitzungen, die der deutsche Reich»- .1—b(j je erlebte. Und heute im Vergleich da» reinste Stillleben, die ausgesprochenste Idylle, paal und Bundesrathstische zeigten ungefähr
leicht verfallen. Es bedarf uur einer opferfreudigen Pestalozzinatur, so werden die übrigen mitgerissen zu fruchtbarer Liebesthätigkeit." »Sie find doch immer der «Ite Schwärmer!' fiel nun das Stadtoberhaupt schmunzelnd ein. »Seien Sie froh, daß heute noch kein Beschluß in dieser Angelegenheit gefaßt worden ist, der sicher unsere Kreise stören würde."
Unter diesen Gesprächen waren sie en der Straßenecke an gekommen, an der fie sich trennen wollten. Da rannten plötzlich ein paar wilde Buben an ihnen vorbei, indem .sie so kräftig in die durch den anhaltenden Regen entstandenen Wasserlachen sprangen, daß die Mäntel der beiden Herren mit Schmutz bespritzt wurden. Der Bürgermeister wollt: schon den hinter dem nächsten Hausvorsprunge stehen gebliebenen Uebelthätern ein Paar kräftige Worte nachrufen, schwieg aber aus eine bedeutungsvolle Geste des Predigers, der in den Knaben ein paar der vorhin ohne Namensnennung gezeichneten verwahrlosten Kinder erkannt hatte, und wurde so mit feinem Gefährten Zeuge des folgenden Gesprächs, da» wir hier in hochdeutscher Uebertragung unter Milderung einiger Kra tstellen wiedergeben.
»Siehst du wohl, Ede", sprach der größere der beiden unordentlich aussehenden Knaben, »daß der Fritz noch nicht da ist. Den müssen wir gewiß in dem Gartenhause vor dem Thore ober in der Leh- mannschen Scheune suchen." Der kleinere aber antwortete in weinerlichem Tone: »Ich muß mich erst mal ausruhen, weil ich nicht mehr so lange laufen kann, seit ich alle Tage nur einmal ein Stück Brot zu essen kriege. Erzähle mir doch nnterhefsen gleich, was der Lehrer dazu gesagt hat, daß du ihm vorgestern mit der brennenden Zigarre im Munde begegnet bist." »Was der gesagt hat, meinst du. Na, was wird benn der gesagt haben? Hauen thut er mich doch nicht mehr, seit ich ihn das letzte Mal bei dem Inspektor hineingelegt habe. Ich aber habe fie heimlich beide ausgelacht, weil ich ja die blauen Flecke und die breiten Striemen gekriegt habe, als ich den
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worden; der Witz, ftüher so flüssig und packend, war schal; die Argumente unsäglich verbraucht, und der Thoms so bünn. 68 war »tönendes Erz und eine klingende Sch» lle" — im luftleeren Raum. Und dabei diese Begabung; es ist mehr wie schade dämm "
Dagegen war in der »Königsberger Hartungschen Zeitung" folgende, denselben Gegenstand behandelnde Bemerkung des bekannten .ReichStagSmitgliedeS" zu lesen: ,3m Laufe feiner Rede prägte Richter eine solche Summe scharfer Bilder, neuer Schlager für die Kämpfe um den Tarif, daß es zu weit führen würde, sie auch nur aufzuzählen. Mit dem »System des Universalprotektionalis- mos" traf Richter den Nagel ebenso auf den Kops, wie mit seinem Hinweis auf »die hinterwäldlerischen Anschauungen" der Väter des Tarifs und mit soviel anderen feinpointirten Sentenzen. Eine Meisterrede, die bewies, wie sehr der alte Richter sich wieder verjüngt hat, was man vom Grafen Bülow, der nach ihm sprach, wahrhaftig nicht behaupten kann. Freilich, wenn er auch mit Engelszungen redete — er hat der Liebe nicht; darum ist er ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle."
Herr Richter selbst scheint der Meinung seines getreuen AdlatuS zu sein, der die Schelle
Vater am Lohntag geärgert hatte. Schlau muß man sein, klug find andere Leute auch." »Das weiß ich schon lange," antwortete der Wißbegierige, »wie ist eS dir aber gestern in der Schule ergangen?" »Zwei Stunden habe ich brummen müssen; aber ich bin man floh, daß er auch dableiben matzte. Dabei habe ich gar nicht gelernt, was er mir aufgegeben hatte. Aber ausgedacht habe ich mir wieder was Feines. Wenn er das hört, bann fährt er aus der Haut. Kriegen soll er mich dieses Mal aber gewiß nicht! — Wo stecktest du denn gestern Nachmittag?" Schorfe antwortete auf diesen Erguß mit spöttischem Lächeln: »Du, Schasskops, brauchtest doch auch nicht gerade auf der Straße zu rauchen. Wozu haben wir »ns denn das leere Gartenhaus vor dem Wester- thore eingerichtet? — Uebrigens am Mittwoch und Sonnabends kann ich nachmittags nicht umherstrenzen, da nimmt mich die Mutter gleich mit zur Arbeit. An den anderen Tagen aber kann ich nichts Besseres thun. Meine Schulaufgaben kann ich nicht machen, weil unsere Male auf dem Tische immer bügelt, so lange fie sehen kann, und weil mich ihr Schatz am Abend immer hinausjagt. Wenn ich eile Stelle zum Arbeiten hätte, bliebe ich daheim; denn ich lerne gern und schnell. Erft gestern sagte mir der Lehrer, daß ich sein besser Schüler sein könnte, wenn ich nur nicht so leichsinnnig wäre." »Das glaubst du doch selbst nicht! »das sagt er nur, damit er sich nicht mehr über dich zu ärgern braucht. Für den ersten Platz hat er ganz andere Kinder," lautet die altkluge Antwort Eduards. Schorse aber sagte: »Du mußt mir jetzt noch die Hälfte von der Wurst geben, die wir heute Mittag dem dicken Schlachter gemaust haben. Ich habe doch an der Hinterthür geklingelt, damit ber dumme Kerl aus dem Laden her.nsgehen sollte und du eine Wurst mitnehmen konntest." »Sei nur still davon," mahnte der andere vorsichtig. »Du sollst auch noch etwas Besseres dazu haben, damit bu immer folgst, wenn ich dir was sage. Für die 50 Pfa., die ich gestern gefunden habe, habe ich Ehokolade, Zigarren und Zündplättchen gekauft.
Zwei ältere Herren verließen in eifriger Unter- . Haltung das Lokal deS Fortbilduugsverelnes einer ® ambdeatschen Stadt, um noch einen gemeinschaftlichen dpaziergang durch die wegen ber rauhen Herbst- Witterung ziemlich menschenleeren Straßen zu machen «nd fich bann zur Einnahme des Abenbessen» nach Hause zu begeben. Aus dem Abschieds grüß deS zDirthes, welcher diesen Gästen bis zur Thür das «leite gab, war zu entnehmen, daß man in ihnen »»Bekanntschaft des Bürgermeister» und des Pfarrers d« Stadt machte. Der zuerstgeuannte Herr sagte Made zu seinem Begleiter, indem er fich fröstelnd W» in seinen Mantel hüllte: »Und doch bleibe ich «r Meinung, mein lieber Herr Pastor, daß der Vor- ttag des sonst so verständigen Herrn Kern über das Ziel hinausschoß. Wie kann man erwarten, daß ein urziehunasverein für die der Verwahrlosung ent- pSm gehenden Kinder besser und vollständiger zu sargen tm Stande wäre, als die städtischen Behörden, »tt doch in dieser Frage fich auf die Unterstützung . Kirche, der Schule, der Armenpflege und des Ge- vollständig verlassen können? In ber ersten fleit würben uns übereifrige Mitglieder allerlei un-
ber sozialliberale Professor Brentano durch seinen Kampf gegen Adolf Wagner in ber »Hilfe" offensichtlich stark mitgeholfen; er hat die Brücke vollendet, die nun von jenen zu diesen, von diesen zu jenen führt. Dann kam der Handelsverttagsverein, die Schöpfung der freisinnig bereinigten Kommerzienräthe, wie sie die „Deutsche Tageszeitung" liebevoll nennt, und nahm auch die Nationalsozialen in seine schützenden Arme. Ihre Leute wurden seine Leute. Erst Pastor Kötzschke, bann Herr von Gerlach traten sogar in seinen direkten Dienst. Letzterer wurde der Sekretär des BereinS. Die Argumente desselben finden sich in ber freisinnigen wie national- sozialen Presse, in freisinnigen wie nationalsozialen Bortragen und Verfammlungen. Die Flugblätter bes Hanbelsverttagsvereins liegen, wie ben freisinnigen, so den nattonalsozialen Blättern bei. Selbst der Streit zwischen den Nationalsozialen und dem ihnen ehemals stark befreundeten »Organ der ®e» bildeten Deutschlands", ber Täglichen Rundschau, ist unseres Erachtens aus dieser engen Nachbarschaft von Nationalsozialen und Freisinniger Vereinigung zu erklären: ein Theil dieser Gebildeten, der immer noch wenigstens sehr wohlwollend und hoffnungsvoll auf sie blickte, aber doch auch noch konservativ empfand, eben der Kreis um die „Tägliche Rundschau", konnte diese starke Liberalisierung der Nationalsozialen nicht vertragen und rückte darum polternd ab. Ja, diese Nachbarfreundschaft der Nationalsozialen und frei- finnigen Vereinigung geht bereit» so weit, daß die Feinde der letzteren bereits auch die Feinde der ersteren geworden find. Der Redakteur Erd- mannsdörfer brachte alles auf die reine Formel: -Der Nationalsozialismus wird liberal fein, oder er wird nicht sein" Schließlich ging Naumann noch einen Schritt weiter, indem er, angeregt von demselben Erdmannsdörfer („Hand in Hand mit ber freisinnigen Vereinigung ober, wenn es nicht ander» Sht, auch mit der freisinnigen Volkspartei!") auch
on auf die künftigen Wahlen und Wahlkomprornisse eingtng. Ganz in dieselbe Kerbe haut nun auch Herr von verlach, besonders in einem Nachruf aus Georg von Siemens, seinen bisherigen Ehes, in der „Zeit": -Nur wenige stellen fich mit Siemens zusainm-n auf bie Seite des staatsklugen Liberalismus dem die Zukunft gehört." Und endlich, gleichsam als wäre es von uns direct bei Herrn von Gerlach bestellt. Wir Nationalsozialen find ausgegangen von der Arbeiterfrage Aber wir sehen unter den wirthschast- lichen Verhältnissen, wie fie heute nun einmal sind und wohl noch lange sein werden, in dem Kapital nicht ein zu bekämpfendes Hebel, sondern ein wundervolles Instrument des Kultursort- schritts." Äusgegangen von der Arbeiterfrage, dem Sozialismus, angel.ngt bei der Kapitalistenfrage, dem bürgerlichen Liberalismus — es ist in ber That dasselbe Urtheil, was wir selber über den Entwicklungsgang der Nationalsozialen schreiben mußten. Vom Sozialismus rückwärts zum — Liberalismus. Wozu ihnen einst am Tage ihrer Begründung Prof. U ax Weber unter beinahe ihrer aller Widerspruch gerathen, dahin find sie heute, nach gerade 5 Jahren, unter ihrer aller Beifallssturm doch gelangt: ein« neue Nuance zu fein des bürgerlich-kapitalistischen Liberalismus.
bet etfte Redner der CentrumSmann Speck, so u, bot auch der zweite vom Strande der Isar, bet bayerische Minister Frhr. v. Riedel, und ali fiter folgte der württembergische Bolksparteiler »her. Herr v. Riedel wurde vom ganzen Hause it großer Aufmerksamkeit an gehört; einige erze, die der joviale Herr seinen Ausführungen stocht, erregten behagliche Heiterkeit aus allen Seiten. Leider ging ein Theil der Rede str die Tribüne so gut wie verloren, weil Herr d. Riedel sich theilweise ausschließlich an die "sicht unter ihm fitzenden Konservativen wandte, Reichskanzler, der preußische spezielle llege deS Redners, Herr v. Rheinbaben und alle anderen Herren an den Regierungstischen 0 Pi, folgten Herrn v. Riedel'SÄ Rede ebenfalls mit , regstem Interesse.
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süddeutschen T^mokraten und Präfident der
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, Erscheint täglich nutzer au Werktagen nach Sonn- und Feiertag«.
. bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exel. Bestellgeld). Sonntagsbeilage: JllnftrirteS Sonntagsblatt. nn
JnsertionSgebühr: di. gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pf» Clnnnfrtrt « TlMMtlhPT 1QA1 Druck unb »erlag: Joh. Ang. Koch, llniverfitats-Buchdrnckerr Reelam«: bi. Zeile 25 Pfg. 'ÖUIIUIUO, O. CJVUlUU lovi. Mnrborg. Markt 21. — Telephon 55.