für die Kreise Marbura nud Kirchhain.
mit dem Kreisblatt
36. Jährst.
91
n haben
12
1954
en über teln uni
eütrtii rges.
Roman von Hanna Afchenbach. (Fortsetzung.)
Werner läßt die Pferde im Schritt gehen. Cein scharfer Blick überfliegt die Straße und wendet sich dann zur Seite, wo zwischen blühenden Kastanienbäumen der Giebel von Elfes Heim auftaucht. In den Augen des Leutnants liegt gespannteste Erwartung. Als der Wagen das tzartenthor passiert, tritt aus demselben eine junge Dame. In der Thür wendet sie sich und blickt zurück, und richtig, dort hinten am Eingänge des Häuschens steht wie ein duftiges, weißes Wölkchen: Elfe. Sie wirft der Scheidenden einen Kuß zu, aber im selben Moment den Offizier bemerkend, verschwindet fie im Haus.
Werner fühlt, wie ihm das Blut ins Erficht schießt. Welch einen Einfluß das kleine Mädchen auf ihn hat! Solche Sensation hat et noch nie empfunden. — Ob das die Schwester ist, die dort über den Fahrweg schreitet. Wahrscheinlich. Man kann das Gesicht nicht sehen, da die junge Dame den Sonnenschirm aufgespannt hat. „Eine schöne, stolze Gestalt/ sagt sich Werner, allerdings bedeutend größer und doller als die Elfe." „Halloh, Werner," ruft in diesem Augenblicke der Baron, „sieh mal die Dame dort, das nenne ich Grazie, dieser Gang, wahrhaft königlich!" Mutter und Sohn lachen and der Letztere denkt an die Erzählung deS Majors, und ein warmes Mitgefühl für das schlanke Mädchen dort erfüllt sein Herz. Er sagt sich, daß es wohl nicht zum Mindesten dieser Schwester Verdienst sein mag, daß die
eine* Augenblick von so viel holder Grazie zu trennen, so offenbare, bitte, dem Kellner die Wünsche Deines Magens, wenn anders Du jetzt noch für solch' materielle Fragen ein Ohr hast." Der Angeredete ruft lachend über die Schulter hinweg: „Ein Münchner" und wendet sich sofort wieder dem intereffanten Schauspiel zu. „Aber fie find reizend, diese Mädchen," sagt nun auch Frau von Buchwald, „ich nehme eS für ein gutes Omen, bei meinem ersten Ausflug soviel Jugendlust und verkörperte Lebenskraft anzutreffen. Hast Du denn keinen Gefallen an den hübschen Kindern, Werner? — Du bist so verändert?"
Die Mutter blickt mit einemmal ganz besorgt drein. Kennt fie doch ihren flotten Sohn viel zu sehr als Verehrer von Frauenschönheit, als daß fie sich nicht über diese ungewobnte Gleichgiltigkeit wundern müßte. „Ich verstehe Dich nicht," fügt fie hinzu, ängstlich in seinen Zügen forschend. Der Baron deklamirt pathetisch: „Und Du bist doch sonst kein Esel, theurer Freund, in solchen Dingen! — Verzeihen Sie, gnädigste Frau, diese etwas derbe Citation, aber kann ich dafür, wenn Heine mal feine gute Erziehung vergißt?"
Frau von Buchwald lacht herzlich. „Jedenfalls haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Nun, Werner? beichte." „Laß mech in Ruh, Kleiner, und Du, Mama, freue Dich doch, wenn Dein wilder Sohn solid wird." „Das thue ich auch, aber die reizenden Mädel darfst Du schon bewundern. Da sehen Sie Baron, das wird intereffant.
(Fortsetzung folgt.)
Nach wenigen Minuten kehrt er zurück. „Wir haben Glück. Die Glasveranda nach dem See ist unbesetzt. Es ist herrlich dort, Muttchen, und wird Dir gefallen." Mit diesen Worten hebt er die Dame auS dem Wagen, und Selten bietet ihr galant den Arm. „Helft mir alle beide, ich bin doch recht schwach," sagt Frau von Buchwald, und fürsorglich von den beiden Herren geführt, erreicht fie wohlbehalten den reservirten Platz. Dort läßt fie sich mit einem Rufe des Entzückens in einen Sessel gleiten. ,O, wie herrlich, wie wunderbar schön!"
Es ist in der Thal ein reizendes Bild, das sich den Beschauern bietet. Ein kleiner See, die durchsichtig Heien Wasser leicht gekräuselt durch eine schwache Briese, in der Mitte eine pittoreske Insel en miuiature, das Ufer von prächtigen Baumgruppen beschattet. Eine Schar halbwüchsiger Mädchen tummelt sich in kleinen, zierlichen Booten aus de» Waffer, andere haben die Insel besetzt und laffen von dort ihre frischen Stimmen erschallen; äugen« scheinlich ein Pensionat, wie es deren in Dresden so viele giebt. Die Mädchen sind elegant gekleidet und sehen distinguiert aus.
Frau von Buchwald schaut mit mütterlichem Wohlgefallen auf die frische Jugend, und der Baron ist rein weg vor Entzücken. Auch Werner hat einmal mit scharfem Blick die verschiedenen Gruppen überflogen, dann sich überlegend, daß diejenige, die ihn allein interessiert, nicht dabei sein kann, hat er sich abgewendet, um beim Kellner einige Erfrischungen für die Mutter und sich zu bestellen. „Lieber Cäsar," sagt er dann ironisch zu dem ganz in Schauen Versunkenen, „wenn es Dir möglich wäre, Dich
Der neue Zolltarif.
Da die Drucklegung des neuen Zolltarifs sie der dazu gehörigen sehr umfangreichen aterialen längere Zeit in Anspruch genommen t, als man ursprünglich voraussehen konnte, andererseits die Regierung Werth daraus t, daß die erste Lesung des Zolltarifs rnög- )st bald nach dem Wiederzusammentritt des ichstagS vor sich geht, so hat man den Aus- g gewählt, in einem Sonderdruck den Reich- ,s ab geordneten zunächst die allgemeine Be- iinbung zum Zolltarif zugehen zu laffen. Alle nieten Materialien sollen am Montag zur -rtheilung gelangen. Die Regierung hofft, Ijäfc damit den Reichstagsabgeordneten Zeit genug Ijelaffen sei zum Studium der Vorlage und daß Kn Beginn der ersten Lesung des Zolltarifs Kn 2. Dezember nichts mehr im Wege steht. Mer Seniorenkonvent des Reichstags wird am Mittwoch zu entscheiden haben, ob der Vor- I schlag der Regierung durchführbar ist.
I Die unS «vorliegende allgemeine Begründung Mellt die Gefichtspunke zusammen, von denen die Megierung sich bei der Ausarbeitung der neuen »Notlagen hat leiten laffen. Es wird darin »einleitend ausgeführt, daß mit dem 31. Dezember 61903 der Zeitpunkt eintrete, an dem die wich- »tigsten Handelsverträge gekündigt werden müffen Irnd daß es deshalb die Regierung für ihre IMcht erachtet habe, einen neuen Zolltarif auf» I zustellen, um auf dessen Grundlage neue Handels- I »ertrage unter Wahrung der eigenen Interessen »einbaren zu können.
I Von besonderer Wichtigkeit ist der Theil der Begründung, in dem die Regierung sich über Jbie vorgeschlagenen Zollerhöhungen zum Schutze btr deutschen Landwirthschaft ausspricht. Wir entnehmen diesen Ausführungen das Folgende:
Parlamentarisches.
— Am nächsten Mittwoch wird der Seniorenkonvent des Reichstags über die geschäftliche Behandlung der Zollgesetze und des Etats benutzen. Voraussichtlich wird die erste Lesung des Zolltarifs und Zolltarifgesetzes Montag, 2. Dezember, beginnen. Der Etat wird dem Reichstage bei feinem Wieder- Zusammentritt noch nicht vorliegen. Trotzdem wird mit Bestimmtheit daraus gerechnet, daß auch die erste Lesung des Etats vor Weihnachten erledigt wird.
— Drei oder vier nationalliberale Abgeordnete werden nach der ,Berl. Börsenztg " in der nationalliberalen Reichstagsfraktion gegen jede Erhöhung der Getreidezölle stimmen.
geliebte, kleine Else so harmlos glücklich geblieben ist in derartigen Familienverhältnisien.
Des Freundes Stimme schreckt ihn aus seinem Sinnen. „Du könntest die Zwillinge mal ein bischen ausgreifen lassen, fie werden ungeduldig bei diesem Schneckengang, und wir auch, nicht wahr, gnädige Frau." „Soll geschehen." Werner lockert die Zügel, und wie der Sturmwind brausen die feurigen Thiere dahin, durch die schattigen Wege des Großen Gartens, vorbei an saftiggrünen Wiesen und kleinen, blitzenden Teichen; gedämpfte Musikwellen ziehen durch die Luft, und hie und da schallt Helle« Frauenlachen ans Ohr der Wageninsaffen. Frau von Buchwald hat die Augen träumend ins Weite gerichtet. Es liegt ein leuchtender Glanz auf den sanften Zügen, eine stille, geklärte Freude. Der junge Freund betrachtet fie mit wehmüthigen Gefühlen. Warum ihm nur so bang wird, wenn er in die Augen blickt, die jetzt zärtlich an der Gestalt des Sohne« haften. — „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe." Der Baron schrickt zusammen. Hat Frau von Buchwald die Worte geflüstert, hat er fie ihr von den Lippen oder aus den Augen gelesen, ober finb fie ihm plötzlich in den Sinn gekommen? ES überläuft ihn eiskalt. Dann rafft er sich auf. „Meine liebe, gnädige Frau, wie fühlen Sie sich?" „Mir ist unsagbar wohl, Baron."
Man ist am Ziel, denn zwischen den Bäumen taucht daS reizende Carolaschlößchen auf. Werner springt vom Bock und wirst einem herbeieilenden Hausknecht die Zügel zu, dann tritt er an ben Wagenschlag. „Bleibt Ihr noch ein wenig sitzen, ich will erst sehen, ob ich für Mamachen einen ungenierten, geschützten Platz finde."
(Nachdruck verboten.)
Else.
sie ertragen werden, um weil ernstere Gefährdungen der Staatswohlfahrt hintanzuhalten. Dem berechtigten Streben der Einzelwirthfchasten nach möglichst vollkommener Befriedigung aller Bedürfnisse mit möglichst geringem Aufwande find durch den Zusammenschluß zu einem staatlichen Gemeinwesen Schranken gezogen Die Gesammtwirthschast des Volkes kann sich nur dann günstig entwicklen, wenn ih en begründeten Ansprüchen die Einzelwirthschasten sich unterordnen, wenn die verschiedenen Zweige der Gütererzeugung und Erwerbsthätigkeit derart im Gleichgewicht erhalten werden, wie es nach den besonderen Bedürfnissen des Landes nach seiner Lage und seinen natürlichen Hülfsquellen angemessen erscheint, und wenn die drei großen Berufsgruppen fich als kaufkräftige Abnehmer gegenseitig sördern und ergänzen.
s ch a s t mit sich bringt, voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten noch nicht verschwinden. Die Erkenntniß, daß die zuungunsten derLandwirthschafteingetrctene Verschiebung der deutschen Erwerbsthätigkeit schließlich nicht nur auf wirthschastlichem Gebiet unheilvolle Folgen für die Gesammtheit haben würde, muß zu der Ueberzeugung führen, daß die Durchführung wirksamer Segenmaßregeln nicht unterlassen werden darf.
Der vorliegende Zolltarif-Entwurf erblickt demgemäß eines ferner wesentlichen Ziele darin, die Sage der einheimischen Landwirthschaft günstiger zu gestalten, indem durch höhern Zollschutz ihrer Erzeugnisse die mit der Entwicklung des Weltverkehrs und der Weltmarktpreise entstandenen Nachtheile abgeschwächt und derart ausgeglichen werden, daß der Erlös besser den Herstellungskosten angepaßt wird. Der verstärkte Zollschutz soll dir Möglichkeit bieten, daß dem Ackerbau ein a»gem essen er und zu Betriebsverbesserungen ermunternder Gewinn Übrig bleibt. Dadurch werden weitern Fortschritten in der Sorgfalt der Güterbewnthschastuug und in der Ergiebigkeit der Feldbestellung die Wege geebnet werden. Diese Fortschritte werden dazu beitragen, daß Deutschland künftig in der Deckung seines Ge- treidebedarfs bei zunehmender Volkszahl nicht noch mehr vom Ausland abhängig wird. Wenn auch auf die Völl ge Entbehrlichkeit der Getreidezufuhr aus dem Ausland nicht zu rechnen sein wird, so ist doch in hohem Grade erwünscht, daß der Haupttheil des Nahrungs- mittelbcdarss dauernd aus der eigenen Erzeuguug des Inlandes besriedigt werden kann. Das deutsche Reich gehört zur Zeit noch zu den wichtigsten Erzeugungsländer für Brotgetreide. Die vorgeschlagenen Erhöhungen der Getreidezölle find so bemessen, daß sie die Aufrechterhaltung dieser Stellung erhoffen lassen. Seit der Aufhebung des Identitätsnachweises sind die Jnlandpreise für Weizen und Roggen an- nähernd um den Betrag des Eingangszolls höher aI8 die Weltmarktpreise. In der Vergrößerung dieser Spannung liegt eine wesentliche Erleichterung für den heimischen Ackerbau. Die Abhängigkeit der Inland- Preise von den Weltmarktpreisen wird allerdings fort- bestehen. Der Zolltarif hat auch nicht die Aufgabe, irgend einem Zweige der einheimischen Gütererzeugung die dauernde Erzielung von Verkaufspreisen in be- stimmte! Höhe zu gewährleisten. Ebenso liegt die Rücksichtnahme auf besondere, mit de» Herstellungskosten der Waare nicht zusammen- hängende Schwierigkeiten, welche in einzelnen Gegenden die bedrängte Lage des Ackerbaues noch verschärfen mögen, außerhalb des Bereichs der Zollgesetz gebung. Muß die Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle als unabweisbares Bedürfniß auch vom Stand- Punkt der Gesammtheit anerkannt werden, so darf von ihrer Durchführung die Rücksicht auf den inländischen Verbrauch der davon betroffenen Nahrungsmittel nicht abhalten. Bei der Mehrzahl der für landwirthschastliche Erzeugnisse vorgeschlagenen Zoll- erhöhung'find übrigens schwerwiegende Nachtheile für di eVerbraucher nicht zu befürchten. Derartige Nachtheile können selbst bei den beantragten Erhöhungen der Zölle für Brotgetreide nicht ohne weiteres als sichere unmittelbare Folge dorausgesehen werden. Gewiß begründet schon die Möglichkeit emerErschwerung der Volksernährung die ernste Verpflichtung Zollerhöhungen von so bedeutender wirthschastlicher Tragweite mit der größten Vorsicht zu bemessen. Sollte fich dessenungeachtet unter Umständen eine Belastung der verbrauchenden Bevölkerung ergeben, so müßte
Erhebungen von 1882 und 1895 entfielen von je 100 Erwerbsthätigen im Hauptberuf im Jahre 1882 auf Land- und Forstwirthschaft 41,38, auf Gewerbe 33,69, auf ß anbei und Verkehr 8,27, auf die drei genannten Berufsgruppen zusammen 85,34. Für das Jahr 1895 lauten die entsprechenden Angaben 36,19, 36,14, 10,21 und 82,54.
Die Zahl aller Personen, welche im Jahre 1882 ihren Leb-nsunterhalt aus der Landwirthschaft gewannen, hat fich bis 1895 durch lieber tritt von Erwerbs- thätigkeiten zu andern Berufen um über 780000 vermindert. Dieser Uebertritt mag zum Teil auf andern als wirthschastlichen Gründen beruhen, feine Haupturfache wird jedoch darin zu erblicken fein, daß bie Arbeitsuchenden eine Verbesserung ihres Einkommens mit der Steigerung der Barlöhne erwarteten, welche die üufblühende Industrie bewilligen konnte und in der Thai bewilligt hat. Zur Hintanhaltung einer »och stärkern Einbuße an Arbeitskräften war deshalb auch die Landwirthschaft genöthigt, die Lohnzahlung an ihre Arbeiter zu erhöhen. Hierdurch erfuhren die Betriebskosten eine namentlich bei dem für die Volksernährung wichtigsten Zweige der Landwirth- schaft, dem Ackerbau, schwer erträgliche Steigerung Gleichzeitig ist bei dem Getreidebau der Gelderlös für die Mengeneinheit — unter Schwankungen von Jahr zu Jahr je nach dem Ausfall der Ernte — im ganzen zurückgegangen Je mehr die weiten überseeischen Ländergebiete sich dem Anbau von Brotgetreide erschlossen, je mehr der Ausbau ihres Bahn- netzes und die Verbilligung der See- und Bahnfrachten den Absatz ihrer Erzeugnisse auf große Entfernungen erleichterte, umsomehr beeinflußte ihr Wettbewerb den Weltmarktpreis für «Betreibe, von welchem bie an« nährenb um ben Betrag bes jeweiligen Eingangszolls höhern Inlandspreise abhängig finb. Aus beiben Ursachen ergab sich ein zunehm enbes Mißverhältnis zwischen ben Herstellungskosten unb bem Verkaufswerthe Dem Versuche, ben Minder- erlös durch Vermehrung der Erntemengen einigermaßen auszugleichen, waren durch den Mangel an Arbeitskräften und Betriebskapital Schranken gezogen. Gleichwohl ist dem deutschen Getreidebau welcher an technischer Leistungsfähigkeit demjenigen anderer Kulturstaaten durchaus ebenbürtig ist, sowohl die Vergrößerung seiner Anbauflächen als die Steigerung des Körnerertrages auf die Flächeneinheit durch verbesserte Betriebsweise gelungen. Eine eingehende Darstellung der gegenwärtigen Lage der deutschen Landwirthschaft ist in bem befonbern Theil ber Begründung gegeben. Daraus ist zu entnehmen, daß die Ungunst der Verhältnisse auch andere land- wirthschapliche Betriebsarten in Mitleiden- schäft zieht.
Wie bereits hervorgehoben, ist in dem Ausschwung unserer Industrie in jüngster Zeit ein Rückschlag eingetreten, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Der Gewinn der industriellen Unternehmungen ist theilweise nicht unerheblich zurückgegangen, eine Anzahl industrieller Anlagen hat fich zur Einstellung des Betriebes genöthigt gesehen, dem Arbeitermangel ist stellenweise Arbeitslosigkeit gefolgt. Ob der Rückgang bereits den Tiefstand erreicht hat und wie lange er anhalten wird, läßt sich nicht mit Sicherheit er- messen. Gleichwohl darf gehofft werden, daß unsere Industrie in nicht allzuferner Zeit die gegenwärtige Krisis überwinden und wieder rüstig auf auffteigenber Bahn fortfchreiten wirb. Dagegen werben bie Gefahren , welche bie zunehmende Entwicklung des Weltverkehrs für unsere Landwirth-
Deutsches Reich
»erlte, 25 Novbi
— Für bie neuen Postwerthzeichen mit bem Auf- bruck .Deutsches Reich", bie vom 1. April ab an Stelle ber bisherigen Po st Werth Zeichen treten, finb die Druckplatten bereits fertiggestellt. Abgesehen von dem Vordruck, bleibt das Marienbild, das auch denselben Druck und dieselben Farben wie bisher behält, bekanntlich unverändert. Für den ersten Bedarf sollen etwa 800 bis 900 Millionen Stück herzustellen fein. Der Vermerk .Kartenbrief' unb .Postkarte' befinbet sich bann nicht mehr in der Mitte, sondern auf der linken Seite der betreffenden Formulare.
— Professor Liebermeister in Tübingen ist Sonntag früh gestorben.
— In einer am gestrigen Sonntag in Köln abgehaltenen, von ca. 3000 Landwirthen Rheinland« besuchten Versammlung, an welcher die Abgg. Dasbach, GrandH, Am Zehnhoff Mooren, Heuser, Gras Spee rc. theilnahmen, hielt Professor Dr. Wagner-Berlin einen Vortrag über die Forderungen der Landwirthschaft bezüglich ber Getreibezölle. Nack ihm sprach noch Frhr. Schorlemer-Alst. Schließlich würbe eine Resolution angenommen, worin folgenbe Forber- ungen ausgestellt finb: Für Weizen unb Roggen t inen Zoll von 7,50 Mk, für Hafer unb Gerste 6 Mk., für Vieh 15 Mk pro Doppeln ntner Lebenbgewicht, für frisches Fleisch 30, Milch 3, Butter unb Käse 35, für Wein 30, Ouebrachoholz 10 Mk. Die Sätze des Generaltarifs Kraftfuttermittel sollen unverzollt bleiben. Die Vertreter des Bundes der Landwirthe erklärten, im Interesse der Einigkeit der Resolution zuzustimmen.
vierteljähr-lcher Bezugspreis: bet der Expedition 2 DL, Erscheint caglich außer an Werktagen naa> sonn- und Feiertagen,
bei allen Postänckem 2,2» Mk. (exrl. Bestellgeld). Sonntagsbeilage: Illnstrirte» Sonntagsblatt.
Ins,rtisn»gebühr: di» »espallene Zelle oder deren Ramn 10 Psg. _ . m Druck und Verlag: Joh. Sag. «och, Unlversitäts-Buchdruckerei
Reclamen: di. Zelle 25 Pfg. TieNsM, 2b. N0VeMVei 1901. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
[erberein Zu bem Emporblühen von Gewerbe Solbatett #nb Handel hat die Politik der Tarisver» ufe ihre träge wesentlich beigetragen. Nachdem bieIndustrie Begonnen hatte, neben der Versorgung des inländischen Marktes den Absatz in das Ausland zu steigern, konnte Deutschland nicht zurückstehen, als die Neigung her- dortrat, die Bedingungen des Waarenaustansches für d, fofeu längere Zeit vertragsmäßig zu erweitern. Aus der : die er 6tetigteit ber seitens bet Vertragsstaaten sestge- ich, son legten Zollsätze hat unsere Jnbustrie burch Ausbau lug bei der alten unb durch Anknüpfung neuer Handelsbe- gefallig ziehungen im weitesten Umfange Nutzen gezogen.
G70 Allerdings mußte dieser Vortheil durch eine Abschwächung des Zollschutzes wichtiger Lrwerbszweige verkauft werden. Im Zusammenhang mit dem Ausschwung von Gewerbe und Handel unb mit ber vermehrten Nachfrage nach Arbeitskräften ist eine Verschiebung ber Vertheilung ber erwerbsthätigen Bevölkerung auf bie großen Berufs- zweige eingetreten. Nach ben umfassenden amtlichen
1.20,