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Marburg
Sonntag, 24. November 1901.
Erfchrint täglich außer in Werktagen nach L>onn- und Feiertagen. S-uutagsbeilage: Jllaftrirte» Sonntagsblatt.
Druck und »erlag: Joh. Sag. Koch, UaibvchtätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 66.
36. Jahrg.
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Natürlich hat die Industrie, und nicht blos die Industrie, sondern mit ihr auch die deutsche Landwirthschaft ein dringende« Interesse daran, daß diese nothwendige Uebergangszeit nicht über Gebühr sich verlängert. Im Interesse der heimischen Produktion muß daher verlangt werden, daß die Verhandlungen über den Zoll- tarisentwurf im Reichstage unter dem Gesichtspunkte geführt werden, daß es im Interesse der heimischen Erwerbslebens liegt, sie sobaldj wie möglich zu einem endgiltigen Abschlüsse zu bringen. Nichts widerspricht daher wehr den Bedürfnissen und Interessen aller
kaum das Auge mehr von ihm. Werner suhlte sich natürlich geschmeichelt und tanzte nnige Mal mit ihr. Seitdem ist er stets )er Gegenstand ihrer offensten Bewunderung, und hat sich die Sallh um seinetwillen schon riesig kompromittiert, aber Werner bleibt ein Ersblock. Mich wundert'S eigentlich, aber ich muß gestehen, er benimmt sich musterhaft. Das arme Mädel dauert mich, denn sie ist eine leidenschaftliche Natur, man fieht's an den Augen."
Frau von Buchwald hat erleichtert auf- geathmet, letzt blickt sie überrascht in die Höhe. •"r?aPe nieder, sehen Sie nur, Baron, dar ist allerdings stark."
_ In der That braust das elegante Gefährt Sallh s heran, das gleiche Manöver wie zuvor, nur daß des Mädchen Augen noch glühender Werners Antlitz treffen, der sie halb belustigt, halb ironisch grüßt. Kaum ist der Wagen außer Hörweite, als sich Werner umdreht, und achend sagt: „Sauvequi pent! Er brennt." 3m nächsten Augenblick hat der Wagen die Hauptallee verlassen und rollt langsam durch eine Seitenstraße. „Aber Werner, wohin?" ragt verwundert Selten. „Ich nehme den kleinen Umweg durch die L.-Straße. In den Anlagen wurde mir's zu schwül, hier aber herrscht reine Atmosphäre." Unter dem blonden Schnurrbart zuckt er eigenthümlich, die Mutter aber lehnt ich beruhigt in die Kiffen zurück. Sie kann reilich nicht ahnen, daß ein anderes starkes Gefühl das früher so leicht entzündliche Herz ihres Sohnes gegen den Zauber der schönen Sallh gefeit hat.
(Fortsetzung folgt.)
?l»mel über mir. Es war Herbst als ich von N Abschied nahm." Des BaronS Augen Düngen voll tiefer Verehrung an dem zarten »ntlitz seines vis-a-vis. Er liebt sie warm und Mfrichtig, die Mutter seines Freundes. Ist sie '°ch die beste Freundin seiner früh verstorbenen
Die Reichstagsverhandlungen über den Zolltarif.
pn. Ob, waS von den Gegnern der Zolltarifentwurfs in der Presse behauptet wird, die Unsicherheit, wie nach Ablauf der Handelsverträge unsere Zoll- und Handelsverhältnisse zum Auslande sich gestalten werden, einen schweren Druck auf den deutschen Unternehmungsgeist ausübt, erscheint angesichts der Thatsache, daß «och mehr alS zwei Jahre bis zu dem Zeitpunkte vergehen, an welchem frühestens die jetzigen Handelsverträge ablaufen, einigermaßen zweifelhaft. Sicher ist eS allerdings, daß für die deutsche Industrie auf Jahre hinaus gesicherte Verhältnisse in dieser Hinsicht von dem größten Berthe find und daß eine Uebergangszeit, wie sie naturgemäß immer den Schluß einer längeren Handelsvertragsperiode bildet, für sie erhebliche Schwierigkeiten im Gefolge hat. Das hat man innerhalb der Industrie sehr Wohl gewußt, und wenn gleichwohl der größte und wichtigte Theil derselben sich für eine Aenderung unserer Zoll- und Handelsver- hältniffe zunj AuSlande and für den Abschluß von Zoll- und Handelsverträgen auf neuer Grundlage entschieden hat, so läßt dieS erkennen, Vie gewichtig die Gründe find, welche für die ton der Reichsregierung geplante Zoll- und Handelspolitik ius Gewicht fallen.
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iebi, : Unter- Armer,
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(Nachdruck verboten.)
Else.
Roman von Hanna Aschenbach.
lFortsehung.)
6. Kapitel.
Lang entbehrte schon dein Blick Einen Bau« zu grüßen, Nun aus einmal, welch ei« Glück: Blumenreiche Wiesen.
(Menk.)
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»Der geschäftliche Niedergang hat seinen Grund wesentlich auf dem inneren o ^sen in der „Freifinnigen
Zeitung . Danach müßte man eigentlich er- warten, daß die Freisinnigen bereit sein würden, für den besseren Schutz unseres inneren Marktes und für Hebung der Kaufkraft der Landbewohner und Kleingewerbetreibenden einzutreten. Trotz der besseren Einsicht aber wendet sich der Freisinn mit aller Gewalt gegen den geplanten gemeinsamen und gleichmäßigen Schutz der nationalen Arbeit und unterstützt die Auslandskonkurrenz unter dem Vorwande, den Konsum zu verbilligen. WaS aber die billigen Preise nützen, wenn der innere Markt für die Industrie versagt, kann man jetzt den Klagen der durch den geschäftlichen Niedergang brotlos gewordenen tausenden von Arbeitern entnehmen. Diese sich jetzt lieber sichere und einträgliche Beschäftigung alS „billiges Brot" wünschen. Die „Billigkeit"^ nützt eben gar nichts, trenn bte Auslandskonkurrenz unseren heimischen Gewerbetreibenden und ihren Arbeitern den Verdienst vom Munde wegnimmt. e
athmet i" durstigen Zügen die weiche, Eilde Lust ein. „Endlich wieder ier blaue
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von der Anwesenheit der militärischen Kommission keine Notiz genommen haben. Wie weit diese Kom. Mission nun m ihren Ermittelungen gelangt ist, das
K .ups-rer Kenritmß. Die Angabe der der Befestigungsanlagen bei Ivcullheim kann daher bezüglich ibrer IRirfitinfeit Drage auch noch keiner militärischen Erörterung unterzogen werden; dieS wird schon rur «Benün/m französischen Kreisen demnächst geschehen." 8
«ine neue wirthschaftliche Vereinigung.
^b-n bereits eine Mittheilung erwähnt, ""^eblich Versuche gemacht werden, im Reichstage eine neue wirthschaftliche Bereinig- 6tll)en, analog derjenigen, welche die S 1878 8-stützt hat.
Dazu schreibt die „Eons. Corr." Nach unseren Informationen ist diese Mittheilung nicht richtig, Wie hatten auch solche Versuche in einer Zeit, da bte Fraktionen nicht versammelt find, gemacht werden können. ES ist überhaupt fraglich, ob die Fraktionen zur Bildung einer so starke Swteimmmg geneigt sein werden. Ein kleinerer interfraktioneller Ausschuß würde vielleicht Besserer leistem Jedenfalls wird aber die cl1 ^b'flich zu erwägen sein, und eS vu^-ste sich empfehlen, diesen Erwägungen nicht störend vorzugreifen.
2 Am Nachmittag des nächsten Tagek hält der " «iktoria Baron Seitens, mit zwei feurigen - Muckern bespannt, vor der Thür der Frau von 98 ouchwald. Diese mird von dem Baron und chrem Sohne sorgsam die Treppen hinabgeführt, ga Und in den Wagen gehoben. Ann-Lies, die .00 uiit Decken und Kissen beladen gefolgt ist, 29 Macht es ihrer Herrin bequem auf dem breiten
Fond fitz. Das gute, alte Gesicht strahlt vor ^Freude, und sie führt die Hand ihrer Dame 126 Örtlich an die Lippen, ehe die Pferde anziehen.
gelegen^ Zweige des heimischen Erwerbslebens, als »huhav fcenn unter Anwendung künstlicher Mittel erleitun Geschäftsordnung der Versuch unternommen l. Remis ivürde, die Verhandlungen über den Zolltarif
rfindot $71.
-- .Lebwohl, Ann Lies! treue Seele Du," ruft M »rau von Buchwald und dann zu dem ihr NMgenübersitzenden Baron gewandt: „Wie sie freut, fast so sehr, wie ich selbst. — Ach,
ist. tatsächlich unter dem Vorgeben gründlicher I freunde versucht, gegen den Dreibund Stimmung Verhandlung Obstruktion gegen daS Zustande- zu machen u«d als Kompensation für die Der- fotnmen der Zolltartfvorlage treiben wollten, längerung der Bündnisses günstige Zollklauseln ES würde dann genau so gehen, wie in Bezug I zu verlangen. Diese Wühlerei geht natürlich auf den künftigen Abschluß von Handelsverträgen, von den „internationalen HandelsvertragS- der durch nichts so erschwert wird, wie durch die freunden" au», dürfte also ohne jede Bedeutung immer wiederkehrenden Behauptungen unserer sein. Auf so inkorrekten und illoyalen Freihändler, daß daS Ausland sich zum Abschluß Boden wird da» offizielle Italien nichu von Handelsverträgen, wie fie unseren Interessen trete». Allein durch da» erwähnte Vorentsprechen, auf der Grundlage des Zolltarifent- I gehen wird die Warnung BiSmarckS wieder würfe« nicht bereit finden könne. In beiden I bestätigt, der bekanntlich davor warnte, daS Fällen erkennt man auf'S Neue, wie unsere politische Bündniß mit wirthfchaftlichen Fragen Freihändler, während fie die Interessen der zu verquicken und der daS „geniale" Wort deutschen Industrie im Munde führen, in Wirk- Caprivis, man müsse die Bundesgenossen wirth- lichkett diese durch ihr Thun aufs Empfind- schaftlich stärken, ein verhängnißvolleS nannte, lichste schädigen. Wollten wir uns wirthschaftlich schwächen, um
----- I eine Dreibundmacht zu stärken — und darau kommt die italienische Forderung hinaus — so
UölfCynU. I würde der Dreibund dadurch schwer geschädig t
I werden. «
Auch eine Proklamation. I --------
In Zusammenhang mit den Antichamberlain- Ein neuer befestigterPlatz am Kundgebungen dürfte eS angebracht sein, fich Oberrhein?
Die Verfolgung des nach blutigen Kämpfen zurück-
gedrängten Feindes hat bereits einen großen Theil I X;?®?” ^echt fühlbar gemacht, und soll diesem ««feier Armee über die Grenze geführt. Mehrere Mißstände Abhilfe geschaffen werden. Es find Corps werden heute und morgen den französischen von militärischer Seite in verschiedenen Orten Boden betreten. Ich erwarte, daß tue Manneszucht, I x.a badischen Oberlandea
durch welche Ihr Euch bisher ausgezeichnet Habt, sich 1 S 8 K'Ä darüber
auch besonders auf feindlichem Gebiete bewähren I gemacht worden, welcher Platz fich hierzu am werde. Wir führen keinen Krieg gegen die friedlichen besten eigne. Nun soll Mül lheim hierzu Bewohner des Landes: es ist vielmehr die Pflicht Wohl mit Rücksicht auf die günstige militärische S>es ehrliebenden Soldaten, das Privateigenthum zu I ßQQ« urtx «isonbabnverbindi.nn mit sewt
ützen und nicht zu dulden, daß der gute Ruf I r “A a «llent,a9"betbtnbung mit dem Rerchk- unseres Heeres auch nur durch einzelne Beiwiele von I ■ e besonder^ geeignet befunden worden Zuchtlosigkeit angetastet werde. Ich baue auf den I sein. Bestätigt sich dieS, so wird Müllheim, guten, Geist der die Armee beseelt, zugleich aber auch aus welches so wie so in nächster Zeit eine Garnison
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«°m M.N di-,- schlichten Worte mit den Dis
P«!lam.ti°n°n non Robert- nnd “ * 4 .V', l'”to *<>»3
der Riede-br-nnnna der Farmen nnd F-a-H« L KL8 MenAsek'-n? oL!
unschuldigen Frauen I rhein fich recht fühlbar machte und daß der siegreiche und Kinder der Buren vergleicht und daneben I Ausgang der Schlacht an der Laisaine so bef eiend die vor kurzem bekannt gemachte Maßregel der I wfikte, daß die Badener dem General Werder in ihrem Engländer hält, die den neuanzuwerbenden I nit§?n£8
Solbatra 75 »6t d-r ,n machenden Bente ner- Lt'UÄn
spricht, also direkt zum Rauben anhält, so darf »nd technischen Offizieren bestehenden Kommission an
man alS Deutscher stolz sein über den Gegen» I §rt und Stelle di- Frage erörtert wird, wie am
,°r d-ntsche- nnd britischer KrieMrang. ZV"»aL" Sftl 'Sn 'Ä-LÄ _ ., . P möglichst vor einer feindlichen Invasion zu bewahren,
Dreibund und Zolltarif. wenn nur nicht so glücklich find, durch eigene Offen-
«= Mitt« t-inmphi-end
melden, wird in Italien seitens der Franzosen- I daß wir — übrigens auch im nationalen Interesse —
Mutter gewesen und die einzige, die ihm ein seine glühendste Verehrerin. Sahen Sie, wie getreues Bild der Verblichenen gegeben hat, die Gluthaugen ihn anloderten? Schön ist die die nicht müde wurde, dem Knaben, der die Sally und ein Rassemädchen. Fährt reitet me gekannte Mutter zu einer Heiligen seines schießt, rudeit, schwimmt, radelt, kurz, fröhnt Herzens erhoben hatte, die Güte und Sanft- allen noblen Passionen. Kann e« fich ja leisten muth, die Reinheit und Schönheit der Freundin bei dem eminenten Reichthum der Vaters' 8U „ I Na, was sagen Sie zu dieser Schwiegertochter,
Der Wagen, von Werner kutschirt, biegt in I Gnädigste?" U
die Anlagen ein, die hier von zahlreichen „Um Gotteswillen", wehrt diese entsetzt Spaziergängern, von Reitern und Wagen belebt „die Dame ist ja ..." „Jüdin", ergänzt lachend ind. Viele Grüße gelten den jungen Offizieren, der Baron. „Allerdings ist fie daS, aber eine einige wenige freudig erstaunte, ihrer Dame. Sallh Löwenstein ist trotzdem eine höchst be- Da Frau von Buchwald so sehr zurückgezogen gehrtePartie. Kaum au» derPenfion zurückgekehrt ebt, hat fie nur wenige Bekannte, in diesen ist fie schon von einem großen Verehrerkreis um- abn ebenso viele Freunde. Werner läßt die lagert, unter denen sich wirklich hochfeudale Namen ebhasten Jucker tüchtig auSgreifen, nachdem er befinden. Denn die junge Dame ist persönlich ich überzeugt hat, daß die« seine Mama nicht ganz comme il faut und außerdem doch von angreift, sondern ihr fichtlich Freude macht. Sie berückender Schönheit, wenn schon fie die semi- ist überhaupt äußerst angeregt und sieht um tische Abstammung nicht verleugnen kann Steht Jahre jünger «u», tote sich die Wangen in der auch Adel bevor." rischen Luft allmählich rosig färben. Baron „Aber bester Baron," fragt Frau von Buch- Selten sprudelt über von froher Laune, und toald ängstlich, „ich verstehe Sie nicht Wollen witzige Reden und Scherzworte fliegen hin Sie denn den Werner mit dem Mädchen ver- und her. I heirathen? So etwas ertrüge ich nicht. Der
Da braust etn von feurigen Vollblutpferden I letzte Buchwald und eine Jüdin!" gezogenes Phaeton heran, *uf welchem eine „Aber liebe, gnädige Frau, es ist ja nur junge Dame bte Zügel führt. Beim Pasfiren Scherz. Wie ungeschickt von mir. Ich wollte unseres Wagen« verlangsamt die Fahrende ein Ihnen ja nur von Werners Eroberung erzählen vemg das Tempo. Sie senkt die Peitsche, und der Auf dem Offiziersball im Belvedere wurden wir choneKops wendet fich ungenirt mit heißem Blick dem Mädel vorgestellt, er und ich zufällig zu- nach Werner. Dieser legt die Hand an die sarnmen. Mich übersah fte natürlich vollständig Mütze, dann dreht er fich lachend nach seiner Sie starrte dafür Werner an, als sei er der Kutter um, während die kecke Fahrerin weiter- Kriegsgott in höchsteigener Person und vorn türmt. Frau von »uchwald schaut ein wenig alten Olymp in Galauniform herabgestiegen betroffen drein, Selten aber ruft schelmisch: um ihr erstes Debüt im großen Kreise zu ver- „Werners neueste Eroberung, gnädigste Frau, | herrlichen. Sie war ganz verzaubert und
und G ungebührlich in die Länge zu ziehen oder gar ^e’ßan das Zustandekommen desselben zu vereiteln. Die- ter (768 jenigen ober, welche jetzt die Unsicherheit unserer w, Zukunft in Bezug aus Zoll- und Handelsver- derhesfashältniffe im Interesse der Industrie so lebhaft beklagen, würden fich mit diesen ihren Worten ie direkten Widerspruch setzen, wenn fie, wie es ja in derselben Presse wiederholt angekündigt