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mit dem Kreisvlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
vt«rteljahr»lcher Bezugspreis: btt der Expedition 2 NL, bei allen Postämtern 2,26 Mk. (excl. Bestellgeld).
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Marburg
Sonnabend, 23. November 1901.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach «onn- und ^eierrageu. Sonntagsbeilage: JllnftrirteS Sountagsblatt.
Druck «ad Verlag: Joh. Aug. 8sch, UnioersitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 66.
36. Jahrg.
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"MtzKraf Bülow und Herr Chamberlain.
Man schreibt uns:
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sowohl darauf an, eine Beleidigung mit einer andern zu erwidern, als vielmehr Herrn Joseph khamberlain durch feine und überlegene Ironie ' ju blamiren. Daß Graf Bülow sich darauf wohl ' versteht, hat er vor einigen Jahren bewiesen, . ote ein österreichischer Staatsmann Preußen in • taktloser Weise angegriffen hatte. Wenn Herr
l. Für berufene Volksversammlung. Es kommt nicht
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[ Graf Bülow wird sich im Reichstage über * die Chamberlainaffaire äußern, wenn dort die -ngelegenheit zur Sprache gebracht wird. Aller Voraussicht nach wird dies bei der Generaldebatte über den Etat geschehen, bei der bekanntlich alle inneren und äußeren Angelegenheiten besprochen werden können, während sonst die schwerfällige und feierliche Form der Inter-
. pFation gewählt werden mußte.
, Wir haben guten Grund zu der Annahme, ' baß der Reichskanzler über die Taktlosigkeit und . Ungezogenheit des englischen Staatmannes ebenso • Wittert ist, wie die ungeheure Mehrheit des ' deutschen Volke». Man wird eS aber begreifen, ' daß der leitende Staatsmann des großen deutschen . Aichs bei der Abfertigung eines fremden StaatS- • Mannes in der Wahl seiner Ausdrücke sorg- ' Miger und vorsichtiger zu Werke gehen wird, ' als eine zu einer Entrüstungskundgebung ein-
Lhamberlain nach der Reichstagsverhandlung vor den Augen der Welt als ein Mann dastehen wird, deffen Unbedachtsamkeit und Taktlosigkeit sah schlecht mit seiner hohen Stellung vereinigen werd« W, so wird man damit zufrieden sein können, md Eii Indem Gras Bülow solcherweise die Ange- , »ratii legenheit behandeln dürfte, wird schon dadurch die Schweigsamkeit der Regierungsorgange ge- rechtfertigt sein. Denn man wird zugeben muffen, daß eine Abfertigung Chamberlain» »efchäst ton der Tribüne des deutschen Reichstags auS wirksamer ist als einige offiziöse Zeilen im „Reichsanzeiger" oder in der „Norddeutschen ld 2u Allgemeinen Zeitung". Uns ist es beiläufig denkb« auch noch von einem anderen Standpunkte aus durchaus nicht unerwünscht gewesen, daß die Fabrrm gtegierungSorgane nicht das Wort ergriffen gül haben: wir meinen vom Standpunkte der Original Selbstachtung des deutschen Volkes aus. xüllrng tin mündiges Volk soll gar nicht wünschen thwei« ober verlangen, daß die Regierung erst gewisser- «kä«fo uraßen die Parole ausgiebt, wie es sich zu einer ,721! Beleidigung zu stellen hat, sondern es soll Mannes genug sein, sich spontan gegen eine g hab« seiner Ehre zugesügten Kränkung aufzulehnen.
Und es soll soviel Selbstgefühl haben, überzeugt
10 (Nachdruck verboten.)
Else.
Roman von Hanna Aschenbach.
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(Fortsetzung.)
Die Kranke lachte heiter aus. „£> Du Brausekopf, noch haben wir des Doktors Erlaubniß nicht, und schon willst Du daS Ziel der Fahrt bestimmen."
„Stein giebt fie, verlaß Dich darauf, ich wüßte auch nicht, was heilsamer für einen Re- konvalescenten sein könnte, als solch eine wonnige Fahrt durch den Frühlingswald, denn Schatten müssen wir suchen, da Frau Sonne es schon mächtig gut meint. Ich habe übrigens — trotz Sonnenschein und Frühlingsdust — Hunger, grimmigen Hunger sogar." Er schreitet lachend zur Thür und ruft mit Kommandostimme: .Heda, Ann-Lies, muß ich selbst in die Küche kommen, um Euch Beine zu machen? Ich bin am Verschmachten!"
Das lächelnde, runzliche Gesicht der alten Haushälterin erscheint zwischen der Portiere des Nebenzimmers. „Ich wollte soeben melden, daß ferteilt werden kann. Nicht schelten, junger Herr, es giebt auch etwas ganz besonders Delikates für unfern Tyrannen." — „So, das läßtsich hören, will Dir also großmüthig verzeihen."
Die Alte verschwindet lachend, und Werner bietet seiner Mutter den Arm. „Auf, Mamachen, laß uns sehen, waS unS unser Küchenmeister auftischen wird."
Mit zärtlicher Fürsorge leitet der kraftvolle Mann die gebrechliche Frauengestalt in das an-
zu sein, daß eine solche spontane Aeußerung des Unwillens einer ganzen großen Nation auf >en Beleidiger und dessen Volksgenoffen ein stärkeren und nachhaltigeren Eindruck macht, als eine offiziöse Preßauslassung.
Was aber unter diesen Umständen einerseits !>as Schweigen der Regierungsorgane, andererseits die Kundgebung des Volksunwillens rechtfertigt, so wird Graf Bülow — das hoffen wir zuversichtlich — davon absehen, im Sinne der bekannten so wenig ersolgreichenBeschwichtigungs- astion einiger Blätter die Aeußerung der deutschen Volksstimmung nachträglich mit einer Zensur zu versehen. Denn einmal kann ein leitender Staatsmann nur froh sein, Führer eines Volk» von kräftigen nationalen Empfindungen zu sein und zweitens würde er damit die Wirkung seines Auftretens nur abschwächen.
Wie wir aber überzeugt find, daß der Reichskanzler alles vermeiden wird, was dahin führen könnte, daß aus einer Abfuhr für Herrn Chamberlain eine Paukerei im Reichstage wird, so hoffen wir, daß die Reichsboten von demselben Bestreben erfüllt sein werden. Deßhalb wird es gut sein, wenn derjenige Abgeordnete — wer immer es ist —, der die Angelegenheit anschneidet, so daß der Reichskanzler darauf antworten kann, dabei sein Temperament so zügelt, daß der Reichskanzler nicht in die Verlegenheit kommt, ein Zuviel abzuwehren, sondern daß er sich lediglich mit Herrn Chamberlain beschäftigen kann. Und wenn dann der Reichskanzler, wie wir hoffen, die Angelegenheit zur Befriedigung erledigt hat, so wird es gut sein, daß die Parteien sich mit einer kurzen Zustimmung begnügen. Sonst kommt es womöglich zu Reibungen, und aus dem Erfolge würde eine Blamage werden.
Behandeln aber Reichskanzler und Parlament die Angelegenheit so, wie es wünschenswerth ist — mit vornehmer Ueberlegenheit über einen taktlosen und plebejischen Schwätzer — so wird die staunende Welt vielleicht das achte Weltwunder erleben: daß selbst die Wangen eines Chamberlain sich mit der Röthe der Scham bedecken können.
Umschau.
Eine neue Erklärung Chamberlain».
ES liegt außer der gestern von uns bereits erwähnten Erklärung Chamberlains noch eine ähnliche vor. Er hat einem Korrespondenten der „Voff. Ztg.", der ihn aus die Entrüstung in Deutschland aufmerksam macht, schriftlich antworten lasten:
stoßende Speisezimmer, einen kleinen quadratförmigen Raum, der in dunkler Eiche sehr gediegen möblirt ist. Auf dem feinen Damasttuch liegen zwei Kouverts und zwische» beiden ein großer Strauß herrlicher Maiglöckchen. „Sieh da, Mama, welch galanter Verehrer sendet un» diesen duftigen Gruß?" „Sollte dies nicht mein Herr Sohn sein?" „Bewahre, Mama. Diesmal bin ich unschuldig daran, denn ich ging schon um 7 Uhr zur Kanzlei." „Dann weiß ich wirklich nicht —" sagt verwundert Frau von Buchwald. „Lisette," wendet sie sich an daS eben eintretende Stubenmädchen, „wer brachte diesen Strauß?" Er kam, al» der Herr Doktor bei der gnä' Frau war, ich vergaß, es nach seinem Fortgehen zu melden. Gnä' Frau wollen gütigst verzeihen. Ich hole sofort den Brief." DaS schmucke Mädchen verläßt das Zimmer und bringt ihrer Herrin nach wenigen Minuten ein zierliches Billet.
„Ah, von Selten." sagt diese erfreut und liest dann laut:
„Verehrteste, gnädige Frau! Erfahre soeben durch meinen Burschen, daß Sie wieder Wohl auf find und gestatte mir zu dieser erfreulichen Gelegenheit, Ihnen einige duftige Frühlingsblüten als Genesungsgruß ergebenst zu Füßen zu legen.
Stets Ihr getreuer Julius Selten."
„Wie nett von Cäsar; er ist ein lieber Kerl und verehrt Dich sehr, Muttchen. Er hat jedenfalls Bücher durch den Burschen holen kaffen, und diesem wird Rappel erzählt haben, daß Du
.Kolonialamt, 20. November. Geehrter Herr! Ich bin von Herrn Chamberlain beauftragt, ben Empfang Ihre» Schreibens vom 16. November mit Dank zu bestätigen unb Sie zu verständigen, daß mit der Berufung auf den Brauch aller civilifirten Nationen zur Rechtfertigung größerer Strenge, als fie bisher von «ns im Burenkriege angewendet wurde, nicht gesagt werden sollte, daß solche durch amtliche Geschichtswerke begloubigte Strenge über das, was gerecht und nothwendig war, hinausging, aber was recht und billig auf Seiten einer anderen Nation, kann nicht barbarisch und unmenschlich sein, wenn es von Großbritannien gehandhabt wird. Ihr ergebener Oliver Howard, Prrvatsekretär."
Man sieht auch hier daS Bestreben, die ersten Erklärungen abzuschwächen, nicht aber eine Zurücknahme der beleidigenden Behauptung, Deutschland habe im Kriege 1870 71 ebenso gehandelt, wie jetzt England.
Deutsches Reich
®erlitt, 22. Novbr
— Der Plan einer Weltreise des Kron- Prinzen wird dem .Manchester Guardian" zufolge vom Kaiser mit großem Jntereffe erwogen. König Eduard habe dem Kaiser zugesagt, daß dem Kronprinzen .in den östlichen Provinzen des britischen Reiches" alle Gastfreundschaft sicher gewährt werde« würde. — Wir glauben nicht an diese Nachricht.
— Der Kolonialrath ist am Donnerstag Vormittag im Reichstagsgebäude zusammengetreten Er beschäftigte sich mit der Sklavenfraae. Wie sich aus der Generaldebatte dem „Wolff'schen Bureau" zufolge ergab, pflichtet der Kolonialrath in seiner großen Mehrheit dem Standpunkte des Ausschuffes bei, von dem aus die Freierklärung der Sklavenkinder zwar in Ostafrika mit Rücksicht auf die vorliegenden Berichte des Gouverneurs zunächst noch nicht ausgesprochen werden solle, wohl aber ein solches Vorgehen in Togo und Kamerun, in letzterem Schutzgebiete mit einigen Modifikationen, als durchführbar angesehen werben könne. Der Gedanke der Einführung eines Arbeitszwanges durch die Regierung wurde als undurchführbar bezeichnet.
— Die offiziöse .Nordd. Allg. Ztg." nimmt nun auch zur Chamberlain-Angelegenheit das Wort. Sie schreibt i« einem anscheinend nicht offiziösen Artikel u. a.:
.Die obige Wölfische Depesche nöthigt uns nun doch, auf die Edinburger Rede des englischen Kolonialministers zurückzugrerfen. Nach den Berichten englischer Zeitungen hatte sich Herr Chamberlain zur Rechtfertigung der englischen Kriegführung gegen die Buren daraus berufen, daß es andere europäische Nationen und darunter auch die deutsche, in früheren Kriegen schlimmer getrieben hätten, als die Engländer in Südafrika. Durch seinen Sekretär läßt Herr Chamberlain nunmehr erklären, daß er in Edinburg nur auf die von allen zivilisirten Nationen unter ähnlichen Umständen beobachtete Haltung verwiesen habe.
Wir stellen fest, daß zwar die Edinburger Rede damit eine Abschwächung erfährt, der Ausdruck der Verwunderung über die Empfindlichkeit des deutschen Nationalgefühls ungerechtfertigt und ungehörig bleibt. Denn das .Mißverständniß", von dem Herr Chamberlain spricht, liegt auf Seiten der Wochen lang
Wohler bist. — WaS meinst Du, Mama, fühlst Du Dich so kräftig, daß wir ihn wieder mal zum Abendessen einladen können? Er ist solch ein gemüthlicheS Haus." „Gewiß, Werner, auch ich freue mich immer auf ihn. Willst Du noch ein wenig Suppe, mein Jung?" „Bitte, Mama, sie ist ausgezeichnet, und der Spargel zergeht einem auf der Zunge. Ja die Ann-LieS ist eine Perle." „Sie ist eine treue Seele," bestätigt Frau von Buchwald warm, „ich wüßte wirklich nicht, was ich ohne fie machen sollte." „Hast recht, Muttchen, fie ist ein wahrer Hausschatz und al» Köchin unbezahlbar. Die also Gelobte servirt heute selbst, statt beS Stubenmädchens; sie will sich das Vergnügen nicht entgehen laffen, ihren jungen Herrn recht neugierig zu sehen, wie fie sagt. Werners Ungeduld wird allerdings bedenklich gereizt, da der versprochene Leckerbiffen nicht erschienen ist, obgleich Braten und Gemüse bereits verspeist find. „Na, warte, alte Haus- unke, wenn Du mich genaSführt hast," droht er halb ärgerlich, halb scherzend, als Ann-LieS mit einer verdeckten Schüssel erscheint.' Mit einem Satz steht er vor ihr und hebt trotz der lachenden Abwehr der alten Frau den Deckel. „Artischoken," jubelt er laut, „Ann-Lies, Du bist ein Engel." Dabei packt er die Wärterin seiner Kindheit um die Taille und wirbelt fie mehrmals im Kreise herum, wobei die Artischoken in große Gefahr gerathen.
Die Frau kreischt entsetzt auf, während Frau von Buchwald heiter mit dem Finger droht: „Werner, Werner, man glaubt einen Kadetten auf Ferien zu sehen, aber keinen Offizier Sr. Majestät."
unwidersprochen gebliebenen euglischen Berichterstattung. Ueber die zur Entschuldigung vorgebrachte allgemeine Wahrheit, daß in allen Kriegen Härten Vorkommen, würde fich niemand bei unS erregt haben.
Dem in Volksversammlungen hie und da aufgestellten Verlangen, im Jntereffe des deutschen Heeres amtliche Schritte gegen außeramtliche Aeußerungen eines ftemden Ministers zu unternehmen, können wir uns nicht anschließen. Das Ansehen, das fich die deutsche Armee sowohl durch Manneszucht und Menschlichkeit wie durch Tapferkeit in der ganzen gebildeten Welt erworben hat, steht viel zu fest, als daß es durch falsche und unpaffende Vergleiche berührt werden könnte."
Ausland
Frankreich. Zwischen Frankreich und der Türkei ist ein neuer Konflikt ausgebrochen. Das zweite am Bosporus ftationnte französische Kriegsschiff „Mouette" verließ mehrere Wochen nach der Abreise des Botschafters Constan» Konstantinopel, um im Aegäischen Meere Hebungen abzuhalten. „Mouette" sollte jetzt hierher zurückkehren und suchte deshalb wegen der Durchfahrt durch die Dardanellen den üblichen kaiserlichen Ferman nach. Statt an das Schiff Antwort gelangen zu lassen, sandte der erste Palastsekretär Tachrin- Beh im Auftrag des Sultans eine Note an den Minister des Aeußern, worin demselben erklärt wird, daß für Frankreich keinerlei Grund zur Stationirung zweier Kriegsschiffe im Bosporus bestehe und daher der zweite Stationär nicht zugelaffen würde. Weiter wird der Minister aufgesordert, sich sofort an die französische Botschaft zu wenden, damit diese das Gesuch um Ertheilung eines Fermans für die Durchfahrt des Schiffes durch die Dardanellen zurückziehe. In gut unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß fich Frankreich der Auffassung des Palastes nicht anschließe, und.'hält es nicht für unmöglich, daß der zweite Stationär eventuell selbst auf die Gefahr hin, beschossen zu werden, die Durchfahrt ohne Ferman erzwingen werde. Außer Frankreich haben noch Rußland und England zwei Kriegsschiffe dort, während Deutschland, Italien und Oesterreich - Ungarn nur durch je eins vertreten sind.
Ettglattd. Dieenglische Admiralität hat Angebote für zwanzig fast durchweg erstklassige Kriegsschiffe ausgeschrieben. Einige dieser Schiffe sollen auf den königlichen Werften, unter größtmöglicher Beschleunigung unter Anwendung von Üeberzeit gebaut werden. Einige Werften sollen erweitert werden, damit der Schiffsbau mit dem auf dem Kontinent gleichen Schritt halten kann, auch werden Vorkehrungen für den Bau submariner Boote getroffen.
„Der sogar die hohe Ehre hat, seit vier Wochen LataillonSadjutant zu sein," ergänzt ihr Sohn lachend. „Ich bin sonst auch, meiner neuen Würde angemessen, furchtbar gesetzt, aber Artischoken, das ist eine Ausnahme, daS ist die Quintessenz aller Gemüse, da» Meisterwerk der Vegetation, kurz und gut — her damit!" Und Werner von Buchwald stürzt fich aus das beliebte Gericht mit einem Heißhunger, der seiner Mama Entzücken einflößt. Sie dankt, kenn ihr Appetit ist gestillt und beobachtet mit Stolz und Freude ihren Jungen, den einzigen, der ihr von vier Knaben geblieben.
Wie braun gebrannt er ist, nur der obere Theil der Stirn zeigt eine etwas hellere Färbung, doch ist der Kontrast lange nicht so groß, wie man es sonst oft bei Offizieren findet. Ein warmer, gesunder Ton liegt über der ganzen Erscheinung, fie athmet blühendes, frisch pul- firendes Leben.
Und die Gedanken der finnenden Frau schweifen zurück in seine Kindheit. Wie zart und schwach er als Baby war, der Jüngste und bald der Einzige, denn kurz nach seiner Geburt starben die beiden Ältesten am Scharlach. Die Ueberlebenden wurden nun noch in höherem Maße Gegenstand der ängstlichen, elterlichen Fürsorge. Aber auch der dritte Knabe starb, als Werner zwei Jahre zählte, am Keuchhusten. Am Begräbnißtage standen die Eltern halb verzweifelt am Lager ihres letzten SohneS unb heißer ist wohl nie um ein Kinderleben gefleht worben als in jener Stunde aus den beiden, gequälten Herzen.
(Fortsetzung folgt.)