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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

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Lierteliühr.tcher Bezugspreis: bei der Expedition 3 LL, bei allen Postimäeru 2,26 9tt (epi. Bestellgeld).

ZusirtiooSgebühr: die gegoßene Zeile ©bet deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 26 Psg.

Marburg

Frettag, 22. November 1901.

Erscheint täglich außer au Werktagen nach tsonu- und öciertagen. Sonntagsbeilage: IllustrirtrS Sanutagsblatt.

Dmck und Verlag: Joh. Lag. «sch, UnivnfitätS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

36. Jahrg.

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tatsächlich geschehen. Dieser letztere Vorschlag

toirb besonders von dem Blatt des Abg. Eugen titiS Richter lebhaft empfohlen und begegnet eben

van auf der einen Seite dazu neigt, den ge- sammten 946 Nummern umfassenden Zolltarif an eine Kommission zur Vorberathung zu über­weisen, wird man auf anderer Seite den Ver­such machen, einen Theil, insbesondere den wichtigsten und am meisten umstrittenen, der die dctreidezölle betrifft, gleich im Plenum weiter- berathen zu laffen. Es ergiebt sich nun hierbei eine tsame Gruppierung. Da von dem letzteren Ber- xen eine Beschleunigung derZolltarifberatungen erwarten ist, so sollte man annehmen, daß rade die Freunde deS neuen Zolltarifs es

seien, die dafür eintreten, während die Gegner coouem es bekämpfen. Aber gerade das Umgekehrte ist

Der Reichstag und der Zolltarif.

An der Drucklegung der Entwtrfe des Zoll­tarifs und deS Zolltarifgesetzes nebst der umfang­reichen Begründung dazu wird auf höhere Weisung so eifrig gearbeitet, daß jetzt wohl mit Sicherheit anzunehmen ist, der Reichstag werde tiefe Drucksachen bei seinem Wiederzusammen­tritt am 26. d. M. bereits vollständig vorfinden. Da die erste Woche mit der Berathung der ßeemannsordnung ausgefüllt werden dürste, yi der sich nur einige wenige Abgeordnete be- cheiligen werden, so wird die große Mehrzahl inzwischen Muße haben, sich in die neuen Vor­lagen zu vertiefen, zumal ja nur die beigegebene Begründung bisher unbekannt geblieben ist. ks ist deshalb anzunehmen, daß es möglich sein wird, die erste Berathung der Zolltaris- entwürfe schon am Montag, den 2. Dez., zu beginnen. Denn daß diese Berathung der ersten fefung des Etats vorausgehen muß, wenn man nicht unnöthige Wiederholungen heraufbeschwören will, darüber herrscht wohl nunmehr bei allen Reichstagsparteien die vollste Uebereinstimmung. Dagegen dürsten fich schon bezüglich der weiteren geschäftlichen Behandlung des Zolltarisentwurfs Meinungsverschiedenheiten herauSstellen.Während

deshalb auf der anderen Seite einem wachsenden weg, Mißtrauen. Man scheint dahinter irgend eine ^^^.Teufelei" des freifinnigen Führers, da man glauben mag, daß er irgend etwas befür- hi MM teerten werde, was geeignet sei, diese Verhand- r vT fcmgen zu fördern. In der That ist es auch mcht schwer zu errathen, welche taktische Ab- pchten den Abg. Richter leiten. Er möchte ein­mal namentlich das Eentrum zwingen, in der wichtigsten Frage der Getreidezölle möglichst .schnell öffentlich Farbe zu bekennen, und er Cd« W andererseits, daß hierbei unter den Freun­

den des Zolltarifs, die doch hinsichtlich der Höhe der Getreidezölle recht verschiedener Meinung find, in offenem Reichstage alsbald Streitig­keiten auSbrechen werden, denen er dann als der sich freuende Dritte beizuwohnen geben ft. Da diese Taktik leicht zu durchschauen ist, so darf man annehmen, daß die Mehrheit ihr be­gegnen und beschließen wird, den gesammten Zolltarif an eine Kommission zu ver­weisen, so sehr auch rein praktische Gründe für eine Theilberathung sprechen mögen.

Da in der Commission von vornherein eine starke und feste Mehrheit für den Zolltarif vor­handen sein wird und hier jede Obstruktion ausgeschloffen ist, da für die Beschlußfähigkeit nicht wie im Plenum, eine bestimmte Mit­gliederzahl vorgeschrieben ist, so wird die Commission ganz sicher in absehbarer Zeit, etwa bis zu den Osternferien, zu einem positiven Er­gebnis kommen. Bis hierher bewegt man fich auf einem festen, nahezu sicheren Boden darüber hinaus ist Alles unbestimmte, mehr oder minder willkürliche Vermuthung. Daß auch im Reichstag selbst eine große Mehrheit für den Zolltarif vorhanden ist und daß diese Mehrheit allein im Stande wäre, die zur Be­schlußfähigkeit erforderliche Stimmenzahl (199) zu stellen, wird von keiner Seite bezweifelt. Dagegen ist eS sehr ungewiß, ob es möglich sein wird, gegenüber den mit Sicherheit zu er­wartenden zahllosen Reden und namentlichen Abstimmungen diese Mehrheit Wochen lang zu­sammenzuhalten. Hierauf eben gründen sich die bereits vielfach auftauchenden Gerüchte von Obstruktionsversuchen, die möglicherweise dazu führen könnten, daß nach verschiedenen vergeb­lichen Ansätzen der Reichstag schließlich im Sommer wieder auseinander gehen müßte ohne die Zolltarifentwürfe verabschiedet zu haben. Daß diese Möglichkeit überaus nahe liegt, ist unstreitbar. Man wird daher seitens der Mehrheit alle Mittel anwenden, um auch die Plenarberathungen bis zu» Sommer zu einem positiven Ergebniß zu bringen. Zunächst wird man wohl zu dem Mittel greifen, das bereits bei der Berathung des Zolltarifs im Jahre 1879 mit bestem Erfolge angewendet worden ist. Damals wurde unter der Führung des Centrumsabge­ordneten Frhrn. von Schorlemer-Alst seitens der Anhänger der Zolltarisreform in den beiden konservativen Parteien, im Centrum und in einem Lheile der nationalliberalen Partei eine freie wirthschaftliche Vereinigung gebildet, die etwa 220 Reichstagsmitglieder umfaßte, unter fich zunächst eine Verständigung über die ein-

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(Nachdruck verboten.)

Elfe.

Roman von Hanna Lschenbach.

(Fortsetzung.)

lütt v »jawohl ich möchte aus der Kanzlei die 1 (601 "^rrsen Sachen erledigen, von denen Sie mir

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berichteten. Sie können zum Speisen gehen, ^uchwald. Melden Sie sich aber im Lause deS .Nachmittags mal in meiner Wohnung, ich ar- tuhrö beite da noch am Bericht für den Kommandeur *nd brauche dazu von Ihnen einige Daten."' .Zu Befehl, Herr Major."Na, und was ich (753 lagen wollte, wenn Sie die Else Wiedersehen, b. 6$l> ^kognosziren Sie mal. Familie interesfirt mich

Misch. Aus Wiedersehen."

S Ich erfuhr nur noch," sagte der Major, daß Frau Herwig mit den beiden Jüngsten fortgezogen dar, wohin wußte niemand. Die Aelteste, hieß et, muffe beim Vater bleiben. Ich habe den Jammer des armen Geschöpfs lange nicht ver­gessen können. Es ist ja so begreiflich, daß ihr bas Herzchen fast brach. Solche Familien­tragödien find Mehltau für zarte Kinderseelen. Was wohl auS ihr geworden ist? Die Kleine dagegen scheint Kummer nicht zu kennen, ist auch begreiflich. Sie war noch sehr jung bei der Katastrophe. Hoffentlich geht es ihr «cht gut. Aber wie ist mir denn, Buchwald, Sie kennen sie ja. Schießen Sie mal

___schleunigst loS."

Ich sagte schon, Herr Major, daß meine Bekanntschaft neuesten Datums ist und nur durch einen Zufall herbeigeführt wurde. Tollen Herr Major mit einreiten?"

Er leitet freundlich grüßend weiter, indeß der Adjutant fich von den Kameraden verab­schiedet, wobei Baron Selten leise fragt:WaS hatte denn der Alte gar so eifrig zu erzählen? Etwa wie gewöhnlich von feiner ersten Liebe?"

Nein, von meiner," lautet die lakonische Antwort, und lachend schwenkt Werner sein Pferd und trabt heimwärts.

5. Kapitel.

Ich höre trauern Euch und klagen, Daß kalt die Welt und liebeleer, Und mitleidsvoll muß ich Euch fragen: Habt Ihr denn keine Mutter mehr?

(Traeger.)

Werner von Buchwald speist nicht im Kafino wie die anderen ledigen Herren, sondern bei seiner Mutter, deren Wohnung er theilt. Er hat zwei Zimmer inne, welche von den Ge­mächern der leidenden Frau durch den Treppen- flur getrennt find, so daß er bei ihr ein- und ausgehen kann, ohne daß sie durch seinen Dienst in ihrer Ruhe gestört wird.

Als Werner an diesem Tage in den Nachbar­hof einreitet, wo fich sein Stall befindet, er­wartet ihn sein Bursche bereits. Der junge Offizier schwingt fich gewandt aus dem Sattel, und dem Braunen liebkosend den Hals klopfend, fragt er hastig:Weißt Du, Rappel, wie es der gnädigen Frau geht?"Zu Befehl, Herr Leitnant, sehr gut, die Ann'-Lies sagt, die gnä Frau sei aufgestanden." Das breite Gesicht des Burschen glänzt vor Freude, und fein Herr kann einen Jubellaut nicht unterdrücken.Das ist ja eine herrliche Botschaft. Da, trink ein Glas auf das Wohl meiner Mutter, und um

zelnen Zolltarifnummern herbeiführte und dann geschloffen auftretend, diese ihre Beschlüsse im Reichstage selbst durchsetzte. So gelang es ihr, am 12. Juli 1879 den damaligen Zolltarif mit 217 gegen 117 Stimmen zur Annahme zu bringen. Allerdings war damals die Arbeit wesentlich einfacher und leichter, als jetzt, da der Zolltarif von 1879 nur 43 Nummern enthielt, also 900 weniger, als der gegenwärtige. Jedenfalls wird man wohl, wie die nationalliberale Correspondenz anbeutet, wieber unter Führung bes CentrumS auf jenes erfolgreiche Mittel zurückgreifen unb alsbald eine freie wirthschaftliche Vereinigung bilben, bet neben bet amtlichen Kommission beS Reichs­tags bie hauptsächliche Vorarbeit hinter ben Kulissen zufallen wirb. Die hauptsächlichste unb schwierigste Aufgabe dieser Vereinigung bürste es sein, für bie langwierigen Verhand­lungen unb Abstimmungen ber zweiten unb butten Berathung im Plenum ihre Mitglieber möglichst vollzählig beisammenzuhalten, um gegen Ueberraschungen unb Ueberrurnpelungen ber Gegenseite gewappnet zu sein. Von bem Maße, in dem dies gelingen wird, dürfte der Ausgang deS großen Kampfes um den Zolltarif abhängen.

Mehr vermag heute niemand zu sagen. Darüber hinaus ist noch alles unsicher und un­berechenbar. Jedenfalls stehen dem deutschen Reichstage Kämpfe bevor, wie er sie selten er­lebt hat.

Umschau.

Zum Zolltarif.

Einen höchst amüsanten Rückblick auf den Stimmungswechsel der Handelsvertrags-Parteien gibt dieKreuzzeitung", indem sie schreibt:

Als der Tarif veröffentlicht wurde, begrüßte sie ihn mit Hohngelächter.Das hat Bülow schlau gemacht, daß er diese PosabowSkhsche Jntrigue noch rechtzeitig enthüllte, dieses Atten­tat auf den Weltfrieden! Nun wird der Vater dieser Spottgeburt wohl schamübergoffen auS der Regierung verschwinden!" Zweiter Akt: Graf Bülow bekennt sich zu dem Entwurf, Posadowskh schämt fich nicht und geht auch nicht von bannen.Na, baS wirb bann bem Reichskanzler schlecht bekommen! Er ist ja blamht bis auf bie Knochen! Rußland, Oester­reich und Italien rühren fich schon zur Abwehr! Die süddeutschen Staaten werden ihm schon heimgeigen!" Dritter Akt: Das Ausland rührt sich nicht. Der Reichskanzler geht nicht. Die süddeutschen Staaten find ganz befriedigt, sogar

3 Uhr meldest Du Dich, verstanden. Ich gehe um 4 Uhr zum Herrn Major. Erste Garnitur."

DasZu Befehl!" des glücklichen Stall­beherrschers erreicht nur noch den Rücken der schlanken Gestalt, die sporenklingend im HauS- gang verschwindet. Der junge Offizier eilt die Treppe zu feiner Wohnung in mächtigen Sätzen hinauf, hat im Nu Säbel und Mütze abgelegt und sich ein wenig vom Staub der Landstraße gereinigt. Nun betritt er eilig den Vorsaal der Mutter. Seine frühere Kindeswärterin und jetzige Haushälterin der Frau von Buch­wald tritt ihm in den Weg, ihn freudig be­grüßend.Ach, Herr Leutnant, schnell, schnell, bie Frau Mama sehnt fich schon sehr nach Ihnen, sie ist heute ganz munter."

Mit biefen Worten öffnet sie ihrem jungen Herrn bie Thür zu einem überaus traulichen Gemach, das infolge ber niebergelaffenen Jalousien mit milbem Dämmerlicht erfüllt ist.

Im großen Lehnstuhl nicht weit vom Fenster ruht eine blaffe Frau. Andauernde, körperliche Leiden haben den feinen Zügen ihren traurigen Stempel aufgedrückt, der sie älter erscheinen läßt, als sie den Jahren nach sein mag. Wie sie jetzt den eintretenden Sohn freudig begrüßt, zuckt ein fast überirdisches Lächeln um die bleichen Lippen. Werner ist zu ihr hingeeilt. Einem Impulse folgend, kniet er nieder und zieht die zarte Rechte an seine Lippen.Mein geliebtes Mütterchen," flüstert er leise,wie glücklich bin ich, Dich fo wohl zu sehen so sehr, sehr glücklich."

Die Kranke hat ihre linke Hand auf den blonden Scheitel des Knieenden gelegt, und dessen Kops zurückbiegend, blickt sie ihm zärtlich

von der Volkspartei erklären fich einige Abge­ordnete für den Tarif.Nun aber die Hanse­städte und Koburg-Gotha! Und wenn die Herren Ballin und Hentig nicht durchdringen, wird am letzten Ende der Kaiser selbst ein Machtwort sprechen. Er hat ja schon ge­sagt ..." Vierter Aft: WaS der Kaiser gesagt haben soll, wird als erlogen erklärt. Der Bundesrath nimmt die Vorlage an, die Hanse­städte und Sachsen-Koburg Gotha stimmen selbst dafür, nur Reuß ä. L. lehnt ab; denn Reuß ä. L. tritt, wie jedermann weiß, stets ein für Deutschlands wohlverstandene Interessen. Großer Jubel bei den Freihändlern:Wir haben ge­siegt! Der Bundesrath hat die agrarische Forder­ung des 71/, Mark Zolles einstimmig abgelehnt! Glänzender Sieg!" Fünfter Akt folgt im Reichs­tage. Muthmaßlicher Inhalt: Obstruktion^ ver­such, Kündigung der Handelsverträge, Ende der Obstruktion, der Zolltarif wird Gesetz. Das Berliner Tageblatt" wird schreiben:Wenn wir jetzt eine brauchbare Grundlage für die Handelsvertragsverhandlungen haben, so ist das lediglich daS Verdienst der Freisinnigen!"

Deutsches Reich

»erlitt, 21. Novbr

Fortgesetzt laufen aus den verschiedensten Therlen des Reiches Meldungen ein über Ent­rüstungskundgebungen gegen Chamber- la in, die Beweis ablegen von einem erfteulichen Ausflammen des Nationalbewußtfeins in großen und kleinen Orten. So liegen wieder derartige Berichte vor aus Gotha, Düfleldorf, Duisburg, Elberfeld, Köln- Ehrenfeld, Speyer, Celle, Braunschweig, Bunzlau, Halle a. S. und Heidelberg. All diese Kundgebungen waren nach den Berichten getragen von einem starken vaterländischen Geist.

In der letzten Zeit sind wiederholt kürzere oder längere Mittheilungen über die neue ein- heitlichedeutsche Rechtschreibung, deren Einführung in absehbarer Zeit in den Schulen erfolgen soll, durch die Zeitungen gegangen. Mit Rücksicht hierauf wandte, sich dieHersf. Ztg.* an Gymnasial- direktor Dr. Duden, der bekanntlich an der Beratung der neuen Rechtschreibung ti)eil genommen hat unö mit der Abfassung des neuen Wörterbuchs betraut worden ist, mit der Bitte um Auskunft über den gegenwärtigen Stand der Orthgraphiesrage, worauf der Zeitung folgende Antwort zugegangen ist: .Es war in Aussicht genommen, etwa um Weihnachten die sogenannteneue* Orthographie, die sich übrigens von der bisherigen Schulorthographie nur wenig unterscheidet, zu veröffentlichen und fie zu Ostern nächsten Jahres in die Schulen einzuführen. Ob sich dieser Termin einhalten läßt, das wird wesent- lich davon »bhängen, wann die Bundesregierungen sich zu der Sache äußern. Ich persönlich glaube, daß bie hier und da ausgesprocheue Besorgnis, die Sache könne eine längere Verzögerung erleiden, unbegründet ist. Mein Orthographisches Wörterbuch wird als-

in bie strahlenben Augen.Mein Werner, mein Werner, mein Kleinob." Einige Minuten ver­streichen, bann richtet fich ber Mann auf.Darf ich nicht hell machen, Mütterchen? Die Sonne scheint so herrlich, unb hier innen fröstelt es einen, auch Du bist ganz kalt."Thue es, Werner, ich wollte schon barum bitten, habe richtige Sehnsucht nach Sonnenschein unb Frühlingslust, gerabe als sei mir es nicht lange mehr vergönnt, mich baran zu erquicken."Aber Mama, was für Gebanken!" ruft bestürzt ber Sohn.Wie kannst Du so reben unb mir baSHerz zerreißen? Der Mebizinalrath sagte mir erst gestern, daß Dein eigentlicher Leiben bie große Schwäche sei. Also was Rechtes fehlt Dir gar nicht. Ich meine, Du solltest burch Benützung Deiner Kräfte biefeiben allmählich zu steigern suchen. So, jetzt laß ich mir'S gefallen." Werner hat bie Jalousien aufgezogen, unb bie strahlende Junisonne füllt bas Gemach mit Glanz unb Licht. Entzückt schaut bie Kranke in ben flimmernben, schimmernden Himmel.

Wie wohl baS thut! Weißt Du, Werner, ich möchte wohl einmal hinaus."Sollst Du, Mamachen, ich spreche morgen mit Dr. Stein, gehe gleich nach bem Dienst zu ihm, unb wenn er es gestattet, fahre ich Dich morgen schon spazieren. Cäsar hat mir seinen Viktoria ein für allemal zur Verfügung gestellt, unb ber ist fein! O Muttchen, bas wirb herrlich. Der Major muß mir morgen Nachmittag freigeben. Er thut'S, wenn ich ihn bitte. Wo wollen wir benn hin, Liebes?"

(Fortsetzung folgt.)