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Mt Ve» SrrisSlatt für Die Kreise Marburg und Kirchhai«.

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wohlberechtigtes Empfinden, wenn jetzt vielfach gerade die Kriegervereine gegen die Thamber- lain'sche Aeußerung mobil machen und ihre tiefste Entrüstung über seine Beschuldigungen xnb Verdächtigungen aussprechen.

Diese energische Stellungnahme wäre selbst dann angebracht und geboten, wenn daraus irgend welche Nachtheile für Deutschland ent- stihen könnten. Nun ist aber keineswegs ge­sagt, daß eine energische Abwehr von Unge­hörigkeiten nachtheilig sein müßte. Fürst Bismarck kannte nach der Herstellung der deutschen Einheit kein innigeres Bestreben, als dem Reiche den Frieden zu erhalten, und er bemühte sich zu diesem Zwecke, die Position des Reichs durch Bündnisse zu stärken wie man weiß mit Erfolg, aber er stand durch­aus nicht auf dem Standpunkte, daß Deutsch­land der Jsolirung verfallen müßte, wenn eS auf die Herausforderungen fremder Staats­männer oder Würdenträger eine kräftige Antwort gäbe. Im Gegentheil, als ihm einmal im Reichstag mit Bezug aus Frankreich vorgeworfen wurde, er liebe cs, einen kalten Wasserstrahl zur Beruhigung aufgeregter Gemüther zu ver­wenden und gefährde dadurch den Frieden, erwiderte er mit seinem trockenen Humor, kaltes Wasser wäre ein eminent friedfertiges und abkühlendeS Element. Wir meinen, daß der höchst temperamentvolle Herr Chamberlain, dem die Zunge nur zu ost durchgeht, die Ab­kühlung durch einen kalten Wasserstrahl auch ohne Schaden an seiner kostbaren Gesundheit vertragen kann. Wir halten ihn auch für intelligent genug, hinterher einzusehen, daß er etwas Ungehöriges und Unwahres gesagt hat, und deshalb in seinem Innern für ganz richtig zu finden, daß der von der Ungehörigkeit und Unwahrheit Betroffene, nicht einfach stillhält. ( In derselben Rede, in der Bismarck den kalten Wasserstrahl gegen die Franzosen besprach, erwähnte er den bekannten Fall von der Er­mordung des Hauptmanns Schmidt durch die Carlisten in Frankreich. Damals sagte er: »Als ich die erste Nachricht von der Ermordung des Hauptmanns Schmidt erfuhr, so ist mein Gefühl gewesen: wenn das ein englischer ZeitungS- korrespondent, ein amerikanischer, ein russischer, ein sranzösischer gewesen wäre, so wäre ihm daS nicht passiert. Es regte sich in mir die Erinnerung an alle alten Demütigungen, die Deutschland durch seine Zerrissenheit früher zu erdulden genöthigt worden ist, und ich sagte mir, eS ist Zeit, das Ausland daran zu ge­wöhnen, daß man auch Deutsche nicht unge­straft ermorden darf." Setzt man an die Stelle des Wortes »ermorden" das Wort »beleidigen", so hat man den Fall Chamberlain. Wir meinen, es ist an der Zeit, das Ausland daran zu ge­wöhnen, daß man nicht Deutsche, ganz be­sonders aber nicht die ganze deutsche Nation

Schooß, und eine Stimme sagte zärtlich ihren Namen: »Röschen".

Ist es ein Traum, ist eS herrliche, be­glückende Wirklichkeit fast weiß sie es nicht!

Ach, daß sie immer so träumen könnte, sie fürchtet, daß das Traumbild in nichts zerrinnen möchte, und wagt nicht sich zu rühren.

Ein Zittern erfaßt sie, als die Stimme, die ihr immer, auch in den bängsten Stunden in den Ohren geklungen, wieder anhebt mit bebenden und doch so bestrickendem Klang: Röschen, Du einzig Geliebte, kannst Du mir verzeihen, daß ich Dich mit einem entwürdigenden Verdacht kränken konnte, daß ich ohne zu prüfen, auf den bloßen Schein hin Dich in meinem Herzen verurtheilte, und Dich zu den Ge­meinen warf, während nicht der leiseste Flecken, nicht der Schein einer Schuld Dich treffen dürste?"

Röschen nickt bloß. Sie kann nicht sprechen.

Doch ihm scheint daS Lächeln, das auf dem schönen Gesicht liegt, zu genügen. Wie elektri­siert springt er empor, und schlingt mit einem Jubelschrei seine Arme um die bebende, schlanke Gestalt, und küßt den süßen Mund heiß und innig.

Dann sitzen die beiden eng aneinander ge­schmiegt, in seligem, nie geahntem Entzücken sich in die Augen blickend, auf der kleinen Bank, und Dr. Gerhard Malljar erzählte der erstaunt

Aufhorchenden, tote ihn damals im Walde, als jener Freche eS gewagt, seine holde Blume zu küssen, Verzweiflung erfaßte über ihren schein­baren Verrath, wie er geflohen von der Stätte, wo er zum elendesten aller Menschen geworden, fort wie ein gehetztes Wild, zum zweiten Male hinaus in die weite, ihm so öde er­scheinende Welt.

Daß er wiedergekehrt, daS war das Werk deS guten treusorgenden Försters. Der hatte nicht gerastet, noch geruht, täglich hatte er bei Lebrecht nachgesragt, ob keine Kunde von dem Fernen eingelaufen sei.

Und als endlich nach langem vergeblichem Warten die erste Nachricht im Seeschlößchen anlangte, als der brave Mann ersi einmal wußte, wohin der Flüchtige sich gewandt, da wanderte ein langer, eng beschriebener Brief ihm nach in das ferne Land. Wie löste sich da der Schmerz von dem gequälten Herzen, als es erkannte, daß die Erwählte nicht falsch, nicht treulos war, sondern daß sie immer nur ihn geliebt hatte, wie auS dem Brief deutlich genug hervorging.

Zwar mußte er die Geliebte dennoch als für ihn verloren betrachten, da er kein Recht an sie hatte; aber dessen ungeachtet, beschloß er sogleich, die Rückreise anzutreten.

Und da traf ihn dann die Nachricht von dem jähen Tode jener stechen UebelthäterS, den

Englische Unverschämtheiten.

Die Londoner .Times" hatte kürzlich einen Artikel ihrer Berliner Korrespondenten abge­druckt, worin von dem Verhalten der deutschen Soldaten während des deutsch-französischen Krie­ges gesagt war:

.Eie benahmen sich fast so gut, wie unsere eigenen Soldaten sich betrugen und in Lfiika heute sich betragen."

Also die Sieger von Gravelotte und Sedan haben sich fast so gut, also nicht einmal ganz so gut betragen, wie die englischen Söldner er jetzt in Südastika thnn. Es ist ein Zeichen sowohl von ungeheurer Selbstüberhebung und Verlogenheit als auch von dreister Spekulation auf die viel zu große Langmuth der Deutschen, daß ein als Gast bei uns weilender britischer Journalist derartiges wagt. DieHamburger Nachrichten" werfen darum wohl nicht mit Un­recht die Frage auf, ob eS nicht angebracht sei, diesem Beleidiger der deutschen Ehre den Lauf­paß über die Grenze zu geben. Jedenfalls wird

Keine Antwort auf englische Brutalitäten?

In Jena hat die studentischeBurschen­schaftArminia" als Demonstration gegen Chamberlains Beschimpfung der deutschen Krieger von 1870/71 einen Umzug veranstaltet, der auf einem Lastwagen einen Buren und einen deutschen Soldaten dicht nebeneinanderstehend und vor beiden Chamberlain in treuster Kopie zeigte. Chamberlain wiederholte unermüdlich seine bekannten Worte: »Die deutschen Krieger sind im Kampfe gegen Frankreich ungleich grausamer gegen ihre Feinde, gegen Weiber und Kinder verfahren, als jetzt die Briten im Oranje und Transvaal", mußte sich aber von Zeit zu Zeit eine Unterbrechung in der Weife gefallen laffen, daß feine beiden Zu­hörer ihn übers Knie legten und weidlich mit einem Rohrstock bearbeiteten, eine Lektion, gegen die er aber gänzlich unempsindlich zu fein schien. Weiter waren auf dem Wagen postiert Lord Kitchener und ein Russe mit der FriedenSpalme, sowie König Eduard, im Kiönungsmantel unter einem ©tilgen fitzend, an dem ein vollständiger Anzug mit dem Plakat »Chamberlain" hing. Voran getragen wurde eine Tafel mit der In­schrift:Kauft Johannesburger Goldaktien!" Diese, mit dem berüchtigten PaffuS der Chamberlainschen Rede bedruckt, fanden reißenden Absatz. Die letzte Zeile enthält die Frage: »Deutscher Michel, das läßt du dir gefallen?"

Die Frankfurter Krieger-Kamerad­schaft protestirte in ihrer letzten Versammlung auf das Energischste gegen die bekannten Aus­führungen Joe Chamberlains über die dewsche Kriegsführung 1870/71 und wies die Vergleiche mit der englischen Kriegsführung in Südafrika entrüstet zurück. Diese Abwehr gestaltete sich zu einer begeisterten patriotischen Kundgebung und einer heftigen Demonstration gegen Eng­land.

Umschau.

Die deutsche Einheitsmarke.

Für die Ausgabe der deutschen EinheitS- briefmarke, wie sie mit der württembergischen Postverwaltung vereinbart worden ist, hat die Reichspostverwaltung bereits alle Vorbereitungen getroffen. Zum Druck der Marken find schon alle Platten hergestellt, so daß jeden Augenblick mit der Anfertigung begonnen werden kann. Es find etwa 800 bis 900 Millionen Werthzeichen in 25 verschiedenen Sorten, als Briefmarken, Kartenbriefe, Postanweisungsvordrucke, Rohrpost­briefumschläge und Postkarten der verschiedenen Arten, fertigzustellen, ehe mit der Ausgabe der Werthzeichen begonnen werden kann. Die vor­handenen Bestände an den jetzigen Werthzeichen der Reichspost sollen nach Möglichkeit aufge­braucht werden. Die künftigen deutschen Ein- heitSrnarken entsprechen im Allgemeinen den Germaniamarken der Ausgabe von 1900; die neuen Marken unterscheiden sich von den jetzigen nur dadurch, daß an Stelle deS WortesReichs-

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Gegen JoS Chamberlai».

Bon allen Seiten kommen die Nachrichten über Proteste gegen die bekannten Chamberlain­schen Aeußerungen. Unseren bisherigen Mit- theilungen können wir noch die folgenden Nach­richten anfügen.

Der Kriegervereix Goslar hat in einer Resolution angenommen in der es heißt: Der Kriegerverein Goßlar ist empört über die lügnerische dummdreiste Behauptung des eng­lischen Ministers Chamberlain, daß die deutschen Krieger im Kampfe gegen Frankreich ungleich grausamer gegen ihre Feinde sowie deren Frauen und Kinder verfahren seien, als jetzt die rohe und entmenschte britische Soldateska im Buren­kriege. Der Kriegerverein GoSlar fordert alle deutschen Kriegervereine auf, diese infame Verunglimpfung ihrer Soldaten­ehre energisch zurückzuweisen."

In Krefeld beschloß eine von der Orts­gruppe Krefeld des Alldeutschen Verbandes einberufene Versammlung von 2500 Männern und Frauen eine scharfe Kundgebung gegen die Chamberlain'schen Verleumdungen des deutschen Heeres.

In Hamm i. SB. veranstaltet der Kreis­kriegerverband des Kreises Hamm gegen die Verleumdungen Chamberlains eine große Protestkundgebung.

post" die vertragsmäßigen WörterDeutsches Reich" treten. Da die zwei Worte mehr Raum beanspruchen, so gehen sie über den ganzen unteren Rand der Briefmarke weg. Die Schnörkel in den beiden unteren Ecken fallen deshalb weg. Für die Werthzeichen der deutschen Schutzgebiete ist eine neue Ausgabe nicht erforderlich, den Namen de» Schutzgebietes tragen.

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Mach druck verboten.!

Das Glückskind.

«rzMmra vonJrenevonHellmuth.

(Fortsetzung.)

Gottes Strafgericht ereilte, ehe die irdische Gerechtigkeit ihn für feine Verbrechen strafen konnte.

Dies alles berichtet Dr. Malljar in fliegen­der Hast.

Röschen hatte von den Unternehmungen des Onkels nicht die leiseste Ahnung gehabt. Jeden­falls wollte er ihr nicht vergebliche Hoffnungen machen. Im Forsthaufe hatte man übrigens noch keine Ahnung von der Rückkehr Malljae'S, die erst in der vergangenen Nacht erfolgt war

»Und nun, die Du die Sonne meines Lebens bist," schloß der überglückliche Mann seinen langen Bericht, »nun kann uns nichts mehr trennen, keine Macht der Erde soll unS daS schwer errungene Glück rauben, bald find wir ganz und für immer vereint."

Röschen schüttelt in furchtbarer Verzweiflung den schönen Kopf.

Soll ich den befleckten Namen, den ich doch einmal tragen muß, und dem Hunderte von armen, betrogenen Menschen ihren Fluch noch- senden, soll ich diesen Namen mit dem reinen, fleckenlosen, den Sie mit Stolz zu tragen be­rechtigt sind, verbinden? Nimmermehr! Dar fluchwürdige Verbrechen, da» jener Mann be­gangen, wird ewig trennend zwischen uni und unserem Glücke stehen, ich muß entsagen, und kostet es mein Leben."

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Ihr Herzschlag stockte einen Moment, um 99 «nn rasend zu pochen in solch' ungestümer Weise, & Rosi die Hand auf die Brust preßt, als j innte sie so das Klopfen mindern, das immer Utter wird. Kraftlos finkt sie auf die Bank '1 lieber und schließt die Augen. Sie hört von A tüben die Wellen leise plätschern, sie hört, wie emand näher und näher kommt, und dennoch nc? j Hnt ihr Kopf noch immer am Stamm der ik i toter der Bank stehenden Buche, ihre Augen - Ifnen sich nicht.

, Md' Da fühlte sie plötzlich ihre Hände um- tonmert, vor ihr liegt ein Mann auf den täen, ein liebes Antlitz birgt sich in ihrem

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?b*en «an schreibt uns:

10s. u Die ZeitungDie Post" hält eS für ange- ml, denjenigen deutschen Zeitungen, die die er, Zizq, die Unverschämtheit Chamberlains mit einer .eisEis, xrgischen Abwehr beantwortet haben, ein tozue g( staatsmännisches Kolleg zu halten und eigene Weisheit zu kontrastiren. Die Perreicher, Franzosen und Russen, die bei BEm Vergleiche Chamberlains zwischen dem rr* galten anderer Staaten im Kriege und den- ittgen der Engländer in Südafrika auch er- BPitbH ahm worden seien, hätten geschwiegen, während "? ~;o. fl Theil der deutschen Presse vom Leder ge= droaun gyt hätte und damit nur denen in die Hände lllf [fettete, die Deutschland isoliren und England i einer Verständigung mit Frankreich und - ^jand bringen möchten.

'2| Wir geben zu, daß es durchaus nicht noth enbig ist, auf jede englische Unverschämtheit BH antworten; diel ist schon garnicht möglich

NN sonst hätte die deutsche Presse Überhaupt r nicht» anderes Raum. Aber es ist denn ** ch etwas Anderes, ob irgend ein beliebiges iglisches Blatt Deutschland beleidigt, oder ob e Beleidigung von einem Staatsmanne aus- ht, der, wenn auch nicht nominell, so doch ktisch der leitende Staatsmann der großen iglischen Monarchie ist. Wenn sich in diesem iaatsmann erst einmal die Ueberzeugung fest­en würde, daß man in Deutschland derartige eleibigungen ruhig einsteckt, so würde es fliao |en kann man bet dem Charakter des Herrn * iseph Chamberlain gewiß sein bald nicht ehr bei bloßen Beleidigungen bleiben.

Zum zweiten kommt es neben der Persön- hkeit, von der die Beleidigung ausgeht, auch 13 «auf an, was den Inhalt der Beleidigung ldet. Hätte Chamberlain irgend ein gering- lätziges Wort über Deutschland gesprochen, tte er beispielsweise die Deutschen für minder telligent ober minder thatkr ästig erklärt, als unserei me Landsleute, so hätte man schließlich darüber Vir er, it einem Achselzucken hinweggehen können, rnn aber ein so hochgestellter Staatsmann, 'stände $ doch schließlich schon um der Publizität llen, die seine Auslassungen erhalten, ver- ösineha lichtet ist, etwas mehr auf feine Worte zu Brennepteu, als irgend ein Stammtischphilister, die Schweinestechen", der Niederbrennung ganzer , in der Plünderung, in der Mißhandlung Frauen und Kindern wohlgeübten englischen Ibaten und Osfizitre mit den deutschen Helden 1870 hinsichtlich der Art der Kriegsführung l-Drerikf eine Stufe, ja sogar über die Deutschen zu er eilen wagt, so meinen wir, daß man es den a. vn Innern, die 1870 für das Vaterland geblutet aben, schuldig ist, einen solchen Vergleich als ul zu charakterisiren, was er ist: als eine Un- erschämtheit. Und es ist ein natürliches und

Röschen hat den Hut abgenommen, und ßt die wonnige reine Lust um ihre Stirne reichen.

Langsam wandert sie weiter, den oft ge- togenen Weg nach dem alten LieblingSplätzchen.

Plötzlich stockt ihr Fuß, sie wischt sich die 86 Ingen, als sähe sie nicht recht.

- Hoch droben vom Thurme des SeeschlößchenS

2 altert lustig die Fahne im Morgenwind.

Was bedeutet daS?

Erjcheütt ti-ttch «xfct* «t Werktag« nach Sonn- uns Feiertag«.

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