eit lern Kreisvlatt für die Kreise MsrSnrs a«d Kirchhai«.
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Dienstag 5 November 1901. *-* -
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blickte er schelmisch lächelnd aus die, über Sitzende, — „lieb ist rnir'S di .
so ist. Sie muffen nämlich totff en, ich — habe ein allerliebstes Bräutcheu, — lange nicht so schön, wie meine erste Liebe — Sie brauchen nicht zu erröthen, gnädige Frau, — ich spreche die Wahrheit," — unterbrach er sich, als wiederum eine tiefe Rothe über Röschens Gesicht hinfluthete, — „aber es ist ein herzensgute», liebes Geschöpschen, und mir von ganzer Seele zugethan. Rur eines störte immer mein Glück, — der Gedanke an Sie, gnädige Frau. Ich wußte nicht, wohin Sie, nachdem ich Ihnen geschrieben, verschwunden waren, sonst hätte ich mein Unrecht längst wieder gut gemacht, nachdem ich eingesehen, daß ich Sie schwer gekränkt mit meinem bösen Verdacht. Jetzt stand mir
So war es bei der großen Flottenvorlage vor 2 Jahren dec Fall. Eine solche ArbeitS- eintheilung entspricht nicht nur der sachlichen ' Bedeutung der Vorlagen, sondern ste hat auch >en Vorzug, dem Reichstage Gelegenheit zu geben, sich von vornherein über die wichtigsten wlitischen Fragen mit der Regierung auS- i ,ufprecfeen und die ersten Schwierigkeiten aus rem Wege zu räumen. Erfahrungsgemäß geht rann auch die Berathung deS Etats glatter und achgemäßer von statten. Aus diesen Gründen vird wohl auch die Regierung dafür eintreten, raß der Reichstag am 26. November jene Entwürfe bereits vorstndet und ste auch als ersten und wichtigsten BerathungSstoff sogleich in Behandlung nimmt. ***
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4rietet Irlich «mitt' an Werktage» nach fcotm- ur.o Fnenagea.
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Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Der zuckte die Achseln, sprach von Luftveränderung , einem Aufenthalt in Nizza oder sonstwo, — allein die junge Frau wollte davon nichts wissen. Es war ihr ganz recht, daß es so kam, dann würde all die HerzenSqual und Sehnsucht ein Ende haben, sie gab sich gar keine Mühe, gesund zu werden, mochte der Tod doch kommen, ihr kam er gewiß nicht zu früh.
Hätte ste jemals geahnt, daß eine Ehe ohne Liebe, — ohne Achtung — nur eine fortgesetzte Kette von Leiden bedeuten würde, sie hätte nicht eingewilligt, die Gattin Winters zu werden.
RöSchen wähnte, in treuer Pflichterfüllung und in dem Bestreben andere glücklich zu machen, eine gewisse Befriedigung, und wenn auch nicht das verlorene Glück, so doch Ruhe und Frieden stnden zu können.
Statt dessen nagte jetzt die Sehnsucht nach Liebe und Verständniß an ihrem Herzen und und machte sie elend, trotz allem Luxu», der im Hause herrschte.
Winter bot alles auf, die Rosen aus die bleichen Wangen seiner schönen Frau zurückzubringen. Er hoffte dies durch Zerstreuungen aller Art bewirken zu können, allein Rost lehnte jetzt alles ab. Sie lag am liebsten in ihrem Ruhebett und starrte zur Decke empor, ohne sich zu regen. ,
Auf die Dauer wurde ein solches Leben dem an gesellige Freuden sehr gewöhnten Ehemann natürlich zu langweilig. Ost und öfter
allerdings, da Sie wieder hier leben, der Weg zu Ihnen offen, allein — ich gestehe, ich konnte mich immer nicht entschließen, Sie aüszusuchen, — da Sie — wie es allgemein heißt, durchaus keine Besuche annehmen."
„Run mit Ihnen, einem alten Freunde, hätte ich schon eine Ausnahme gemacht. Ich gedachte Ihrer niemals mehr mit Groll, obgleich ich heute noch nicht weiß, wie es geschehen konnte, daß Sie mir jenen Brief, — der allerdings in der ersten Zeit eine furchtbare Aufregung bei mir hervorries, — geschrieben haben, und es ist mir bi» heute ein Rätsel geblieben, mit dessen Lösung ich mir, wie ich gestehe, nicht den Kopf zerbrach —, aber jetzt, — jetzt müssen Sie beichten, wie daS zuging."
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Im ersten Moment hätte sie ihn fast nicht erkannt, so stattlich und männlich sah er aus. Ein dichter Vollbart umrahmte jeßt das Gesicht, auch war er viel breitschultriger und stärker geworden, — mit einem Wort, die zwei Jahre hatten ihn sehr verändert.
Auch er blickte erst mit Staunen auf die zarte, junge Frau, über deren bleiche Wangen ein leises Roth huschte, dann stand er rasch auf, und streckte der Angekommenen herzlich und mit gewinnendem Lächeln beide, Hände entgegen.
„Weich' seltsamer Zufall, daß wir uns gerade hier begegnen," begann er nach einer kleinen Pause. „Es ist mir sehr lieb, daß es mir endlich vergönnt ist, Sie wieder zu sehen; denn ich habe ein Unrecht an Ihnen gut zu machen, das ich Ihnen einst, allerdings unwissentlich zufügte, und das ich oft und bitter bereute, — nachdem ich von der alten Marthe, zu der man mich eines Tages rief, — erfahren, wie edel, und hochherzig Sie an der armen, kranken Frau gehandelt haben, — und gerade diese That war eS, die mich irreleitete und auf.den falschen Weg brachte. Wollen, können Sie mir verzeihen, gnädige Frau?"
Rofi hatte indes Zeit gesunden, sich zu sammeln. Hebet das schöne Gesicht huschte der Schein eines Lächelns, als sie leise antwortete: „Ich that eS längst, Herr Doktor. Das alles liegt so weit hinter mit, als wären schon zehn Jahre darüber vergangen; ich dachte, aufrichtig gestanden, schon lange nicht mehr an Sie."
„Na, da» nenne ich deutlich sein." lachte bet junge Arzt hell auf, „wahrhaftig, eine Schmeichelei ist eS gerade nicht für mich, daß Sie Ihre erste
Ausland
Frankreich. Die Meldung bet „Agence Hava", daß Admiral Caillatb mit dem Mittelmeer Geschwader nach Toulon zurückgekehrt sei, ist, wie jetzt zurechtstellenb aus Pari» berichtet wird, falsch. Sowohl im Ministerium des Aeußeren wie im Marine-Ministerium wirb nur versichert, baß Gaillarb bei seiner Ausreise Jn- truttionen bekommen habe, bie er erst am »ritten Tage der Reise eröffnen dürfe. DaS nach »er Levante abgegangene Geschwader ist auch »ereitS aus bet Höhe von Messina eingetroffen und sollte Sonntag in die türkischen Gewässer einlaufen. Man glaubt, daß eine Truppen- andung nicht nothwendig sein wird, da der Sultan bis dahin Genugthuung gegeben haben werde. Der Sultan ist sich bewußt, daß Frankreich nach dieser Demonstration, welche einer Kriegserklärung gleich kommt, nicht mehr zurück :ann. Der zweite Teil beS MittelmeetgeschwadetS, velchet ebenfalls nach bet Levante abdampfen öllte, ist allerdings wieder in den Touloner Hafen zurückgekehrt, hat aber Befehl erhalten, sich zur sofortigen Abwehr bereit zu halten. ES geht daS Gerücht, der Sultan habe infolge der Abfahrt des Geschwaders Caillatd dem Auswärtigen Amte mitgetheilt, Frankreich werde binnen 24 Stunden Genugthuung erhalten. Sichet ist, daß der Sultan nach einet längeren Unterredung mit dem Kriegsminister und dem Minister des Auswärtigen eine Note an die Großmächte gesandt hat, worin diese ersucht werden, den Franzosen zu verbieten, Salonichi ober Smyrna zu besetzen, ba baburch bie Interessen anberer Nationen gefährdet würben.
Amerika. Ein warnenbe» Beispiel für Englanb geben bie Zustände auf den Philippinen. Die Amerikaner können dort bet aufständischen Bewegung nicht Herr werden. Sie find gc- nöthigt, wahrhaft drakonische Gesetze zu erlassen. Die amerikanische Eivilkommisfion hat jetzt ein Gesetz auSgearbeitet, nach welchem Personen, die fich des Verraths schuldig gemacht haben, sowie diejenigen, welche den Aufständischen Beistand leisten, mit dem Tode bestraft werden sollen. Fetner sollen hiernach Die, welche aufrührerische Reden halten oder den Treueid brechen, mit einer Geldstrafe von 2000 Dollars und Ge- fängniß bestraft werden. Diese Bestimmungen sollen sowohl auf Ausländer wie auf Amerikaner
sRachbmck »erboten.]
Das Glückskind.
telfaka.
Liebe so schnell vergessen konnten, aber —" dabei - '' Hm gegen- >0$, daß es
WsW Beide Vorlagen sollen bis zürn 26. November ——i so weit gefördert werden, daß sie unmittelbar • nach dem Wiederzusammentritt dem Reichstage zvgehen können.
■ Es entsteht die Frage, welche von beiden Notlagen der Reichstag zuerst in Behandlung « nimmt. In freifinnigen Blättern wird dafür , , eingetreten, zunächst mit der ersten Lesung beS
IIININ sieichshaushaltSetat» zu beginnen, weil btefer Ulliu tot allen gesetzgeberischen Arbeiten den Vorrang 0Bt beanspruchen müsse. Dieser Gedanke entspringt • offenbar dem Wunsche derjenigen Kreise, die ' 12*' ton vornherein der Regierung eine verschleppende !t. 17 Behandlung der zollpolitischen Entwürfe ange- • §8 - Athen haben, um die rechtzeitige Fertigstellung deS neuen Zolltarifs zu verhindern und die alten, die nationalen Interessen nicht genügend wahrenden Handelsverträge über bie jetzige Geltungsdauer hinaus in Kraft zu laffen. Es hat aber bis jetzt die Gepflogenheit bestanden, mit oer Berathung derjenigen Entwürfe, die getoiffermaßen der ganzen Seffion den Stempel aufdrücken sollen, zu beginnen.
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Zum Zolltarif-Entwurf.
Herr Lnzzatti, der vom deutschen Freihändler- thum zur Autorität ersten Ranges proklamirte italienische Abgeordnete, muß es erleben, daß der offiziöse Nimbus, mit den Freisinnigen und Jüdisch. Liberalen all seine Auslassungen umgaben, von rauher Hand zerstört wird. Die italienische Regierung selbst hat die Polemik Luzzattis gegen den Reichskanzler Grasen Bülow aufrichtig beklagt. Sie glaubt, daß die Auslasiungen dieses Politikers die Vorurtherle und Leidenschaften der Widersacher einer ausge- glichenen Vertragspolitik nicht mildern, sondern wo. möglich verschärfen könnten. — Damit hat die italienische Regierung sehr recht.
Parlamentarischer Ausblick.
Aon dem Wiederzusammentritt des Reichstes trennt und nur noch eine kurze Spanne «eit. Am Dienstag über drei Wochen wird der Reichstag an gewohnter Arbeitsstätte feine Beratungen beginnen. Diese Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten erfolgt diesmal ohne jedwede Förmlichkeit und Feierlichkeit, ba der Lichstag am 15. Mai nicht geschloffen, sondern mir vertagt wurde. Er nimmt an der Stelle die Arbeiten wieder auf, an der er sie vor sechs Monaten ruhen ließ. Der gefammte Berathungs- stosf, der dem Reichstag am Schluß der versoffenen Arbeitsperiode vorlag, wird, soweit er ,och nicht zur Erledigung gelangt ist, in derselben Weise weiterberaten werden, wie dies «schehen wäre, wenn am verflossenen 15. Mai feine Vertagung erfolgt wäre. Selbstverständlich wird von dem alten BerathungSstoff nur dasjenige noch in parlamentarische Behandlung genommen werden, baS unter ber veränderten ßeitlage für bie gesetzgebenden Körperschaften Werth hat, und auch dieser Stoff wiederum wird jurücftreten müssen vor den dringlicheren Aufgaben, die nunmehr vorliegen.
Im Schloß des Bundesraths sowie in den Aeichsämtern herrscht eifrige Thätigkeit, um ben BerathungSstoff für bie neue Arbeitsperiode Iwrjubereiten. Unter diesem nehmen der neue Mkichshaushaltsetat und die beiden zollpolitischen Gesetzentwürfe den ersten Rang ein.
Deutsches Reich
Berlin, 4. Novbr
— Das bayrische Ministerium des Aeußern wies, um der Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit zu steuern, die Generaldirectoren der Staatsei enbahnen an, alle im Bereiche der Staatseisenbahnverwaltung auszusührenden Bauarbeiten in jeder Weise zu be- schleunigen und die noch in Bearbeitung befindlichen Bauproiekte möglichst zu fördern, gegebenenfalls auch vorübergehend verfügbare technische Kräfte aus der privaten Bauthätigkeit zu gewinnen. Da fich die Arbeitslosigkeit ganz besonders in großern Städten, namentlich in München und Nürnberg, fühlbar macht, so sollen insbesondere die Bauten in diesen Städten eine Beschleunigung erfahren. Dabei sollen die Arbeiten derart vertheilt werden, daß eine möglichst große Zahl von Arbeitern während des ganzen Muters dauernd Beschäftigung findet. Die Verwendung ausländischer Arbeiter ist zu beschränken. Unter den inländischen Arbeitern sollen in erster Linie verheirathete berücksichtigt werden.
— Ueber den Protest der Greifswalder Studenten gegen die Schmähungen, die der .ehrenwerthe" EhamberlainDeutschland gegenüber sich ge- leistet hat, haben wir bereits berichtet. Der dcmo- kratischen .Franks. Zig.' fehlt offenbar das Verstäudniß für diese Regung nationalen Empfindens. Sie redet spöttisch von den Univerfitäten, die das Bedürfniß fühlen, fich über die letzte Rebe Chamberlains zu entging er jetzt allein au5 und kam dann erst mit dem grauenden Morgen zurück, Röschen kümmerte sich nicht darum.
Besuche wurden im Winter'schen Hause schon gar nicht mehr angenommen, höchstens daß Tante Aurelia hie und da einmal vorsprach. Dieselbe war jedoch keine erheiternde Gesellschafterin für die junge Frau; denn da sie selbst fchwer genug an ihrem häuslichen Unglück zu tragen hatte, befand sich die sehr gealtert aussehende Tante meistens in gedrückter Stimmung.
Mit Böhler kam Röschen niemals wieder in Berührung, die Beiden vermieden einander, wo sie immer konnten. Nur selten noch ging die junge Frau auS, höchstens besuchte sie hie und da daS Grab der Eltern.
Einmal, als fie eben auf dem Rückwege vom Friedhof begriffen war, kam fie an dem Häuschen, wo die alte Marthe, ihr ehemaliger Schützling, wohnte, vorüber. Einer raschen Eingebung folgend, trat fie durch die niedrige Thür in das kleine, ärmliche Stübchen, baS noch genau so aussah, wie damals, al» Röschen zum letzten Mal über diese Schwelle geschritten war.
Dort an der Wand stand noch baS schmale Bett, baS fie einst aus dem Leihhause geholt hatte. Dicht am Fenster saß auf einem elenden, wackligen Stuhle ein Herr, welcher ber Eintretenden halb den Rücken zuwandte und fich mit einem etwa» leidend auSsehenden Kinde beschäftigte.
Bei dem leisen Geräusch kehrte er fich um und im nächsten Augenblick stand Rofi in peinlicher Verlegenheit Doktor Hermann Pächtner gegenüber.
rüsten. Nun, dieses Bedürsniß fühlen auch andere Leute. Die .Pomm. Reichspost' wird aus ihrem Leserkreise um Veröffentlichung folgenden Aufrufs ersucht: .Aufruf! Die Pommersche Hochschule in Greifswald hat gegen die unerhörte Schmähung, die der englische Minister Chamberlain in öffentlicher Rebe gegen Deutschland, die deutsche Armee und ihre Kriegführung 1870/71 geschleudert hat, zuerst mobil gemacht und die Professoren und Studirenden in lammendem Aufruf zu einer Protest-Versammlung ; iUfammengeniflü, die inzwischen schon stattgefunden )ot Wo bleiben die deutschen Kriegervereine, die in erster Linie berufen find, die steche Verleumdung von Lausenden ihrer Mitglieder zurückzuweisen, die mit Ruhm und Ehren bedeckt aus dem glorreichen Feld- uge heimgekehrt find. Eine große gemeinsame Lrotestversammlung sammtlicher Krregervereine Stettins und seiner Vororte sei die Parole! Der Urheber des Raubzuges in Südafrika soll wenigstens wiffen, daß unsere tapferen Krieger ihre Ehre und den deutschen Namen nicht durch englische Unver- chämtheiten besudeln lassen! Mehrere Mitkämpfer
von 1870/71.'
— Die .Nat.-lib. Corr." schreibt: .Von mehreren Seiten wird wiederum Klage erhoben, daß Deutschland fich im südafrikanischen Kriege eines Neutralitätsbruches durch Seudung von Lebensmitteln nach Südafrika, die erwiesenermaßen für England angekaust feien, schuldig mache. Es wird insonderheit aus die großen Kartoffelaufläufe in der Sprottauer und Saganer Gegend hingewiesen Sehr wahrscheinlich würben jene Landwirkhe ihre Produkte lieber den Buren verkaufen, als den Engländern, wenn fich eben die Möglichkeit böte, den ersteren auf dem Seewege Lebensmittel zukommen zu laffen. Der Vorwurf jedoch, Deutschland, d. h. bie deutsche Re- zierung, mache fich eines Neutralitätsbruches schuldig, st durchaus unbegründet, da die deutsche Regierung keinerlei rechtliche Handhabe befitzt, Privatpersonen daran zu hindern, mit kriegführenden Parteien Handel tu treiben. Das könnte nur durch ein allgemeines jlussuhrverbot geschehen. Aber man mache fich die Folgen einer solchen Maßregel klar; abgesehen davon, daß sofort Frankreich, Rußland, Oesterreich u. s. w. in die von Deutschland dann freiwillig geriffene Lücke eintreten würden, müßte doch eix erbitterter und in feinen Wirkungen unabsehbarer Handelskrieg mit England daraus entstehen. Wie wir schon gelegentlich der Reichstagsdebatten über die Ehrhardt'schen Kanonenlieferungen betonten, ist es Sache der Empfindung und des Takts, wenn deutsche Firmen im gegenwärtigen Kriege das zahlungsfähige England bevorzugen, wohin ohne Risiko, geliefert werden kann.'
— Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urtheil der Stuttgarter Strafkammer in dem Prozeß gegen die Redakteure des .Beobachter', Schmidt und Freund, Revision eingelegt.
— Bei dem schlechten Geschäftsgang in der Industrie werden im Rheinland zahlreiche Arbeiter überflüssig. Die Landwirthschaftskammer ber Provinz Ostpreußen hat sich erboten, Leuten, bie aus jener Provinz nach bem Westen gekommen waren, die Rückkehr in die Heimath zu ermöglichen. Sie erhalten freie Rückfahrt mit ihren Familienangehörigen, muffen fich ober verpflichten, mindestens zwei Jahre in dem neuen ländlichen Arbeitsverhältnisse auszuhalten. Die Männer erhalten für ihre Arbeit auf ben Gütern einen Barbetrag von etwa 100 Mk. im Jahre, außerdem das Nöthige an Roggen, Weizen, Hafer, Kar
toffeln u. f. w.; ferner wird ihnen soviel Laub gewährt, baß sie eine Kuh halten unb Flachs anbauen können. Es ist bereits eine größere Zahl von Familien nach bem Osten zurückgekehrt.
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