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Bundesgenossen der Buren
In Kapstadt galt die Pest für erloschen; seit Wochen hatte sich kein Fall mehr ereignet, daS Pesthospital in Uitflugt leerte sich mehr und mehr und seine Schließung war bereits ms Auge gefaßt. Wie ein Blitz auS heiterem Himmel wirkte daher die Nachricht, daß sich vorige Woche plötzlich wieder drei neue Pestfälle an ein und demselben Tage ereignet hätten. Die Bestürzung in der Stadt war nicht zu be- sthreiben; im Nu standen all die Schrecken der Seuche, die man endgültig überstanden zu haben wähnte, wieder Jedermann vor Augen, sodaß die Negierung sich veranlaßt sah, eine Erklärung der Thatsache durch ihr halbamtliches Organ, die .Cape Times", zu geben. Da konnte man denn, wie wir der „Franks. Ztg." entnehmen, folgende nette Ausführung lesen:
.Die Bulletins, welche täglich zur Zeit der Pest öffentlich von Tag zu Tag über den Verlaus derselben bekannt gemacht wurden, gaben stets nur diejenigen Erkrankungen wieder, welche sich innerhalb der städti- scheu Bevölkerung ereigneten; die Erkrankungen innerhalb deS englischen Heeres im Inneren des Landes entlaßen sich der allgemeinen Kemttniß und wurden lediglich an das Kriegsamt nach London gemeldet Das Geheimniß hierüber ist in Südafrika so gut gewahrt worden, daß wir von der Existenz der Seuche außerhalb des Stadtbezirkes überhaupt nichts wußten. Erst die drei Anmeldungen der jüngsten Tage, deren Ursprung unzweifelhaft auf militärische Beziehungen zurückzuführen ist, belehrten uns, daß die Seuche im Heere noch nicht erloschen sei, es werden aber Maß- wgeln getroffen, um deren Wiedereinschleppung in die Hauptstadt vorzubeugen!'
Der Trost, welcher der hauptstädtischen Bevölkerung mit dieser Angabe gespendet werden sollte, hat ihr gleichzeitig die traurige Gewißheit gebracht, daß die Seuche noch ungeschwächt unter den armen Tommies fortdauert. Seit einigen Wochen haben die Buren noch einen weiteren Verbündeten erhalten, die Rinderpest, welche dies Mal mit ganz unerhörter Heftigkeit aufgetreten ist und bereits furchtbare Verheerungen unter dem Viehbestand angerichtet hat. Sie wüthet mit gleicher Heftigkeit in säst allen Staaten Südafrika«, dem Transvaal, de» Freistaate und der Kapkolonie. In den beiden ersteren Ländern ist ihr nicht mehr allzuviel zum Verwüsten übrig geblieben, denn da» meiste hat schon der Krieg dahingerofft. So steht z. B. fest, daß der Rinderbestand der Hreistaates vor Ausbruch des Krieges trotz der eben erst damals überstandenen Dezimirung durch die Seuche, welche bekanntlich erfolgreich niedergekämpft worden war, doch noch einen Werth von etwa zweihundert Millionen Mark repräsentirte; heute ist derselbe auf etwa zehn
«. sNachdruck verboten.!
Das Glückskind.
Erzählung von Irene vonHellmuth.
(Fortsetzung.)
„Es ist nur der Ordnung halber," meinte er, die Hände reibend, „daß Du mir schriftlich hiebst, was Du mündlich schon oft genug versichert hast, daß Du nämlich aus eigenem Antrieb und freiwillig auf die meinem Mündel zugeficherte Mitgift verzichtest."
„Aber von Herzen gern, Freund, das wollen wir gleich in Ordnung bringen. Hätt' ich nur das Mädel erst, was fragte ich nach Eurem Gelbe, davon hab' ich selbst genug, brauche das kure nicht, und ein Freundschaftsdienst ist des nndern werth. Du hast mir freundlichst aus der Patsche geholfen bei der Revision, dafür sollst Du belohnt werden."
Winters Onkel, der ihn zum Erben einsetzen sollte, lebte zwar immer noch, obwohl der „zärtliche" Neffe täglich auf das Eintreffen der Todesnachricht wartete. Gleichwohl schien es ihm durchaus nicht an Geld zu fehlen, im Gegentheil, er verbrauchte sehr viel, da er in fteigebigster nobelster Weise die Försterin für die Mühe und Plage, die ihr aus dem Aufenthalt der Gäste erwuchs, schadlos zu halten suchte durch Geschenke aller Art.
Auch Kathi bekam ein angesehnliches Geldgeschenk, das sie lächelnd einsteckte und für den iänftigen Hausstand aufbewahrte.
Röschen allein rührte von all den kostbaren Geschenken, die ihr Winter in den letzten Tagen »-macht, nicht eines an. In ihrem Herzen sah es gar öde und traurig auß. Es war ihr jetzt
Millionen Mark gesunken. Wie es im Transvaal aussehen mag, entzieht sich jeder Berechnug oder Muthmaßung, wahrscheinlich ist es noch schlimmer. Mit dem Niedergang des Rinderbestandes wachsen aber in gleichem Maße auch die Schwierigkeiten der englischen Kriegführung, denn die Verproviantirung des Heeres und der vielen Tausende in den englischen Zufluchts lagern geht damit Hand in Hand. Der Mangel an frischem Fleische zeitigt ein ganzes Heer von Krankheiten und ist schon jetzt als die wahre Ursache der enormen Sterblichkeit auf englischer Seite erkannt. DaS Fleisch, welches meist auS sehr großer Entfernung herbeigeschafft werden muß, kommt oft in ganz ungenießbarem Zustande an, muß aber trotzdem verzehrt werden, denn Hunger thut weh; die Folgen bleiben aber nicht aus. Für die Krieg führenden Buren macht sich der Uebelstand nicht in gleichem Maße geltend, denn sie find erstens an mangelhafte Kost gewöhnt, haben ferner reichliche Gelegenheit ihren Gegnern die Proviantzüge fortwährend abzufangen und werden im Uebrigen — so unglaublich dies auch klingt — von ihren, nach englischer Lesart, größten Feinden, den Kaffern, mit Nahrungsmitteln verproviantirt. Für sie ist also die Rinderpest keine Bedrohung, nicht einmal ihres Eigenthums, denn das ist ihnen ja längst entzogen worden, sondern ein wahrer Verbündeter. In geradezu verhängnißvoller Lage steht die Kapkolonie diesem neuen Feinde gegenüber. Als die Seuche zum ersten Male vor Jahren ausbrach, da ging man ihr mit allen Mitteln der Wiffenschaft, der Disziplin und staatlichen Hilfe zu Leibe. Als eines der wirksamsten Bekämpfungsmittel erwiesen sich die Stacheldrahtzäune, welche eine vollkommene Lokalifirung und Einengung der Seuche ermöglichen. Wo find heute diese Zäune? Von den englischen Soldaten auS genff en, um ihre Verschanzungen damit zu umgeben, oder muthwillig al« Verkehrshemmniß bei ihren Streifzügen durchschnitten! Wo ist das Heer von Beamten und Feldhütern, welche damals im Dienste des öffentlichen Wohles standen ? In der Zwangsjacke des englischen Militärs! Und wo ist heute die umfichtige, mit reichen Mittteln arbeitende, gewissenhafte und aufgeklärte Regierung, welche damals Hand in Hand mit einer wohlhabenden! willigen Bevölkerung dem Feinde zu Leibe ging ? Sie besteht nicht einmal dem Scheine nach mehr, denn fie hat kein Parlament mehr hinter sich, fie hat zu vollziehen, was ihr in London dekretirt wird, hat zu zahlen, hat Kriegsvölker aufzubringen und hat im Uebrigen das Maul zu halten. So ändern sich die Zeiten.
zur Gewißheit geworden, daß Malljar ihrer nicht mehr gedachte, und mit dieser Erkenntnis schwand auch ihre Heiterkeit und ihre Freudigkeit am Leben mehr und mehr dahin.
Wozu lebte fie überhaupt noch? Ein Tag würde dahin gehen wie der andere, und nichts würde mehr im stände sein, die trostlose Oede ihres Herzens zu bannen. War es unter solchen Umständen nicht das Geratenste, die Werbung Winters anzunehmen, um damit wenigstens den Bruder und deffen Gattin vor Verzweiflung und Noth zu bewahren?
Dann vollbrachte fie wenigstens eine gute That, — was noch kam, war ihr gänzlich gleich- giltig. Ihr Leben, ihr Glück, ihre Zukunft waren verwirft, sollte aus ihrem Unglück nicht wenigstens Rettung für den geliebten Bruder erblühen? Nur durste er nicht ahnen, daß fie seinetwegen fich in das verhaßte Joch spannen ließ, er hätte nimmermehr ein solches Opfer an genommen, und wäre lieber selbst zu Grunde gegangen. Waldemar müße glauben, daß die Wahl dieses Mannes ihr freier Entschluß war.
Röschen fühlte fich sehr erleichtert bei dem Gedanken, daß es ihr durch ihre Verheirathung auch möglich sein würde, Dr. Malljar das Geld jene 5000 Mark, die er für den Bruder geliehen, wieder und zwar möglichst bald zurückzahlen zu können.
Wie Feuer brannte es ihr in der Seele und verletzte ihren Stolz, daß es bis jetzt noch nicht geschehen konnte, aber daS schwur sie fich zu, keine Stunde länger als nöthig, zu zögern. So nahm fie fich fest vor, das Opfer zu bringen und Winter zu heirathen, — einen anderen Ausweg gab es nicht. —
Zum Zolltarif-Entwurf.
»«8 Her Osntbrücker Hx«tzel8ka»«er zu» Zolltarif Entwurf wurde ix d-r Hauptversammlung der Osnabrücker Handelskammer die bemerkenswerthe Erklärung abgegeben, die Kammer habe von jeher den Standpunkl vertreten, daß, gerade so gui wie die deutsche Industrie eines mäßigen Zollschutzes nothwendig bedürfe, auch der üandwirthschast ein entsprechender Zollschutz nicht versagt werden dürfe. Man erkenne in dieser Beziehung eine vollständige Solidarität der Jntercffen an. Bei der Behandlung der Materie im Reichstage werde man ohne Zweifel diesem Standpuntte weit mehr Rechnung tragen, als demjenigen des radikalen Freihandels, wie er auf dem Deutschen Handelstage hei vorgetreten sei.
Deutsches Reich
Berli«, 30. Oftbr
— Nach dem „Berl. Tagebl." haben am Montag im landwirdschaftlichen Ministerium unter Theilnahme des Ministers, mehrerer Minifteral- räthe, der Trenhändler der Berliner Hypothekenbanken und des Bankinspektors, sowie von Direktoren der Preußischen Pfandbriefbank, der Preußischen Bodenkreditbank, der Preußischen Bodenkredit-Aktien- aesellschast, der Deutschen Hypothekenbank, der Frank- surter Hypothekenbank und der Rheinisch-Westfälischen BodenkrebitbankBerathungen stattgefunben über eine wirksamere Gestaltung der Staatsaufsicht. Zunächst ist eine Vermehrung der Zahl der Bankinspektoren in Aussicht genommen. Ferner sollen sämtliche Hypothekenbanken in bestimmten Fristen einer eingehenden Revision des gesamten Geschäftsbetriebs unterworfen werden. Vierteljährlich hat jede Bank einen Status zu veröffentlichen. Der Ausfichtsbehörde ist vierteljährlich Bericht über die abgeschlossenen Geschäfte zu erstatten. Weiter ist vierteljährlich bei ber Aufsichtsbehörde eine Zusammenstellung der statt gehabten Subhastationen und frei- händigen Verkäufe fron Grundstücken, an denen die Banken beteiligt sind, einzureichen.
— Gegenüber den Meldungen, daß die Regierung gesonnen sei, die Handelsverträge und die Kanalvorlage gleichzeitig zu erledigen, dem Landtag daher im Frühjahr die Kanalvorlage mit gewichtigen Aenderungen abermals zugehen solle, schreiben die „Berl Neusten Nachr.': Wir können auf Grund der besten Informationen mit voller Bestimmtheit feststcllen, daß bis Samstag Abend eine derartige Entschließung nicht vorlag, daß im Gegentheil in den leitenden Kreisen durchaus keine Neigung vorhanden ist, die parlamentarischen Schwierigkeiten dieses Winters auf solche Weise zu erhöhen. Andererseits ist es durchaus richtig, daß die Kanalvorlage sobald als zulässig wieder eingebracht wird, da eine lange Hinausschiebung schon aus technischen Gründen wenig erwünscht ist. Andere Abendblätter wie „Nationalzeitung' und „Post' und „Tageblatt" äußern sich in ähnlichem Sinne.
— Die Ausweisungen aus Nord- Schleswig nehmen wieder zu. Wie der Jtieler Ztg." aus Hadersleben gemeldet wird, ist in Beftoft die Optantentochter Jenner, Tochter bes Fischers Jenner, mit 24ßündiger Frist ausgewiesen worben.
Am meisten überrascht zeigte fich der Förster da Rosi ihm, als dem ersten von allen, ihren Entschluß, Winters Frau werden zu wollen, kund that.
Ihm gestand sie auch, weshalb, und er rieth ihr dringend davon ab.
„Kind, thu das nicht, ich bitte Dich, nimm doch Vernunft an. Sieh', eine Ehe ohne Liebe ist das Schwerste, toaS eS giebt; überlege das wohl. Wenn Du an einen Mann gefesselt bist, den Du nicht lieben kannst, wird Dir Dein junges Leben bald zur Last werden."
„Hoffentlich dauert eß nicht mehr so sehr lange, Onkel! Dann ist doch wenigstens Waldemar gerettet, ich hoffe nichts mehr, aber er, — er hat die Frau gefunden, die er liebt, und soll glücklich sein," entgegnete Röschen fest.
„Sprich nicht so, liebes, armes Kind, — Du brichst mir das Herz. Schau, Du bist noch so jung, Du darfst noch nicht alle Hoffnung aufgeben; bleibe bei mir, und mit der Zeit wirst Du überwinden lernen, was Dir jetzt unmöglich scheint."
„Nein Onkel, glaube das nicht, ich werde so wie so dahin welken; ist es denn nicht tausend Mal besser, ich werde bald erlöst von einem Leben, daS nur eine fortgesetzte Qual für für mich ist? Ich fühle es, laß es mich einmal wenigstens aussprechen, lieber, guter Onkel, — ich — ich werde niemals im Stande sein, den Mann, dem ich mein ganzes Leben geweiht, dem jeder meiner Gedanken gehörte, wieder zu vergessen. O, Du ahnst nicht, wie ich ihn geliebt habe, mit jeder Faser meines Herzen«. Und daß er so — so von mir gehen konnte, ich eitiage e« nicht lange."
— In mehreren Zeitungen werden jetzt Briefe mitgetheilt, die der französische General Voyron an den Generalfeldmarschall Grafen Waldersee während der Chinawirren gerichtet und soeben im „Mattn" veröffentlicht hat. Die Briefe beziehen fich auf die Stellung des französischen Kontingents zum Oberkommando, insbesondere aus den Umfang, in welchem die ftanzösische Truppenleitung fich den Anordnungen des Oberkommandos unterzuordnen gedachte. Da die Briefe einem weiteren Leserkreise nicht gerade eine anziehende Lektüre darbieten, so glauben wir uns die Wiedergabe ihres Wortlautes ersparen und uns auf wenige Bemerkungen beschränken zu können. Aus ihrem Inhalt erhellt, daß General Voyron in sehr geschickter Weise, dabei in höflichen Formen, den französischen Heerführern das denkbar weitest gehende Maß von Unabhängigkeit aenüber dem deutschen Oberkommando zu sichern rebt gewesen ist. Der „Malin" hat ohne Zweisel Recht mit der Behauptung, daß diese ihre Haltung auf den Jnstruttionen der französischen Regierung beruht. Daß dadurch die Aufgabe des Grafen Waldersee nicht gerade erleichtett worden ist, liegt auf der Hand. Um so größerer Dank gebührt diesem, daß er fie ohne belangreiche Verwickelungen zwischen den verschiedenen Kontingenten so schnell und so erfolgreich erledigt hat.
— Aus Bromberg meldet die „D. Tagesztg.': Der Präsident der hiesigen Generalkommission von Baumbach, deffen Versetzung nach Heffen-Naffau kürzlich gemeldet wurde, bleibt an der Spitze der hiesigen Generalkommiffion. Seine Versetzung ist rückgängig gemacht worden.
— Der Dampfer „Krefeld", der dm letzten diesjährigen Truppentransport brachte, landete in Bremerhaven drei Feldlazarette, das Lazarettdepot sowie 20 Offiziere und 378 Mann Rekonvaleszenten und Kranke.
— Der Abgeordnete Steininger hat der „Münch. Post' folgende bemerkenswerthe Erklärung geschickt: „Nr. 239 der „Münch. Post' bringt eine Erklärung des Herrn Abgeordneten Bebel, daß ich in leichtfettiger Weife die Behauptung aufgestellt habe, er hätte in der Kanitz.Kommission geäußert: Wenn man sagt, bei den gegenwärtigen Verhältnissen gehe die Landwirthschaft zu Grunde, so ist oas für uns eine erfreulilhe Perspektive. Abg. Bebel fügt bei, daß er mich so lange für einen Ehrabschneider halte, bis ich den Beweis erbracht habe, daß er diese Aeußerung wirklich gebraucht hat. Ich habe bereits in der öffentlichen Kammerfihung vom 8. Ottober konstatirt, daß ich mich ganz bestimmt an diese Aeußerung des Herrn Abg. Bebel erinnere; ich kann dieselbe Konstatiruug hier nur wiederholen und halte dieselbe vollständig aufrecht. Es ist mir auch bekannt, daß bezüglich derselben Aeußerung auch private Auseinandersetzungen zwischen den Abgg. Bebel und Dr. Pichler in Berlin stattgefunden haben. Abg. Dr. Pichler hat dabei ausdrücklich betont, daß tt fich an diese Worte Bebels bestimmt erinnere und besteht audj heute noch darauf. Ein aktenmäßiger Beweis läßt fich nicht erbringen, da die Protokolle über die betteffende Sitzung nur ein kurzes Resume enthalten, das zum Theil von den betteffenden Rednern selbst gefertigt war. Es steht also Behauptung gegen Behauptung und haben deß- halb diese schweren Beschuldigungen des Herrn Abg. Bebel keine Berechtigung, weßhalb ich dieselben mit aller Entschiedenheit zurückweise.'
„Man lernt viel ertragen im Leben, mein Liebling, glaube eS mir, wenn Du bei unS bleibst, wirst Du vergessen lernen. Denke daran — wie Du zu unß kamst, so verzweifelt, — und heute? — Nicht einmal mehr denkst Du an das, waS damals war."
Er strich liebkosend über das lockige, seidenweiche Haar deS Mädchens, daS weinend die Hände um den Hals des biederen Alten geschlungen hatte und in den Thränen Erleichterung fand für das gequälte Herz.
„Ach, Onkel," fuhr Röschen nach kurzer Pause fort, „das war doch etwaS ganz anderes, damals. Siehst Du, so eine erste Liebe, die ist wie eine Kinderkrankheit, — die fitzt nicht tief und schmerzt nicht viel — aber jeder erlebt es und überwindet es leicht. Aber baß, was mir j-tzt am Herzen nagt, ich werde es nie lernen, mich darüber hinwegzusetzen; deshalb laß mich meinen Weg, den ich als den besten für mich erwählte, ruhig und unbesorgt weiter gehen. Wie lange wird es dauern, dann sehen wir uns dort wieder, wo es nach unserer Hoffnung keine Trennung und kein Leid mehr gibt. — Da tröste Dich, mein lieber Onkel. Sieh', ich bin schon ganz ruhig, so werde ich bleiben, — meine Pflicht getreu erfüllen, dann wird fich mit der Zeit ein Schein von Zufriedenheit auf den kleinen Rest meines Leber s breiten."
Um den grauen Batt deS guten Förster« zuckte es gewaltig, wie von tiefem, verhaltenem Weh. Doch wollte er nicht zeigen, wie schmerzlich betroffen er wurde bei dem Gedanken an da« bevorstehende Scheiden von dem geliebten Kinde.
(Kottsetzxng felgt.)