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ganz und gar nrcht nur ein diplomatischer ist, sondern sich jeden Augenblick praktisch fühlbar machen kann. Und wenn englische ministerellen Organe die Regierung mit der Entschuldigung heraushauen wollen, daß England die jetzt auf- gebenen Vortheile bei dem später zu schaffenden Panama - Kanal schon wieder hereinbringen werde, so ist das doch nur Zukunftsmusik. Unzweifelhaft haben die oppositionellen Organe Recht, die der Regierung vorwerfen, sie habe .gekniffen" um sich dem neuen Präsidenten Roosevelt, deffen Burensreundlichkeit ihr bedenklich erscheine, wohlgeneigt zu machen.
Man sieht also hier den engen Zusammenhang zwischen dem Zurückweichen Englands und dem Burenkriege. Ebenso kann bei der durch den Tod AbdurrhamanS geschaffenen Lage England in jedem Augenblicke in Gefahr kommen,
entweder vor Rußland zu .kneifen" oder aber den südafrikanischen Krieg Hals über Kopf ab- zubrechen. Daß man die Lage in Afghanistan keineswegs als so ftiedlich anfieht, wie es die englische Regierungspreffe gern glauben machen möchte, sieht man aus dem Befehle, in Peschawur Truppen bereit zu halten und Feldlazarette einzurichten. Auch hier aber macht sich der südafrikanische Krieg sehr unangenehm bemerkbar, denn er ist Schuld daran, daß die englische Truppenmacht in Indien herabgemindert ist und daß es auch für einen Krieg in den der modernen Verkehrswege entbehrenden und wildgebirgigen Gebieten Nordwest - Indiens und Afghanistans an doppelt nothwendigen Zugthieren mangelt.
Zu diesen effektiven Nachtheilen gegenüber den Bereinigten Staaten und Rußland aber kommen noch die Imponderabilien, vor allem der Verlust an Ansehen des Mutterlandes in den Kolonien. Es ist charakteristisch, daß gerade in Kanada das Abkommen Englands mit den Vereinigten Staaten in einer gehässig zu nennenden Weise besprochen wird. Die ftanzöfisch gesinnte Preffe dieses Landes macht kein Hehl aus ihrer Verachtung der bei dieser Gelegenheit von der englischen Regierung bekundeten Schwäche. Man weiß, daß in Kanada ohnehin Strömungen bestehen, dieses Land an die Vereinigten Staaten anzugliedern, Strömungen, die natürlich von nncle Sam nicht ungern gesehen werden. Diese Tendenzen müssen eine bedeutende Wirkung erfahren, wenn England gerade in einem Konflikte mit den Vereinigten Staaten sich zur Nachgiebigkeit genöthigt sieht. Dem Schwächeren gehört die Sympathie, aber dem Stärkeren schließt man sich nn — von dieser Raison werden sich ftüher oder später auch die Kanadier leiten lassen.
Daß die englischen Mißerfolge in Süd- Afrika den Respekt der eingebotenen indischen Bevölkerung vor ihren englischen Herren nicht eben gesteigert haben, liegt auf der Hand. Diese Minderung des englischen Ansehens aber könnte für die Engländer in einem Kampfe mit Rußland um Indien verhängnißvoll werden. Aus die Siebe seiner indischen Unterthanen hat sich England wahrlich keinen Anspruch erworben; wenn nun auch der Respekt fortfällt, was fesselt die Indier dann noch an England?
So muß sich jedem einsichtigen Engländer immer mehr die Gewißheit aufdrängen, daß die britischen Staatsmänner bei dem südafrikanischen Unternehmen die gesammte überseeische Stellung Englands auf eine Karte gesetzt haben. Wie vor 2l/t Jahrhunderten Cromwell der Be-
Der südafrikanische Krieg und Englands Weltstellung.
In der Vergangenen Woche find gelegentlich der zweiten Jährung des südafrikanischen Krieges vielfache Betrachtungen über die endgiltige Lösung der südafrikanischen Frage angeknüpft worden. Zur gleichen Zeit sind zwei Ereignisse t «getreten, die darthun, daß der südafrikanische Krieg eine weit über die politische und wirth- schaftliche Stellung Süd Afrikas selbst hinaus- gehende Bedeutung besitzt. Diese beiden Ereignisse ftnb 1. die Veränderung der Abmachung zwischen England und den Vereinigten Staaten über den Nikaraguakanal und 2. der Tod des Emirs von Afghanistan.
Die Frage, wer Herr über den demnächst fertigzustellenden mittelamerikanischen Kanal sein soll, ist von eiuer eminenten militärischen und politischen Bedeutung. Deshalb befand sich England zu der Zeit, wo es sich ein Condominium über diesen Kanal sicherte, auf einem seinen Interessen völlig entsprechenden Standpunkte. Wir bemerken, daß England weit mehr Veranlassung dazu hatte, sich einen Einfluß auf diefen Kanal zu sichern, als irgend eine europäische Macht, da eS der einzige europäische Staat ist, der über einen großen und wichtigen Landbesitz in Amerika verfügt. Aus demselben Grunde aber war es den Vereinigten Staaten nachzufühlen, daß sie auf die Alleinherrschaft im Gebiete des Kanals Werth legten. Nach langen Streitigkeiten hat sich soeben England zu einem Abkommen bequemt, das lediglich die
Zuthun das Mädchen abspenstig machte, das er liebte. Konnte ich denn dafür, daß das reine Herz des Mädchens sich mir, statt ihm zuwandte? Hätte Lorchen ihn geliebt, ohne ein Wort würde ich verzichtet haben, wenn eS mir auch sehr schwer gefallen wäre, sie zu verlieren."
Der Erzähler machte eine Pause und preßte die Hände an die pochenden Schläfen, um sich zu beruhigen; dann fuhr er in mattem Ton fort:
„Wie ich in da« Geschäft von Robert Buchholz kam, den ich als meinen Wohlthäter pries, habe ich Dir bereits an Pfingsten genau erzählt, und dann kam, wie Du weißt, die Hochzeft mit Lorchen. Bis dahin ging alles gut. Im Geschäft hatte ich mich bald tüchtig eingearbeitet. Robert versprach mir goldene Berge und machte Einkäufe im größten Maßstabe, der Umsatz wurde bedeutend vermehrt. Wir machten glänzende Abschlüsse, doch „zufällig", wie ich in meiner Harmlosigkeit dachte, befand Robert sich viel auf Reisen und für Zufall hielt ich eS auch, raß gerade in dieser Zeit mehrere größere Zahlungen gemacht teert)en sollten. Da Robert abwesend war, kam natürlich die Sache an mich, als den Stellvertreter und Kompagnon »es Geschäftsinhabers. Ich handelt^ nach seiner Angabe, stellte Wechsel auS, wie jener es mich gelehrt. Wenn ich wegen der Höhe der Summen ängstlich wurde und gelegentlich darüber Rück- prache mit meinem vermeintlichen Freunde nahm, dann lachte er mich aus und versicherte mir, daß wir gut das Dreifache der Summe an den Waren verdienen würden.
Und so find jetzt Wechsel in Höhe von wanzigtausend Mark von mir unterzeichnet im Imlanf. Jener elende Schuft aber hat alles, was möglich war, zu (Selbe gewacht, außen-
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Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Waldemar bedeckte die Augen, aus denen heiße Thränen unaufhaltsam hervorstürzten, mit der Hand und saß eine Weile schweigend; et schien vergessen zu haben, daß seine Schwester m banger Angst und Erwartung neben ihm saß.
„Waldemar," bat sie endlich sanft, mit mühsam verhaltenen Thränen, „willst Du mir nicht mitteilen, um wa8 es sich eigentlich handelt, vielleicht kann ich Dir helfen, wein armer Bruder."
„Du?" lachte er gellend, — „tote wolltest Du mir zwargigtausend Mark schaffen, die ich bezahlen soll, und noch dazu in kürzester Frist. Ein Ausschub von einigen Wochen war alles, was ich erlangen konnte und wenn ich nicht bezahlen kann, werde ich jedenfalls eingesperrt, — oder was weiß ich, was sie mit mir machen werden." — —
„Du — Schulden" — schrie Röschen auf, „aber ich begreife nicht — wie kommst Du denn dazu, Schulden in solcher Höhe zu haben?"
„Ich begriff eS anfangs auch nicht, aber höre zu:'
Waldemar schöpfte tief Äthern, ehe er be- begann: „Mein einziger Fehler, den ich bei der Sache machte, ist der, daß ich leichtgläubig und vertrauend mich in die Hände jenes Elenden begab, der sich mir unter der Maske der Freundschaft zu nähern wußte, als er erkannt hatte, daß ich ohne jedes Mißtrauen in die Falle ging. Das Ganze scheint ein Akt der Rache zu sein, weil ich ihm ohne mein
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Deutsches Reich
Berlin, 15. Oktbr
. — In Charlottenburg wurde am Montag
m Gegenwart deS Kaisers daS dem königlichen Schloß gegenüber errichtete Denkmal des Prinzen Albrecht, des BaterS des Regenten von Braun- enthüll ei" Broncestandbild von Beermal und Freyden , . —9« militärischen Kreisen wird jetzt als sicher betrachtet, daß das 3., 5. und 6. Armeecorps im kommenden Jahre Kaisermanöver in derMark Brandenburg haben werde. Die Kaiserparade soll bei Frankfurt a. O. stattfinden.
. — DasBefindendesGrafenWalder- 1 e e ist noch immer nicht zufriedenstellend. In Folge dessen muß der Generalseldmarschall nach Angabe Berliner Blätter seine Abreise von Neckarsulm immer wieder verschieben. Auch die für den 17. Ottober anberaumte Feier der Offiziere und höheren Der- waltungsbeamten aller Zweige des Chinaerpeditions- corps findet vorläufig noch nicht statt.
— Auch aus dem Panzer .Hagen' sollen nach dem waardener Tagebl.' Vorfälle fich ereignet haben, welche an die Vorgänge auf der .Gazelle' erinnern. Zuch auf dem .Hagen' soll von den Mannschaften Schiffsmaterial unbrauchbar gemacht worden sein, in Folge Unzufriedenheit mit Anordnungen des Kommandos. — Ehe wir zu der Nachricht Stellung nehmen, wollen wir eine amtliche Erllärung der Vorfälle abwarten.
- - Die Nordd. Allg. Ztg.' veröffentlicht folgendes Dementi: Seit einigen Tagen find an der New-Yorker Borte Gerüchte des Inhalts im Umlauf, daß daS Reich oder Preußen in naher Zukunft abermals in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Anleihe unterbringen wolle. Mr sind dem- gegenüber in der Lage, zuverlässig mitzutheilrn, daß diese Gerüchte unbegründet find.
gründer bet englischen Weltmacht gewesen ist, so wird Joseph Chamberlain vielleicht dereinst mit Fug der Zerstörer der englischen Weltmacht genannt werden. a.
Ausland
En-land. Die englischen Torpedobootszerstörer werden vom Unglück verfolgt. Der Torpedobootszerfi örer „Vulture" kam auf der Fahrt von Portsmouth nach Portland in schweres Wetter und kehrte am Sonnabend stark beschädigt nach Portsmouth zurück.
Mittelamerika. Den Venezolanern scheint ihr Einfall in Columbien nicht gut zu bekommen. Angeblich haben sie fich an verschiedenen Punkten der Halbinsel Goajira verschanzt. Es herrsche große Unordnung. Die Venezolaner seien ohne Intendantur und lebten von Requisitionen im Lande, so daß dasselbe verödet sei. Die Jn- stehende Beträge einkassiert usw. Während ich immer nur so viel bekam, um leben zu können und bei etwaigen Klagen auf spätere Zeiten verwiesen wurde, hat er mit den eingeforderten Summen daS Weite gesucht. Eines Tages erwartete ich ihn vergebens im Kontor, — er kam nicht mehr, und als es bekannt wurde, daß er fort war, da stellte es fich heraus, daß er ungeheure Schulden hinterlassen hat. Haus und Geschäft wurde mit Beschlag belegt, nichts nenne ich mein eigen — dazu die Wechsel, die ich bezahlen soll, und derentwegen man dem Hallunken, der mich inS Elend brachte, nicht einmal etwas anhaben kann, da fie zwar mit unserer Firma, jedoch mit meinem Namen als Unterschrift versehen find." — —
Stöhnend und erschöpft hielt der junge Mann inne, indes Röschen nichts zum Tröste des geliebten Bruders zu sagen wußte.
„Ich habe bis jetzt alles Mögliche versucht um wenigstens Arbeit zu bekommen; allein trotzdem ich meine Unschuld befeuere, mißtraut man mir und schickt mich fort. Wäre mein armes, bedauernSwerthes Weib nicht, — ich chöffe mir eine Kugel durch den Kopf und alles hätte ein Ende. Es wird mir schließlich auch mchts anderes übrig bleiben, ich kann das Elend nicht länger mehr tragen, mein Leben 'st verpfuscht; denn wo in aller Welt soll ich o viel Geld austreiben? Und selbst, wenn ich es könnte, werde ich doch nie im Stande sein, es zurückzuzahlen."
Röschen faßte nach deS Bruders Hand und obgleich fie selbst das Trostlose der gegen- »artigen Lage emsah, versuchte fie dennoch, den Muihlosen aufzurichten.
„Du warst freilich viel zu leichtgläubig und
dianer, welche gegen die Venezolaner wegen ihrer Grausamkeit erbittert seien, hätten die von ihnen gefangenen Venezolaner entsetzlich verstümmelt.
Südafrika. Die Gefangennahme Scheepers bildet keinen Ruhmestitel für die Engländer. Sie wären des gewandten Bärenführer wohl nicht habhaft geworden, wenn ihnen nicht dessen schwere Erkrankung geholfen hätte. Nach einer Meldung des Bureau Lassan aus Pretoria ist der Burenkommandant Scheepers auf einer Farm gefangen genommen, wo er seit mehreren Tagen gefährlich krank lag. Der „Daily Mail" wird aus Kapstadt gemeldet, daß Scheepers an starker Darmentzündung leidet und er in das Hospital von Matjesfontein geschafft worden ist. Sein Zustand ist sehr ernst.
Scheepers mußte schon seit Wochen im Capkarren gefahren werden. Bei Calitzdorp konnte ihn sein Kommando, das zur Zeit arg in der Klemme sitzt, noch einmal heraushauen, aber er wnnte sich doch nur der Gefangennahme entziehen, indem er den Wagen verließ und zu Pferde stieg. Am 3. Dftober schickte er nach Ladysmith um einen Arzt, der ihm bereitwillig zur Verfügung gestellt wurde. Nach dem Gefecht bei Calitzdorp wurde sein Kommando in bie Witten Berge gedrängt, und hier scheint ihn fein Geschick ereilt zu haben. Scheepers ist ein junger Mann von etwa 24 Jahren, wie überhaupt sein ganzes Kommando nur aus blutjungen Leuten besteht.
— Kitcheners Henkersarbeit in der Kapkolonie wird fortgesetzt. In Tarkastad wurden am Sonnabend nach dem „Reuterschen Bureau" über eine Anzahl „Kaprebellen" verhängte Strafen bekannt gegeben. Unter den Verurtheilten befindet fich Leutnant Schoemann, der zum Kommando Lotters gehörte. Das Ur- theil gegen Schoemann, das auf Tod durch Erschießen lautet, ist von Kitchener bestätigt worden. Wie ferner aus Pretoria vom Sonnabend das „Reutersche Bureau" meldet, sind feit dem 15 September noch 18 Burenführer gefangen genommen und für immer aus Südafrika verbannt worden.
Jnzwifchen kommt die Kunde von neuen Kämpfen. In der Nacht zum 3. Oktober verbrannten die Buren sechs Güterzüge wenige Meilen von der portugiesischen Grenze und versuchten am folgenden Tage in portugiesisches Gebiet einzudringen. DiebritischenTruppeu wurden zwischen Bezano, Garica ud Komatpoort ^^rrascht Etz fand eia schwerer Kampf statt; die Verluste find unbekannt; es heißt, die unerfahren," sprach fie, „aber es muß fich ein Mittel finden, Waldemar, wie Dir geholfen werden könnte. Komm, laß uns zum Onkel Förster gehen, vielleicht weiß er Rath in dieser verzweifelten Sache. Nur nicht den Kopf verlieren, mein Waldi! Blicke nicht so starr uud hoffnungslos darein, wir werden schon etwas ausdenken.
Der junge Mann lachte so schrtll auf, daß es Röschen ins Herz schnitt und willenlos wie ein Kind folgte er der Schwester, die fich nicht merken ließ, wie traurig es ihr zu Muthe MiSf'ah0ndem scheinbar ruhig und zuversichtlich
Ein scharfer Wind blies von Westen her, da- W fing eS jetzt stark zu regnen an, die kalten Tropfen schlugen den Geschwistern inS Gesicht; sie beeilten sich daher, möglichst schnell das schützende Dach zu erreichen.
Unterwegs zermarterte sich Röschen den Kopf, nm einen Ausweg zu finden: denn daß der Förster nicht helfen konnte, wußte fie wohl. Derselbe vie Gelegenheit gehabt, Schätze zu sammeln. Die beiden Alten lebten zwar behaglich und ohne Sorgen, hatten auch einige Tausend Mark ür den Nothfall auf die Seite gelegt, aber >as war auch alles.
Einen Augenblick dachte Röschen an Malljar, >vch verwarf fie diesen Gedanken sofort wieder, >a fie in die pekuniären Verhältnisse des Mannes keinen Einblick hatte. Daß er reich fein mußte, ging wohl aus feinem ganzen Auftreten hervor, aber ob er über große Barmittel verfügte, wußte Röschen nicht. Und selbst wenn es der tfaU war, was konnte das ihr nützen? Konnte man von ihm eine so große Summe verlangen? Nnn, nein! Entsetzung folgt.)
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_____________________________________ Maroari. Markt 21. —