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tt »em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai».

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* Somabend 12 Ottoier 1901 "*36 2ahrg.

Ein Gedenktag.

Bolle zwei Jahre find nunmehr vergangen, seit der Burenkrieg seinen Anfang genommen hat und damit hat dieser Krieg zeitlich eine Ausdehnung gewonnen, wie kein anderer größerer im letzten Jahrhundert geführter Krieg. Da darf man sich wohl fragen, wie sich das eng­lische Volk, dem der langdauernde Krieg unge­heure Lasten auferlegt, an diesemJubiläums- tage" dazu stellt.

Es ist der Werth eines guten politischen Witzblattes und nur dann eben ist es wirk­lich gut, in einer anschaulichen Weise die Stimmung und Stellung des Volkes zu den wichtigsten Fragen zu geben. Und so giedt die letzte Nummer des berühmten englischen Witz­blattesPunch" Antwort auf die oben gestellte Frage. Ein meisterlich gezeichnetes Bild stellt dar, wie der schlafende Lord Salisbury von John Bull, aus besten energischen und heftigen Bewegungen und leidenschaftlichen Zügen die größte Erregung spricht, am Arme gerüttelt wird; John Bull ruft dabei auS:Wach aus! Ich verlange, daß dieser Krieg sein Ende hat. Fordere von mir, was Du willst, und ich werde eS thun, aber es muß ein Ende nehmen."

Man kann nicht trefflicher die Stimmung der englischen Nation wiedergeben. So un­sympathisch uns die Engländer sein mögen, so müssen wir gerechter Weise zugeben, daß sie die mannigfachen Wechselfälle dieses Krieges mit ungeheurer Geduld und Ruhe ertragen haben. In Frankreich wären in dieser Zeit mindestens drei Revolutionen ausgebrochen und zwölf Ministerien gestürzt worden. In England nichts von alledem. Im Gegentheil, diese Re­gierung, die der englischen Nation so unerhörte Blamagen eingebracht hat und die das Volk mit höchst bedrückenden Steuern belästigen muß, um wenigstens einigermaßen das durch den Krieg veranlaßte Defizit im Staatshaushalte auszugleichen, aewinnt noch immer neue An­hänger, wie eine letzthin stattgehabte Parlaments­wahl darthat, wo trotz dreier schwerer un­mittelbar vorher erlittenen Schlappen ein Re­gierungsanhänger in einem früher oppositionell vertretenen Wahlkreise gewählt wurde.

Das englische Volk steht also noch immer in seiner Mehrheit unzweifelhaft hinter der Regierung, aber es will nun endlich, daß dieser Krieg ein Ende nimmt. Als Lord Roberts auf dem Schauplatze erschien, wurde dem Volke versichert, der Krieg würde binnen 4 Wochen beendet sein; als dann Roberts den General

29. (Nachdruck verboten.)

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Na," fiel lachend der Förster ein,wegen der alten Jungfer mach' Dir keine Sorge, Waldemar. Das Mädel hat heute einen ganz hübschen Anfang gemacht, ich traf fie in leb­hafter Unterredung mit einem fremden Mann, wer weiß, wer weiß, ob fich nicht da"

Onkel," rief Röschen, ihn unterbrechend, mit feuerrothem Gesicht, wie kannst Du nur fo etwas sagen!"

Mln ja, wenn man über solche Plauderei sein Mittagessen vergißt, muß fie doch sehr interessant sein."

Kathi, die Magd, die heute ebenfalls sehr imStaat" war und in ihrer blendend weißen, mit Spitzen verzierten Schürze und dem Samt­mieder, das faltenlos die volle Figur umspannte, einen wirklich stattlichen Eindruck machte, hatte eben den Kaffee serviert, und wollte ins Haus zurückkehren, als fie hinter sich eine ihr be­kannt vorkommende Stimme rufen hörte:He, pst, Jungfer, wartet einen Augenblick, ich wuß mit Euch sprechen."

Als fie fich umwandte, bemerkte fie den Diener des Herrn Malljar vom Schlößchen drunten, der schnaufend und pustend auf das Forsthaus zukam.

Ei seht dach," lachte Kathi,was kann denn so ein Brummbär und Weiberfeind, wie Ihr seid, von mir wollen?" blieb aber doch stehen, bi« jener dicht herangekommen war.

Cronje zur Waffenftreckung zwang und in rascher Aufeinanderfolge Bloemfontein, Jc ha inis- bürg und Pretoria in seinen Besitz brachte, verkündete die Regierung wieder, nunmehr sei der Krieg zu Ende; dieselbe Angabe erfolgte, als Krüger die Grenze seines Heimathlandes verließ; dann wieder verlautete im letzten Sommer, der Krieg sei so weit durchgeführt und stände so nahe vor seinem Ende, daß der größte Theil der in Südafrika stehenden Mann­schaften entlasten werden könnte.

Immer wieder stellte fich heraus, daß die Regierung eine Hoffnung für eine Gewißheit ausgegeben hatte. Und wer will es John Bull verdenken, wenn er jetzt, wo eben wieder die Regierungspreste jubelt, die Burensache stände unmittlbar vor dem plötzlichen Zusammenbruch, ungeduldig Lord Salisbury am Arme schüttelt und ihm sagt: Ich glaube an all diese Redens­arten nicht mehr, ich verlange Thaten und ich bin bereit Opfer zu bringen, damit diese Thaten vollführt werden können.

Freilich, mit dieser Opferwilligkeit, hat es eine eigene Bewandtniß. Geld zu bewilligen, ist das englische Volk bereit, aber wenn Lord Salisbury den patriotischen John Bull, der ihm sagt:Fordere, was Du willst, und ich werde es thun" beim Worte nähme und von ihm verlangte, fich der allgemeinen Wehrpflicht zu unterwerfen und nach Südafrika hinautzzuziehen, so würde der wackere John energisch dagegen protestiren. Man fieht eS ja, wie schwer es der Regierung wird, durch Werbungen neue Mannschaften für Südafrika zu bekommen. Die Zahl derer, die fich aus patriotischen Gründen anwerben läßt, ist minimal; meistens find es verbummelte Kerle oder arme Teufel, die dem Verhungern entgehen wollen. Und selbst bei diesen katilinarischen Existenzen ist die Neigung, fich den Strapazen und Gefahren des Krieges auszusetzen, immer geringer geworden.

Wenn also John Bull das Ende des Krieges durchaus verlangt, wenn er aber andererseits nicht dazu bereit ist, fich persönlich dafür ein­zusetzen, daß die Buren gewaltsam niedergeworfen werden, dann bliebe doch logischer Weise nur noch die Möglichkeit, durch eine friedliche Ver­ständigung mit den Buren das Ende des doch unter keinen Umständen für England ruhmvollen Krieges herbeizuführen. Zu dieser Einficht ist John Bull allerdings noch nicht ge­langt, aber je heftiger fich in ihm der Wunsch regt, der Krieg möchte seinem Ende nahen, desto näher wird doch die Möglichkeit dieser Einsicht gerückt. a.

Ach, Jungfer, unsere Haushälterin ist in großer Verlegenheit; sie wollte heute Rahm- strudel machen, weil diese unser Herr recht gern ißt, und weil er fich gestern schon solche zum Nachtisch gewünscht hat. Sie geht und bestellt drunten im Dorf den nötigen Rahm, und waS glaubt Ihr, daß geschieht? Es ist keiner zu be­kommen, nirgends, überall schickt man fie fort. In ihrer Not wandte fie fich an mich. Lebrecht, sagt fie, Du mußt mir helfen; vielleicht, wenn Du ins Forsthaus läufst und giebst ein gutes Wort aus, dann bekommst Du, was wir brauchen. So bin ich denn herge- gelaufen, 's ist nur wegen unseres Herrn, und ich möchte also anfragen, ob Ihr mir nicht ein Töpfchen Rahm geben könnt?"

Da schaut her, wie der jetzt schön bitten kann," spottete die Magd,wohl haben wir den besten Rahm im Keller und Ihr sollt haben, was Ihr braucht, aber eines müßt Ihr mir dafür versprechen."

Nun was denn?"

Ihr dürft niemals wieder über die Weiber osziehen, wie neulich und kein einziges Mal mehr sagen, daß die Weiber nichts werth find, verstanden?"

Ja, Jungfer Kathi gewiß, ich will's nicht wieder thun, Ihr müßt mir das nicht so nach­tragen. Damals war ich auch übler Laune, mrstig, hungrig und müde dazu, na, und da agt man manchmal mehr, als man verant­worten kann."

Und Eurem Herrn müßt ihr auch zureden und ihn umzustimmen suchen, so gut Ihr könnt."

O, der," lachte Lebrecht auf,der ist, glaube ich, auf dem besten Wege, au« einem Weiber-

Umschau.

Freisinnige Ueberhebung.

Ein Bäckermeister in Halle hatte vor kurzem in sehr klarer Weise dargelegt, daß bie Ge­treidezölle auf die Brodpreise so gut wie keinen Einfluß ausüben. Darüber ist der Freisinn ergrimmt und das Richtersche Organ schreibt: Die Kunst des Brodbackeus an sich reichte bei jedermann freilich noch nicht aus, um den Zu­sammenhang wirthschaftlicher Vorgänge klar zu durchschauen". Dazu muß man nämlich frei­sinnig fein; denn wenn fich freifinnige Hand­werker finden, die ihre Weisheit an den Mann bringen wollen, so ist die freisinnige Presse mit Vergnügen bereit, deren Auslassungen als wichtige SachoerstSndigenurtheile abzudrucken, c.

Eine Auslandsstimme.

Novosti" bespricht die Erhöhung der Zölle auf Getreide in dem neuen deutschen Zolltarif­entwurf und erklärte, daß eine solche Erhöhung ein unüberwindliches Hinderniß für den Ab­schluß eines neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland bilden würde. Das Blatt geht so weit, zu drohen, daß die Nachbar­staaten nicht mit Deutschland in Verhandlungen über neue Handelsverträge ein treten könnten, wenn nicht eine beträchtliche Ermäßigung der Zollsätze vorgenommen würde.

Das börsenfreundliche Organ hat fich dabei wohl Rath von unseren Börsenblättern ge­holt. Rechnen doch unsere Freihändler auf die Mitwirkung des Auslandes. In derNation" weist Dr. Barth ausdrücklich auf dieses Ziel hin, indem er meint, es sei keineswegs ausge­schlossen, daß unsere Nachbarn, durch die deutsche Freihandelsagitation ermuthigt, auf eine Herabsetzung der Vertragszölle für Getreide bestehen würden. In diesem Sinne ist obige Auslassung derNovosti" zu verstehen!

Deutsches Reich

»erlitt, 11. Oktbr

DerKaiser nahm im Jagdschlösse Hubertus» stock gestern die Borträge des Staatssekretärs b. Tirpitz, des Chefs des Admiralstabes Viceadmiral v. Diederichs und des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinets Kapitäns zur See von Müller entgegen.

< , Festlichkeiten bei Hofe während dieses Winters ist Endgültiges noch nicht bestimmt. Doch nimmt man, dem .Lokal-Anzeiger" zufolge, in unterrichteten Kreisen an, daß die Saison still vorüber» gehen wird, da die kaiserliche Familie die Trauer um die verewigte Kaiserin Friedrich, die für den Hof im Novembe- beendet ist, auf ein volles Jahr ausdehnen

feind ein Weiberfreund zu werden. Denkt Euch nur, Jungfer, über eine Stunde fitzt der heute mit Eurem Fräulein auf der Bank im Walde. Ich denke, mich trifft der Schlag, wie ich vom Fenster aus sehe, daß mein Herr dem Fräulein neben sich Platz macht und sich mit ihr unter­hält. Fünf Jahre hat er keine Frauensperson angeschaut; wenn fie auch noch so freundlich und schön mit ihm thaten er ging ihnen aus dem Wege, so viel er konnte und hatte auch mich so weit gebracht, daß ich keiner über den Weg traute, und heute, na, so was dacht ich nimmer zu erleben! Wie er dann nach Haufe kommt, ist er seelenvergnügt und was nie mehr geschah, seit nun ja seit dem Tage, da seine Braut, die er vergöttert hat, fich von einem anderen küssen ließ: ich höre ihn ein Liedchen vor fich hinsummen. Wie ich vor­hin meinen Augen nicht traute, so glaubte ich jetzt an eine Täuschung meiner Ohren, aber es war doch so, er sang leise und mit lächelndem Gesicht."

Ich thue natürlich, als hätte ich weder etwas gesehen, noch ghört; plötzlich wendet er fich an mich:Lebrecht," sagt er zu mir,was wir doch für einfältige Thoren find, daß wir wegen einer Einzigen, die fich an mir ver­sündigte, alle Weiber für schlecht und falsch halten; ich sage Dir, es giebt auch noch bessere in der Welt und wir haben kein Recht, alle zu vernrtheilen."

»Ja," sag' ich darauf,dasselbe hat mir neulich schon das Fräulein da oben gesagt, aber ich wolltS nicht glauben."

Welches Fräulein?" fährt er auf und wird ganz roth im Gesicht.

wird. Außer dem Ordensfest und der großen Kur wird möglicherweise kein En psang stattfinden.

Der Bundesrath versammelte fich gestern zu einer Plenarsitzung. Vorher hielten die bereinigten Ausschüsse für das Landheer und die Festungen und für Nechnungswesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justizwesen Sitzungen. In der Plenarsitzung wurde den Ausschußanträgen, betreffend den Zoll- und Salzsteuerverwaltungskosten- Etat für Bayern, Baden und Anhalt, die Zustimmung ertheilt, ebenso dem Ausschußberichte über den Antrag Preußens auf Erhöhung der Vergütungssätze für die /Ayra^rPflegung der Truppen während der dies- jährigen Herbstübungen in den östlichen Provinzen und dem Ausschußberichte über die Vorlage vom 1. August d. I, betreffend Ergänzung des Schiffsbau­regulativs, sowie dem Ausschußberichte über bie Vor­lage vom 26. September d. I., betteffend die zoll­amtliche Revision des Gepäcks der zurückkehrenden Mannschaften des Ostafiatischen Expeditionscorps.

Wie dieNationalliberale Correspondenz" er­fährt , wird in Bundesrathskreisen daran festgehalten, daß die .entsprechenden" Berathungen über den Zolltarif im nächsten Drittel dieses Monats stattfinden werden.

Dem Vernehmen nach plant der preußische Minister des Innern eine einheitliche Regel- u «8 d e sMe l d ew ef ens für die ganze Monarchie, nachdem sich eine Aenderung der geltenden Meldevor» schristen in der Richtung als erforderlich hcrausge- stellt hat, daß unter bestimmten Voraussetzungen auch eme nur vorübergehende Ab- und Anwesenheit zur polizeilichen Ab- und Anmeldung verpflichtet. Der Vorschlag, diese Verpflichtung von einer längeren, etwa auf 23 Monate zu bemessende» Mindestdauer der An- und Abwesenheit abhängig zu machen, empfehle fich nach Ansicht des Ministers schon des­halb nicht, weil dann gerade die aus bestimmten Gründen am häufigsten den Aufenthalt wechselnden Personen nach wie vor der regelmäßigen Kontrolle entzogen bleiben würden. Andererseits sei es wegen der großen Belästigung des Publikums und der außer» urbentlidjen Mehrarbeit für die Meldebehörden nicht möglich, jede vorübergehende An- und Abwesenheit allgemein der Meldepflicht zu unterwerfen, zumal eine derartige Bestimmung auch über das polizeiliche Be- dürfniß hinausgehen würde. Der Minister fordert daher zunächst über eine Reihe von Abänderungsvor­schlägen Gutachten der Regierungspräsidentin ein.

Behufs endgültiger Feststellung des Entwurfs eines V ersichemngsrechtes werden in nächster Zeit Einladungen an Sachverständige des Versicherungs­wesens ergehen.

Die Klagen aus Jndustriekreisen über die jetzige schlechte Geschäftslage mehren fich. Auch das Hütten­werk in Völklingen, das bisher den Betrieb voll auf­rechterhalten wollte sieht sich genöthigt, vom nächsten Montag ab eine Feierschicht einzulegen wegen des Rückganges des Inkan dconsums und der hohen Kohlenpreise. Von einer zielbewußten Pflege des Jnlandmarktes wollen aber unsere Freihändler nichts wissen.

Ausland

»»tzland. In Rußland scheint man doch an eine Avfrollung der afghanischen Frage zu glauben. Wie autz Petersburg berichtet wird,

Und haarklein muß ich ihm unfein ganzen Streit von damals erzählen, aber nicht einmal, nein, drei-, viermal, und er lächelt immer so eigen. Na ja, ich mache mir da so meine Gedanken, aber wenn der Himmel ein Wunder zuließe und unser lieber Herr wieder froh würde, auf den Knieen wollte ich dafür danken."

Kathi hatte mit begreiflichem Staunen der Erzählung Lebrechts zugehört.Also deshalb war die Prinzeß heute Morgen so lange auS- geblieben, nun, fie war froh, daß fie auf diese Weise dahinter kam.

Die Magd eilte davon und kam gleich da­rauf mit einer großen Taffe dicken RahmS zu­rück. Sie händigte fie dem Diener ein, der unter lebhaften Dankesworten eben davon gehen, als er plötzlich stehen blieb und verwundert den Weg entlang schaute.

Es ist richtig, er ist e§! Seht doch Jungfer, da kommt er, laßt mich einen Augenblick ins Haus treten, ich will nicht, daß er miöh fieht."

Wer denn?" fragte Kathi, neugierig der Richtung seiner Blicke folgend.

Unser Herr," flüsterte Lebrecht,schaut nur, wie er alle Fenster anguckt, als ob er etwas suche. Da« ist doch merkwürdig, höchst merkwürdig.

Auf dem Wege, der dicht am Forsthause vorbeiführte, wandelte wirklich Dr. Gerhard Malljar langsam und bedächtig dahin. Sein Blick streifte die Reihe der blitzenden Fenster und suchte wie enttäuscht den Bodem. vm gleich darauf aufleuchtend an der lichten Gestalt dort am Gartenzaun hängen zu bleiben.

(Gortsetznng f»I|t.)