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Btt Bent Kreisblatt für die Lkreise Marburg und Kirchhain.

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Warburg

Freitag. 11 Oktober 1801.

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MlLL uk Beritt: 3»h. Ang. Sech, UsiverütäLS-SachdrUcker» Ktrbiri, Merkt 91. Lelevdo» to

36 Jahrg.

Englische Justiz.

Einen bemerkenswerthen Beitrag zu dem KapitelEnglische Justiz in Südafrika" liefert ein Brief, den dieRh. W. Ztg . aus Kap­stadt erhält. Derselbe lautet:

Wir senden Ihnen heute einen Bericht über die Prozetzoerhandlung gegen den unglücklichen ehemaligen transvaalschen S aatsanwalt Broeksma, (der, tote wir (kürzlich meldeten, in Johannesburg wegen .Hoch- verraihs" erschissen wurde. D. Red b. .Oberh. Ztg. ). Broeksma entstammte einer hochgeachteten hollänbischen Familie; er ging 1885 nach Sübafrlka, um in transvaalsche Dienste zu treten. Der Ermorbete hinterläßt eine Wittwe mit vier Kinbern. Die Der- hanblung nahm nach englischen Berichten solgenben Ver­lauf: Der Einwanb ber Vertheibigung wegen Unzu­ständigkeit bes Gerichts würbe abgelehnt. Broeksma war wegen vier verschiebener Delikte angeklagt: wegen Bruchs bes Neutralitätseibes, Verraths, Hochverraths unb Verleitung zum Bruch bes Neutralitätseibes. Der Angeklagte erklärte s i ch n i ch t s ch u l b i g. Bei einer Haussuchung hatte man bei bem Angeklagten eine Flugschrift unb nahe 30 Dokumente gefunden, die Briesabschriften von Stein, bem amerikanischen Konsul im Haag Dr Williamson unb Briefe an Reitz enthielten; ferner fanb man eineWarnung an unsere Führer unb Burger im Kommando", einen Brief an Se. Ehren P. I. Krüger, Präsident der Republik, zur Zeit in Europa". Ein Brief fand sich vor, aus besten Inhalt hervorgeht, baß er von Dr. Krause in Lvnbon an den Gefangenen, ein anderer von bem Gefangenen an Dr. Krause gerichtet sei; ebenso fanb man einen Briefumschlag mit bei vermuthlichen Deck­adresse bes AngeklagtenCharles Brooks, per Abresse Gorbon amerikanischer Konsul, Johannesburg", nach bei Hanbschiist (!) stammt dieser Umschlag von Dr. Krause. Die Verlesung der Flugschrift nahm eine Stunde in Anspruch. Sie war Stejn, Botha, Dewet und allen treuen Afrikandern dediziert, sie fchmähte Lord Roberts, die Engländer,Chamberlain den Schuft" unb ihre ganze Clique, Milnerunb alle enbeien Jingos". Weiter enthielt bie Schrift einen Bergleich des gegenwärtigen Krieges mit bem Unab­hängigkeitskampf der Nordamerikaner. Der Rest der Dokumente enthielt Briefe an den amerikanischen Konsul Dr. Williamson im Haag und an einen Mann namens Dehora, die beide die Korrespondenz zwischen bem Gefangenen und Dr. Kraufe, der augenblicklich in beständigem schriftlichen Verkehr mit Krüger, Broeksma und anderen Personen stand, vermittelt zu Joben scheinen. Ein anderes Dokument warnte die (ommandoführer, daß bie Engländer 2000 Pfd.

Sterling aus ihren Kopf gesetzt haben.

Großes Aufsehen erregte bie Verlesung eines von Louis Botha unterzeichneten Schriftstückes. Es stellte sich als eine (in Europa längst bekannte, b. Red.) Prokla­mation an bie Burenoffiziere bar, bie sie ermahnt, nicht ängstlich wegen ber Kitchenerschen Proklamation zu sein. Denn nach einer Berathung mit ben Fecht­generalen sei bet Entschluß gefaßt worben, baß nach ben 15. September Lorb Kitchener, sein Stab unb alle englischen Offiziere vogelfrei eiklärt würben, unb eien Burghers in bei Kapkolonie, in Natal, im Fiei- staat nnb in bet südafrikanischen Republik solle be­sohlen werben, jeden bewaffneten Englänber nieber- zuschießen, bei ihnen begegne.

28. sNachbiuck beiboten.]

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Du bist wirklich abscheulich heute," schmollte Rost, der plötzlich ein Schrecken durch die Glieder fuhr.Doch nicht etwa mein Vor­mund?" fragte sie stockend. Eine finstere Falte lag auf der reinen Stirn.

Ich sage nichts, Du wirst ja sehen."

Onkel, nur das sage mir, ist es Böhler?" Rein."

Röschen atmete auf.Aber wer denn sonst?"

AIS die beiden am Forsthause ankamen, hörten fie von der Laube her eine frische Stimme, und silberhelles Lochen, aber beides war Röschen nicht bekannt.

Unter der HauSthür stand Frau Therese, die sich ohne Erfolg bemühte, böse auszuschauen. Sie begnügte sich, dem auf fie zustürmenden Liebling mit dem Finger zu drohen.

Röschen flog ihr an den Hals.Zürne mir nicht, liebe Tante, daß ich mich so versäumt habe, ich wills gewiß nicht wieder thun." Die Stimme klang so weich, so zärtlich bittend, wer konnte da wohl widerstehen?

Therese nahm datz Mädchen an der Hand. Komm und fieh', was wir für lieben Besuch haben."

Auf dem sonnenbeschienenen Wege, der vom Garten zum Hause führte, wandelte eben ein junger Mann im grauen Sommeranzug, den Strohhut weit aus der Stirne nach hinten geschoben.

Ein onbetei ,F. K." unteizeichnetei unb Ti. Kraufe zugeschiiebenei Brief läßt bes Schreibers Gering- fchätzung erkennen, bie er gegenüber ber Arroganz unb bem Stolz ber Engländer hegt; Kitchener wirb in bem Brief als Erzschuft bezeichnet. Der Brief schließt mit ber Prophezeiung, daß nach einem un­glücklich ausgelaufenen Kriege aus Sübafrika ein zweites Irland werben würde. In einem weiteren Briefe theiltF." mit, daß er in Sachen Beit contra Markharn Schritte natürlich für den Angeklagten ge> than habe. Ebenso informirtF."Brooks", daß er dieMedizinen" dem Dr. Williamson übersandt habe, ohne eine einzige geöffnet zu haben. Es ist bie all­gemeine Annahme, daß diese Flaschen Briese enthielten. Dann wurden einige Zeugen vernommen; ein Drucker, Namens van Ry, bezeugte, daß er im Auftrage des Angeklagten 2000 Flugschriften für 33 Pfd. Sterling an gefertigt habe."

Aus diesem Bericht geht hervor, daß die Behauptung Reuters, Broeksma erschaffen sei wegen Spionage und Hochverraths un­wahr ist. Eine Erschießung wegen Spionage wäre nicht völkerrechtswidrig; die Anklage enthält aber kein Wort über Spionage; ja, prüft man die einzelnen Vergehen, deren der Angeklagt beschuldigt wird, etwas ein­gehender, so findet man, daß auch von Hoch- verrath, vermuthlich auch von Bruch des Neu- tralitätseides keine Rede sein kann, denn es sind unter den belasteten Aktenstücken lediglich Briefe, Zusendungen u. s. w an Broeksma. Wer aber in aller Welt hindert selbst einen geborenen und in England lebenden Briten, Briefe mit Schmähungen gegen brittische Heer­führer zu empfangen und im Besitz einer der vielen tausend Bothaschen Proklamationen zu sein! WaS hindert Broeksma, an Kraufe zu schreiben! Man weiß garnicht, waS in den Briefen gestanden hat. Und sollten selbst die belastenden Briefe von Krause sein, so kann man doch nur Krause deswegen angreifen. Ganz dunkel heißt es am Schluß, irgend ein Drucker bezeuge, daß er 2000 Flugschriften im Auftrage von Broeksma augefertigt habe. Wir wissen aber nicht, was in den Flugschriften stand.

Die Anklage wegen Spionage haben wir bereits abgethan. Die zweite Auflage wegen Hochverrats ist ebenso unhaltbar. Die Engländer gehen in ihrer srivolen Schamlosigkeit so weit, daß fie, nachdem fie auf dem Papier ganz Süd­afrika annektiert haben, nun jeden Südafrikaner als Briten betrachten und ihn als Hochverräter behandeln, wenn er gegen fie arbeitet oder korrespondiert. Es bleibt also nur der Bruch des Neutralitätseides übrig. Der Neutralitäts­eid besagt, nichts gegen die britische Regierung thun zu wollen,fich neutral zu verhalten", womit die alberne Beschuldigung schon wider­legt ist, als ob Herr Broeksma und Herr Dr.

Mit einem Jubelruf stürzte Röschen auf denselben zu.Waldemar, Du hier, ist das eine freudige Ueberraschung!"

Bruder und Schwester hielten fich eng um­schlungen.

Dann begann der erstere mit glücklichem Gesicht:

Ich habe noch jemand mitgebracht, den Du recht lieb haben sollst."

Dabei zog er die Schwester nach der Laube, wo ein junges, liebliches Mädchen saß, das beim Nahen der Geschwister von der Bank aufsprang.

Hier, Fräulein Leonore Frank, meine Braut," stellte Waldemar wor.

Röschen war sprachlos. Sie vergaß sogar auch den üblichen Glückwunsch, und der Bruder weidete fich an dem Staunen, das fich so deut­lich aus dem Gefichte der Schwester malte.

Deine Deine Braut, sagst Du, da­von wußte ich ja gar nichts", kam es endlich zögernd von ihren Lippen.

,Ja, ich bin gekommen, Dir selbst die Mit- theilung von dem, was ich hoffe, glücklichen Umschwung meiner Derhältniffe- zu machen," begann der junge Mann, nachdem alle Platz genommen.

Aber lieber Waldemar," unterbrach ihn Röschen,Du bist doch noch viel zu jung zum Verloben, Du ein armer, fast mittelloser Student, wie konntest Du nur"

Der Bruder fiel ihr in die Rede:Das ist's ja eben, waS ich erzählen wollte, laß mich doch endlich zu Worte kommen, Du kleine Moralpredigerin."

Krause britische Unterthanen wären. Die vor­liegenden Akten aber rechtfertigen in keiner Weise die Behauptung, daß der Neutralitätseid gebrochen ist.

In Wirklichkeit ist Herr Broeksma erschaffen worden aus demselben Grunde, weswegen wahr­scheinlich auch Herr Dr. Krause erschossen werden wird, der dem Parlamentsmitgliede Markharn seine Unterstützung geliehen hat in seinem Prozeß gegen Beit. Das hat die ganze Sippschaft der Afrikaner natürlich höchlichst in Angst gesetzt und erregt. Man kann den eigentlichen Grund dieser Morde noch um einige Jahre zurückver legen. Krause und Broeksma find jene zwei burische Staatsanwälte, welche nach dem Jamesoneinfall die Bande der Verschworenen verfolgt, vor Gericht gebracht und angeklagt haben. Das haben alle jene Herren, Philipps, Jameson, Rhodes, Beit, Eckstein u. s. w., den beiden Staatsanwälten nicht vergessen. Es ist einfach der Umstand, daß diese beiden Staats­anwälte in Ausübung ihres Berufs ihre Pflicht für ihr Vaterland thaten, weshalb sie erschossen werden.

Wie bekannt, endete der Prozeß mit der Verurtheilung des unglücklichen Broeksma zum Tode; die englische Kugel hat ihn schon erreicht. Er starb tapfer wie die anderen, die gleichfalls noch nach Ablegung des .Neutralitätseides" für ihr Vaterland handelten. Die Geschichte wird den treuen Mann, mag er nun schuldig sein oder nicht, bei seinen Landsleuten nicht in Ver­gessenheit gerathen lassen.

Zum Zolltarif-Entwurf.

Erhöh»»« »es Lsebrachozolls. Der Kultur- unb ®etoerbetierein für ben Kreis Siegen hat beschlossen, eine Petition an ben Reichstag zu richten, in welcher er nm Erhöhung bes im neuen Sotttarifenttourf vorgesehenen Zolles auf Quebracho bittet. Es wirb unter Darlegung ber mißlichen Ver­hältnisse, unter benen bie bärtige Haubergswirthschaft leibet, für zweckmäßig erachtet, ben in bem Entwurf vorgesehenen Zoll von 2 Mk. aus 6 Mk. für aus- limbische Gerbstoffe zu erhöhen. Weiter wirb in ber Eingabe um Verzollung ber aus ausländischen Gerb­stoffen gewonnenen Extrakte gebeten, bie je nach ihrem Gerbstoffgehalt versteuert werben sollen.

Das ®etammtf»le8i«Ä der Ceutralftelle für La»dwtrthsch«st in Stuttgart hat fich über ben Zolltarif schlüssig gemacht. Die gesorberten Minimal­sätze für ©etreibe gehen noch über bie Sätze des Zoll­tarif es hinaus. Die Centralstelle stellt ferner einen Minimaltarif, unter ben nicht herunter gegangen werben soll, für alle landwirthschaftlichen Erzeugnisse auf. Die Beschlüsse finb nach bemSchwab. Merkur" nahezu einstimmig gefaßt. Der Beschluß ist um so bemerkenswerther, als es in Württemberg keinen Gr ßgrunbbefitz giebt.

Alsarmer mittelloser Student", wie Du mich nennst,dürfte ich natürlich an keine Ver­lobung denken, und doch liebte ich mein Bräut- chen schon lange, wenn auch heimlich, nicht Lorchen? nickte er lächelnd und zärtlich dem Mädchen an seiner Seite zu.

Also köre weiter," fuhr er dann zu Rös­chen gewendrt fort:Wie Du weißt, ertheilte ich, um meiner allezeit schlecht bestellten Kasse ein wenig aufzu helfen, in meiner freien Zeit noch Privatstunden. Ich hatte mich mit Eifer dem Studium fremder Sprachen gewidmet, so daß ich nach und nach englisch, französisch und spanisch soweit beherrschte, um darin andere unterrichten zu können. Da lernte ich einen jungen Mann Namens Robert Buchholz kennen, der ein großes Material- und Farbwaaren- geschäft besitzt, und seine Maaren vorwiegend nach dem Ausland verschickt. Derselbe nahm bei mir französischen Unterricht, und wir wurden Freunde. Unser Verhältnis gestaltete sich immer inniger und herzlicher, Robert lud mich oft zu einem Glase Wein ein, was ich dankend an- nahm, weil ich selbst mir ein solchesBene nicht leisten konnte."

Da mein Freund stets mit Arbeiten über­häuft ist, so übernahm ich zuweilen die aus­wärtige Korrespondenz, um ihn ein wenig zu entlasten. Robert hatte fich nun so an mich gewöhnt, daß er mir vor einiger Zeit anbot, ganz und gar in sein Geschäft einzutreten, und mich zu bestimmen suchte, meine Studien auf­zugeben. Ich trug natürlich Bedenken, und die Sache schien nach und nach wieder in Dergefsen- heit gerathen zu sein. Ich sprach nicht mehr darüber, bis heute vor acht Tagen. Da eröffnete

Deutsches Reich

Berlir», 10 Oktbr

Wie bie Abendblätter melden, feien bei der einftünbigen Aubienz bes Oberbürgermeisters Kirschner unb Stabtbaurathes Hoffman» beim Kaiser in Hubertusstock bie Fragen betreffenb bie Linbenüberführung, ben Märchenbrunnen unb bie Um­gestaltung ber Linben zur Sprache gekommen. Be­züglich ber Linbenüberführung habe ber Kaiser ix erster Linie auf bie Gefahren hingewiefen, welche ent­stehen, wenn man bie »elektrischen Wagen durch den gerade Unter den Linden stark fluthenden Menschen­verkehr gehen lasse, zumal an schönen Sommertagen und Sonntagen würde das Leben und die Gesundheit der Passanten bedroht werden Der Kaiser habe die Empfindung gehabt, daß er gleichsam für He en dieser Stelle entstehenden Unglücksfälle mit bie Verantwort­ung zu tragen habe. Die Beseitigung ber Schwierig- leiten erblicke ber Kaiser in ber Anbringung einer Brücke; es sei nicht richtig, baß die U Verführung ben Wünschen bes Kaisers früher entsprochen hätte.

Von ber 14. Generalversammlung bes Evangelischen Bunbes in Breslau wirl» gentelbet: Im Namen des Evangelischen Bunbes bec Stabt Breslau begrüßte Justizrath Geißler (Breslau) bie Versammlung. Die Rede schloß mit einem Kaiser- hoch unb mit Absendung des schon erwähnten Tele­gramms Pastor Scheffen - Danzig sprach über Ge - fährdnng unb Fortschritt bes beutschen Protestantismus in ben Ostmarken. In ben Ostmarken haben fich bie Katholiken in bebeutenb erheblicherem Maße vermehrt, als bie Evangelischen. In Schlesien habe fich bie Zahl ber Evangelischen von 1861 bis 1895 um 300000, bie ber Katholiken um 710000 ver­mehrt. AllerbingS sei zu berücksichtigen, baß die polnischen Katholiken fest zusammenhalten und ber Wandertrieb ber Deutschen gerabe viel Evangelische in überseeische Gebiete führe. Nöthig sei aber bie Entfaltung eines lebendigen evangelischen Christen- thums. Der Rebner tadelte, daß es in großen Diaspora-Gemeinden an den nöthigeu evangelischen Geistlichen, Lehrern, aber auch an evangelischen Kirchen unb Schulen fehle. Danach sprach Pfarrer Arenfelb (Godesberg a. Rh.) über die evangelisatorische Auf­gabe ber Diaspora-Anstalten. Divisionspfarrer Büttel (Schleswig) über bie Protestationskirche in Speier. Mit bem gemeinsamen Gesang:Ach komm', wie zu ber Väter Zeit" schloß bie Begrüßungsfeier gegen 10'M Uhr Abends.

Der baierifche Landtag hat, wie wir schon erwähnten, sofort nach seinem Zusammentritt, über ben Zolltarif entwurf verhanbelt. Be- merkenswerth an ben Verhandlungen war, daß sie eine gründliche Widerlegung der freihändlerifchen Behauptung brachten, wonach ber kleinere Grunb- befitz an ben erhöhten Schutzzöllen kein Interesse haben soll. Die sämmtlichen Vertreter lanbwirthfchaftlicher Interessen traten einmüthig für eine Erhöhung ein, was ja allerdings nur die verbohrtesten Freihändler überraschen kann. Zum Ueberfluß wurde die Regier­ung sogar angegriffen daß sie bei ihren Bestrebungen in dieser Richtung noch lange nicht weit genug gehe. Damit wird man freilich nicht ganz einverstanden fein können, hat doch die Regierung erklärt nicht nur für bie im neuen Tarif bereits enthaltenen Erhöhungen eintreteu zu wollen, fonbern barüber hinaus für solche Artikel Erhöhungen beantragen zu wollen, bei denen

mit Robert, daß er entschloffen sei, mich zu seinem Kompagnon und Geschäftstheilhaber zu machen, sofern ich nur wollte. Daß ich mich nun nicht mehr lange besonnen habe, ist klar. Das großmüthige Anerbieten wurde mit Freuden angenommen, und ein paar Flaschen Sekt zur Feier des Tages geleert. Es ist aller notariell geregelt, fünfzig Prozent des Reingewinnes fließen in meine Tasche, ich führe alle schrift­lichen Arbeiten, Robert besorgt die Einkäufe, und gedenkt das Geschäft dadurch noch viel weiter auszudehnen. In ein paar Jahren hofft er die Einkünfte auf daS Doppelte des jetzigen Standes gebracht zu haben, weil gerade die­jenigen auswärttgen Staaten, mit denen er wegen seiner Unkenntnis der Sprache bis jetzt nicht in geschäftliche Beziehungen treten konnte, ein großes Absatzgebiet bilden werden. Na, Schwesterchen, was sagst Du dazu?"

Daß wir ein Paar ausgemachte Glücks­kinder find, Waldemar!" rief Röschen, die mit freudigem Staunen dem Bericht des Bruders gelauscht hatte.Daß ich mich sehr freue, brauche ich Dir ja Wohl nicht erst zu versichern."

Nein, das ist auf Deinem lachenden Gesicht deutlich genug ausgedrückt."

Natürlich," fuhr Waldemar nach kurzer Panse fort,giebt es nun wieder sehr viele, die mir mein Glück nicht gönnen, und die doch selbst mit beiden Händen zu greifen würden, so­bald fich ihnen etwas Aehnliches böte; diese so­genannten guten Freunde liethen mir dringend ab, auf Roberts Vorschläge einzugehen, sie miß­trauen ihm und dichten ihm allerlei Falschheiten und Hinterlistigkeiten an, die Robert nach