i
und Kirchhain.
M
«MiMMT Mt 3* • Wa
lL-itch «urci en Werklagen nach Sonn- uns Feiertag«
•ee*teg#6tilage: Illustriere» SouutagStlatt.
*«-» «k »»rla, Iah. ggg. «,ch, Uuiv«rsttät»-Buch»r»ckir«
VSrrbvT«. Markt 91, — Tel «ton M
36 Jahrg.
Bestellungen
für das vierte Quartal auf die
^0der-eff1sche Zeit««-" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Morst 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Der Nutzen landwirthschastlicher Minimalzölle für die Industrie.
c. Die „ Confer v. Korrespondenz", das osficielle Organ der conservativen Partei bringt in der Frage der landwirthschaftlichen Minimalzölle einen Artikel der um deswillen besonders interessant ist, weil er die voraussichtliche Stellungnahme der conservativen Partei in dieser Frage zeigt. In dem Artikel heißt es:
Während die Diskussion über die im neuen Zolltarifgesetzentwurf vorgeschlagenen Zollsätze in Bezug auf deren Höhe in den letzten Wochen an Lebhaftigkeit verloren hat, steht jetzt die Frage der landwirthschaftlichen Minimalzölle im Mittelpunkte der Erörterungen und des Jnteresies. Es hat sich inzwischen herausgestellt, daß die gesamwte landwirthschaftliche Jntereffen-Vertretung, soweit dieselbe irgend zur Zolltariffrage das Wort genommen hat, die Festlegung von Minimalzöllen für die Haupt- getreidearten nach wie vor für nothwendig hält. Die führenden conservativen Blätter haben ohne Ausnahme diesen Standpunkt getheilt. Man wird daher die Festlegung dieser Minimalzölle als eine conditio sine qua non für das Zustandekommen des neuen Zolltarifgesetzes ansehen muffen, da dasselbe ohne Zustimmung der Rechten und des die Jntereffen der Landwirthschaft berücksichtigenden Eentrums nicht zu stände kommen kann. Man wird dieser Ueberzeugung um so mehr sein müssen, da auch ein großer Theil der Industrie an seiner Zustimmung zu landwirthschaftlichen Minimalzöllen festhält. So hat die Vertretung der Industrie des Saargebietes dieser Zustimmung noch' kürzlich Ausdruck gegeben.
Der Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hat erklärt, daß gegen Mindestsätze für Getreide grundsätzlich nicht Einwand
25. INachdruck verboten.!
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Was für Kämpfe mochte das schöne Weib durchgemacht haben, ehe es den Sprung in die kühle Fluth wagte.
Fort, fort--von hier, wo die herrschende
dumpfe Luft einem fast den Athem benahm!
Etwas hastig dankte Röschen dem finster vor sich Hinblickenden Mann und eilte leichtfüßig die Treppe hinab, über den Hof und die Brücke hinaus in den grünen, duftenden Wald. Eine wonnige Lust herrschte da, das Gewitter war im Abzug, ferner und ferner hallte der Donner und alles schien wie neu belebt.
Es rauschte in den Sträuchern, in den Kronen der Bäume, überall im Wald ertönte ein Klingen und Singen aus Hunderten von kleinen Vogelkehlen.
Als Roste nach Hause kam, war alles in begreiflicher Angst und Unruhe ihretwegen. Der Förster, den das Gewitter früher heim- getrieben, hatte zuerst an der Bank, dem gewöhnlichen Treffpunkt, vergebens nach ihr gesucht, kein Mensch hatte eine Ahnung gehabt, wo das Mädchen sich während des heftigen Unwetters aufgehalten.
Die Försterin lief dem geliebten Kinde wie närrisch entgegen, fie geberdete sich, als wäre „ihr Töchterchen" in Todesgefahr gewesen.
Röschens lebhafte Schilderung von dem romantischen Schlößchen erregte natürlich das Interesse aller. Selbst Kathi stand vor der
erhoben werden könne, da erfahrungsgemäß Mindestsätze kein Hinderniß für den Abschluß von Handelsverträgen seien. Im wesentlichen ist es nur die niederrheinisch - westfälische Industrie, die inzwischen von der ursprünglichen Stellungnahme führender Vertreter derselben zu den Minimalzöllen abgewichen ist. Mit der Stellungnahme gegen die landwirlhschafrlichen Minimalzölle handelt fie aber gegen die eigenen Interessen.
Es ist in diesen Blättern schon einmal betont worden, daß im Grunde genommen die Aufstellung landwirthschastlicher Minimalzölle eine Konzession der Landwirthschaft an die Jntereffen der Industrie bedeutet. Die Vertreter landwirthschastlicher Jntereffen erklären durch ihre Zustimmung zu landwirthschaftlichen Minimalzöllen, daß fie bereit find, im Interesse der Industrie und des Großhandels von den an sich gerechtfertigten landwirthschaftlichen Zollsätzen des Generaltarifs, sich Absetzungen in Handelsverträgen gefallen zu lassen. Sie bieten damit solche Absetzungen an als Kompensations- Opfer, um Handelsverträge im Interesse der Industrie und des Großhandels zu Wege bringen zu helfen. Herr Graf v. Kanitz und andere haben diesen Standpunkt seit langem betont. Ein großer Theil der Industrie, wie die Industrie des Saar-Gebietes, erkennt ihn an und macht ihn sich zu eigen.
Die Vertreter landwirthschastlicher Jntereffen haben der Industrie angeboten, auch Minimalzöllen für industrielle Produkte zuzustimmen. Die Vertreter der Industrie sind auf dieses Angebot bisher nicht eingegangen, weil ein Theil von ihnen die industriellen Sätze des Zolltarifs in Handelsverträgen überhaupt nicht wesentlich herabgesetzt wissen will, weil viele Industrielle als Kompensations-Objekte bei Handelsvertrags- Verhandlungen überhaupt nur Herabsetzungen von landwirthschaftlichen oder Konfumzöllen verwendet sehen wollen.
Die Vertreter landwirthschastlicher Interessen gehen soweit, auch diesem industriellen Standpunkt ihre Zustimmung zu geben, fie wollen dann aber wenigstens über das Maß der Opfer, welche fie der Industrie und dem Großhandel bringen, die Gewißheit haben, welche allein die Festlegung von Minimalzöllen bieten kann. Dieses billige Verlangen hat, wie der Zolltarif-Gesetzentwurf zeigt, die Zustimmung der Reichsregierung; nach dem bisherigen Stande der Dinge darf man annehmen, daß auch die Mehrheit des Reichstages ihm zustimmt.
Was will und was kann nun die Mehrheit des industriellen Centralverbandes damit er-
Thür, legte das Ohr an das Schlüsselloch und lauschte gespannt den Worten der Erzählerin drinnen. Etwas enttäuscht ging fie wieder an ihre Arbeit.
„Schade ist's eigentlich," murmelte fie dabei, „es ging ja gar kein Gespenst um da drunten. Wenn dem vorwitzigen, neugierigen Ding eins begegnet wäre, den Schreck Hütt' ich ihr wohl vergönnt. Was muß es die Nase in alles stecken, 's wär' ihr gerade recht geschehen."
VIII.
In voller Pracht und Klarheit zog der Pfingstsonntag herauf, majestätisch erhob sich die Sonne, und beschien die blühende, duftende, herrliche Welt. —
Gar weihevoll war es Röschen zu Muthe, als fie jetzt, im weißen, mit Stickereien und rosa Schleifen verzierten Kleid, den Strohhut mit einem Kranz zierlicher, künstlicher Apfel- blüthen auf dem braunen, welligen Haar, durch den Wald dahin schritt.
Es war derselbe Wald, den fie fast täglich durchwanderte, und doch erschien er ihr heute so feierlich, als hätte auch er ein Pfingstkleid angezogen, um sich zu dem lieblichen Feste zu schmücken. Die Blätter schimmerten so frisch und grün, selbst die Vögel schienen heute anders zu fingen, viel lustiger als sonst. Der Ton einer fernen Glocke zitterte durch die sonnige Luft, und erhöhte noch die Feierlichkeit dieses herrlichen Morgens.
An Rofis Seite ging der Förster, ebenfalls im Sonntagsstaat; den grünen Jägerhut trug er in der Hand, um die reine, köstliche Luft
reichen, wenn fie gegen die Minimalzölle für die Hauptgetreidearten Stellung nimmt ?
Die Versammlung des Centralverbandes hat die im Tarifgesetzentwurf aufgestellten Zollsätze für Getreide sowohl in den General Sätzen, wie in den Minimalsätzen ihrer Höhe nach durchaus gebilligt. Die niederrheinisch - westfälischen Industriellen haben in ihrer Sitzung vom 25. v. Mts. sogar ausgesprochen, daß der Zusammenhang zwischen Getreidepreise und Höhe der Löhne, wie die Erfahrung der letzten 25 Jahre beweise, keine irgendwie ins Gewicht fallende Bedeutung habe. Sie find der Meinung, daß die vorgeschlagenen Minimalzölle für Getreidezölle in Handelsverträgen volle Berücksichtigung finden können und dennoch find sie gegen die Festlegung der Minimalzölle, weil dieselbe „geeignet erscheine, den Abschluß von Handelsverträgen ernstlich zu gefährden".
Wenn es den Führern der Mehrheft des Centralverbandes deutscher Industrieller gelänge, von der großen Mehrheit des Reichstages, die generell für den neuen Zolltarif- Gesetzentwurf vorhanden ist,' einen solchen Bruchtheil abzusplittern, daß die Minimal-Zölle für Getreide fielen, so wäre in demselben Augenblick die Mehrheit für den Gesetzentwurf überhaupt zerstört. Diejenigen Parteien, welche die Erhaltung der Landwirthschaft im nationalen Interesse für unerläßlich erachten, werden nicht geneigt sein darauf zu warten, daß bei neuen Handelsverträgen der Versuch gemacht würde, die Kosten derselben die Landwirthschaft allein und über das Maß hinaus tragen zu lassen.
Der Centralverband deutscher Industrieller würde sich mit seiner Stellungnahme gegen die Minimalzölle in fein eigenes Fleifch schneiden, falls er einen erfolgreichen Versuch machte, einen ausreichenden Bruchtheil bei Reichstagsmehrheit in dem Sinne zu beeinflussen. Die Folgen wären unabsehbar und würden sich zweifellos auch in Preußen in einer Weife bemerkbar machen, die diese Gegner der Minimalzölle zu einem: „wehe, wir haben gesiegt" brächte.
Darin liegt ein Widerspruch, der durchaus dazu angethan ist, die Vertreter landwirthsckaft- licher Interessen auf der Forderung der Festlegung beharren zu machen.
Entweder halten die Industriellen die ungefähre Höhe der geforderten Minimalzölle auf jeden Fall für nothwendig, dann müssen fie ihrer Feststellung zustimmen können — wie es ein Theil der Industrie auch gethan — oder aber fie find bereit, folcheSätze in Handelsverträgen unterschreiten zu lassen. Dann muß die Land- wirthfchaft aber schon jetzt an den Sätzen festhalten.
um die Stirne spielen zu lassen. Kein Mensch war ftoher, als er, daß endlich die angebrochenen Festtage der Scheuerei und Putzerei zu Hause ein Ende machten.
Die ganze Woche hatte das gedauert, und ihn ost genug fast zur Verzweiflung gebracht, so daß er, kaum nach Hause gekommen, sofort wieder nach dem Hute griff und dem recht un= gemüthlichen Heim den Rücken kehrte.
Kein Wunder auch! Der Scheuerbesen ging durch alle Zimmer: er verschonte nicht das kleinste Winkelchen, so daß fast alles aus dem gewohnten Geleise kam, bis endlich am Pfingst- sonnabend die alte Ordnung und Gemüthlichkeft wieder hergestellt war.
Das ganze Haus, vorn Dachboden bis zum Keller blinkte jetzt in Sauberkeit wie ein Schmuckkästchen, mit feinen blendend weißen, frisch gewaschenen Vorhängen, und den blitzenden Fensterscheiben.
Zufrieden mit ihrem Werk durchwanderte Frau Therese noch einmal alle die traulichen Gemächer. Im Garten schnitt fie dann große Büschel blühenden Flieders ab, dessen Dust sich mit dem des eben aus dem Ofen kommenden Pfingstkuchens vermischte. Der Flur war mit reinem, weißen Sand bestreut worden, und vor der Thür hatte man ein paar Maienbäume aufgepflanzt.
Rofi hatte tüchtig mitgeholfen, alles festlich zu schmücken, dafür wurde fie heute morgen von der treu sorgenden Försterin mit dem neuen Staat beschenkt, der ganz heimlich nach einem alten Kleide angefertigt worden war, und zu des Mädchens großem Zchbel wie angegossen paßte. Mit Freudenthränen fiel Röschen denn
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die Handelskammer in Mülheim a. Rhein hat sich gegen die Einführung eines Maximal- und Minimaltarifs ausgesprochen. Dabei erkennt die Kammer ausdrücklich das Bedürfniß eines ausreichenden Zollschutzes für die landwirthfchaft- lichen Produkte an und hofft, daß es sich ermöglichen laffe, ihn in der durch den Minimaltarif vorgesehenen Höhe zu erlangen.
Der Schntzverein mecklenburgischer Landlente hielt in Plau «Mecklenburg-Schwerin) eine Versammlung ab, in der eine Resolution gegen jede staatliche Förderung der „gemeinschädlichen kurzsichtigen De. strebungen des Bundes der Landwirthe' angenommen wurde. Die Resolution drückt die Erwartung aus, daß der Bundesrath, sowie der Reichstag im Interesse der Landwirthschaft den Zolltarifentwurf entschieden ablehnen werden. — Von dem Schutzverein hat man bisher noch nichts gehört. Man wird sich die Leutchen, die dort sich zusammengefunden haben, etwas näher ansehen müssen, ehe man den Werth der obigen Resolution beurtheilen kann.
Deutsches Reich
®erlitt, 7. Oktbr
— Aus das Huldigungstelegramm an den Kaiser wurde der 54. Hauptversammlung des Evange» lisch en Vereins der Gustav . Adolf. Stiftung der „Köln. Ztg.' zufolge nachstehende Antwort zu Theil: „Der Kaiser und König haben den theilnahmsvollen Huldigungsgruß der Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav- Adolf. Stiftung gern entgegengenommen. Majestät lasien vielmals danken und geben der Hauptversammlung Allerhöchstihr fortgesetztes Interesse an der segensreichen Arbeit der Gustav - Adolf - Stiftung zu erkennen. Auf allerhöchsten Befehl: Geheimer Kabinets- rath 'v. Lucanus.'
— Die Verwaltung der Stolper Kornfilos hatte dem Königl. Proviantamt in Stolp «Pommern,' Hafer angeboten; nach der Probe wurde die Qualität vom Proviantamt als „nicht magazin- fähig' bezeichnet und der Ankauf des Hafers abgelehnt. Die Getreidefirma Max Gottschalk und Cohn hat nun denselben Hafer nach wenigen Tagen direkt vom Kornlagerhaus an das Proviantamt geliefert, und der Hafer ist anstandslos abgenommen worden. Die Kornhausverwaltung hat beschlossen, eine Beschwerde an das Kriegsministerium zu richten und Genossen- schastsverbands - Direktor von Brockhausen von der Angelegenheit zu unterrichten, damit dieser sie im Abgeordnetenhause zur Sprache bringe.
— Der 5. christlich-soziale Parteitag wird am 5. und 6. November in Barmen im evangelischen Vereinshause abgehalten. Aus dem Programm entnehmen wir: Am 5. November Abends öffentliche Volksversammlung in Elberfeld, wobei Hofprediger Stöcker, Pastor Behrens, Pastor Fritsche, letzterer über die Alkoholfrage, sprechen werden. Am Mittwoch, den 6. November, Vortrag vom Geh. Regierungsrath Professor Dr. Adolf Wagner: „Ist gemäßigte Schutzzollpolitik mit sozialer Fürsorge vereinbar?' Ferner Vortrag von Hofprediger Stöcker: „Freiheit der Kirche und Selbstständigkeit der ®e-
auch ber glücklich lächelnden Tante Therese und bern vergnügt schmunzelnden Onkel um den Hals und die beiden Alten blickten mit berechtigtem Stolze auf das wunderliebliche Kind.
„Bin ich's denn, — bin ich's denn wirklich ?" jubelte das Mädchen, vor dem Spiegel immer wieder den Hut aufprobierend, so daß fast die Zeit zum Kirchgänge dabei versäumt wurde.
Gern wäre heute auch Frau Therese mitgegangen, allein das nächste Kirchdorf lag über eine Stunde weit entfernt, man brauchte also den ganzen Vormittag, bis man wieder nach Hause kam, und der Festbraten durste doch ebenfalls nicht vernachlässigt werden. So entschloß fie sich, zu Haufe zu bleiben.
Als Röschen mit ihrem Begleiter durch das Dorf dem Gotteshause zuschritt, erregten die beiden das Aufsehen der ländlichen Bewohner. Frauen und Mädchen, nicht selten einige junge, stramme Bauernburschen, blickten dem schönen Paare, das nach allen Seiten freundlich grüßend seinen Weg verfolgte, mit unverholener Bewunderung nach.
Nach beendigtem Gottesdienst ging es wieder durch die vor der Kirche versammelte, geputzte Menge, die das schöoe Mädchen neugierig an- starrte, als sähe sie dieses heute zum ersten Male, und doch war Röschen schon oft hier gewesen, sodaß man fie sehr wohl kannte.
Unter lebhaftem Geplauder wurde der Heimweg zurückgelegt. Die Sonne brannte jetzt heiß hernieder, die blauen Glockenblumen zu beiden Seiten detz Weges sensten wie müde die zarten Köpfchen, selbst das Jubilieren der Vögel war verstummt.
Fortsetzung folgt.