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Marburg

Mittwoch, 2. Oktober 1901

Erfchetm täglich «uj« an Werktagen nach Sonn- uno Fererkazen eeetaelietleee: Jllustrirte» Sauutagdblatt.

NriL 13> B«rU|: J»h. Sng. Loch, UniversitätS'Bnchdrncker» Marbarg, Markt 91. Televbon ss

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Zweites Blatt

Natron-Llthion-Quelle

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General-Vertreter: Juet. Wilh. Berd.ua, Marburg.

Max Brunn Nachfolger

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FUSSBODEN-QELLACK.

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Maematogen- N ÄHR-KAKAO

Heffen-Nasiau und Nachbargebiete

Heiligeustadt, 30. Sept. Eine furchtbare Feuersbrunst hat (wie wir schon in unserem Telegramm gemeldet haben. D. R.) gestern unsere Stadt heimgesucht und über zahlreiche Familien unsägliches Elend gebracht. Gegen 312 Ahr Nachmittags sah man aus einem Strohschuppen eines Oekonomiegebäudes in der oberen Wilhelmstraße Rauch aufsteigen. Eine halbe Stunde darauf brannten schon mehrere mit Erntevorräthen vollgefüllte Scheunen lichter­loh. Alle Bemühungen der Feuerwehren waren erst vergebens. Das Element fand so reich liche Nahrung, daß bald ein riesiger Komplex von Gebäuden aller Art einem einzigen Flammen stoße glich. Es war ein Schauspiel von schauriger Schönheit. Die ganze obere Wilhelmstraße stand in Gefahr. Bisher sind abgebrannt etwa fünfzehn Gebäulichkeiten, und zwar die Scheunen mit allen Nebengebäuden, Stallungen, Werkstätten rc. von Finkelmeher, Anhalt, Fromm, Fütterer, Proske, Herwig und Bischof. Die Wohnhäuser find ganz oder theil- weise niedergebrannt. Weitere Gebäude sind stark beschädigt. ES ist das sog.Oeconomie- viertel" an der Hauptstraße, das den Flammen zum Opfer gefallen ist. Ein abgebranntes Haus bot Wohnungen für 15 arme Familien, denen alles verbrannt ist, selbst die Betten. Da die armen Leute nichts versichert haben, ist die Noth sehr groß.

Breidenstei« bei Biedenkopf, 29. Sept. Der hiesige Kriegerverein feierte heute, vom herrlichsten Wetter begünstigt, sein erstes Stift­ungsfest verbunden mit Fahnenweihe. Der Einladung des Vereins waren fünf auswärtige Kriegervereine gefolgt. Präcis um % 2 Uhr bewegte sich der stattliche Festzug nach der Kirche, wo Herr Pfarrer Ohly die Weihe der Fahne vornahm. Sodann enthüllte Herr Landrath von Heimburg-Biedenkopf die prächtige Fahne und überreichte sie unter einer kurzen Ansprache dem Vorsitzenden des Vereins. Das zum Schluß seiner Ansprache ausgebrachte Hoch galt Sr. Majestät unserem Kaiser. Hiermit war dieser feierliche Att erledigt. Der Festzug bewegte sich alsdann über die beiden Höfe durch die Straßen des Städtchens nach dem Festplatze, wo sich alsbald ein munteres Treiben entwickelte, welches bis in die frühen Morgenstunden dauerte. DaS schöne Fest verlief ohne jeden Mißton und wird wohl jedem Theilnehmer in angenehmster Erinnerung bleiben.

Weilb«r-, 29. Sept. Die hiesige Kand- wirthschastsschule feierte vorgestern und gestern die Feier ihres 25jährigen Bestehens. Zur Vorbereitung der Feier hatte sich ein Komitee aus der Mitte des Magistrats, des Stadtver­ordneten- und Anstaltlehrerkollegiums gebildet, welches Einladungsschreiben an sämmtliche Schüler der Anstalt, sowie hiesige Bürger er­gehen ließ. Viele waren au8 weiter Ferne

ALL6. DEUTSCHE FRADA-CESELLSCHAFT Karlsruhe, Baden.

Briefkasten der Redaktion.

Lchweiusberg. Wir haben bereits vorige Woche einen anderen Herrn mit der Berichterstattung beauftragt. Besten Dank.

Vermischtes

Die hebevde «rast Hix Pilze» ist nach einem Bericht deSPharmaceutical Journal" in der englischen Stadt Hampstead in wunderbarer Weise zur Erscheinung gekommen. ES zeigte sich nämlich an drei verschiedenen Stellen daS Asphaltpflaster auf einer Fläche von einem Ouadratfuß emporgehoben. Die Arbeiter, die

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bekannten Leipziger Philologen. Er erzählt darin in einem Briefe an Adolf Ha»srath vom Jahre 1894, daß der Hofprediger Fromme! dem Kaiser bei der Tafel folgendes Rätsel aufge­geben habe:Wer ist der beste Seelsorger in Preußen?" Miquelweil er die Menschen vor Selbstüberschätzung bewahrt."

Aus Rah «uv Feru. Bei der Preisver- theilung der Potsdamer Obstausstellung wurde dem Landwirthschastsminister v. Podbiblski für seine ObstanlagenVictorsdöhe" die große goldene Medaille zuerkannt. Die Leiche des vor 3 Wochen bei Heringsdorf ertrunkenen Verlegers Otto Brigl ist jetzt auf der dänischen Insel Moen gelandet worden. Die Recognoscirung der Leiche ist durch die Herings­dorfer Kurkarte bewirkt worden, die der Verunglückte bei sich trug. In seinen Taschen wurden 500 Mark gesunden.

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eines Morgens darauf aufmerksam wurden, ent­deckten an diesen Stellen unter dem Pflaster einen üppigen Pilzrasen, deffen Wachsthum zweifellos das Pflaster aus den Fugen gehoben hatte. Die Straße war auf einigen alten Fel­dern angelegt, auf denen früher Püze im lieber fluffe wuchsen. Einer der Arbeiter sammelte die Pilze, die einen so wunderbaren Beweis von herkulischer Kraft geliefert hatten, und kochte sich davon sein Frühstück. (?)

Ei« fetter viffe«. Von einem Mißgeschick, das des tragikomischen Beigeschmacks nicht ent­behrt tourte derDanz. Ztg." zu Folge ein Landmann auS dem Allensteiner Kreise betroffen. Er hatte für ein Pferd 1000 Mark gelöst und dafür einen Tausendmarkschein erhalten. Zu Hause zeigte er dem Hausgefinnde, das noch nie einenSchein" gesehen hatte, die Reichs­banknote. Plötzlich ließ einer der Knechte, die gerade bei Tische saßen, den Schein aus Ver­sehen in die dampfende Fleischbrühe fallen, zog ihn aber schnell heraus und schwenkte ihn in der Lust. Ein großer Hund, der alle Beweg­ungen des Knechtes beoachtet hatte, schnappt zu und verschlang zum Entsetzen des Besitzers den fetten Biffen".

Die HeirathsLusfichtr« in «nsere« Vaterland. Wo die günstigsten Heirathsaussichten für Mäd­chen in unserem Vaterlande sind, darüber giebt die Statistik nach den letztenDolkszählungen genaue Auskunft. In Ostpreußen sind die Aussichten am allerungünstigten, denn dort zählte man 106 bis 110,5 heiratsfähige Mädchen auf 100 heiratsfähige Männer. Sechs bis zehn Mädchen von Hundert also sind, ganz abge­sehen von der freiwilligen Ehelosigkeit so vieler hartgesottener Hagestolze, dort von vorn­herein nicht in der Lage, Freud und Leid deS Ehelebens kennen zu lernen. Wenn auf diese statistische Thatsache hin etwa eine ober die andere Ostpreußin den Plan faffen sollte, in einen anderen Gau auszuwandern, so würde vor den Provinzen Posen und Schlesien sowie vor Württemberg zu warnen fein, denn dort find die Zahlenverhältniffe fast genau dieselben wie in Ostpreußen. Bessere Aussichten aber winken schon in Westpreußen. Denn in dieser, wie auch in Brandenburg, in Mecklenburg, in der Provinz Sachsen, ferner in Heffen, in Baden und in der Pfalz kommen nur 100 bis 103,8 heiratsfähige Mädchen auf hundert Männer. Am günstigsten liegen die HeirathS Chancen in West­falen dann auch in Hanover, in den Rhein­landen, im Elsaß und in Schleswig. In diesen Provinzen, besonders aber in Westfalen, herrscht sogar das umgekehrte Verhältniß, d. h. es sind mehr heirathsfähige Männer vorhanden als heirathsfähige Mädchen, und zwar deren 95,7 bis höchstens 100 auf 100 Männer. In allen übrigen Provinzen herrscht das Verhältniß von 104,1 bis 106 Mädchen zu 100 Männer. Im Uebrigen werden alle Heirathskandidatinnen gut thun sich auch in den begünstigt er en Provinzen nicht auf die Statistik allein zu verlassen.

Eine smusante Miqml-Anekdote, die jetzt be­sonders inteiefftren wird, findet sich in den soeben erschienen Briefen Otto Ribbecks, des

herbeigeeilt, um den Ehrentag der Anstalt mitverherrlichen zu helfen. Morgens fand die Abiturientenprüfung statt, welche für sämmtliche Prüflinge ein positives Resultat ergab. Mit Einbruch der Dunkelheit ging der programm- mäßige Fack.lzug seitens der jubilierenden Stu­ft alt von statten. Auf dem Marktplatz ange­langt, führten die Zöglinge einen prächtigen Fackelreigen unter Leitung des Herrn Lehrers Petry auf, der großen Beifall fand. Nach Beendigung des Reigens pasfirte der Fackelzug die Hauptstraßen der Stadt. Später fanden sich die Festgäste mit den Bürgern der Stadt in demSaalbau Maus" zu einem solennen Festkommers zusammen. Offiziell er­öffnet wurde derselbe durch die Ausbringung des Kaisertoastes seitens des Herrn Landrathes Lex und geleitet durch Herrn Oberlehrer Frehbe. Weitere Toaste wurden ausgebracht von Herrn Direktor Matzet auf die beiden mitwirkenden VereineMusikverein" undLiederkranz", von Herrn Oberst Winterberger auf Herrn Direktor Matzet und einem früheren Schüler auf das Lehrerkollegium. Die beiden mitwirkenden Ver­eine trugen durch ihre Musik bezw. Gesangs Piecen wesentlich zur Erhöhung der Unterhaltung und Fidelitas bei.

Gieße», 1. Oktbr. Der Aufmerksamkeit des Maschinenführers ist es zu verdanken, .haft vorgestern Morgen auf der Strecke Gießen- Fulda ein Eisenbahnunfall verhütet wurde. Während der um 8 Uhr hier abgehende Zug nach Fulda sich zwischen Ehringshausen und Zell-Romrod befand, bemerkte der Maschinen­führer, daß auf den Schienen eine schwere Eisenbahnschwelle lag. Der Zug hielt infolge­dessen so lange auf freiem Felde, bis die Schwelle, die anscheinend sogar auf den Schienen befestigt, entfernt war.

Friedberg, 28. Septbr. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern auf der Eisen- unb Manganerz - Gewerkschaft in Oberrosbach. In einen unter Wasser stehenden Schacht wurde ein Taucher hinadgelafsen. Als er sich außer­gewöhnlich lange in der liefe aufhielt, ohne ein Zeichen zu geben, daß er wieder an daS Tageslicht befördert werden wollte, versuchte man ihn in die Höhe zu ziehen. Als man eine Zeit lang gezogen hatte, gewahrte man zum größten Schrecken, daß bas Seil geriffen war; benn man brachte nur einen Theil bavon und ebenso nur einen Theil des Luftschlauches an die Oberfläche. Der Unglückliche hat in der Tiefe ein schreckliches Ende gesunden. Es wurden sofort Versuche zur Bergung der Leiche unter­nommen, die aber bis jetzt noch keinen Erfolg hatten.

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Mode-Bericht Winter 1901/02. Die be­kannte Seidenfabrik G. Henneberg in Zürich schreibt uns: Die rauschenden Taffetseiden find noch immer nicht verdrängt worden durch weichere Gewebe; fie find von Paris und London wieder viel bestellt wor- den in schwarz, weiß, einfarbig, Changeant /Schiller) und namentlich in den wundervollen Chameleon- Effekten. Die für das vergangene Frühjahr aufge» nommenen Chine-Seiden find auch für die kommende Winter- und Frühjahrs-Saison wieder im Vorder- gründ in vielseitigsten Farben- und Muster-Sorii- menten, sowohl Kettendruck als auch auf Foulards und Japan-Seiden! Ajour-Seidenstoffe find eben­falls fehr gefragt fie sollen nächstes Frühjahr eine große Rolle spielen; eignen fich auch vorzüglich für Blousen! Gestreifte Seiden find mehr bestellt wor­den als karrierte, in letzteren namentlich die beliebten Schotten". Für große Toiletten find Brokate und Damaste in Cbameleon und stark gerippten Fonds beliebt, sowie bte immer höchst distinguierten Satins Duchesse und Moire Renaissance. Bevorzugte Farben find: grau, violett, fraise, braun, electric und berge von den hellsten bis dunkelsten Farbentönen.________

Verantwortlich für die Redaktion: Hans Hupfer in Marburg.

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