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Rb"“** Sonnabend 28. September 1901." ^^ek^si8-^S?8'^bnrf,re ^rß 36
In einigen Tagen
ist das dritte Quartal dieses Jahres zu Ende. Mit ihm läuft das Abonnement auf die „Oderhessische Zeitung" ab. Wir dürfen uns daher wohl an «ufere Leser mit der Bitte wenden, so bald als möglich, die Bestell«»- z« etnenent, damit in dem keiterbezug der gewohnten Lektüre keine Unterbrech««- entsteht. Die Vierteljahrswende bietet uns aber nicht nur Anlaß zu der Bitte an alle unsere Leser, uns auch künfttghin ihr Wohlwollen zu erhalten, sondern auch zu dem Ersuchen, unser, Blatt in ihren Bekanntenkreisen zu empfehlen und »ns dadurch in dem Bestreben zu unterstützen, unsere Zeitung mehr und mehr auszubaurn.
Im neuen Vierteljahr, das uns die Eröffnung der Parlamente bringt, wird für jeden die Nothwendigkeit schärfer hervortreten lassen sich aus «wer -«t ««terrichtete» und schnell bedie«tr«Zeitung zu orientiren. Die bewährten Verbindungen der »vderhessische« Zeit««-" bürgen dasür, daß sie diesen Anforderungen entspricht und rasch und zuverlässig ihre Leser auf dem Laufenden erhalten wird.
Rach wie vor werden wir auch dem letale» und provinzielle« Theile volle Aufmerksamkeit und besondere Pstege schenken; wir werden bestrebt sein, den Kreis unserer Mitarbeiter mehr und mehr zu erweitern und bitten unsere Freunde, «ns in diesen Bestrebungen zu unterstützen. Anerbietungen nach dieser Richtung hin sind uns stets an. - e n e h m.
Redaktion und Verlag der .Oberhessifchen Zeitung'.
Völkerrecht und Recht des Stärkeren.
Als vor vier Jahren Griechenland seinen kecken Vorstoß gegen Kreta unternahm, wetterten die Offiziösen aller Großstaaten über diesen frechen Bruch des Völkerrechts. Die vereinten Bemühungen der Großmächte aber vermochten doch nicht den Krieg zu verhindern, deffen Endeffekt war, daß der Friedensstörer zwar schmählich geschlagen wurde, aber schließlich doch, wenn auch aus Umwegen und in anderer Form, zur Herrschaft über Kreta gelangte. So nahm sich der Triumph des Völkerrechts etwas eigenartig aus.
Ein Beweis für den mehr als zweifelhaften Werth des Völkerrechts findet sich in den beiden nachstehenden Notizen, die an einem und demselben Tage durch die Zeitungen gingen. Die erste Notiz besagt, daß ein franzöfisches KriegS-
17. sNachdruck verboten.;
Das Glückskia».
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Trotzdem er sich sagen mußte, daß die üblen Nachreden gerechtfertigt erschienen, war eS ihm doch fast unmöglich, dieselben anzuhören. Er wußte, seine Mutter meinte es gut mit ihm, und dennoch kam sie ihm so grausam vor, — so hart.
.Ich weiß nicht, waS ich darum gäbe, wenn die Sache nicht wahr wäre,' flüsterte er vor sich hin, und laut setzte er hinzu: „Ich habe eben kein Glück in der Welt. Wer kein Geld hat, der ist nichts und wird nie etwas sein."
„Stur Geduld, mein Junge, es wird schou noch kommen! Du bist ja noch jung, bei Dir fängt das Leben erst recht an, faffe wieder neuen Mut, Hermann! Wer wird denn auch gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn es anders geht, als man denkt."
„Es wird schon noch kommen, daS sagst Du nun schon seit einem Vierteljahr und noch immer zeigt sich nichts. Wo ist es denn, — wo? Selten, daß fich ein Patient zu mir verirrt. Die Leute haben kein Zutrauen, weil ich, wie Du eben sagtest, noch zu jung bin. Lieber Gott, muß man denn um jeden Preis erst alt werden, um glückliche Kuren ausführen zu können? Bis dahin find wir längst verhungert. Zu all dem Unangenehmen kommt nun auch daS noch mit dem Mädchen, — es ist zum Verzweifeln !"
schiff sich zwischen zwei kolumbische und venezolanische Kanonenboote legte und diese so am Kampfe verhinderte. In der zweiten Notiz findet sich in dem Trinkspruche des französischen Präsidenten die Wendung, daß daS französisch-russische Bündniß die Jntereflen der Welt versöhne und im voraus für die Lösungen gewonnen gewesen sei, die von der Gerechtig feit und Menschlichkeit eingegeben waren.
Columbien und Venezuela find zwar kleine und elend verwaltete, aber unzweifelhaft selbstständige Staaten. Als solche haben fie das unzweifelhafte Recht, gegen Jedermann Krieg zu führen, ebenso wie Frankreich 1870 daS Recht hatte, gegen Deutschland, und Rußland im Jahre 1877 gegen die Türkei Krieg zu fuhren. Wenn nun diese Staaten gegeneinander kämpfen, so haben natürlich auch ihre Kriegsschiffe daS Recht, gegeneinander loszugehen — außer in neutralen Häfen, was aber hier offenbar nicht der Fall war. Wenn also das französische Kriegsschiff den Kamps verhinderte, so war das unzweifelhaft völkerrechtswidrig, wenn eS auch gewiß dem im selben Momente vom Präsidenten Loubet verkündeten Grundsätze der Menschlichkeit entsprach.
Aber, so wird man vielleicht fragen, wenn das französisch - russische Bündniß wirklich daS erhabene Ziel hat, die Interessen der Welt zu versöhnen, wenn es wirklich die Lösungen anstrebt, die von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit Angegeben find, warum versöhnt es dann nicht oder warum versucht es wenigstens nicht zu versöhnen die Interessengegensätze zwischen England und den Burenstaaten, warum führt es hier nicht die Lösung herbei, die von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingegeben ist, nämlich die Beendigung des ungerechten und unmenschlichen Krieges? Die Antwort findet man vielleicht in den Worten, mit denen der russische Kaiser den Trinkspruch Loubets erwiderte: „Die Vereinigung der beiden großen Mächte, die . . . nicht die Rechte der Anderen irgendwie zu beeinträchtigen suchen." Wenn auch England den Krieg unzweifelhaft in völkerrechtswidrigen Formen führt, so hatte es doch ebenso unzweifelhaft an sich das Recht, mit den Burenstaaten wie mit jedem anderen Staate Krieg zu führen, und der Zweibund ist so zartfühlend, daß er dieses Recht des Anderen, nämlich Englands, nicht „irgendwie zu beeinträchtigen" sucht.
Wir sehen also, wie in dem einen Falle ein Mitglied des Zweibunds durch sein Kriegsschiff in der denkbar schroffsten Form und gegen das Völkerrecht fich in den Krieg zweier Staaten
„Beruhige Dich doch endlich," flehte die Mutter.
„Ja, beruhigen, — wir haben Schulden und keine Einnahme. Die ganze neue Einrichtung ist noch nicht bezahlt; eines Tages werden die Leute kommen und ihre Sachen wieder abholen, da fie von dem windigen Doktor kein Geld bekommen können, — und dabei soll ich mich beruhigen."
Er lachte laut und schrill auf, fe daß die Mutter ihn erschrocken betrachtete.
„Du bist offenbar in überreizter Stimmung, ich laste Dich jetzt allein, so kannst Du am ersten das Gleichgewicht der Seele wiederfinden.
An das, was ihr zumeist am Herzen lag, wagte fie nicht mehr zu rühren, aus Furcht, den Sohn noch mehr zu erregen.
Hermann griff mechanisch nach Tinte und Feder, um an Röschen zu schreiben, allein seine Gedanken wollten nicht Stand halten.
Wohl zehnmal hatte er schon angefangen, aber immer zerriß er den Bogen Papier, der vor ihm lag. Endlich warf er die Feder fort, sprang auf und wanderte in dem großen, gut möblierten Zimmer hin und her.
Die Mutter brachte das Abendesten, das fie stets selbst bereitete, da das junge Dienstmädchen nicht kochen konnte, — er beachtete es gar nicht. So setzte er fich allein zu Tische, aber eS wollte mit dem Essen nicht gehen.
Herrmann starrte gar trübselig vor fich hin.
kr .that ihr so leid, der gute Junge.
Sein Leben war ein fast ununterbrochener Kampf um's Dasein, wann würde daS wohl einmal ein Ende haben?
einmischt, wir sehen in dem anderen Falle, wie das Völkerrecht gegenüber England so sorgfältig gewahrt wird, daß man vor der Einmischung selbst in der zarten und schmerzlosen Form der „vertraulichen Vorstellung" zurückschreckt; ja, wenn England sogar im Laufe des Krieges das Völkerrecht mit Füßen tritt, weiß der Zweibund nichts von den „von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingegebenen" Lösungen.
Also Phrasen, nichts als Phrasen. Zwei schwachen Staaten gegenüber, die sich von dem mächtigen Frankreich alles gefallen lasten müssen, vertritt man die Interessen der Versöhnung und Menschlichkett — es ist ja so billig; dem starken England gegenüber aber steckt man diese Begriffe in die Tasche. Und doch find beide Fälle keine Gegensätze; im Gegentheil, fie beruhen auf derselben Grundlage: auf dem Rechte des Stärkeren. In dem einen Falle macht Frankreich von diesem Rechte Gebrauch, in dem anderen respektirt es der Zweibund, wenn England den Burenstaaten gegenüber fich auf das Recht des Stärkeren stützt.
Es ist wie eine stille Verabredung, als ob der eine Großstaat zum anderen sagte: Ich störe Dich nicht, wenn Du vom Rechte des Stärkeren Gebrauch machst, aber ich rechne darauf, daß auch Du mir nicht in die Quere kommst, wenn ich dastelbe thue. Wir wollen nur nach Möglichkeit vermeiden, mit einander so umzuspringen, wie wir es mit Venezuela oder Columbien oder Transvaal thun, nicht aus gegenseitiger Zuneigung oder allgemeiner Friedensliebe, sondern weil wir nicht genau ab- taxiren können, wer von uns das Recht des Stärkeren aus seiner Seite haben würde. 68 ist traurig, daß dem so ist, denn es zeigt, daß die Menschheit in Jahrtausenden den höchsten Idealen noch nicht um Zollesbreite näher gerückt ist; noch trauriger aber ist es, wenn man sich und den Anderen diesen Zustand nicht etwa ehrlich eingesteht, sondern wenn man vielmehr selbst den Kopf in den Sand steckt und Anderen den Kopf mit haltlosen Phrasen zu umnebeln sucht, wie Herr Loubet. Aber Herr Loubet hat vielleicht selbst an die Wahrheit seiner Phrasen geglaubt — und das ist daS traurigste.
Umschau.
Amerika und die deutsche Schifffahrt.
Jsmah, der Besitzer der „White Star"-Linie, einer der größten englischen transatlantischen Dampfer - Gesellschaften, hat dieselbe an den Morgan-Trust verkauft, so daß derselbe jetzt, nachdem er im Frühjahr die „Leyland"- und
Er hatte nie des Lebens überschäumende Lust gekostet, immer war er vertröstet worden auf später, und mit fast übermenschlichem Eifer war er bestrebt gewesen, möglichst schnell ans Ziel zu gelangen und selbstständig zu werden. Und nun, da er erreicht, was er gewollt, was bot fich ihm nun ? Neue Sorgen, neue Leiden, — so bitter ist des Menschen Los auf Erden.
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Niel heiterer, als fie gegangen, kam Röschen beim. Die Segenswünsche der alten Marthe, die fich beim Anblick ihres warmen Bettes vor Freude gar nicht zu taffen vermocht hatte, klangen noch in den Ohren des Mädchens nach, es fühlte noch den innigen, dankbaren Händedruck der armen Kranken.
Eine gute That vollbracht zu haben, ist immer em wonniges Gefühl, das den Geber mehr erfreut, als irgend etwas in der Welt.
Es gewährt dem Herzen volle Befriedigung und Ruhe.
So erging es auch Röschen. Ein Schimmer mnerer Zufriedenheit lag auf dem liebreizenden Gesicht, die Wangen waren leicht geröthet, um den kleinen Mund lag ein Lächeln.
Sie nahm fich vor, heute Abend doch noch an Herman zu schreiben, und ihn zu bitten, hm und wieder nach ihrem Schützling zu sehen.
Aber schon, nachdem kaum die ersten Worte geschrieben waren, sank der Kopf schwer auf die Hände, eine furchtbare Müdigkeit, verursacht durch die vorangegangene, schlaflos verbrachte Nacht, überkam das junge Mädchen, das unfähig war, sich länger aufrecht zu halten.
die sogenannte „American-Linie" erworben einen bedeutenden Theil des englisch amerikanischen Seeverkehrs „kontrolirt". Man sieht, es ist Methode in dem Vorgehen des „weltberühmten" I. Pierpoint-Morgan und seiner Freunde und fie verdient beachtet zu werden.
Merkwürdig ist dabei nur daS Verhallen der Engländer, deren bisherige handelspolitische Ueberlegenheit großentheils darauf beruht, daß sie mehr Seeschiffe besitzen, als alle übrigen Nationen zusammengenommen. Dieses Vor- theil beginnen sie sich nun in steigendem Motze zu entäußern. In den letzten zwei Jahren find etwa y, Dz. englischer Dampferlinien in fremde Hände übergegangen — theils, wie wir gesehen, in amerikanische, theils aber auch in deutsche.
Dieser letzte Umstand könnte beruhigend wirken, wenn nicht gleichzeitig gewisse Anzeichen dafür zu sprechen schienen, daß der Morgan- Trust fein Augenmerk, wenn gleich in sehr vorsichtiger Form, auch auf die deutschen transatlantischen Linien zu richten beginnt. Ein Berliner Börsenblatt erwähnt neulich, daß 1000 Aktien der Hamburg-Amerika Linie nach New Park verkauft worden seien, was fich immerhin als ein, wenn auch nur kleiner Anfang zur Verwirklichung des eben genannten Zieles auf« fassen ließe. Jedenfalls wird man gut thun, die Augen offen zu halten, und sich nicht zu sicher daraus zu verlassen, daß im Geschäfts- leben die s. g. „idealen Gesichtspunkte" über die der lockenden „Baarzahlung" unter allen Umständen den Sieg davontragen.
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die Handelskammer i« Wetzlar hat sich gegen bte Festlegung von Mindestzöllen für Getreide aus- gesprochen. Sie erklärt sich aber mtt der allgemein en Tendenz d e 8 Entwurfes einver standen.
Die hiefi-e Handelskammer Trier erklärt, daß sie gegen eine mäßige, dem Bedürfniffe der Land- wirthfchaft angepaßte Erhöhung der Zölle für land- wuthfchastliche Erzeugniffe nichts einzuwenden hat. Wünschenswert erscheint indeffen der Kammer, daß eine Erhöhung der Zölle auf Gerste, Malz und Hopfen nicht Eintritt, da der unverteuerte Bezug dieser Artikel aus dem Auslande im Jntereffe eines wichtigen Ge- Werbetriebes, des Braugewerbes, nicht entbehrt werden kann, sodaß für diese Artikel ein niederer Zollsatz be- gründet erscheint. Dagegen spricht sich die Kammer entschieden gegen die gesetzliche Festlegung von Mindest- Zollsätzen für Getreide aus.
Die Handelskammer in Hirfchber«, Leipzig nnfc Iserlohn haben sich gegen die Erhöhung der Getteidezölle erklärt.
Unsere Exporttndnstrie. In einem Berichte deS Kaiserttchen Vize-Konsulats in Noworossijsk über den Zen entabsatz nach dem Süden Rußlands heißt eS: .Einem für Deutschland wichtigen Ausfuhrartikel, dem Zement, dürste der Absatz im Süden Rußlands
Der Schlaf zwang fie, den Brief noch einmal um einen Tag zu verschieben.
Als Rofie am anderen Morgen erwachte, — es war schon ganz hell, und fie fühlte sich wie neugeboren, — da lag ein weißes Kouvert auf ihrer Bettdecke.
„Großer Gott, von ihm," entfuhr es den blaffen Lippen. „Wie kann er nur so unvorsichtig sein!"
„Wer mag den Brief hierhergelegt haben? Böhler nicht, denn der pflegt gewöhnlich viel länger zu schlafen. Vielleicht, — ja, jedenfalls die Riecke, die gute treue Seele.'
Beruhigt atmete Röschen auf, da hatte eS keine Gefahr, die verriet nichts.
Sinnend betrachtete das Mädchen eine Weile die Aufschrift, ehe es das Kouvert erbrach. Doch schon, nachdem es die ersten Worte gelesen, begannen die Finger zu zittern, baS Lächeln verschwand aus dem bleich und bleicher werdenden Gesicht, die Augen starrten auf daS Blatt in ihrer Hand, allmählich begannen die Buchstaben einen wilden Reigen, alles drehte fich im Kreise, ein Schwindel erfaßte sie, und mit lautem Aufschrei sank Röschen in die Kissen zurück.
Regungslos, mit geschlossenen Augen, lag fie eine Weile, und vermochte kaum zu fassen, was doch so klar und deutlich auf dem Weißen Papier stand.
Fortsetzung folgt.