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Donnerstag 26 September 1901*”6 “* *^,t,Iba?fle V- iS^ät8’iM'brx<fK* db*
In einigen Tagen
tp das dritte Quartal dieses Jahres zu Ende. Mit ihm läuft das Abonnement auf die „Oberheffische zeituug" ab. Wir dürfen uns daher wohl an «nfere Leser mit der Bitte wenden, so bald als möglich, die StfteBttttg ja erneuern, damit in dem Weiterbezug der gewohnten Lektüre keine Unterbrechung entsteht. Die Vierteljahrswende bietet uns aber nicht nur Anlaß zu der Bitte an alle unsere Leser, uns auch künftighin ihr Wohlwollen zu erhalten, sondern auch zu dem Ersuchen, unser Blatt in ihren Bekanntenkreisen zu empfehlen und «ns dadurch in dem Bestreben zu unterstützen, unsere Zeitung mehr und mehr auszubauen.
Im neuen Vierteljahr, das uns die Eröffnung der Parlamente bringt, wird für jeden die Rothwendigkeit fchärfer heraortreten lassen sich aus einer gut unterrichteten und schnell bedientenZeitung zu orienttren. Die bewährten Verbindungen der ^Oberhrsstschen Zeitung" bürgen dafür, daß sie diesen Anforderungen entspricht und rasch und zu- verlässig ihre Leser auf dem Laufenden erhalten wird.
Nach wie vor werden wir auch dem lokale« und Provinziellen Theile volle Aufmerksamkeit und besondere Pflege schenken; wir werden bestrebt sein, den Kreis unserer Mitarbeiter mehr und mehr zu erweitern und bitten unsere Freunde, uns in diesen Bestrebungen zu unterstützen. Anerbietungen nach dieser Richtung hin sind uns stets angenehm.
Redaktion und Verlag der .Oberhessischen Zeitung..
Der Friede.
In den letztverfloflenen Tagen hat die Welt Friedenskundgebungen so prägnanter Art und von solchen Stellen vernommen, wie selten zuvor. Kaiser Wilhelm, Kaiser Nikolaus und auch der Präsident Loubet haben, jeder für sich, die feste Absicht zu erkennen gegeben, an der Erhaltung des Friedens in Europa auch fernerhin mitzuwirken und Kaiser Wilhelm konnte noch einen Schritt weitergehen, indem er direkte Mittheilung machte, daß seine Aussprache mit dem Zaren eine erneute Festigung des Friedens zur Folge habe.
Es steht außer Frage, daß, wenn die Häupter der drei mächtigsten Nationen des europäischen Kontinents sich gewissermaßen für die Erhaltung des Friedens verpflichten, die Völker die größtmögliche Gewähr dafür haben, daß hinter diesem Willen auf Erhaltung des Friedens auch die
15 (Nachdruck verboten.)
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Mit tiefen Bücklingen geleitete Böhler seinen Gast bis an die Thür, und als er sich allein sah, machte er erst der auf ihn einstürmenden Wut Luft, indem er lebhaft im Zimmer hin- und herrannte, dabei heftig mit den Armen gestikulierend.
„So eine niederträchtige Kreatur, na warte, ich will Dir Liebesbriefe schreiben, Du,--
Du — —"
Er konnte in seinem Zorn gar keinen paffenden Schimpfnamen finden.
Kurze Zeit darauf sah man ihn, zum Aussehen gerüstet, das Hau8 verlassen'
V.
Die Dämmerung des kurzen Wintertages war eben angebrochen, als Röschen, die sehr zum Aufbruche gedrängt hatte, mit Tante Aurelia heimkehrte.
Sie schmeichelte und bat so lange, bis diese die Erlaubnis gab, noch rasch den Gang zur alten Marthe und von da in8 Leihhaus mache« ju dürfen.
„Aber Du mußt Dich beeilen, Rofi, daß Du, bevor der Onkel zurückkehrt, wieder da bist; Du weißt, er würde sonst schelten/ rief Tante Aurelia der Hinauseilenden nach.
„In einer halben Stunde bin ich wieder da, Tantchen, — und dann schläft Marthe heute nacht in ihrem Belt, ich kann es kaum erwarten, bis ich e8 ihr zurückgebracht habe; ihre Kinder sollen mitgehen, und es tragen."
Macht dazu vorhanden ist. Wir wollen ganz abskhen von allen den Hintergedanken, welche bei den französischen Friedensversicherungen eine große Rolle spielen, sondern nur das verzeichnen, was in Wirklichkeit gesprochen worden ist. Was der Frieden für Europa bedeutet, bedarf kaum einer besonderen Auseinandersetzung. Die ruhige Entwicklung des gewerblichen Lebens ist ja in unmittelbarer Weise abhängig von dem Flieden nach Außen. Und an dieser Entwicklung find alle Kulturnationen in gleicher Weise interessirt. Je weiter die Kultur unter den Segnungen des Friedens forlschreitet, desto größer werden die Ansprüche des Einzelnen als Milträger und Mittheilhaber dieser Kultur gegenüber dem großen Ganzen und desto gewaltiger und auch kostspieliger gestalten sich die Verpflichtungen und Ansprüche, welche das große Ganze gegenüber dem Einzelnen hat.
Der friedliche Wettkampf der Nationen ist ,es, welcher heute die eigentliche Machlsrage internationaler Art zur Entscheidung bringt. Der wirthschaftliche Gesichtspunkt, welcher die innere Politik der Staaten beherrscht, ist auch der Leitfaden ihrer auswärtigen Politik. Und mit diesen wirthschaftlichen Interessen ist das Interesse an der Erhaltung des Friedens eng verknüpft. Die deutsche Industrie, die deutsche Landwirthschast, der Handel und das Kleingewerbe, sie alle haben augenblicklich schwierige Zeiten zu überwinden. Die Krisis, unter welcher die deutsche Landwirthschast seit mehr als einem Jahrzehnt zu leiden hat, ist nicht auf sie allein beschränkt geblieben, sondern sie ist auch über die Industrie und das Kleingewerbe hereinge- brochen.
Das deutsche Erwerbsleben hat schon schwere Zeiten durchgemacht und auch größere Krisen dank seiner Zähigkeit, Ausdauer und Intelligenz überwunden, und es wird sicherlich auch diesmal in absehbarer Zeit der Krisen Herr werden. Wenn dies geschieht, so wird nicht zum Wenigsten die Sicherheit dazu beitragen, welche die Friedenskundgebungen der letzten Zeit allen Erwerbsständen verleihen muffen. Daß Kaiser Wilhelm II. ein Friedensfürst ist, hat er vom Tage seiner Thronbesteigung an nicht nur,'in Worten, sondern auch in vielen Thaten erwiesen. Daß die Häupter unserer mächtigen Nachbarnationen so eklatant das Friedensbedürsniß und die Friedensverficherungen betonen, ist nur ein Beweis dasür, welchen Einfluß Kaiser Wilhelm und Deutschland nach dieser Richtung hin geübt haben und in unverminderter Stärte noch fort üben. G.
Aus der Küche trat Röschen die treue Magd entgegen, und flüsterte ihr heimlich zu: „Wollen Sie nicht etwas gute Suppe für Ihre Kranke mitnehmen, Fräulein? Sie ist eben fertig, und sehr kräftig und wohlschmeckend, es ist meine eigene, ich koche mir schnell eine andere."
„O, wie gern, Riecke," jubelte Röschen. „Ach wird Marthe sich freuen, Du solltest nur sehen, wie dankbar die für alles ist, was man ihr thut; die Thränen laufen ihr jedesmal über die runzelichen Backen, wenn ich komme."
Während das Mädchen heiter plauderte, hatte Rieke einen tiefen Topf mit dampfender Suppe gefüllt und in ein Körbchen gestellt, mit welchem Röschen sich eilig entfernte.
Das Häuschen der alten Marthe war bald erreicht.
Hier herrschte allerdings traurige, nackte Armuth und Dürftigkeit. Das Stübchen war dunkel und kalt, die Kinder hockten zusammengekauert und vor Hunger weinend, in einer Ecke. Als Röschen eintrat, konnte sie sich kaum zurechtfinden, und rief einem etwa zehnjährigen Mädchen zu: „Gretel mach schnell, warum zündest Du denn kein Licht an?"
„Wir haben keinS im Hause, Fräulein," entgegnete die Angerufene weinerlich.
„So lauf, da hast Du Geld und hole welches. Nachher, wenn Du dimmst, giebts Suppe, hörst Du, heiße, gute Suppe, die wird Dir aber schmecken, mein Gretelchen.
Das Mädchen ließ einen Jubellaut hören, und eilte, so rasch es die viel zu großen Socken gestatteten, davon, um in kurzer Zeit mit einem Talglicht zu erscheinen.
Umschau
Industrielle Ueberproduktion in Mexiko.
Mexiko ist bekanntlich der einzige unter allen Staaten Mittel- und Südamerikas, der sich unter der vortrefflichen Leitung seines Präsidenten Diaz seit längeren Jahren einer oeordneten und ruhigen Entwickelung erfreut. Infolgedessen hatte sich der Wohlstand des Landes gehoben, den Banken flössen reiche Geldmittel zu und diese glaubte man nicht vortheil- hafter als zur industiellen Entwickelung des Landes anlegen zu können. In den verschiedensten Landestheilen, besonders aber an der Ostküste und dem Hochplateau des Binnenlandes wurden Fabriken über Fabriken erbaut. In erster Reihe handelte es sich dabei um solche der Baumwoll Texilbranche, aber auch Möbelfabriken und mit den modernsten Maschinen ausgerüstete Großgerbereien wurden gegründet.
In letzter Zeit beginnt es nun schon klar zu werden, daß man in diesem Gründung! eifer etwas zu schnell vorgegangen ist. Namentlich in der Textilbranche macht sich eine empfindliche Ueberproduktion geltend. Die Läger an Baumwollgeweben in den Fabriken schwellen lawinenartig an und die Textitindustriellen suchen verzweifelt nach neuen Absatzgebieten. Sie haben sich jetzt zusammengethan und Vertreter nach Zentral- und Südamerika geschickt, um ihre Fabrikate dort bekannt zu machen. Die amerikanischen Blätter, denen wir diese Nachricht entnehmen, glauben, daß dieser Schritt für die Mexikaner wahrscheinlich von bestem Erfolg begleitet sein und der nordamerikanischen sowohl wie der europäischen Industrie damit in jenen Ländern vielleicht bald eine empfindliche Konkurrenz erwachsen werde. Dieselbe sei um so ernster zu nehmen, weil an der Qualität der mit Hilfe bester Maschinen hergestellten mexikanischen Fabrikate nichts auszusetzen sein dürfte, während die niedrigen Arbeitslöhne in Mexiko billige Preisstellung ermöglichten.»
So sehen wir immer neue Länder in die Reihe der Industriestaaten und Exporteure von Jndustrieerzeugnissen eintreten. Darin sollte eine ernste Mahnung für uns liegen, die Sicherung der Zukunft Deutschlands nicht durch einseitige Förderung des industriellen Exports nach dem immer heißer umstrittenen Weltmarkt, sondern durch Stärkung der Kaufkraft und Aufnahmefähigkeit des allein sicheren Jnlandsmarktes anstreben zu wollen. bl.
Röschen hatte eben ihre Suppe ausgepackt, und Gretel, sowie deren Schwester legten die feuerrothen, erstarrten Händchen um den noch heißen Topf, um sich zu wärmen. Die Kinder streckten die Näschen vor, und athmeten behaglich den Duft, welcher der Suppe entströmte, sie blinzelten sich veranügt zu, die Freude an dem bevorstehenden Genuß konnte man ihnen von den lächelnden Gesichtern ablesen.
Röschen wandte sich der auf dem ärmlichen Lager ausgestreckt liegenden Kranken zu. Dieselbe war noch nicht so alt, als man nach deren Aussehen schließen mochte.
„Ihr solltet auch etwas genießen, Marthe," bat das junge Mädchen sanft.
Die Angeredete streckte ihrer Wohlthäterin die beiden abgezehrten Hände entgegen, dankbar in Thränen schwimmend, blickten ihre Augen auf das liebliche Mädchen.
„Sie find so engelsgut, Fräulein! Gott lohne Ihnen, was Sie an einer armen Kranken thun," tönte es matt von den blassen Lippen.
„Fräulein, dürsen wir jetzt essen?" fragte Gretel, die ihre Begierde kaum noch bezähmen konnte.
»Ja, ja, Kinder, macht schnell, Ihr müßt nachher noch mit mir gehen."
Im Nu war der Topf geleert, lächelnd hatte bte junge Spenderin zugeschaut, im Stillen bedauernd, daß sie nicht reich genug war, um hier gründlich helfen zu können.
Dann machten sich die drei auf den Weg.
Es war unterdes vollständig dunkel geworden, die Kinder froren in ihren dünnen Kleidchen. ES schneite in großen Flocken, dazu blieS ein eifiger Wind von Norden her, der den Schnee
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die 8eret6«*ge« der Ausschüsse des B»«dc». raths über den Zolltarif werden am 8. Oktober beginnen
O» ?tr , Sauvelskammer i«
Metz hat sich für den Zolltarrfentwurf ausgesprochen. , .Berei« deutscher Gerber'. Freihänd. Icrrfche Blatter agitieren damit, daß der „Verein deutscher Gerber" in seiner letzten Generalversamm- lang „gegen die im neuen Zolltarisentwurs borge- scheue Erhöhung des Zolles auf Sohllederkernstücke von 30 auf 36 Mark" Stellung zu nehmen beschlossen habe. Zunächst muß auffallen, daß ein „Verein deutscher Gerber so wenig bewandert in Zolltarif- fragen ist, daß er die Einführung eines 36 Mark- Zollsatzes für Sohllederkernstücke als eine Erhöhung des gegenwärtigen Satzes ansieht. Der jetzige ZoE taris weist für dieses Leder genau den gleichen Satz auf. Sodann aber wird es eigenthümlich berühren, daß, wahrend die deutsche Lederindustrie durch ihre Vertretung für Sohllederkernstücke ensprechend ihrem Werthe die Erhöhung des jetzigen, für alle Sohlleder gleichmäßigen Satzes auf 40 Mark wünscht, der Verein deutscher Gerber" sogar gegen die Beide- Haltung des letzigen Satzes ankämpft. Das Räthsel wird gelost wenn man sich die Zusammensetzung des Vereins anfieht; nur die kleinere Hälfte der Mit- glieder besteht aus Gerbern, die größere setzt sich aus Lederhandlern, Gerbstoffhändlern, Extraktfabrikanten u. s. w. zusammen. Jetzt veröffentlicht auch der „Centralverein der deutschen Lederindustrie" eine Kundgebung, in welcher er betont, daß sich der „Verein deutscher Gerber" mit den die Interessen der Lederindustrie sördernden Bestrebungen während der letzten Zeit häufiger in Widerspruch gesetzt habe.
Deutsches Reich
Berlin, 25 Septbr
. - Nach der Königsb. Hart. Ztg." beabfichtigt
der Kaiser (Sabinen zu verpachten.
/n»r~rFeber bie, Auszeichnung eines jungen Elsässers gelegentlich der Danziger Kaiser- zusammen tu nft wird der „Straßburger Post' aus Mölsheim geschrieben: „Ein Sohn des hiefigen Stationsassistenten Zink, der als Matrose auf dem Kaiserschiffe „Hohenzollern" dient, Hit gelegentlich der Anwesenheit des russischen Kaisers in Danzig von diesem den Verdienstorden dritter Classe am Bande des Stanislausordens erhalten. Der junge Zink, der pkrsönlichen Dienstleistung beim Zaren auf dem Schiffe bei Tische besohlen war, durste dem Zaren Cigarren reichen, wobei er von diesem gefragt wurde woher er fei. Auf die Anrwort: „Aus dem Elsaß', sagte der Kaiser: „Da find Sie wohl ein Franzose?" Schlagfertig erwiderte Zink: „Nein, Eure Majestät, ick bin ein Deutscher!' „Nun, dann 6Iei6en Sie als Elsässer auch immer ein guter Deutscher!' war die Antwort des Zaren. Hierauf hatten die Matrosen Einzelwettrudern, wobei Zink den ersten Pie s erhielt. Zink wurde nun wieder zum Kaiser Nikolaus befohlen, der ihm mit den Worten. „Das ist ja der gute Deuffche!' den Orden persönlich übergab mit der Ermahnung: .Tragen Sie ihn stets in Ehren!'
durcheinander toirbelte, fo daß man kaum sehen konnte.
Röschen ging eiligen Schrittes dahin, sodaß die Kinder ein Stückchen zurückblieben. Sie kämpften sich mühsam durch den tobenden Sturm.
Einige Straßen waren schon durchwandert, als Röschen plötzlich eine wohlbekannte, geliebte Stimme vernahm. Freudig durchzuckte es ihr Herz, doch die Freude wandelte sich rasch in herben Trotz. Denn nicht liebreich, sondern tabetib klang eS aus Hermann Pächtners Munbe an ihr Ohr:
»Ja, sehe ich denn recht. Du hier? Wa8 machst Du benn zu solcher Stunde und bei diesem Wetter noch auf der Straße? Und ganz allein? Wo willst Du denn hin?"
Er bemerkte die beiden kleinen Mädchen nicht, die inzwischen unbekümmert um Röschens Aufenthalt ihren Weg fortsetzten.
Rofi hörte das Mißtrauen aus jedem seiner Worte, er gab sich auch gar keine Mühe, es zu verbergen. In jähem Schmerz über diese Erkenntnis zog sich ihr Herz zusammen, er — er mißtraute ihr, — ohne Grund, — auf den bloßen Schein hin.
Stolz war ein Hauptzug ihres Charakters. Sie wußte, daß ein Wort von ihr die Sache aufklären mußte, — aber trotzig biß sie die Lippen zusammen, und stand einige Sekunden wortlos vor ihm.
Er deutete ihr Schweigen für Schuldbe- wußtsein, und noch etwas strenger als vorher klangen feine Worte: „Nun, willst Du mir nicht sagen, was Dich um diese Stunde hierher führt, ich habe ein Recht, es zu erfahren."
(Fortsetzung folgt.)