«tt -em Kreisblatt für die Kreise Marvmg und Kirchhain.
M 223
Sv*x<s$r6%rlt»«t fei tot y@?eitt*8 i ML,
M «fet ynfWfeifem 9K. («L fei üfefeK Z» *t b*w Hat» 10 W», Serie*«: fei ZS, » W«.
Marburg
Sonntag 22. September 1901.
Erfifetm täglich eujer an Werktagen nach Sonn- uno Feiertag«.
•e»«t«|0toIege: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
tat «a> Mrlag: Zoh. Ang. Lech, llnbxrfitätS-Bxchdrxckmt
Marbnrg, Markt 21. — Tel «bau 65.
Jahrg. 36.
Eine Rede vom Jahre 1777.
Schon des öfteren wiesen wir auf überraschende Parallelen hin, die sich dem Kenner der amerikanischen Geschichte angesichts des richt endenwollenden Krieges in Südafrika mit jener Zeit ansdrängen, da ähnlich wie heute England den fruchtlosen Unterwerfung s krieg gegen seine nordamerikanischen Kolonieen führte. Trotz aller Mißerfolge redete man hochmüthig nur vom Sieg, der gar nicht ausbleiben könnte, bis zum äußersten Moment, wo der Zusammenbruch unvermeidlich, der Verlust der großen Kolonieen besiegelt war, da endlich wurde man kleinlaut und dem größten Staatsmann Englands seit Oliver Cromwell, dem greisen William Pitt, war es Vorbehalten, seiner Nation über diese tiefe Demüthigung hinwegzuhelfen, die diese große Niederlage für England bedeutete. Es war, wie heute, kurz nach Erlaß einer der Kitchener'schen gleichen Proklamation, als William Pitt (der ältere) folgende bedeutsame Rede im Oberhause hielt:
„Noch gestern", so sprach der Earl of Chatham, .konnte England einer Welt die Stirn bieten, und heut ist keiner so arm, daß er ihm Achtung erwiese! Es ist eine schmachvolle Wahrheit, daß nicht bloß die Macht und Stärke dieses Landes dahinschwindet, sondern daß auch sein wohlverdienter Ruhm, seine wahre Ehre und Würde geopfert werden. Mylords, der verzweifelte Stand unserer Waffen da draußen ist zum Theil bekannt. Niemand denkt höher, als ich über ihre Ehre; ich liebe und bewundere die englischen Truppen, ich kenne ihre Vorzüge und ihre Tapferkeit; ich weiß, sie können alles thun, außer Unmöglichkeiten, und ich weiß, daß die Eroberung von Amerika eine Unmöglichkeit ist. Mylords, Sie können Amerika nicht erobern; wie steht es denn jetzt dort? Wir wissen wahrscheinlich das Schlimmste noch nicht, aber so viel wiffen wir: daß wir in drei Feldzügen nichts erreicht und viel gelitten haben. Unsere Anstrengungen find für immer dazu verdammt, hohl und eitel zu bleiben. Wie kann man unfere Gegner im Felde den feilen Söldlingen den Söhnen des Raubes und der Plünderung überantworten, indem man sie und ihre Habe der Raubgier und Grausamkeit von Mietlingen preis- giebt? Wenn ich ein Amerikaner wäre, wie ich ein Engländer bin, würde ich nie die Waffen niederlegen, nie nie nie!
Und wer, Mylords, ist der Mann, der zur Schändung unseres Heeres es angeordnet oder nur erlaubt hat, daß sich unseren Waffen der Tomahawk und das Skalpmesser der Wilden zugesellt? Wer wagt es unsere Allianz mit den wilden und unmenschlichen Rothhäuten zu verantworten? Wie kann man die Vertheidigung strittiger Rechte den erbarmungslosen Indianern anvertrauen und die Schrecken einer solchen barbarischen Kriegführung gegen unsere christlichen Brüder loslassen? Mylords, diese Ungeheuerlichkeiten schreien nach Abstellung und Strafe. Wenn sie nicht sofort gänzlich aus der Welt geschafft werden, so werden sie ein Schmutzfleck aus unserem nationalen
12 (Nachdruck verboten.)
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Röschens Leben schlich so einförmig, so arm an Liebe dahin, daß ein herzliche- Wort für sie eine wahre Wohlthat bedeutete. Nach und nach verwirrten sich ihre Gedanken, und ein sanfter Schlaf schloß die müden Augen.
Plötzlich ließ sie ein Geräusch, wie von einem umgeworfenen Gegenstand heftig erschrockenauffahrend. Angestrengt, mit verhaltenem Äthern lauschte sie nach dem Wohnzimmer hin. Doch alles blieb still, nichts regte sich mehr.
Schon glaubte Röschen, geträumt zu haben, als ein leise tappender Schritt vernehmbar wurde.
„Großer Gott--was war das?" —
Heftig pochte das Herz in der Brust des armen Mädchens, das nicht wußte, was es beginnen sollte.
Wenn es ein Dieb wäre, der sich ernge- schlichen hatte?
Vielleicht, wenn sie um Hilfe rief, kam rhr Leben in ernstliche Gefahr, und wer sollte wohl auch hören, jetzt, um diese Stunde? Ihr lauschendes Ohr vernahm nun deutlich, wie nebenan ein Fach ihrer Kommode vorsichtig geöffnet wurde.
Also doch ein Dieb,--ein Einbrecher
--( der hier nach Geld oder Echmucksachen suchte. — —
„O Gott, schütze mich," betete sie leise, indes ihr das wertvolle Kästchen einfiel, das dort verborgen war. —
Charakter sein. Es ist nicht das geringste unserer Mißgeschicke, daß die Haltung unseres Heeres durch alles dies verderbt wird. Angesteckt durch den feilen Geist des Raubens und Plünderns, vertraut geworden mit den entsetzlichen Szenen der Grausamkeit von Wilden, kann sich unser Heer nicht länger der männlichen und ritterlichen Grundsätze rühmen, die den Soldaten adeln — oder wäre militärisches Ehrgefühl vereinbar mit Rauben, Brennen und Morden?
Die Amerikaner befinden sich nicht in dem Zustand verächtlicher und verzweifelter Rebellen, wie man diesem Lande vorzutäuschen sucht. Sie find keine wilden, vogelfreien Banditen, die nichts zu verlieren haben. Viele von ihren Führern setzen bei diesem Kamps Großes auf Sp.et. Und wenn ich all dies erwäge, so muß ich die sinnlose Härte unserer Strafandrohungen beklagen, unsere Proklamation, r ie die Gegner als Verräther und Rebellen erklärt, mit all bett verhängnißvollen Folgen, wie Kriegsgericht und Gütereinziehung!
Sie können Amerika durch die bisherigen Maßnahmen nicht beunruhig, sie können es weder durch Ihre gegenwärtigen noch durch irgend welche andere Maßregeln unterwerfen — was also können Sie thun? Sie können Befürchtungen und Bangigkeit nur für den Augenblick einlullen — wo die Sprache der Wahrheit vor allem nötig wäre! In einem gerechten und nothwendigen Kriege würde ich, um die Ehre und das Recht meines Vaterlandes zu Vertheidigen, mir das Hemd vom Leibe ziehen lassen, um ihn zu unterstützen; aber zu einem solchen Kriege wie dieser ungerecht in seiner Grundlage, ungeschickt in seiner Durchführung, und verderblich in feinen Folgen, werde ich auch nicht eine Anstrengung, noch einen einzigen Schilling beitragen!'
Wenn man statt Amerikaner: Buren, statt Rothhäute: Koffern setzt, so können diese Rede am 15. September 1901 gehalten sein!
Umschau.
Der wirthschaftliche Niedergang.
In der „Vossischen Zeitung" ist zu lesen7
„Unter der Fahne der Unterstützung des wirthschastlichen Aufschwunges find den industriellen Werken nicht nur von dem Kapitalisten, sondern auch von der Bankwelt enorme neue Hilfs- mittel bewilligt worden, welche theils zu Erweiterungen, theils zu Neuanlagen Verwendung gefunden haben und vielfach produktiv, häufig genug aber unproduktiv angelegt worden sind. Wir haben oft genug vor der ungestümen Erweiterung der Produktions- fähtgkeit gewarnt, welcher der Verbrauch vielleicht in einem anormalen, aber niemals in Durchschnittsjahren zu folgen vermag. Unsere Warnungen ver- hallten im Winde. Wie es aber zu gehen pflegt, wurde die volle Wucht der so gewaltig verstärkten Produktion erst fühlbar, als mit der Fertigstellung der neuen Anlagen die Ausschwungsperiode bereits vorüber war. Desto empfindlicher tritt nun die Ueber- produktion in Erscheinung. Wir können nicht auf unabsehbare Zeit fortsahren, die Fabrikate, welche der heimische Markt aufzunehmen sich mehr und mehr weigert, mit Verlust an das Ausland zu verschleudern. Die einzige Rettung ist eine sehr en er gische Eins chränkungderProduktion, aber diese macht naturgemäß einen großen Theil des
„Du besitzest nichts mehr, wenn es Dir gestohlen wird."
Diese Worte, die die Mutter kurz vor ihrem Tode gesprochen, fuhren ihr plötzlich durch den Kopf, und mit Aufbietung aller Kraft und Geistesgegenwart, riß sie, bebend am ganzen Körper, das nahe Fenster auf, und rief gellend auf die menschenleere, verödete Straße hinab: „Zu Hilfe, zu Hilfe, Diebe!" — — Doch ungehört verhallte der Ruf in der stillen Nacht.
Gleichzeitig hörte sie jedoch, wie die Thür schallend ins Schloß fiel.
Etwas erleichtert atmete das gequälte Mädchen auf. Unheimliche Stille herrschte jetzt, kein Ton war vernehmbar, der freche Eindringling schien sich entfernt zu haben.
Nur mit Mühe gelang es den zitternden Fingern, Licht zu machen. Sie warf rasch ein paar Kleidungsstücke über, und begab sich nach dem Wohnzimmer. Hier sah es allerdings übel auS. Ein Stuhl lag umgestürzt am Bsden, die Kommode war aufgeriffen, die Schubfächer, in denen, sonst alles zierlich geordnet an seinem Platze lag, befanden sich in furchtbarer Unordnung alles war durchwühlt, ein Theil des Inhalts bedeckte den Boden.
Röschen hielt sich nicht lange auf. Sie eilte zur Thür, und rief, so laut sie konnte, über den Flur, nach Tante Aureliens Zimmer hin, um Hilfe.
Gleichzeitig öffneten sich die zwei, zu den getrennt liegenden Zimmern ihrer Verwandten führenden Thüren.
In der einen erschien Böhler, eine flackernde Kerze hochhaltend, ohne Schuhe, das Haar hing
neu wie auch des früher in industriellen Unternehmungen investierten Kapitals wenigstens zeitweilig unproduktiv.'
Drastischer ist die Thatsache wohl noch nicht festgestellt worden, daß das durch die „Bankwelt" so lebhaft unterstützte Forcieren der Export-Industrie von größtem Nachtheil für unser Wirthschastsleben gewesen ist. „Unter der Fahne der Unterstützung des wirthschastlichen Aufschwunges" schreibt das freihändlerische Blatt und kann damit nur meinen, daß die Erhebung dieser Fahne nicht bloß aus idealen Gründen erfolgt ist, sondern daß man mit ihr eigensüchtige Bestrebungen, namentlich das Speku- lationsbedürsniß an der Börse verdeckt hat. WaS hat nun bei Lichte besehen diejenige Industrie, die durch die Bankwelt zur Ueber- produktion verleitet worden ist, von dem „Aufschwünge" gehabt? Welches ist für sie der Segen hastiger Produktion für den Export ? Bestenfalls hat jene Industrie ohne besonderen Gewinn gearbeitet. Ihr wird wohl allmählich die Einsicht auf- dämmern, daß für sie die Erhaltung oder vielmehr Kräftigung des heimischen Marktes unendlich viel wichtiger ist, als wenn die „Bankwelt" die „Fahne des wirthschastlichen Aufschwunges" erhebt. Eine kaufkräftige heimische Bevölkerung, insonderheit die Landwirthschast, ist für die nationale Industrie werthvoller, als das Forcieren des Exports, für deffen Niedergang es jetzt selbst unter der Herrschaft der bestehenden „segensreichen" Handelsverträge nur die „einzige Rettung" giebt, die Produktion „sehr energisch" einzuschränken. Sollte da nicht so mancher Industrielle an dem „Segen" der Caprivischen Handelsvertragspolitik irte werden?
Amerikanische Handelspolitik.
Seitdem die Frage des Zolltarifs und der Handelsverträge im Vordergründe des öffentlichen Interesses steht, erscheinen in den liberalen Zeitungen hier und da Nachrichten, welche geeignet sind und Wohl auch bezwecken, die Meinung hervorzurufen, als stehe in der Zollpolitik der Vereinigten Staaten eine Abkehr von dem bisherigen System des Hochschutzzolles bevor. Man weist daraus hin, die Ausfuhrthätigkeit der amerikanischen Großgewerbe sei im Laufe des verflossenen Jahrzehntes derart gewachsen, daß die Yankees, um den europäischen Markt nicht zu verlieren, alles vermeiden mußten, was das Ausland zu Gegenmaßregeln gegenüber amerikanischen Ausfuhrwaaren veranlassen könnte. Die Sicherung des ausländischen Marktes sei für die Amerikaner ja auch durch ein vernünftiges System der Gegenseitigkeit leicht
ihm wirr in die Stirn, sein Gesicht war erschreckend bleich.
„Um Gottes Willen, was ist denn vorgefallen, daß Du so schreist, und die Leute aus Dem Schlafe weckst!" rief er unwirsch, ganz gegen seine Gewohnheit, da er sonst immer nur Töne der tiefsten Zärtlichkeit hören ließ.
Statt aller Antwort eilte Röschen auf die noch immer wortlos auf der Schwelle ihres Zimmers stehende Tante zu, klammerte sich angstvoll an diese, indem ein heftiges Schluchzen den zarten Körper erschütterte.
Die ganze ausgestandene Angst überfiiel sie noch einmal mit voller Gewalt. Liebevoll beruhigte Aurelia das aufgeregte Mädchen, doch dauerte es lange, bis dieses erzählen konnte, was vorgefallen.
Man durchsuchte hierauf, mit Hilfe der Dienstboten, da- Haus, fand jedoch nicht eine Spur von dem frechen Eindringling, es schien, als hätte die Erde ihn verschlungen.
Murrend und brummend über die gestörte Nachtruhe, zog sich Böhler aus sein Zimmer zurück, während Röschen, von Tante Aurelia begleitet, die verstreuten Sachen ordnete.
Angstvoll hatte sie nachgeforscht, ob der Dieb etwas erwischt. Doch nichts fehlte, der kleine, filberbeschlagene Kasten stand unversehrt in seinem Versteck, er war offenbar gar nichr berührt worden.
Röschen zitterte noch immer am ganzen Körper, deshalb ließ Aurelia in ihrem eigenen Zimmer ein zweites Bett ausschlagen, und nahm daS geängstigte Mädchen mit sich.
Dankbar schmiegte dieses die weiche, blaffe
zu erreichen. So ungefähr soll der Staatssekretär des Schatzamts, Haye, ix Washington einem Vertreter einer Chicagoer Zeitung gegenüber sich ausgesprochen haben. Eine ähnliche Aeußrrung wurde bald darauf dem jetzt verstorbenen Präsidenten Mac Kinley, dem Urheber der amerikanischen Hocy- schutzzollpolitik, in den Mund gttegt. Das alles find natürlich nur Sirenengesänge, um auf die Zollpolitik der europäischen Staaten, insbesondere Deutschlands, einzuwirken. Man darf dabei aber nicht aus dem Auge verlieren, daß gerade unter der Herrschaft des amerikanischen Hochschutzzolles die Ausfuhr der Vereinigten Staaten einen großartigen Aufschwung genommen hat.
Sehr richtig erinnert die „Köln. Volksztg " daran, daß noch im Jahre 1891 die Gesarnmt- ausfuhr der Vereinigten Staaten nur 884 Millionen Dollar betrug, die Gesammteinfuhr nur 845 Millionen Dollar, so daß sie nahezu das Gleichgewicht sich hielten, aber für das Staatshaushaltshalbjahr 1900 bei einer Ge- sammtausfuhr von 1470 Millionen Dollars und einer Gesammteinfuhr von 825 Millionen Dollar ein Ueberschuß zu Gunsten der Vereinigten Staaten in der Höhe von nicht weniger als 645 Millionen Dollar sich ergab. Was insbesondere Deutschland betrifft, so hat es im Kalenderjahr 1900 nur für 440 Millionen Mk. Maaren nach den Vereinigten Staaten ausgeführt, aber für 1004 Millionen Mk. solche von dort eingeführt. Und angesichts dieser für die amerikanische Volkswirthfchaft so überaus günstigen Ergebnisse will man uns einreden, die Handelspolitik der Yankees werde demnächst in andere Bahnen geleitet werden? Die erwähnten Redensarten der amerikanischen Staatsmänner und ihr Nachdruck in der deutschen Manchesterpteff» haben den Zweck, Deutschland irrezuführen und über die Thatsache hinwegzutäuschen, daß Amerika sich durch sein Schutzzollsystem den auswärtigen Markt nicht verschloffen, sondern eröffnet hat. ***
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die Bergische Haxvelskammer zu Lennep gab in ihrer letzten Sitzung einstimmig folgende Erklärung ab: Die Kammer hält an der schon früher von ihr Seäußetten Ueberzeugung fest, daß eine mäßige Er- öhung der Getr eidezollf ätze sich nur wenig fühlbar machen würde und auch von der industriellen Bevölkerung getragen werden könne. Sie ist aber der Ansicht, daß es sich nicht empfiehlt, die in dem jetzt veröffentlichten Tarifgesetzentwurf für Getreide genannten Sätze als Mindestsätze von vornherein durch Gesetz festzulegen. Es dürste dadurch der Ab-
Wange an das Gesicht der sehr gealtert aussehenden Tante.
„Du kannst immer, oder doch so lange Du willst, in meinem Zimmer schlafen, mein armes, liebes Kind," sagte sie zärtlich den lockigen Scheitel streichelnd, „beruhige Dich nur endlich, und versuche einige Stunden zu schlafen.
Dabei ging sie hinaus, und kehrte gleich darauf mit dem werthvollen Kasten zurück, ihn im untersten, geheimen Fache ihres Schreibtisches bergend.
„Der ist hier sicherer, als bei Dir," meinte sie bann, „nicht viel hätte gefehlt, und er wäre fammt seinem Inhalt für immer verloren, man kann nicht vorsichtig genug sein, — da sucht niemand etwas."
Am nächsten Morgen wurde der Vorfall auf Drängen Aureliens der Polizei angezeigt, doch trotz sorgfältiger Untersuchung fand sich nichts, was irgend einen Anhaltspunkt zur Ermittelung des frechen Einbrechers bot, und da er nichts, rein nichts mitgenommen, ließ man die Sache ruhen.
Es schien, als ob jenes Ereignis eine noch größere Scheidewand zwischen den Böhler'schen Ehegatten errichtet hätte.
Nicht einmal am Mittag speisten sie mehr gemeinschaftlich, und geschah es ja zuweilen, daß sie sich begegneten, so trat regelmäßig ein verächtlicher Ausdruck in das Gesicht Aureliens, die keinen Hehl daraus machte, daß sie ihren Mann richtig verabscheute.
(Fortsetzung folgt.)