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D-mierst-g 19 September 1901.*“4 - 'W8'
Auch eine Stimme der Wiflenschast.
Freisinn und Sozialdemokratie berufen sich in ihrem Kampfe gegen die Errichtung eines wirksamen Zollschutzes für die Landwirthschaft aus Stimmen der Wissenschaft. Konservativ gerichtete Gelehrte, die für die Erhöhung der landwirthschaftlichen Schutzzölle Eintreten und die verhängnißvollen Folgen darlegen, welche ein Ruin unserer Landwirthschaft mit sich führen würde, erkennt die Antikornzollphalanx nicht an. Vielleicht machen einige Aussprüche auf sie einen Eindruck, die einer der ihrigen, nämlich Professor Mommsen, über die Bedeutung der Landwirthschaft für den Nationalstaat gethan hat. Aus der „Römischen Geschichte" (6. Auslage 1874) des genannten freisinnigen Gelehrten entnimmt die „Pommersche Reichkpost" u. a. folgende Sätze:
Band 1, Seite 441:
.In der Dollswirthschast war und blieb der Ackerbau die soziale und politische Grundlage sowohl der römischen Gemeinde als des neuen italienischen Staates. Aus den römischen Bauern bestand die Gemeinde- versammluna und das Heer; was sie als Soldaten mit dem Schwerte gewonnen hatten, sicherten sie als Kolonisten mit dem Pfluge. Die Ueberschuldung des mittleren Grundbesitzes führte die furchtbaren inneren Krisen des dritten und vierten Jahrhunderts herbei, an denen die junge Republik zu Grunde gehen zu muffen fchien; die Wiedererhebung der latinischen Dauernfchast, welche während des fünften Theils durch die massenhasti n Landanweifungen und Inkorporationen, theils durch das Sinken des Zinsfußes und die steigende Volksmenge Roms bewirkt ward, war zugleich Wirkung und Ursache der gewaltigen Macht» entwickelung Roms — Wohl erkannte Pyrrhos scharfer Soldatenblick die Ursache des politischen und militärischen Uebergewichts der Römer in dem blühenden Zustande der römischen Bauerwirthschaften. Aber auch das Auskommen der Großwirthschaft in dem römischen Ackerbau scheint in diese Zeit zu fallen. In der älteren Zeit gab es wohl auch schon einen — wenigstens verhältnismäßig — großen Grundbesitz; aber besten Bewirthschaftung war keine Groß-, sondern nur eine vervielfältigte Klemwirthschast . . .*
Band 1, Seite 834:
.Um die ökonomischen Resultate dieser Boden- wirthschast einigermaßen zu würdigen, find die Preis- verhältniste und namentlich die Kornpreise dieser Zeit S erwägen. Durchschnittlich find dieselben zum'Er- recken gering, und zum guten Theil durch Schuld der römischen Regierung, welche in dieser wichtigen Frage, nicht so sehr durch ihre Kurzsichtigkeit, als durch eine unverzeihliche Begünstigung des hauptstädtischen Proletariats auf Kosten der italienischen Bauernschaft, zu den furchtbarsten Fehlgriffen geführt worden ist. Gs handelt sich vor allem um den Konflikt des überfeeifdjen und des italienischen Korns..." (Mommsen schildert weiter, wie die Regierung ausländisches Korn, das ihr in fast unbegrenzter Masse zu mäßigen Preisen zur Verfügung stand, ins Land einlikß und zu Sätzen abgab, die entweder an sich oder doch verglichen mit dem italienischen, Schleuder»
9 (Nachdruck verboten.)
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Etwas überrascht drehte der junge Arzt den zierlichen Brief hin und her, doch seine Mienen hellten sich keineswegs auf, als er das Couvert öffnend, die Unterschrift „Rosa Mahler" fand.
Für ihn unterlag e8, auch nachdem er den Bries gelesen, keinem Zweifel, daß Röschen nicht kommen wollte, trotzdem sie ihm wiederholt in ihrem Schreiben versicherte, es wäre ihr nicht möglich gewesen, abzukommen, da der Besuch ihres Oheims sie daran verhindert hätte. Der Zusatz, daß eS für den guten Ruf eines jungen Mädchens nicht gerathen wäre, mit einem Manne an drittem Otte zusammenzutreffen, bestärkte ihn nur in seinem Mißtrauen.
„Lächettich, einfach lächerlich!" setzte er sein Selbstgespräch von vorhin fort, „solche Prüderie — als ob ich sie in den Urwald bestellt hätte. Ich finde durchaus nichts Unrechtes dabei, wenn wir unS da oben, wo jeder es sehen kann, begegnen."
Rasch, fast laufend, fetzte der Dottor feinen Weg fort, und befand sich, ehe er selbst es gewollt, nach kaum einer Viertelstunde vor dem Hause, wo Röschen wohnte. Ohne fich zu besinnen, trat er ein, und prallte auf der breiten Treppe, die schon im Dämmerschein des Abends lag, hatt mit dem jungen Mädchen zusammen.
Ihr heißes Erröthen, das ihm so wenig entging, wie daS Aufleuchten der schönen Augen und das süße Lächeln um den kleinen Mund,
preise waren.) .Umsonst eiferte Cato gegen diese kurzsichtige Politik; die beginnende Demagogie mischte sich hinein und diese außerordentlichen, aber vermuth- lich sehr häufigen Austheilungen von Korn unter dem Marktpreis durch die Regierung oder einzelne Beamte find der Keim der späteren Getreidegesetze geworden. Aber auch wenn das überseeische Korn nicht auf diesem außerordentlichen Wege an den Konsumenten gelangte, drückte es auf den italienischen Ackerbau..." «Mommsen giebt als Grund für die vernichtende Konkurrenz des überseeischen Korns die günstigeren Bodenverhältnisse, die niedrigeren Produktionskosten und den billigeren Transport des Kornes an ) .Es mußte also schon im natürlichen Lauf der Dinge das überseeische Korn nach der Halbinsel strömen und das dort erzeugte im Preise herabdrücken. Unter diesen durch die leidige Sklavenwirthschaft unnatürlich verschobenen Verhältnissen wäre es vielleicht gerechtfertigt gewesen, zu Gunsten des italienischen Getreues auf das überfeeische einen Schutzzoll zu legen; aber es scheint vielmehr das Umgekehrte geschehen ... zu sein ... In einem großen Industriestaat, dessen Ackerbau die Bevölkerung nicht zu ernähren vermag, hätte ein solches Ergebniß (das Sinken des Kornpreises weit unter den Produktionspreis) als nützlich oder doch nicht unbedingt als nachtheilig betrachtet werden mögen; ein Land wie Italien, wo die Industrie unbedeutend, die Landwirthschaft durchaus Hauptsache war, ward auf diesem Wege systematisch ruiniert und den Interessen der wesentlich unproduktiven Haupt- städtischen Bevölkerung, der freilich das Brot nicht billig genug werden konnte, das Wohl des Ganzen auf die schmählichste Weife geopfert . . . Jede Regierung, die diefen Namen verdiente, würde von selber eingeschritten sein; aber die Masse des römischen Senats mag in gutem Köhlerglauben in den niedrigen Kornpreisen das wahre Glück tes Volkes gesehen haben..."
Band 1, S. 838:
„Seit der kleine Grundbefitz keinen wesentlichen Reinertrag mehr lieferte, war die Bauernschaft rettungslos verloren, und um so mehr, als allmählich auch aus ihr, wenngleich langsamer als aus den übrigen Ständen, die sittliche Haltung und sparsame Wirth- schast der früheren republikanischen Zeit entwich. Es war nur noch eine Zeitfrage, wie rasch die italischen Bauernhusen durch Ankäufen und Niederlegen in den größeren Grundbesitz aufgehen würden. Eher als der Bauer war der Gutsbesitzer im stände, fich zu be- behaupten . . .'
Band 2, S. 74:
.Es ward schon früher gezeigt, daß in dieser Zeit, welche den Gegensatz zwischen Patrizieren und Plebejern unter veränderten Namen erneuerte, das unverhält- nißmäßig anschwellende Kapital einen zweiten Sturm gegen die bäuerliche Wirthschaft vorbereitet. Zwar der Weg war ein anderer. Ehemals war der kleine Bauer ruiniert worden durch Vorschüsse. die ihn that- sächlich zum Meier seines Gläubigers herabdrückten; jetzt ward er erdrückt durch die Konkurenz des überseeischen und insonderheit des Sklavenkorns."
Die „PommerscheReichspost" bemerkt hierzu: „So urtheilt also der freisinnige Gelehrte und Gerichtsschreiber Mommsen über die Bedeutung der Landwitthschast für den Staat und über die Wirkung der ausländischen Konkurrenz in landwirthschaftlichen Erzeugniffen! Könnte nicht ein später freisinniger Gerichtsschreiber aufstehen
hatte mit einem Schlage alle seine Zweifel besiegt. — Nein, nein, — es war nicht möglich, daß sie, die so hold vor ihm stand, nur ein kokettes Spiel mit ihm zu treiben beabsichtigte, eS konnte, es durste nicht sein.
Ohne noch lange zu überlegen, den günstigen Augenblick benützend, faßte er hastig die Hände deS bebenden Mädchens. „Fräulein Röschen, Sie haben mich heute vergebens Watten laffen, — o wie grausam von Ihnen! Mich verzehtt die Ungeduld, die heiße Sehnsucht, — Ihnen sagen zu dürfen, daß ich — — Sie liebe — —, o verzeihen Sie dem raschen Wott, e8 drängt' sich mir auf die Lippen, — ich, — — ich kann nicht anders."
Fottgeriffen von dem Gefühl, daS übermächtig ihn bewegte, zog er die schlanke, erschauernde Mädchengestalt in seine Arme, und sie schmiegte sich innig an die rasch athmende Brust, erzitternd unter der stürmischen Liebkosung.
Ihre Pulse hämmerten wie im Fieber, und vor ihren Augen drehte fich alles in buntem Reigen.
„Hast Du mich lieb, mein geliebtes Mädchen ?" klang es flüsternd an sein Ohr.
Sie nickte blos, eine nie gekannte Wonne zog durch ihr junges Herz. Welt und Menschen versanken vor ihrem Blick, sie sah nur chn, der sie wieder und wieder in überschwenglicher Zätt- lichkeit an sich preßte.
Endlich riß sie fich los.
„Ich muß fort," sagte fie ängstlich, die Mutter wartet, komm, wir wollen ihr alles anvertrauen, ich mag kein Geheimnis vor ihr haben."
„Nicht so rasch, Du kleine Ungeduld Du,"
und der jetzigen deutschen Regierung, wenn fie den Freihändlern und Brotwucherschreiern folgte, den Vorwurf machen, daß fie „in gutem Köhlerglauben in niedrigen Kornpreisen daS wahre Glück des Volkes gesehen" habe?! c.
Zum Zolltarif-Entwurf.
Pommersche Bauern gegen eine Erhöhung »er Setreidezölle. Unter dieser Spitz- marke berichtet das .Berliner Tageblatt" über den ersten Verfammlungs - Erfolg des Bauernvereins .Nordost" gegen den Bund der Landwirthe in Hinter- vommern. Das Blatt schreibt: .Es ist sehr erfreulich, daß fich der liberale Bauernverein dieser ebenso verständigen wie dankenswerthen Aufgabe unterzieht, denn es widerspricht durchaus der Wahrheit und den Thatsachen, wenn der agrarische Großgrundbefitzer- bunb immer den Anschein zu erwecken sucht, als entsprächen seine ungeheuerlichen Zollforderungen den Wünschen der gesummten Landwirthschast. Daß dies nicht der Fall ist, bewies sogleich die erste im Kösliner Kreise in dem Orte Nesi abgehaltene Versammlung, tie nach dem Vortrage des Redakteurs E. Brandt unter lebhaftem Beifall einstimmig eine Resolution annahm, die sich gegen jede Erhöhung der Zölle auf Getreide und Futtermittel ausspricht." Dazu bemerkt die .Kreuzztg.": Wir können die Freude des freisinnigen Blattes über diesen Erfolg des sog. Bauernvereins Nordost in den Reihen des Gegners zwar verstehen; es will uns aber nicht gelingen, die betrübte Miene aufzufetzen, die fein Glück erst vollständig machen würde. Der .Ort" Nest ist ein kleines Fischerdorf, auf der etwa 400 Mtr. (5 Weg-Minuten) breiten Landenge zwischen dem Ja- mundschen See und der Ostsee. Die 300 Einwohner leben vom Fischfang und vom Dermiethen an Sommergäste, bauen auch wohl etwas Kartoffeln und Korn, sind aber jedenfalls nicht als Bauern zu bezeichnen. Die wahlmündigen Männer der Gemeinde find etwa zur Hälfte konservativ; die andere Hälfte ist liberal, und diese paar Männchen haben also einstimmig beschlossen, was der Redakteur Emil Brandt von ihnen verlangte. Nein, darüber können wir nicht weinen! Im Gegentheil, wir gönnen dem Bauernverein Nordost jeden Tag einen neuen Ersolg von dieser Sorte.
Daß die denttlhe« Oberledersiibrikante« es bereuten, auf Zollerhöhungen für ihre Fabrikate im neuen Tarifentwurf gedrungen zu haben, meldet die .Freis. Ztg.". Thatsache ist, daß ein einzelner Oberlederfabrikant der .Frkf. Ztg." mitgetheilt hat, er wolle wegen der vom Auslande drohenden Repressalien auf eine Zollerhöhung verzichten, obschon sie gegenüber Amerika durchaus angezeigt wäre. Thatsache ist ferner, daß die weitaus überwiegende Mehrzahl der deutschen Oberlederfabrikanten für eine Erhöhung der Oberlederzollsätze im neuen Tarifentwurf eintritt und noch jüngst einen dahingehenden Beschluß gefaßt hat. Die Meldung der „greif. Ztg." ist also vollständig unrichtig. An ihr ersieht man aber, wie in der frei» händlerischen Presse und namentlich in der .Freis. Ztg ", die fich noch jüngst rühmte, aus ihr könnten die Regierungskreise das umfassendste Material für die Wetterprüfung der einzelnen Tarifpositionen entnehmen, mit den Thatsachen umgesprungen wird. Gestern theilte ein einzelner Oberledersabrikant der -Frkf. Ztg." seine Ansicht über die Zolltarifirung mit, und heute macht die .Freis. Ztg." daraus eine An
lachte der Dottor und drohte scherzend mit dem Finger. „Erst gieb mir noch einen Kuß, und dann laß Dir sagen: Ich möchte gern, daß unser HerzenSbund vorläufig noch geheim bliebe, denn sieh, mein schmales Einkommen gestattet mir nicht, jetzt schon an daS Heirathen zu denken. Ich muß meine Zukunft erst sicher begründen, muß mir erst eine Praxis schaffen, ehe ich öffentlich um Dich werben darf; wer weiß, ob eS mir so bald gelingen wird,das hohe Ziel zu erreichen."
Seine Stimme klang sehr ernst, als er nach einer Keinen Pause förtfuhr: „Ich schulde Dir volle Offenheit, mein geliebtes Mädchen, ich fordere sie aber auch von Dir. Dies ist die erste Bedingung zukünftigen Glückes. Siehst Du, meine Studien verschlangen ein ganzes Kapital, Vermögen besaßen wir nicht, so blieb mir nur das Mittel übrig, Schulden zu machen. Die Mutter darbte und sparte, fie theilte den letzten Bissen mit mir, um es zu ermöglichen, daß ich meine Studien vollenden konnte. Nun habe ich die Teure zu mir genommen, um ihr so viel als möglich den Lebensabend zu ver- fchönen. Aber ehe nicht meine Schulden vollständig abgezahlt find, werde ich — —"
„Röschen, mein Kind, wo bleibst Du nur so lange," unterbrach plötzlich eine klagende Stimme das Geflüster der beiden.
„Ich komme schon, mein Muttchen, gleich!" ries Röschen zurück. Noch ein heimlicher flüchtiger Händedruck, und ein leises: „Auf Wiedersehen, morgen ftüh!" dann eilte das Mädchen leichtfüßig die Treppe empor.
Noch kurze Zeit stand Dottor Pächtner, und schaute der schlanke«, biegsamen Gestalt nach.
schauung der deutschen Oberlederfabrikanten. Mir würden uns garnicht wundern, morgen im .Vorwärts" behauptet zu finden, daß die gefammte deutsche Lederindustrie gegen alle Lederzölle sei. Das Ganze nennt man freihändlerische Gründlichkeit."
Deutsches Reich
»erlitt, 18. Septbr
— lieber die Fahrt des russischen Kaiser- Paares nach Frankreich meldet ein Telegramm aus Brunsbüttelkoog: Der .Standart" ist mit dem russischen Kaiserpaar Dienstag früh 5>«, Uhr nach Dünkirchen abgefahren, nachdem der Kreuzer .Swet- lanb* schon Montag in See gegangen war. Montag waren der Großherzog und die Großherzogin Mutter von Mecklenburg-Schwerin hier mit Automobil zum Besuch eingetroffen und hatten sich an Bord des .Standort" begeben. Später befichtigten die rusfischen Majestäten und die mecklenburgischen Herrschaften die hiesigen Schleusen- und Hafenanlagen.
— Warum wurden die Danziger Trink- f p r ü ch e nicht veröffentlicht? Das ist eine Frage, über die sich jetzt einige Zeitungen den Kopf zerbrechen. Während ein Blatt toiffen will, politische Trinksprüche seien überhaupt nicht gehalten worden, will das .Echo de Patts" von diplomatischer Seite erfahren haben, die Veröffentlichung der bei Danzig von den beiden Kaisern gehaltenen Toaste fei auf Wunsch des Zaren unterblieben. Diese Meldung des Nationalistenblattes, deren Glaubwürdigkeit sich zur Zeit nicht feftfteüen läßt, dürste die Franzosen etwas unangenehm berühren. Aus dem Wunsche des Zaren, die Toaste geheim zu halten, werden sie folgern, daß die ausgetauschten Worte sehr herzlich, für französische Ohren wohl gar zu herzlich gewesen sein müffen.
— Kurz nach dem Abgang des Ministers Breseld wurde bekannt, daß derselbe einen größeren Plan ausgearbeitet hatte, um dem preußischen Staate den Ankaus umfangreicher Steinkohlenfelder in Westfalen zu ermöglichen, durch deren Erschließung fich die preußischen Staatsbahnen künftig von dem rheinisch - westfälischen Kohlen - Syndikat unabhängig machen könnten. Inzwischen ist eine der größten der damals in Betracht gezogenen Gruben, die Zeche Minister Achenbach, in die Hände der Firma Gebr. Stumm in Neunkirchen übergegangen und im übrigen hat man von dem Breseldschen Vorhaben unter seinem Nachfolger Möller nichts mehr gehört. Jetzt wird in Börsenkreisen die Meldung verbreitet, dem Fiskus seien sämmtliche Grubenfelver des Amtes Lüften an die Hand gegeben worden. Der Landtag wird fich über die Frage des Ankaufs alsbald zu entscheiden haben. Sofort nach endgiltigem Abschluß der An- kaufsverträge soll mit der Abteufung der Schächte begonnen werden. Die Errichtung einer neuen Berg- Inspektion im Amte Lünen ist geplant.
Ausland
Türkei. Eine französische Flottendemonstration gegen die Türkei wird nun doch wohl, nachdem der Zarenbesuch vorüber, erfolgen. Wenigstens meldet ba8; „Echo de
Als oben die Thür ins Schloß fiel, entfernte er fich leise auf den Fußspitzen, um von niemand gehört zu werden.
IV.
Am Tage darauf, — eS war ein Sonntag, und der erste Schnee fiel in keinen Flöckchen hernieder, — da traf das arme Kind der fürchterliche, schreckliche Schlag, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, um so niederschmetternder, da er so unerwartet kam, so ungeahnt.
Die Mutter starb. — O gräßliches, herz- zerreisendes Wort! - -
Eine Herzlähmung hatte dem Leben der stillen, blaffen Frau ein rasches, aber sanftes und schmerzloses Ende bereitet.
Röschen war in den ersten Tagen taub für jeden tröstenden Zuspruch. Starr und stumm saß das tiefgebeugte Mädchen an der teuren Leiche, und hielt deren kalte Hände in den ihren.
Waldemar, der zum Begräbniffe herbeigeeilt war, vermochte ebenfalls nichts auszurichten bei der heißgeliebten Schwester; erst als er Abschied nehmend vor ihr stand, da warf fie fich ungestüm immer wieder an seinen Hals so daß er fich nur mit Mühe loszureißen vermochte. ,
Alle Bekannten und Freunde nahmen innigen Antheil an dem herben Verlust der Geschwister, einer nur war'8, der fich fteute: Böhler.
Besser konnte es gar nicht kommen; sein Plan ging dahin, das verwaiste Mädchen zu sich zu nehmen, und es nicht mehr aus den Augen zu laffen. >
(Fortsetzung folgt.)