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s i r u n g errichtet. Die Moselkanalifirung soll in die große Kanalvorlage einbezogen werden.
— Das 3. Oflpreußische Grenadrer- Regiment Nr. 4 hat, nachdem es jetzt den Namen »König Friedrich der Große' erhalten, nach der .Ostd. Volksztg.' in den 275 Jahren seines Bestehens 27mal den Namen gewechselt.
— Der Lloyddampfer »Dresden' landete am Donnerstag den Stab, das 1. und 2. Bataillon des 1. ostasiatischen Infanterie-Regiments und die 5. Batterie, zusammen 18 Offiziere, 955 Mann.
— Der Lloyddampfer »Dresden' landete am Donnerstag den Stab, das 1. und 2. Bataillon des 1. ostafiatischen Infanterie-Regiments und die 5. Batterie, zusammen 18 Offiziere, 955 Mann.
— Stadtrath Kauffmann nahm die Wahl zum zweiten Bürgermeister von Berlin an. Die Angelegenheitnimmt den vorher angekündigten Verlauf.
— Obschon nach den vielfachen Ablehnungen der Anträge auf Einführung des Befähigungsnach- weises für das Handwerk seitens des Bundesraths eine Aussicht auf Erzielung eines Pofitiven Ergebnisses für die Wiederaufnahme des Planes nicht besteht, hat doch der in Gotha abgehaltene deutsche Jnnungstag wieder eine aus die Einführung des Befähigungsnachweises für das gesammte Handwerk abzieleude Resolution angenommen.
— Betreffs der Instrumente der alten Pekinger Jesuiten-Sternwarte verbreitet eine Berliner Lokalkorrespondenz folgende Mittheilung: Die Instrumente der Pekinger Sternwarte sind nicht als Kriegsbeute nach Potsdam gebracht worden, sondern find von der deutschen Regierung durch den Gesandten in Peking nach der Einnahme der chinefischen Hauptstadt angekauft worden. Die Kaufsverhandlungen wurden freilich erst perfekt, als Lihungtschang daselbst eintraf. Die chinesische Regierung wollte daraufhin mit den Instrumenten dem Deutsche« Kaiser ein Geschenk machen, doch ist, soweit wir wissen eine derartige Gabe vom Kaiser Wilhelm ab- gelohnt worden.
— Wie die nationalliberale Parteileitung in Hildesheim bekannt flieht, hat der verstorbene Staats- Minister Dr. v. Miquel die Absicht gehabt, sich in Zukunst weiter aktiv am politischen Leben zu be- theiligen, und zwar als Parlamentarier. Als Herr v Miquel aus dem Amte schied, wandte sich sofort Der Vorstand der nationalliberalen Partei in Hildes- beim an ihn mit dem Ersuchen, bei den nächsten Reichstagswahlen die Kandidatur für Hildesheim an» zunehmen. Herr v. Miquel ging sehr bereitwillig auf diesen Vorschlag ein. Herr v. Miquel verständigte sich mit dem Abgesandten darüber, daß die Kandidatur nicht als eine einseitig nationalliberale aufzufassen sei, sondern daß dieselbe von allen nationalen Eie- menten des Wahlkreises unterstützt werde.
— Die Arbeitslosigkeit nimmt bei uns nachgerade einen höchst beunruhigenden Um- fang an. Jetzt wird aus Baden berichtet: In der Karlsruher Metallvatronenfabrik, die früher 3000 bis 4000 Arbeiter beschäftigte, sind zur Zeit nur noch 900 Personen thätig. In einem Cementwerk bei Neckarelz wurden von 250 Arbeitern alle bis auf 30 entlassen. In der Druckerei eines mittelbadischen Blattes haben kürzlich an einem Tage 18 Buchdrucker um Arbeit nachgesucht und in Freiburg haben sich für die Schaffnerstelle tt an der städtischen Straßenbahn nicht weniger als 823 Bewerber gemeldet. Da erfahrungsgemäß bei Eintritt des Winters die Zahl der Arbeitslosen zu wachsen pflegt, so besteht für die nächste Zeit keine Aussicht auf Besserung dieser unerfreulichen Zustände.
— Die für den sozialdemokratischen Parteitag vorliegenden Anträge undResolu- tionen beziffern sich zusammen auf 90 Stück. Im Vorjahre waren nur 62 Anträge und Resolutionen eingegangen. Unter den 79 diesmaligen Anträgen befinden sich nicht weniger als 15, die sich auf das Verhältniß der Gewerkschaften zur Sozialdemokratie beziehen und den »Schiedsspruch' gegen die Hamburger Akkordmaurer zum Anlaß haben; von den 11 Resolutionen betreffen 5 diesen »Schiedsspruch' und sprechen die Mißbilligung desselben ans. Ferner wird in 10 Anträgen verlangt, die »wirthschastliche Krise' und die »Zollpolitik' auf die Tagesordnung zu setzen Außerdem liegen Anträge vor, die gegen die geplanten geheimen Sitzungen, gegen die »Bern- fteinerei“ und gegen die Bewilligung des Budgets gerichtet find: Ein Antrag verlangt die Einsetzung von Preßrevisoren, die halbjährlich die gelammte Parteipresse auf deren Geschäftsführung und Leitung revidiren soll.
Ausland
SAßasrika. Ein ernstes Gefecht mit Delareys Streitmacht hatte General Methuen — einer Drahtmeldung aus Mafeking zufolge — am 5. d. M. in der Nähe von Zerust. Nach mehrstündige« Kampfe zogen sich die Buren zurück mit einem Verlust von 20 Toten, einschließlich General Lemmer und Feldkornet Jubert, 17 Verwundeten und 44 Gefangenen. Erbeutet wurden 300 Wagen, 1500 Stück Vieh und 6000 Schafe. Die Verluste der Engländer betrugen 15 Tote und 30 Verwundete.
— Die größte und abscheulichste Roheit, die jemals seit Ausbruch des Kriege- in einer offiziellen Veröffentlichung enthalten gewesen ist, findet fich in dem letzten Wochenrapport des englischen Oberbefehlshabers, der vom 9. Sept, ab Pretoria datirt ist, und in welchem es wörtlich heißt: „Seit dem 2. Sept, haben die verschiedenen englischen Kolonnen wiederum vorzügliche Resultate erzielt. Die Gesammtjagd- beute betrug 681 Buren. Diese sportliche Meldung, daß die „Total-Jagdbeute" 681 Buren betrug, wird von der Regierungs- und Jingo- preffe mit ungeheuerem Behagen und chnifchem Wohlgefallen wörtlich wiedergegeben, natürlich mit de« entsprechenden Randbemerkungen, wobei de« Lord Kitchener und seinen „Jägern' ferner guter "Jagderfolg' gewünscht wird. Nur wenige Blätter haben den Takt und Mut, diese offizrelle Roheit beim rechten Namen zu nennen und dieselbe auf das Schärfste zu ver- urtheilen.
— Daß die Zustände in einem „Konzentrationslager" von einem Buren gelobt werden, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Der „Times" wird aus Pretoria, den 12. Septbr., gemeldet: Bei einer Zusammenkunft, die zwischen dem General Blood und dem Burenführer Viljoen am 25. August in Lydenburg staitfand, schlug Blood dem Burengeneral vor, eines der Konzentrationslager zu besuchen. Viljoen beauftragte seinen Adjutanten Leutnant Malan von der Staatsartillerie mit der Besichtigung. Malan erschien am Mittwoch im Lager von Middelburg, wo 7000 Personen, Männer, Frauen und Kinder, konzentrirt find. Er führte die Besichtigung ohne Begleitung aus, befragte so viele Flüchtlinge, als er nur konnte, und erklärte dann, er habe alle zufrieden gefunden und nichts Besonderes habe den Flüchtlingen gefehlt. — Es fragt sich nur, ob dieser Bericht der „Times" nicht tendenziös gefärbt ist. Oder sollte der Unwille, der sich in der ganzen Welt über die Behandlung der Burenfrauen und Kinder erhoben hat, doch bewirkt haben, daß diese Unglücklichen jetzt von den Engländern menschlicher behandelt werden? Gerade zur rechten Zeit wird uns der Bericht von Frl. Hobhouse über die Zustände in den Konzentrationslagern zugesandt. Wir werden auf denselben noch zurückkommen.
Marburg und Umgegend
Marbara, 14 Septbr.
Stadtverordireterrsitzn«g vom 13. September 190L
Herr Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Dörffler eröffnete die gestrige gut besuchte Sitzung gegen 5 Uhr.
Unter Mittheilungen zur Kenntnißnahme circulirten zunächst die üblichen Kassenüberfichten. Ferner wurde eine in voriger Sitzung gestellte Anfrage, ob es erlaubt sei, daß das kaufende Publikum auf dem Wochenmarkt durch fremde Händler, die vorher alles aufkauften, benachtheiligt werden dürfe, dahin beantwortet, daß dagegen auf Grund gesetzlicher Bestimmungen nichts zu machen sei. In dieser Beziehung herrsche sog. Marktfreiheit.—Stadtv. Schaaf greift auf die gelegentlich der nicht beschlußfähigen Stadtverordnetenversammlung gemachte scherzhafte Aeußerung des Oberbürgermeisters, daß n an sich der Herren, die so große Sommerreifen machten, bei der Steuereinschätzung erinnern solle, zurück und erklärt, daß es dem Oberbürgermeister ja doch nur angenehm sein könne, wenn sich die Stadtväter einmal m anderen Städten um- sähen und gewonnene Eindrücke zum Nutz und Frommen unserer Stadt verwertheten. »Dann hätten Sie mich auch mitnehmen sollen!' war die launige Erwiderung des Oberbürgermeisters.
Man ttat nunmehr in die eigentliche Tagesordnung ein. An der hiesigen Oberrealschule ist ein Ober- lehrer erkrankt. Nach eingehender Mittheilung, m welcher Weise die Vertretung desselben gedacht ist, wurden die entstehenden Kosten bewilligt.
Bei der Verpachtung verschiedener städtischer Grundstücke handelt es sich um die Wiesen zwischen Schützenpsuhl-Damm und der Lahn mit einer Pachtsumme von 150,50 Mk., Land bei der städtischen Lehmgrube zu Ockershausen (15 Mk), Platz neben Pfeiffers Garten (20 Mk.), und um ein Plätzchen bei Ockershausen (5 Mk.). Den betr. Anträgen wurde zu- gestimmt.
Sehr eingehend bemäntelte man alsdann dieF rage der Instandsetzung des neneu Viehmarkt- Platzes. Die betr. Kommision hat Vorschläge gemacht zur Erbauung einer geräumigen Halle in Fachwerkbau, einer Bude für die Gelderheber, einer Bedürfnißanstalt, zur Herstellung von Abortgruben und einer Beobachtungshalle für Vieh. Ferner wurde mitgetheilt, daß Herr Bierbrauereibesitzer Miffomelms 3000 Mk. zur Verfügung stelle, wenn ihm der «Betrieb der Wirthschaft bei Viehmärkten auf die Dauer von 10 Jahren übertragen würde. Stadtv. Seebinger gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß der letzte Pferdemarkt so vortrefflich besucht gewesen sei. Freilich müffe man jetzt auch Daran denken, die sich noth- wendig machenden Verbesserungen an den Zugängen zu dem Platze in Angriff zu nehmen. Es müßten auch bessere Einrichtungen geschaffen werden, damit Unglücksfälle vermieden würden. Verschiedene Redner gaben nun in dieser Beziehung ihrer Meinung Ausdruck und wiesen nach, in welcher Weise vorhandene Mißstände, die man ja nur durch die Erfahrung kennen lerne, beseitigt werden könnten. Im Großen und Ganzen habe sich der Platz vorzüglich bewährt. Oberbürgermeister Schüler gab von einem Schreiben des Herrn Restaurateurs Geisler Kenntniß, in welchem dieser für die Wirthschaft auf dem Vieh. Marktplatz auf die Dauer von 10 Jahren 3050 Mk. bietet. Der Herr Oberbürgermeister meinte, es scheine ein Mißoerständniß vorzuliegen. Die Restaurateure glaubten vielleicht, daß bei allen festlichen Gelegenheiten bei Bezahlung dieser Summe auf dem Platz Wirthschaftsbetrieb gehalten werden könne. Es handle fich aber nur um die Viehmärkte. Herr Miffomelius aber biete nur eine so hohe Summe, weil er als Weidenhäuser Opfer bringen wolle. Die Einnahme bei den Viehmärkten aus dem Wirthschaftsbetrieb ■önne doch in gar keinem Verhältniß zu dem Angebot leben. Stadtv. Schaaf meint, daß der Juxplatz auf dem neuen Viehmarktplatz nicht so viel Steuer einbringen würde, wie man früher auf dem Kämpf- rasen erzielt habe. Es wäre vielleicht gut, wenn man es den fahrenden Künstler anheimstelle, entweder auf dem Viehmarktplatz oder auf dem Kämpfrasen ihre Schaustellungen zu geben. Alle größeren Unternehmungen müßten ja ohnehin an letzterem Orte stattfinden. Hiergegen wandte fich Stadtv. Berdux. Der Platz fei gut genug und könne nach Norden hin, wo die Stadt Ländereien habe, ver- (iröpert werden. Die Bahn für die Pferde sei auch breit genug, man müffe nur Barrisren anbringen. Die Stadt möge zur Verbesserung der Wege unent- geltlich Kies zur Verfügung stellen; das Anfahren würde dann schon besorgt. Nachdem man über die Einrichtung des Platzes, den Bau und Standort der Halle u. s. w. noch hin und her geredet hatte, wurde in die betreffende Viehmarkt-Kommission Stadtv. Berdux gewählt. Im Heutigen genehmigte man den Magistratsantrag betreffs der Verpachtung der Wirthschaft an Herrn Miffomelius und beschloß, auch die übrigen in Aussicht genommenen Arbeiten, wie Verbesserung des Zugangsweges, Herstellung von Barrieren und Erbauung ter Halle rc.
Betreffs Ergänzung der für die Handwerks- Fortbildungsschul egeltendenBe st imm- ungen haben die Vorstände der hiesigen Innungen Vorschläge unterbreitet und auch Herrn Hauptlehrer Achter um seine Ansicht befragt. Nach kurzem Referat des Stadtv. Seebinger, der genau ausführte, um was es sich handle, erfolgte die Zustimmung zu dem diesbezüglichen Magistratsantrage.
Mit einer anderweitenAusstellung von Gaslaternen am Fronhofe, was einen Kostenaufwand von 353,50 Mk. verursacht, war man ebenfalls einverstanden.
Mehrere Einwohner des oberen Marbacherwegs sind um Anschluß an die Wasserleitung vorstellig geworden. Die Leute verpflichten sich, die ihnen zustehenden Kosten zu bezahlen und sind auch mit den ihnen gemachten Bedingungen einverstanden. Stadtv. Heuser beantragte hierzu, nun auch endlich den schon einmal genehmigten aber nicht angelegten Oberflurhydrant dort aufstellen zu lasten. Mit diesem Zusatzantrage erfolgte die Zustimmung zu der ganzen Anlage.
Desgleichen stimmte man dem Entwurf einer Ordnung über Die Erhebung vonSchul- gelb von Schülern der Oberrealschule zu. In der Hauptsache handelt es sich um eine Schulgeldserhöhung, die sich infolge größerer Ausgaben nothwendig macht. In den drei oberen Klaffen müssen einheimische und auswärtige Schüler 120 Mk., in den unteren Klassen die letzteren ebensoviel und die hiesige Schüler 100 Mk. (früher 90 Mk.) bezahlen.
Heber bie Äanalifirung bes Hainwegs von ber Renthofstraße an, war man geteilter Ansicht. In ber Hauptsache hantelt es fich um Kanalisation ber Schlvßgebäube, woselbst bezüglich ber Abwässer Mißstände oft hervorteten. Jedenfalls muß vom tzainweg aus der Anschluß erfolgen Der Kostenanschlag beläuft sich auf 5300 Mk., worin der Fiskus nach dem Magistratsantrag 4090 Mk. zurück- erftattet. Nachdem noch Stadtv. Spörhase die mißlichen Wegeverhältnisse in ber Hainstraße gerügt hatte, stimmte man bem Magistratsantrag zu.
Recht intereffant gestaltet fich bie Auseinandersetzung bezüglich der Hast Pflicht der Lehrer bei Unfällen ber in ihrer Obhut befindlichen Kinder. Die Lehrer ber Mädchenbürgerschule haben einen Antrag gestellt, baß bie Stadt bie Haftpflicht für Unfälle, bie bei Sedanspaziergängen rc. Vorkommen, übernehme. Stadtv. - Vorsteher Dörffler nahm hier Bezug auf einen schon wegen dieser Frage gehaltenen, auch in unserer Zeitung erwähnten Vortrag des Herrn Prof. Lehmann. Indem er weiter ausführte, daß die allzugroße Furcht unter den Lehrern wegen der Haftpflicht nur von den Versicherungsgesellschaften künstlich genährt würbe, gab er zugleich in längerem Referate eingehende Belehrungen über die gesetzlichen Bestimmungen, die gar nicht neu seien. Redner erklärt sich schließlich nicht dafür, daß die Stadt die Haftpflicht übernehme. Der Antrag, daß die Stadtverordneten es ablehnen, bezüglich der lieber- nähme der Haftpflicht der Lehrer Beschluß zu fassen, fand schließlich Annahme. Falls wirklich einmal so ein Fall eintreten sollte, ist Die Stadt bereit, in Ver- Handlungen einzutreten und die Sache eingehend zu untersuchen.
Bei dem folgenden Punkte bete. Veranlagung zur Umsatzsteuer handelt es fich um die liebet- schreibung einer Studentenkneipe auf anderen Namen. Deshalb mußte von Erhebung der Umsatzsteuer abgesehen werden.
Zu der Instandsetzung der Blitzableitung und der Wetterfahne auf dem Rath - Hause diskuttrte man einige Zeit über die Her- stellung des Dachreiters. Herr Stadtv. Seebinger war der Meinung, daß man den Dachreiter genau so machen solle, wie der frühere. Dem wurde entgegengehalten, daß der Reiter ja gar nicht das richtige Marburger Wappen darstelle. Der Kostenanschlag für die Arbeiten beläuft fich für das Gerüst aul 65 Mk., den Blitzableiter 25 und die Wetterfahne 170 Mk. Man beschloß schließlich einen neuen Plan nebst Kostenanschlag machen zu lasten, da beides sich verändern dürfte. Architekt Sauber wird beauftragt, die Zeichnung zu dem Reiter auszuführen. In bie Kommission zur Vorberathung einer Ordnung über die Erhebung einer Grundsteuer nach dem gemeinen Werthe wählte man die Herren Dörffler, Sttoinsky, Schaaf und Hoffmann; Seitens des Magistrats gehören die Herren Siebert, Weishaupt und Hecker der Kommission an. Den Vorsitz führt Herr Oberbürgermeister Schüler. Als Dringlichkeitsantrag genehmigte man noch die An- läge von Schneefangeisen an der Südseite der alten Realschule, worauf die Sitzung kurz nach 8 Uhr geschlossen wurde.
8 Aus lern Manoverfeldk. Unsere Jäger haben ebenso wie auch die anderen Truppen im Manöverfelde sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Die schlechte Witterung hat veranlaßt, daß sie mehrfach in der Gegend hinter Frankenberg Nothquartiere bezogen haben. Auch die Stadt Frankenberg war dieser Tage stark mit Truppen belegt.
§ Ardtitsßönmg. Infolge des anhaltenden Regenwetters mußten zahlreiche im Freien beschäftigte Arbeiter ihre Thätigkeit einstellen. So feierten heute fast sämmtliche städtischen Tagelöhner.
* Wirtschaftliche Frauenschule. Die Er- kenntniß von der Nothwendigkeit einer gründlichen wirthschaftlichen Ausbildung der Frauen hat vor fünf Jahren die erste wirthschastliche Frauenschule für Töchter höherer Stände, verbunden mit einer Haushaltungsschule für Landmädchen ins Leben gerufen. Es ist dies die wirthschastliche Frauenschule in Nieder-Osleiden bei Homberg a.d.Ohm im Großherzogthum Hessen, die unter der Leitung der Freifrau Dorette Schenck zu Schweinsberg steht und die vorbildlich für alle später entstandenen Anstalten dieser Art geworden ist. Hier finden Töchter gebildeter Stände in allen Gebieten wirthschastlicher Arbeiten, welche an eine zukünftige Hausstau oder >eren Vertreterin, einer Hausbeamtin, Wirth- schaftsleiterin oder Lehrerin an ländlichen Haus- jaltungsschulen herantritt, systemathische Ausbildung. Die praktische Ausbildung in Küche und Haus, in Handarbeiten praktischer Art, in jäuSlicher Verwaltung und Buchführung, Garten- mu und Bienenzucht, Geflügelzucht und Molkerei wird zweckentsprechend unterstützt durch den
theoretischen Unterricht, der Nahrungsmittellehr, Feuerungskunde, Bakteriologie, Physik, Buch führung, Methodik sowie einen Samariterkursig
Schülerinnen, welche die Schule mindesten; während eines Jahres besucht haben und sich einer Schlußprüfung unterziehen, die ihre Befähigung für alle Art wirthschastlicher und sozialer Arbeit, soweit diese letztere in das toirtL schastliche Gebiet einschlägt, nachweist, finden bei der stets wachsenden Nachfrage nach wirthschaftlichen Lehrerinnen, Leiterinnen von Haushaltungsschulen und größeren wirthschaftlichen Betrieben, jederzeit Gelegenheit, ihre Kenntnisse nutzbringend zu verwerthen. Sie werden als Lehrerinnen besonders vorgebildet, indem sie an der Haushaltungsschule für Landmädchen pracktisch unterrichten. Der Preis für Pension und Unterricht beträgt 300 Mk. vierteljährlich und ist im Voraus zu bezahlen. Die Kurse sind einjährig und beginnen im April, doch kann der Eintritt auch im Oktober, ,ausnahmsweise auch zwischendurch erfolgen.
Der wirthschaftlichen Frauenfchule ist eine Haushaltungsschule angegliedert, in der Töchter einfacher Landwirthe für Haus und Wirthschaft vorgebildet werden, aber auch Mädchen, die Stellungen in städtischen Hauhaltungen ausfüllen wollen, die nöthigen Kenntniffe erwerben können. Der Preis für einen sechs- monatlichen Kursus beträgt für Schülerinnen, welche in der Schule wohnen und darin volsi ständige Beköstigung erhalten, monatlich 34 Mk. die im Voraus zu bezahlen find, Für Schülerinnen, welche nur den Tag über in der Schule sind und Unterricht, Mittag- und Abendeffen nebst Nachmittagskaffee erhalten, wird monatlich 20 Mk. im Voraus zahlbar, berechnet. Der Winterkursus beginnt am 1. Oktober. Nähere Auskunft über beide Anstalten ertheilt obengenannte Leiterin derselben.
§ Diebstahl. Gestern lernten fich in der Eisenbahn zwei Reisende kennen. Beide entstiegen hier dem Zuge und tranken in einer Wirthschaft mehrere Glas Bier. Als der eine Reisende einen Augenblick austrat, hatte sich seine neue Bekanntschaft unterdeß unter Mitnahme des dem ersteren gehörenden Koffers und sonstiger Gegenstände entfernt. Alles Nach- forschen nach dem Fremden ist bis jetzt vergeblich gewesen.
(—) Nordeck, 14. Sept. Am Sonntag, den 22. September, wird hier das Erntedankfest abgehalten. Der Gottesdienst findet wir immer im Walde bei dem Schlöffe statt.
Heffen-Naffau und Nachbargebiete
Cassel, 13. Septbr. Auf dem Oberstadtbahnhofe erregte heute Nachmittag nach Ankunst des Frankfurter Personenzuges ein neunzehnjähriges Mädchen aus der Gegend von Laasphe oder Biedenkopf die allgemeine Aufmerksamkeit. Dasselbe war hierher gekommen, um eine hier verheiratete Schwester zu besuchen, wußte aber, wie es weinend gestand, weder den Namen noch die Wohnung des Schwagers anzugeben. Es habe geglaubt, daß Jedermann ihm hier daS sagen könne, erklärte eS und konnte durchaus nicht begreifen, daß es auf telegraphischem Wege sich die verlangten Angaben von Hause erbitten könne, ober aber unverrichteter Sache wieder zurückkehren müffe.
Cassel, 13. Septbr. Die Ausschachtungsarbeiten für die Fundamente des neuen großen Wartesaals I. und II. Klaffe am Südsteig deS Oberstadtbahnhofes find nun soweit zu Ende geführt, daß mit der Ausmauerung des Fundamentes begonnen werden kann. Gleich hinterher wird auch der Wartesaal III. und IV. Klasse am Nordsteig in Angriff genommen werden. Die Hauptthätigkeit der Bauleute erstreckt sich zur Zeit auf das Hinauslegen ber Bahnsteige, bie sämmtlich auf eine Länge von 300 Metern gebracht werben sollen.
Cassel, 13. Sept. Der Obstbauverein für ben Regierungsbezirk Cassel hat in seiner letzten Sitzung beschloffen, nach Ablauf seiner vom 4. bis 7. Oktober ftattfinbenben diesjähri- jen Bezirksobstausstellung in Hersseld, Donners- ag ben 10. Oktober, ben 5. Obstmarkt abzuhalten. Ein paffenb gelegenes leicht zugäng- iches, angenehmes Lokal für biefen Zweck hat man in bem großen Saale bes evangelischen Vereinshauses Hierselbst gesunben. Da im Gegensätze zu den meisten anderen Gegenden Deutschlands, Caffels engere Umgebung wenig- tens theilweise auf eine gute Apfelernte Hoff- tung hat, darf eine reichliche Beschickung mit jefferem Tafel- und Wirthschastsobste sicher erwartet werden.
tt Cassel, 14 Sept. In unserer Zeit, welche auf allen Gebieten zum Zusammenschluß Gleichgesinnter führt, haben fich auch die evangelischen Jünglingsvereine Deutschlands einander mehr und mehr genähert, in großen JünglingSbündnifsen die Hand gereicht und zu einer Nationalen- Konferenz zusammengefunden. Die erst große Zusammenkunft des alle deutschen Jünglingsbündniffe umfaffenden National-Ver- >andeS fand im Jahre 1882 am Fuße des Herr- manns-Denkmals im Teutoburger Walde statt.
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