mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhain.
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Soimta« 15 September 1901
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»Der Zar hat heute Mittag auf dem Standart' die Rhede von Neufahrwaffer ver-
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lieber den letzten Tag des Flottenmanövers endet uns unser Berliner telegraphisches Corre- pondenzbureau folgenden Bericht:
Auch das letzte Flottenmanöver vor den beiden Majestäten nahm einen vortrefflichen Verlauf. Die beiden Kaiser besuchten zunächst ,en „Warjak", dann begab sich Kaiser Wilhelm in russischer Marineuniform zwischen 10 und 10y2 Uhr auf das Flaggschiff und empfing dort den Kaiser Nikolaus, der deutsche Uniform trug. Kaiser Wilhelm erließ auf dem Kreuzer „Warjak" eine Kabinetsordre, worin der Kaiser, infolge der lebhaften Anerkennungen, welche der Zar den hervorragenden Leistungen der deutschen Flotte gezollt hat, und zur Erinnerung, daß Kaiser Wilhelm während des Zusammenseins bei den Flottenmanövern russische Marineuniform mit dem Dolch trug, bestimmt, daß die Seeoffiziere der deutschen Marine in gleicher Weise wie die russischen Seeoffiziere den Dolch eines Fähnrichs zur See mit einer schwarzen Bandkoppel als Interims- Waffe zu trogen haben.
Die Hoffnung der Danziger, daß der Zar der Stadt, insbesondere der Danziger Werst einen Besuch abstatten und erst am Sonnabend die Abreise antreten werde, hat sich nicht bestätigt. Ein Telegramm aus Neufahrwaffer vom 13. September Nachmittags 2 Uhr meldet uns das Folgende:
russischen Flotte, während Zar Nikolans bisher sie Ehrenstelle eines Chefs des Alexander Regiments und deS 1. westfälischen Husaren Regiments bekleidete und außerdem ä la suite der »eutschen Marine geführt wurde. Nun hat der Zar unserem Kaiser ein weiteres russisches Regiment, und zwar der berühmtesten eines, verliehen, und Kaiser Wilhelm hat diese Aufmerksamkeit in ähnlicher Weise erwidert.
Wir können sonach den Wortlaut der gewechselten Trinksprüche bis auf weiteres ent- iehren, zumal ja doch derartige Monarchenzusammenkünfte nicht mehr wie früher dazu rienen, eine Verständigung über politische Fragen ^erbeizusühren, sondern die vorausgegangene Verständigung zu besiegeln. Es ist zweifellos, >aß unser Verhältniß zu Rußland ein intimeres geworden und daß es den Freihändlern nicht gelungen ist, Rußland gegen uns aufzuhetzen. Wenn fich's bestätigen sollte, daß der russische Finanzminister Witte eine Anleihe von 80 Millionen aus Deutschland herausholen will, o wird, so hoffen wir, die deutsche Großfinanz liefe Anzapfung mit Würde zu ertragen wiffen.
sagen, daß sie auf Grund dessen ihr gutes Recht verfechten möge."
Bei diesen Worten brach die schwer gezügelte Wuth wiederum aus seinen grauen, haßerfüllte« Augen. Die Hände ballten sich zur Faust, keuchend ging fein Athem.
„Müßten wir eine solche Handlungsweise nicht als eine ewige Schmach empfinden?" begann die gequälte Frau von neuem, „laß Dir genügen an dem, was wir noch haben, — es ist ja doch genug."
„Ein Bettel ists, den ich Dir am liebsten vor die Füße werfen möchte, dummes, einfältiges Weib," brauste er auf.
Plötzlich schien ihm ein Gedanke zu kommen, der ihn vollständig beherrschte. Er sprang von feinem Sitze in die Höhe, stellte sich dicht vor seine Frau hin, und den tückischen, katzenartigen Blick auf fie geheftet, fragte er lauernd:
„Und wenn das Mädchen nicht heirathen sollte, was dann? Hast Du diesen Fall auch auf dem famosen Schein vorgesehen?"
„Nein."
Arthur Böhler rieb die hageren Hände und sein Gesicht nahm einen frohlockenden, befriedigenden Ausdruck an.
„Ja, ja, fo wird eS eben auf diese Weise gehen müssen."
„Was denn, was sinnst Du aus?"
„Rosa wird überhaupt nicht heirathen." „Wolltest Du fie etwa daran hindern?"
„Ich werde fie hindern, verlaß Dich darauf." „O, Röschen wird dennoch einen Weg finden, hüte Du ein junges Mädchen, Du kluger Mann", höhnte Aurelia. „Röschen verspricht dereinst eine Schönheit ersten Ranges zu werden,
und ihr guter Stern wird fie schön auf den rechten Weg führen, ich zweifle nicht daran", fuhr fie zuversichtlich fort.
„Thue Du das Deine und laß mich das Meine thun, wir werden ja sehen, wer recht behält." -
„Na, jedenfalls werde ich die Augen über dem geliebten Kinde offen halten", beharrte Aurelia, indeß Arthur zornig mit dem Fuße den' Stuhl umstieß und eilig das Zimmer verließ.
Die heftige Unterredung mit dem Gatten hatte die arme Frau doch mehr aufgeregt, als sie sich eingestehen mochte. Was Wunder auch! Wie ein Blitz war ihr die Erkenntniß gekommen, daß ihr Gatte nur das Geld besitzen wollte, nicht sie, und diese Erkenntniß hatte ein häßliches Licht auf den Charafter des bis dahin vergötterten Mannes geworfen und ihr den niederen Sinn desselben in vollem Umfange gezeigt.
Sie würde es unter diesen Umständen als eine Erleichterung empfunden haben, wenn er auf längere Zeit verreist wäre, wie es doch fein Beruf eigentlich verlangte; aber darnach von ihr beftagt, etklärte er ohne Scheu, daß er den Posten überhaupt aufzugeben gedenke, um sich ein ruhigeres und behaglicheres Leben zu verschaffen.
Aurelia war sprachlos. Was wollte er denn anfangen? Irgend etwas muß der Mensch zu thun haben; wollte er am Ende von dem Gelde leben? Die Zinsen würden kaum hin- reichen , da Arthur ein feines, kostspieliges Leben gewöhnt war.
(Fortsetzung folgt.)
offen und ist nach Kiel abgereist. Der „Standart" wurde von der „Hohenzollern" und iem Geschwader escortirt. Der Abschied Kaiser Wilhelms vom Kaiser Nikolaus war äußerst jerzlich. Kaiser Wilhelm trifft Nachmittags auf der „Hohenzollern" in Neufahrwaffer wieder ein.
Flottenmanöver und Kaiserzusammenkunst.
Es ist in der Natur der Sache begründet, daß über den näheren Verlauf des letzten Zweikaisertages auf der Danziger Rhede zunächst noch nichts verlautet, daß diese Zusammenkunft aber nach wie vor die Ereignisse der Woche beherrscht. Zuweilen pflegt sich der politische Ertrag solcher Monarchen-Begegnungen in Form von Tischreden zu verdichten, mit denen die politische Erörterung als festen Werthen und Größen rechnen kann, wenn über den vorangegangenen oder nachgefolqten intimen Unterredungen zwischen den Monarchen und ihren Rathgebern der Schleier des politischen Berufs- geheimniffes liegt, den häufig erst eine spätere Zukunft lüftet. Diesmal sind solche Tischreden nicht gehalten worden, und wer sich über die Bedeutung der gestrigen Begegnung unseres Kaisers mit dem Zaren Nikolaus auSlaffen will, ist in der Hauptsache nach wie vor auf die Thatsache dieses erfteulichen Ereignisses als solchen angewiesen und kann außerdem etwa aus der Gunst des Himmels, die hell über dem Zusammentreffen der beiden geleuchtet zu haben scheint, die Hoffnung ableiten, daß der freundliche Charakter dieser politischen Episode durch die mächtigen Stimmungsmomente eines sonnig heiteren äußeren Verlaufs eine wesentliche Stärkung erfahren werde. Dazu kommen nun aber einige andere Aenßerlich lichkeiten, die immerhin einen ziemlich sicheren Schluß auf die Stimmung und Temperatur der Kaiserbegegnung zulaffen. Daß bei solchen Anlässen Auszeichnungen verliehen werden, versteht sich von selbst. Die Verleihung des Andreas- ordens aber ist viel mehr als eine bloße konventionelle Höflichkeit, sie bedeutet unseres Erachtens geradezu einen Vertrauensbeweis des Zaren für die Persönlichkeit und die Politik des Grafen Bülow. Sodann möchten wir auch darauf Werth legen, daß die beiden Herrscher das Bedürsnis gefühlt haben, die Bande noch weiter zu verstärken, durch die jeder schon bisher den kaiserlichen Freund mit der eigenen Armee und Flotte verknüpft hatte. Kaiser Wilhelm war bisher schon Ches zweier russischer Regimenter, nämlich des Leib Garde Grenadier Regiments König Friedrich Wilhelm III. und des Infanterie Regiments Wyborg und Admiral der kaiserlich-
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Deutsches Reich
Berlin, 14. Septbr
— Unser Kronprinz benutzt die Univerfitäts- ferien dazu, eilt Stück Welt kennen zu lernen. Wie bekannt, besuchte er kürzlich England und er hat sich nun nach Belgien begeben. In Aachen hatte Kronprinz Wilhelm unter Führung des Oberbürgermeisters den Dom und das Rathhaus besichtigt. Wie aus Brüssel gemeldet wird, tras der Kronprinz Donnerstag Abend dort ein. Er reist im strengsten Inkognito. Unter den Herren seines Gefolges befindet sich der Studiengenosse des Kronprinzen, Herr von Alvens- leben.
— Prinz T s ch u n ist in Hamburg eingettoffen und am Bahnhof von einem Vertreter des Senats empfangen worden Im Hotel wurde der Prinz von mehreren Senatoren begrüßt. Geleitet von Senatoren besichtigte Prinz Tschun mit einem Theile des Gefolges das Rathhaus, fuhr dann zum Hafen und unternahm auf dem Staatsdampfer Elbe eine Rund, fahrt durch alle Häfen. Sodann begab er sich an Bord des Dampfers Prinzessin Victoria Luise, wo die Direttion der Hamburg-Amerika-Linie ein Frühstück anbot. Hieran schloß fick eine Besichtigung der Schiffswerft von Blohm uno Voß.
— Die Regierung hat in T r i e r ein ständiges Bureau zu Vorarbeiten für die Mofelkanali-
Das Glückskind.
Grzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
■ Stirn und Schläfe färbte eine hohe ZorneS- röthe, mit der geballten Faust schlug er auf den Tisch, daß es dröhnte, und säst heiser klang eS an da« Ohr der bestürzten Frau: „Das, — daS — hättest Du gethan, 30 000 Mk. mir nichts, Dir nichts verschenkt, — o über eine solche unerhörte Dummheit! Ha, ha, ha, — man muß wirklich lachen über die Borniertheit dieses WeibeS. Ja, ist denn so etwa« möglich? Du wirst doch nicht denken, daß ich darauf eingehen werde?"
Zitternd wollte Aurelia die Arme um den Hals des Gatten schlingen, doch er stieß sie unsanft von sich.
„Geh' mir weg mit Deinen faden, abgeschmackten Schmeicheleien, fie find mir in der Seele zuwider."
Die arme Frau brach in Thränen aus.
„Nun ja, heulen, das ist Eure größte Kunst, — hör'"auf!" herrschte er fie an, „laß uns lieber beraten, wie wir die Sache ändern können." —
Da plötzlich versiegten ihre Thränen, mit einem erstaunten Blick maß fie den Sprecher von oben bis unten.
Aendern läßt sich daran absolut nichts, Arthur, ich habe mein Wort schriftlich gegeben und —“
„Bah, das ist eine Kleinigkeit, Du fvrderf einfach den Schein zurück, und die Sache ist abgemacht." —
Präsident McKinley t
Präsident McKinley ist, tote die gestrigen Telegramme Voraussagen ließen, der Verwundung, ne ihm die meuchlerische Kugel des Anarchisten zugefügt hat, erlegen. Ein Telegramm, das wir sofort durch Extrablatt verbreitet haben, meldet uns darüber:
Buffalo, 14. Sept. Präsident Mc Kinley ist heute Morgen 2 Nhr gestorben.
Es zeigt sich also, daß die Skepsis, mit der man die hoffnungsfreudigen Berichte der Aerzte aufgenomnien hat, sehr wohl berechtigt war. Wenn der Präsident jetzt seinen Wunden erlegen ist, wird man den Aerzten kaum den Vorwurf ersparen können, daß sie bei der Publizirung >er rosenroth gefärbten Bulletins ein Wenig eichtfertig gehandelt haben. Sie hätten bei )er Schwere des Falles von Anfang an in dem Publikum keinen Zweifel darüber aufkommen lassen dürfen, daß eine ernste Wendung zum Schlechteren doch sehr wahrscheinlich sei. Mit tiefem Bedauern wird überall die Kunde von dem Tode des Präsidenten ausgenommen werden.
lieber den Umschlag im Befinden des Präsidenten wird folgende, aus Buffalo stammende Darlegung gegeben: fHMWU
Kurz nach 2 Uhr Uhr früh begannen die Kräfte zu sinken. Die Aenderung im Befinden trat gestern Nachmittag ein, als die Verdauungsorgane versagten, während eine Nahrungsausnahme dringend noth- wendig war. Da die ihm einige Tage lang auf künstlichem Wege zugeführte Nahrung nur theilweise genügte, schritt man zur Ernährung auf natürlichem; wahrscheinlich war aber der Magen noch nicht genügend zur Nahrungsaufnahme geeignet. Obwohl der Fleischsast, der dem Patienten durch den Mund zugeführt wurde, ihm das erste und zweite Mal gut bekam, stellte sich gestern Vormittag heraus, daß ihm diese Nahrung nicht weiter zusagte, und es entstand zum ersten Male Besorgniß. Der Puls war enorm hoch, er hatte 126 Schläge; die Temperatur bettug 100,2 Grad. Die Herzschwäche nahm bedenklich zu und der Zustand des Präsidenten verschlimmerte sich ständig. Um Mitternacht wurde die Lage kritisch. Es wurde dem Kranken Calomelöl gegeben, um die Eingeweide geschmeidiger zu machen, und Digitalis, um das Herz zu beruhigen. Kurz nach 2 Uhr wurde konstatirt, daß das Herz immer schwächer wurde. Der Puls schlug fieberhaft. Der Präsident brach zu-
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die Nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindnftrieller berieth am gestrigen Freitag über den neuen Zolltarisgesetzenkwurf. >lach einem Vorttage des Generalsekretärs Abg. Dr. Beumer wurde beschlossen, einmal festzuhalteü an der Interefsensolidarität zwischen Land- wirthschaft und Industrie, sodann den § 1 ;,u verweisen, weil derselbe durch Aufstellung von Minimalsätzen für einige landwirthschaftliche Produkte einen Produktivstand unzulässig begünstige und drittens den autonomen Einheitstarif sowie die am 26. Mai 1900 vom Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller vorgeschlagenen Zollsätze aufrecht- zuhalten; die übrigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs sollen in Gemeinschaft mit dem Centralverbande deutscher Industrieller berathen werden.
Die Gärtuer «ud der Zolltarif. In Hamburg verlangte eine stark besuchte Gärtnerversammlung für Vie Gärtnerei ebenso Schutz wie ihre größere Schwester, die Landwirthschaft.
„Oh niemals, wird das geschehen!"
Sie war aufgesprungen und stand nun in drohender Haltung vor dem Gatten, der vor dem flammenden Blick, welcher ihn traf Sekunden lang den feinigen zu Boden senkte.
„Hältst Du mich wirklich für so albem, daß ich um einer Abmachung willen, von der ich nichts wußte, mein halbes Vermögen herausgeben werde?" zischte er halblaut.
„Bitte, mein Vermögen, nicht das Deine."
„Glaubst Du denn, daß ich Dich geheirathet hätte ohne das Geld, Dich ein abgeschmacktes, verblühtes Weib?"
Dieser Schlag traf fie vernichtend. Wie gebrochen sank die tiefbeleidigte Frau in den Sessel nieder, aufs neue heftig schluchzend vergrub fie daS Geficht in beiden Händen.
Er mochte fühlen, daß fein Zorn ihn hingerissen, daß er zu weit gegangen.
Um vieles milder, als vorher, begann er: ► „Sei doch vernünftig, Aurelia, hast Du denn nicht bedacht, daß das, was Du gethan, einem Raube an unfern zukünftigen Kindern gleichkommt? Uebrigens," fuhr er fort, als fie unbeweglich in ihrer Stellung verharrte, „werde ich selbst die Sache in die Hand nehmen und sie zum schnellen Ende bringen."
„Das wirst Du nicht thun!" rief die Angeredete, auf's Höchste erzürnt und doch erschrocken aus. „Noch heute, — sogleich eile ich zu Mathilde, ihr zu sagen, daß ich das, was ich versprochen, unter allen Umständen halten werde, und daß fie keinem, wer es auch sei, den Schein herausgeben dürfe, auch Dir nicht, und fie wird sich wohl hüten, eS zu thun. Ich werde ihr
ämmen und das Ende schien nahe. Es wurden nochmals Digitalis und Strychnin gegeben, «6b als letztes Mal eine Salzlösung eingespritzt ohne unmittelbaren Erfolg Man machte sich mit dem Gedanken vertraut, daß sein Zustand äußerst krttisch sei.
Die Depeschen, die Nachmittags von Buffalo abgingen, lassen erkennen, daß die Krisis im Zu st and Mac Kinleys auf Darmentzündung zurückzuführen ist, welche eine Fortsetzung der künstlichen Ernährung unmög- ich macht. Demnach ist der Verfall der Kräfte nicht mehr aufzuhalten und die Auflösung eine Frage kurzer Zeit.
Erscheint täglich äugte an Werktagen nach Sonn- uno Feier tagen.
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