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M 2b «««io w» Somabend 14. September 1901*1* -rt

Zum Kapitel Lebensmittel- vertheuerung

ist eine Erhebung von Interesse, die das Taris- elnt der deutschen Buchdrucker über die Lebens­mittelpreise in den Jahren 1896 und 1900 kürzlich veranstaltet hat. Diese Erhebung stellt fest, daß seit 1896 die Lebensmittelpreise recht erheblich gestiegen sind und zwar ist der

Preis von

gestiegen

gefallen in Orten

gleich geblieben

Rindfleisch

168

49

169

Schweinefleisch

247

16

123

Kalbfleisch

2 2

15

126

Hammelfleisch

192

43

144

Butter

832

24

129

Schweinefett

155

46

182

Weizenmehl

152

65

165

Roggenmehl Reis

181

107

16

46

173

230

Kaffee

40

192

145

Zucker

251

15

95

Eier

222

17

141

Kartoffeln

155

101

129

Milch

139

4

234

Lagerbier

21

8

343

Brot ist leider nicht in Betracht gezogen; v.rmuthlich weil sür die Berechnung der Brot­preise die richtige Unterlage, nämlich die Taxe nach dem Gewichte fehlt. Während sür fast alle übrigen Waaren, selbst für Kohlen und Früchte, der Verkauf nach dem Gewichte vor­geschrieben ist, erfolgt der Berkaus des Gebäckes noch immer nach Stücken, deren Größe außer­ordentlich differiert. Nach der obigen Tabelle kann aber als feststehend angenommen werden, daß auch die Brotpreise seit 1896 also seit Ermäßigung der Zollsätze für Getreide er­heblich gestiegen find.

Zu der vorstehenden Tabelle bemerkt die, den Zolltarifgegnern wohlgesinnte .Soziale Praxis":Wenn man die wichtigsten Nahrungs­mittel in Betracht zieht, wird die bekannte Thatsache, daß der wirthschaftliche Aufschwung eine erhebliche, ziemlich allgemeine Steigerung der Lebenömittelpreise zur Folge hatte, hier ziffernmäßig bestätigt. Wenn diese Steigerung auch sehr erheblich war und z. B. nicht selten mehr als 10, 20, sogar 40 Pfg. pro Kilogramm betragen hat, so zeigt die Statistik andererseits auch wieder, daß in einer ganz erheblichen An­zahl von Orten die Preise gleich geblieben sind, während sie sogar in mehreren Orten zurück­gegangen sind. Diese Statistik ist der beste Beweis dafür, wie man zur Beurtheilung der Preisverhältniffe das grobe statistische Gesammt-

5 (Nachdruck verboten.)

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

^Fortsetzung.)

So, nun schreibst Du hierher Deinen Namen, meine Liebe, und unsere Kleine soll Mal rasch hinüberlaufen zum Nachbar Krause und König: die können das Schriftstück eben­falls unterzeichnen, der Ordnung wegen, denn es ist vollständig rechtsgiltig, und Du hast für Deine Kinder ausgesorgt. Den Jungen will ich etwas Tüchtiges lernen laffen, er soll stu- diren auf meine Kosten; und nun Mathilde, weine nicht mehr, jetzt kommt eine bessere Zu­kunft für uns alle!"

Frau Mahler war tief gerührt, sie küßte die gute, treu besorgte Tante innig und dank­bar auf Mund und Wangen.

Die beiden Nachbarn kamen richtig herbei, waren zuerst sprachlos vor Erstaunen über Fräulein AureliaS unverhofftes Glück, und lobten dann die Tante wegen ihres hochherzigen Ver­sprechens über alle Maßen.

Die beiden Männer unterschrieben auch wirklich das Schriftstück und Mathilde ver­wahrte den Schein bei ihren Schmucksachen und Kostbarkeiten auf das Sorgfältigste.

Selbstverständlich blieb das große Glück, das Fräulein Aurelia so unerwartet zugefallen war, nicht lange ein Geheimnis in der Stadt. Es war daher nicht zu verwundern, daß sich bald verschiedene Bewerber sanden, denen Aurelia um des Geldes willen begehrenswerth erschien.

material geographisch gliedern muß, um einen Einblick in die thatsächlichen Verhältnisse zu ge Winnen. Und in dieser Hinsicht ist die Er« ;ebung der Buchdrucker von nicht zu unter- chätzendem wissenschaftlichen Werth."

Bon nicht zu unterschätzendem Werthe ist auch die Feststellung derSozialen Praxis"; denn man ersieht daraus, wie ungeheuerlich der Humbug ist, den jetzt dieHandelsvertrags- reunbe mit der durch den neuen Zolltarif »rohenden Lebensmittelverteuerung treiben. Daß der wirthschaftliche Aufschwung für die Arbeiter- chaft ungemein vortheilhaft war, obwohl er eine sehr erhebliche Lebensmittelverteuerung offenbar gerade in denjenigen Orten, in denen große Arbeitermaffen beschäftigt sind, herbeige- ührt hat, wird allseitiganerkannt. Wenn nun also trotzdem vor einer durch erhöhte Zollsätze ür Getreide angeblich zu befürchtenden Erhöhung >er Lebensmittelpreise bange gemacht wird, so deruht das auf Irreführung. Selbst wenn die Brotkonsumenten wirklich den vollen Betrag iier Zollerhöhung der nach dem neuen Ent­wurf für 1000 Kilogramm 15000 Pfennige, also für ein Kilogramm anderthalb Pfennige betragen würde zahlen müßten, so stände das in gar keinem Verhältnisse zu der oben- geschildeäen, nicht durch die 'Agrarier" herbei- gesührten Lebensmittelverteuerung. Es ergiebt sich aber schließlich aus der vorstehenden Tabelle, daß die Arbeiter bei höheren Lebensmittel­preisen sich in einer besseren Lage befinden als umgekehrt; diese Thatsache wird aber durch die Getreidezollgegner verschleiert. c.

Umschau.

Der Krieg zwischen Venezuela und Kolumbien.

Bereits seit Jahren wird die südamerikanische Republik Kolumbien (vormals Neu-Granada) von blutigen Bürgerkriegen zwischen den Kleri­kalen und Liberalen verheert. Da Kolumbien den Isthmus von Panama mit seiner wichtigen, den Güteraustausch zwischen dem östlichen, und dem westlichen Amerika dienenden Eisenbahn besitzt, so kann man sich des Verdachtes nicht erwehren, daß die zerrüttenden Unruhen von nordamerikanischer Seite heimlich geschürt werden. Streben doch die Vereinigten Staaten schon lange darnach, den beherrschenden Isthmus und über ganz Mittelamerika zu erlangen, das sie demnächst durch den Riesenbau des Nikaragua- Kanals zu durchqueren gedenken.

Die Liberalen Kolumbiens, die durch Regel- uug des Finanzwesens den Staat in die Höhe

Sie selbst schwamm in einem Meer von Wonne und Glückseligkeit. Ihres Lebens schönster Wunsch würde sich erfüllen, ein Mann würde sie an fein Herz nehmen, und von dem Besitz eines Mannes erwartete sie das höchste Glück.

Eines TageS gestand Aurelia strahlenden Gesichtes denn auch wirklich ihrer überraschten Schwägerin, daß sie sich verlobt habe.

Mathilde hegte zwar bange Zweifel an dem dauernden Glück des alternden Mädchens. Eine Ahnung stieg in ihr auf, daß das Geld wohl die Wahl des Bräutigams beeinflußt haben könnte. Auch hatte der junge Mann, den Aurelia bald darauf vorgestellt, nicht eben den günstigsten Eindruck aus Mathilde gemacht. Seine so offen zur Schau getragene Zärtlichkeit für Aurelia schien erkünstelt und unnatürlich.

Selbstverständlich bemerkte die Letztere nichts von allem, und so mochte auch die erfahrene Frau nicht ein Mißtrauen erwecken, für das sie keinerlei Beweise hatte.

Aurelias Ausstattung war schon seit Jahr und Tag fertig bis auf das kleinste Stück, und lag wohlverwahrt in Kisten und Kasten. So brauchte man nicht lange zu warten." Die Hochzeit sollte bereits in sechs Wochen der Ver­lobung folgen.

Der Bräutigam war Reisender eines ange­sehenen Hauses, hatte einen gut bezahlten Posten; nur eines schmerzte Aurelia dabei, daß sie sich so ost von ihrem geliebten Arthur werde trennen müssen, da er sich immer nur kurze Zeit zu Hause aufhalteu konnte.

Er aber versicherte ihr, daß das Wieder­sehen nach kürzerer oder längerer Trennung jedesmal ein Fest für sie beide fein würde,

gebracht hatten, sahen sich durch die von den Pankees unterstützten Klerikalen verdrängt und unterhalten nun feit längerer Zeit einen regel­rechten Krieg gegen die herrschende Partei, die es sich ihrerseits angelegen sein läßt, in Vene­zuela einen Aufstand gegen die dortige liberale Regierung zu entfesseln. Der entschloffene Präsident Castro von Venezuela hält nun den Zeitpunkt sür gekommen, einen entscheidenden Schlag nicht bloß gegen die Aufständischen des eignen Landes, sondern auch gegen den unruhigen Nachbarstaat zu führen. Das Bermittelungsan- gebot der Vereinigten Staaten, das Kolumbien annahm, wurde von ihm kurzer Hand abgelehnt und unter rascher Ausnutzung der durch die Ver­wundung Mc Kinleys in der Unionsregierung entstandenen Verwirrung ist er beim kolumbischen Hafen Riohacha gelandet, wo seine Truppen sich mit den aufständischen Liberalen Kolumbiens vereinigt haben. Eine Schlacht, in der den ver­einigten Venezolanern und Uribe - Anhängern wohl der Sieg beschieden sein dürfte, soll un­mittelbar bevorstehen. Ecuador und die mittel- amerikanische Republik Nicaragua unterstützen ;)ie Politik Venezuelas theils auf diplomatischem Wege, theils durch direktes militärisches Ein­greifen.

Präsident Castro von Venezuela scheint große, weitausholende Pläne zu hegen. Wie dieDt. W." meint, beabsichtigt er ein Groß- Kolumbien zu begründen, wie es schon früher einmal durch den freilich wenig wetterbe­ständigen Zusammenschluß Venezuelas, Kolum­biens und Ecuadors versucht worden war, und mit diesen verstärkten Machtmitteln den Isth­mus entweder gegen die nordamerikanischen Uebergriffe zu behaupten oder sich alle dort von den Pankees angestrebten Vortheile mit Gold auswiegen zu lassen. Diese Bestrebungen finden seitens der mittelamerikanischen Republiken, die sich ebenfalls durch das stetige Vordringen des Einflusses der Vereinigten Staaten bedroht sehen, Unterstützung.

Sollten sich aber selbst alle mittelamerikani­schen Republiken mit einem Groß Kolumbien, wie es dem Präsidenten Castro vorschwebt, ver­einigen, so würde doch noch immer keine Macht geschaffen sein, die einer bewaffneten Interven­tion der nordamerikanischen Union die Spitze bieten könnte.

Zum Zolltarif-Entwurf.

Der Kongretz der Ortskrankenkatzen in Stutt­gart hat am Mittwoch eine Petitionsbewegung gegen die GetreidezöÜe einzuleiten beschlossen Wie eminent sachlich die Verhandlungen waren, beweist eine

und schilderte der glücklichen Braut, was er ihr alles von seinen Reisen mitbringen würde.

So gab sie sich ganz dem süßen Glücke hin, das ihr an der Seite des Geliebten winkte.

Mathilde dagegen wurde es von Tag zu Tag banger ums Herz. Der Verlobte Aureliens wollte ihr nicht gefallen. Sein Blick hatte, etwas Lauerndes, Unstetes an sich, er konnte, wenn man mit ihm sprach, einem nie offen und ehrlich in das Gesicht sehen, sondern schaute beharrlich ganz wo anders hin, und das galt mit Recht in den meisten Fällen als Zeichen von Falschheit und Tücke.

Don den Kindern konnte auch keines ein rechtes Zutrauen zudem Onkel" f aff en, so viel Bonbons und Spielsachen er ihnen auch schenkte, man merkte es ihnen dennoch an, sie ließen sich nur ungern von ihm auf den Schoß nehmen, und duldeten nur mit Widerstreben feine Schmeicheleien. Dies beirrte ihn aber keineswegs. Täglich kam er, feine Braut zu besuchen, und betrieb mit auffallendem Eifer die Vorbereitungen zur Hochzeit.

Aurelia glaubte darin nur übergroße Liebe ihres Verlobten erblicken zu dürfen. Mathilde aber las von seinen Augen ab, daß es nur der Geldbesitz war, nach dem er strebte. Es ent­ging ihr weder das spöttische Lächeln, das um feinen Mund lag, wenn Aurelia eintrat, noch die heimliche Ungeduld in den Zügen, wenn Aurelia gar zu zärtlich wurde.

Oft bat die tiefbekümmerte Frau:Aurelia Du muß Deinem Verlobten davon Mittheilung machen, daß Du über die Hälfte Deines Geldes verfügt hast."

Aber jene wollte davon nichts toiffen.

Aueßerung des Delegirten KrasFrantsort. (£ äste, Redner habe für Geireidezölle gesprochen; er wäre sonst gezwungen gewesen, dessen ärztliche Untersuchung zu beantragen Glaubt man wirklich, in swcher Weise über Maßnahmen sprechen zu können, die dem Schutz unserer Landwirtschaft dienen?

Eigenartige Gerüchte über den neuen Zolltarif werden von den Tarifgegnern jetzt kolportirt. Ein Blatt läßt sich berichten, der Kaiser habe jüngst ge­äußert: »Der Minimaltarif ist Unsinn; Bülow ist übrigens derselben Meinung." Daß Graf Bülow gegtn seine eigene Meinung die Doppelsätze und da­mit den Minimattarif in den neuen Gesetzentwurf eingefügt haben sollte, läßt sich doch kaum annehmen. Die Aeußerung des Kaisers wird auch bereits dementtrt.

Nochmals eine Auslands stimme. Auch das Organ des Zentralverbandes der Industriellen in O e st e r r e i ch spricht sich durchaus freundlich zur neuen deutschen Zollpolitik aus Hier denkt man vor allem imnvr an eine Verständigung behufs Abwehr der amerikanischen Gefahr. Als Voraussetzung be­trachtet das Organ des Ceutralverbandes öster­reichischer Industrieller, daß man aus Seite der Ber­liner Regierung nicht wieder in den Fehler verfallen wird, der vor zehn Jahren unter Caprivi gemacht wurde. Damals habe man in Berlin viel von mittel­europäischer und Dreibunds Handelspolitik gesprochen, um das Aufgeben der Bismarckschen Schutzzölle volks- thümlich zu machen, schließlich aber alle Begünstig­ungen, die Oesterreich erlangte, auch den anderen Ländern, insbesondere der nordamerikanischen Repu­blik, zukommen lassen, letzterer noch dazu ohne Gegen- leistung. Um derartigen Entgleisungen vorzubeugen, fordert das Organ der österreichifchen Industrie, daß beiderseits mit der allgemeinen Meistbegünstigung gebrochen wird, damit nicht die Zugeständnisse, die beide Staaten einander machen, hinterrücks wieder entwerthet werden. Die Form dafür, so meint es, werde sich finden taffen, trotz des Frankfurter Friedens.

Deutsches Reich

Brrtt«, 13. Septbr

Zur Anwesenheit des Prinzen Tschun in Deutschland finden sich sehr beachtens- werthe Winke, die in ihrem letzten Theile noch nicht zu spät kommen, in dem .Ostafiatischen Lloyd." Das in Schanghai erscheinende Blatt sagt in seiner Nummer vom 2. August: Von einemalten Chinesen" wird uns geschrieben: Ich stimme mit den Ausführungen des .Ostasiatischen Lloyds" über den Empfang, der dem Prinzen Tschun in Deutschland zu Theil werden sollte, durchaus überein Daß er seinem Range gemäß behandelt wird, ist selbstverständlich; aber das Festiren und Bankettiren eines chinesischen Großen erweckt in der Brust des Asiaten falsche Gefühle und Vorstellungen. Der Thronsaal im Schloß in Berlin müßte bei der Feierlichkeit der Sühneerklärung schwarz verhangen sein, der Trauermarsch von Beethoven sollte von einem Dutzend Militärkapellen gespielt werden; dazu der Donner der Geschütze, ernste Ansprachen und zurück nach China. Das wäre ein Zeremoniell wie es selbst im Siking nicht zu finden ist.

Man kann nicht gerade behaupten, daß nach der letzten Anweisung gehandelt wird. Ließ der Prinz doch sogar die Berliner Stadtverwaltung, die ihm das Rathhaus zeigen sollte, eine volle Stunde

Da8 Geld ist Röschen sicher, und für das Andere laß mich nur sorgen," sagte sie jedes Mal.

Aurelia wagte sich Arthur gegenüber auch nicht mit der Sprache heraus, aus Furcht, er könnte zurücktreten und noch in letzter Stunde die Verlobung aufheben.

Bin ich erst feine Frau, und des Besitzer feiner Person ganz sicher, so werde ich es ihm schon beibringen," tröstete sie sich.Unter Ehe­leuten läßt sich so etwas viel leichter verhandeln und überdies hat es noch gute Weile, bis Rös­chen heirathet, so lange bleiben wir ja im Besitz des ganzen Kapitals.

in.

Schon feit Monaten war Aurelia Arthur Böhlers Frau, und noch immer zögerte sie, ihrem Gatten mitzutheilen, was er doch wissen mußte nämlich, daß sie Röschen die Hälfte des Geldes verschrieben.

Und je länger sie wartete, desto härter ent­schloß sie sich dazu. Arthur war in Geldsachen unsäglich peinlich, ja geizig zu nennen. Nun wurde es ihr erst klar, welch großen Fehler sie mit ihrem Verschweigen begangen hatte, und bang lag ihr oft die Frage am Herzen, wie er wohl die Mittheilung ausnehmen würde.

Einmal aber mußte es sein. Aengstlich berichtete sie ihrem Manne, was er längst wissen sollte.

Die Wirkung war eine furchtbare, und nie in ihrem Leben vergaß Aurelia d«S wuthent- stellte Gesicht, das er ihr nach jener Mittheil- ung zeigte.

(FoBsetzung felgt.)