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Btt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ud Kirchhai».

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Marburg

Freitag 13. September 1901.

Gr(ch«uu täglich nutzer an Werktagen nach Sonn- uno Feiertagen. CmmtagSbellage: Jllustrirles SonntogSblatt.

Drnck id Betltg: 3oh. »ng. S»ch, UniverfitStS-BnchdrRck««

Marbnrg, Markt 91. Lelepbon 55.

Jahrg. 36.

Tie Zweikaiserzusammenkunst.

Don der ganzen deutschen Heirnathsflotte umgeben, hat Mittwoch Morgen Kaiser Wilhelm den Herrscher des russischen Reiches aus der Danziger Rhede begrüßt. Kaiser Nikolaus, der bekanntlich ä, la suite der kaiserlich deutschen Marine steht, wird den in den nächsten drei Tagen stattfindenden Hebungen der Flotte bei­wohnen und Gelegenheit haben, die Leistungen unserer jungen, aber starken Marine wahrzu­nehmen. Gleich dem deutschen Heere, das seit dreißig Jahren der Friedenspolitik des Reiches den festen Rückhalt geboten hat, ist auch unsere Kriegsflotte bestimmt, nicht als Instrument einer auf kriegerische Eroberungen gerichteten Etaatskunst zu dienen, sondern einer friedlichen Entwickelung des deutschen Volkes die Wege zu sichern. In diesem Geiste werden die Salut­salven der Flotte dem Herrscher des mächtigen Nachbarreichs, der mit Wort und That sich als Friedensfürst bewährt hat, begrüßen.

Was die politische Bedeutung der Danziger Begegnung betrifft, so ist wohl nicht anzu­nehmen, daß besondere politische Probleme bei diesem Anlässe ihrer Lösung entgegengeführt werden sollen. In der heutigen Zeit, die die Unterhandlungen von Kabinet zu Kabinet so außerordentlich erleichtert hat, find Fürsten­begegnungen überhaupt nicht mehr als geeignete oder gar einzige Mittel zur Bewerkstelligung rascher Entscheidungen anzusehen. Sie sind in unserer Zeit weit mehr der Ausdruck einer voraufgegangenen Klärung oder der Befestigung freundschaftlicher Beziehungen. Schon in diesem Sinne allein kann den Danziger Tagen die politische Bedeutung nicht abgesprochen werden. Dazu kommt, daß der Gedankenaustausch über die Grundzüge der deutschen und der russischen Politik, der ohne Zweifel zwischen den beiden Kaisern ebenso wie zwischen dem Grafen Bülow und dem Grafen Lambsdorff statthaben wird, sicherlich dazu beitragen wird, die freundschaft­liche Gestaltung des deutsch-russischen Verhält­nisses zu fördern. Die Friedensliebe des Kaisers Nikolaus hat in dem Grafen Lambsdorff ein aufrichtiges und ergebenes Organ für die Ausführung der Intentionen des russischen Herrschers. Dieser Staatsmann, der lange Jahre sich mit der stillen, aber arbeitsvollen Thätigkeit als erster Berather des Ministers des Auswärtigen begnügt hat, ist in einer Zeit ernster Entscheidungen zum Leiter der aus­wärtigen Politik Rußlands berufen worden und hat sich deS von seinem Kaiserlichen Herrn

in ihn gesetzten Vertrauens würdig gezeigt. Man darf sich der Zuversicht hingeben, daß aus dem persönlichen Verkehr des russischen Ministers mit dem Grafen Bülow für die deutsch-russischen Beziehungen werthvolle Folgewirkungen hervor­gehen werden.

liebet die Ankunft des Zaren liegen uns folgende Meldungen vor: Auf die Nachricht, daß die YachtStandard" mit dem Zaren sich der Danziger Bucht nähere, war der Kaiser auf derHohenzollern" seinem hohen Gast ent­gegengefahren. Bald nach 10 Uhr Vormittags kam in der Höhe von Rixhöst dieStandard" in Sicht. Als dieStandard" längsseits der Hohenzollern" erschien, paradirten auf beiden Kaiserhachten die Besatzungen, die Musikkapellen intonirten die Nationalhymne, und drei Hurrahs zur Begrüßung wurden ausgebracht, während die Begleitschiffe den Kaisersalut feuerten. Nach­dem sich der zum Ehrendienst befohlene Flügel­adjutant Graf Platen auf derStandard" ge­meldet, begab sich der Zar in seiner Gig, an Bord derHohenzollern". Der Kaiser er­wartete seinen Gast am Fallreep. Beide Majestäten begrüßten und umarmten sich sehr herzlich. Darauf fand die Vorstellung der beiderseitigen Gefolge und der Offiziere der Hohenzollern" statt. Die Monarchen schritten hierauf die Front der Ehrenwache ab und be­grüßten sodann den an Bord derHohenzollern" eingetroffenen Großfürsten Alexis sehr warm, der von seinem Adjutanten, Fregattenkapitän Zuroff, begleitet war. Die Majestäten begaben sich alsdann aufs Promenadendeck, wo sie in eifrigem Gespräch bis zur Frühstückstafel ver­blieben, die um 1 Uhr die Herrschaften mit den Gefolgen wieder vereinte.

Bei der Mittagstafel an Bord derHohen­zollern" saß der Zar rechts vom Kaiser, Groß­fürst Alexis links, rechts vom Zaren der Reichs­kanzler. Die Mittagstafel verlief in ange­regtester Unterhaltung. Die Tafel wurde auf­gehoben, als Hela in Sicht kam. Bei herr­lichstem Wetter, Sonnenschein und ruhiger See wurde die herannahendeHohenzollern" von der Flotte mit Salut begrüßt. Die Kaiserhacht dampfte, mit der deutschen und der russischen Kaiser standarte im Großtopp, durch die beiden Schiffslinien. Die beiden Monarchen nahmen vom Kaiserstand derHohenzollern" aus die Parade über die Schiffe ab, welche über den Toppen geflaggt hatten und deren Besatzungen mit drei Hurrahs begrüßten, während die Bord- mufiken die russische Nationalhymne spielten. Die Kaiseryachten ankerten daraus an den für die vorgesehenen Plätze auf Spiß in ganzer

Formation. Hierauf wurden die Admirale, Kommandanten, Stabchefs und Flottillenchefs an Bord derHohenzollern" zur Defilircour von den Majestäten befohlen.

Umschau.

Die Beisetzung Miquels.

Das Leichenbegängniß v. Miquels ging Mittwoch Nachmittag in überaus feierlicher Weise vor sich.

Im Trauerhaus in der Wöhlerstraße versammelten sich gegen 2*/» Uhr die Leidtragenden in dem zu ebener Erde liegenden Eckzimmer, wo der Sarg in­mitten eines Palmenhaines aufgebahrt war. Das Zimmer war schwarz ausgeschlagen. Um den Sarg herum waren die überaus zahlreichen Kranzspenden niedergelegt, am Fußende der Kranz des Kaiserpaares, dessen weiße Schleife die Initialen und die Krone der Majestäten trug Nach dem Vortrag eines Chorals durch den Frankfurter Sängerbund hielt Kousiftorial- rath Dr. Ehler eine tief empfundene Gedächtnißrede, in welcher er den Heimgegangenen als Mensch und Vater schilderte und zum Schluß den Angehörigen Trost spendete. Der abermalige Vortrag eines Chorals beendete die schlichte Trauerfeier im Hause.

Um 3 Uhr setzte sich unter Vorantritt der Krieger- kameradschast und des Schützenvereins der Trauerzug in Bewegung. Vor dem zweispännigen Leichenwagen, der von städtischen Förstern flankirt war, trugen Diener des Verstorbenen die Kranzspenden sowie die Orden desselben. Hinter dem Sarge schritten die Familienangehörigen sowie die übrigen Leidtragenden. Den Schluß des Zuges bildete die Feuerwehr mit ihren Musikkorps. Das Wetter war regnerisch. In den Straßen hatte sich auf dem langen Wege zum Friedhof eine tausenoköpfige Menge angesammelt, die in ehrfurchtsvollem Schweigen den Leichenkondukt vor­überziehen ließ.

Um 4 Uhr langte der Trauerzug am Pottal des Friedhofes an. Unter den Klängen des Chorals: .Jesus meine Zuversicht rc." wurde der Sarg zur Grust getragen und dort niedergesetzt, woraus Kon- sistorialrath Dr. Ehler ein Gebet und den Segen sprach. Sodann trat Oberbürgermeister Dr. Adickes an das Grab und widmete im Namen der Stadt Frankfurt dem Heimgegangenen Ehrenbürger warme Worte des Abschieds. Es folgten kurze Ansprachen der Vertreter der städtischen Korporationen von Osna­brück. der Aktiengesellschaften und Vereine. Als Letzter sprach Rudolf von Bennigsen. Ein nochmaliger Vor- ttag des Vereins: .Jesus meine Zuversicht" beschloß die erhebende Feier.

Das Grab, in welchem der Verstorbene ruht, ist durch Beschluß der Stadtverordneten - Ver­sammlung von der Stadt Frankfurt gestiftet, welche dasselbe auch unterhalten wird. Auch ist die Errichtung eines Grabmonuments als sichtbares Zeichen der Erinnerung an den Ehren­bürger und das einstige Oberhaupt der Stadt Frankfurt geplant.

Zum Zolltarif-Entwurf.

Der K«lt«r- and Gewerbeverein für diu Kreis Siege« beschloß in einer Vorständssitzung nach eingehender Berathuna über den Ouebracho- zo>l erneut Petitionen an Reichstag, Bundesrath und Handelsminister zu ttchten, worin ein Zoll von 6 Mk. für den Doppelzentner Ouebracho und für Gerbstoff- extracte eine Verzollung nach dem Gcrbstoffgehalt ge- fordert wird. Der Zolltarifentwurf sieht ein Zoll von 2 Mk. und für Extraete einen solchen von 8 Mk. pro Doppelcentner vor.

Eiae Bersammluug rheinischer Lauvwirthe aus den Regierungsbezirken Trier und Koblenz, die in Koblenz stattfand, forderte erhöhten Zollschutz für Getteide, Viehzucht und Milchwirthschast. Sie forderte ferner höheren Schutz für den Obst- und Gemüsebau, sowie die Lohschälwaldungen.

Mit welcher bodenlose« Uukeuutuitz der that- sächlichen Verhältnisse die Agitation gegen den neuen Zolltarifentwurs betrieben wird, zeigt wieder einmal eine Resolution der Portefeuille-Arbeiter von Offen­bach a. M. In dieser wird u. A. gegen die Erhöhung der Zölle aus Häute und auf Leder protestirt. Zölle aus Häute gab es bisher nicht, sie konnten also auch nicht erhöht werden. Der neue Zolltarifentwurf ent- hält aber nicht nur ebenso wie der alte Tarif völlige Zollfreiheit für Häute und Felle, er hat sogar diese Zollsreiheit in etwas ausgedehnt, indem künftig auch gespaltene Felle, die bisher einem Zolle unterlagen, von diesem befreit sein sollen. Auch der Protest der Offenbacher Portefeuille-Arbeiter gegen die angeblicke Erhöhung der in ihrer Branche gebrauchten Leder ist völlig verfehlt. Gerade mit Rücksicht auf die Porte- feuille-Jndustrie ist der Zoll für die Schafleder, die vornehmlich in Offenbach verwendet werden, auf dem Satze von 36 Mk. belasten. So wird gegen Zoll» erhöhungen gekämpft, die garnicht vorgenommen find. Aber der .Vorwärts" und die sozialdemokratifche Presse erhalten Stoff, um ihre Rubrik .Zollwucher- Proteste' zu füllen. Eine solche Agitation ttchtet sich doch selbst.

Deutsches Reich

»etHtt, 12. Septbr

Für die Kaisermanöver ist eine draht­lose Funken-Telegraphen-Verbindung zwischen den Kirchthürmen der Dirschauer katholischen Pfarrkirche und Marienkirche in Danzig hergestellt worden. Sie arbeitet tadellos. Die Dirschauer Station hat nicht nur bereits mit der Danziger Sation, sondern auch mit denjenigen Kriegsschiffen auf der Rede von Neufahrwaster, die mit Marconiapperaten ausgerüstet find, Depeschen gewechselt.

Für seuchenerkrankte heimkehrende Chinatruppen sollen schleunigst Baracken bei Wunstorf in der Lünenburger Heide gebaut werden.

Ausland

Vereinigte Staaten, liebet das Befinden des Präsidenten lauten die Nachrichten fortgesetzt günstig. Vicepräfident Roosevelt hat Buffalo Dienstag Abend verlassen. Er erklärte, er

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4 (Nachdruck verboten.)

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

(Fottfetzung.)

Der Mann im zerlumpten Kittel hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen, und große Zähren rannen ihm in den struppigen, er­grauenden Bart.

Aus's Tiefste ergriffen, von solchem Elend, das hier so sichtlich zu Tage trat, umstanden alle eine Weile den heftig schluchzenden Alten.

Ihr sollt heute nicht ohne Brot heimkehren," sagte ein Mann in Arbeiterkleidung. Indem er sich an die andern wandte, fuhr er fort: Wir wollen dem Unglücklichen seine Waren abkaufen, jeder trage nach seinen Kräften zur Linderung dieser Noth bei."

Ein anderer hatte bereits die sämtlichen Lose vom Boden aufgelesen, und hielt sie den übrigen Umstehenden entgegen, indem er lachend jedem zurief:Lauter Treffer, wer kaust? Wer hat noch Lust? Hier thut man ein gut Werk."

Wir wollen auch so einen Treffer haben, aber den Haupttreffer, Röschen, Du ziehst für mich ein Los," sagte Tante Aurelia heiter. Als das Kind ihr daS ausgewählte Papier übergab, legte sie lächelnd ein blankes Zweimarkstück in die kleine Hand.Röschen brachte es eilend dem glückstrahlenden Mann, dessen Schmerz sich rasch in Freudenthränen ausgelöst hatte.

Im Nu war auch alles andere verkauft, waS vorher niemand haben wollte, Hosenträger, Portemonnaies, Knöpfe, aller möglicher Kram wurde versteigert und mit sehr guten Preisen bezahlt.

Noch kann ich es gar nicht fassen," jubelte der Atme, deffen Schwäche wie weggeblasen war, in der Freude schien er sie gar nicht mehr zu fühlen.

Nun freut Euch, Kinder!" schrie er, als könnten die Angerusenen ihn hören,nun bin ich reich, und bringe Brot zum Satteffen. Ver­gelts Euch Gott tausend und tausend Mal, Ihr guten Leute!"

Glückselig trottete er gleich darauf mit seinem leeren Köfferchen von dannen. Alle aber fühlten eine süße Genugthuung im Herzen, ob deL gelungenen guten Werkes.

*

Etwa drei Wochen mochten seitdem vergangen sein, als eines Tages Aurelia zu Mathilde ins Zimmer stürzte, ein Zeitungsblatt in der hoch- gehobenen Hand schwingend.

Die gute Tante befand sich offenbar im Zu­stande höchster Erregung. Sie sah aus, als ob sie nicht recht bei Verstand wäre, und schrie ihrer, sie erstaunt und faffungslos anstarrenden Schwägerin zu:

Hilf mir Mathilde, daß ich nicht verrückt werde! O, Gott, ist es bann wirklich wahr, ist es keine Täuschung meiner Sinne, ich --ich kann nicht mehr lesen, mit flimmerts vor den Augen, sieh' her Mathilde, hier und sage mir bann, was ba steht, ich kann es noch nicht glauben!"

Erschöpft hielt Aurelia inne, indes Mathilde die bezeichnete Stelle las:

Den Haupttreffer bet Kirchenbau - Lotterie zu G . . . . gewinnt Loos-Nr. 135 692"--

Noch erregter als vorher würbe Aurelia unb

Mathilde wat tatsächlich im Zweifel, ob jene bei Sinnen sei ober nicht.

Aber sage boch endlich, was bebeutet bies alles?"

Was bas bedeutet, Mathilde ?" schrie Aurelia, das bedeutet, daß ich ich den Haupttreffer gewonnen habe, o Himmel, 60 000 Mk., welche Summe!"

Jubelnd eilte sie hinweg ins Nebenzimmer, wo Röschen, ruhig spielend bei ihren Puppen saß, riß das Kind, das gar nicht wußte, wie ihm geschah, stürmisch empor, nahm es in die Arme, indem sie eS mit Küssen fast erstickte, und trug die Kleine in das Zimmer der Mutter.

Aber, Tante, was hast Du nur, laß mich doch los," sagte Röschen weinerlich.

Du, Du Glückskind Du!" tief diese ein über das andere Mal,Du bist ja an dem ganzen Glück schuld, Du allein, ich ich kann es noch immer nicht glauben. Aber Du sollst Deinen Theil bekommen, wahr­haftig, das verspreche ich hier feierlichst:An Deinem Hochzeitstage sollst Du die Hälfte des gewonnenen Geldes ausbezahlt bekommen. Ich hab's ja immer gesagt, die Kinder werden noch einmal Glück haben, viel Glück, und nun fällt uns solch' eine Summe in den Schooß!"

Mathilde, die ihre vorhin ebenfalls bedenk­lich ins Schwanken geratene Fassung bereits wieder erlangt hatte, trat ruhig auf Aurelia zu, indem sie mit leicht vibtirender Stimme sagte:

Was Du von dem halben Gewinn sprachst, das ist wohl leichter gesagt, als gethan. Bis Röschen sich einmal verheirathet, ist lange, lange

hin, und Du wirst es wohl längst wieder ver- geffen haben."

Ich denke, Du kennst mich genau genug, um zu wissen, daß ich Versprochenes zu halten pflege; denn Dir, Mathilde, nimm es mir nicht übel, Dir vertraue ich das viele Geld nicht an, Du könntest sonst wieder in Ver­suchung gerathen, wie früher, wo Du"

Halt ein, Aurelia," unterbrach die blaß gewordene Frau heftig die Sprecherin,Du hast kein Recht, mir dieses vorzuwerfen, ich bin so schon unglücklich genug, ich verlange auch für mich nichts, keinen Pfennig Deines gewonnenen Schatzes.

Schluchzend sank Mathilde auf den nächsten Stuhl, indeß Aurelia neben ihr nieder kniete.

Laß uns nicht streiten, Liebste, an einem solchen Tage, der für uns alle ein Freudentag ist. Ihr sollt mit mir genießen, aber Röschen, das Glückskind, das mir dieses Los gezogen hat, sie will ich ganz besonders bedenken. Da Du meinem gesprochenen Worte nicht glauben willst, so sollst Du es schriftlich haben. Bringe mir Feder und Papier, rasch, so"

Mathilde stellte das Gewünschte vor ihre Schwägerin hin, und diese begann zu schreiben, mit krausen, viel verschnörkelten Buchstaben:

Die Unterzeichnete erklärt sich hiermit be­reit, ihrer Nichte, Rosa Mahler, an deren Hoch­zeitstage die Hälfte des auf Los-Nr. 135 692 gefallenen Gewinnes von 60000 Mark, also 30000 Mark, mit Worten dreißigtausend Mark, ausbezahlen.

P . . ., den 8. Januar 18 . .

Aurelia Mahler."

(Fottfetzung felgt.)