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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhai«.
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Die Zitirung Bismarcks ist uns durchaus willkommen, denn der große Kanzler hat in einer Verhandlung mit Jules Favre seinen Standpuntt präzise dargelegt und gerechtfertigt. Der französische Staatsmann beklagte sich darüber, daß gegen die Franctireurs mit aller Härte vorgegangen würde, wo doch diese Leute gute Patrioten seien und ws sie doch nichts anderes thäten, als deutsche Bauern, die zur Zeit der napoleonischen Kriege kleine französische Abtheilungen aus dem Hinterhalte überfallen hätten. Schlagfertig wie immer erwiderte Bismarck darauf: „Ja, aber unsere Bäume tragen noch die Spuren von den Stricken, an denen diese Bauern, wenn sie erwischt wurden, von den Franzosen aufgeknüpst wurden."
Der Vergleich der „Times" zwischen den Buren und Franctireurs ist absolut hinfällig. Als die reguläre französische Armee in den ersten Monaten des großen Krieges fast vollständig, theils in den Schlachten, theils bei den,
Der südaftikanische und der deutsch- frarizöMe Krieg.
„Ach Muttchen, wenn Waldi nicht mit geht, bleibe ich auch da, sonst ist er ganz allein," meinte Röschen treuherzig.
„Geh Du nur mit," entschied die Mutter, „Ihr kommt ohnehin jetzt zu selten hinaus. Waldemar bleibt schön bei mir, nicht wahr mein Jungchen? Der Kleine nickte, aber doch traten ihm die Thränen in die blauen Augen, als sein Schwesterchen ihm die Hand reichend sagte: „Ich komme ja bald wieder, Waldi, dann spielen wir weiter."
Er wäre doch gar zu gerne mitgegangen, nun fühlte er sich so einsam, die Mutter saß meist still bei ihrer Arbeit und weinte wohl nicht selten, seit der Vater tot war.
Waldemar eilte an das Fenster, drückte das Stumpfnäschen platt an die Scheiben, und sah traurig den sich Entfernenden nach, bis sie feinen Blicken entschwanden.
Tante Aurelia schritt, Röschens kleine Hand in der ihrigen, eilig vorwärts. Die Wintersonne lag grell auf dem frisch gefallenen Schnee, der wie Diamanten glitzerte, und blendete so die Augen, daß man sie fast nicht aufschlagen konnte.
Einige Straßen hatten die beiden schon durchschritten, als Röschen plötzlich stehen bleibend, lebhaft ausrief: „Ei, sieh doch mal, Tantchen, was ist denn da? Dort, ich meine, — wo die vielen Leute find!"
Sie deutete auf eine Gruppe von Menschen, die theils aus Neugierde, theils aus Theilnahme einen ärmlich gekleideten Mann umstanden, der, wie es schien, vor Ermattung oder Schwäche auf einen Haufen Schnee niedergesunken war. Es mochte ein Haufierer sein, wenigstens be-
Eroberungen von Festungen in Gefangenschaft gerathen war, bildete sich bekanntlich eine ungeheure Volksarmee, mit der die deutschen Truppen noch monatelang die schwersten Kämpfe zu bestehen hatten. Die Mannschaften dieses Dolksheeres wurden, wenn sie gefangen genommen wurden, genau so anständig behandelt, wie vorher diejenigen der kaiserlichen Armee. ES war somit jedem Franzosen die Gelegenheit gegeben, ohne Gefahr standrechtlicher Erschießung seinen Patriotismus zu bethätigen. Darum war es nur gerecht, daß diejenigen, die sich nicht dem Volks- Heere anschlosien, sondern es vorzogen, deutsche Soldaten aus dem Hinterhalte abzuknallen, wie man auf dem Anstande einen Rehbock abschietzt, nicht als Soldaten, sondern als gemeine Meuchelmörder behandelt wurden. Dee kämpfenden Buren aber sind keine Franctireurs, sondern sie schließen sich ihrem Dolksheere an. Ob dieses aus Brigaden und Regimentern, wie seiner Zeit in Frankreich oder aus kleinen Reiterkommandos, wie es in Südafrika der Fall ist, besteht, ist sachlich gleichgültig.
Dies zur Behandlung, die den Kämpfenden zu Theil wird. Nun zur Behandlung der Frauen und Kinder und des Eigen- thums. Niemals ist es deutschen Truppen eingefallen, Frauen und Kindern die Leiden des Krieges fühlen zu lasten. Ganz anders die Engländer, die Frauen und Kinder gewaltsam in die Konzentrationslager schleppen und sie dort an allem möglichen Mangel leiden lasten, so daß die Sterblichkeit eine gewaltige ist. Schon am 15. Mai schrieb der Berichterstatter der „Welt-Korrespondenz" in Pretoria: „Die Sterblichkeit, besonders unter den Kindern, war in diesen Lagern schon immer sehr groß und wie es nun bei Beginn des Winters werden soll, ist nicht abzusehen." Nun, die schlimmsten Erwartungen find übertroffen worden, denn letzthin wurde gemeldet und zwar von englischer Seite, daß an 1000 Kinder in den Konzentrationslagern gestorben sind.
Und nun zur Behandlung des Eigenthums. Deutscherseits wurde Eigenthum nur in zwei Fällen zerstört: einmal, wenn von Franctireurs aus Häusern heraus auf deutsche Soldaten ge- schoffen wurde — dann wurde das betreffende Dorf in Brand gesteckt —, und zweitens, wenn es in dem bekanntlich fürchterlich strengen Winter völlig an Brennmaterial fehlte und die Mannschaften dem Erfrieren nahe waren — dann wurden Möbel zerschlagen, um mit dem solchermaßen gewonnenen Holze zu heizen. In beiden Fällen kann man wohl sagen, daß es sich um eine Nothlage handelte. — Wie anders
Fenster. Aus der ehemals so lebenslustigen, in allen besseren Kreisen der Stadt wohlbekannten Frau, war eine stille, in sich gekehrte, trauernde Witwe geworden. Sie arbeitete in den letzten Wochen fast zu viel, um ihren und der Kinder Unterhalt zu verdienen.
Einen Augenblick ruhten jetzt die fleißigen Hände, um den Mund irrte ein leises Lächeln, als sie nach den eifrig spielenden Kindern schaute. RöSchen hantierte emsig mit allerlei Puppengeschirr, indem sie lustig dazu sang:
»Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann weiß ich was ich werd'.
Ich werd' eine Köchin, eine Köchin am Herd."
Waldemar der Junge, mit dem blonden Krauskopf, schwang seinen hölzernen Säbel, und fiel lachend mit heller Stimme ein:
„SEBenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Weiß ich auch, was ich werd'.
Ich werde ein Reiter, ein Reiter zu Pferd."
In diesem Augenblick trat Tante Aurelia, zum Ausgehen gerüstet, ein. Sie trug eine kurze, enganliegende Pelzjacke, eine dazu paffende, aher sie Niel zu jugendlich kleidende Pelzmütze nebst Muff.
„Mathilde," sagte sie, auf die blaffe Frau zutretend, „es ist ein Haier, heller Tag heute: ich gehe aus, um einige Freundinnen zu besuchen, willst Du, daß ich die Kinder mitnehme? Ich dächte, es würde ihnen gut thun, ein wenig srische Luft zu schöpfen."
„Röschen kann allenfalls mit Dir gehen," erwiderte Jene, „Waldemar Nagt heute über Schmerzen im Hals, und soll deshalb im Zimmer bleiben."
die englischen Truppen! CharaNeristisch hierfür ist die „Eroberung" von Nylstroom und Pietersburg im April dieses Jahres. In beiden Orten wurde keinerlei Gegenwehr versucht. Trotzdem wurde alles Transportable geraubt, alle Immobilien, wie die Häuser, wurden demolirt, und was dem Beile Widerstand leistete, mit Dynamit gesprengt. Das Charakteristische aber ist, daß, wie der Mitarbeiter der „Welt-Korrespondenz" seinerzeit mit- Iheilte, einOffizieraufdieBitte, der niederträchtigen Verwüstung Einhalt zu thun, erwiderte: „Wir haben gegenwärtig keine Kontrolle über unsere Leute." Und freilich, wenn die Disziplin vollkommen aufgehört und der Offizier alle Gewalt über die Leute verloren hat, dann kann man es dem Soldaten, besonders wenn jer nicht wie in der deutschen Armee Theil eines Bolksheeres, sondern ein um etliche Schillinge angeworbener Söldling ist, kaum noch verdenken, wenn er die Bestie hervorkehrt.
Wir begnügen uns mit diesen wenigen Stichproben. Wenn aber,bie „Times" es wünscht, kann sie noch mehr zu hören bekommen, denn an Material fehlt es wahrhaftig nicht. Die englischen Blätter würden wirklich nur in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie eS unterließen, den südafrikanischen Krieg mit dem
Das Attentat aus McKinley.
Das Befinden McKinleh's scheint sich stetig zu beffern. DaS Dienstag früh 7 Uhr ausgegebene Bulletin besagt: Der Präsident verbrachte die letzte Nacht so gut wie noch keine seit dem Mordanschlag. Gestern verlangte McKinley die Morgenblätter, die ihm jedoch nicht gegeben wurden.
Einer der Aerzte, welche den verwundeten Präsidenten zuerst behandelten, Dr. Edward Wallace Lee erzählt: Sobald die Aerzte beschlossen hatten, eine Operation vorzunehmen, sagte einer derselben zum Präsidenten: „Herr Präsident, Ihr Zustand erfordert eine Operation," worauf Mc Kinley in ruhigem Tone leise antwortete: „Meine Herren, ich wünsche, daß Sie thun, was immer Sie für nothwendig halten." Die Operation wurde von Dr. Mann unter Assistenz der Doktoren Parmenter und Mynter vorgenommen. Dieselbe dauerte über ein Stunde, aber alle Versuche, die Kugel aufzufinden, waren vergeblich.
Der ftühere Chef der Geheimpolizei, Harrison, erklärte, die Verschwörung zur Ermordung des Präsidenten sei vor einem Jahre in Europa
rechtigte ein neben ihm stehendes, vielbenütztes, schwarzes Lederköfferchen zu dieser Annahme.
Auf dem Boden verstreut lagen verschiedene Papiere, anscheinend Lose, die jedenfalls dem Manne aus bet Hanb geglitten waren.
In bem Augenblick, als Tante Aurelia mit Röschen herzutrat, kehrte bem armen Bedauerns- werthen bie Besinnung zurück. Sein erster Blick galt den am Boben verstreut liegenben Papieren, unb mit bem Rufe: „Ach Gott, ach Gott, meine Loose, auch bas noch," — wollte er ben werthvollen Besitz eiligst zusayimiinpaffen, allein er taumelte unb fiel kraftlos zurück, stöhnenb und jammernb.
„Beruhigt Euch, armer Wann, meinte einer bet Umstehenden mitleidig, „es soll keines verloren gehen."
„Euch ist gewiß unwohl?" fragte ein anderer, „Ihr seht so trank und elend aus."
„Ich habe heute noch keinen Biffen gegeffen, Herr, daher wurde mit vorhin zu schwach, daß ich nicht weiter konnte, dazu bie Käste, klagte der Aerrnste traurig.
„Nun lauf ich seit heute früh ununterbrochen von Haus zu Haus, ohne auch nur einen Pfennig verdient zu haben. Niemand will kaufen von mir, und zu Hause, da .warten sieben hungrige Kinder und ein armes, krankes Weib sehnsüchtig auf mich. Nun muß ich mit leeren Händen wieder heim und sagen, ich habe nichts, rein nichts verdient, kann Euch deshalb kein Brot mitbringen. Das Klagen uttb Weinen zerreißt mir das Herz, es ist zu viel, zu viel, o atme, arme Kinder."
(Fartsetzung folgt)
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Umschau.
Zur Monarchenzusarnmenkunft in Danzig.
Wir nähern uns dem Zeitpunkte, für welchen die Zusammenkunft zwischen unferm Kaiser und dem Zaren festgesetzt ist, immer mehr. Kaiser Wilhelm hat sich in Pillau auf der Pacht „Hohenzolletn" eingefchifft und befindet sich zur Zeit auf der Fahrt nach der Danziger Rhede. Die Stadt Danzig, insbesondere der Hafen, rüstet sich für diesen historischen Moment, der Fremdenzudrang ist außerordentlich stark, die Legitimationen bet bort bereits ein= getroffenen Journalisten werden auf das Sorgfältigste geprüft, die Danziger Polizei, sowie zahlreiche Beamte bet Berliner politischen Polizei unb bet russischen Staatspolizei find in Danzig eingetroffen, um ben Sicherheitsdienst für die beiden Monarchen wahtzunehmen. Der Zar felbft, bet bisher auf Schloß Fredensborg bei Kopenhagen weilte, hat bort am Dienstag ein Zusammentreffen mit König Eduard von Englanb auf bet Rhebe von Helsingöt gehabt; bet Unterredung kann Wohl kaum eine größere politische Bedeutung zugesprochen werden. Aus seiner Pacht „Standard" hat der Zar sodann die Reise nach bet Danziger Rhebe angetrefen. Hoffen wir, baß bie Zusammenkunft der Monarchen bie Banbe bet Freundschaft wird zwischen Rußland enget schützen, dieweil in einem engeren Bündniß zwischen diesen beiden Nationen bie wahre Bürgschaft des Friedens unb bet wirthschastlichen Wohlfahrt der Völker liegt.
Enbe biefet Woche läuft bekanntlich bie Frist ab, bie Lord Kitchener ben Suren zur Rieberlegung bet Waffen gestellt hat. Der Versuch, bie Suren durch Drohungen zur Kapitulation zu zwingen, ist schon jetzt als völlig gescheitert anzusehen, unb so wird man sich auf eine 'brutalere Handhabung der englischen Ktiegssührung in Südafrika gefaßt zu wachen haben. Um nun Vorwürfe, besonders von deutscher Seite, von vornherein zu beseitigen, bemüht sich die „Times" datzulegen, daß Deutschland den Krieg von 1870/71 viel rücksichtsloser geführt habe, als England es in Südafrika thue.
In einem der Artikel der „Times" werden mehrere Ankündigungen deutscher Befehlshaber zitirt, wonach Franzosen, bie, ohne Soldaten zu sein, gegen bie deutschen Truppen kämpften, zum Tode verurtheilt werben würben. Es wirb speziell ein Fall angeführt, in bem ein Kaplan, „ der Waffen verborgen unb an bie Einwohner (6(W ^68 Dorfes, bie bann mit biefen Waffen auf j^== die Deutschen schossen, vertheilt habe, standrecht- IJÜ lich erschossen worden sei. Der andere Artikel * sucht einen noch stärkeren Trumpf auszuspielen, « indem er sich auf ben Fürsten Bismarck * beruft. Dieser habe wieberholt mit allem Nach- < drucke verlangt, baß alle Franctireurs, bie « Lerrath an ben deutschen Truppen übten b. h. sie aus bem Hinterhalte belauerten unb über- fielen, rücksichtslos zum Tobe verurtheilt werben
BlettthilrH»«* 8*i>lHnll: M btt ®R)tbto»n S 9tt, «rftttat täglich außer en Werktagen nach Sonn- uno Feiertagen
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Donnerstag 12 September 1901.— -3aW db-
entstauben, als König Humbert ermordet wurde seitdem sei Czolgoß mit Geld versehen und im Verbrechen geübt worden. Czolgoß soll einge- stanben haben, daß bei einer kürzlich ab gehaltenen Anarchistenversammlung bie Ermordung Mc Kinleys berathen worden sei, woraus er als einer der Anwesenden sich freiwillig dazu erboten habe; er habe zwei Komplicen gehabt, einen Mann, der ihm bei dem Attentat vorausging, und eine Frau, die folgte. Die Namen anzugeben, weigert er sich.
Die „Tribunä" meldet aus Silvercity in Neu-Mexico, ein Anarchist namens Antonio Moggio sei in Santarita verhaftet worden. Er erklärte vor dem Attentat, Mc Kinley würbe vor bem 1. Oktober ermorbet werben. Die Zahl ber Anarchisten in den Vereinigten Staaten beträgt 100000.
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Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Sie hingen in inniger rührenber Zärtlichkeit oneinonber, wie man es bei Kindern, und schon gar bei Geschwistern selten trifft. Es war noch niemals vorgekommen, daß sie sich miteinander zanften ober stritten. Keines mochte bas onbere weinen sehen, alles was sie geschenkt bekamen, cheilten sie reblich mit einanber. An Tante Aurelia besaßen bie Kinder eine treue, sorgsame Beschützerin. Das Fräulein hatte nur den einen, großen Fehler, daß es mit allen Mitteln darnach trachtete, einen Mann zu bekommen, und deshalb öfters von Mathilde verspottet wurde.
Dann zog sie sich Tage lang auf ihr Zimmer zurück, grollend mit ihrem Schicksal im allgemeinen, und mit ber gesamten Herrenwelt im Besonberen weil es keiner einsehen wollte, war für ein Juwel er an ihr besitzen könnte.
Doch immer waren es bie Kinder, bie sie ihren Schmerz vergeffen machten, unb durch ihr heiteres Geplauder alle Schatten verscheuchten.
So gelobte sich Aurelia auch in dieser Nacht, die ihr die schrecklichste ihres bisherigen Lebens dünkte, zu thun, waS in ihren Kräften stand, um den Kleinen nach Möglichkeit den Vater ersetzen zu helfen.
Weihnachten stand vor der Thür. Frau Mathilde saß, ganz in ihre Arbeit vertieft, am