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Mittwoch. 11 September 1901. *"* - Untverfitätr-Bachdracktt«

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Jahrg. 36.

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Zur Kaiser - Zusammenkunft in Danzig.

Die Monarchen-Zusammenkunft in Danzig zeichnet sich vor sonstigen Fürstenzusammen­künsten durch ein besonderes Merkmal aus. Während sonst die fremdländischen Herrscher meistens zu einer großen Heerschau eingeladen werden, wie beispielsweise wiederholt innerhalb der 90 er Jahre der österreichische Kaiser und der unglückliche König von Italien und wie im Jahre 1896 auch der Kaiser Nikolaus, wird diesmal der russische Kaiser Zeuge einer glänzenden Flottenparade des gesammten Ma­növergeschwaders sein.

Wir möchten darin das Wahrzeichen einer neuen Epoche der Entwicklung des Deutschen Meiches erblicken. Die russische und die deutsche bezw. preußische Armee kennen sich seit Jahr­hunderten, im Guten wie im Bösen. Sie haben gelegentlich gegeneinander gefochten, wie im siebenjährigen Kriege, aber sie haben noch häufiger gute Waffenbrüderschaft mit einander gehalten, besonders in den Kämpfen gegen den korsischen Eroberer. Auch nach diesen Kriegen hat das waffenbrüderliche Verhältniß zwischen den beiden Armeen nicht ausgehört. Russische Kaiser und Großfürsten waren Inhaber preußischer Regimenter, preußische Herrscher und später die deutschen Kaiser die Chefs russischer Regimenter. Und es war diese Jnhaberschaft nicht nur wie sonst wohl eine höfische Formalität, sondern die Herrscher des einen Landes nahmen persönlichen Antheil an den Schicksalen der Armee des anderen Reiches und natürlich ganz besonders der ihnen gehörenden Regimenter. Ein charakter­istisches Beispiel dafür, daß diese Waffenbrüder­schaft sozusagen in Fleisch und Blut überge­gangen ist, war die Thatsache, daß bei der vor­jährigen Expedition in China die deutschen und die russischen Soldaten sich ohne Weiteres als zusammengehörig betrachteten und viel intimer mit einander verkehrten, als mit den Kontingenten anderer Mächte. Und daß diese Waffenbrüder­schaft noch nicht vergessen ist, dafür lieferte schönen Beweis jenes herzliche Telegramm, daß der russische General Stößel vor einigen Wochen an die deutschen Waffenbrüder richtete.

Die Waffenbrüderschaft aber von Tientsin leitete sozusagen über zu jener neuen Epoche deutsch-russischer Beziehungen, die durch die Flottenparade in eindringlicher Weise vor Augen geführt wird. Diese militärische Kundgebung, bei der dem russischen Kaiser der gewaltige Aufschwung, den Deutschlands Flotte im letzten Jahrzehnt dank der Energie des Deutschen

2 (Nachdruck verboten.)

ke, 8.

Das Glückskiu».

Erzählung von Irene von Hellmuth.

hohler Zähne

(Fortsetzung.)

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Sonn- Ecke »rücke rette irden biges abzu- folgt.

Du sprichst zu viel, Ede," unterbrach Mathilde den Gatten,das strengt Dich zu sehr an, komm jetzt zur Ruhe. Einige Stunden Schlaf werden Dir gewiß gut thun, ich hole nun die Kinder bei Aurelia, und bringe sie zu Lett."

Ja, ja, sie sollen mir aber erst gute Rächt sagen, ich möchte sie sehen."

In diesem Augenblick wurde behutsam die Thüre des Krankenzimmers geöffnet, und Fräulein Aurelia Mahler trat herein, an jeder Hand ein Kind führend.

Aurelia war eine Schwester des Hausherrn und lebte in deffen Familie, durch feine Weiß- Ackereien ihren Unterhalt verdienend.

Sie war groß und mager, und erschien nicht eben schön, doch zeigte das Gesicht einen gut- müthigen Ausdruck.

Nach den feinen Linien zu schließen, die bereits um Mund und Augen lagerten, mochte Fräulein Aurelia wohl am Ende der Dreißig

peth! §bhen, deshalb hatte da8 sichtliche Bestreben, nach Nch möglichst jugendlich zu kleiden, fast etwas lohg. Lächerliches.

<6070 L lieber den Rücken hingen lange, semmel­blonde Locken, die von einem rosa Band ge­llten wurden. Dabei trug sie ein Kleid von zierlich gesticktes, weißes

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feier- öatzschürzchen, an den nur zur Hälfte bedeckten,

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Kaisers genommen hat, vor Augen geführt wird, besagt zugleich, daß die Zeit, in der die Thätig- keit Preußen-Deutschlands auf den Ausbau der Sicherung der territorialen Grenzen gerichtet sein mußte, vorüber ist. Deutschland will seine Landgrenzen natürlich nach wie vor schützen, aber es denkt nicht daran, sie ausdehnen zu wollen. Hingegen ist die Zeit gekommen, wo Deutschland seine immer ausgedehnter werdenden überseeischen Jntereffen selbstständig und nach­drücklich zu schützen hat, und dazu bedarf es einer starken Flotte. Daß es diese Aufgabe erfaßt hat, davon wird eben dem russischen Kaiser die Danziger Manöverflotte Zeugniß ablegen.

Gerade für diese überseeische Entwickelung aber ist ein gutes Verhältniß zwischen Deutsch­land und Rußland im Interesse beider Staaten Wünschenswerth, ja nothwendig. Während die Armeen der kontinentalen europäischen Groß­mächte, insonderheit Deutschlands, Rußlands und Frankreichs, quantitativ und qualitativ einander nahezu gleichwerthig find und während jede von ihnen der Armee der größten und zugleich habgierigsten Kolonialmacht bei Weitem überlegen ist, muß man schon die Flotten aller kontinentalen Großmächte zusammenstellen, um ein Uebergewicht über die großbritannische Marine herzustellen. Daraus ergiebt sich von selbst für die drei vornehmlich überseeische Politik treiben­den kontinentalen Großmächte die Nothwendig- keit, in überseeischen Angelegenheiten gut zu­sammenzuhalten, damit sie wenigstens einiger­maßen das Gleichgewicht gegen England auf­recht erhalten können. Thatsächlich find ja denn auch Deutschland, Rußland und Frankreich bei der Rückwärtsrevidirung des chinesisch-japani- schen Friedensvertrages Hand in Hand gegangen.

Der russische Kaiser wird kurz nach der Besichtigung der deutschen Flotte das franzö­sische Manövergeschwader zu sehen bekommen. Gewiß ist Frankreich in maritimer Hinsicht Deutschland überlegen besteht doch die fran­zösische Flotte seit Jahrhunderten, während die deutsche nicht viel mehr als ein Menschenalter alt ist. Aber das deutsche Manövergeschwader wird doch, dessen sind wir sicher, dem russischen Kaiser vor Augen führen, daß Deutschland auch in überseeischen Angelegenheiten kein zu ver­achtender Bundesgenosse ist.

Der gegenseitige Respekt aber ist die beste Basis für eine gute Freundschaft. Und so wollen wir hoffen, daß der Flottentag von Danzig die Sympathieen des russischen Kaisers für das be­nachbarte Deutschland steigern und die Freund­schaft zwischen beiden Ländern befestigen wird. a.

sehr dünnen Armen glänzten ein paar silberne Reifen.

Die beiden Kinder hatten sich bei ihrem Eintritt ins Krankenzimmer eiligst von Tante Aurelia loLgemacht, und flogen nun auf die Mutter zu, sich eng und zättlich an diese schmiegend.

Muttchen, ist Väterchen noch immer nicht gesund?" fragte das eine derselben, ein Mädchen mit Augen wie Vergißmeinnicht, und seiden­weichem, glänzend kastanienbraunem Lockenhaar, ein reizendes, zierliches Geschöpfchen.

Noch nicht, mein Röschen, aber bald, so Gott will, wird.er's werden," erwiderte die Mutter mit einem schweren Seufzer.

Warum ist denn unser Vater so lange krank, Mutting?" fuhr die Kleine zu fragen fort.

Die Gefragte gab keine Antwort. Sie fah, wie der Gatte ihr bedeutete, ihm die Kinder zu bringen.

Aurelia trat eben zu dem Bette beS Bruders heran, und indem sie leise über das Haar des­selben strich, stahlen sich die Thränm über ihr hageres Gesicht.

Wie geht e8 Dir, Eduard, fühlst Du Dich etwas Wohler?"

Der Angeredete schüttelte traurig verneinend den Kopf, und indem er hastig nach der Hand der Schwester haschte, flüsterte er dieser zu:

Stehe meiner armen Frau bei, Aurelia, wenn ich nicht mehr bin, ich fühle, es geht zu Ende mit mir,"

Ach, mache Dir keine solchen Gedanken, Du wirst schon wieder gesund, was könnte ich Deiner Frau Wohl nutzen, ich ein schwaches

Das Attentat auf Mc Kinley.

Das Befinden des Präsidenten.

Die Nachrichten vom Schmerzenslager des Präsidenten Mac Kinley lauten außerordentlich widersprechend. Selbst die offiziellen Bulletins geben zu, daß die Situation kritisch sei, die zahlreichen amtlichen Bulletins lassen allerdings mehr Hoffnung auskommen. Einer der behan­delnden Aerzte erklärte Sonnabend Mittag, wenn nach 24 Stunden keine Anzeichen von Blutver­giftung oder Bauchfellentzündung vorlägen, könnte man die Aussichten auf Wiedergenesung als vortrefflich betrachten. Das letzte Bulletin, das Montag früh 6 Uhr ausgegeben wurde, lautet: Der Präsident hatte eine etwas un­ruhige Nacht, schlief jedoch ziemlich gut. Das Allgemeinbefinden ist unverändert. Dieser Krankheitsbericht rief im gewissen Sinne eine Enttäuschung hervor und war wohl mehr be­stimmt, den vorherrschenden Optimismus ab­zuschwächen. Die Aerzte find noch immer ge­neigt, die Sachlage als hoffnungsvoll anzusehen und halten daran fest, daß zur Zeit auch nicht ein einziges unbefriedigendes Anzeichen vor­handen ist. Natürlich könnten bei einer der­artigen Wunde ernste Verwickelungen entstehen. Die Aerzte rechnen aber damit nicht im Voraus.

Zwei Aerzte und zwei Pflegerinnen weilen beständig bei dem Kranken. Da jede Erregung vermieden werden mutz, werden nur sehr wenige Personen zugelaffen.

Ein Complott.

Die That erweist sich als ein wohl vorbe­reitetes anarchistisches Complott. Nachdem es zu spät ist, geht die amerikanische Polizei end­lich energisch gegen die Anarchisten vor. In Paterson, Chicago, Buffallo und Cleveland wurden insgesammt 24 Anarchisten verhaftet. Aus den Aussagen einiger von ihnen schließen die Behörden mit Bestimmtheit auf eine wohl­überlegte Vorbereitung des Attentats. Eine New-Porker Depesche derExchange Telegraph Company" meldet, Agenten der Geheimpolizei hätten entdeckt, daß ein Complott zur Ermord­ung des Präsidenten in Cincinnati geschmiedet worden sei. Ursprünglich sollte Czolgoß zur That im Clevelander Lager schreiten, aber er habe sich geweigert, weil das Lager in der Nähe feiner Heimath gelegen ist. Man wird jedoch abwatten müffen, ob sich diese Nachrichten bestätigen.

Eine anarchistische Kundgebung.

In Cuffeykolders in Pennsylvanien hielten am Sonntag 200 italienische Anarchisten eine

Mädchen, und dann, es kann doch leicht sein, daß ich nun ja ich meine es wäre doch möglich daß ich mich ber= heirathe."

Um so besser für die Meinen, sie haben dann doch eine männliche Stütze.

Das letztere kam stockend, nur wie ein Hauch von den blassen Lippen, der ganze GefichtsauS- druck schien plötzlich verändert, so starr blickten die Augen, regungslos, mühsam athmend lag der Kranke, und als seine Gattin mit den Worten:Hier find die Kinder, Ede, sie wollen gute Nacht sagen, und bann schlafen gehen," herzu trat, ba hatte ber arme Leidende baS Bewußtsein bereits verloren.

Barmherziger Himmel, er stirbt,--mein

Gatte stirbt!"--schrie das Weib auf

verzweifelnd, in wahnsinniger Angst faßte Mathilde die erkaltenden Hände des Sterbenden, deffen kranker Brust nur noch ein leises, kaum hörbares Röcheln entfloh, und während die trost­lose Gattin ohnmächtig an dem Sterbelager niedersank, hauchte Eduard Mahler den letzten Seufzer auS.

Laut auf schrieen die erschrockenen Kinder fassungslos, nicht wissend, was sie that, stürzte Aurelia nach der Thür, riß diese auf, rief nach dem Dienstmädchen, daS in fliegender Hast da­von eilte, den Arzt zu rufen.

Doch menschliche Hilfe konnte hier nichts mehr ausrichten, es war vorüber, der Kranke hatte auSgelitten.

Weiter heulte draußen ber Sturm.

r bekümmerte sich gar wenig barum, daß durch sein Brausen unb Toben biefe Schreckens-

Versammlung ab, worin sie ihrer Freude über den Mordanschlag Ausdruck gaben.

Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß in Chicago in einer von 2000 Sozialisten be­suchten Versammlung die Annahme einer Sym­pathie - Resolution für den Präsidenten Borge- schlagen war, welche jedoch abgelehnt wurde. Die Gegner des Antrages betonten, Mac Kinley sei der Vertreter der Kapitalistenklaffe und ob er in Sicherheit oder Gefahr sei, bilde keinen Gegenstand der Sorge für die Sozialdemokraten. In Boston wurde dagegen in einer sozial­demokratischen Versammlung die Mordthat Der« urtheilt.

Der Attentäter Czolgoß war Goldschmied in Detroit. Am Freitag um Mitternacht legte er vor dem Distriksvorstand ein im Protokoll drei Bogen langes Geständnis ab, das er unterschrieb. Er erklärt, er habe beabsichtigt, Mac Kinley zu töten und habe den Plan dazu drei Tage lang vorbereitet, er sei zum Musittempel, den Mord im Herzen tragend, gegangen. Dort habe er sich der vom Präsidenten zu empfangenden Menge angeschloffen, und als er ihm gegenüber stand, zweimal auf ihn ge­schaffen. Er habe keine Mitverschwörer; die Ritter des goldenen Adlers", deren Abzeichen er beim Attentat trug, gingen ihn nichts an. Die amerikanische Regierungsform billige er nicht und habe es daher für seine Pflicht ge­halten, den Präsidenten zu töten. Er zeigt keine Reue, sondern glaubt etwas LobenswertheS vollbracht zu haben.

Das schlechte Gewissen der Anarchisten.

Das Berliner AnarchistenorganNeues Leben", das von dem Attentat in Buffalo noch schweigt, schreibt unter der AufschriftAchtung! Genossen!":

Wir legen allen Genossen, besonders den jüngeren und unerfahrenen ans Herz, empfangene Briese sofort nach beendeter Lektüre zu vernichten, solche Schrift­stücke aber, deren Erledigung nicht sogleich vorge­nommen werden kann, recht sorgfältig zu verwahren und alle kompromittierenden Personen und Orts­namen u. s. w. sogleich aus denselben zu entfernen."

WaS mag das für ein Briefwechsel fein, der sich derart zu verbergen hat?

Umschau.

Die ßaifertage in Königsberg.

Sonntag Vormittag fand in der Schloßkirche in Königsberg aus Anlaß des 200 jährigen Be­stehens des Königreichs Preußen ein Fest­gottesdienst statt. In der Kirche hatten die Spitzen der Civil- und Militär-Behörden und Vertreter der Stadt, die Generalität, der Lehr­

nacht für die weinenden Frauen im Sterbe­zimmer noch unheimlicher wurde.

MS Mathilde wieder zu sich gekommen war, da hatte man das starre Gesicht des Toten mit einem weißen Tuche bedeckt, sie stürzte herzu, eS hinwegzuziehen, doch Aurelia hinderte sie daran.

Laß ihn, Mathilde," sagte sie fast streng, ihm ist nun wohl, er hatte der Sorgen und des Kummers mehr als genug auf dieser Welt."

Mathilde nickte weinend vor sich hin.

Durch mich, ich, ich allein hatte Schuld daran, o eS ist hart, ich ertrage eS nicht!"

Wiederum sank sie am Bettrand nieder, und schluchzte zum Erbarmen, indeß Aurelia leise zu ihr trat:

Wohl kann Dir dieser Vorwurf, den Du selbst Dir eben gemacht, nicht erspart werden," fügte sie.Du hast schlimm gewirthschastet mit feinem mühsam verdienten Selbe, allein daran ist jetzt nichts mehr zu ändern, hoffentlich läßt Du Dir den traurigen Vorfall zur Lehre sein."

Eine kleine Pause entstand, niemand sprach ein Wort, nur Mathilde toeinte noch immer unaufhörlich und herzbrechend, als Aurelia wieder begann:

Fasse Muth, Liebste, Du wirst jetzt eben schaffen müssen, Deinen und der Kinder Unter- halt zu verdienen, und ich will Dir gerne dabei behilflich sein."--

Die beiden Kleinen waren, sich eng um­schlungen haltend, auf dem Sofa eingeschlafen, und boten mit ihren zart gerötheten Wangen einen gar lieblichen Anblick. (Forts, folgt.)