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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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1 Marvurg Jahra. 36

s.l. rtNwHiij**w|3»*Sonntag 8 September 1801. *"**

Erstes Blatt

produktiven Erwerbszweige, vor allem der Landwirthschaft und der Industrie. Auf riese Erwerbszweige muß Regierung und Volks­vertretung beim Abschluß von Handelsverträgen die vornehmste Rücksicht nehmen, sie muß sagen, Handelsverträge sind gut, aber das Gedeihen der Landwirthschaft und der Industrie ist unsere vornehmste Pflicht. Handelsverträge können uns nichts nützen, wenn sie nur unter Preisgabe rer Landwirthschaft und der Industrie abgeschloffen werden können. Verlangt das Ausland von uns, daß wir in einem mit ihm abzuschließen­den Handelsvertrag diese großen Erwerbszweige )eS Vaterlandes preisgeben, dann müffen wir ihm erklären, wir verzichten auf Handelsver­träge, wir wollen lieber klein bleiben, als daß wir die Fundamente unseres ganzen Wirth- schaftslebens und damit unsere staatliche Existenz zerstören. Mit solchen Schlagworten: Handels­verträge um jeden Preis, Beseitigung aller Hinderniffe, die dem Abschluß des Handelsver­trages im Wege stehen, kann man nur bei wirthschaftspolitifchen Kindern Eindruck machen.

Was im besonderen das Verhältniß zwischen Deutschland und Rußland betrifft, so beweist die Handelsstatistik zur Genüge, daß Rußland an einem Handelsvertrag mit uns viel wehr irteresfirt ist, als wir. Rußland wird also sehr gern eine Erhöhung der deutschen Schutz­zölle mit in den Kauf nehmen, um sich den deutschen Markt offen zu halten, und es kann gar keine Rede davon sein, daß Rußland auf Handelsverträge mit uns verzichtet, wenn wir ernstlich daran gehen, die heimische Produktion mehr als bisher zu schützen. Ein Blick auf die Statistik beweist dies. Die ruffische Ausfuhr ging von 1891 bis 1896, also während des Zollkrieges von 379 auf 352 Vr Millionen Mark zurück, während sich der Rückgang der deutschen Ausfuhr nach Rußland in demselben Zeiträume nur auf 10 Millionen Mark bezifferte und auch, wenn man bis zum Jahre 1890 zurückgeht, sich nicht höher als auf 48 Millionen Mark stellte. Der Rück gang der russischen Ausfuhr in Folge des Zoll­krieges war, selbst wenn man die letztere Zahl zu Grunde legt, beinahe fünf Mal so groß als der Rückgang der deutschen Ausfuhr nach Ruß­land. In diesem Verhältniß der Wirkung eines Zollkrieges zwischen den beiden Ländern würde sich inzwischen weiter nichts geändert haben, weil die russische Einfuhr nach Deutschland seit Abschluß des deutsch-russischen Handesvertrages verhältnißmäßig mindestens in demselben Maße gestiegen ist, wie die deutsche Ausfuhr nach Rußland. Auch in Zukunft ist es daher Ruß­

land, welches noch ein ungleich größeres Inter­esse an der Erneuerung des Handelsvertrags- Verhältnisses mit Deutschland hat, als dieses. Und wenn unsere freihändlerische Presse es ernst mit der Absicht meinte, den Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit unfern östlichen Nachbar jju fördern, so müßte sie mit Nachdruck gerade aus diesen Umstand Hinweisen, statt umgekehrt immer wieder durch die Behauptung, Deuschland müsse um jeden Preis Zollstreitigkeiten vermeiden, das Ausland zu höheren Forderungen zu reizen und so den Abschluß künftiger Handelsverträge zu erschweren. ***

Umschau.

Ein Attentat auf Präsident Mc Kinley.

Heute Morgen übermittelte uns der Draht die Nachricht, daß in Buffalo, woselbst gegen­wärtig eine Ausstellung stattfindet, auf das Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten, den Präsidenten Mc Kinley, ein Attentat verübt worden ist. Das betr. Telegramm, das wir sofort durch Extrablatt verbreitet haben, lautete folgendermaßen:

Buffalo, 6. September. Auf McKinley ist heute Nachmittag zweimal von einem Fremden geschossen. Sei« Zustand ist ernst.

Nähere Nachrichten schildern das Attentat folgendermaßen: Präsident McKinley war im Musiktempel aus der Ausstellung, wo ein Empfang stattsand und wo der Präsident nach landesüblicher Sitte Jedem, der kam, die Hand schüttelte. Es trat dort auch ein junger Mann in schwarzem Anzug aus ihn zu, der die rechte Hand anscheinend verbunden hatte. Als dieser nun in die unmittelbare Nähe des Präsidenten gekommen war, erhob er die verbundene Hand und es kam unter der Bandage ein Revolver zum Vorschein, mit dem er zweimal auf McKinley schoß. Der Attentäter wurde sofort von der Volksmenge erfaßt und e n t s e tz l i ch z u ge­richtet, indessen konnte die Polizei ihn noch lebend wegziehen und in die Polizeistation bringen. Der Name des Attentäters ist Frede' ick Niemann aus Detroit; er ist angeblich deutscher Abkunst. Der Präsident war auf Veranlaffung der Ausstellungsverwaltung von zwei Detektivs überwacht, indeffen war diese Vorsichtsmaßregel gegenüber dem raffinirten Attentäter wirkungs­los. Der Präsident fiel, nachdem er geschoßen war, in die Arme des Detektivs Gerry und fragte:Bin ich geschossen?"

Die Interessen Deutschlands ond Rußlands an einem künftigen

Handelsverträge

Der von dem bekannten Großfinanzier Herrn Georg v. Siemens geleitete Handelsvertrags­verein legt seiner Agitation gegen die neuen «apolitischen Gesetzentwürfe folgende Trugschlüffe ,u Grunde:Deutschland braucht zur Förderung seinerSchifffahrts- und HandelsintereffenHandels- verträge um jeden Preis und da das Aus­land mit uns keine Verträge abschließt, wenn vir der Landwirthschaft einen größeren Schutz gewähren, so ist es nothwendig, daß alle Zoll­schranken für Landwirthschaft fallen."

Die Folgerungen find in jeder Beziehung ttügerische und beweisen eine totale Verkennung der realen Verhältniffe und Bedingungen, unter denen sich der Verkehr zu einander gestaltet. Genau so wie Deutschland das Ausland sür den Absatz seiner überflüssigen Produktion gehraucht, genau so und noch mehr ist das Ausland von uns abhängig, es muß sich unser Markt offen halten sür den Absatz seiner überschüssigen Pro­dukte. Das Ausland schließt mit uns keine Handels­verträge, um uns einen Gefallen zu erweisen, sondern weil sein eigenes Jntereffe dies erfordert, und Deutschland muß denselben Standpunkt vertreten, der sich dahin präzissiren läßt, nicht Handelsverträge um jeden Preis, sondern nur fg weit, als uns daraus Vortheil erwächst, bezw. als der Dortheil den Nachtheil überwiegt.

Bei der Beurtheilung der Frage, ob wir von einem Handelsvertrag Vortheil haben oder nicht, kann nicht das Jntereffe des einen oder des andern Berufszweiges ausschlaggebend sein, sondern es müssen die Jntereffen der einzelnen Erwerbszweige von einander abgewogen und so das Gesammtintereffe als das leitende Moment aufgestellt werden. Der Handel darf nicht kommen und sagen:Wir verlangen einen schrankenlosen Waarenaustausch, weil wir sonst uicht genügend verdienen," die Schifffahrt kann nicht sagen:Wir brauchen den schrankenlosen Austausch der Güter, weil wir sonst unsere Schiffe nicht genügend ausnützen", es ist viel­mehr beiden zu sagen: Ihr habt Euch dem Gesammtintereffe unterzuordnen, Euch zu Liebe hülfen wir nicht die wichtigsten nationalen Lebensintereffen preisgeben, das Gesammtintereffe verkörpert sich aber in dem Gedeihen der großen

Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß ;:ie Wunden, die der Präsident erlitten hat, loch nicht unbedingt lebensgefährlich find. Ein Telegramm meldet uns darüber:

Buffalo, 6. Septbr., 8,15 Abends. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß eine Kugel an dem Brustbein abgeprallt ist. Die andere durchschlug beide Magenwände. Sie wurde nicht gesunden. Der Zustand Mc Kinley's berechtigt zur Hoffnung auf Ge­ne f u n g.

liebet die Beweggründe, zu bem" Attentat iegen noch keine Nachrichten vor Eines Urtheils über die beklagenswerthe That müffen wir uns daher noch enthalten. Zum mtten Male in der Geschichte 8er Vereinigten Staaten hat ein Attentäter seine Hand gegen len Präsidenten der Republik erhoben. Am 14. April 1865 ermordete der Schauspieler I. Wilkes Booth, ein fanatischer Südländer, während der Vorstellung im Fords Theater zu Washir g on durch einen Pistolenschuß Abraham Lincoln, der erst fünf Wochen früher sein Amt zum zweiten Male angetreten hatte. Ebenfalls durch einen Pistolenschuß wurde Präsident James Abram Garfield am 2. Juli 1881 um­gebracht. Während Lincoln sofort starb, erlag Garfield erst mehrere Wochen später, am 19. September, seinen Wunden. Hoffen wir, daß diesmal der Ausgang des Attentats der Voraussage der Aerzte entspricht.

Zum Zolltarif-Entwurf.

Die Gärtner ««d der Schntzjvll. Der Gärtner­verein für Dresden und Umgebung hat sich an das Ministerium des Innern mit einer Petition gewendet, dahingehend, die Staatsregierung wolle in Änbetiacht dessen, daß die Existenz der deutschen Gärtnerei durch etwaiges Inkrafttreten des neuen Zolltarifgesetz­entwurfes auf das schlimmste gefährdet sei, bet der Reichsregierung wie im Bundesrathe dahin ihren Einfluß geltend machen, daß der deutsche Gartenbau und insbesondere die deutsche Gemüsegärtnerei durch einen auspiebigen Einfuhrzoll geschützt werde. Auch die freie Vereinigung produzierender Handelsgärtner hat sich in derfelben Angelegenheit an die Staats­regierung gewandt. Der Ptinister von Metzsch sagte wohlwollende Erwägung zu.

Die RalloualNberale« und die Getreidezoll- erhöh««>. In den neuesten .Mittheilungen sür die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei', einem vom Centralbureau der nationalliberalen Partei herausgegebenen Organe heißt es u. a.:Die Ver­träge mit den Nachbarstaaten können also nicht mehr auf der Basis von 1891/94 abgeschlossen werden. Es ist unerläßlich, daß die Agrarzölle auch in den Ver- tragstarisen innerhalb verständiger Grenzen erhöht werden' Schon auS diesem Grunde ging es nicht an,

87 (Nachdruck verboten >

Ihr Bvrmuud.

Origmal-Roman von Ellen Svala.

(Schluß.)

Aber dann kam ein Tag, wo ihr nach langen Wochen das Bewußtsein zurückkehrte, too sie mit verstehenden Blicken um sich schaute, die stille Schönheit des kleinen Zimmers, das gute, sorgenvolle Gesicht der Profefforin als Lhatsachen erkannte und erfahren mußte, daß ihre Träume nicht Phantafiegebilde, sondern schwache Reflexe der Wirklichkeit gewesen, daß die Thüre aufging und Onkel Fritz hereintrat, daß er bei ihr saß, ihr mit Thränen in den Augen die weißen, abgemagerten Hände strei­chelte und sie immer und immer wieder küßte, sie sein liebes Kind, seinen kleinen Sonnenstrahl nannte und so viel Blumen auf die Bettdecke legte, als die Profefforin nur erlauben wollte. Rach und nach erfuhr sie, wie alles gekommen war, daß Elmar außer sich vor Zorn und Schmerz nach Angabe des BilletteurS an der Station nach der Hauptstadt gereift war, daß er tagelang ohne Erfolg gesucht und erst durch ein Telegramm von Onkel Fritz aus ihren jetzigen Aufenthaltsort aufmerksam geworden sei. Als das Fieber mit so starker Gewalt ausgetreten und der Arzt gerathen, die Ange­hörigen des jungen Mädchens zu benachrichtigen, hatte Frau Proseffor Reist dem Vormunde ihrer jungen Freundin geschrieben und ein Tag später war Elmar von Rhenen mit Onkel Fritz in dem kleinen Hause der Dorstadt erschienen. Onkel Fritz bezog ein Zimmer in der Nachbar­

schaft, und wurde die rechte Hand der alten Frau, hals und riet in allen Dingen und trippelte hin und her zwischen seiner Wohnung und der der Profefforin, wie er es daheim zwischen Billa Schneehauch und dem Studio gethan. Elmar dagegen kam des Morgens und kehrte jeden Abend nach dem Schlöffe zurück.

Draußen lag dichter Schnee aus den Bäumen und eine bleiche, kraftlose Wintersonne fiel durch die Scheiben in das Zimmer, wo Felicia wieder außer Bett und in fortschreitender Befferung auf dem Sopha vor dem großen Kachelofen lag. Evchen und Lilly waren am Tage zuvor dage­wesen, sie hatten Blumen und Grüße von Fred gebracht und ihr erzählt, daß Johanna von Rhenen mit Lilian nach dem Süden gereist, daß man davon sprach, Johanna würde sich dann in der Hauptstadt niederlaffen, weil sie sich gänzlich mit ihrem Bruder entzweit habe, und Onkel Fritz würde so länge auf Schloß Rhenen wohnen, bis jemand gefunden sei, der ihm den Haushalt führe.

Wo war Elmar? War er Lilian nachgereist, und hatte dar Verlöbniß stattgefunden? Würde er kommen um sie zu sehen, jetzt da sie viel bester und kräftiger war und bald wohl wieder ausgehen konnte?

Ueber all dem Denken und Sinnen fielen ihr die Augen zu und ein leichter Schlaf nahm sie gefangen, daß sie nicht hörte, wie sich leise die Thür öffnete und schloß und vorsichtige Schritte durch das Zimmer hallten. Der schlanke Mann trat vor das Sopha hin und schaute au sie nieder, als wolle er das liebliche Bild tie in seine Seele graben. Ein Scheit Holz löste sich im Ofen unb prasselte gegen den Rost und

Felicia bewegte sich und öffnete die Augen. Mit einem Ausrufe der Freude hastete sie in die Höhe und lag im nächsten Augenblicke in seinen Armen.

Mein Liebling, meine kleine Felicia," faßte er leidenschaftlich, mit angstvollem Blicke, ihr bleiches Antlitz und die unnatürlich großen Augen überfliegend.Ist die qualvolle Zeit der Un­gewißheit und des Lctdens vorüber? Bist Du froh, Deinen unleidlichen alten Pormunb wieder- zufehen?"

So sehr, o so sehr,lächelte Felicia zu ihm aufsehend.Es erscheint mir Monate und Monate, daß ich Dich nicht mehr gesehen."

Kind!" sagte Elmar weich mit jenem schönen, seltenen Blicke aus Felicia niedersehend, die noch immer still in seinen starken Armen ruhte, erinnerst Du Dich, einmal gesagt zu haben, daß Du geglaubt, Dein eigentliches Heim sei bei deinem Vormunde, und daß du wünschtest, Du hättest ein wirkliches Heim wie andere Menschen auch, wo man Dich liebte und be­schützte? Ich sehe Dich noch immer, wie Du damals vor mir standest, so ernst, so traurig und ich liebte Dich doch so sehr, daß mir Deine Einsamkeit beinahe Freude machte, denn ich wollte Dich an mein Herz nehmen und Dir alle diese Dinge selber geben. Auch ich habe nie ein richtiges Heim gehabt und mich ver­langt nach einem solchen. Felicia, als Du ge­gangen warst, heimlich in Nacht und Nebel unglücklich und mißhandelt, nahmst Du mir nicht nur die Aussicht auf ein Heim--

meinen größten, meinen besten Schatz nahmst Du mir--Dich selber. Hattest Du so

wenig Vertrauen zu mir konntest Du nicht zu mir kommen?"

Johanna sagte--- o Elmar

ich ging ja nur, weil ich Deinem Glücke nicht im Wege sein wollte."

Ach, was sprichst Du da und willst Du mir jetzt Dein ganzes Herz geben?"

Unmöglich!"

Felicia!"

Ganz unmöglich!" ries sie mit glücklichem Lachen,denn Du hast eS lange schon--

und weil ich Dich liebte deshalb ging ich!"

Darauf langes, beredtes Schweigen.

Und Fred?" fragte er endlich. Aber er lächelte.

Unb Lilian?"

Sprich mir nicht von ihr, sie ist falsch und schlecht unb soll niemals wieber Deine Wege kreuzen. So schön und berückend sie auch war, ich habe sie niemals leiden können!"

Das Ende war vorauSzusehen!" riefen Evchen und Lilly, indem sie in Onkel Fritzen's Studio stürmten.Wie prachtvoll! Elmar heirathen und anstatt seine Mündel seine Frau zu fein! Heimlich unter unk haben wir oft davon gesprochen. Er sah immer so zufrieden auS, wenn er mit Felicia zusammen war und sie konnte in seinen Augen kein Unrecht thun. Aber Fred--der arme Fred! Wer aber

würde ihm den Vorzug geben, wenn Elmar Mitbewerber ist?"

3a--wer?" lächelte Onkel Fritz in

strahlender Heiterkeit. *