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Kaiserreisen und Sicherheits­vorkehrungen.

Max schreibt uns:

Für die Zusammenkunst deS Deutschen Kaisers und deS Zaren in Danzig find umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Man begnügt sich nicht damit, die Danziger Polizei mit den Maßnahmen für die Sicherheit der beiden Monarchen zu betrauen, sondern es ist auch ein starkes Kommando von der Berliner politischen Polizei schon jetzt nach Danzig ab­gegangen. Auch die russische Geheimpolizei, die beiläufig an Gewandtheit der deutschen überlegen sein soll, wird fich an dem Sicherheits­dienste betheiligen.

Sobald die Meldungen über derartige Maß­nahmen in die Oeffentlichkeit gelangen, pflegt die sozialdemokratische Prefle ihren Witz daran zu üben. So bringt derVorwärts" die Nachricht über die Vorkehrungen in Danzig unter der spöttischen UeberschristBeschwerliches Reifen". Der Zweck der sozialistischen Spöttereien ist ja klar: man will einerseits darthun, wie wenig sicher fich der Monarch in seinem Lande fühle und wie wenig Liebe ihm vom Volke entgegengebracht werde, und man will ihn andererseits als übertrieben ängstlich hinstellen und dadurch lächerlich machen.

Wir meinen, die Sozialdemokratie hätte zu derartigen Witzeleien am allerwenigsten Anlaß. Wenn irgendwo, sei es in Deutschland, sei es anderwärts, ein Attentat auf eine regierende Persönlichkeit ausgeübt wird und es hat daran im letzten Vierteljahrhundert ja wahrlich nicht gefehlt so beeilt sich die Sozialdemo­kratie nachzuweisen, daß sie mit dem Attentat und dem Attentäter nichts zu thun habe. Sie chut dies nicht etwa aus Abscheu, sondern aus praktischen Gründen. Sie weiß, daß derartige Attentate die Gefahr von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie nahe rücken. Wohl find im letzten Jahrzehnt wiederholt Gesetze, die Ausnahmegesetzen einigermaßen ähnlich sahen, vom Reichstag und vom Preußischen Abgeord- uetenhause (Vereinsnovelle) abgelehnt worden, aber daran ist kaum zu zweifeln, daß im Falle eines, was Gott verhüten möge, theilweise er­folgreichen Attentates auf den Kaiser ebenso ein starker Umschlag der Stimmung zu Gunsten von Ausnahmegesetzen erfolgen würde, wie dies im Jahre 1878 der Fall war. Die Regierung des Grafen Bülow ist Ausnahmegesetzen anscheinend nicht hold, aber in dem angeführten Falle würde fie voraussichtlich doch eine andere Stellung ein­nehmen und einnehmen muffen.

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(Nachdruck verboten.)

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Ihr Vormund.

Original-Roman von Ellen Svala.

(Fortsetzung.)

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It «A» «lohnt t 27.

Wie eine Furie war Johanna auf sie zugestürzt, hatte fie geschüttelt, daß ihr der Athem auSging und der Kopf wirbelte, hatte ihr in höhnischen Worten vorgeworfen, daß fie die ganze Begebenheit absichtlich herbeigeführt, nur um mit Elmar zusammen zu kommen, der fie doch abgeschüttelt und nichts von ihr wissen wolle, und der nur deshalb nicht zu seinem Glücke gelange, weil Lilian sich weigere, ihm anzugehören, ehe sie, Felicia, nicht aus seinem Leben getreten sei. Dann war Lilian da­zwischen gesprungen, hatte Beleidigung auf Be­leidigung ausgesprochen und zuletzt gedroht, daß, wenn das junge Mädchen wage, fich Elmar ihrem Elmar noch einmal zu nähern, fie fie vernichten würde--gleichviel aus welche

Weise.

Bleich und still hatte Felicia zugehört, immer ihres Vormundes leidenschaftliche Worte seine liebevollen Blicke in ihrem Herzen wieder­holend, im Geiste immer und immer wieder in seinen Armen ruhend nnd den mächtigen Schutz verspürend, der nur seine Gegenwart ihr zu geben vermochte. Das hatte nicht wie Ab­streisen einer unwillkommenen Last ausgesehen viel mehr wie etwas anderes Unerwartetes Ungeahntes wie die Offenbarung eines großen seligen GlückeS.

So sollte also die Sozialdemokratie nur dankbar dafür sein, daß polizeilicherseits so viel Vorsorge zur Abwehr von Attentaten ge­troffen wird, als nach menschlichem Ermessen möglich ist. Für die nichtsozialistischen Kreise der Bevölkerung sprechen noch andere Gründe mit, als die Furcht vor Ausnahmegesetzen: ein­mal die Zuneigung zu dem Herrscherhause und zweitens die Erkenntniß, daß ein vom Erfolg begleitetes Attentat für das Vaterland die größten Nachtheile mit fich bringen müßte. In dem speziellen Danziger Falle aber spricht noch ein anderes Empfinden mit: die Berücksichtigung der einfachsten Pflichten der Gastlichkeit. Wie sehr das Leben gerade der russischen Herrscher durch Attentäter bedroht ist, haben die Er­mordung des Großvaters deS gegenwärtigen Kaisers und die wiederholten Mordanschläge gegen seinen Vater in traurigster Weise dar- gethan. So lange der Zar in Rußland ist, ist es seine Sache oder vielmehr Sache der russischen Regierung, sein Leben gegen Mordgesellen zu schützen. Sobald er als Gast des Deutschen Kaisers innerhalb der deutschen Grenzen weilt, gehört es zweifellos zu den vornehmsten Pflichten der deutschen Regierung, ihn gegen jede Gefahr zu schützen. Man erinnere sich nur, wie fatal den Schweizern die Ermordung der österreichischen Kaiserin war, trotzdem natürlich weder die Schweizer Regierung noch das Schweizer Volk irgendwelche Schuld daran trugen.

Wenn also in dem Danziger Falle ganz besondere Vorkehrungen getroffen werden, so ist dies durchaus zu begreifen und nur zu billigen. Gewiß wird es kaum ausbleiben, daß durch diese Maßregeln der Einzelne belästigt wird. Denn so sehr man es von einer geschickten Polizei verlangen muß, daß sie die Belästigung auf das möglichst geringe Maß reducirt, so lassen fich die Störungen doch nicht vollkommen beseitigen. Und wenn, was ja menschlich durch­aus natürlich ist, der davon Betroffene wüthend über die polizeilichen Organe ist und ihnen Ungeschicklichkeit vorwirst, so sollte er doch daran denken, wie ihm zu Muthe wäre, wenn auf ihm eine so fatale Verantwortlichkeit lastete, wie auf der Polizei in solchen Tagen.

Gewiß wäre es erfreulicher, wenn, wie einst Graf Eberhand der Rauschebart, der Fürst un­besorgt sein Haupt in den Schoß jedes belie­bigen Unterihans legen könnte. Aber diese Zeiten find dahin, und es ist auch müßig, zu untersuchen, ob daran die Monarchen und die Regierungen die Hauptschuld tragen oder die­jenigen Elemente, die sich über die Vorkehrungs­maßregeln sehr mit Unrecht lustig machen.»-

Du bist nur gekommen, unser Leben zu ruinieren!" schrie Johanna außer sich vor Wut und Zorn, angestachelt durch die Erinnerung an deS Bruders ängstlich zärtlichen Blick, der auf Felicia geruht. Sollten alle ihre Pläne, den geliebten Bruder mit Lilian von Dahlen ver- heirathet zu sehen, scheitern? Sollte deren unge­heurer Reichthum ihr entgehen? Nur zwei Dinge liebte Johanna auf der Welt ihren Bruder und ihr Geld. Ihre Pläne konnten und durften nicht fehlgehen, noch war es nicht zu spät und dieses einfältige junge Ding, welches sie mit eifersüchtigem Hasse verfolgt von Anfang an, weil der Bruder ihr ein so großes Interesse geschenkt, sollte nicht dazwischen treten. Ein Ausweg mußte fich finden. Schon die Angst, daß ihr Bruder entdeckte, wie hart fie das junge Mädchen behandelt, weil fie ihr das Leben ver­bittert, seinen Namen zu allen scharfen und un­gerechten Maßregeln mißbraucht, ließ fie wünschen, Felicia mehr und mehr von ihrem Vormunde zu entfernen.

Felicia hatte nur eines gehört das, was Johanna sowohl wie Lilian ihr entgegenschrieen die verletzende Anspielung, Elmar von der­jenigen abzubringen, die er liebte, und die ihm nur angehören wollte, wenn das lästige Hinder­nis beseitigt sei. Eine qualvolle Verzweiflung bemächtige fich des jungen Mädchens, ein rast­loser Schmerz durchtobte fie. Zu Elmar zu eilen und ihm alles mitzuteilen, war unmöglich das scheue Zartgefühl der Frauennatur ver­hinderte fie daran, und hierbleiben, in den alten Verhältnissen weiterleben, von Johanna ge- daldet, von Lilian mißhandelt zu werden,

Umschau.

Dom Sühneprinzen.

Prinz Tschun hat die Orangerie bereits ge­räumt, er ist Donnerstag Nachmittags 3 Uhr 40 Min. mit feinem Gefolge von Potsdam nach Berlin gefahren, wo er von den Herren der chinesischen Gesandtschaft empfangen wurde. Der Prinz fuhr mit seiner Begleitung und mit dem Generalmajor v. Höpfner in die für ihn gemiethete Wohnung in der Großen Queraüee am Thiergarten.

Die Begleiter deS Prinzen find natürlich schleunigst interviewt worden. Ein Berliner Lokalblatt berichtet darüber:

Aus einer Unterhaltung mit einem Herrn des chinesischen Gefolges, der früher nie iu Europa war, und auch kein Wort einer europäischen Sprache ver­steht, geht hervor, daß die an westländische Zermonien nicht gewöhnten Chinesen mit dem Empfang sonder­barerweise sehr zustieden find. Da in China Lärm auf den Straßen bei Vorbeizug von Fürsten als Zeichen der Unehrerbietigkeit angesehen zu werden pflegt, so waren die Chinesen eigenthümlicherweise sehr erfreut, die Ruhe des Publikums zu beobachten. Die verkehrte Auffaflung europäischen Sitten geht so weit, daß die Abwesenheit militärischer Eskorte bei der Ankunft in Potsdamm und bei der Auffahrt zum neuen Palais als Ausmerksamkeit empfunden wurde. Am Pekinger Hose nämlich haben nur die in Audienz empfangenen Fürsten unterworfener Völkerschaften eine Soldatenhecke zu durchschreiten: Dieselben werden nach dieser Auffaflung symbolisch mit bewaffneter Hand vor den Thron geführt. Der Herr aus dem Gefolge des Prinzen meint, alles das fei eine ange­nehme Ueberraschung gewesen bis zum Augenblick, als sie ins Schloß traten und hier die Militärwache zu durchschreiten hatten.

Die Chinesen haben den Kaiser auf dem Thron fitzen sehen; fie fanden den Empfang über alle Er­wartungen glänzend. Die Thatsache, daß der Kaiser beim Eintritt des Prinzen eine grüßende Bewegung gemacht hat, erscheint ihnen als ungewöhnliche Aus­zeichnung. Der chinesische Kaiser sitzt bekanntlich bei allen Audienzen bewegungslos. Die Anwesenheit der Prinzen des kaiserlichen Hauses und des Hofstaates gab, nach ihrer verkehrten Auffassung, dem ganzen den Charakter einer glänzenden Privataudienz. Der Prinz begrüßte den Kaiser nach chinesischer Hossitte, wie er seinen älteren Bruder, den chinesischen Kaiser, offiziell zu begrüßen verpflichtet ist, nämlich, indem er in geneigter Haltung mit kleinen Schritten auf ihn zuging. Das Rückwärtsschreiten des Prinzen bei Schluß der Audienz gehört demselben Zeremoniell an. Kurz, die Chinesen haben sich die Ansicht gebildet, daß Prinz Tschun im Grunde vom Kaiser ähnlich empfangen wurde, wie er in Peking in der Eigenschaft eines hohen Reichswürdenträgers empfangen wäre. Das Sonderbarste ist, daß der Sinn der nach der Audienz erwiesenen militärischen Ehren den Chinesen gänzlich entgangen ist. Die Unglücklichen (wenigstens die, welche Europa nicht kannten) haben fich eingebildet, das fei jetzt die Sühnedemonstration! Man ist soweit gegangen, fein Bedauern darüber auszudrücken! Es ist unglaublicherweife als eine Vergünstigung an­gesehen worden, daß der Kaiser das große Gefolge des Prinzen nicht hat empfangen wollen Die Chinesen

nein tausendmal nein, lieber in Nacht und Nebel davogehen. Und dann würde fie die Kraft haben, zuzusehen, wie Elmar und Lilian glücklich miteinander wurden nachdem was heute Abend geschehen? Würde sie jemals anders an Elmar denken können, denn mit jenem Herzschlag einer neuen, berauschend glück lichen Empfindung, rnb würde fie vergessen können, wie er fie angeblickt und sie in seinen starken Armen gehalten? Noch einmal nein tausendmal nein tausendmal nein!

Sie wußte einen Ausweg. Ganz draußen, in einem Vororte der Hauptstadt lebte die alte Mutter einer ehemaligen Lehrerin. Manchen Sonntag hatte Felicia in dem einfachen Heim der alten Profefsorswittwe zugebracht, und als dann die Tochter ihre Stelle im Penfionate ver­ließ und Fräulein Weil diesen einzigen Umgang verbot, war Felicia nicht mehr dahingekommen, aber hie und da waren briefliche Grüße hinüber und herüber geflogen, und nachdem fie die Schule verlassen, von Villa Schneehauch aus, wanderte auch noch hie und da ein Brieflein zu der alten Freundin.

Glücklicherweise war das Taschengeld der verflossenen Monate zu einer guten Summe an­gelaufen, damit war die erste Zeit durchzukommen, späterhin würde wohl anderweitig Rat zu schaffen sein.

Nicht zufrieden damit, daS Mädchen in gröbster, ungerechtester Weise beleidigt zu haben, ließ Johanna ihren Haß und ihre Wuth so weit gehen, fie in ihrem Zimmer einzuschließen und den Schlüssel in die Tasche zu stecken. Der Grund dazu war wieder jene Angst, Felicia

drücken ihre Beftiedigung darüber aus, daß auf dies- Weife die Audienz sozusagen ein Privatbesuch deS Prinzen beim Kaiser geworden wäre, was bet dem traurigen Anlaß, der ihm zu Grunde liegt, von großem Wohlwollen des Kaisers zeuge.

Ihr prächtiger Aufenthaltsort gefällt ihnen un­geheuer. Auch hier ersehen fie die Rücksichtnahme des Kaisers. Und es wurde das nach unseren Be­griffen total deplacirte Wort ausgesprochen: .Es war mindestens so schön, wie wir es bei der Abreise er­hofft hatten."

Danach scheint es fast, daß die Herren Chinesen sich über ihre Erlebnisse weidlich lustig machen.

Zum Gumbinner Prozeß.

DieRat.-Zeitung" veröffentlicht eine Reihe von Aktenstücken, die ihr vom Rechtsanwalt Horn, dem Vertheidiger Hickels in dem Gumbinner Prozeß, zugegangen find. Der Inhalt dieser Aktenstücke ist folgender:

Der Rechtsanwalt Horn bringt auf die Frei­lassung Hickels nach dessen zweiter Jnhaftirung durch ben General-Leutnant v. Alten; diese war erfolgt trotz der Freisprechung des Ange­klagten ü egen des Fluchtverdachtes und Kollusions­gefahr, weil ein Verbrechen Gegenstand der Untersuchung war. Da die Beschwerden des Rechtsanwalts Horn gegen die Aufrechterhaltung der Hast erfolglos blieben, fo stellte dieser gegen den oben genannten General - Leutnant, sowie gegen den kommandirenden General, Grasen Finck v. Finckenstein, Strafantrag wegen Frei­heitsberaubung. Der erste Staatsanwalt in Insterburg lehnte eS aus formalen Gründen ab, die Strafanzeige Seiner Majestät dem Kaiser und Könige vorzulegen. Der Oberstaatsanwalt in Königsberg aber gab auf wiederholten Antrag des Rechtsanwaltes die Beschwerde (also nicht den Strafantrag) an das geheime Kabinet Seiner Majestät des Kaisers und Königs für die Militärangelegenheiten weiter.

Das letzte Schriftstück in der Angelegenheit zeigt, daß auf Allerhöchsten Befehl ein Er - mittelungsverfahren stattgesunden hat. Der ganze Brief lautet:

General-Kornrnando 17. Armee-Korps. Danzig, den 14. August 1901. An den Herrn Rechtsanwalt Horn in Insterburg. Auf Ihre am 23. Juni d. I. gegen den kommandirenden General, General der Infanterie Grafen Finck von Finckenstein und den Divisions- Kommandeur General-Leutnant v. Alten an die Staatsanwaltschaft zu Insterburg gerichtet, durch den Oberstaatsanwalt in Königsberg t. Pr. an das Militör- kabinet überreichte Anzeige hat aus Allerhöchsten Be­fehl ein Ermittelungs Verfahren stattgesunden. Da keinerlei Beweise vorliegen, daß die genannten Offi­ziere eine Verhaftung oder vorläufige Festnahme widerrechtlich vorgenommen haben, habe ich das gerichtliche Verfahren eingestellt. In dem am 6. Juli 1901 von dem kommandirenden General Grasen Finck

möge heimlich das Haus verlassen und zu Elmar eilen. Dadurch würde ihr seit langen Jahren so schlau durchgeführter Plan, den unbekannten Vormund durch harte, scharfe Befehle verhaßt zu machen, um das Mädchen von ihm um so sicherer abzubringen, entdeckt.

Aber Felicia sah in der Einsperrung kein Hindernis. Es verlangte nur eine mittelmäßige Anstrengung, um von dem Balkone ihres Zimmers nach dem des benachbarten leerstthen- Gemaches zu klettern, der eine kleine gußeiserne Treppe nach dem Garten zu hatte. Der erste Zug ging um sechs Uhr Morgens und die Post, welche unweit der Villa vorbeifuhr, würde sie zur Zeit dahinbringen.

In fieberhafter Aufregung packte fie etwas Wäsche und ein Kleid in ihren Handkoffer, ver­schloß die übrigen Sachen und schrieb dann an Onkel Fritz, steckte den Brief in die Tasche und legte sich auf's Bett. Es war sehr kalt im Zimmer, glühend heiß rann das Blut durch Felicia's Adern und der Kopf schmerzte zum Zerspringen. Mit fast übermenschlicher An­strengung raffte fie fich auf, als es Zeit wurde, kleidete sich warm an und tret auf den Balkon hinaus.

Wie fie es nur hatte fertig bringen können? War nicht alles ein Traum und war fie wirk­lich eilig durch den stillen Garten nach der Landstraße gegangen, mit der Post nach der Station, dann im kaum erwärmten Coupee durch den Wintermorgen und in einem Wagen durch die lärmende Stadt bis hinaus vor das kleine Haus?