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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marömg und Kirchhai».

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Erstes Blatt

die andere holten.

werden geschloffen, für das Militär werden neue lniformen angefertigt, es gewinnt den Anschein als ob der Zar nicht der freien Republik, andern irgend einem pontemkinschen Dorf einen Besuch abstatten wolle. Die französische Regierung hat alle Ursache, sich des Besuches )es Zaren zu freuen; das Kabinet Waldeck- Rousseau, hat abgewirthschastet und nur ein Besuch des Zaren ist noch im Stande, ihm für einige Zeit das Leben zu fristen. Zeigt doch der Eifer, mit dem Waldeck-Rouffeau bemüht war den Besuch des Zaren zu erhalten, und zeigt doch die lärmende Art, in der die Vor­bereitungen jetzt stattfinden, wie schwach die Regierung selbst sich fühlt.

Wie ganz anders hat man in Deutschland ne Ankündigung von der Reise des Zaren auf- benommen. Auch wir freuen uns, daß die Be­ziehungen zwischen Deutschland und Rußland wieder intimere geworden sind, daß Zar Nikolaus >en Besuch in Frankreich nicht abstattet, ohne vorher einet Einladung unseres Kaisers nach- gekommen zu sein. Diese Freude hat aber nicht, wie in Frankreich, den Anstrich der Unter­würfigkeit, wir erblicken im Zaren nicht unfern Protektor, sondern den Freund unseres Kaisers, wir sehen in dem Besuch nicht den Ausdruck der Herablassung, sondern den sreundnachbar- licher Beziehungen zwischen zwei ebenbürtigen Mächten, es scheint auch, daß die Art, wie in Deutschland die Ankündigung des Zarenbesuchs auf genommen wird, den russischen Diplomaten mehr imponirt hat als der lärmende, wenig Selbstbewußtsein verrathende Jubel in Frank­reich. Die russische Presse, soweit sich in ihr die Anschauungen der Regierung widerspiegeln, weiß das in einer Artikelreihe über die politische Bedeutung des Zarenbesuchs in Deutschland zu würdigen.

Die Reise des Zaren hat wieder einmal die Frage der Intervention in Bezug auf den Burenkrieg aufgerollt. Es ist mitgetheilt worden, der Zar werde den Präsidenten Krüger in Dünkirchen oder Paris empfangen und in der Begegnung des Zaren mit dem König Eduard in Fredericksborg werde sich für den Zaren Ge­legenheit bieten, den Gedanken des Weltfriedens, wie er in seinem Friedensmanifest zum Aus­druck kam, praktisch zu bethätigen. Der Nach­richt ist das Dementi auf dem Fuße gefolgt. In offiziösen Blättern kann man lesen, daß der Zar bei seiner strikten Neutralität verharre, und wenn er aus rein menschlichen Beweggründen heraus den Präsidenten Krüger in Paris em­pfangen sollte, so würde darin keine Parteinahme für die Buren zu erblicken sein. Das mag

richtig sei, wir wiffen ja selbst am besten, tote )ie Großmächte Europas sich unseres Erachtens iiU früh England gegenüber die Hände gebunden laben. Es kann aber sehr bald die Zeit kommen wo England selbst um eine solche Intervention rittet. Länger als zwei Jahren tobt der Krieg, >ie beim Beginn bestandene Hoffnung Englands, daß in wenigen Wochen die Buren niederge­worfen sein würden, hat sich nicht erfüllt. Das Gegentheil ist ein getreten. Dor dem Muth und der Widerstandskraft des wackeren Buren­volkes ist Englands Streitkraft zusammenge- irochen, die Bereitstellung immer neuer Regi­menter, die Einstellung ihrer besten Heerführer, >ie Anwendung von Gewalt und Hinterlist, 'eines dieser Mittel hat die Unterwerfung des Lurenvolkes erzielt, wohl aber ist England >eute in der allergrößten Mth. Die Kriegs­lage hat einen für die Buren außerordentlich günstigen Umschwung genommen. Ihr Einfall in die Kapkolonie hat alle Pläne Lord Kitcheners über den Haufen geworfen, das südliche Kapland be­findet fich vollständig in der Gewalt der Buren, im Orangefreistaat haben Buren englische Truppen mit Erfolg angegriffen, und auch im Westen vom Kimberley haben die Engländer schwere Niederlagen erlitten. Selbst Natal wird neuer­dings ernstlich bedroht, im Norden dieser Kolonie steht Louis Botha zum Einfall bereit und über die Drakensberge find bereits Burenabtheilungen in das Land eingedrungen, wo sie, wie ihre Kameraden in der Kapkolonie, von den Hollän­dern mit offenen Armen empfangen werden. Auch hier kann der Aufstand der Holländer sehr bald losbrechen. Kurz, es steht um die englische Sache in Südaftika schlechter als je. Der Zeit­punkt erscheint nicht fern, wo der glorreichen englischen Armee eine Intervention der Groß­mächte sehr erwünscht sein wird, eine Interven­tion, die ihnen die goldene Brücke zum Rückzüge aus einem Lande weist, das sie zu ftüh für annektirt erklärt hatten und in dem sie sich statt des"erfehnten Lorbeers eine Blamage über

Umschau.

Der Kaiser und die Handelsverträge.

Die .Münch. Allg. Ztg.", die vielfach zu offiziösen Auslaffungen benutzt wird, wendet sich mit ziemlicher Schärfe gegen die von frei­händlerischer Seite gemachten Versuche, die Person des Kaisers in den jetzt entbrannten wirthschastspolitischen Streit zu zerren. Sie hält ein solches Hineinziehen der kaiserlichen

Rückblicke.

Wenn eS wahr ist, daß große Ereigniffe ihre Schatten vorauswerfen, dann muß der dies­maligen Zarenreise, die den Kaiser Nikolaus nach Dänemark, Deutschland und Frankreich führt, eine besondere politische Bedeutung inne- vohnen. Erst heute schifft sich der Kaiser mit seiner gesammten Familie auf der Kaiseryacht .Standard" in Peterhof ein, um die Fahrt an­zutreten, die ihn zunächst nach Schloß Fredens- dorg führt, wo ihn ein zahlreicher Kreis von dänischen Verwandten erwartet. Der Aufenthalt auf Schloß Fredensborg ist für etwa 10 Tage bemessen; am 10 September wird in der Danziger Bucht zwischen dem Kaiser von Rußland und unserem Kaiser ein Zusammentreffen statt finden, an das sich die große Flottenparade und die Flottenmanöver anschließen. Obwohl also die eigentliche politische Zarenreise erst noch be­vorsteht, hat fich die Preffe des In- und Aus­landes ohne Unterschied bet Parteistellung be­reits seit mehr als 14 Tagen mit dieser Reise mausgesetzt beschäftigt. Deutschland kann, wie wir vornweg bemerken wollen, der diesmaligen Zarenreise mit einer gewiffen Genugthuung entgegensehen. Noch vor 8 Tagen schien eS so, als ob dieser ein gewisser demonstrativer Charakter zu Gunsten Frankreichs zu Grunde läge. Die erste offizielle Verlautbarung über die Zarenreise war die Mittheilung von dem Besuch in Frankreich. In einem überaus gnädig gehaltenen Schreiben an den Präsidenten der französischen Republik Herrn Loubet erklärte der Zar, daß er sich ent­schlossen habe, die Einladung anzunehmen und daß er der Schlußparade und dem Manöver bei Reims beiwohnen werde. Diese Nachricht übte auf die französische Regierung ungefähr die Wirkung aus, als ob eine arme Familie von der Kunde überrascht wird, daß sie das große Loos gewonnen habe. Die republikanische Traditionen wurden über den Haufen geworfen, das gefammte republikanische Frankreich vom Präsidenten an bis zum Blusenmann liegt vor dem Selbstherrscher aller Reußen im Staube und wetteifert in den Vorboreitungen für den Empfang des allergnädigsten Herrn. Alte ver­fallene Schlösser werden restaurirt, die Erinner­ungen an das alte monarchische und cäsaristische Frankreich neu aufgefrischt, eine umfassende Amnestie ist in Vorbereitung, die Schulen

jum Zolltarif-Entwurf.

Der 48. Katholikentag in Osnabrück nahm folgenden Antrag des Abg. Herold an. .In Erwäg, ung, daß einerseits ein leistungsfähiger und kräftiger Grundbesitzerstand eine der wichtigsten Stützen der gesammten staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung bildet ist anderseits die deutsche Landwirthschaft hauptsächlich infolge der niedrigen Preise der land- wirthschaftlichen Erzeugnisse, welche vorzugsweife durch die Konkurenz billiger produzierender Import- länder bevorgerufen find, sich in äußerst schwieriger Lage befindet, und daß die niedrigsten Preise insbe- fondere keine zur Erhaltung der Arbeitskräfte in der Landwirthschaft nothwendige mit Industrie und Ge­werbe gleichen Schritt haltende Erhöhung der Löhne nicht gestatten, erachtet die 48. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands es als eine wichtige Auf­gabe der Gesetzgebung und Verwaltung, der bedräng- ten Landwirthschaft weitgehenden Schutz angedeihen zu lassen, insbesondere durch Sicherstellung der be- rechtigten Forderungen der Landwirthe bezüglich einer wesentlichen Erhöhung der beste­henden Zölle landwirthschastlicher Produkte bei der bevorstehenden Neuregelung der Zollgesetzgebung."

Die Sanem int bayerischen Allgäu sind auch Freunde höherer Getreidezölle, obwohl der Getreide­bau im Allgäu weit zurücktritt hinter der dort blühenden Milchwirthschaft und die Milchpreise günstig find. Dennoch hat sich, wie den »Münch. Reuest. Nachr." aus dem Allgäu geschrieben wird, auch das Allgäu sür höhere Getreidezölle erklärt. Sie hoffen, daß in anderen Landestheilen dann mehr Flächen unter den Pflug kommen und dort die Milchwirth- schast eingeschränkt wird.

In Schweidnitz hat fich, wie die .Fr. Ztg" meldet, die Handelskammer gegen den Minimal- tarif in § 1 des Zolltarifentwurfs ausgesprochen, weil diese Sätze den Abschluß langfristiger Handels­verträge erschweren. Gegen die Zollerhöhungen _6at anscheinend die Kammer keine Bedenken, die .Frs.

Person für höchst bedenklich und auch für sach- tch ungerechtfertigt. In letzterer Beziehung chreibt das genannte Blatt:

.Alsdann aber liegt in diesem Zuhülferufen des Monarchen und in dieser Verfügung über seinen Willen nach dem Muster der bekannten Devise: .Und der König absolut, wenn er unfern Willen thut , ein tarkes Bekenntnis der eigenen Schwäche. Wenn es bann weiter gelegentlich der zum vorliegenden Zwecke vorgenommenen Revision des monarchischen Bewußt- eins der äußersten Linken heißt, daß es der persönliche Wunsch des Kaisers sei, daß Handelsverträge unter allen Umständen abgeschlossen werden, so darf daran erinnert werden, daß vor Anbeginn der Kanzlerschaft des Grasen Bülow folgender Gesichtspunkt als maß­gebend betrachtet werden konnte. Deutschland verkehrt und verhandelt mit anderen Mächten nur auf dem Fuße der Gleichberechtigung; nur bei Erlangung gleichwerthiger Zugeständnisse ist die deutsche Re­gierung bereit, anderen entgegen zu kommen. Auf )ie Redensart von den unter allen Umständen abzu­schließenden Handelsverträgen können also die frei­willigen demokratischen Nothhelfer des Monarchen in Zukunft gut und gerne verzichten."

21 «Nachdruck verboten.»

Ihr Bor««»d.

Original-Roman von Ellen Eva la.

(Fortsetzung.)

Wer hat Dir das gesagt?"

Jedermann denkt so," antwortete das junge Mädchen abweisend, denn gerade noch zu rechter Zeit war ihr Johanna's Warnung eingefallen.

Jedermann sollte fich um sich selber be­kümmern," erwiderte er zornig,aber sie mögen denken, was ihnen beliebt, mir ist es einerlei. Lilian ist sehr schön, nicht wahr, Felicia?"

Jawohl," stimmte sie bei.

Und Du denkst, ich würde glücklich fein?"

Ich weiß nicht," erwiderte fich nachdenklich, aber ich hoffe es."

Sie sah ihn an, uud ein merkwürdiges Gefühl überkam fie, als er ihr tief in die Augen sah.

Ich habe heute Nachmitthg von Dir etwas gehört!"

Natürlich, von Lilian von Dahleu!" rie Felicia verächtlich.

Einerlei von wem, ich hörte, daß Fred immer nach dem Studio kommt, daß er oft »ach der Villa kommt und daß, wo immer Du bist, auch er zu finden ist. Er läßt mich die Vorgänge von heute Nachmittag in einem ver­ständnisvolleren Lichte sehen, desgleichen Deinen Entschluß, allein zu stehen und die Weigerung, »rich als guten Freund zu betrachten. Fred if; Dein Vertrauter--Du willst keinen andern.

Eure jungen unbedachten Köpfe haben einen

Plan für lebenslange Vereinigung ausgedacht. Habe ich recht?"

Sie hörte ihm mit niedergeschlagenen Augen zu. Als er geendet hatte, richtete fie fich auf, ganz ruhig und würdevoll, daß es dem Manne da vor ihr auffiel und er erwartungsvoll in ihr müdes Antlitz sah.

Ich mag jung und unbedacht sein," sagte fie ernst,und vielleicht in Deinen Augen auch Fred, aber er ist immer gütig und liebens­würdig und ich denke nicht, daß er einem jungen Mädchen, welches man seiner Obhut anvertraut hätte, das Leben hätte führen laffen, daß ich geführt habe--und--noch führe."

Ich glaube nicht, daß ich Dich bat, mir Fred's .Vorzüge aufzuzählen," unterbrach sie Elmar,aber ich denke, ich kann diese Deine Rede als eine Bejahung alles dessen nehmen, was ich gehört und was ich Dich soeben ge­fragt. Ich muß mich wohl für einen solchen Fall vorbereiten und mir klar machen, was die Pflichten von einem Vormunde einer solchen Angelegenheit erheischen. Und so räthst Du mir, Lilian von Dahlen zu heirathen? Vielleich t denkst Du, daß ich dann weniger Zeit haben würde, über Dich zu dominieren?"

Ich rathe Dir gar nichts," kam es in leisem, stockendem Tone von Felicia's Lippen.Du mußt selbst wiffen, was für Dich gut ist."

Sie sah auf zu ihm und dann wieder fort. Ei» so seltsames, weiches, fast wehmüthiges Lächeln irrte um feine Lippen.

Ah! Ja, Kind--nur daß man es

nicht immer erreichen kann."

Dann wandte er fich um und war in der nächsten Minute draußen und Felicia lauschte

seinem Schritt, der fich auf dem Kieswege draußen verlor. Einen Augenblick lehnte sie fich an die Ballustrade der Treppe, dann stieg sie dieselbe langsam empor. War denn etwas anders geworden? Was klopfte und hämmerte es denn so ungestüm da drinnen? Fest preßte fie ihre Hand auf das rebellische Herz und fie richtete fich auf. Aber im nächsten Augenblick kam es wie Schluchzen von ihren Lippen, und wuchtig fiel die Thüre ihres Zimmers hinter ihr in's Schloß.

Kaum waren ihre Schrftte verhallt, so öffnete fich langsam die vorher nur angelehnte Salon- thüre und Johanna von Rhenen schaute vor- fuhtig heraus. Ihre Augen funkelten wie die eines Raubthiers und das Antlitz war erdfahl. Wie ein Gespenst sah fie aus, und wäre nicht der haßerfüllte Ausdruck um ihre Mundwinkel gewesen, man hätte fie für ein solches halten können.Ich werde Dir," zischte fie zwischen den Zähnen heraus,von nun an doppelt Wache halten müssen."

Der September neigte fich seinem Ende zu, die Blumen welkten und die Blätter fielen. In dem engen Thale lagen die Nebel und etf: gegen Mittag fielen die Sonnenstrahlen mild und wärmend durch die halb entlaubten Bäume des Gartens. Auf den Studioversammlungen lag es wie ein Alp und die ungetrübte Heiter­keit war verschwunden, denn seit jenem Tage, da Lilian so plötzlich daselbst erschienen war, kam Johanna von Rhenen jeden Tag mit ihrem Strickzeug dahin, blieb den ganzen Nachmittag zum größten Entsetzen von Onkel Fritz und zum Aerger der übrigen, oder wenn fie auS- ging, nahm sie Felicia mit fich. Jeder Schritt

des jungen Mädchens wurde bewacht, nie konnte Felicia allein ausgehen, wie fie es gewohnt ge­wesen war; selbst in ihrem Zimmer konnte sie nicht ungestört sein, denn öfter schon hatte fich plötzlich geräuschlos die Thüre geöffnet und das Freifräulein hatte unter irgend einem Vor­wande hereingesehen, oder aber das junge Mäd­chen mit in den Salon hinuntergenommen.

Dazu wurde das Wetter immer schlechter und schlechter, es begann zu regnen und Felicia, deren heiteres, sonniges Gemüth die düsteren Tage nicht ertragen konnte, fühlte fich einsam und unglücklich. Elmar kam wenig und wenn er kam, grüßte er sie in gleichgiltigem Tone und nahm weiter keine Notiz von chr. Nach der Kirche kam er überhaupt nicht mehr, aber wie fie von Lilly und Evchen hörte, war er sehr oft bei Frau von Dahlen. Die Tage ver­gingen, er störte fie nicht und mischte sich nicht in ihr Thun und Treiben, aber Johanna über­wachte fie wie eine Gefangene und gebrauchte ihres Bniders Namen zu allerhand strengen Maßregeln oder nachdrücklichen Betonungen ihrer eigenen Befehle, selbst bann, wenn Felicia genau wußte, daß er gar nichts mit der Sache zu thun hatte und fein Befehl von ihm ge­kommen fein konnte.

Hatte fie ihn vorher feinet Einmischung wegen gefabelt unb fich seinen Befehlen wider- setzt, so fühlte fie jetzt, wie sehr er ihrem Leben fehlte, wie sein Schutz, verachtet unb mit Füßen getreten, ihr trotz aller Widersetzung lieb, geworden war und wie fie wünschte, er möge weniger gleichgiltig und kalt zu ihr sein.

(Fortsetzung felgt).