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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Marburg

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Soimabend, 31 August 1901.

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^»erheffifche Zritnng" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (SRarft 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post- Malten und Landbriefträgern entgegen« genommen.

Zur Oberlehrerfrage

Den vielfachen Klagen gegenüber, wie sie in der Presse und den Verhandlungen des Ab­geordnetenhauses über die aufreibende Thätig- keit der Oberlehrer und ihre dadurch bedingte erschreckende rasche Abnutzung immer eindring­licher laut wurden, hat die Unterrichtsverwaltung bekanntlich von durchaus einwandsfreien Ge­lehrten eine umfassende Denkschrift ausarbeiten lassen, die unter dem TitelDie Alters- und EterblichkeitsverhältnissederDirek- toren und Oberlehrer in Preußen" in dem Verlag der Waisenhausbuchhandlung in Halle erschienen ist und ein schönes Denkmal deutscher Gründlichkeit darstellt. Freilich das, toaS von Freunden des höheren Lehrerstandes immer behauptet war, daß die Lage der Ober­lehrer im Vergleich zu anderen akademischen Berufen eine außerordentlich ungünstige sei, daß daher die von der Regierung traditionell festgehaltene Zurücksetzung dieser gegenüber ruderen Beamten mit gleichartiger Vorbildung und ähnlich bedeutsamen Wirkungskreisen sich nicht rechtfertigen laste, konnte auch jene Ver­öffentlichung nicht widerlegen. Da eben gleiche Untersuchungen für diese anderen amtlichen Be­rufe nicht Vorlagen, also eine Vergleichung mit diesen, wie die objektive Herausgeber ausdrück­lich anerkannten, nicht möglich war, mußten sie sich begnügen, die gewonnenen Zahlen nach den Eterblichkeitsverhältniflen der allgemeinen männ­lichen Bevölkerung zu bewerthen. Es liegt aber auf der Hand, daß die Sterblichkeitsver- hältnifle der allgemeinen Bevölkerung sehr ver­schieden fein wüsten von denen eines gebildeten Standes, bei dem von vornherein anzunehmen ist, daß er sich einer günstigeren Sterblichkeit als die Totalität.

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Um so mehr mußte es auffallen, daß die offiziöseBerliner Correspondenz" in

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Ihr Vormund.

Original-Roman von Ellen Svala.

(Fortsetzung.)

Wie ihr das Herz schlug! Er hörte es ge- diß. Draußen auf dem Kieswege ertönten Schritte. Onkel Fritz schlief weiter, aber Mars richtete sich auf und begann zu murren. Dies that er nur gegen eine Person und diese Person stand plötzlich hochaufgerichtet in der Thüre. Es »ar Lilia. Mit einem einzigen Blick übersah fie die ganze Situation, den schlafenden alten Mann, die leeren Theetaffen und die beiden Ge­stalten von Elmar und Felicia.

Elmar hob die Hand:Wecke ihn nicht auf!" sagte er mit sarkastischem Pathos,ich habe »ein möglichstes gethan, um Felicia ruhig zu halten."

Ich dachte, Du würdest erst heute Abend iurückerwartet?"

Lilian sprach scharf, der gewöhnliche seiden­weiche Ausdruck ihrer Stimme war verschwun­den und die Blicke, welche sie auf Felicia warf, ließen nichts zu wünschen übrig an gehässigem verdachte. Aber das junge Mädchen sah es nicht. Sie beugte sich über Onkel Fritz und schüttelte ihn sanft, doch Elmars Bemerkung, i»ß nicht nur Damen manchmal ihre Absichten änderten, ging ihr nicht verloren. Onkel Fritz sprang aus, verwirrt und erschrocken, fuhr sich betlegen durch die weißen Haare und blinzelte »it einem Auge wie ein Huhn, welches in der Sonne gelegen hat, während Johanna, die hinter Silitin eingetreten war, sich mit drohenden Zicken vor ihm aufpflanzte.

einem Aufsatz aus jenen für die Beurtheilung der Berufsarbeit innerhalb der verschiedenen Beamtenkategorien zur Zeit noch durchaus werth- losen Ergebnissen sofort den UeberbürdungS- flagen der Oberlehrer als unbegründet zu er­weisen suchte und damit den von allen Schul­konferenzen, allen Parteien des Parlamentes und den ersten Fachmännern auf ärztlichem und pädagogischem Gebiete immer und immer wieder erhobenen Forderungen nach Besterung ablehnen zu wollen schien. Es ist das Verdienst H. Schröders's in derFrankfurter Zeitung" nun aus eben jenen Zahlenreihen nachgewiesen zu haben, daß gerade aus ihnen die sich rasch steigernde Abnutzung der Oberlehrer aufs Deut­lichste hervorgeht. Während nämlich der Ober­lehrer bei einem Alter von 25 Jahren in sein Amt mit einem Ueberschuß an Lebenskraft von 5,62 Jahren im Vergleich zu der übrigen männlichen Bevölkerung eintritt, d. h. hoffen darf um dieses mehr länger zu leben als jene, so verringert sich diese Zahl im Verlaufe seiner Berufsfähigkeit immer mehr, sodaß der Ueber­schuß im Mannesalter von 45 Jahren nur noch 2,15 Jahre beträgt, und am Ende seiner Laufbahn ganz verschwindet, ja in ein Minus übergeht. Es ist also einwandsfrei erwiesen, daß der Verbrauch an Lebenskraft in diesem Berufe erheblich größer ist, als der gesammten männlichen Bevölkerung des Staates. Zu jener Auslastung der offiziösen Correspondenz bemerkt dieHalle'sche Ztg." mit Recht:

Wenn jene Auslastung der offiziösen Corre­spondenz mit deutlich erkennbarer Spitze auf die Thätigkeit Schröders, der diese ganzen statistischen Arbeiten in Fluß gebracht und auch der Regierung wiederholt die schätzbarsten An­regungen gegeben hat, von einerIrreführung der öffentlichen Meinung" gesprochen hatte, so darf dieser jetzt mit Genugtuung darauf Hin­weisen, daß auch die offizielle Denkschrift die sachlichen Ergebniste der von ihm über die Oberlehrerfrage veröffentlichten Untersuchungen vollkommen bestätigt hat, bis aus einen Punkt, in dem seine Arbeit durch eine der Unterrichts­verwaltung sehr nahestehende Persönlichkeit, deren Angaben er damals (1898) noch glaubte vertrauen zu dürfen, irreführend beeinflußt sei. Wer mit den Personalien des Ministeriums vertraut ist, vermag jede Stelle unschwer zu errathen. Schröder hat sich bisher, wenn auch die Form seiner Polemik uns nicht immer sym­pathisch war, doch in der Sache als ein so ge­wissenhafter, zuverlässiger Arbeiter erwiesen, daß er aus allen Fehden immer als Sieger

Die Hitze Johanna die Hitze--so ungewöhnlich--wahrhaftig"

bis Felicia beinahe in lautes Lachen ausbrach und sich zur Seite wandte.

Wo bist Du den ganzen Nachmittag ge­wesen?" herrschte das Freisräulein Felicia an.

In Romsdorf."

Bist Du mit meinem Bruder nach Hause gefahren?"

Nein, ich ging."

Felicias Antworten waren immer sehr kurz, wenn Johanna sie in, ihrer groben Weise ausfragte.

Du hast einen heißen Tag gewählt zu einem Hin- und Hergänge nach Romsdorf," sagte Lilian, das junge Mädchen mit unfreundlichen Blicken vom Kopf bis zu Fuß betrachtend. Ich wollte, ich hätte die Hälfte Deiner Stärke."

Felicia antwortete nicht, sie war fest ent= schloffen, niemand etwas von der Art und Weise ihres Ausfluges zu sagen, denn sie würden ja doch nur lachen und sich lustig dar­über machen--ganz besonders Lilian. Würde

Elmar stille sein? Ja sie war sicher, er würde es, denn als er jetzt an ihr vorüber nach dem Klavier ging, warf er ihr einen bedeutsamen Blick zu.

Müde und traurig setzte sie sich in die Fenster­nische und beobachtete die Verlobten, wenigstens erschienen Elmar und Lilian in Felicias Augen als heimlich Verlobte. Sie schienen sich sehr gut zu verstehen. Lilian saß aus dem Klavier­stuhle und blickte lächelnd zu dem schönen Manne an ihrer Seite auf. Der harte Aus­druck ihres Antlitzes war verschwunden, es lag nur Glanz und Glück darauf, und die vorher

und Mann von untadelhaster Wahrheitsliebe hervorgegangen ist; so ist denn auch nicht an­zunehmen, daß er diese Anklage leichtfertig aus der Luft gegriffen hat. Es etgiebt sich dann freilich für die Regierung die unabweisbare Pflicht, dazu Stellung zu nehmen und ihn ent­weder $u widerlegen und seinen Angriff, als sei in ihren Kreisen und mit ihrer Billigung ein zweideutiges Spiel getrieben worden, ge­bührend zurückzuweisen ober, wenn daL an den Thatsachen scheitern sollte, jenePersönlichkeit" öffentlich zu desavouiren. Ist doch schon ver­schiedentlich in den letzten Jahren die Auffassung laut geworden, als sei die Unterrichtsverwaltung über die wirklichen Wünsche der ihr unterstellten Beamten unzureichend unterrichtet. Hier durch­zugreifen und wenn es erforderlich ist, Wandel zu schaffen, würde mehr zu der so dringend nothwendigen Beruhigung des Oberlehrerstandes beitragen, als alle gelegentlichen Versicherungen des Wohlwollens und der idealen Werthschätzung dieses Berufes.

Umschau.

DerSühneprinz".

Diediplomatische Krankheit, die den chinesischen Sühneprinzen" Tschun auf seiner Reise nach Berlin in Basel befallen hat, 'soll, wie der Berliner Local-Anzeiger" wiffen will, daraus zurückzuführen sein, daß die deutsche Regierung verlange, der Prinz solle sich bei dem Empfange durch Kaiser Wilhelm drei Mal vor dem Kaiser verbeugen und sein Legationssekretär und seine Untergebenen sollten sich vor dem Monarchen niederwerfen. Wenn man in Berlin in der That derartige Forderungen für das Ceremoniell des Empfanges der Sühnegesandtschaft gestellt hat, so wird man dazu seine guten Gründe haben, Gründe, die sich aus der Geschichte des Verkehr der fremden Vertreter mit dem chinesischen Kaiserhof herleiten. Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts verlangten die Chinesen bekannt­lich, daß die Gesandten der europäischen Herrscher vor dem chinesischen Kaiser den Kotau machen, d. h. drei Mal mit der Stirn den Boden be­rührten und sich dann neun Mal verneigten. Erst als die britischen Gesandten Lord Marcatney nnd Lord Amherst sich weigerten, diesem demüthigenden Ceremoniell sich zu unterwerfen, ließen die Chinesen die Forderung fallen; und wenn es auch ein Märchen ist, daß sie fortan die Gesandten zur Audienz in die Halle der unterworfenen Völkerschaften geführt hätten, so wußten sie doch durch allerlei kleine Begleit-

so scharfe Stimme klang weich und schmeichelnd. Felicia konnte die Konversation nicht hören, es war so schwül, daß ihr Kopf zurücksank und die schweren Lider sich schloffen. Doch dann schreckte sie auf und beugte sich lauschend vor, denn ihres Vormundes tiefe Baritonstimme erfüllte den Raum. Er fang ein spanisches Liebeslied mit so viel Ausdruck und Gefühl, wie sie es dem kalten, herrischen Manne niemals zugetraut hätte. Und wie sie lauschte und lauschte, schien es auf einmal, als habe sich mit einem Zauber­schlag des Lebens wunderbarer Wert vor ihr ent­hüllt und als wären Liebe und Hingabe kost­bare Wirklichkeiten. Ihre Seele flog jener Offen­barung entgegen mit der ganzen Kraft und Stärke, dem ganzen heiligen Glauben unzer- ftörten festen Vertrauens, und erst, als es stille in dem hohen Raume geworden war, kehrte sie zurück aus ihrem Traumlande, sah Elmar sich mit dem Ausdrucke eines ernsten Gefühles über Lilian beugen und deren Kopf so nahe an feiner Schulter, daß er sie faßt berührte; und mit schmerzhafter Gewißheit kehrte der Gedanke zu ihr zurück, daß sie unter all diesen Menschen nur eine heimatlose Fremde war, die sie nicht liebten und nicht nöthig hatten, sondern nur duldeten. Dennoch aber sprach da drinnen in ihrem Herzen eine leise Stimme, daß ihr Vor­mund sie nicht so schnell vergeffen und den heutigen Tag mit seinen Vorkommnissen in der Erinnerung behalten würde. Augenblicklich war sie gar nicht für ihn vorhanden, kein einziger Blick traf sie, und feine ganze Aufmerksamkeit schien seiner schönen Gefährtin gewidmet zu fein. Jedenfalls hatten sie sich versöhnt und würden bald heirathen, bann würbe sie wenig

umstände, wie das Einlaffen der Gesandten durch eine Nebenpforte beS Palastes, deren An­sehen in den Augen der Chinesen herabzusetzen. Grabe beshalb, weil ber Chinese so großen Werth auf Aeußerlichleiten legt, muß nachdrücklich darauf bestanden werben, daß die Chinesen den europä­ischen Herrschern mit demselben, für sie in dem EmpfangSceremoniell ausgedrückten Respekt be­gegnen, den sie ihrem Monarchen bezeugen. Dieses Ceremoniell bei einem Empfange vor dem Kaiser von China besteht nun für Chinesen heute noch in dem Kotau, und das würde also vermuthlich der Grund sein, weshalb man jetzt den Kotau auch in Berlin verlangt, während man sich bei dem prinzlichen Gesandten selbst an drei Verbeugungen genügen läßt. Grade dem Charakter einer Sühnegesandtschaft wäre eine solche Forderung durchaus angemeffen, denn daß man das Ceremoniell des Kotaus nicht auch für die späteren Empfänge der in Berlin beglaubigten chinesischen Vertreter vor­schreiben würbe, erscheint wohl selbstverständlich.

Für die Unterbrechung der Reise soll außer diesen ceremoniellen Fragen auch maßgebend gewesen fein, daß in Berlin eine Fort­setzung ber Reise solange unstatthaft erscheint, als von chinesischer Seite in Peking bem formellen Abschluß ber Durchführung des Friedensvertrags noch immer Schwierig­keiten in den Weg gelegt werben. Auch über ben WortPaut der Ansprache, die Prinz Tschun dem Kaiser halten soll, finden noch Ver­handlungen statt, von deren befriedigender Be­endigung die Weiterfahrt nach Berlin abhängt. Hoffentlich wird demSühneprinzen" recht ein­dringlich zu Gemüthe geführt, daß er sich in einem gewaltigen Jrrthum befindet, wenn er glaubt, seinerSühnEmission entgehen zu können.

Der Katholikentag in Osnabrück.

Wie alleGeneralversammlungen bet Katho­liken Deutschlands", so hat auch die achtund- vierzigste in ihrer Reihe, die zu Osnabrück ab- gehallen wurde, einen imposanten Verlauf genommen. DieConserv. Corresp." urtheilt über sie: Man wird unwillkürlich zur Be­wunderung der Disziplin in den aus heterogen Elementen zusammengesetzten Versammlungen und der zielbewußten Taktik der Führerschaft genöthigt, wenn man die Berichte über den Osnabrücker Katholikentag liest. Die Parole, welche diesmal ausgegeben worden ist, wird zudem auch in patriotischen evangelischen Kreisen Beifall finden, fie lautet: Auf, in den neuen Kulturkampf!Der staatliche Kulturkampf ist

von ihnen sehen; Lilian richtete es wohl schon so ein, denn selbst jetzt war sie neidisch auf Felicia, nur weil fie Elmars Mündel war.

Es war Abend. Lilian von Dahlen war davongefahren und Felicia in die Halle geschlüpft, um mit einem jungen possierlichen Kätzchen welches aus ber Küche heraufgerannt war zu spielen. Sie hatte ihre lange feibene Schärpe ausgewogen unb schwenkte sie hinter einem hoch­lehnigen Sessel, auf welchem fie selber kniete, währenb baS Kätzchen entzückte Sprünge darnach machte unb bie scharfen Krallen unbarmherzig hineinfenfte.

Ein schneller, elastischer Schritt ertönte auf ben Fließen.

Was für ein Kinb Du bist, Felicia"

Felicia fah sich um und auf Elmar, welcher im Hellen Scheine der Gaslampe stehend, auf sie hernieder blickte. Der Ausdruck feines Ge­sichts war düster und herrisch.

Ich dachte, Du wärest schon gegangen," murmelte fie.

Zweifellos war der Wunsch dem Gedanken vorauSgegangen."

Sein Ton war ein ganz anderer wie der­jenige, den sie am Nachmittage bemerkt. Was für ein launischer Mann, und waS für strenge, fast drohende Augen! Sie wickelte die Schärpe um ihren Arm, nahm das Kätzchen auf und preßte ihre Wange schmeichelnd an fein weiches Fell.

Ich dachte, Du feiest mit Fräulein von Dahlen gegangen. Es ist nur natürlich, daß ich es dachte, da Ihr doch verlobt seid," sagte fie trotzig.

(Kortsetzung felgt).