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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhain.
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Marburg
Freitag 30 August 1901
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Evberhessische Aeitnug" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Post- ostalten und Landbriesträgern entgegen- genommen.
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Noch einmal Kitcheners Proklamation.
Die Entrüstung über die letzte barbarische Proklamation Kitcheners ist noch nicht verhallt. 66 ist zwar unzweifelhaft, daß Lord Kitchener diese unerhörte Verletzung des Völkerrechts nicht auS eignem Antriebe begangen hat. Der Wortlaut der Proklamation ist ihm jedenfalls von der englischen Regierung vorgeschrieben worden imb er hat nur seinen Namen darunter gesetzt. Aber wäre er wirklich der „eminent sittliche Held", für den ihn angeblich seine verstorbene Königin gehalten hat, dann würde er niemals seinen Namen zur Ausführung eines derartigen allen Gesetzen der Menschlichkeit und deS Völkerrechts Hohn sprechenden Besehls hergeben, sondern es vorgezogen haben, den Oberbefehl in Südafrika niederzulegen. Die Urheber dieses Streiches haben freilich versucht, ihrem völkerrechtswidrigen Vorgehen ein Mäntelchen umzuhängen und es zu begründen. Aber diese sogenannte „Begründung" steht auf schwachen Füßen, und beweist eigentlich nur, wie unbegründet die angedrohten drakonischen Maßregeln sind. Sollte hierüber noch irgendwo außerhalb Englands der geringste Zweifel bestehen, dann brauchte man sich nur einmal die „Bestimmungen betreffend die Gesetze nnd Gebräuche des Landkrieges" näher anzusehen, welche die Haager Friedenskonferenz angenommen und auch die englische Regierung am 29. Juli 1900 durch Pauncefoote und Henry Howard, ihre Bevoll- wächtigten, unterzeichnet hat. Dort heißt es im ersten Kapitel über ,, Bestimmung des Begriffs Kriegspartei" wörtlich so:
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„Die Gesetze, die Rechte und die Pflichten des Krieges gelten nicht nur für das Heer, sondern auch für die Milizen und Frei- toilligen-Korps unter folgenden Bedingungen: 1. daß Jemand an ihrer Spitze steht, der für das Verhalten seiner Unter«
19 Machdruck verboten.!
Ihr Vormund.
Original-Roman von Ellen Svala.
Fortsetzung.)
Auch diesmal bezahlte Felicia den errungenen
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„Wie kommst Du mir vor, Lilian," erwiderte Johanna schnell, „wo findet er wohl eine ^schönere Frau als Dich? Ist er jemals vorher X(318 lange zu Hause geblieben?"
„Schon gut---aber dennoch kommt
er kaum in unsere Nähe. Sage Johanna, bekümmert er sich viel um — dieses junge Ding Felicia? Ich hörte sagen, daß sie in feinen ^ugen kein Unrecht thun könne. Sprich Johanna
aber die lautere Wahrheit — — —" M°' „Was für Unsinn, Lilian!" Hörbare Un- ureoi Verheit lag in dem Tone der Stimme. „Das S Mädchen ist von keinerlei Bedeutung, er nimmt i^oi Überhaupt keine Notiz von ihr, sie begegnen :inß« mH nur selten und sie ist immer in Gesellschaft der Amtmannskinder und Fritz —"
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Lieg und in Villa Schneehauch angelangt, ®a schleppte sie sich nach dem Salon, um ihr le bt Buch zu holen und dann in Onkel Fritzens ' btudio bis zum Abendeffen auszuharren. Vor «lud b®1 Thüre stand sie, da wurden drinnen Stimmen m-Ä laut, Lilian von Dahlens und Johannas. Badja „Wann wird Elmar zurückerwartet?" hörte _*!!•$ ste Lilian fragen.
f „Heute Abend mit dem letzten Zuge."
L „Johanna, ich bin des Hinziehens müde!"
Ufäj rief Lilian leidenschaftlich. Alle Verstellungs- deitt ^ust war aus ihrer Stimme gewichen, sie trug (210 den ungekünstelten Naturlaut. „Hat er letzthin etwas zu Dir gesagt?"
gebenen verantworilich ist, 2. daß sie ein bestimmtes, aus der Ferne erkennbares Abzeichen tragen, 3. daß sie die Waffen offen führen und 4. bei ihrer Kriegführung die Kriegsgesetze und Gebräuche beobachten."
Daß die Burentruppen unter einem Dewet, Botha, Steijn, Kruitzinger u. s. w. diesen Bedingungen nach jeder Richtung durchaus entsprechen und demnach auch den vollen Anspruch auf alle Rechte des Krieges gegenüber den Engländern besitzen, wird außerhalb Englands von Niemanden bestritten werden. Freilich hat Chamberlain, in dem man Wohl den eigentlichen Urheber der Proklamation zu erblicken hat, den Versuch gemacht, der Welt einzureden, daß die Buren neuerdings die Kriegsgesetze mißachtet und englische Verwundete niedergeschoffen hätten. Einen Beweis für diese Behauptung vermochte er allerdings nicht beizubringen und geglaubt hat man sie ihm schwerlich irgendwo.
Weiter wird in der famosen Begründung der Kitchener'schen Proklamation behauptet, daß der frühere Oranjefreistaat und die frühere südafrikanische Republik zu Sr. Majestät Besitzungen annektiert seien. Nun lautet aber Artikel 42 der angeführten Haager „Bestimmungen" ausdrücklich: „Ein Gebiet gilt als besetzt, wenn es thatsächlich in der Gewalt des feindlichen Heeres steht. Die Besetzung erstreckt sich nur auf die Gebiete, wo diese Gewalt hergestellt ist und ausgeübt werden kann." Nach diesen von der englischen Regierung selbst auf der Haager Friedenskonferenz anerkannten Grundsätzen ist kaum der zehnte Theil der beiden südafrikanischen Republiken von dem englischen Heere thatsächlich besetzt und kann demnach auch kaum der zehnte Theil als von England annektiert gelten. Auf dem geduldigen Papier hat die englische Regierung allerdings die Annexion des ganzen Gebietes längst vollzogen. Aber die anderen Mächte haben diese Komödie nicht mitgespielt und erkennen noch immer das staatsrechtliche Vorhandensein der beiden Burenrepubliken an, wie sich schon daraus ergiebt, daß deren Vertreter in Europa noch immer alle Rechte als solche genießen. Die englischen Gewalthaber haben freilich, soweit sie dazu imstande waren, die nicht waffentragende Bevölkerung der von ihnen besetzten Gebiete gezwungen, ihnen den Treueid zu leisten. Auch damit haben sie sich in einen offenen Gegensatz zu jenen Haager Bestimmungen gestellt. Denn Artikel 45 besagt: „Es ist verboten, die Bevölkerung eines besetzten Gebietes zu zwingen, der feindlichen Macht den Treueid zu leisten." Der von den
„Und Fred, vergiß das bitte nichts! Dennoch aber werde ich das Mißtrauen nicht los. Hast Du gehört, wie er damals ihre Partei nahm, als wir uns nach wochenlanger Trennung zum erstenmale wiedersahen? — Hat er sie nach Schloß Rhenen eingeladen?"
„Natülich nicht, wie kannst Du glauben, daß er irgend jemanden anders einladen würde, wenn er Dich nicht einlädt?" log Johanna.
„Ich wollte es niemand anrathen, sich zwischen mich und ihn zu drängen, denn ich würde es bitter entgelten lassen."
Lilian sprach in heftigstem Tone und in ihrer Stimme lag eine solch drohende Entschlossenheit, daß Felicia wie von Nattern gestochen davon floh und erst still hielt, als sie in der Thür des Pavillons stand. Das erste, was sie sah, war Onkel Fritz, fest eingeschlafen. Die unberührte Leinwand stand vor ihm und Pinsel und Palette waren zur Seite gefallen. In ihren Käfigen sangen die Vögel nnd von draußen ertönte konfuses Summen und Schwirren der Bienen und Käfer.
Felicia sah nach dem kleinen Kaffeetische, auf welchem drei Tassen und der Kuchenkorb standen; zu gleicher Zeit auch wurde fie gewahr, daß feiner Cigarrenrauch durch das Zimmer zog, und daß der eingeschlafene Onkel Fritz wohl schwerlich dafür verantwortlich zu machen fei. Dann plötzlich schlug Elmars Stimme von der Ecke her in leisem Flüstern an ihr Ohr:
„Pst! Wecke den müden, überarbeiteten Künstler nicht!"
Sie biß sich ärgerlich auf die Lippen, aber es war unmöglich, nicht zu lachen, wenn man
zurückgebliebenen Burenfamilien erzwungene Treueid ist demnach null und nichtig und darf auch nicht zur Rechtfertigung des jetzigen englischen Vorgehens herangezogen werden. Noch weniger aber find die Engländer berechtigt, die Farmen der kämpfenden Buren zu beschlagnahmen oder gar deren Angehörige in irgend einer Weise zu bestrafen, weil die im Felde stehenden Kämpfer sich nicht unterwerfen wollen. Dagegen spricht einmal Artikel 46, der also lautet: „Die Ehre und die Rechte der Familie, das Leben der Bürger, das Privateigenthum, die religiösen Ueberzeugungen und die gottesdienstlichen Handlungen sollen geachtet werden. — Das Privateigenthum darf nicht eingezogen werden. Ferner Artikel 50: „Keine Strafe in Geld oder anderer Art darf über eine ganze Bevölkerung wegen der Handlungen Einzelner verhängt werden, für welche die Gesammtheit nicht als verantwortlich angesehen werden kann. Endlich Artikel 53: „Das Besatzungsheer darf nur mit Beschlag belegen: das Baargeld und die Werthbestände des Staates sowie die dem Staate zustehenden eintreibbaren Forderungen, die Waffenniederlagen, Beförderungsmittel, Vorratshäuser und Lebensmittelvorrüte sowie überhaupt alles dem Staate gehörende bewegliche Eigenthum, das geeignet erscheint, den Kriegsunternehmungen zu dienen." Die Engländer haben systematisch die Farmen der kämpfenden Buren zerstört oder niedergebrannt, sie haben deren Privatbefitz vernichtet ober sich angeeignet und drohen nun, die Familien derjenigen burischen Vaterlands- vertheidiger, die sich ihnen nicht bis zum 15. September ergeben, erbarmungslos dem Hungertode zu überlaffen!
Sie schlagen damit allen auf der Haager Friedenskonferenz festgesetzten und auch von ihren dortigen Vertretern feierlich verkündeten Grundsätzen einfach ins Gesicht. Werden die anderen Mächte eine derartige Verhöhnung ruhig geschehen lassen?
Umschau.
Gewerkschaften und Sozialdemokratie.
* Ed. Bernstein beleuchtet im „Vorwärts" das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den Gewerkschaften und schreibt: „Es wird doch wohl keinen Sozialisten geben, der dies Verhältnis als ein prinzipiell neutrales auffaßt." Der „Genosse" ist der Meinung, daß die Sozialdemokratie „kraft der ihr innewohnenden Tendenz bestimmt sei, die höchste Instanz der
diese Bemerkung mit her vollständig unangerührten Leinwand in Verbindung brachte.
„Du hier, sagte fie in verächtlichem Flüstertöne, und dann wachte jener UebermuthSteufel in ihr auf, den fie neulich im Walde ins Treffen geführt, und fie fügte hinzu: „Du solltest nach der Villa gehen." „Warum?"
„Lilian von Dahlen ist dort."
„Hierher kommt fie nicht," erwiderte er gelassen. „Möchtest Du eine Tasse Kaffee? Ich habe ihn für Dich warm gestellt."
ES war wirklich schwer, sich mit Elmar zu streiten, aber eine Beleidigung wie die ihr wiederfahrene konnte nicht so ohne weiteres vergeben werden, ober er würbe herrischer denn je. Felicia legte ihren Hut ab unb setzte sich mit ernsthaftem, feierlichem Gesichte hin.
„Wahrscheinlich sollte ich Dir dafür dankbar sein! Ich bin es aber nicht."
„Nein, Du liehst nicht so aus."
„Sehr begreiflich! Die Art und Weise, wie Du mich behandelst, ist unverantwortlich."
„Thust mir leib, daß Du es in diesem Lichte betrachtest —"
„Und wie ich Dir schon öfter klar gemacht habe, werde ich es nicht dulden!"
„Pst! Du wirst Fritz aufwecken!"
In würdevollem Schweigen goß fie Kaffee in die frische Taffe und suchte sich ein Buch! Elmar vertiefte sich wieder in feine Zeitung und es herrschte nun allseitiges Schweigen. Aber hinter ihrem Buche studierte fie ihn. Was für ein seltsamer, unverständlicher Charakter! Mit ihm zu streiten, hieße den Kopf an einen Felsen schlagen. Zum hundertsten Male fragte sie sich, ob er Lilian liebe. Diese schien ihm
Arbeiterbewegung zu bilden", sie habe gegenüber allen den höheren Anspruch auf die geistige Beeinflussung der Massen. Ferner äüßeist Bernstein, es liege im Wesen der Sozialdemokratie als „Partei der Arbeiterklasse", die „Spezialorgane" der Arbeiterbewegung, gleichviel wie fie sich zu Erstellen, als ihre „natürlichen Schutzbefohlenen" zu betrachten; die Partei sei also der Gewerkschaftsbewegung übergeordnet. Man wird zugeben müssen, daß Bernstein das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den Gewerkschaften sehr zutreffend schildert.
Zum Zolltarif-Entwurf.
Die Schwarzwälder Handelskammer nahm eine Resolution gegen jede Erhöhung der Getreidezölle, sowie gegen die Einführung des Doppeltarifs an und richtet an den Bundesrath und den Reichstag das Gesuch, dem Zolltarifentwurf in dieser Hinsicht die Zustimmung zu versagen. — Für die erhöhten Jndustriezölle tritt demnach diese Handelskammer ein.
3« Lauda« hat sich die H a n d e l 8 k a m m e r zwar gegen die Einführung eines Doppeltarifs für landwirthschaftliche Produkte ausgesprochen, im übrigen aber allgemein das Einverständniß der Kammer mit dem Entwurf bekundet.
Deutsches Reich
Berlin, 29. August
— Einer Gefahr glücklch entronnen ist, wie die .Staatsbürgerztg." nachträglich erfährt, unser Kaiser mit seinem Gefolge aus seiner letzten Nordlandsreise. Die Herrschaften hatten sich die Zest mit Fischfang Vertrieben und die gewonnene Beute unmittelbar darauf auf der .Hohenzollern" räuchern lassen. Sämtliche Herren find dann gleich nach dem Genuß der geräucherten Fische erkrankt, zum Theil in der heftigsten Weise. Insbesondere war auch der Kaiser von einem starken Unwohlsein ergriffen worden. Der Kaiser ist erfteulicher Werse bald nach seiner Rückkehr völlig wieder hergestellt gewesen, während von dem Gefolge noch heute einige Herren an den Folgen der heftigen Erkrankungen zu leiden haben. Wir müssen dem genannten Blatte die Verantwortung für feine Mittheilung überlaffen.
— Die auf den 2. September anberaumt gewesene firoßeH erb st Parade der BerlinerGarnison ällt auf Befehl des Kaisers aus. .
— Die Denkmalsenthüllung inAachen soll am 16. Oktober d. Js. stattfinden. Nach den nunmehr im Oberhofmarschallamte getroffenen Dispositionen, die wohl als endgültig bezeichnet werden können, wird der Kronprinz die Vertretung des Kaisers dabei übernehmen. Ein Besuch des Kaisers in der rheinischen Stadt ist für nächstes Jahr in Aussicht genommen.
— Die .Kölnische Zeitung" theilt mit, fie habe gegen das Urtheil der zweiten Instanz in Sachen der .goldenen Hand" Revision beim Reichsgericht angemeldet.
sehr zugethan zu sein, natürlich hatten sich die beiden gestritten und er war unversöhnlich und wollte nicht nachgeben. Was würden die zwei im Salon wohl sagen, wenn fie in das Studio treten könnten und den Mann erblickten, der „erst mit dem letzten Zuge" zurückerwartet wurde? Ausblickend begegnete sie Elmars Augen, welche fest auf fie gerichtet waren und dann beugte er sich plötzlich vor und sagte mit dem schönen Lächeln, das er für so wenige hatte und welches sein ernstes, stolzes Antlitz so anziehend machte:
„Felicia, möchtest Du Deinem alten, grausamen Vormunde nicht vergeben? Es war wirklich nicht meine Absicht, dich den langen, staubigen Weg gehen zu lassen und obgleich Du diese ganze Zeit, da Du so ruhig in Deinem Sessel saßest, ihn als einen schlechten Menschen verdammt hast, würde er doch gerne alles thun, um Dich glücklich zu machen."
„Thaten find stärker denn Worte."
„Und meine Thaten?"
„Ich dächte, wir hätten oft genug darüber gestritten," sagte fie unruhig, „unb ich denke, e§ liegt nicht in unserer Natur, Freunde zu sein. "
„Nein," antwortete er mit wunderbarem Tone seiner Stimme, „ich weiß, daß es nicht in der meinigen liegt. Sage mir, worüber Du nachdachtest, als Du mit so nachdenklichem Antlitz still dasaßest? Felicia — — was für ein thörichtes Kind Du doch bist! Du bist einsam, und wer ist Dir näher, denn ich?"
Er warf seine Zeitung zur Seite während er so sprach und kam auf sie zu. Seine Augen leuchteten, im Ausdruck eines tiefen Gefühles und seine Stimme vibrierte. (Fortsetzung fvlgt).