Deutsches Reich
Berlin. 20. August
— Der Kaiser wird, wie nunmehr festzustehen scheint, anläßlich der Preußischen Manöver mit dem Kaiser von Rußland eine Zusammenkunft haben. Für die gegenwärtigen deutsch-russischen Beziehungen ist hierin ein sehr günstiges Anzeichen zu erblicken.
— In Kopenhagen hat sich, wie man dem „B. T." schreibt, das schon einmal dementirte Gerücht einer bevorstehenden Verlobung des deutschen Kronprinzen mit einer Prinzessin von Cumberland abermals verbreitet. Es enthält natürlich dadurch nicht ein Fünkchen mehr Wahrheit.
— Graf Waldersee ließ sich, wie das „B.'T." meldet, in Hannover von einem Vertreter des .Echo de Paris' interviewen. Der Graf äußerte sich überaus sympathisch über die französisch'N Truppen in China und sagte angebliche .Ich glaube nicht mehr an die Möglichkeit eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland. Die Zeiten haben sich sehr geändert.'
— Der Stapellauf des Linienschiffes ,,G“ ist in Wilhelmhasen glücklich von statten gegangen. Der König vonWürttemberg betonte in der Taufrede, er und seine Gemahlin seien gern der Aufforderung des Kaisers, die Taufe des Schiffes vorzunehmen, nachgekommen: tief im Binnenlande sei ein hohes Interesse für das Wachsen der Marine, welches er und die Königin durch ihr Erscheinen be- kündet hätten. Hierauf taufte die Königin das Schiff auf den Namen „Schwaben".
— Die Wochenschrift „Ueberall", die bisher vom deutschen Flottenverein herausgegeben war, hört mit Anfang Oktober dieses Jahres auf, als Eigenthum des Flottenvereins zu erscheinen und geht in den Besitz der Verlagsbuchhandlung Boll u. Pickardt, Berlin, über, die sie mit ihrer illustrirten Zeitschrift .Armee und Marine" verschmelzen wird.
— Der Kongreß deutscher Kriegsveteranen wurde in Dessau am Montag eröffnet. Vertreten find 64 Städte. Der Kongreß beschloß gemäß dem Antrag Berlin, eine Petition an den Reichstag usw. einzureichen, daß bei der Vertheilung der Beihilfe anderweitige Bezüge von Unfall- und Pensionskaffen bis zur Höhe von 30 Mk. kein Hinderniß bilden sollen, ferner daß der Ausdruck .gänzlich erwerbsunfähig" aus dem Gesetz entfernt werden soll. Zum Ort des nächstjährigen Kongresses wurde Duisburg gewählt.
— Der Hamburger Dampfer .K i a u t s ch o u" hat 28 Offiziere und 664 Mann des 4. ost asiatischen Infanterie-Regiments gelandet.
Ausland
Frankreich. Der Kaiser von Rußland wohnt auf Einladung Loubet's dem Schluffe der Manöver bei Reims bei. Bei Dünkirchen wird der Kaiser, ehe er an Land geht, mit Loubet der Parade des Nordgeschwaders bei- wohnen, das beauftragt ist, den Kaiser bei seinem Eintreffen in den französischen Gewäffern zu begrüßen.
Serbien. Serbien spart. Aus Belgrad verlautet nach der „Köln. Ztg.", daß die serbischen Gesandtschaften in Rom, Bukarest und Athen aus Ersparungsrückfichten aufgegeben werden sollen.
Südafrika. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 19. August: „Kapitän Wood unternahm gestern früh mit einem Theil der Polizeitruppe und einer anderen unter dem Befehl des Kapitäns Morley stehenden Abtheil- ung in Stärke von etwa 150 Mann von seiner Stellung südlich vom Elandsriver aus eine Rekognoszirung gegen Bronkhorst Spruit. Er überraschte in der Nähe von Middelburg einstarkes Burenlager; 23Burenwurden getödtet. Da der Feind bedeutend stärker war — man schätzte ihn aus 600 bis 800 Mann — war Wood nicht in der Lage, seinen Erfolg auszunützen; beim Rückzug hatte er einen Tobten und sechs Verwundete, darunter Kapitän Morley schwer. 14 Mann werden vermißt. Die Haltung Aller war ausgezeichnet. Der Feind muß aber mehr als 23 Todte haben." Das Telegramm ist ein Muster vorsichtiger Fassung. Man hat es mit einer englischen Schlappe zu thun. Die Buren haben einen Angriff der Engländer abgeschlagen und einen Theil derselben gefangen genommen. Liest man aber das Telegramm oberflächlich, dann glaubt man, daß ein englischer Erfolg vorliege.
— Ein Reutertelegramm aus Kapstadt erläutert wieder, wie die Briten zu den Surengefangenen kommen. Nach diesem find Nach- richtm aus Wolmaranstadt eingetroffen. Dieses wurde kürzlich von General Hamiltons Kavallerie-Detachement besetzt, das den Kommissar und ein halbes Dutzend Polizeibeamte, sowie alle Einwohner sortbrachte und alle dort gefundenen Vorräthe vernichtete. Wie wenig die Engländer Herren der Lage find, zeigen die weiteren Mittheilungen über die oben erwähnte Expedition:
.Die britischen Truppen besetzten den Ort und räumten ihn später wieder. Die Buren, welche sich eine Strecke weit entfernt hatten, kehrten sofort nach Abzug der Briten zurück, Burengenerale wurden in den Häusern beherbergt und eine Art Regierung befand sich daselbst. Die Burenkommandos versammelten sich von Zeit zu Zeit in dem Orte, der saft beständig mit dem übrigen Theile des Landes in telegraphischer Verbindung stand, wenn die Briten abwesend waren."
Sehr berühmt ist auch eine Meldung aus Kroonstad nicht, obgleich fie aus englischer Quelle fließt. Nach ihr ist
.das Detachement des Oberst Remington in der Nähe jener Staat mit 23 Gefangenen und 60 Wagen eingetroffen. Die Kolonne fand 10 Meilen von Kroonstad den angeblich aus Befehl De Wets erschaffenen „Friedensabgesandten" Andries Weffels lebendig vor. (Und was sur Geschrei war in der englischen Presse über diesen „Mord" erhoben worden!» Die Kolonne
führte eine Reihe Nachtmärsche von Utrecht her mß. Außerhalb Heilbron wurde den Buren ein Hinterhalt gelegt. Diese jagten jedoch davon und verloren dabei 3 Todte und 5 Verwundete, während 12 Gefangene genommen wurden. Die übrigen 5 entkamen. Das Detachement Rimington verlor auf dem neunwöchentlichen Marsch 8 Toote und 15 Uerwundete."
Wir können aus allem diesem noch keine Wahrzeichen für das baldige Ende des Krieges erkennen.
China. In der Mandschurei wirthschaften die Russen, genau als ob es sich um russisches Gebiet handelt. Die Regierung ertheilte dieser Tage sogar dis ersten Bergwerkskonzessionen in der Mandschurei.
Marburg und Umgegend
Marburg, 20. August
* Der Könüg »<n» Württemberg pasfirte Montag Nacht mit dem O-Zug 75 unsere Station. Er befand sich auf der Fahrt nach Wilhelmshaven zumStapellauf desLinienschiffesO.
* Son der Nrliberßtit. Professor Dr. Ernst v. Halle in Berlin wurde, wieder „Frkft. Ztg." gemeldet wird, mit den Vorlesungen int staatswissenschaftlichen Seminar der hiesigen Hochschule für das Wintersemester beauftragt.
§ Silberne Hochzeit begehen heute die Eheleute Schreinermeister Rohleder. Ihnen brachte heute Morgen der Gesangverein „Liederverein" ein Ständchen.
§ Schulbeginn. Mit dem heutigen Tage hat der Unterricht in sämmtlichen hiesigen Schulen wieder seinen Anfang genommen.
* Sportliches. Bei dem am 17. 18. und 19. d. M. in Melsungen abgehaltenen Athletenwettstreit des Hessischen-Athletenverbandes errangen verschiedene Mitglieder des hiesigen Athletenklubs — und zwar die Herrn Jean Unkel, Louis Lang, Heinrich Hinneburg und Heinrich Ernst — unter starker Konkurrenz, je einen Preis im Dauerstemmen und Steinstoßen. Der hiesige Athletenklub hat sich in Melsungen zum ersten Male an einem berartgen öffentlichen Wettstreit be- theiligt. Um so ehrenvoller ist der Erfolg.
§ Strafkammer. lFerienfitzung.) Wegen Beleidigung des Bürgermeisters zu Hundshausen hatte sich heute zunächst der Ackermann Konrad Wagner aus genanntem Orte zu verantworten. Derselbe saß eines Tages in einer Wirthschaft und machte bei dieser Gelegenheit, als die Rede auf das Kirchengehen kam, allerhand Bemerkungen über den Bürgermeister wegen dessen Amt als Kirchenältester. Auch an anderen Orten, wie z. B. in Schlierbach und Jesberg, machte er ähnliche Bemerkungen. Vom Schöffengericht in Jesberg wurde Wagner deshalb zu 3 Monaten Ge- fängniß verurtheilt. Er sowohl wie die Staatsan- waltschast legten hiergegen Berufung ein. Der Angeklagte gab heute zu seiner Vertheidigung an, daß es nicht seine Absicht gewesen sei, den Bürgermeister zu beleidigen, er habe lediglich nur die Wahrheit gesagt. Ihm sei es darum zu thun, eine mildere Bestrafung zu erlangen. Das Urtheil wurde auf 6 Wochen Ge- fängniß ermäßigt. — Der im Jahre 1859 in Lembach geborene Dienstknecht Wilhelm Hahn hatte sich wegen Diebstahls im Rückfall zu verantworten. Schon seit dem Jahre 1878 ist Genannter wenig aus dem Gefängnisse herausgekommen, denn er kann nichts sehen, ohne es mitzunehmen. Als er zuletzt aus dem Rittergut Lembach beschäftigt war, entwendete er seinem Mitknecht Bär einen Thaler. Der Angeklagte, der früher, um seine Vorstrafen zu vertuschen, bezüglich seines Geburtsortes und seines Alters allerhand unrichtige Angaben gemacht hatte, wurde zu 1 Jahr Zuchthaus, 2 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. — Der frühere Bierkutscher und jetzige Landwirth Wilhelm Reh aus Wohra, wel- cher wegen Diebstahls eines Wagens und Entwendung von Grubenholz gegenwärtig eine zehnmonatliche Gefänguißstrafe verbüßt, stand wegen eines weiteren Diebstahls unter Anklage. Im Sommer 1900 nahm er von einem dem Gastwirth Dörbecker in Schwaberdorf gehörigen Holzwagen eine Winde weg. Der Angeklagte, der gestern zweimal Fluchtversuche gemacht, gab an, er habe in der Trunkenheit dem Dörrbecker emen Streich spielen wollen. Die Absicht des Diebffahls habe er nicht gehabt. Das Gericht war anderer Meinung und erkannte auf 6 Monate Zusatzstrase.
' Die Handwerkskammer sendet uns nun auch noch eine BerichtiguM »u unserer Notiz in der Sonntagsnummer. Wir entnehmen ihr, daß die Prüfungskommission für die Meisterprüfung erst von der Regierung ernannt werden wird; die in unserem Bericht genannten Herren find nur in Vorschlag gebracht. Die Handelskammer berichtigt ferner das fürchterliche Versehen, daß in unserem Bericht statt „stellvertretender Vorfitzender', „zweiter Vorsitzender' gesagt worden war. — Wir bemerken zu diesen Berichtigungen, daß jene Notiz uns von einer Seite zugegangen war, die wir als wohlunterrichtet ansehen mußten.
* Berichtigung. In unserer gestrigen Notiz über die Landeskreditkaffe mußte es in der vorletzten Zeile „Gefahr", nicht „Gesuche" heißen.
• Witterung. Diese Nacht waren +13»/« Grad 6. Heute Mittag hatte die Lust eine Lemperatur von + 20 Grad C. Barometerstand 757 mm, gegen gestern um 1 mm gestiegen. Windrichtung: N. Sonnen-Aufgang 5,08 Mond-Ansgaug 12,07 Sonnen-Untergang 7,38 Mond-Untergang 9,29
ir Ockershausen, 19. August. In den Ruppersberg'schen Lokalitäten hielt gestern der hiesige Gesangverein „Liederkranz" unter ganz außerordentlich zahlreicher Betheiligung sein igommerfeft ab. Dasselbe nahm einen in jeder Hinsicht schönen Verlaus. Eine kleine Streitigkeit, welche nach Schluß des Festes gegen Mitternacht auszubrechen drohte, wurde noch durch das angemessene Verhalten des gerade anwesenden Gendarmen Herrn Raßner im Keime erstickt.
— Kirchhain, 20. August. Der heutige Rindviehmarkt war außerordentlich gut befahren. An Großvieh waren ca. 800 Stück, an Kälbern
ca. 324 Stück ausgetrieben. Der Handel gtnj flott. Der Marktplatz war schon gegen 9 Uhr geräumt. Auch der Schweinemarkt war gut befahren. Es waren 698 Stück aufgetrieben. Auch hier war dir Nachfrage sehr groß. Die Verkäufer konnten mit leeren Wagen nach Hanse fahren.
)( Kirchhain, 2ft Aug. Gestern Morgen 6 Uhr, wurde ein Schuljunge von Niederklein im Brückerwalde von drei Strolchen überfallen und ihm feine Baarschast abgenommen. Einer derselben wurde feftgenommen und ins Amtsgerichtsgesängniß Kirchhain abgeliefert. (Sergi, auch Amöneburg.)
y. Rauschenberg 19-. August. Gestern Nachmittag hielt Herr Amtsgerichtsrath Klingenbiel aus Neustadt im Seibert'schen Saale dahier zwecks Gründung eines Raiffeisen-Darlehensvereins einen etwa 1 '/z stündigen, sehr lehrreichen Vortrag. Nach einer kurzen Diskussion forderte Herr Klingenbiel zur Gründung eines solchen Vereins auf. Es erklärten sich sofort 15 Herren durch Namensunterschrift zum Beitritt bereit. — Einer hiesigen Frau pasfirte beim Mistzerren das Malheur, ihr eigenes 8 Jahre altes Söhnchen mit der Gabel in das Auge zu stechen. Der Kleine wurde nach Marburg in die Augenklinik gebracht, doch wird er nach Aussage der dortigen Nerzte das Auge verlieren.
•I" Ans dem Wohrathal: 19. Aug. Der gestrige Sonntag brachte uns einen langersehnten, kräftigen Regen, der fast den ganzen Tag ununterbrochen anhielt.
(8) Amöneburg, 19. Aug. Einige Schüler aus Niederkiein besuchen die hiesige Lateinschule. Sie gehen diesen Weg hierher in den Sommermonaten täglich hin und zurück.' Einer dieser Schüler hatte sich heute etwas verspätet und mußte den Weg durch den Wald allein machen. Als er eine Strecke gegangen war, kam ein Mann mit weißem Bart auf ihn zu, packte ihn an und verlangte sein Geld. Der 3ungei in Angst und Verzweiflung zieht seine Börse und giebt seine ganze Barschaft hin, welche aus 60 Psg. bestand. Hier angekommen machte er sofort Anzeige. Hoffentlich gelingt es, dem Wegelagerer sein unsauberes Handwerk bald zu legen.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete
Cassel, 20. Aug. Am heutigen Geburtstage des hochseligen Kurfürsten Diedrich Wilhelm I. ist die Grabstätte desselben auf dem alten Friedhof schon in der Frühe mit prachtvollen Palmen und Kränzen mit Bändern in den hessischen Landesfarben geschmückt worden.
Cassel, 20. Aug. In der vergangenen Woche durchlief die Blätter eine rührsame Nachricht. Ein Bankbeamter Namens Schmidt sollte in Großalmerode verhaftet worden fein, da man ihn für den durchgebrannten General-Direktor »er Trebertrocknun gs- Gesellschaft gehalten habe. Man habe den Pseudo-General-Direktor nach Cassel gebracht, wo man ihn aber bald wieder entlassen habe, nachdem festgestellt, daß er mit dem „Treber-Schmidt" nicht indentisch sei. Aus authentischer Quelle erfährt die „C. Allg.Ztg." jetzt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist.
Fulda, 19. August. Die diesjährige Konferenz der preußischen Bischöfe wird wie alljährlich am 20. und 21. d. M. in Fulda abzehalten.
Fulda, 19. Aug. Unter allgemeiner Teilnahme der Bewohner unserer Stadt feierte der Rhönklub am Sonnabend, Sonntag und Montag >as Fest seines 25jährigen Bestehens. Fulda jatte sich festlich geschmückt und Hunderte von Gästen waren hier eingetroffen. Eingeleitet wurde das Fest am Sonnabend Abend mit einem Kommers, an welchen sich bann am Sonntag bie Jubelfitzung unb bas Festessen anschloß. Der heutige Montag brachte bann einen Ausflug nach ber Milseburg. Das ganze Fest verlief äußerst harmonisch.
fc. Crauberg, 19. August. Hier hat sich ein Ausschuß zur Errichtung eines Kaiserin Friedrich Denkmals gebilbet. Man will bie am 5. September erfolgenbe Testamentseröffnung abwarten, da man nicht sicher ist, ob die verewigte Kaiserin nicht lieber eine Stiftung als ein Denkmal gewünscht hätte.
Aus dem Taunus, 19. Aug. Um der Schädigung des Krauts durch die Gefräßigkeit der Kohlweißlingsraupe thunlichst vorzubeugen, zahlt die Stadtkaffe in Idstein für je 4 ein- jelieferte tote Kohlweißlinge 1 Psg. In den etzten 14 Tagen brachte denn auch die sport- ustige Schuljugend nicht weniger als etwa 36 000 Stück zur Strecke. Ein Beweis für das zeradezu unglaublich massenhafte Auftreten neses Schädlings.
Siege«, 19. Aug. In der Holzhauer'schen Badeanstalt ertrank das etwa 13jährige Söhnchen einer Wittwe. Nach Lage der Sache trifft »ei dem Unglück Niemanden ein Verschulden; der Junge muß vor den zahlreichen Zuschauern unbemerft untergegangen sein. Vielleicht hat ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht, dafür spricht, daß der Verunglückte nicht mehr an die Oberfläche gekommen ist.
Mordprozcß v Krosigk.
Am Montag Vormittag wurden zunächft mebt«, Dragoner darüber vernommen, wann Hickel xtr* Marten am Mordtage in den Rekrutenstall gekomm-7 find. Die Angaben sind sehr verschieden. — Hiera« kommt die Reihe des Zeugnißablegens an den nach» Skopek wichtigsten Zeugen, Unteroffizier Domnin» welcher, wie aus der ersten Verhandlung erinnerlK sein wird, ursprünglich wegen Begünstigung Hickek angeklagt war. Im Verlaufe der Verhandlung vor dem Kriegsgericht schwanden dann aber die Verdacht gründe gegen Domning in dem Maße, daß schließlich der damalige Vertreter der Anklage selbst seine Fr^, sprechung beantragte: und das Kriegsgericht erkannt« auch auf Freisprechung. Domning bekundet, Hick«z , fei vor 4«/» Uhr in den a d-Stall gekommen. Genau weiß Zeuge die Zeit nicht, wann er gekommen ist und w«iß auch nicht, wie lange er im Stall geblieben ist; jedenfalls waren es bloß einige Minuten. - Präs.: Run erzählen Sie weiter, was dann geschah. - Domning: Hickel hat mich gefragt: Weshalb brennen die Lampen noch nicht?" Ich sagte es ihn, und er ging wieder fort. Als Hickel schon eine Well« fort war, kam Dragoner Banilla gelaufen und ries. „Der Rittmeister ist erschossen!" Da lief ich nach dem Rekrutenstall und traf bort Schillath und Hickel. Ich sagte ihnen, was ich eben gehört hätte, und Hickel sagte darauf: „Das kann doch nicht möglich sein!" Dann bin ich mit Schillath und Hickel in die Reitbahn gelaufen. — Präs.: Haben Sie zum Kriminal- kommissar v. Bäckmann eine genaue Zeitangabe ge. macht, wann Hickel in den Stall gekommen ist? — Zeuge: Herr v. Bäckmann hat mich angeschnauzt: Sie müssen wiffen, wann Hickel in den Stall gekommen ist; Nehmen Sie sich in Acht! Sie sind mir stark verdächtig, Sie stehen schon mit einem Fuße im Arrest, Sie werden auch noch eingesperrt! — Vertreter der Anklage: Sie sollen gegenüber dem Kriminalkommiffar v. Bäckman« ausgesagt haben, Hickel war 3 bis 4 Minuten im Stall? — Zeuge: Ich habe das erste Mal gesagt 10 Minuten, ich weiß es aber nicht genau. — Präs.: Hat Hickel Sie aufgefordert, eine bestimmte Angabe zu machen ? — Zeuge: Hickel hat mich gefragt, wie lange er im Stall gewesen sei; ich habe ihm geantwortet: .ungefähr 10 Minuten." — Angekl. Hickel: Ich habe Domning gefragt, weil ich wußte, daß er von Bäckmann vernommen war; und weil ich gehört hatte, .Bäckmann sucht einen Unteroffizier mit schwarzem Schnurrbart", habe ich zu Domning gesagt: „Es ist nur gut, daß idj im Stall gewesen bin, sonst wäre ich auch verdächtig. — Auf Befragen des Beisitzers, Majors Liermann bekundet Domning: Ich bin vier Tage nach der That von Bäckmann vernommen worden, als Marten schon verhaftet war. — Hierauf beantragen der Vertreter der Anklage sowie die Vertheidiger die Vereidigung des Zeugen Domning und der Gerichtshof beschließt demgemäß.
Mehrere Dragoner, die alsdann vernommen werden, bekunden übereinstimmend nur, daß fie nicht wiffen, wann Hickel in den Rekrutenstall gekommen ist. Auch der Ursprung der Worte „Der Hund muß heute noch Farbe bekennen", die Marten gesagt haben soll, läßt sich nicht aufklären.
Betreffs der Zeit, die Hickel im a d-Stall zuge- bracht hat, von Wichtigkeit ist es daß Dragoner Saturski sich entfinnt, daß er, während Hickel itx Stall war, vierzehn Pferde getränkt hat. Der Ver- tteter der Anklagebehörde glaubt aus den Zeugenaussagen schließen zu können, daß außer Domning niemand den Angeklagten Hickel im Stalle gesehen oder gehört hat.
Die ungeziemende Aeußerung des Dragoners Krause II wird auch zur Sprache gebracht. Krause, selbst barüber befragt, sagt aus: Dragoner Panbilla brachte die Nachricht von dem Morde in den a d-Stall. Wir liefen alle zur Reitbahn und ich sagte dabei: Den hat der Teufel geholt. — Präs.: War bannt der Rittmeister gemeint? — Zeuge: Nein — Präs.: Es war wohl blos eine allgemeine Redensart? — Zeuge: Jawohl. — Präs.: Hat Jemand deshalb was zu Ihnen gesagt? — Zeuge: Sergant Schillath sagte: „Halten Sie die Fresse!" — Präs.: Angekl. Hickel, Sie habe» ausgesagt, daß Krause geäußert habe: „Da liegt das Aas und kann ausbluten?' — Hickel: Jawohü Ich drehte mich sofort um und sagte: Wer war das? — Präs. : Was sagen Sie dazu, Krause? — Zeuge: Das ist unwahr. — Präs.: Wenn Sie es gesagt haben, Krause, geben Sie es nur ruhig zu. Sie werden deshalb nicht gehängt! — Zeuge: Ich habe es nicht ge- agt. Darauf wird eine Pause bis 4 Uhr Nachmittags gemacht.
Vermischtes
Ein freier Betrug. Direktor Herrle vom Vorschußverein in Lanbsuhl ist bekanntlich vor einiger Zeit flüchtig geworben. Bei ber eingeleiteten Untersuchung ist jüngst folgenber Be- rug auf gebest worben. Etwa neunzig Bauern ieferten an bie Spritfabrik Bumb unb Herrle größere Quanten Branntwein. Als fie ihr Gelb abholten, legte ber Inhaber ber Firma, Herrle, ihnen Wechselformulare statt Quittungs- ormulare vor. Die Bauern unterschrieben in >er Meinung, baß es Quittungen seien. Die ietreffenben Wechsel wurden nun am vergangenen ©onnabenb präsentirt unb gingen protestirt zurück. Wie pfälzische Blätter melben, werben )ie betreffenden Landwirthe durch diese Mani- rulation des ungetreuen Direktors an 120000 Mk. verlieren.
Ei« Z«s»«»knßaß «it eine» Eisberg. Der Dampfer „Isländer" (nicht Uitlanber) bet Alaskalinie, bessert Untergang wir gestern melbeten, ist, wie sich jetzt herausstellt nicht mit einem Dampfer sondern mit einem Eisberg zusammengestoßen. 66 Personen find dabei umgekommen, hauptsächlich infolge einer Kessel- ixplosion. Bei Tage ist es nicht sonderlich schwer, >en Eisbergen auszuweichen, bei Nacht und bei Nebel ist die Gefahr aber nicht zu unterschätzen. Durch die nach allen Richtungen telegraphisch verbreiteten Nachrichten über das Auftauchen von Eisbergen werden die Schiffe meist rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, und fie wiffen ungefähr, in welchen Strichen fie Eisberge antreffen Hünen, sich also gegen fie zu sichern haben. Diese Sicherung geschieht natürlich durch besonders auf; merksamenAusguck, außerdem gibt es abernoch zwei Mittel, um bei Nacht und Nebel, wenn man nicht sehen kann, Vorhandensein von Eisbergen zu bemerken. In den gefährlichen Strichen an-