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u«d Kirchhai».
Marburg
Mittwoch, 21. August 1901.
Erich«« täglich ander an toerttogen nach Sonn- und Feiertagen.
G»»»tegtzbrilege: Jllustrirtrs Gouulegsblatt.
tmt »ab Lerlag: Iah. Leg. Loch, lluiversttSts-Bechdruckere» Marburg, Markt 81. — Televbon f»R
Jahrg. 36.
Etwas vom Commerzienraths- Verein.
Die Korrespondenz des HandelSvertragS- dereins behauptet in ihrer Ausgabe vom 10. |g. Mts., ihre Gegner hätten bisher nur ein .verlegenes Schweigen" gehabt auf die Kundgebung des Handelsvertragsvereins zum Zolltarifentwurf. Ganz Unrecht hat sie damit nicht, nut daß dies Schweigen nicht richtig gedeutet wird, daß es nicht der Ausdruck der Verlegenheit, sondern vielmehr der jener Nichtachtung war, mit der man über werthloses Geschreibsel hinweg zu gehen pflegt. Daß wir bei diesem vrtheil über die journalistischen Leistungen des Lommerzienrathsvereins nicht von einseitigem Parteigeist beeinflußt sind, dafür könnte uns als vollgültiger Beweis schon die „Freisinnige Zeitung" dienen, die, obgleich aus demselben antiagrarischen Standpunkt stehend wie der Handelsvertragsverein, den Werth der von demselben herausgegebenen Drucksachen selbst als .ganz unerheblich" bezeichnet und ausdrücklich davor warnt, diesem Verein weitere Gelder zuzuführen. Jndeflen wollen wir doch nicht unterlassen, den wahren Werth jener Kundgebung zum Zolltarif, auf die die Korrespondenz des Handelsvertragsvereins so stolz ist, auch noch sachlich zu charakterifiren. Handel und Exportindustrie und deren ausschließliche Bevorzugung durch die Handelsverträge ist ausgesprochenermaßen das Ziel, für das der Handelsvertragsverein kämpft. Um dieser seiner Einseitigkeit ein patriotisches Mäntelchen umhängen zu können, ist er genötigt, den Satz aufzustellen, daß von der Erhaltung und weiteren Ausdehnung der Exportindustrie das Gesammtwohl der deutschen Ration abhängig sei. Und diesen Satz unterstützt er dann mit den kühnsten Behauptungen. Zu diesen gehört auch die, daß „über ein Fünftel unserer Bevölkerung unmittelbar für die Ausfuhr thätig sei und insgesammt nahezu zwei Fünftel des deutschen Volkes schon heute vom und für den Außenhandel leben."
Wie die Resolution des Handelsvertragsvereins zum Zolltarif diese unglaubliche ZaPen gefunden hatte, das war bisher ihr Geheimniß. Die neueste Ausgabe der Korrespondenz hat uns nun darüber Ausklärung gegeben: Herr Gothein ist deren Erfinder. In seinem unlängst erschienenen Werke „Der deutsche Außenhandel" hat er, wie die Korrespondenz berichtet, „interessante Berechnungen" darüber vorgenommen. Er hat angeblich festgestellt, daß der Antheil des Arbeitslohnes am Verkaufswerthe der Ware zwischen 25 und 90° o (sic!) schwankt. Jnsge-
11 (Nachdruck verboten.»
Ihr Vormund.
Original-Roman von Ellen Svala.
(Fortsetzung.)
Eine zeitlang fuhren sie schweigend durch das romantisch schöne Thal, dem die hohen steilen Berge ein so düsteres Gepräge gaben, dann fragte Felicia plötzlich:
„Ist mein Vormund mit Fräulein Lilian von Dahlen verlobt?
Johanna schaute erschrocken auf. „Wie kommst Du darauf?"
„Sie sagten mir, daß er sich verheirathen würde," stotterte Felicia, denn des Freifäulein's Augen hatten sich zusammengeknifien, was immer ein schlechtes Zeichen war, und außerdem wußte das junge Mädchen, daß Johanna nichts mehr haßte, als über ihren Bruder ausgesragt zu werden.
„Ich kann mich nicht besinnen, irgend welche Namen genannt zu haben," sagte sie mit etwas unsicherer Stimme, „daher muß ich Dich bitten, falls mein Bruder, oder Lilian Dahlen es nicht erwähnen, darüber still zu sein. Oder hast Du vielleicht schon davon gesprochen?"
„Ich sagte Evchen und Lilly, daß mein Vormund sich verheirathen würde und sie behaupteten sofort, daß dies nur mit Lilian von Dahlen sein könne."
„Kindergeschwätz!" sagte das Fretfräuletn verächtlich, „sage aber nicht, daß ich Dir die Veranlassung zu solchem Gespräche gab, denn es wäre mir nicht lieb, wenn mein Bruder er-
sammt ergebe sich also, (!) daß von dem Verkaufswerth unserer Ausfuhr ungefähr zwei Drittel den Ersatz für gezahlte Arbeitslöhne bilden, also eine Summe von ca. 2,8 Milliarden Mark. Man wird staunen über die Genauigkeit, mit der Gothein bei dieser Berechnung auf Grund einer zwischen 25—90 °/0 schwankenden Grundlage verfährt. Aber eö kommt noch bester.
.Um zu berechnen, auf wieviel Köpfe Erwerbs- thätiger sich diefe Summe vertheilt", fo referirt die Korrespondenz, muß berücksichtigt werden, daß gerade in den wichtigsten in Frage kommenden Industrien theils viel weibliche und jugendliche, theils viel ungelernte — also geringgelohnte — Arbeitskräfte in Frage kommen. Beachtet man ferner, daß es sich nicht um das nominelle Jahreseinkommen, sondern um die wirklich gezahlten Beiträge — also unter Abrechnung von Zeiten mangelnden oder geringen Verdienstes in Folge Krankheit, Arbeitslosigkeit, Betriebsstörungen — handelt, so wird man nicht zu tief gegriffen haben, wenn man Pro Arbeitskraft 800 bis 850 Mk. jährlich in Ansatz bringt. Danach (!) entfallen auf die für die deutsche Ausfuhr notwendige Arbeit etwa 3,4—36 Millionen Erwerbstätiger und — unter Zugrundelegung das sich aus den Ziffern der Berufsstatistik (Gruppe B und C) ergebenden Verhältnisses — über 5 Millionen Angehörige, zusammen 8 bis 9 Millionen Menschen, welche diiekt von der deutschen Aussuhrindustrie leben. Neben der Ausfuhr beschäftigt die Einfuhr eine erhebliche Zahl von Personen tn Handel und Verkehr, im Transportgewerbe, wie Eisenbahnwesen, Binnenschifffahrt und Schiffsbau, Hafen- und Speicher-An- lagen 2c. Nehmen wir den Prozentsatz des Arbeitslohnes hier nur als 20 pEt. an, so ergeben sich 1160 Millionen Mark Löhne und Gehälter; unter Zurechnung von 47 Millionen Mark Arbeitsverdienst aus der Durchfuhr insgesammt etwas über eine Milliarde. Allerdings handelt es sich hierbei meist um hochgelohnte Arbeit. Aber legen wir selbst ein durchschnittliches Arbeitseinkommen von 1200 'Btt zu Grunde, so kommen wir immerhin aus über 1 Million Arbeitskräfte mit etwa llfo Millionen Angehörigen, die von der Einfuhr leben. Insgesammt würden also mehr als 11 Millionen Menschen in Deutschland vom Außenhandel leben und das ist mehr als ein Fünftel der Bevölkerung.
So Herr Gothein. Aber er verfügt auch noch über den übrigen Theil des deutschen Volkes:
.Der übrig bleibende Rest, abzüglich der Berufslosen, lebt von der Beschaffung der Lebensbedürfnisse für die Gesammtheit des Volkes in Höhe von 52 Millionen Menschen. Man kann demnach ansetzen, daß von diesen — insgesammt über 37 Millionen Menschen — gut ein Fünftel also ca. 8 Millionen Menschen thätig sind für die Beschaffung der Lebens- bedürsniffe für jene mehr als 11 Millionen, welche vom Außenhandel leben. Fassen wir beide Gruppen zusammen, so kommen wir zu dem (Srgebnifj, daß die Existenz von elwa 19 Millionen Menschen, d. h. 35 «k unserer Bevölkerung vom auswärtigen Handel des deutschen Reiches abhängig ist."
Man kann neidlos zugestehen, daß Herr Gothein es an Mühe und Arbeit nicht hat fehlen lasten, um seinen a p iori aufgestellten Satz nun auch zu beweisen. Aber er scheint bei seiner Beweisführung selbst stutzig geworden
führe, daß ich seine Pläne mit irgend jemand besprochen habe."
* *
*
Schloß Dahlenau war groß, massiv und sehr häßlich, aber die innere Einrichtung versöhnte mit der unfreundlichen Außenseite und man konnte sich nichts behaglicheres denken, als das große, lichte, blumengeschmückte Gemach, dessen hohe Flügelthüren der Diener geräuschlos vor Johanna von Rhenen und Felicia zurückschob. Eine Menye Menschen war bereits da, und nachdem Felicia der Frau des Hauses guten Tag gesagt hatte, huschte sie zu einem Sessel hinter einer großen Palme und lauschte auf die allgemeine Konversation. Sie fühlte sich. einsam und verlosten und auf ihrem Antlitz erschien jener schwermüthige Zug, den das Kind schon gehabt hatte, wenn fröhliches Lachen und Plaudern zusammengehöriger Menschen sie an ihr einsames liebeleeres Dasein erinnerte. Lilian von Dahlen ging von Gruppe zu Gruppe. Ihre wundervolle Gestalt kam in dem schleppenden Weißen Spitzengewande sehr vortheilhaft zur Geltung; das goldene Haar war lose und in absichtlicher Unordnung auf dem Hinterkopfe aufgebaut und einzelne, seidig schimmernde Löckchen umgaben ihr herrliches Antlitz. Sielachte und scherzte in unermüdeter Heiterkeit, aber ab und zu warf sie prüfende Blicke nach der Thüre und leise Ungeduld prägte sich auf ihren Zügen aus. Felicia war so beschäftigt, sie zu beobachten daß sie aufschrack, als eine lustige Stimme neben ihr sagte:
„Erkennen Sie Ihren allerbesten Freund m Romsdorf nicht mehr?"
zu sein über das überraschende Resultat, zu dem sie führt, denn er hat es Unterlasten, sie bis in ihre letzten Konsequenzen durcbzuführen. Es ist doch klar, daß jene 8 Millionen Menschen, welche nach ihm ihre ganze Arbeitskraft verwenden, um die Nahrung für die 11 Millionen der vom Auslande abhängigen Bevölkerung zu beschaffen, nun auch ihrerseits wieder durch andere Arbeitskräfte ernährt werden müffen. Denn diese 8 Millionen Menschen leben doch nicht blos von der Lust, es find also wieder etwa 7 Millionen zu ihrer Ernährung noth- wendig. Und so geht es weiter, bis schließlich Gothein's „wissenschaftliche" Methode dahin führt, daß das ganze deutsche Volk, die Land- wirthschast wie das Handwerk und die bürgerlichen Berufsarten, theils unmittelbar, theils mehr oder weniger mittelbar vom Außenhandel lebt!
Begreift die Correspondenz des Handelsvertragsvereins nun, warum dessen jüngste Kundgebung keine sachliche Widerlegung gefunden hat? Blühenden Unsinn widerlegt man eben nicht, darüber lacht man höchstens.
Uebrigens möchten wir Herrn Gothein bei dieser Gelegenheit empfehlen, das vorhandene und Jedermann zugängliche wissenschaftliche Material etwas gründlicher zu studiren. Er würde im vorliegenden Falle gefunden haben, daß in der Statistik des deutschen Reichs, neue Folge, Band 102, Seite 130 der strikte Beweis aus der Gewerbezählung geführt ist, daß in Deutschland in Wahrheit direkt und indirekt vom Außenhandel noch nicht 2i/i Millionen Menschen, Angestellte, Arbeiter und deren Angehörige eingeschlossen, leben. -r-
Zum Zolltarif-Entwurf.
Eine vortreffliche Zensur erhält in Freihandelsblättern gegenwärtig eine edjrift von Paul Mornbert, die soeben unter dem Titel .Die Belastung des Arbeitereinkommens durch die Kornzölle' im Verlage von Gustav Fischer in Jena erschienen ist. Der Verfasser hat 75 verschiedene Haushaltsbudgets von Arbeiterfamilien seinen ausführlichen Berechnungen zu Grunde gelegt und gesunden, daß die Durchschuitts- belastung der 75 Familien bei dem jetzigen Getreidezoll von 35 M. für den Doppelzentner jährlich nicht weniger als 31,79 M. beträgt, daß also bei dem täglichen Durchschnittsverdienst von 3,8 M. der besagten Familien diese etwa acht Tage jährlich arbeiten müssen, um nur die aus den Getreidezöllen sich ergebende Brodvertheuerung zu erschwingen. Da hat selbst der Rechenmeister im .Freisinnigen AVC-Buch" die Sache gnädiger gemacht; denn er ist zu dem Ergebniß gelangt, daß die Belastung der fünsköpfigen Arbeiter- famtlie durch den jetzigen Zoll im Durchschnitt .nur“ 30,40 M. beträgt, und er hat doch gewiß sehr genau gerechnet. Doch mag man diese Rechenexempel aufstellen, wie man will, mag man dabei scheinbar mit
Aufschauend sah sie Fred von Dahlen neben sich und sein frisches Gesicht trug den Ausdruck so unverhohlenen Entzückens über das Wiedersehen, daß Felicia ihm aufleuchtenden Auges die Hand entgegenstreckte.
„Natürlich erkenne ich Sie wieder, wo sollte ich nicht," lachte Felicia und dann setzten sie sich und plauderten wie alte gute Freunde und mit jenem heiteren „Sichgehenlassen", das nur die Jugend und der ungetrübte Frohsinn kennt.
„Wie schön Fräulein von Dahlen ist," sagte Felicia während einer eingetretenen Panje.
„Pah! Sie kann es tragen," antwortete ihr Vetter gleichgiltig, „Schönheit ist nur äußerer Anstrich — aber zu denken, daß sie Elmar von Rhenen's Mündel find! Ich kann mir Elmar überhaupt nicht als irgend jemandes Vormund vorstellen. Aber das hätten Sie mir damals auch sagen können."
„Aber wie könnte ich das?" rief Felicia, ihre Augen erstaunt auf ihn heftend. „Und außerdem, was kann dieses auSmachen?"
„O — sehr viel!" erwiderte Fred zögernd. „Ich kenne ihn zwar nicht ganz genau — er ist immer so viel auf Reisen gewesen — aber er ist ein merkwürdiger Mensch; — so lange er seinen eigenen Willen hat, geht alles gut, aber eisenhart, wenn es das Gegentheil ist!"
„Für mich macht dies durchaus keinen Unterschied," sagte Felicia scharf.
„Natürlich nicht?" pflichtete Fred bei, aber es klang sehr zweifelnd. „Außerdem werden Sie sich stets erinnern, daß ich Ihr erster Freund in Romsdors war, nicht wahr, das werden Sie?"
„Vor kaum zehn Minuten haben Sie dasselbe
noch lo sicheren Zahlen operiren, fo ist das ganze Er- gebniß immer nur von sehr geringem Werthe; denn man arbeitet dabei mit Annahmen und fiktiven Wertheu. Die „Kreuzztg." bemerkt dazu:
Wie ungerechtfertigt es ist, die Höhe der Gttreide- zölle mechanisch einer Berechnung der Belast»«« des Arbeiter-Einkornrnens zu Grunde zu legen, kann man aus Angaben ersehen, welche in Nr. 2 der H a « b e I s- politischenFlngblätter der.Nation" , also einer auch für Freihändler einwandfreien Quelle — gemacht werden. Dort wird ausdrücklich daraus hingewiefen, daß bei guten Julandsernten der Zoll durchaus nicht im vollen Betrage zur Geltung kommt, daß er also zum Theil vom Auslande getragen wird. Das Flugblatt besagt, daß trotz eines Zolles von 35, bej 50 Mk dee Weizen in den Jahren 1885 bis 1888 in Berlin nur um 7,46 Mk., 5,86 Mk, 12,36 Mk und 22,17 Mk. im Jahresdurchschnitt höher gestanden habe als in Loudon, wobei zu bemerken fei, daß Fracht und Spesen nach Berlin für Weltmarktwaare um etwa 5 Mk. höher sind als nach London. Zu Zeiten ungünstiger Julandsernten dagegen komme der Zoll in steigendem Maße zum Ausdruck. Es ist also keinesfalls angängig, bei der Unterfuchnng der Belastung des Arbeitereinkommens durch die Kornzölle den vollen Betrag zu Grunde zu legen, auch wenn man der an sich vielumstrittenen und noch unserer Ansicht falschen Meinung huldigt, daß der Brotpreis genau dem Kompresse folge.
Das Handwerk und der Zolltarif. Der neue Zolltarif sei — so behauptet die „Freis. Zeitung" — gerade für die Handwerker noch weit nachtheiliger als für viele andere Zweige der Industrie, denn nicht nur fällt die Vertheuernng der Lebensrnittel härter auf das schmale Einkommen deS Handwerksmeisters als auf die großen Fabrikherren, dann aber kommen in Betracht die Vertheuernng der Rohstoffe und der Werkzeuge. Will etwa die .Freisinnige Zeitung" die Aufhebung der Jndustriezölle und der Verbrauchsabgaben überhaupt anregen ? Sie bestreitet das ja auf das entschiedenste; also hat ihr ganzes Gerede doch nur den Zweck, die Handwerker zu verhetzen. Unter den Handwerkern aber kennt man seine demokratischen Pappenheimer; denn diesen ist der Verfall des Handwerks zu verdanken. Die Handwerker sind an dem Zustandekommen des neuen Zolltarifs direkt interessirt. Sie selbst arbeiten hauptsächlich für den inneren Markt, und daß dieser erhalten und kaufkräftiger gemacht werde, gereicht keinem Gewerbe zu so unmittelbarem Vortheil wie dem Handwerk. Das Handwerk kann also dem geplagten Landwirth wohl gönnen, daß ihm durch einen Höheren Zollschutz zu lohnenden Preisen verholfen werden soll; das Hand- Werk gedeiht dann am besten, wenn der .Bauer Geld hat".
Die »«terfchrifteu-Sammluug für die Proteste gegen den „Brodwucher" ist in Berlin in vollem Gange. Sozialdemokratische Sendboten durchziehen die Straßen und machen jede Wohnung unsicher. Sie treten harmlos auf und suchen namentlich auch Frauen uud Mädchen zu harangniren. Es kommt ihnen eben nur darauf an, möglichst viele Unterschriften zu erlangen. Mancher Unbefangene wird aufgefordert, auch für Abwesende zu unterschreiben; die Redensart: „Sie verpflichten sich ja zu nichts" scheint als Parole aus- gegeben zu sein. Wenn auf solche Weise Millionen von „Protestunterschristen" zu stände kommen, darf man sich nicht wundern, man sieht aber aus der Art des Betriebes, daß die ganze Sache ungeheurer Humbug ist.
gesagt," lachte Felicia, „bald werden wir es beide auswendig wissen."
„Ich fürchte, ich fürchte, Sie werden es vergessen," sagte er dann nachdenklich, „und ich allein werde die Erinnerung daran behalten haben."
Felicia bog sich vor und sah ihn ernsthaft an:
„Denken Sie, daß — daß er sehr herrisch und strengen Charakters ist? Wird es mir hier schlimmer noch ergehen als in der Schule, wo ich nur vernachlässigt und übersehen wurde?"
„Hm — hm — hm —" weiter kam Fred nicht. Für sein Leben hätte er „ja" zu allen diesen Fragen gesagt, aber er war ein ehrlicher junger Bursche und wies die Versuchung zurück. Ueberdies überlegte er mit sich selber, ist es doch noch lange nicht gesagt, daß jeder andere sich auf den ersten Blick verlieben würde, wie er es gethan, wie konnte et nur so ein Narr sein und so etwas denken? Felicia's Augen, lachend und übermütig oder sanft und traurig, trafen ihn mitten ins Herz, aber Elmar war bereits „ein altes Haus" und würde nach allem, was er gehört hatte, unzweifelhaft Lilian heirathen. Dennoch war er Felicias Vormund und besaß noch für eine gute Zeit die Oberherrschaft über sie. Vielleicht würde er sich gar nicht um sie bekümmern, wie er es bisher gethan hatte, vielleicht würde er befehlerisch und unausstehlich sein, wie er sein konnte, soviel er, — Fred, — vom Hörensagen kannte — oder vielleicht — aber zum Kuckuck, wozu sich im Voraus quälen! — und unterdessen wartete Felicia aus feine Antwort.
(Fortsetzung folgt).