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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhain.
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Zweites Blatt
Mordprozeß v. Krosigk.
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Weitere Zeugen sagen zu den Vorgängen bet der Konfrontation aus. Etwas Neues gegenüber der ersten Verhandlung ergiebt sich daraus nicht. Unter Anderem wird der Vtcewachtmetster Schneider vernommen, besten Aussage das Gericht der ersten Instanz zu der einstimmigen lieber- Zeugung brachte, daß der Schmied Skopeck, der ungünstig sür die Angeklagten ausgesagt hatte, unglaub-
Vermischtes
Die Eisenbahn iw Bolksmund. Wir theilten dieser Tage eine Reihe von scherzhaften Erklärungen mit, die der Volkswitz den Anschriften der Bahnwagen gab. Der „Gieß. Anz." theilt dazu mit: In Rheinhessen hört man auch öfter für das H. L. B. der Hessischen Ludwigsbahn die Bezeichnung: Hessische Lumpenbahn. In den Wagen der Oldenburgischen Bahnen fand man früher Anschrift: O. E. und die Oldenburger sagten, das bedeute „Ohne Eile". Das kam dem Eisenbahn - Direktions - Präsidenten v. Mühlenfels zu Ohren, und flugs ließ er, „um Mißverständnissen vorzubeugen" ein G. vorsetzen: „Großh. Oldenb. Eisenbahnen". Aber der Volkswitz war nicht totzumachen, denn nun sagte alle Welt, bisher reiste man nur „ohne Eile" in Oldenburg, jetzt aber sogar „ganz ohne Eile". Die Lokomotiven der Oberhessischen Eisenbahnen trugen früher an der Stirnseite die Bezeichnung O. H. E. Der Volkswitz übersetzte dies mit: „O heilige Einfalt".
Die Nonne. In den Waldungen von Bischofteinitz und Stab ist, wie aus Prag ge meldet wird, die gefürchtete Nonne in besorgniserregendem Maße aufgetreten. Trotz der eifrigen Vernichtungsarbeit merkt man bisher keine Abnahme. Auch aus Baiern wird von einem massenhaften Vorkommen der Nonne berichtet. In den Wäldern bei Nürnberg werden die Schulkinder zum Absuchen der Bäume ausgeschickt.
Eine Industrie-Ausstellung auf dem Gebtete der Elektrotechnik, des Maschinenwesens, der Chemie, der Luftschifffahrt usw. soll im nächsten Sommer in Berlin, voraussichtlich auf dem Gelände der Feuerwehr-Ausstellung, veranstaltet werden.
Avs Nah ««d Fer«. In der Stadt Kleinberg, Kreis Büren, wurden durch eine Feuersbrunst 22 Häuser eingeäschert. — In Chemnitz wurde die 23 Jahre alte Kettenschererwittwe Lachmuth in ihrem Bette erschossen aufgefunden. Es wurde ein Mord festgestellt. — Im Walde bei Leutzsch fand ein Pistolen-Duell zwischen Rechtsanwalt Dr. Breit von Leipzig und stud. jur. Richard Oettinger aus Stuttgart statt. Oettinger wurde durch einen Schuß so schwer verletzt, daß er sofort in’S Krankenhaus über»
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*) Aus dem Kreise der Theilnehmer am gegen- wärtigen Feiienkursus wurde uns dieses Gedicht als Gruß an unsere schöne Stadt eingesandt. Wir veröffentlichen es um so lieber als dieser Gruß der Feder eines Ausländers, eines belgischen Unter- thanen entfließt. Die Red. der "Oberhess. Zig'.
würdig und daher nicht zu vereidigen sei, em Er- gebniß, das damals das schwankende Zünglein der Waage entscheidend zu Gunsten der Angeklagten neigte und deren Freisprechung herbeiführte. Zeuge Schneider war am Tage vor Skopecks Haftentlassung als Ordonnanz zu dem die Untersuchung der ersten Instanz führenden Kriegsgerichtsrath Lüdicke commandirt. Skopeck wurde dann aus der Untersuchungshaft von dem Zeugen auf Befehl des Kriegsgerichtsraths Lüdicke abgeholt. Sie mußten dabei am Viereck bei der Reitbahn warten, da der Rath noch etwas zu fragen hatte. Bei dieser Gelegenheit fragte nun der Zeuge Skopeck, was er denn eigentlich gesehen habe. Präs.: Und was anwottete darauf Skopeck? Zeuge: Er gab mir zur Antwort : Eigentlich gar nichts. Es standen zwei an der Bandenthür. Ich fragte ihn dann, ob sie Mantel oder Schirmmützen trugen. Skopeck sagte, das wisse er nicht. Ich fragte nun weiter: Waren es vielleicht Civilisten? Skopeck meinte, das könne auch möglich sein. Es sei schon sehr dunkel gewesen.
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Wissenschaft, Kunst und Leben.
Profit! Es gilt zwar jetzt in guter Gesellschaft nicht mehr als wohlanständig, davon Notiz zu nehmen, wenn einer niest. Allein im Volke herrscht noch überall der Brauch, dem Niesenden zuzurusen: „Gott Helf!", .Zur Gesundheit!", .Profit!" Schon mancher wird sich über diesen Gebrauch gewundert haben, der bei den meisten Völkern der Erde verbreitet ist, ja, sich sogar bis in die ältesten Zeiten der Geschichte ver- folgen läßt. Man gibt zwar an, daß die Beglück- wünschung beim Niesen von einer im sechsten Jahr- Hundt rt n. Ehr. in Italien grassirenden pestartigen Epidemie herrühre, und daß das Niesen das Zeichen des unmittelbar bevorstehenden Todes gewesen sei, weshalb man Kranken zugerusen habe: „Gott helfe dir!" Doch ist diese Sitte zweifellos viel älter und läßt sich schon bei den Griechen und Römern nachweisen. Homer läßt die Götter des Olymps laut Jupiter anrufen, wenn irgend eine göttliche Nase vom Niesen erschüttert wird, und dieser Gebrauch war allgemein unter den Griechen üblich.
Als Themistokles einen z» seiner Rechten niesen hörte, deutete er das als ein Zeichen, daß er Xerxes besiegen werde. Dagegen bedeutete ein Niesen zur Linken Unglück. Die hohe Bedeutung, die man von je her dem Niesen beilegte, beschränkten sich aber keineswegs auf die beiden Völker des klassischen Sliter- thums. Bei der scheußlichen indischen Secte der Thugs war das Niesen ein Anwesenheitszeichen ihrer blutigen Gottheit. Sie halten es für religiöse Pflicht, ihrer Göttin Bhoranie möglichst viele Menschen zu opfern. Sie tobten sie nur durch Erdrosselung und sind berüchtigt wegen der List, mit der sie ihre Opfer anzu- locken und die Spuren ihrer grauenhaften Thätigkeil zu verwischen wissen. Hat einer der Unglücklichen bereits den Strick um den Hals und das Glück, zu niesen, so ist er gerettet, denn die Göttin hat gesprochen. Bei manchen Völkern herrscht
der Glaube, daß während des Niesens, oft auch während des Gähnens, böse Geister
aller Art besondern Einfluß haben, lieber diese Geister herrscht oft merkwürdige Uebereinstimmungbei Völkern, die anscheinend niemals in Berührung miteinander gekommen sind. Bei den Raffern spielt der Geist der Vorfahren ober bes Hauses eine wichtige Rolle. Dasselbe ist ber Fall bei anbern afrikanischen Stämmen. Sie unb einige Stämme Indiens glauben, daß die Geister die Gestalt von Schlangen annehmen, aus welchem Glauben sich die Schlangenverehrung her- fchrerbt. Die Mohammedaner nehmen gradezu an, der Teufel habe die Gewohnheit, in einen aut gesperrten Mund zu schlüpfen, und gähnen deshalb niemals, ohne den Rücken der linken Hand auf den Mund zu legen und zu sprechen: .Ich suche Zuflucht bei Allah vor Satan, dem Verfluchten." Auch die Hindus sprechen mehrmals hintereinander zu ihrem Schutze den Namen eines Gottes, wie Roma, aus.
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führt wurde, woselbst er nach kurzer Zeit verstarb. — Zwei Herren von Koblenz haben die Burg L a h n e ck mit Inventar zum Preise von 350 000 Mk. erworben. — Während eines SturmeS Wurde von der Quarantänestation von Porteads einHauS fortgettffen. 15 Bewohner, darunter Minder, sind ertrunken. — In Ibbenbüren wurde einer Zigeunerbande einzwölfjährigesMädchenweggenommen, baS vor einiger Zeit bei Wessingen in der Nähe von Osnabrück geraubt worben war. Die ganze Banbe wurde verhaftet. — ?n dem thur- gauischen Dorfe LommiS ist die gefürchtete Genickstarre in epidemischer Form aufgetreten, lieber 30 Personen wurden von der Krankheit bereits befallen, Bis jetzt sind vier Todesfälle zu verzeichnen. Die Schule in Lommis wurde geschloffen. Auch in den benachbarten Orten Weinfelden und Kalthäusern wurden Fülle von Genickstarre konstatirt.
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Am Freitag wurde zunächst der Commandeur deS 11. Dragoner-RegimentS, Oberst v. Winterseid, als zeuge vernommen. Er bekundet: Unteroffizier Marten war ein tüchtiger, ehrgeiziger, guter Soldat. Sem ghttmeifter aber hatte gegen ihn und dessen ganze familie eine gewisse Voreingenommenheit, wie Krosigk tan beugen selbst gesagt hat. Dienstlich siboch war Rittmeister v. Krosigk mit dem Angeklagten SOlarten «trieben. Im Uebrigen bringt ber Zeuge mchts
Frau* Wachtmeister Matten macht von bem Recht ber Zeugnißverweigeruug keinen Gebrauch unb er» riblt: Am 21. Januar hatte ich mich gegen 4 Uhr Nachmittags ausS Sofa gelegt, da ich Kopfschmerzen batte. Einige Zeit darauf find mem Sohn , und mein Schwiegersohn gekommen und etwa fünf Minuten ba= gewesen. Zwischen 4-/. und 5 Uhr ist emer wieder- gekommen und diesmal kaum anderthalb Minuten baaetoefen, genau kann ich die Zeit nicht angeben. .
‘ Wachtmeister Buppersch schildert den Vorgang m ber Reitbahn und sagt weiter auS: Außer Hickel trug nur noch Unteroffizier Eisenberg, sitzt Schutzmann in
„ »erlitt, einen schwarzen Schnurrbart, alle anderen IflltMUl Unteroffiziere der vierten Schwadron trugen blonde
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Neue Bücher.
Wir führen an dieser Stelle alle unS angegangenen Neuerscheinungen auf. Ausführliche Besprechung einzelner Werke Vorbehalten).
Hartwig, Fritz, DieRechtebeSAngeklagten. Leipzig, Verlag von Rich. Lipinski. 7. Aufl. 50 Psg.
Jllnftrirter Deutscher Armee > Kalrader für bas Jahr 1902. Ein Haus- unb Handbuch für Jedermann. Minden t. W., I L. L. BrunS Verlag. 50 Psg.
Aus unserem Leserkreise.
Berge, Thürme. *)
(Gruß an Marburg).
Hoch vom Berge, lichtumfloffen, Schaut das graue Schloß zu Thal, Hehre Wiege edler Sprossen, Schweigend ruhen Hof und Saal.
Alte Kämpfe, alte Stürme, Ritter, Mönche, Geist und Schwert; Stumme Zeugen, Berge, Thürme, Heißer Lieb', die sich verzehrt.
AuS dem Thale winket Segen Stolzer Thürme Doppelkrast, Heil'ger Glaube, frommes Regen Wie vor Zeiten Wunder schafft.
Hessens Schutzgeist, treu behüte, Stadt und Land, Elisabeth!
Friede sei die holde Blüthe, Rosen wirke dein ©ebet
Doch das Streben edler Geister Häufet emsig Stein auf Stein, Fröhlich finden um die Meister Alle Musen sich nun ein.
Neben HeffenstarnrneS Male, Sieben goth'schen Tempels Pracht Schuf daS Wissen Ideale, Sleue Welten auS der Nacht.
Kirche, Schloß und Hohe Schule, Glaube, Treue, Wissenschaft, Hehrer Dreiklang, der dem Pfuhle Geben Daseins uns entrafft.
In ber Muschel Meeresrauschen Tönt geheimer Sehnsucht Macht, Thürme, Berge Grüße tauschen Trauter Sitte treue Wacht.
Schlanke Mädchen, starke Knaben Sprießen auf auS alter Saat;
Blüthenknospen, HimmelSgaben, Ebler Trieb zur edlen That.
Sei gegrüßt dem fremden Sohne, Marburg, schöne Musenstabt!
Dieses Lied empfang zum Lohne, Dichters Gold an DankeSstatt.
Mögen deine Thürme grüßen Ewig treues Heffenblut!
Wachse stets zu ihren Füßen, Blüh' in deiner Berge Hut!
Paul Scharff aus Belgien.
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Dragoner Arndt: Als der Schuß fiel, habe er
Feuer auS der Thür der Reitbahn kommen sehen, er fei der Ueberjeugung, daß der Schuß von der Thur her gekommen fei. .... . .
- . - Zeuge Dragoner Barnowski bekundet: Am ,u neh™ 21- Januar Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr ging zu nenn * Qn ber Reitbahn vorbei und sah am Guckloch einen Mann mit schwarzem Schnurrbart stehen, der , eine steife Mütze und Mantel hatte. - Auf Anordnung des Vorsitzenden muß Hickel eine Mutze aus- - scheu. — Zeuge vermag nicht zu sagen, ob es Hickel mar. Zeuge macht es vor, in welcher Weise der
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.Kann mit dem Gesicht nach bem Guckloch gesianben « habe. — Beisitzer KriegSgerichtsrath Dr. Rößler begatt'toi antragt, während ber Weiteren Vernehmung des A«ßri Zeugen den Angeklagten aus dem Saale zu suhren, an (nc da zu besorgen sei, baß der Zeuge sonst mit ber ---^Wahrheit zurückhalte. — Der Vorsitzende laßt den Angeklagten aus dem Saale führen. — Z°uge Barnowski bekundet alSbann: Ich habe wohl einen Mann »«.«-bei Lichtschein gesehen, kann ihn aber nicht naher be- as Ea(f zeichnen, als daß eS em Vorgesetzter war. Ich bm mesvm! bann Weggegangen. Den Sergeant Hickel kenne ich : an m nicht, ba ich bei ber zweiten Schwadron steh^.- Bei- * fitzer Major Ziermann: ES ist em Unterschieb, ob jemand dem Reiten zusieht ober etWaS beobachtet. 3ft bem Zeugen nichts berart ausgesallen? - Zeuge: Rem. Die Thür zur Reitbahn ftanb spaltbreit auf, leben u* deshalb War ich neugierig unb habe hm- llm b gesehen,' Welche Abtheilung ritt; dabei habe ich einen Mann mit schwarzem Schnurbart, steifer Mütze und Mantel stehen sehen. — Der Vor- fitzende läßt den Angeklagten wieder m den Saal führen und fordert den Zeugen aus, nochmals den Angekl. Hickel genau anzusehen, ob daS der Mann gewesen sei. - Zeuge: Ich kann ihn nicht Wteber» erkennen. .....
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