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In Petersburg fand am Dienstag in der St. Petri-Kirche ein Trauergottesdienst für die Kaiserin Friedrich statt, an dem der Kaiser, die Kaiserin, die Kaiserin-Mutter, die Königin von Griechenland, die Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, sowie die sämmtlichen Großfürsten und Großfürstinnen theil nahmen. Trauergottesdienste fanden auch in Rom, London, Haag und Sofia statt.
Die Beisetzung der Kaiserin Friedrich.
* Heber die Ueberführung der sterblichen Hülle der Kaiserin zu ihrer letzten Ruhestätte meldet uns unser Berliner Correspondenzbüreau in Anknüpfung an unser gestriges Telegramm noch das Folgende:
Im Schloßparke von Sanssouci war nur eine sehr kleine Anzahl Herren und Damen zugelaffen, welche in Trauerkleidern in der Nähe deS Marlygartens Ausstellung genommen hatten. Hier stand eine Abordnung deS zweiten Leibhusarenregiments mit der Standarte. In daS Slockengeläute der Potsdamer Stadtkirche und in den vom Neuen Palais herüberschallenden Kanonendonner mischten sich die Klänge der Trauermärsche. Die Spitze des Zuges wurde unter den alten Bäumen des Parkes sichtbar. Zuerst Gardes du EorpS, Leibhusaren, ein Bataillon deS ersten Garderegiments zu Fuß. Jetzt präsentiren die spalierbildenden Truppen, chre Capellen setzen in gedämpftem Ton mit dem alten preußischen Präsentirmarsch ein und zwischen dem wandelnden Spalier der Schloßgarde-Compagnie eröffnet die Geistlichkeit beider Konfessionen den eigentlichen Trauerzug, hinter ihnen die Pagen, die Leibärzte der Kaiserin Friedrich, die Kammerjunker, die Kammerherren, die Offiziercorps und Mannschaftsabordnungen sämmtlicher Leibregimenter der Kaiserin Friedrich. Es folgen dann die Generalität von Berlin und Potsdam. Generaladjutant von Mischke trägt die auswärtigen Ordensinsignien, Genera der Kavallerie Edler von der Planitz die Insignien des Louisenordens und des Verdienst- oä>ens für Frauen, hinter ihnen die bekannten Gestalten deS Generalobersten von Lotz und des Generalfeldmarschalls Grafen v. Waldersee. Jener trägt auf einem Kiffen den Stern und die Kette des Schwarzen Adlerordens, dieser die Krone der verblichenen Kaiserin. Ihnen folgen die Hofchargen. Nach einem größeren Abstand schreiten unmittelbar vor dem Leichenwagen die beiden Leibpagen und der Dienst der Kaiserin Friedrich einher.
In einem Spalier von Staboffizieren und Hauptleuten erscheint nunmehr der königliche Leichenwagen. Hoch ragt der Sarg empor, geschmückt mit der goldenen Krone und bedeckt mit dem Standartentuch. Die Zipfel deS Leichentuches tragen die Generale von Werder, von Hänisch, v. Seeck und Graf v. Schlieffen. Die Kordons tragen die General - Intendant Graf Hochberg, Oberstallmeister Graf Wedel, Oberjägermeister Gras v. d. Affeburg und Oberjäger-
Palais zurück. Der Zug löste sich auf. Die Kaiserin Friedrich hatte ihre letzte Ruhestätte gefunden.
vergiß ja nicht zu kommen, Onkel Fritz wird mitkommen.'
Felicia ging langsam nach dem Studio zurück und Mars folgte ihr. ,Geh fort/ sagte fie ärgerlich, indem sie ihn zurückdrängte. „Du gehörst Elmar von Rhenen und ich will nichts mit ihm zu thun haben."
Das große, schöne Tier sah zu ihr auf, wartete dann, bis sie gegangen war und folgte langsam nach. Johanna von Rhenen stand an )er Thüre zum Studio und sprach in liebenswürdiger Weise zu einer großen, schlanken Dame von ungefähr 30 Jahren, deren wunderschönes alabasterweißes Antlitz und schimmerndes blondes Haar in dem feinen weißen Kleid sehr vortheil- hast zur Geltung kam.
Dies war Lilian von Dahlen, welche sich bei Felicias Näherkommen umwandte und sie vom Kopf bis zu den Füßen aufmerksam betrachtete.
„Ich habe mich überall nach Dir umge- ckaut, Felicia'," sagte Johanna von Rhenen. „Fräulein von Dahlen war so liebenswürdig, den Wunsch auszusprechen, Dich sehen zu wollen, Felicia sah auf die schöne Gestalt vor ihr und wurde nervös unter dem prüfenden Blick )er braunen Augen. Auch sah sie gar nicht ein, was für eine Liebenswürdigkeit in Fräulein von Dahlens Wünschen lag, sollte fie ihr vieleicht auch noch dankbar dafür sein? Durchaus nicht, fie wünschte von niemand patroifiert zu sein.
„Also Du bist Elmar'S Mündel?" Lilian agte es in einer weichen, geschmeidigen Stimme, während ihre kühle Hand Felicia für einen
„Natürlich," erwiderte Evchen, mit dem Kopfe Beifall nickend.
„Höre, Felicia, lasse Dich nicht von Lilian einnehmen."
„Aber was meint Ihr eigentlich?" rief Felicia, von einem der jungen Mädchen nach dem andern sehend.
„Ich werde es Dir erklären," sagte Lilly wichtig, sehr rasch sprechend und dabei fortwährend den nach dem Hause führenden Weg mit den Blicken verfolgend, „nachher müssen wir gehen."
„Frau von Dahlen ist Fred's Mutter. Es ist das einzige Kind und hat jetzt fein Examen als Forstassessor hinter fich. Er hat es nur gemacht, um die ausgedehnten Waldungen von Dahlenau besser überwachen zu können. Lilian ist ihres Mannes Nichte. Sie ist sehr viel älter wie wir, sehr schön, aber ebenso unleidlich als ie schön ist. Tausend liebenswürdige Dinge '•ann fie sagen, aber fie haben alle eine gehässige Meinung und lauten auch so. Du wirst schon elber urtheilen, Felicia. Sie ist sehr, sehr reich und wir denken, daß sie schon jahrelange Ab- ichten auf Elmar hat und ihn zu heirathen wünscht. Komm' Evchen, laß uns schnell fortgehen, ich bin überzeugt, fie kommt hierher und wir wollen sie nicht treffen, Willst Du mit uns nach dem Seitenthore gehen, Felicia?"
„Aber ich sehe nicht ein, warum fie meinen Dormund heirathen möchte?" protestierte Felicia im Weitergehen, — „solch ein abscheulicher alter Mann!"
„O — aber Schloß Rhenen ist so wunder- chön —" antwortete Evchen wieder mit unterdrücktem Lachen. „Morgen ist unser Tennistag,
Augenblick lose berührte. „Er hat fich nicht viel um Dich bekümmert, wie?"
„Nein — — ich wurde sehr vernachlässigt — —" antwortete Felicia schnell.
„Felicia!" rief das Freifräulein streng.
„Sie ist sehr jung, Johanna," sagte Lilian mit einem Lachen, welches das junge Mädchen erröthen machte. „Nur ein Schulmädchen, und augenscheinlich der Wahrheit sehr ergeben."
„Auf jeden Fall hat fie höflich zu fein," erwiderte Johanna von Rhenen scharf und ärgerlich.
„Fräulein von Dahlen hat mich gefragt," sagte Felicia, ihre Augen erstaunt aufreißend. „Ich war durchaus höflich, und bin kein Kind welches der Führung bedarf, Fräulein v. Rhenen. Dabei warf sie den Kopf mit der ihr eigenen stolzen Bewegung zurnck. Gäbe fie jetzt nach, so würde das Freifräulein ein für alle Mal die Oberhand gewonnen haben.
Fräulein von Dahlen zuckte die Achseln.
„Du fiehst sehr jung aus," sagte sie trocken. „Es ist natürlich, daß Elmar von Rhene» sich keine Verantwortung mit Dir auferlegen wollte, und wenn Fräulein von Rhenen es thut, so solltest Du Dich von ihr führen laffen."
In diesem Augenblick nahte sich Mars.
„Du lieber Himmel", rief Fräulein von Dahlen in Heller Furcht, „lasse dieses wilde Geschöpf nicht an mich kommen. Er sollte getötet werden, ich habe es oft schon zu Elmar gesagt--er brummt mich an und ich bin
so nervös. Ich bin nicht sehr stark und die geringste Kleinigkeit regt mich auf."
(Fortsetzung folgt).
Ihr Sermeub.
Original-Roman von Ellen Svala.
(Fortsetzung.)
„Ja, und Du mußt auch Deine Meinung «bet ihn sagen," rief Lilly. „Schloß Rhenen ist eine wundervolle Besitzung, aber er ist nicht oft dort anwesend."
„Vielleicht ist dies die Ursache, daß ich nicht ®it ihm dort wohnen konnte."
Erneuertes Gelächter. „Aber sicherlich ziehst Du vor, es nicht zu thun, da er Dich so schlecht behandelt hat."
„Trotz alledem bleibt er aber doch mein Vormund — leider" — — antwortete Felicia.
„Armes Ding! Du bist wirklich zu demit- »eiden," sagte Evchen, indem fie vergeblich be- «rüht war, ihre Lachlust zu bezwingen. „Was sagte Johanna?"
„O, sie sagte, daß er nur zu froh fei, mich 'hr übergeben zu können und daß er fich bald derheirathe."
„DieseSmal lachten die Mädchen nicht, fie saßen wie versteinert da und schauten Felicia wit ihren großen braunen Augen erschrocken an.
»Bald verheirathe?" murmelte Lilly athemlos, »also, so hat Lilian es doch fertig gebracht?"
»Bist Du sicher, richtig gehört zu haben?" stagte Evchen leise und sich umsehend. „Wie schade, wie schade."
Lilly's Kopf neigte fich vor. — — „Des- Mb ist fie auch heute gekommen. Fred hat chr von Felicia'S Ankunft erzählt und nun will sie fie sehen."
Umschau.
Vom preußischen Haushaltsetat für 1902
wird offiziös mitgetheilt, daß namentlich daS Bildungswesen vielfach Erhöhungen der einzelnen Etatspofitionen zu verzeichnen haben dürfte. So sei als ziemlich sicher anzusehen, daß die Lehrerbildungsanstalten eine Vermehrung erfahren werden, um den in letzter Zeit zu beobachten gewesenen Lehrermangel möglichst bald abzuhelfen. Auch das gewerbliche Fach- und Fortbildungsschulwesen dürste wieder in reicherem Maße dotirt werden. Wie das BildungSwesen, fo solle auch die Wohnungsfrage in dem neuen Etat weitere Förderung erfahren. Bekanntlich find in letzter Zeit von der preußischen Regierung nicht bloß auf dem Wege besonderer Gesetze Kredite gefordert, um die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter und niedrig besoldeten Beamten in den großen Verwaltungen der Eisenbahn, Bauverwaltung usw. zu^ verbessern, feit einiger Zeit finden sich auch in den Etats bestimmte Positionen, welche dem gleichen Zweck gewidmet find. Auf diesem Wege solle fortgefahren werden. U. a. dürfte auch mit der Beschaffung von Dienstwohnungen der Gendarmen für bestimmte Reviere planmäßig vorgegangen werden. Im letzten Etat war eine solche Forderung für daS rheinisch-westfälische Montanrevier erschienen. Man hat nunmehr solche für Oberschlefien und das Saarrevier ins Auge gefaßt.
Das Herabgehen der Pachtpreise für Domänen u. f. w. war mit Recht als ein Symptom der üblen Lage der Landwirthschast angesehen worden. Man würde also ein Steigen dieser Pachteinnahmen erwarten können, wenn fich die landwirthschaftlichen Zustände besserten. Originell ist es, daß bei der Verpachtung eines
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Zum Zolltarif-Entwurf.
ljollkousereur der deutsche» La»,, wtrthfchaft soll fich die Versammlung des deutschen Landwirthschaftsrathes am 16. und 17. August gehalten, denn nicht nur die Vorsitzenden der preußischen Landwirthschastskammern, sondern auch die der offiziellen landwirthschaftlichen Vertretungen in den süvdeutschen Bundesstaaten, im Königreich Sachsen, des Bundes der Landwirthe und der größten Bauernvereine, die landwirthschaftlichen Mitglieder des wirthfchastlichen Ausschusses find dazu geladen, sodaß also die gesammte Landwirthschast des deutschen Reiches vertreten sein wird.
Ceutralverbaud an» Mruimaltarif. Blätter verschiedener zollpolittscher Richtung streiten sich gegenwärtig über eine Stellungnahme des Direttoriums des Centralverbandes deutscher Industrieller in Sachen der Minimalsätze für Getreide herum. Das . Direktorium des genannten Verbandes hatte Bedenken darin gefunden, daß in Aussicht genommen ist, Mimmalzusätze nur für Getreide sestzusetzen. Auf der betr. Sitzung des Direktoriums des Centralver- bandes in Baden-Baden war nämlich die Meinung zur Geltung gebracht worden, daß Minimalzölle nur in einigen Artikeln (Getreide) den Abschluß langfristiger Handelsverträge gefährden könnte. Für diese tritt der Verband nach wre vor mit Energie ein. — Der Streit um die Ansicht des Direktoriums ist unnütz. Man follte ruhig abwarten, wie sich der Central- verband selbst im Oktober in seiner Vorstands» und Delegiertensitzung zu dieser Angelegenheit stellen wird.
Der Beschlntz des Direktoriums des Centralverbandes wird von der .Kreuzztg." mit sehr miß- traulschen Augen betrachtet. Das Blatt schreibt: »sollte also die Industrie, was wir nach früheren Erfahrungen längst befürchtet haben, nur darauf ausgehen, ihre eigenen Schutzzölle in Sicherheit zu bringen, ohne der Landwirthschast das ausreichende Aequivalent zu verschaffen, so können wir den Herren bestimmt versichern, daß wir dann zum mindestendie unsere
melfter Freiherr v. Heintze. Dicht hinter dem Leichenwagen schreiten die obersten Hofchargen. Unmittelbar nach ihnen der Kaiser und der König von England, beide in der Uniform deS Garde - Dragoner - Regiments des letzteren und der Kronprinz, die königlichen Prinzen und die anwesenden höchsten Leidtragenden. Das diplomatische Corps, Reichskanzler Gras Bülow, die Generalfeldmarschälle, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Generalität, die Staatsminister, die Präsidien der parlamentarischen Körperschaften, die Staatssekretäre, die Spitzen der Regierungsbehörden und die Stadtvertretungen von Berlin und Potsdam. Eine Eskadron des Leik>- Gardehusaren-Regiments schließt den Zug, der fich durch den Marlygarten nach dem Mausoleum zu bewegt.
Vor der Friedenskirche langte der Zug gegen ll3/4 Uhr an. Die Trauerparade schwenkte zur Seite; die Geistlichkeit, die Pagen, Kammer- Herren und Generale nahmen dem Atrium der Friedenskirche gegenüber Aufstellung. Unter Führung des Kammerherrn der Kaiserin Baron von dem Knesebeck hatten sich im geschloffenen Vierspänner die Kaiserin und die Königin von England sowie in weiteren Equipagen die anwesenden Prinzessinnen des Königlichen Hauses und die anderen fürstlichen Damen, ferner die Damen der Gefolge, die Oberhofmeisterin der Kaiserin Friedrich, Herzogin zu Trachenberg, die Hofdamen und Kammerfrauen nach dem Mausoleum begeben, um den Zug dort zu erwarten. Der Sarg wurde von dem Leichenwagen gehoben und in die Kirche getragen. Beim Überschreiten der Schwelle erklang ein Choral, vom Berliner Domchor intonirt. DaS Kaiserpaar, der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen und die anderen Herrschaften folgten dem Sarge in das Mausoleum. Als der Choral verklungen war, sprach der alte Prediger Persius kurze Gebetworte. Er gedachte des Kaisers, dem es vergönnt gewesen sei, aus der Ferne an das Sterbelager zu eilen und die theure Mutter dort noch lebend anzutreffen. Er gedachte ferner der Entschlafenen, die ein Vorbild gewesen sei als treue Gattin, Mutter, Großmutter, Schwester und Verwandte. Er gedachte ihrer Fürsorge für Kunst und Wissenschaft, für die Bildung des weiblichen Geschlechts, ihrer warmherzigen Liebe für Arme, Verlassene, Kranke und Verwaiste. Er schloß mit einem Vaterunser und dem Segen des Herrn. Abermals setzte der Domchor ein; dann verließen nach einem stillen Gebet das Kaiserpaar und die Fürstlichkeiten das Mausoleum und begaben sich im Wagen nach dem Neuen
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der Stadt Stralsund gehörigen Gutes bereits die vorerst noch geplante Erhöhung der Getreide- zölle „eskowptirt" wird, indem man den Pachtpreis um 1000 Mk. erhöht hat. Die „Freisinnige Zeitung" greift diesen Kasus auf und erklärt rundweg:
-Hier ist schon ein schlagendes Beispiel dafür, wie nach sachverständiger Ansicht die Erhöhung der Ge- treidezölle nicht zum Vortheil gereicht den landwirth- schastlichen Arb-itern, auch nicht der Landwirthschast selbst, sondern nur der Grundrente der Verpächter".
Dies ist aber sehr einseitig geurtheilt. Der Pachtzins ist, wie gesagt wegen der schlechten Getrcidepreise allgemein zurückgegangen; werden die Ernteeinnahmen fortan höher, fo kann eben« sowohl für die Arbeiterschaft als für die Pacht mehr als bisher aufgewendet werden und der Landwirt wird sich dabei immer noch weit besser stehen als früher. Glaubt denn die „Freisinnige Zeitung" die Pachten würden um die volle Höhe des zu erwartenden Mehrertrages gesteigert ? c.
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