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Mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ud Kirchhain.

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Auch diesmal sind die Monarchisten zurück­gedrängt worden, und die Nationalisten haben noch nicht ein halbes Hundert von Mandaten

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wird, so darf man sich doch jetzt schon über das Ergebniß der Wahlen äußern, denn die einigen 80 Stichwahlen können bei der Gesammt- zahl von mehr als 1400 Wahlen eine wesent­lichere Verschiebung nicht herbeiführen.

Im Großen und Ganzen haben die General-

urtheilt worden und fünf werden nächste Woche in Kenhardt hingerichtet werden.

Ein kleiner Erfolg der deutschen Regierung.

In der in London tagenden Kommission, welche die Entschädigungsansprüche der aus Südafrika ausgewiesenen Ausländer untersucht, hatte der Vertreter der englischen Regierung, die Ansicht verfochten, daß, da die Trans­vaal Bahngesellfchaft in Folge ihrer Handlungen unter die Kriegsführenden zu rechnen sei, auch ihre Angestellten Kriegsführende seien, daß sie ferner, da die Gesellschaft in den Dienst der Transvaal Regierung getreten fei, ebenfalls Diener dieser Regierung geworden seien, ihre Nationalität verloren halten und, weil sie nicht länger Unterthanen einer befreundeten Regierung feien, keinen Anspruch auf Entschäd­igung hätten. Demgegenüber führte Dr.Sienekmg, der Vertreter der deutschen Regierung, aus, daß nur bei der deutschen Regierung die Entscheid­ung darüber liege, ob eine Person ein deutscher Unterthan sei oder nicht. Dieses -Recht stehe ausdrücklich dec deutschen Regierung zu, s o n st niemanden. Die Thatsache daß ein Deutscher auf Seiten der Buren gegen die Engländer gekämpft habe, schließe ihn nicht von der Entschädigung aus. Jedoch werde er, wenn erwiesen sei, daß ein Deutscher activ am Kampfe gegen die Eng­länder theilgenommen habe, dessen Ansprüche nicht weiter verfolgen. Wenn aber ein Deutscher als Angestellter der Bahn einfach die Pflichten seiner Stellung erfüllt habe, so sei er kein Kriegsführendersund zur Entschädigung berechtigt.

Die Komission entschied daraufhin, daß die Angestellten der Bahn durch Dienste, welche sie als solche auf Befehl ihrer Vorge­setzten der Transvaal-Regierung geleistet hätten, ihre Nationalität nicht verloren hätten. Ob sie aber noch Unterthanen einer befreundeten Macht seien, oder nicht, müsse in jedem einzelnen Falle auf diplomatischem Wege entschieden werden.

Die Generalrathswahlen erhielten schon dadurch stets eine gewifle politische Bedeutung, daß ihr Ergebniß von Einfluß ist auf die späterhin stattfindenden Erneuerungswahlen zum Senate. Diesmal aber hatten sie eine ganz besondere Bedeutung gewonnen durch die speciellen Anstrengungen der Nationalisten, die das Revanche-Pferd als Vorspann nahmen und damit das Rennen zu gewinnen ' offten. So erließ Deroul-)e einen flammenden ufruf, in dem Frankreich als einäugig be- ichnet wurde, weil ihm das rechte Auge, lsaß Lothringen, fehle. DasPetit Journal" Hichte die nationalistische Wählerschaft durch dre ehauptung scharf zu machen, Deutschland ver- fi^lge den Plan, die Zerrüttung der französischen

Armee herbeizuführen; wie Deutschland dies anstellt, verrietst das nationalistische Blat:: allerdings _ nicht. Andere revanchedurstige Organe wiesen wieder darauf hin, daß der 30- jährige Friede ein Unglück für Frankreich sei und alle inneren Skandale, wie den Panama- Proceß und den Dreyfus-Streit verschuldet habe.

Dieser Skrupellosigkeit der nationalistischen Agitatoren gegenüber ist es auch für die aus­wärtige Politik Frankreichs von Bedeutung, feststellen zu können, daß die Wählerschaft in ihrer großen Mehrheit nicht darauf reagirt hat. Der französische Epicier fühlt sich zwar durch eine schön klingende Revanchephrase angenehm gekitzelt, aber er hält es doch nicht für praktisch, daraus die Konsequenz zu ziehen, Männer zu wählen, die geneigt fein möchten, die Phrase in die That umzusetzen. In seinem nüchternen Sinne will es ihm scheinen, als ob Panama und Dreyfus-Skandal zwar schwer verdauliche Gerichte gewesen wären, aber noch immer kein so harter Bisten, wie ein erneuter unglücklicher Krieg mit Deutschland.

Von noch größerer Bedeutung ist aber der Ausgang der Wahlen für die innere Politi: Frankreichs. Er beweist, daß die große Mehr heit der Wählerschaft mit dem nunmehr seit über zwei Jahren am Ruder befindlichen Mini­sterium Waldeck-Rousteau zufrieden ist. Die so erneut bekundete Austastung der Wähler aber if: nicht ohne Einfluß auf die Anschauungen so manches Deputirten, der an sich vielleicht gern das Ministerium stürzen möchte, um selbst einen Ministersestel zu erhalten, der aber dieses Ge­lüste doch bezähmen dürfte, wenn er sieht, daß die Mehrheit der Wählerschaft hinter dem Mini­sterium steht. Denn in nicht allzu langer Zeit findet die Erneuerung der Deputirtenkammer statt, und dann wäre es doch fatal, sich zwischen zwei Stühle gesetzt zu haben, indem man näm­lich einerseits den erträumten Ministersestel doch nicht erlangt und andererseits von der über den Sturz des Ministeriums erbosten Wählerschaft fallen gelassen wird.

Was die eben erwähnten Deputirtenwahlen anlangt, so stellen die Generalrathswahlen eine der gegenwärtigen Regierung günstige Prognose. Die Deputirtenwahlen finden unter ähnlichen Bedingungen statt wie die Generalrathswahlen, und es ist deshalb zu erwarten, daß sie auch ein ähnliches Ergebniß haben werden. Denn die Herren Präfekten und die ihnen unter­stellten Derwaltungsbeamten haben ein nicht minder feines Empfinden für die Volksstimmung wie die Deputirten, und da sie aus den Ge­neralrathswahlen haben entnehmen können, daß

! ! Die Generalrathswahlen in Frankreich.

Wenn auch ein vollständiges Bild von den Generalrathswahlen in Frankreich erst nach der Erledigung der Stichwahlen vorhanden sein

rathswahlen dasselbe Ergebniß gehabt wie die Gemeinderathswahlen, die den Monarchisten und noch mehr den ihnen nahestehenden Nationalisten eine große Enttäuschung brachten, für die auch

Bestellungen

für die Monate August und September auf die

Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriefträgern entgegen- enommen.

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(515< erlangt, während die Republikaner mehr als zwei Drittel aller Sitze errungen haben, wovon wiederum auf die speziellen Anhänger des gegen- wärtigen Ministeriums, die Radikalen, die Hälfte entfällt.

diese Stimmung dem Ministerium günstig ist, so werden sie sich hüten, dieser Stimmung bei den Deputirtenwahlen entgegenzuwirken.

Den nationalistischen Schreiern dürfte also auf einige Zeit das Handwerk gelegt sein. Sie besitzen zwar viele und weit verbreitete Zeitungen, in denen sie ihrem racheerfüllten Herzen Luft machen können, aber den entscheidenden Einfluß in den parlamentarischen kommunalen Körper­schaften dürften sie so bald nicht erlangen, -r.

Der südafrikanische Krieg.

Merkwürdige Dinge werden in Berichten desPester Lloyd" auS Pretoria erzählt.

Darnach ist dort am 11. Juni ein Nord­deutscher, Namens Krause, auf Grund eines kriegsgerichtlichen Urtheils erschossen worden. Krause hatte sich wiederholt mit einigen verwegenen Genossen bis in das von Stacheldrahr umgebene Ge­biet Pretorias gewagt, um Pferde, Schlachtvieh und Verpflegungsartikel zu requiriren. A» 9 Juni wurde er, als er sich wieder zu seinem Kommando zurück- begeben wollte, verrathen, von Patrouillen verfolgt und noch innerhalb des Befestigungsgürtels mit zweien seiner Begleiter, Namens Fenter und Delport, ge- während zwei andere entkamen. Auf der mißglückten Flucht hatte er einen der Verfolger ange­schossen. Am nächsten Tage wurden die 3 Gefangenen unter folgenden Anklagen- erstens wegen versuchten Meuchelmordes (!), zweitens wegen Bruches des Neutralitätseides, drittens wegen unerlaubten Besitzes von Waffen vor ein Kriegsgericht gestellt; Krause wurde aller drei, Fenter und Delport wurden der zwei letzten Anklagen schuldig befunden, und daraus verurtheilte man alle Drei zum Tode durch Erschießen. Am 11. Früh wurden Krause und Fenter erschossen; Delport jedoch hat man wahrscheinlich weil er als Kronzeuge gegen die zwei Anderen ausgesagt begnadigt.

Von Meuchelmord kann natürlich in diesem Falle nicht die Rede sein, und zur Verletzung des Neutralitätseides reizen die Engländer alle Tage auf, indem sie Buren dazu bewegen, die Waffen^ gegen ihre Landsleute zu ergreifen. Der Tod der beiden Erfchossenen," bemerkt der Berichterstatter,wird den Engländern wenig nützen. Sie haben im Eegentheil den Buren-Kommandanten eine gute Lehre gegeben, welche Delarey bereits beherzigt hat. Dieser ließ zwanzig Buren, welche sich den Engländern angeschlofsen hatten und gefangen genommen wurden, niederschießen. Vielleicht wird diese Maßregel auch auf englische Soldaten ausge­dehnt, welche das zweite Mal gefangen werden."

Reue Derurtheilungen.

13 kriegsgefangene Buren find in Dordrecht als Rebellen zu lebenslänglichem Gefängniß ver-

Deutsches Reich

Berkin, 26 Juli

,, Der Kaiser gedenkt vorläufig in Molde zu bleiben.

.. ?ine neue Schießauszeichnung für seine sieben Lelb-Jnfanterle-Regimenter hat der Kaiser in Form einer am Bande zu tragenden Medaille gestiftet.

Die Meldung, daß König Oskar von Lchweden-Norwegen als Gast Kaiser Wilhelms an den Kaisermanövern bei Danzig theilnehmen werde kann das norwegische .Morgenbl." aus bester Quelle für unrichtig erklären. Dagegen wird dem ge­

bet allen Postäwttr» 2.35 Mi. (e$d. Kritrllgeld). Marburg

Sonntagsbeilage * Jüuftrirtes Sanntaasbwti ^ ^

m'K«1*'"**10Sonnabend 27 Juli 1901. """* Lahrn. 36

42 ' (Nachdruck verboten.)

Die Feuerliese.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

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Hause. .19,p.

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Möge ihrer stets in Liebe gedenken, schrieb fie dazu und ihrer nicht vergessen."

Der junge Mann bedeckte die Augen mit der Hand, eine Thräne lief über das sehr ernst ge­wordene Antlitz.

Nun und Ihre Mutter?" warf Onkel Rudolf ein.

lieber das Gesicht des jungen Malers zog sich ein tiefer Schatten.

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str. 501 Onkel Rudolf legte ihm die Hand auf die 4 Ubr Schulter:Hätte ich ahnen können, daß meine Stock »Frage fo schmerzliche Erinnerungen in Ihnen Part.Zwecken würde, ich hätte sie sicher unterlaffen, Herr Brandes."

Ach ich traf sie leider gar nicht mehr am Leben. Als ich voll froher Hoffnung in A . . . ankam, fand ich nur unseren alten Gärtner und feine Frau, die die tiefschmerzliche Mittheilung machten, daß meine gute Mutter schon seit drei Jahren tot sei. Die alten Leute hatten den Auftrag, Haus und Garten zu verwalten, und falls ich nicht mehr zurückkehren würde, sollte dies alles bet Stadt zufallen. In ihrem hinterlaffenen 15». Testamente bin ich als der alleinige Erbe be- r" v' zeichnet, als ihr einziger, geliebter Sohn. Ich

Dieser schüttelte den Kopf.Was mir am meisten leid thut," sagte er wehmüthig,ist, daß ich die gute Mutter nicht um Verzeihung bitten konnte, für das, was ich in jugendlicher Unbe­dachtsamkeit ihr zugefiigt habe."

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Aennchen legte schmeichelnd ihre Hand auf das schimmernde Haar ihres Verlobten.Komm, Rudolf," bat sie,ich will Dir das Haus und den Garten zeigen."

Aber Aennchen," lächelte der Onkel,da ist wenig zu sehen."

O doch, Onkelchen, Du hast oben eine hübsche Gemäldesammlung, die wird den Künstler interessieren.

Sie war schon hinaus, langsam folgte ihr i)er junge Mann, den sie durch verschiedene Zimmer führte, bis sie vor einer dunklen Thüre «palt machte, um ein wenig zu verschnaufen.

Jetzt bemerkte fie, daß ihr Verlobter gar nicht zu sehen war.

Hierher, Rudolf! Komm doch, wo steckst Du denn eigentlich?"

Da keine Antwort erfolgte, ging sie zurück und fand ihn endlich vor einem herrlichen Oel- gemälde in dem Zimmer des Onkels, vor dem Aennchen immer eine gewisse Scheu hegte. Er war in der Betrachtung des Bildes so vertieft, daß er seine Braut zuerst gar nickt bemerste.

Es war in der That ein * wundervoller Frauenkopf, der da aus dem kostbaren Rahmen chaute. Rothgolden schimmerte das Haar, auf dem ein Kranz von weißen Rosen lag, fiel auf­gelöst über die entblößen Schultern und die chneeweißen Arme: Der kleine rothe Mund var halb geöffnet und schien zu lachen, liebet dem ganzen holden Gesicht lag ein eigenartiger Zauber ausgebreitet, der jeden Beschauer fesseln mußte. Das Bild war Wohl geeignet, das Auge eines Künstlers zu entzücken.

Aennchen hatte als Kind auch oftmals vor dem Bilde gestanden, aber wenn fie den Onkel

neugierig gefragt, wer dies sei, da hatte sich jedesmal fein Gesicht verfinstert und er gab jedesmal eine brummende Antwort, die fie nie verstand. Wenn fie sich dann an die Großmawa mit ihrer Frage wandte, so wurde sie Wohl gar grob angefahren. So hatte sich Aennchen nach und nach gewöhnt, an dem Bilde vorüber zu zehen, ohne es zu betrachten. Desto mehr fiel ihr jetzt die dämonische Schönheit dieses Weibes auf, je mehr fie sich in den Anblick vertiefte.

Wer dies nur fein mag, Aennchen?" fragte endlich mit einem tiefen Athemzuge der junge Mann. Es war ihm, als hätte er in ferner Seit, deren er sich nicht mehr entsinnen konnte und die ihm wie durch Nebel verhüllt war, dies Bild schon einmal gesehen. Doch das mußte wohl Täuschung sein.

Das junge Mädchen antwortete nichts auf eine Frage, sondern schaute immer bald auf >as Bild, bald auf ihren Verlobten.

Rudolf," sagte sie endlich langsam,das ist eigentlich merkwürdig, ich finde, jene Frau dort hat genau dieselben Haare und dieselbe chmale kurze Nase wie .Du fieht Dir über­haupt etwas ähnlich, meinst Du nicht auch?"

Statt aller Antwort fragte dieser wieder Wer mag das nur fein?"

Glaubst Du, daß Dein Onkel mir das Bild fthen wird? Ich habe eine herrliche Idee. Diese Frau, als Lorelei, hoch oben auf dem Felsen, genau so, wie der Dvlksmund fie besingt mit goldenem Kamme und goldenem Ge- chmeide das wird ein Gemälde geben, Aennchen, wie schöner noch keins ausgedacht wurde; ich sehe es vor mir, als könnte ich es

greifen. - Ich - ich muß - dies Bild haben, koste es, was es wolle j"

Ich glaube nicht, daß Onkel Rudolf ein- willigen wird, es muß ihm wohl sehr teuer sein, ich sah ihn einmal hier stehen, wie er sanft mit der Hand über das schöne Gesicht hin­strich und dann ging ein seltsames Leuchten über feine Augen.

Gleichviel, der Versuch muß gemacht werden sogleich."

Von seiner Idee ganz eingenommen, lief der junge Künstler, Aennchen an der Hand fassend, zurück und traf den Baron noch im Gespräch mit der Majorin. Ungestüm brachte er feine Bitte vor. Fast athemlos harrte er der Antwort.

In seiner überaus milden, gütigen Weise lehnte Baron Rudolf die Bitte ab.Es ist eine längst verstorbene, liebe Verwandte," fügte er hinzu,lassen Sie dieselbe, wo fie ist. Sie werden für Ihre Lorelei ein anderes Modell indem"

Allein so rasch ließ sich der junge Maler nicht abfertigen.

-Sie jerftören grausam einen längst ge­legten Wunsch. Es war immer meine Absicht, die Lorelei zu malen, der Entwurf steht in meinem Kopse fertig da, aber so öid ich auch orschte, ein passendes Modell für die Haupt- igur konnte ich nirgends finden und nun ich es gefunden habe,, stellen Sie sich der Aus- ührung entgegen; ich gebe Ihnen mein Ehren­wort, es soll an dem Bilde nichts versehrt werden. Sie erhalten es möglichst bald zurück."

Als auch Aennchen ihre Bitten mit denen ihres Verlobten bereinigte, willigte Baron Rudolf endlich ein. (Fortsetzung folgt.)