M 162
treu
(ftffWeajj- ■raue ffcl« >er 100$« 8 7 Ar«, nähme
we.,
«bi,
'“’sS ch-sZ
Pralat t «• «4 mg 10 in lni betjlj ______ 41
mit dem Kreisvlatt für die Kreise Marbnra «nd Kirchhain
vierteljährlicher BezugSprei»: bei der Expedition 2 Ml, bet allen Postämtern 2L5 Mk. (excl. Bestellgeld).
J«s„ti»n»,ebühr: die gespaltene Zeile oder deren Ranm 10 Pf^ Reclamen: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Somabend 13 Juli 1901.
Erschein! täglich außer an Werktagen nach Sonn- uno Fererragen.
Sonntagsbeilage: JllnftrirteS Sonntags blatt.
Lrnck «nd Verlag: Joh. Slug. Koch, Universitäts-Buchdrucker»-.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55
Jahrg. 36
Kauffmann.
* Die Presse der Linken macht nach wie
<J sches Kapital zu schlagen und die an sich wenig A bedeutungsvolle Angelegenheit auszubauschen.
a. Oualitj
'omm. Dr,.j
IrfltÜttfl fr™ Kauffmann die Bestätigung versagt IHJlVfl] morden sei. In Preußen bedürfen bekanntlich
mäus.
lderhoait -
«Nachdruck verboten.)
30
15, pari
i Ur fl, aste 32.
aufen. i ;. (184 i
bestätigung des Stadtraths Kauffmann in Berlin zum zweiten Bürgermeister dieser Stadt politi-
tetnott»ei
Abzugebei
(483 :
■ne» 6efi \ Verkaufei Bl. (459 f bis Frau!
(4541 j leir.fänger, Köln.
irtlrtfer die leitenden Komunalbeamten der Bestätigung IHIllpn durch die Regierung. Die Ausübung des Be- ib verkam» - stätigungsrecht steht verfaffungsgemäß dem König von Preußen zu. In anderen deutschen Staaten, namentlich in den süddeutschen giebt es ein solches Beto des Fürsten nicht. In Imarfeti -Preußen besteht es jedenfalls zu Recht, und ist darum nichts unnatürliches, wenn derjenige, der dieses Recht auszuüben hat, davon Gebrauch macht. Schon aus diesem Grund empfiehlt sich eine etwas weniger leidenschaftliche Behandlung der Angelegenheit von selbst.
inover.
äug
6. (366
Die Gründe für die Nichtbestätigung find -bisher nicht bekannt geworden. Die Zeitungen ..... haben sich zwar auf das Ratten verlegt; die Hfifdlf eine hat diesen, die anderen jenen Grund für irfunfl ri Nichtbestätigung „entdeckt", um dann je 8 (481 nach Neigung und politischer Schattirung gegen " " den „Racker" von Staat, das „rückgratlose uml-kMinisterium" re. zu Felde zu ziehen. Einige der Zeitungen sind ehrlich genug, einzugestehen, daß die Gründe, aus denen die Bestätigung versagt worden ist, nicht bekannt sind. Wenn sie aber die Veröffentlichung dieser Gründe verlangen, so wird daran zu erinnern sein, daß eine Verpflichtung zur Angabe von Gründen im Falle der Nichtbestätigung einer kommunalen Wahl nicht besteht. Die Verhandlungen über die betreffenden gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere über die Anregung, die Mittheilung der Gründe einer Nichtbestätigung vorzuschreiben, lassen auch keinen Zweifel darüber, daß der Gesetzgeber vollbewußt beabsichtigte, den be-
iranf, tii , ein CH r verkauft- 17, pari, i
jauttte
Kaffwez f ;
37«, - Stei,Ei^ j sowie gt, ' ___
IPtnor svor krampfhafte Anstrengungem aus der glicht- 'vlyCI. : | ~ p m'
Der „Fall Kauffmann" liegt folgendermaßen: Herr Kaufmann ist Stadtrat in Berlin und __Nurde vor einigen Wochen mit recht knapper ~ Majorität zum Bürgermeister erwählt. Bei Xpife dieser Bürgermeisterwahl bekämpften sich vor . '7 allen Dingen die Gruppen des Sertiner 5reü eu 1 ■ sinns: die freisinnige Volkspartei und die sog.
'--er- .Wadenstrümpfler" der freisinnigen Vereinigung. ~--Bei der Wahl unterlag der Kandidat ^der srei-
" sinnigen Vereinigung mit 7 oder 8 Stimmen unb Herr Kaufmann, der Kandidat der „Wasser- ftiefler", wurde gewählt. Jetzt verlautet, daß
hl
Die Feuerlirse.
(0.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth. (Fsrtsetzunz.)
99-/.
tb
30-4
37-/.
97-.
99-.
92-. 98-/. 91". OO-A
90-. OO-A
97 " (
9S*
92» : &'■*' «r«
9$'
96“
96-
96"*
.00’:.
90".
00’.
90'.
„Sie brauchen durchaus nicht zu erröten, mein Fräulein, hob er mit wohlklingender Stimme an, „ich muß Ihnen gestehen, ich bin sehr er- fteut über Ihren Anblick, denn wiffen Sie, ich bin in erster Linie Direktor und als solcher freue ich mich stets, wenn sich unter meinen Mitgliedern viele hübsche Gesichter befinden, denn eine Schauspielerin hat schon halb ge- iBonnen, wenn sie eine schöne Erscheinung ist. Eehen Sie, da lächeln Sie schon; nicht wahr, ich habe recht?
Er betrachtete noch immer die stumm vor ihm Sitzende, die aus ihn sichtlich den besten Eindruck machte, mit vergnügtem Gesicht. Er Überlegte wohl im Stillen, daß die junge Dame mit ihren herrlichen Augen und goldschimmern- bem Haar, sofern sie auch gut spielte eine tüchtige Zugkraft ausüben mußte.
Eine kleine Pause entstand, Liese sühlte sich verwirrt und sah beharrlich auf ihre in feinen Handschuhen steckenden Hände nieder, indes der Direktor wieder begann: „Wir haben in den letzten Jahren Mangel gehabt an hübschen Mädchen, das ist nicht angenehm."
Er gab sich alle Mühe, seine stumme Be- fucherin zum Sprechen zu bringen, da er nicht recht wußte, ob diese an einer Schauspielerin ^gewöhnliche Schüchternheit nur Verstellung 'ntb berechnete Koketterie, oder Natürlichkeit war. i „Halen Sie schon eine paffende Wohnung,
lOß-s i SO-) i.
IOC".« - «N -
99-A
Im 1C. »U 7
treffenden Staatsorganen das Recht beizulegen, die Mittheilung der Gründe, aus denen einer Wahl die Bestätigung zu versagen war, abzulehnen. Die Gründe für diese gesetzgeberische Absicht liegen zum Theil in Rücksichten auf den bon einer Nichtbestätigung Betroffenen, für den die Veröffentlichung unter Umständen im höchsten Grade unerwünscht sein kann. Die Staatsregierung hat dem Landtage gegenüber stets an der Auffassung festgehalten, daß sie zur Mittheilung der Gründe, aus denen eine Bestätigung versagt war, nicht verpflichtet sei, und die verschiedenen Minister des Innern haben regelmäßig, auch wenn sie sich im einzelnen Falle zur Mittheilung der Gründe bereit fanden, dies unter der Verwahrung gethan, daß sie gegebenenfalls zur Ablehnung der Mittheilung dieser Gründe berechtigt seien.
Man wird also abwarten müssen, ob vom Ministertisch ans auf eine etwaige Anfrage im Landtag ein Bescheid ertheilt werden wird Das turbulente Geschrei, mit dem man jetzt über die Aufgaben ernster Politik hinwegtäufcht, kann und wird zu keinem Resultat führen. Gleichwohl mögen einige Bemerkungen zu der Vermuthung gemacht werden, der König habe die Bestätigung versagt, weil Kauffmann politisch allzusehr hevorgetreten sei.
Wir sind keine Freunde von Maßregelungen nur wegen politischer Umtriebe in einer Zeit, in der man auf dem Standpunkt steht, daß im Licht und in der Luft der Oeffuntlichkeit alles am besten gedeihe, kann einem die Nichtbestätigung eines Beamten wegen „politischer Umtriebe" nicht recht munden. Immerhin glauben wir, daß Leute, die im Leben als poli- sche Agitatoren stehen, nicht an maßgebende Stellen im Kommunaldienst zu berufen find. Wir geben dem „Rh. C." völlig Recht, wenn er schreibt:
„Mehr noch wie im Staat muffen in der Stadt die ersten Beamten über den Parteien stehen, denn diese sind die Vertrauensleute der ganzen Bürgerschaft. Das Verhältnis des einzelnen Bürgers zu feiner Stadtverwaltung ist fast ein patriarchalisches, oder sollte es sein. Ein solches kann aber nicht aufkommen, wenn der Bürgermeister ein Einpeitscher und fanatischer Agitator irgend einer Partei ist. Wir sehen deshalb in Deutschland auch thatsächlich in allen großen Kommunen immer mehr die Praxis Platz greifen: in die Stellungen der leitenden Kommunalämter Männer zu wählen, die erstens und in der Hauptsache tüchtige, kenntnisreiche Verwaltungsbeamte find, politisch möglichst wenig belastet und wenn sie schon Politiker
mein Fräulein?" Jetzt muß sie doch sprechen, dachte der Direktor bei sich.
Liese schlug die schönen Augen voll zu dem vor ihr Stehenden auf: „Nein, Herr Direktor, und das ist wohl auch mit der Grund, weshalb ich schon heute bei Ihnen vorzusprechen mir erlaubte; ich hoffte, von Ihnen vielleicht erfahren zu können, wo einige paffende, nicht zu teuere Zimmer zu finden wären, am liebsten möchte ich freilich vor der Stadt wohnen."
„In der Vorstadt find die Miethen allerdings erheblich billiger als im Innern," meinte jener bedächtig, „aber es ist doch nicht angenehm, nach der Vorstellung noch einen weiten Weg zu machen, junge Damen sind da manchmal unangenehmen Zwischenfällen ausgesetzt, die man besser zu vermeiden sucht."
„O ich fürchte mich nicht, Herr Direktor," meinte Liese lächelnd, „ich habe eine Beschützerin bei mir, eine alte Dienerin, die mich stets begleitet."
Der Direktor schien angenehm überrascht von dieser Mittheilung, sein Gesicht erheiterte sich noch mehr.
„So ist's recht, mein Fräulein, ich muß Ihnen gestehen, ich liebe es nicht, wenn die jungen Mädchen so allein des Nachts auf der Straße gehen. Ich halte sehr viel von dem guten Ruf meiner Mitglieder, dies hebt ein Theater und trägt auch viel dazu bei, auch die feinste Gesellschaft heranzuziehen. Wer sich etwas zu Schulden kommen läßt, wird nnnachsichtlich entlassen, selbst wenn ich dadurch bedeutende Opfer zu Dringen gezwungen bin, aber niemand darf sich bei mir Ungehörigkeiten erlauben, das dulde ich nicht."
sind, nicht agitatorisch hervortreten und einer gemäßigten Richtung angehören. Dieser Grundsatz hat thatsächlich in allen großen deutschen Städten praktische Geltung erlangt, sodaß auch die Berliner gut daran thun werden, sich zu ihm zu bekennen."
Die Politik wirkt in ihren agitatorischen Ausschreitungen schon verwüstend genug und hetzt alles zusammen; dem gegenüber erscheint es wirklich als ein moralischer Gewinn für eine Stadt, wenn wenigstens ihre leitenden Beamten, die nach außen hin repräsentiren, nicht von Feuer und Rauch der politischen Agitation angeschwärzt sind. Wenn Herr Kauffmann wegen seiner Eigenschaft als politischer Agitator nicht bestätigt wird, so geht die Welt darüber nicht zu Grunde.
Die Berliner werden jedenfalls einen Herrn finden können, der fein politischer Draufgänger ist. Die freisinnige Gesinnung wird kein Hinderniß für die Bestätigung fein. Das hat die Bestätigung des Bürgermeisters Brinkmann bewiesen.
UNsÄM.
Die Beisetzung des Fürsten Hohenlohe.
Die Feier der Beisetzung des Altreichskanzlers Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe- SchillingSfürst nahm Donnerstag Mittag um 12ftz Uhr mit der ersten feierlichen Einsegnung der Leiche in der Schloßkapelle ihren Anfang. Die zur Theilnahme an der Feier zahlreich erschienenen hohen Herrschaften nahmen in unmittelbarer Nähe der Sarges Aufstellung. Der Kronprinz als Vertreter des Deutschen Kaisers stand zwischen dem Fürsten Philipp Ernst und dessen Brüdern.
Domkapitular Schädler-Bamberg hielt die Trauerrede, in der er zunächst des vor drei Jahren erfolgten Hinscheidens der Gattin des Verblichenen gedachte und bann das politische Wirken des Altreichskanzlers schilderte.
Nach der Rede wurde die Leiche eingesegnet und alsdann auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben. Unter dem Geläute der Glocken bewegte sich der Trauerzug zur Gruft nach dem Friedhof. Zunächst hinter dem Sarge schritt der Kronprinz zur Rechten des Fürsten Philipp Ernst. In der Ernst auf dem Friedhose fand die zweite Einsegnung der Leiche unb die Beisetzung statt. Ter Kronprinz und nach ihm die übrigen Theilnehmer der Trauerfeier warfen dem Hingeschiedenen drei Schaufeln Erde ins Grab.
Der Direktor hatte sich in Eifer geredet, er fuhr sich mehreremale mit dem seidenen Taschentuche über die Stirn.
Liese freute sich im Stillen, hier so unerwartet einen Mann gefunden zu haben, dessen Ansichten mit den ihrigen übereinftimmten, denn sie hatte während ihrer kurzen Bühnenlaufbahn mehrfach die Erfahrung gemacht, daß diejenigen, die auf Tugend hielten, eigentlich viel langsamer vorwärts kamen, als andere, denen jedes Mittel recht war, wenn es galt, (Saniere zu machen. Wie oft war die .Feuerliese" von ihren leichtsinnigen Kolleginnen verspottet worden, Wenn sie diese ober jene Einlabung, in Herrengesellschaft zu soupieren, ausschlug, unb jene, die solche Einladungen gern und mit Freuden annahmen, Würben immer auch durch starken Beifall ausgezeichnet, Wenn sie auf ber Bühne erschienen. Natürlich galt in Liesens Augen ein solcher Beifall nichts, aber bas Publikum ahnte doch nicht, auf Welche Weise die leichtfertigen Kolleginnen zu so großer Beliebtheit gekommen Waren.
In biefem Sinne sprach sie sich auch gegen ben Direktor aus, der ihr aufmerksam zuhörte und schließlich "gut gelaunt meinte: „Nun mein Fräulein, dergleichen haben Sie bei mir nicht zu fürchten, ich weiß den wahren Wexth recht gut vorn Schein zu unterscheiden und ich hoffe, wir beide werden miteinander zufrieden fein."
Liese Wollte sich erheben, um sich zu verabschieden, doch er hielt sie zurück.
„Also Wegen einer Wohnung seien Sie außer Sorge, Fräulein — na, wie War boch gleich Ihr Name?"
Der Kronprinz hat am Sarge bes Altreichskanzlers vor ber Beisetzung einen Kranz niebergelegt.
Die Handwerkskammern und die Zollerhöhung.
Mit Anerkennung verdient hervorgehoben zu werden, daß eine Reihe von Handwerkskammern in verständnißvoller Weise die empfindlichen Rückwirkungen der ungünstigen Lage der Land- wirthschaft auf das Kleingewerbe Würdigen und im Hinblick auf die Neuordnung unserer Wirth- schaftlichen Beziehungen zum Auslande mit Entschiedenheit für die Wahrung der landwirth- schaftlichen Jntereffen eintreten. So hat u. a. die Handwerkskammer für Oberbaiern folgenden Beschluß gefaßt:
»Die derzeitigen Handelsverträge haben der Land- wirthschast empfindlichen Schaden zngesügt, worunter naturgemäh auch der Handwerker zu leiden hat. Es ist daher die Forderung der Landwirth- schast, auf eine angemessene ausgiebige Erhöhung der Zölle aus Getreide und Hopsen bei Erneuerung der Handelsverträge energisch hinzuwirken, eine vollauf berechtigte, weshalb die Handwerkskammer für Oberbaiern diese Erhöhung befürwortet, damit der so wichtige nothwendige Bauernstand in seiner Existenz erhalten, seine Verhältnisse verbessert werden und so auch dem Handwerker stände des Kreises eine kaufkräftige, sichere Kundschaft erhalten bleibe. Dieser Beschluß wird mit eingehender sachlicher Begründung dem Bundesrath, Reichstag und der Königs. Regierung von Oberbaiern mit dem Ersuchen um volle Berücksichtigung mit- gctheilt."
Die „Objektivität" ber freihänblerischen Presse zeigt sich auch biesrnal toieber barin, baß ber obige Beschluß von ihr einfach unbeachtet gelassen wirb.
Deutsches Reich
Sttlitt, 12. Juli
— Der Kaiser legte bei dem Ausflug, den er von Odde aus am Donnerstag früh mit Gefolge nach dem Latefos unternahm, am Denkmal des am 11. Inti 1897 verunglückten Leutnants zur See von Hahnke einen Kranz nieder.
— Das Urtheil des Kriegsgerichts gegen Oberleutnant Rüger ist vom Kaiser bestätigt worden. Das Gnadengesuch seiner Angehörigen ist damit erledigt. Der Bruder des Verstorbenen, Oberstabsarzt Dr. Rüger, ist von Mörchingen in das Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 72 versetzt.
— Zum Krosigkvrozeß erfährt die „Hartimg- sche Ztg.", daß die Nachricht der „Nationalztg.", wonach die Verhandlungen am 18. Juli zu Gumbinnen beginnen sollen, nicht z u t r e f s e n d ist. Am 18. Juli und den folgenden Tagen finden in Gumbinnen lediglich kommisfarische Vernehmungen statt. Der Tag der Hauptverhandlung ist noch nicht festgestellt.
„ Dttman," half Liese seinem Gedächtnisse nach.
„Richtig, Fräulein Cttmann, es war mir im Moment entfallen; Sie werden in einigen Tagen bestimmt von mir hören, ich schreibe Ihnen einige Adressen auf, habe sehr viel Bekannte, wo sie gut und billig wohnen können."
„Am liebsten nehme ich eine Privatwohnung wo ich zugleich Mittagstisch haben könnte. Ich lebe sehr zurückgezogen unb beabsichtige mich ganz der Kunst und meinem Kinde zu widmen. "
Der Direktor sprang auf, wie von einer Natter gebissen, aus seinem vorhin so freundlichen Gesicht war das Lächeln verschwunden, finster starrten feine Augen die erblassende junge Dame an.
Dann schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß es dröhnte: „Dachte ich es mir doch,, daß das alles nur Schein Heiligkeit ist," sagte er, sich sichtlich beherrschend mit ganz verändeler Stimme.
Liese wußte im Augenblick gar nicht, was das zu bedeuten hatte, sie war nahe daran, in Thränen auszusprechen.
Doch die Aufklärung ließ nicht lange auf sich Warten.
„Mein Fräulein," hob der Gestrenge wieder an, „ich muß Ihnen leider sagen, daß ich eine Künstlerin mit einem — Kir.de — nicht — engagiere."
Jetzt ging Liese ein Licht auf; das also War es, was ihn erzürnte. Mit den auffteigenben Thränen kämpfend, sagte sie mit vibrierender Stimme: „Herr Direktor, ich muß Ihnen sagen, daß mein wahrer Name nicht Cttmann, sondern Hagedorn ist; ferner, daß ich verhei- rathet war, aber nun Witwe bin." (Forts. f.)