tragshäfen Niutschwang und Talienwan gedient, da in diesem dichtbevölkerten Gebiete Handel und Industrie Europas und Amerikas auf weitere Erfolge rechnen könnte.
Deutschlands Interessen in Schantung werden von keiner Nation streitig gemacht. In Tsingtau, wo das 3. Seebataillon dauernd stationiert ist, ist alles ruhig und der durchaus deutsch-freundliche Mcekönig Juanschikai kann Wohl auch in Zukunft als Bürge für geordnete Zustände in den ganzen Territorium gelten. Das reiche Innere des Landes, das durch ausgedehnten Eisenbahnbau allmählich zugänglich gemacht wird, macht der Zukunft dieses deutschen Einflußgebietes äußerst günstige Aussichten. Die nach den Kohlenfeldern führende Bahnlinie hat bereits Kaumi, den Grenzort unseres eigentlichen Schutzgebietes, erreicht und eine Anzahl geübter deutscher Bergleute wird demnächst von der Regierung nach den Kohlengebieten entsandt werden, um den Abbau in Angriff zu nehmen.
Das unstreitig wichtigste Gebiet Chinas ist aber das Jandtse-Thal, dessen einzig dastehende Wafferstraße werthvoller ist als alle geplanten Bahnverbindungen mit dem Hinterlande. Auch äußerlich kennzeichnet sich die Bedeutung dieses Flußgebietes durch Belegung von Schanghei mit einer englischen, französischen und deutschen Besatzung. Die Engländer haben kürzlich die Gleichberechtigung Deutschlands am freien Handelsbetriebe in dieser Zone vertragsmäßig anerkannt. Als ein bedeutsames Zeichen muß hervorgehoben werden, daß im Gegensatz zu der vielfach in volkswirthschaftlichen Kreisen vorherrschenden Ansicht, nach welcher uns China in nächster Zeit nicht allzuviel zu bieten vermag, das deutsche Kapital, dem man eine sichere Witterung gewiß zutraut, mit unerwartetem Eifer sich für die Unternehmungen in China zu interessieren be- ginnnt. Die Hamburg-Amerika Linie verstärkt die bereis bestehende deutsche Schiffahrt auf den Jangtse durch Einrichtung regelmäßiger, in Gemeinschaft mit dem Norddeutschen Loyd zu unterhaltender Verbindungen und eröffnet einen aussichtsvollen Dampferverkehr zwischen der Westküste Amerikas und Ostasiens. Es scheint die Absicht zu bestehen, einen Theil des amerikanischen Exports nach China auf deutschen Schiffen zu befördern.
Ganz im Allgemeinen find die Beziehungen, die die gesammte Kulturwelt durch Verträge, Handelsniederlassungen und wirthschaftliche Verbindungen an China knüpft, schon so festgeschlungen, daß sie nicht mehr zerrissen werden können. China muß und wird in die Weltwirthschast eintreten, wobei aller
dings nicht daran zu denken ist,,daß mit einem Schlage oder überhaupt in nächster Zeit das ganze Reich den Ausländern zu freier Niederlassung, freiem Gewerbebetriebe und freiem Grunderwerb eröffnet werden kann. Gerechtigkeit und Klugheit verlangen, daß man durch Schaffung von Uebergangszuständen die bestehenden Verhältnisse möglichst schont. Die Weisheit europäischer Staatenlenker, die Umsicht, Geschicklichkeit und der Takt der entsandten Vertreter und die Ueberlegenheit der Bildung mit ihren moralischen Eroberungen muffen hier befruchtend und kultursördernd wirken. Gerade der deutsche Geist, der dem englischen in Ost- afien bereits ein übermächtiger Nebenbuhler geworden ist — man vergleiche z. B. die Liste der an der Universität in Tokio wirkenden Ge lehrten — steht hier vor einer würdigen Aufgabe. E. von Wald.
Umschau.
Die Nichtbestätigung Kaufmanns.
* Da es gegenwärtig wenig politischen Stoff giebt, wird die Nichtbestätigung der Wahl des Stadtraths Kaufmann zum zweiten Bürgermeister von Berlin zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht. Ohne das Bekanntwerden der Gründe abzuwarten, welche für die Nichtbestätigung maßgebend gewesen sind, redet man sich auf Grund von Vermuthungen in einen Eifer hinein, der wirklich einer anderen Sache würdig wäre. Antipathien gegen den „Militarismus" tauchen auf der Linken wieder einmal auf, ja man bemüht sich, einen Konflikt zwischen Krone und Ministerium zu konstruiren. Natürlich betheiligen sich daran auch Blätter, die den bekannten Kanal - Maßregelungen der Landräthe freudigst zugestimmt haben. Wir meinen, daß, wenn der Sturm in der Presse sich gelegt haben wird, die Stadtverordnrrcu- versammlung Berlins einen zweiten Bürgermeister wählen wird, welcher die Bestätigung der Aufsichtsbehörde erlangt. Auch als in Königsberg die Wahl des Dr. Dullo zum Stadtrath nicht bestätigt wurde, war der freisinnige Preßlärm gewaltig, nachher — wurde eine andere Persönlichkeit gewählt.
Aus den evangelischen Arbeiter- Vereinen.
Der Ausschuß des rheinisch - westfälischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine hat, wie wir meldeten, dem in Königssteele von den Vertretern von 70 Vereinen gefaßten Beschlüsse
nicht zu umschleiernde Thatsachen bew. ihre voraussichtlichen Ergebniffe rechtzeitig zu erkennen.
Diese Maßnahmen sind zum Schutz der internationalenJnteressen nöthig; mehr wird z. Z. kaum geschehen können, ohne erneute Unruhen zu schaffen und zu einem dauernden Kriegszustände zu führen. Den Schutz der eingeborenen Christen zu übernehmen, wird den Mächten, ohne permanent fliegende Kolonnen zu Expeditionszwecken zur Hand zu haben, unmöglich sein. Es würde dies auch zu weit führen und wäre bei den unzivilisierten und jedenfalls noch lange allen fremdenfeindlichen Strömungen zugänglichen Menschenmassen ein Unding. Auch muß jeder Ausländer, der jetzt das Innere des ungeheuren Reiches zu Handels- zwecken aufsucht, Vorsicht üben. Er kann nicht dieselbe Rechtssicherheit verlangen wie in seinem Vaterlande, und kein Privatmann darf darauf rechnen, daß seinetwillen ein unverhältnißmäßiger diplomatischer oder gar militärischer Apparat in Bewegung gesetzt wird, wenn er durch Unkenntnis der dortigen Verhältnisse in eine schlimme Lage geräth. Natürlich steht ihm der nachdrückliche Schutz der Vertreter seines Heimath- landes zu, der aber praktisch vielleicht erst Helsen kann, wenn es zu spät ist.
Ist bisher wesentlich von den Abwehrmaßregeln gegen zukünftige Eventualitäten die Rede gewesen, so wären nur die zu erstrebenden positiven Maßnahmen zu erörtern. In Wirklichkeit hat bereits jede der beteiligten Hauptmächte eine Haupt-Interessensphäre, deren Reich- thümer sie zu erschließen bemüht ist. Rußland hat die Hand auf die Mandschurei gelegt. Man protestierte damals, da ja eine Aufteilung Chinas vermieden werden sollte, aber niemand wagte der Politik des Zarenreiches in den Arm zu fallen, da erstens die Besetzung dieses Gebietes, die sich mit einer gewissen Schnelligkeit bereits vollzogen hatte, angeblich nur vorläufig geplant war, und zweitens — der Hauptgrund — weil die natürliche Lage desselben die Interessen keiner andern Macht berührte. Thatsächlich hat der südliche Theil der Mandschurei (Mukdeu) für China viel größere Bedeutung, als der nördliche, da er in geographischer, ethnographischer und politischer Beziehung eine Fortsetzung Nordchinas bildet. Die nur schwach, teilweise garnicht bevölkerte, fruchtbare, an Mineralien, Wild, Fischen, schiff- und flößbaren Flüssen reiche nördliche Mandschurei würde für Rußland ein vorzügliches Kolonisationsgebiet ab- geben. Auch den anderen Mächten ist durch Räumung der Provinz Mukden mit den Ver
ein Brief ihrer Tochter Olga, den diese offenbar ohne Wissen ihres Mannes geschrieben. Sie klagte darin ihrer Mutter, was doch das Leben in der großen Stadt für hohe Ansprüche stelle; man müsse repräsentieren, das alles aber koste viel Geld, man könne eben nicht zurückstehen.
Die Baronin merkte recht wohl, was ihre Tochter damit beabsichtigte, da dies unschwer zu errathen war. Zuweilen wanderten hübsche Summen an die Adresse der Frau Hauptmann. Jedesmal schrieb die Mutter dazu: „Wenn ich erst des Onkels Frau bin, sollst Du bekommen, so viel Du brauchst, aber bis dahin gedulde Dich, daß der Onkel nichts merkt."
Das dauerte aber der gnädigen Frau Tochter zu lange und sie begann einstweilen damit, kleine Schulden zu machen; die Mama würde ja, „wenn sie erst des Onkels Frau war, alles bezahlen.
Der Hauptmann wußte allerdings nichts von dem Treiben seiner Gattin, und diese hoffte immer, wenn sie bedachte, wie hoch ihre Schulden schon gestiegen seien, daß doch endlich der Tag kommen müsse, wo die Mutter alles bezahlen konnte.
Olga nahrü sich indeffen vor, wenn es gar nicht anders mehr ginge, sich direkt, ohne Erlaubnis der Mutter, an den reichen in ihren Augen recht geizigen Onkel zu wenden, der konnte auch eine größere Summe leicht entbehren, was machten ein paar tausend Mark aus, die spürte er ganz gewiß nicht.
So lebte die leichtfertige Frau in Saus und Braus dahin und mancher, der sie in ihren neuesten Pariser Toiletten bewunderte,
in denen sie im Theater und in den Konzerten an der Seite ihres Gatten erschien, dachte sich wohl nicht, daß die Gläubiger der schönen Frau immer wieder auf später vertröstet wurden.
X.
Liese war mit Lene und dem Kinde nach einer recht beschwerlichen Reise, sehr ermüdet zwar, aber wohlbehalten an ihrem neuen Bestimmungsorte angekommen. Dieser stellte sich auf den ersten Blick als eine eben nicht freundlich aussehende mittelgroße Stadt heraus, mit alkerthümlichen Häusern und einer hohen Mauer, die sich ringsherum zog.
Liese wußte nicht, war es die herbstliche Stimmung die überall sichtlich zutage trat, oder was sonst ihr Herz so bang schlagen machte, ihr war so weh zu Muthe, so ängstlich.
Schweigend schritten sie eine lange Pappelallee hindurch. Lene trug das Kind, das müde fein Köpfchen an ihre Schulter lehnte. Der Abend brach bereits herein, als sie endlich die Stadt, die ziemlich weit vom Bahnhof entfernt lag, erreichten. Man beschloß im ersten besten Gasthof zu übernachten, nur um möglichst bald zur Ruhe zu kommen.
Ein großes stattliches Haus, mit der stolzen Aufschrift „Hotel zum schwarzen Raben" schien ihnen geeignet für ihren Zweck. Eine Weile überlegten sie noch, ob es nicht doch gerathener wäre, einen einfacheren Gasthof aufzusnchen, da ihre vorhandenen Mittel nicht gerade hohe Ansprüche erlaubten. Allein der kalte Herbstwind blies eine so schaurige Melodie, daß Liese sich herzlich nach einem Obdach sehnte. Ein feiner
Regen strömte hernieder, die Gasflammen flackerten unruhig hin und her und beleuchteten trübe die schmutzige regennaffe Straße, sodaß die Reisenden froh waren, als ihnen der Kellner ein hübsch eingerichtetes großes Zimmer anwies.
Zwei Tage waren schon vergangen, ohne daß es Liese gelungen war, eine paffende Wohnung zu finden, so eifrig sie auch auf der Suche darnach gewesen war.
Am Morgen des dritten Tages beschloß sie, dem Direktor des Theaters ihren Besuch zu machen, vielleicht wußte dieser guten Rath.
Das Theater, ein altes, säst schwarz aussehendes Gebäude, war bald gefunden und man wies Liese aus ihr Befragen an eine Thür, die ein blankes Mesfingschild mit der Aufschrift: „Privat-Bureu der Direktion" trug.
Zögernd. klopfte die junge Frau an und fand sich gleich darauf einem, mit ausgesuchter Eleganz gekleideten älteren Herrn gegenüber. Das Haar war an den Schläfen leicht ergraut, er trug schneeweiße, glänzend gebügelte Wäsche, ein goldener Zwicker saß auf der etwas gebogenen Nase, am kleinen Finger funkelte ein Diamantenring.
Nachdem Liese sich vorgestellt, wies ihr der Direktor durch eine Handbewegung einen Sitz an, er selbst nahm ihr gegenüber Platz, indem er sie wohlwollend und so unausgesetzt betrachtete, daß Liese erröthend die Augen zu schlug,
Der Direktor, dem dies nicht entging, lächelte unmerklich fein.
(Fortfetzung folgt.)
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CnginabSoman von Irene v. Hellmuth.
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An einem regnerischen, kühlen Herbsttage langte er am Anhalter Bahnhof in Berlin an. Er ging sogleich nach dem Gepäckraum, .in der Hoffnung, Liesens Kisten noch vorzufinden und so die Besitzerin der Sachen treffen zu können, allein der Beamte erklärte, daß die Sachen bereits abgeholt worden wären.
„Gestern, also war sie noch hier," murmelte er, „und heute, wohin mag sie sich gewendet haben? Zu spät, also einen einzigen Tag zu spät gekommen."
Er stand da, im feuchten Herbstnebel und achtete nicht des geschäftigen Treibens der Großstadt. Er schalt sich innerlich einen Thoren, einen albernen thörichteu Menschen, daß er ihr nachgereist. Weshalb denn auch? Und wenn er sie fand, was bann? Wenn sie ihn doch nicht wollte, wozu all die Aufregungen? War es nicht das Beste, man überließ sie ihrem .Schicksale?
Tief niedergeschlagen trat der gequälte Mann die Heimreise an und die Baronin empfing ihn nrit ihrem freundlichsten Lächeln. Gott sei Dank, daß er allein kam, nun konnte noch alles gut werden. Nun hieß es aber, alle Hebel in Pewegung setzen, damit endlich der heiße Wunsch stch erfüllte und sie unumschränkte Herrin im Hause wurde.
Hauptmann von Krön, der Schwiegersohn der Baronin, zeigte eben die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens an, hinterher folgte
Die zukünftige Gestaltung der Dinge in China.
Die Mächte haben offiziell ihren Frieden mit dem himmlischen Reiche geschloffen, und wenn ihre gemeinsame Operation, deren Kritik niitjt im Rahmen dieses Aufsatzes liegt, den Erfolg gehabt hat, daß es nun der Arbeit der Diplomaten und dem gemeinsamen friedlichen Wettbewerb kultureller Kräfte allmählich gelingt, das Riefenreich in den Kreis der internationalen Aulturwelt zu ziehen, so hat sie reichen Segen gebracht. Aus alle Fälle stellt sich das Der- hölt niß der bet heiligten Staaten zu China nach dem Frieden wesentlich anders als vor und kurz nach der Ermordung des Gesandten -dar. Die ßhinesen sind unsere Schuldner, und wir sind durch Belassung einer internationalen Truppe ton etwa 12 500 Mann an strategisch wichtigen Punkten jederzeit in der Lage, berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen und Ausschreitungen, die unseren Interessen zuwiderlaufen, entgegenzutreten. Die Etappen und Verbindungslinien sind militärisch bewacht und die Küstenstädte stehen unter dem Einfluß einer beweglichen Flotte. Sollten ernstere Komplikationen eintreten, so würden die heranzuziehenden Verstärkungen aus den Mutterländern nicht erst festen Fuß zu fassen brauchen. Eine Wiederholung der Erstürmung der Taku-Forts und derTientsiner Kämpfe steht nicht mehr zu befürchten. Die internationalen Truppen werden sich auch gegen eine große Ueberzähl zu vertheidigkn wissen, und dies umsomehr, als sie Zeit haben, die ^taktischen Verhältnisse zu studieren und Befestigungsarbeiten auszuführen. Ganz abge- fehen aber von diesen Erwägungungen rein militärischer Natur werden die Mächte erkannt haben, daß nach China diplomatische und handelspestitische Kräfte gehören, welche die Bewohner des Landes kennen, alle Vorgänge ; gebührend zu beurteilen vermögen und die von der Eigenart des weltabgefchloffenen Landes gebieterisch geforderten Eigenschaften des Geistes und Charakters besitzen. Vielleicht hätten die beteiligten Kulturvölker große Mengen Blutes und Geldes erspart, wenn die Gesandten in Peking damals Fürsorge getroffen hätten, rechtzeitig und umfaffend von dem Inhalt der chinesischen Zeitungen unterrichtet zu werden. Zwar ist die Presse des himmlischen Reiches nicht frei, allein auch bei unreifen preßrecht- lichen Verhältniffen trägt eine regelmäßige Lektüre der Zeitungen eines Landes wesentlich dazu bei, die Regungen der Volkesseele und
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Freitag 12 Juli 1901.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- miü Feiertagen.
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
Vrvck and «erlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdrnckerf.
Marburg, Markt 21. — Telepbon 65
Jahrg. 36