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gerne
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Angst vor der Baronin.
Nein, nein, ich darf
(Fortsetzung folgt.)
Marburg
Freitag 5. Juli 1901.
igen Kreise zuzuwenden, so ist dies doch durchaus noch nicht ausreichend. Es ist noch sehr viel Gelegenheit geboten, zu Nutz und Frommen unserer oberhessischen Orte und Thäler in der Förderung des Fremdenverkehrs thätig zu sein. Solche Bestrebungen werden, wie die Erfahrung lehrt, reichlich belohnt. Am zweckmäßigsten geschieht dies durch Privatvereinigungen, sogenannte Verkehrsvereine, welche ja hier und da schon bestehen, aber bei weitem nicht in allen Orten, welche durch ihre Lage und Umgebung erfolgreiche Aussicht für den Fremdenverkehr bieten. An allen diesen Punkten, die verdienen die Aufmerksamkeit der auswärtigen Kreise, namentlich der Großstädter auf sich zu lenken, sollte ein Verkehrsverein vorhanden sein, vorzugsweise aber in solchen, deren Umgegend sich durch besondere landschaftliche Schönheit und herrliche Waldungen auszeichnet. Freilich stößt die Gründung und Einrichtung von Verkehrsvereinen vielfach auf Schwierigkeiten, auch besteht nicht überall Klarheit über eine zweckmäßige und ersprießliche, den besonderen Verhältnissen des einzelnen Ortes angepaßte Entfaltung ihrer Thätigkeit. Diesem Bedürf- niffe kommt neuerdings ein kleines Büchlein in angenehmer Weise entgegen, das vom Herausgeber der Woerl'schen Reisebücher verfaßt und auf das schon in der „Oberhessischen Zeitung" hingewiesen wurde.
Der Fremdenverkehr in Oberhessen.
V Man schreibt uns:
Schon seit einigen Jahren wird das schön gelegene Städtchen Rauschenberg im Kreise Kirchhain besonders während der Zeit der Sommerserien von einer Anzahl Sommerfrischler ausgesucht und es hat sich die Zah der Besucher bereits von Jahr zu Jahr etwas gesteigert. In diesem Jahre wird eine größere Anzahl Familien aus Frankfurt a. M. während der bevochehenden Sommerferien sich in Rauschenberg niedertassen, um durch einen mehrwöchentlichen Landaufenthalt in der ruhigen und schönen Umgebung dieses Städtchens sich zu erholen und neue Kräfte für die folgende Beruss- thäligkeit zu sammeln. Dieser Erfolg Rauschenbergs ist, neben der geeigneten Lage und Umgebung des genannten Städtchens mit dem schönen unmittelbar an das Städtchen anschließenden Walde wohl nicht zum geringsten Theil der Gründung eines die Hebung des Fremdenverkehrs erstrebenden Vereins in Rauschenberg zuzuschreiben. Welche wirthschaftlichen Vor- theile aus dem mehrwöchentlichen Aufenthalt zahlreicher Familien aus mittleren und großen Städten einem kleinen Landstädtchen und seinen Bewohnern erwachsen, braucht Wohl nicht weiter auseinandergesetzt zu werden. Es liegt ja auf der Hand, daß jede der die Sommerfrische aufsuchenden Familien einige hundert Mark in dem Städtchen verbraucht, was mehr oder weniger allen Einwohnern zu Gute kommt.
Hierbei mag zur Nacheiferung für andere geeignete Orte unseres schönen und ländlichen Oberhessens darauf hingewiesen werden, daß sich unsere Gegend, im Herzen Deutschlands gelegen, reich an Bergen und Wasser, durchzogen von schönen Flüssen, Bächen und Thälern mit fruchtbaren Gefilden, prächtigen Wäldern und schönen Wiesenauen, fern von allen großindustriellen Anlagen und Getrieben, ganz besonders für sommerliche Erholung und Erfrischung von Städtern und Großstädtern eignet. Unsere Gegend ist reich an Naturschönheiten, sie weist interessante Denkmäler, Schlösser und Burgen von historischer Bedeutung auf, was freilich bis jetzt der großen Welt und dem fommerlichen Fremdenverkehr noch wenig bekannt geworden ist, weil sie bisher fast ganz „im Verborgenen geblüht" haben. Sie rechtfertigen aber in vollem Maße und aus guten Gründen ein Eintreten in den Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Fremdenwelt und der während der Sommermonate an schönen, ruhigen Orten Erholung suchenden städtischen Bevölkerung.
Wenn auch bisher und besonders in den letzten Jahren in unserer engeren Heimath hier und da etwas geschehen ist, um einzelnen Orten und Punkten die Aufmerksamkeit der auswärt-
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Die vorzugsweise interessirten Orte und Kreise unseres Oberhesiens sollten es sich angelegen sein lasten, in der angeregten Frage mehr als bisher thätig zu sein, dieser Sache besondere Aufmerksamkeit zu widmen, Beobachtungen zu ' machen und Erfahrungen zu sammeln, jedenfalls aber mit der Gründung geeigneter Vereinigungen, wo solche noch nicht bestehen, vorzugehen. Der Erfolg wird sicher nicht ausbleiben. Gar mancher Ort in deutschen Landen verdankt der Pflege dieser Bestrebungen seinen Wohlstand. Die Voraussetzungen hierzu sind, was schöne Berge und Wälder, malerische Flußthäler, freundliche Städtchen und andere Naturschönheiten anlangt, auch in unserem Oberhessen ganz bestimmt vorhanden.
Gewiß haben auch weitere Reisen, entweder nach unseren nordischen Meeresküsten mit ihrer Körper und Geist ersrifchenden Seeluft, oder in südlicher Richtung nach den majestätischen Bergen der deutschen, österreichischen und schweizerischen Alpen u. s. w. ihre großen Reize. Dennoch wird ein großer Theil der wirklich einer Erholung bedürftigen städtischen Bevölkerung das Gewünschte auch in nicht zu weiter Ferne, in unserem schönen hessischen Berg- und Hügellande suchen und finden. Das Wort Uhlands
„Dem Lande bleib ich ferne, Wo die Orangen glühn. Erst kennt ich jenes gerne, Wo die Kartoffeln blühn" verdient und findet immer Beachtung.
Liese regte sich nicht.
Dies erbitterte die furchtbar aufgeregte Frau noch mehr. „Warum bist Du denn nicht schon ängst gegangen. Du Heuchlerin, weil Du ihn ür Dich haben wolltest, Du hättest dieses Haus verlasten müssen, für Dich ist kein Platz mehr hier gewesen. Du dachtest mich zu verdrängen, Du hast Dich verrechnet mein Täubchen, leicht soll Dir das wahrhastig nicht werden."
Die Baronin hatte mit gedämpfter Stimme gesprochen, daß niemand es hörte. Jetzt faßte ie aufs neue Liese am Arme: „Marsch, vorwärts!" —
Mit einem gewaltsamen Ruck befreite sich liefe von der Umspannung und eilte, so rasch ie konnte, tiefer in den Garten hinein.
Jetzt begann eine wilde Jagd, jedoch plötzlich ward es stiller. Liese verbarg sich hinter einem Fliederstrauch, ihr Verfolger rannte an ihr vorüber und verlor so die Spur. Wohl eine Viertelstunde noch hörte man das Knacken der Gebüsche, immer weiter und weiter entsernt, dann fiel die Thür ins Schloß und wurde von innen verriegelt.
Lautlos war Liese auf dem Platze zusammengesunken, halb ohnmächtig lag sie auf dem kühlen Boden und preßte die schmerzende Stirn in die Hände.
Wäre es nicht am besten, diesem Leben ein Ende zu machen?
(Nachdruck verboten.»
Die gt»erliefe.
(jrj4>etn: täglich außer an Werktagen nach Sonn- unü Feiertagen.
Sonntagsbeilage: JlluftrirteS Sonntagsblatt. öe
X>na und «erlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker»-. xZayrg. OO Marburg, Markt 21. — Telepbon S5
Spt Ä Ä @ ffe t0nteÄ d°s Gurgeln heißen Stirn und ein Gefühl unsäglichen Friedens dn« S £ unermüdlichem Spiel an überkam die gequälte Frau. Sie sah ein kleines
das Ufer schlugen. Dort in jener Tiefe da war nettes Häuschen, das Lene als Erbschaft ihrer Eltern zugesallen war. Als Kind hatte sie mJ" „ t langsam vom manchmal mit Lene deren trautes Heimath-
; (■ r n<maU Lrl^ Gesicht war so bleich wie der Oertchen besuchen dürfen, die Alte konnte sich ah^ Mondschein, der die wankende Gestalt be- nie entschließen, das kleine Befitzthum, das nur c~r « °us dem einstöckigen Häuschen und einem Acker
tLb z"'- r bestand, zu verkaufen, es war immer an ehr-
■r/ ' scharr es zu rufen, „hier liche Leute verpachtet gewesen und jetzt bewirth-
ist es kühl bei uns komm." . schäftete es Lene selbst
schluchzend sank sie am Ufer nieder. In • Xnrtf-iw
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„Ja, warum ging ich nicht? —--— I Draußen winkte die Freiheit, die goldene
Gleich — — — heute noch — — auf der Freiheit. Ihre Augen leuchteten in froher Hoff- Stelle." nung, ihr war so wohl zu Muthe, mit einem
Wieder weinte Liese leise vor sich hin und ^ole schwand alle Angst dahin.
versank in düsteres Brüten. — Da tauchte vor I Eilig raffte sie sich auf, aber die verriegelte ihren Augen ein altbekanntes, treues gutes Ge- I Hausthüre bot ein neues Hinderniß.
H aUf' f0?a6 sie meinte es greifen zu können. Sinnend stand Liefe eine Weile Die junge Frau sah tm Geiste bte freundlichen I , 1 '
Augen aus sich gerichtet, sie schienen ihr zu .. .*"cr arme Onkel, tote würde er sich darein winken. „Lene, meine gute Vene!" schrie fie I ««ben' toe?tn worgen nicht mehr da war? auf, „ich komme. Ja bei Dir ist es gut sein." ^er 9infl doch nicht anders, hier war ihr
Und eine unbezwingliche Sehnsucht nach der I ^oen in Gefahr, sie fühlte-wieder die alte treuen Hüterin ihrer Kindheit erfaßte mit einem ™9’* vor der Baronin. „Nein, nein, ich darf Haie ihr Herz, sie fühlte, wie fo oft, wenn sie | nit$* rcßn^en- fort, nur fort!" krank gewesen, die kühlen Hände auf ihrer
. D-r südaftikanijchc Krieg. I S":.;
Zur allgemeinen Lage. I gefangen . . . haben sich freiwillig ergeben", —
Die Buren sind in einer merkwürdigen Lage. scheinbar der Vordruck, der nur äus-
Selbst wenn ihre Kommandos kaum qusreichen UnLmitJen Zahlen über die erbeuteten
den kleinen Krieg mit einiger Lebhaftigkeit im Gewehre, Munitionen, Kapkancen und . Lebens- Gange zu halten, so sind sie doch, politisch und *’er[e^en $u werden braucht. „Doch wie militärisch, durch den Widerstand, den sie bei- 2* demgegenüber mit unserem eigenen nahe 2 Jahre lang opferwillig leisteten, Herren beklommen der weniger kurz-
der Lage am Kap geworden und sie werden es I Mck der Antwort
bleiben, wenn sie im Stande sind, den Kriegs-1 ®r sich bis aus Monats- oder Zweimonats- zustand noch einige Zeit hindurch in die Länge vertrösten, wo man ihm die Zeche in§ge=- 3» ziehen. Die Briten haben ihnen diesen Er- vorlegt. m , , ...
folg durch die Art, mit der sieden Angehörigen Was Kenner der Verhältnisse von Anfang der südafrikanischen Republiken jede Lust be- «n datz es nämlich bei einem etwaigen
nahmen, sich unter englische Flagge zu begeben Guerillakriege auf weiter nichts als ein Schlachten sehr erleichtert. Solange der Friede nicht mit tm ®l,?ne be§ Wortes hmauslaufen wird, ist einer von der Bevölkerung sanktionirten Buren- nur oDä“ wörtlich eingetroffen. Wir lesen heute Regierung geschlossen ist, steht es den Bewohnern nut\ n°7 tIeinfen- unbedeutenden Ueber- trotz aller Annektirungsdekrete — ebenso wie vaschuugsgefechten, Handgemengen und Beuteheute — frei, den Briten mit Waffen entgegen- 3x9en;. Mi alledem kann man sich füglich nur zutreten. Ebenso lauge aber ist — der ausge- ? . r "bie Sorglosigkeit wundern, mit der man dehnten Bahnlinien u. f. w. wegen — England vritifcherseits sich inmitten der unsichersten Ge- auch genöthigt eine Macht von mindestens fechtscentren und das nachdem erst Tags zuvor 150 000 Mann am Kap festzulegen, um seine I ein. M daselbst abgespielt, dem Ver- Existenz zu sichern und wenigstens einigermaßen hingiebt. Em „Reuter"-Telegramm aus
die Zügel der Regierung in der Hand zu be- Klerksdorp weiß davon folgende erbauliche Gehalten. I fchichte zu erzählen: Am 17. Juni erschien in
Wie lange Großbritanien — bei seinen »er unmittelbaren Nähe ein kleineres Buren- vielen Kolonien und dem sonstigen Zündstoffe und trieb einiges Schlachtvieh fort,
der in der Luft liegt — das noch autzhalten cx *™noneß eröffneten Feuer, wobei ein Mann kann, muß es selbst am besten beurtheileu ^el- Tags darauf wurde auf Officiere, die dem können. Von der englischen Politik hängt es "-stows.Spiel oblagen, von den Buren gefeuert, daber allein ab, wieviel der so wenig aussichts- I « e - < eJe ^°Sen l^ch zurück und eine heftige voöen Opfer es noch freiwillig der vermeint- I "an<fr?abf begann.
lichen Suprematie in Südafrika zu bringen Abgesehen von dem grandiosen Kanonenbereit ist. Wir sehen wenigstens vorläufig kein ie£_. ■ r.urnb dem Umstande, daß die Herren faßbares Ziel, das England unter den jetzigen P^teie 'IC^ l." Kriegszeiten die Langeweile Verhältnissen erreichen kann. °amit zu vertreiben suchen, daß sie sich sport-
m , lichen Genüssen hiugeben, ist die Fassung der
x Kriegsschauplatz. Depesche aber so seltsam, daß man sie füglich
Gleich den in rascher Aufeinanderfolge sich I für einen schlechten Spaß halten könnte.
jagenden Bildern eines Kinematographen ziehen Wie wenig zutreffend die Nachrichten waren, auch die aus Südafrika nach hier gelangenden I wonach Kitchener keiner Verstärkungen wehr Nachrichten an dem geistigen Auge vorüber, bedürfe, zeigt ein Befehl des englischen Kriegs- Gestern waren es frohe Botschaften, die die ministers, die Reservefchwadron der Royal- Einstellung der Feindseligkeiten auf dem Veldt Dragoons und der 2. Lanciers nach Südafrika Südafrikas verkündeten, heute ist es wieder der einzuschiffen. Sämmtliche Reservisten, welche unerbittliche Würgeengel, der uns gezückten I seit 3 Jahren keinen Dienst mehr gethan haben Schwertes tm Bilde erscheint. Es ist ein und mindestens noch 3 Jahre im Reservever- buntes, schier nicht endenwollendes Jagen und hältniß stehen, erhielten den Befehl, an den Hasten übereifriger, phantasievoller Reporter, I diesjährigen Schießübungen Theil zu nehmen, denen Mittel und Weg zum Stillen der Auch sie werden den Krieg nicht beendigen Senfationsgelüste ihres Lesepublikums wenig ---- *
ober keine Gewissensbisse verursachen. Recht ~ m
eintönig gegenüber dem Farbenspiel der Presse I *'CHl|u)CT Rktty
nehmen sich dagegen die in regelmäßiger Reihen- Btttt«, 4. Juli
jolgc einlaufenden offiziellen Berichte des briti- — Gegenüber einer in deutschen Blättern abge- scheu Oberbefehlshabers in Südafrika aus. Mit I druckten Meldung des „Temps" worin mit Tenug- beinahe mechanischer Einförmigkeit sehen wir I wuung behauptet wird, der König von Italien d-rm di- verschiedenen Rubri^n sich wieder- L1ZU!. Mgftch'ftelsi
Original-Roman von Irene v. Hellmuth. lFvrtfetzang.)
Liese war unfähig, noch ein Wort hervorzubringen, die Kehle schien ihr wie zugefchnürt, «e Augen ihrer Peinigerin traten fast aus den Höhlen.
Dann fuhr fie hohnlachend fort : „Das könnte Dir wohl passen, Dich in dem warmen Nestchen festzusetzen und die unumschränkte Herrin zu kielen ? Mir und meiner Tochter die fette Erbschaft wegzuschnappen, Du — Du — Erbschleicherin, Du Kokette. Aber ehe ich dies zu- ■ 8sbk, eher erwürge ich Dich mit diesen meinen : eigenen Händen, ober werfe Dich in jenes Wasser t*>rt — noch giebt es genug Mittel, Eure Verbindung zu verhindern."
Tie Baronin hielt athemlos inne. Liese Meinte leise vor sich hin.
„Ich werde schon aufpassen, und wenn der kirrende Liebhaber noch einmal toieberfommt, ?ach seinem Täubchen zu sehen, dann gnade I chm^Eott."
F , Furchtbar war es anzusehen, wie die Baronin foit wilder, drohender Gebärde die Fäuste schüttelte
1 wollte sie das zarte Geschöpf an ihrer ! ^eite zermalmen.
| _ ., Was thust Du eigentlich noch hier, marfch. 1 *r-ein ins Haus, ich will es!" rief sie drohend.