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Nur wenige Tage
eines gutunterrichteten und schnell und zu
verlässig insormirenden Provinzialblattes
Wir bitten unsere Freunde um ihre
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fassungswidrigkeit, damit ohne Zustimmung des
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Unterstützung bei diesem Bestreben. Vorschläge zur Ausgestaltung unseres Blattes werden stets, wenn irgend möglich, Berücksichtigung finden. Ebenso sind uns Anerbietungen von Mitarbeitern stets angenehm.
Redaktion und Verlag der .Oberhessischen Zeitung".
Nicht weniger als 30 Millionen aber wurden in ein internationales Industrieunternehmen, die Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Cassel hineingesteckt. Ein geringer Rückschlag genügte, um die Bank in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen,, die Berliner Großfinanz, die längst neidisch auf das Exner'sche Unternehmen geblickt hatte, versagte ihre Hilfe und so brach die Katastrophe ein, die wohl weitere Bankkrachs, wohl auch Zusammenbrechen industrieller Firmen nach sich ziehen wird, zumal die Lage der Leipziger Bank derartig ist,- daß der Aufsichtsrath beschlossen hat, die Konkurseröffnung über die Bank zu beantragen.
eben dadurch erledigt, daß die Schuldigen einige Tage Arrest erhalten. Don diplomatischen Verwickelungen ist deshalb keine Rede. Solche Verwickelungen könnten nur dann entstehen, wenn sich die fremden Mächte durch die Hetzereien der deutschen Sozialdemokratie zum Mißtrauen gegen die Friedlichkeit der deutschen Absichten verleiten ließen.
-zählt noch das jetzige Quartal. Wir machen daher (unsere verehrlichen Postabonnenten darauf aufmerk, fam, daß die Bestellung auf die ,O b e r h e s s i s ch c
-punkte der Handelsinteressen uns nicht wünschens- swerth sei, zweitens weil sie in internationaler Beziehung den Keim gefährlicher Konflikte in sich trage.
[ Von einer Verfassungswidrigkeit kann nicht im mindesten die Rede sein. Wenn vom gegeu- wärtlgen Augenblick bis zur Wiedereröffnung des Reichstages Truppen in Schanghai stationirt Melden, so ist die Regierung dazu vollkommen berechtigt, denn der Reichstag hat der Verwendung der Truppen in Ostasien nachträglich
Marburg
Freitag, 28 Juni 1901,
Zuweilen kam es aber auch vor, daß die Baronin selbst dem Baron die Zeitung vorlas oder ihn bediente, wobei derselbe jedesmal ein Gesicht machte, als ob er Essig geschluckt hätte.
Wenn er Liese rief: „Bitte Kind, komm doch, bringe den Kaffee herein," so geschah es nicht selten, daß die Baronin die junge Frau noch vor der Thür einholte, dieser das Kaffeegeschirr abnahm und es selbst zu dem Baron hineintrug. Fragte dieser dann: „Warum kommt denn Liese nicht?" so hieß es jedesmal: „Liese läßt sich entschuldigen, sie ist nicht ganz wohl."
Die Züge des Barons verfinsterten sich dann auffallend und in seiner Frage klang immer ein Ton zärtlicher Besorgnis mit, wenn er erwidert: „Doch nichts Schlimmes, Agathe? Liese ist in letzter Zeit aber auffallend oft unwohl, sie wird doch nicht krank werden."
Die Baronin beobachtete ihren Schwager scharf und es konnte ihr nicht entgehen, wie seine Augen immer wieder nach der Thüre blickten, als ob er jemand erwarte, deutlich drückte sich ein Zug der Enttäuschung darin aus, wenn er mit seiner Schwägerin allein blieb. Aber ein desto hellerer Strahl der Freude flog über fein Gesicht, wenn Liese uner- wariet eintrat.
Dies alles ängstigte die Baronin und sie war eifrig bedacht, em Mittel zu ersinnen, d.esem Zustande em Ende zu machen, aber wie nur, wie ?
(Fortsetzung folgt.)
Auf schwarz verhangenem Katafalk ruhte die leblose Hülle, umgeben von brennenden Kerzen, von allem möglichen Luxus, den der Reichthum zu ersinnen vermag. Onkel Rudolf selbst hielt Wache bei dem geliebten Toten, der ihm so viel gewesen war und den er geliebt wie sein eigenes Kind.
Am Tage der Beerdigung war Liese wieder aufgestanden, sie wankte wie ein Schatten umher. Eine stattliche Anzahl Leidtragender hatte sich im Hause versammelt, jeder drückte seine mehr ober minder tiefgefühlte Teilnahme in einem Schwall von Worten aus, jeder brachte Kränze und Blumen als letzte Liebesgabe, sodaß sich zuletzt ein ganzer Berg dieser duftenden Frühlingskinder auftürmte.
Nach der Beerdigung rüstete auch Olga sich wieder zum Aufbruch, und allmählich wurde es still im Hause, wie es gewöhnlich nach solchen traurigen Feierlichkeiten zu sein pflegt. Nachdem auch die letzten Theilnehmer sich entfernt hatten, faßen die Zurückgebliebenen stumm beisammen, in schweigender Unthätigkeit. Die fühlten die drückende Stille nach dem aufregenden Stimmengeschwirr, das heute hier geherrscht hatte, doppelt schwer.
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Monat um Monat war vergangen. Und wie der Frühling sich in den Herbst verwandelt hatte, der Herbst in den Winter, und dieser wiederum in den Frühling, unbemerkbar fast, so war auch Liefens anfänglicher, unnennbarer Schmerz in eine stille, sanfte Trauer übergegangen.
Wehmüthig gedachte sie des entschwundenen Glückes, und suchte Trost bei ihrem geliebten
Der „Vorwärts" sagt, die Garnisonirung deutscher Soldaten in Schanghai möge vielleicht in die Pläne des Ballin paffen. Nun, deutsche Kaiser hat soeben Herrn Ballin einen Bahnbrecher des deutschen Handels feiert. Wir meinen die Fortentwicklung deutschen Handels kommt doch wohl auch deutschen Arbeiterschaft zu Gute. Würde „Vorwärts" in Wahrheit die Interessen Arbeiterschaft vertreten, so könnte er die Pläne zum Schutze des deutschen Handels in überseeischen Ländern nur unterstützen. Ihm liegt aber nicht sowohl daran, die Wohlfahrt des deutschen Arbeiters zu fördern, als vielmehr, ihn unter allen Umständen gegen die Regierung aufzuhetzen.
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Vom Kriegsschauplatz.
Wie aus Capftadt berichtet wird, wurde am Sonnabend eine Abtheilung Buren mit einer Patrouille der Kap-Polizei und der berittenen Schutztruppe zehn Meilen westlich von Barkly East handgemein. Die Patrouille verlor einen Todten und neun Gefangene. Zwei Mann werden vermißt. Eine kleine Buren-Abtheilung suchte wieber Jamestown auf und nahm soviel Beute, wie sie sortschaffen konnte. Sie erließ auch eine Kundgebung, daß Jamestown vorläufig die Hauptstadt des Oranje- sreiftaats fei.
Alls Kakamas sind in Kennhardt den Engländern ergebene Farmer eingetroffen und berichten, daß nach dem Gefecht m der Nähe Naroegas, das zwischen den Grenzfchützen und dem Kommandanten Couroy vvrfiel, die Buren sich nach Kakamas zurückgezogen Hütten und den Oranjefluß in größter Unordnung überschritten. Conroy habe sich mit dem Kaprebelleu Namens Dleckers aus Brandolei aus deutsches Gebiet begeben, um mit den deutschen Behörden zu verhandeln. Die Deutschen hätten es aber au- gelehnt, bewaffnete Buren aufzunehmen. Schließlich seien 38 Familien nach Deutsch- Südwefi- Afrika gezogen, wo die deutschen Behörden Frauen und Kinder in einem Lager in der Nähe von Schmidtdrift unterbringen und die Männer interniren ließen.
Zwei englische Truppe nabt Heilung en machten, gemeinsam vorgehend, einen Beutezug durch das Gebiet zwischen Harn- smith und Bethlehem und erbeuteten 43 Wagen und Karren, 182140 Pfund Fourage, 598900 Pfund Korn und Mehl, sowie eine Menge landwirthschaftlicher Geräthe und Munitioil auf dem Wege nach Bethlehem, außerdem 37
feine Genehmigung ertheilt und von her Regierung ist zubestimmen, wann sie den Zeitpunkt der Zurückziehung der Truppen für gegeben erachtet. Daß sie dabei nicht dolos verfährt, ergiebt sich schon daraus, daß mit der Rücksendung der Mannschaften bereits begonnen worden ist, und daß binnen wenigen Monaten der weitaus größte Theil des Expeditionskorp den heimischen Boden wieder betreten haben wird. Man ersieht daraus, daß die Heeresverwaltung die Mannschaften nicht zum Vergnügen in Ostasien belassen will und daß sie, wenn sie einstweilen etwa 1000 Mann in Schanghai ftotioniren will, dafür triftige Gründe haben wird. Thatfächlich melden auch alle Kenner der Verhältnisie, daß trotz des Friedensab- schlusses die Situation in China noch immer gefahrdrohend ist, gefährlicher vielleicht sogar, als im vergangenen Jahre.
Beabsichtigt aber die Regierung, dauernd eine Besatzung in Schanghai aufrecht zu erhalten, so wird sie zweifellos schon in der nächsten Reichstagstagung mit einer entsprechenden Forderung an den Reichstag heran- treten. Und eben so zweifellos ist es; daß der Reichstag alsdann dieser Forderung zustimmen wird. In Petfchili werden in nicht zu ferner Zeit nur noch ganz geringe Mannschaften der einzelnen Mächte vorhanden fein; die in Kiautschou stationirten Truppen herauszuziehen, hat etwas sehe Mißliches, weshalb denn auch im vorigen Jahre diese Truppen so bald als möglich nach Kiautschou zurückkehrten. Nun ist Schanghai ausgezeichnet zentral gelegen, gleich weit entfernt von Petfchili und den Südprovinzen und zugleich auch der Schlüssel für den oberen Jangtse, wo die deutschen Handelsinteressen heute schon stärker geworden sind als die englischen. Daß ein ständiger Schutz der so großen deutschen Handelsinteressen gerade in dieser Gegend durch zwei Bataillone deutscher Soldaten für diese Interessen nachtheilig fein könnte, dies zu endecken, blieb dem „Vorwärts" Vorbehalten, aber es dürste ihm kaum gelingen, den Beweis dafür zu führen.
Auch die Besorguiß vor internationalen Verwickelungen vermögen wir nicht zu theilen. Gewiß wird gelegentlich einmal eine Prügelei zwischen deutschen und französischen oder japanischen und englischen Soldaten vorkommen, wie sie ja auch in deutschen Garnisonen gelegentlich zwischen verschiedenen Regimentern vorkommen, blos weil, wie Fürst Bismarck sich einmal treffend und drastisch ausdrückte, die Einen schwarzes Lederzeug tragen und die Anderen weißes. Aber derartige Prügeleien werden
„Ach Onkel,, wenn ich hier sterben könnte, wo mein Alles eben hingeschieden ist. Laß mich hier liegen, lieber einziger Onkel, vielleicht erbarmt der Tod sich meiner Oual und bereinigt mich mit dem, der meines Lebens Sonne war."
„Du mußt leben, Lieschen: sieh, Du mußt leben um Deines Kindes Willen."
Sie rührte sich nicht.
Onkel Rudolf beugte sich nieder und hob die leichte Gestalt vom Boden auf.
Willenlos ließ sie sich jetzt ins Haus fuhren, das Gesicht war totenbleich und mehreremale fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn, als müßte sie einen schweren Traum verscheuchen.
Droben übergab Baron Rudolf die wankende Gestalt einer der lautschluchzenden Dienerinnen, mir der strengen Weisung, die arme Frau sofort zu Bett zu bringen.
Liefe widerstrebte nicht. Bleich und müde wie ein Kind lag sie in dem weißen Kiffen und starrte thränenlos zur Decke empor. Man konnte im Zweifel sein, ob sie wußte, was um sie her vorging.
Das Kindermädchen kam später mit dem Kleinen herein, Liese merkte es nicht. Hin und wieder flog ein Schüttelfrost durch ihre Glieder, sie siebe te stark.
(Nachdruck verboten.!
Die Fenerlitse.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
tForrsetzung.)
Ersehe uu täglich auger au Werktagen nach Sonn- uno Feiertagen.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. on
und Verlag.- Joh. Aug. Koch, Universitüts-Buchdruckere. "v.
Marburg, Markt 21. — Telepbon 55
Nr. 4, :aße). <5om*ott
d »Reichstags vorzugehen, fei sogar noch weit »schlimmer als die im vergangenen Jahre ohne reines! Zustimmung der Volksvertretung erfolgte Ent- s Ans-i fendung des ostasiatischen Expeditionskorps, Sant^demi damals hätte man sich noch auf eine Noth- cx läge berufen können. Die Garnisonirung deutscher Truppen in Schanghai aber sei nicht nur verfassungswidrig, sondern auch unzweckmäßig, einmal, weil sie gerade vorn Stand-
Z e i t u n 6* erneuert werden mutz, wenn in dem UNd Bezug der gewohnten Lektüre keine Unterbrechung eintreten soll.
Auch im neuen Vierteljahr wird die „Ober-
>{irdg Hessische Zeitung' bestrebt sein, ihren Inhalt mel)t und mehr zu bereichern und sich ihren Rus als
zu wahren.
Umschau.
Ein neuer Sanffrad).
-a- Als vor Jahresfrist fonservative und agrarische Preßorgane das Publifurn vor allzugroßer Vertrauensseligkeit den großen Banken gegenüber: warnten, als man daraus hinwies, daß aus die zu große Anspannung der wirthschaftlichen Kräfte, auf den treibhausartig in die Höhe geschossenen wirthschaftlichen Auf- schwung der unausbleibliche Rückschlag eintreten müsse, spottete man über die „argrarische Kassen- brastimmen", sprach man von wirthschaftlicher Rückständigkeit, Mangel an Unternehmungsgeist, Pfahlbürgerthum und bergt. Wie berechtigt aber jene Warnrufe waren, hat die unabänderliche Logik der Thatsachen bewiesen. Die Bankbrüche häufen sich neuerdings in unheimlicher Weife und wenn das Publikum bisher immer noch sozusagen mit einem blauen Auge bavon- gefommmen ist, so ist das den wolitthätigen Wirkungen des Börsengesetzes zuzuschreiben, bas dem Raubzug der Börse durch die Spartöpfe der kleinen Leute einen gewissen Dam m entgegensetzt.
Der neueste Bankkrach, der Zusammenbruch der Leipziger Bank ist im wesentlichen auf bie Spekulation aus den vermeintlich schrankenlosen Aufschwung unserer Industrie zurück- zuführen. Das Kapital der Bank ist unter der Leitung des neuen Direktors Heinrich Exner stoßweise auf 48 Millionen Mark erhöht worden. Kinde, als dem einzigen, was ihr noch geblieben war. Zwar dachte sie öfters daran, das Haus, in welchem sie Glück und Leid in so reichem Maße erfahren hatte, wieder zu verlassen. Zumal da die Baronin von neuem anfing, die junge Frau zu quälen mit allerlei Kleinigkeiten, die aber manchmal unerträglich werden konnten. Es ärgerte die Frau Baronin unbeschreiblich, ihrem Ziele, hier im Hause die gebietende Herrin zu werden, noch um keinen Schritt näher gekommen zu sein.
Aber nur einmal hatte Liese einen derartigen Gedanken, wieder zur Bühne zurückkehren zu wollen, vor dem Onkel laut werden taffen.
Ta war dieser zuerst furchtbar blaß geworden und dann waren ihm die Thränen in die Augen getreten. Dies hatte Liese mit tiefer Rührung erfüllt, und seitdem wagte sie nicht mehr, davon zu sprechen, aus Furcht dem guten Onkel wehe zu thun, obwohl Liese sich viel lieber draußen in der Welt ihr Brot verdient hätte, als hier so entsetzlich gequält zu werden, wie dies in letzter Zeit geschah.
Jeder ihrer Schritte wurde bewacht und die Baronin behandelte sie wie eine Gefangene.
Nach Oskars Tode hatte Baron Rudolf einen tüchtigen Geschäftsführer engagiert und sich wehr und mehr von den Geschäften zurückgezogen, er hielt sich viel zu Hause auf. Da hatte er e§ gern, wenn Liese mit ihm im Garten spazieren ging, ihm die Zeitung vorlaS, den Kaffee einschenkte, kurz, ihn bediente. Jedesmal, wenn er irgend einen kleinen Dienst verlangte, was Liese natürlich mit Freuden that, flog ein haßerfüllter Blick aus den Augen der Baronin zu der jungen Schwiegettochter hin.
Untcrbeffen hatten helfende Hände den Tobten ins Haus geschafft unb ihn in einem zu ebener (31>S besinblichen Zimmer niebergelegt.
Die Sozialdemokratie und die Wellpolitik.
v/ Die Bemühungen ber englischen Presse, Deutschland« wegen ber Belassung einer Garnison in Schanghai zu verbächttgen, sinb bereits ge- fbührend getoürbigt worben. Nun ersteht ber englischen Hetzpresse ein schätzenswerther Bundesgenosse in der deutschen Sozialdemokratie. Der „Vorivärts" erklärt es für eine Versassungs- wibriakeit sonbergleichen, eine bauernbe Besatzung in Schanghai einzurichten. Die Ver-
Bierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., "Wl iJÜ bei allen Postämtern 2,28Mk. (excl. Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg.
Reklamen: die Zeile 25 Psg.
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