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Sonntag, 16 Juni 1901

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36 Jahrg.

--- Kismarck. Wie einst, als im Sachsenwalde die

'S cburg zr ug vor tellungz n.

Den Manen Bismarck.

** Nicht nur für die Reichshauptstalt,

andern für das ganze deutsche Volk ist der

-^Hgorgige Sonntag ein Tag dankbaren Gedenkens te. kn den ersten deutschen Reichskanzler, an unfern

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bewiesen, von denen es, ohne sich selbst auf­bugeben, nimmer weichen kann und darf.

I Darum trete auch morgen im Geiste ein- Hnüthig das deutsche Volk an die Ruhestätte «s großen Tobten und zolle ihm den Dank, er ihm im Leben so oft versagt worden ist.

xodtenklage rauschte, verstummt der Streit des Tages, schweigt wenigstens auf Stunden der haß, der dem gewaltigen Recken über das Grab hinaus entgegengebracht worden ist und dem iu§ dem Wege zu gehen er der letzte gewesen

nHfeäte. Aber auch derjenige, der ihn im Leben Qj Mekämpft hat, wird ihm das Zeugniß nicht ber­gigen können, daß er unferm Volke neue Wege

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ti dem unser aller Gefühl harmonisch aus- ingen kann, in dem wir uns alle verstehen d der doch auch dem Geschiedenen wenigstens igermaßen gerecht wird?

Wir wüßten keinen anderen als das Zeugniß: ü r ft Bismarck hat unserem deutschen Volke jeder den Glauben an sich selbst ge- eben. Er hat es gethan durch sein Wirken, ie durch seine Persönlicheit. Kein Gegner, d wäre er noch so erfüllt von Kampftsleiden- aft, kann es leugnen: durch Festigkeit und larheit des Wollens, durch Kraft und Ge- llossenheit seines ganzen Wesens ragte Fürst srnarck weit empor über seine Zeitgenosten, llte in thörichter Verblendung ein Deutscher 6 leugnen, der Neid der anderen Völker würde ihn lehren; Fürst Bismarck war groß nicht tut durch seine Erfolge, sondern vor allem

ch seine fest in sich selbst ruhende, im Wollen ie im Können gleich gewaltige Persönlichkeit.

d daß er das war, das darf unsere Brust it freudigem Stolze erfüllen, das läßt uns cher in die nicht wolkenlose Zukunft blicken, bewegt unsere Herzen zu innigem Danke fegen den stummen Schläfer, der da von heißer beit ausruht in seiner Kammer. Denn wir iffen: ein Volk, das einen solchen Mann er-

en sah aus seiner Miite, einen Mann, bei wuchtige Krast sich gesellte zu kühnem schluste, und starkes Wollen zu klarem Er- nnen, das ist ^nicht verloren, ob es auch

(Nachdruck verboten.)

Die Fi verliess

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

»Ich bitte Dich, Rudolf, ließ und dann the, was zu thun ist."

Dieser suchte zuerst nach der Unterschrift.

Anonym," meinte er verächtlich,auf solche ische lege ich gewöhnlich gar keinen Werth,

gathe."

So lies doch nur!"

Er begann mit halblauter Stimme: Hochverehrte, gnädige Frau!

alt ere sicht. l Mk.

e In welchem Gedanken aber sollen sich alle ile statt Nieder unseres Volkes einigen? Wo sollen «419 DiT aus der Flut von Gedanken, die sich uns

de in diesem Tage aufdringen, dem einen hernehmen

k-l rei blich en Aufregung.

,Wie ist nur so etwas zu denken, Rudolf, cher 2' ie kann Oskar sich soweit vergessen, mit eser dieser Theaterprinzesfin ein Liebesver- Htni§ anzufangen, es ist nicht möglich, nicht Möglich!"

Nicht länger glaube ich schweigen zu bütfen, Sie, wie es scheint, vollständig in Unwissen- eit darüber sind, daß Ihr Sohn ein zärtliches iebesverhältnis mit der Schauspielerin Liese ttmann, die Ihnen unter dem NamenFeuer- rse" bekannt fein dürste, unterhält. Cs ist ifif-balti es nicht eine gewöhnliche Tändelei, sondern r« Pr n sehr ernstliches Verhältnis, indem jenes anschen sich sür die verlobte Braut Ihres '54f errn Sohnes hält und sicher darauf rechnet, Mar im ihm geheirathet zu werden. Jedenfalls ist -- i sehr an der Zeit, ein Machtwort zu sprechen " nb ber Sache ein Enbe zn machen."

|"4- Die Baronin befanb sich in einer unbe-

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bedroht ist, und nicht verkommen, ob auch einzelne Glieder kranken. Das hat noch Lebens­kraft die Fülle, wo ein solcher Gewaltiger emporsteigen kann, und selbst der Widerstand, den er findet, zeugt davon, wie lebendige Kräfte in dem Körper eines solchen Volkes sich regen. Es ist eine seltsame Wechselwirkung zwischen solcher Heldengestalt und feinem Volke: wie er selbst mächtig und tief einschneidend auf sein Volk einnurft, so empfängt er auch wiederum fortwährend Einwirkungen von feinem Volke; denn nimmermehr wird er allein aus sich felbft heraus das, was er wird, sondern zu einem Theile auch durch das, was ihm sein Volk bietet in seinen geistigen und sittlichen Schätzen. Und darum darf auch ein Volk stolz sein auf seine Großen, an denen es seinen Antheil hat, und in ihnen die Bürgschaft erblicken sür fernere Blüthe.

Wie war die Zeit so matt, unser Volk so schlaff, ehe das Zeitalter Bismarcks gekommen war. Nicht wenige waren es, die an der Zu­kunft unseres Volkes verzweifelten, und die mit frechem Hohn oder mit bitterem Ingrimm ausge­sprochene Behauptung, wir hätten nur die Auf­gabe, andere Völker zu befruchten, nicht aber eine eigene Nation zu bilden, fand willige Hörer. Es ist Bismarcks Verdienst, daß die Deutschen heute toiffen, was sie können. Und dieses Verdienst wirkt fort für alle Zeiten, auch wenn der Sarg, an dem wir jetzt im Geiste stehen, längst in Schutt und Moder zerfallen sein wird. Denn an dieser Reckengestalt werden sich noch ferne Gefchlechter unseres Volkes auf­richten, und in Tagen ber Bebrängniß wirb ihnen ber Gebanke Trost unb Stütze fein, baß ber beutsche Geist, ans bem heraus Otto von Bismarck lebte unb wirkte unb bem er sich seinem Worte nach verschrieben hatte mit Leib unb Seele, in unverwüstlicher Kraft fortleben unb zur rechten Zeit auch bie rechten Männer finben wirb, in benen er sich bethätigt, wie ehemals.

Das soll unsere Herzen bewegen zu innigem Danke gegen ben Großen unseres Volkes, besten Hintritt uns erschüttert; bas soll uns aber auch erfüllen mit Zuversicht, ba unserem Auge das entzogen wird, was sterblich an Bismarck war. Der einzelne Kämpfer, und sei er noch so stark und groß, muß schließlich sinken; aber der Geist, in dem er kämpfte, bleibt und schwebt siegreich über bem Walten ber Zeit, bem jener zum Opfer siel. Das Volk, bas bes Großen Mutter ge­wesen, ist auch sein Erbe.

So wahre Dir benn, Du beutsches Volk, Dein Erbe, toanble in bem mächtigen, fest ge­schlossenen Geiste, den Dein großer Sohn alle

Zeit bethätigt! Jede Zeit hat andere Aufgaben, und nicht engherzige Nachahmung und ängst­liches Derweilen bei entschwundenen Verhält­nissen wird Dir frommen. Aber in den neuen Zeiten .mit dem alten Muth und der alten Kraft zu stehen, das wird Dich befähigen, jeder Lage gerecht zu werden, unb bas vermagst Du, wenn Dn bas Beste in Dir, bas in Deinem

großen Tobten lebte, alle Zeit lebenbig erhältst! Das wirb ber rechteDank für unferenBismarckf^in.

Umschau.

Schutzzölle verfolgen an sich nicht, ben Zweck ber Ein­nahmevermehrung, gleichwohl ist ihr Ertrag für Deutschlanb eine äußerst erwünschte Neben­wirkung bes Schutzzollsistems So ist im Kalenber- jahre 1900 von Baumwolle, Garn unb Baum- wollenwaaren ein Zollbetrag von 8 800 000, von Roheisen 7 400 000 unb von Eisenwaaren von 7 200 000 Mark, von Wolle, Garn und Wollenwaaren von 4 800 000, von Seidenwaaren und Seidenzwirn von 3 900 000 sowie von Maschinen und Fahrzeugen von 3 700 000 Mk. eingenommen worden. Andere industrielle Schutzzölle liefern gleichfalls Millionen Ein­nahmen.

Ungleich höher aber noch als der Gesammt- betrag der industriellen Schutzzölle stellt sich die Einnahme aus landwirthschastlichen Zöllen. Allein von Getreide, Hülsenfrüchten und Malz ist der Reichskaffe ein Zollertrag von 235 Millionen Mk. zugegefloffen. Bau- und Nutzholz brachten beinahe 20 Mill. Mark, Schmalz 120, Mill., Oelfrüchte 3,6 u. f. w. Von besonderem Interesse ist seiner hervorragenden finanziellen Bedeutung wegen die Position Getreide, Hülsen- früchte Malz. Aus den Zöllen aus diese Er- zeugniffe ber Lanbwirthschast sinb bereits im Jahr 1896146 unb 148 Mill. Mk. eingenommenworben. Seit 1898 zeigt ber Ertrag aus biesen Zöllen eine rückläufige Bewegung. Er sank im Jahre 1899 um voll 20 Millionen unb hat auch im Jahre 1900 nur eine Verbesserung von 3 Mill. Mark erfahren. In bem Rückgänge bes Zoll­ertrages ist benn Wohl auch bie Hauvtursache ber Erscheinung zu suchen, daß der Gesammt- ertrag aus ben Zöllen von 505 Millionen im Jahre 1899 auf 494 Mill. Mark zurückgegangen unb daß im Jabre 1900 sogar ber erheblich niebrigere Etatsansatz nicht erreicht worden ist.

In dem lausenden Jahre bewegt sich be- fanntlitb der Getreidezoll wieder in aufsteigender Linie. Aber selbst, wenn man nur den Ertrag des Jahres 1900 mit 131 Mill. Mk. zum Ausgangspunkte der Betrachtung macht, so

erhellt, wie groß neben der Volkswirthschaftlichen auch die finanzielle Bedeutung ber Bemessung ber lanbwirthschaftlichen Schutzzölle ist. Eine Erhöhung derselben um durchschnittlich 25 pCt. würde selbst bei der weit unter dem Durchschnitt bleibenden Einfuhr des Jahres einen Mehr­ertrag von ungefähr 33 Mill. Mk. liefern.

Polen und Soeialdemokraten.

c. Zwischen derPolnischen soeialistischen Partei" und derdeutschen" Sociald,emokralie ist aus dem Posen'schen Provinzialparteitage wieder einmal mit Hilfe der Frau Dr. Lübeck genannt Luxemburg dasTischtuch" zerschnitten worden. Die polnischenGenossen" fühlen sich nämlich in erster Linie als Polen unb wollen von ber internationalen Soeialbemokratie als eble Männer wohl Gelb unb sonstige Hilft, aber keine Bevormunbung annehmen. Was wirb aber ber Soeialbemokratie anders übrig bleiben, als mit der von ihr großgezogenen polnischen Bewegung" weiter zu rechnen und sie trotz des zerschnittenen Tischtuchs aus ihrer Schüssel mitspeisen zu lassen? DaS nationalistische Element wird in der polnischen Socialdemo- kratie immer das Uebergewicht erlangen, wenn auch bie Soeialbemokratie ben Polen, entgegen ihren internationalen Grunbsätzen, noch so große Zugestänbnisse macht; benn gerabe baburch wirb ja bie nationalistische Agitation genährt.

In ber Praxis bleibt es sich natürlich gleich, ob biesozialistischen" Polen getrennt von ber Sozialbemokratie marschieren; im Kampfe gegen Reich unb Staat werben sich bie feinblichen Brüber jebenfalls zusammenfinben.

Der ckdafrUanijche Krieg.

Müssen bie Englänber Pretoria toi eher räumen?

Die Ereignisse auf bem fübafrifanifd)^. Kriegsschauplatz ber allerjüngsten Zeit habend einen vollstänbigen Umschwung in ber Sachlage gezeitigt. Wenn auch schon seit Wochen bie eng­lische Offensive zum Stehen gekommen war, wenn sich biefe schon seit geraumer Zeit nur noch in matten, ohne alle Energie unb ftdweden Nachbruck entbehrenben vereinzelten Stößen gegen balb biefe, halb jene Burenabtheilung noch einigermaßen äußerte, so sehen wir sie jetzt wenigstens im Norden, in ber Transvaalrepublick selbst, in eine regelrechte Defensive Umschlagen. Unb bies Alles ohne eine wesentliche Aenberung in ber Kriegsführung ber Buren. Lediglich bie Beharrlichkeit ber letzteren in ber Durch­führung bes Kleinkrieges hat auf britischer

Vor allen Dingen beruhige Dich, Agathe; ich muß Dir allerbiugs gestehen, baß mir Oskars Benehmen neulich währenb ber Erzählung Kröns mehr als auffallenb vorkam unb ich mir fest vor­nahm, ben Jungen bei Gelegenheit auszuforschen. Auch fein jetziges Verhalten bestätigt bie An­nahme, baß nicht alles in Orbnung bei ihm ift. Während er früher stets heiter und offen sprach, vermiffe ich jetzt vollständig die frohe Laune bei ihm; er geht nur ins Theater, be­sucht nie einen Ball mehr, ist überhaupt sehr verändert. Dies alles weist daraus hin, daß Oskar irgend etwas mit sich herumträgt, was ihm Sorgen macht."

Die Baronin schlug die Hände zusammen: Mein Gott, mein Gott, was für neuer Kummer steht mir da bevor. Oskar ist in gewissen Dingen furchtbar eigensinnig, er besitzt einen Eisenkopf wie sein seliger Vater. Hat er sich einmal etwas vorgenommen, so ist er schwer davon abzubringen, und liebt er diese Mamsell Feuerliese wirklich und ich zweifle säst nicht mehr daran wie wird das nur anzustellen sein, um die Beiden zu trennen."

Aber warum müssen diese denn um jeden Preis getrennt werden, Agathe?"

Der Baron war sehr ernst geworden, auf feiner Stirn erschien eine finstere Falte, und die Baronin wollte alles eher, als ihren Schwager erzürnen.

Aber lieber Rudolf, eine Schauspielerin und ein Offizier!"

Und warum sollte das nicht möglich sein, Agathe? Ist das Mädchen rechtschaffen und brav und daran dürfen wir nach bem, was

neulich Hauptmann Krön von ihr erzählte, unb was ich burch meine Nachforsckmngen selbst in Erfahrung brachte, Wohl keinen Augenblick zweifeln so sehe ich keinen Grunb, warum diese zwei Menschen nicht glücklich werden sollten. Daß um Deines unberechtigten Dor- urtheils willen ein liebendes Paar sich nicht vereinigen darf, werde ich niemals zugeben, niemals, hörst Du?"

Der Baron ging heftig im Zimmer auf und ab, die Hände auf den Rücken gefaltet, unb feine Schwägerin beobachtete ben offenbar sehr aufgeregten Mann zwischen ben vor bie Augen gelegten Fingern hinburch ganz genau. Sie überlegte babei blitzschnell, wie sie sich im besten Lichte zeigen konnte unb sagte mit bemüthigem Blick:

Lieber Rubolf, ick weiß. Du meinst es allezeit gut mit uns, thue auch hier, was Du für bas beste hälft."

Dor allem gilt es zu prüfen, Aaatbe, wie bie Sacken stehen: ob Oskar entschlossen ist. das Mädcken zu heirathen und ob jenes auch die nöthigen Eigenschaften besitzt, bie einen Mann wahrhaftig beglücken können. Wir müssen beshalb bas beiläufig bemerkt sehr scköne, junge Mäbchen zu uns einlaben und dann werben wir ja weiter sehen."

In biefem Augenblick trat Oskar in bas Zimmer, er merkte sofort, baß hier etwas ganz Besonberes vorgesallen sein mußte. Die Mutter warf ihm einen finsteren Blick zu, ihre Stimme hatte nichts mehr von bem vorigen Weichen Tonfall, sondern klang hart und rauh, als

sie dem Sohne den Brief mit den Worten hinreichte:

Da lies einmal unb bann gestehe, ob es wirklich möglich ist, daß ein Hagedorn mit so einer Person sich einlaffen kann; ich will es noch nicht glauben.

Auf bem schönen Gesicht bes jungen Mannes wechselten jäh Röthe unb Blässe, man sah es ihm an, er kämpfte schwer mit sich, um bei ber geringschätzigen Ausbrucksweise ber Mutier ruhig zu bleiben.

Vor allen Dingen muß ich Dich bitten, Mama, nicht biesen Ton über ein Mäbchen anzuschlagen, bas so rein ist wie bte Sonne; ihr barsst Du nicht zu nahe treten, ba Du sie nicht kennst. Diese halbe Blume, sie würde eher sterben, als etwas thun, was auch nur ben Schein des Unrechts an sich trüge.

Seine Stimme bebte leise, die feinen Nasen­flügel blähten sich, bie schönen braunen Singen schienen umflort.

Der Onkel klopfte ihm auf bie Schulter: Du liebst sie wohl sehr, Oskar?"

Ob ich sie liebe, Onkel! Jeber muß sie lieben, der nur einmal in ihrer Nähe geweilt hat, ober er müßte von Stein fein. Diesem Liebreiz kann sich keiner entziehen, keiner."

Die Baronin lachte höhnisch auf:Tu sprichst wie ein verliebter Thor."

Oskar schien ben Dorwurf gar nicht gehört zu haben, wenigstens beachtete er ihn nicht weiter; inbem er sich an feinen Onkel toanbte, fuhr er bewegt fort:Daß sie von allen gerade mich erwählte, gerade mich, ich weiß gar nicht,