sSr die Kreise Msrßms aud Kirchhai».
M 136
S«,bet b* 8 W_
s&e MMint 1« Btt r«cL niTir nlW
: bte AM »fest 5www Ree» 14 Wxi Bebj—a»: e* AS, H WG,
■tetbete
Donnerstag, 13 Juni 19)1.
Gchcheint tLOtch «Mfcrt en Werktagen naq *>onn» an» Feier««»». GMWtaatteilM«: 3»«#rirttl ••Bxtae#blntt.
ÜM Mb Bwta«: I»h. »eg. a»ch UaiverALtr-vachdrackerei jftarten Markt Sl. — Lelepho» 55
36. Jahrg.
Der südafrikanische Krieg.
Friedensverhandlungen.
„Gestern noch auf stolzen Rosten" — so heißt es in einem alten Reiterliede, und was darauf folgt, weiß jeder, der es kennt. Während nach den jüngsten Meldungen des englischen Hriegsamtes die Buren immer mehr aufgerieben werden und nachgerade kaum mehr einen Gaul and eine Patrone besitzen können; während Khamberlain noch jüngst auf Anfrage, ob den Buren eventuell dieselbe Art von Unabhängigkeit, wie sie Kanada und Australien haben, zugestanden werden könne, stolz geantwortet hatte: „Sicher nicht im gegenwärtigen Augenblick", bringt, wie wir in unserem gestrigen Telegramm meldeten, der Londoner „Standard" die über
raschende Nachricht aus Durban, daß Verhandlungen zwischen den Bureuführern und Lord Kitchener im Gange sind, wobei letzterer ein bei ihm sonst ungewöhnliches Maß von Ent
gegenkommen an den Tag legt.
Eines Kommentars bedarf diese Meldung nicht. Wohl aber giebt sie Anlaß zum Ausdruck eines Wunsches, der die ganze zivilisirte Welt beseelt: daß die angebahnten Verhandlungen zu einem Frieden führen möchten, der für England
auch in dem Falle annehmbar sein würde, wenn es den Buren, die mit geradezu vorbildlicher Tapferkeit und patriotischem Opfermuthe für Haus und Herd, für Weib und Kind ge- kärnpst haben, die Unabhängigkeit gewährleistet. Daß man auch in England diesen entsetzlichen Krieg längst satt hat, haben wir schon wiederholt betont, und es ist wahrscheinlich, daß als
Ausfluß dieser immer mehr um sich greifenden Volksstimmung die nunmehr in Fluß gekommenen Verhandlungen gelten dürfen.
i) Vom Kriegsschauplatz.
” Die Buren sind in starker Anzahl unter Louis Botha bei Blaauwbank unterhalb Er- melos verschanzt. Sie find auch bei Standerton stark vertreten. Delarey marschirt zur Vereinigung mit Botha. In Piet Retief in Ost- Transvaal wurde großer Kriegsrath unter Schalk Burger gehalten und kräftige Fortsetzung des Krieges beschlossen. In Burenkreisen herrscht der lebhafteste Optimismus. Dewet hat mit tausend Mann eine Position auf den Gatsrand- Hügeln, südlich von der Krügersdorp - Potches- stroom-Eisenbahn besetzt. Ferner wurde Labu- schagues Nek bei Dordrecht von den Buren besetzt. Kruitzinger eroberte mit Jamestown dreißigtausend Patronen und fünfundsiebzig Gewehre.
Die Kolonne Vincenz wurde, wie die „Daily Mail" meldet, von einer Burenabtheilung, südöstlich von Steinberg, überrascht. Die englischen Verluste waren bedeutend.
Kitchener telegraphirt vom 11. ds. aus Pretoria : Kommandant Rensburg mit seinem Kommando ergab sich in PieterSburg. 100 Bewaffnete seien schon in die Stadt gekommen, andere würden folgen.
Grausame Kriegführung.
Ein erbaulicher Zwischenfall spielte sich dieser Tage im Parlament von Natal ab, wo der Abgeordnete Brhce schwere Anklage erhob gegen die Militärverwaltung in Zululand. Die Anklagen stützten sich auf die Berichte eines gewißen Herrn Brunner, der Abgeordneter für Zululand ist, und fanden weiteste Verbreitung durch den Abdruck im „Natal Mercury", einem der einflußreichsten und gelesen- sten Blätter des genannten Landes. Danach handelt es sich um nichts Geringeres als um die systematische Aufhetzung der Zulu kaf fe rn gegen die Buren. Auf Befehl der Engländer mußten sich die Zulus bewaffnen, augenscheinlich mit von den Engländern selbst gelieferten Waffen und ins Gebiet der Buren einfallen. Die Zulus ließen sich dies nicht zweimal sagen, veranstalteten sofort einen gewaltigen Raubzug und kehrten schon nach kurzer Zeit mit Tausenden von erbeuteten Rindern und sonstiger großer Beute zurück. Als Lohn sür diese Schandthat überließen ihnen die Engländer großmüthig zehn Procent. Nennentzwerthen Wiederstand fanden sie in den schon längst von den Buren geräumten Distrikten nicht; ab und zu begegnete ihnen wohl ein alter zurückgebliebener Bur, und der wurde dann mit leichter Mühe von den Wilden gespießt. Frauen und Kinder waren schon eher anzutreffen, und wie es diesen ärmsten Geschöpfen erging, darüber schweigt man am besten. Auch eine Rotte Weißer, die als engländerfreundlich im Lande belasten worden war, hat an der Sache Theil genommen, trotz aller Proteste, welche von der civilen Scheinregierung des Landes erhoben worden waren. Genannter Abgeordneter Brunner wandte sich seiner Zeit an den Premierminister von Natal um Hülfe, erhielt jedoch nur die Zusage seines Bedauern, da der Minister sich ohnmächtig fühlte gegenüber der Militärdespotie und die ganze Verantwortung aus den kornrnan- direnden Hauptmann Bottomley schob. Die Sache wird ihr Nachspiel haben, zwar nicht in öffentlichen Kreisen der Engländer — da wird sie einfach vertuscht oder tobt geschwiegen —
4 (Nachdruck verboten.)
Die Fruerliese.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
@ottie|mta-)
„Hast Du sür den heutigen Abend etwas vor, Oskar?" fragte Hauptmann Krön, während eine kleine Pause in der Unterhaltung eingetreten war.
„Ja, ich werde ins Theater gehen und nachher jedenfalls eine Stunde ins Kasino, um eine Partie Billard zu spielen."
„Schon wieder inS Theater," lachte der Hauptmann, „na höre einmal, Du gehst aber .in letzter Zeit auffallend oft dahin, wenn ich nicht sicher wüßte, daß unsere schöne „Feuerliese" heute nicht beschäftigt ist, wahrhaftig, ich möchte fast glauben, Du wärest gleich den anderen Kameraden in diesen leuchtenden Stern unserer Bühne verliebt."
Oskar war hastig aufgestanden, trat ans Fenster und begann nervös an den Scheiben zu trommeln.
„Und woher weißt Du denn so bestimmt, daß Fräulein Liese Ottman heute nicht beschäftigt ist?" sagte Oskar,, indem er einen ganz besonderen Nachdruck auf den Namen legte.
Seine Stimme klang belegt, wie unter dem Banne einer starken Erregung, während er angelegentlich in die Dunkelheit hinausstarrte.
Der Hauptmann lachte, daß seine blitzenden Zähne sichtbar wurden.
„Kamerad Stetten — Du kennst ihn ja — ist nämlich rasend in die schöne Sphinx verliebt, der sehlt sicher niemals, wenn die Angebetete aus der Bühne erscheint, und da er mir
am Nachmittag versprochen hat, in den Klub zu kommen, so weiß ich gewiß, daß die schöne „Feuerliese heute frei ist."
„Nun, so sage nur dem Kamerad Stetten, daß er da schlecht unterrichtet ist," klang es gepreßt, wie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „indem das Repertoir eine Aenderung erfahren hat. Es wird nicht „Die bezähmte Widerspenstige", sondern „Die Patrizierin" aufgeführt, wo Fräulein Ottmann die „Metella" spielt."
„Wahrhaftig, Oskar," lachte von Krön auf, „das muß ich meinem Freunde unbedingt noch mittheilen, er wäre untröstlich, wenn er es zu spät erführe. Hat sich dieser verliebte Mensch doch neulich verpflichtet, uns für jedes Lächeln, für jeden freundlichen Blick, den ihm die holde Schöne schenkt, drei Flaschen Sekt zu bezahlen, das ist nun ungefähr drei Wochen, aber bis jetzt warteten wir vergebens auf das schäumende Naß!" —
„Da werdet Ihr wohl noch länger Geduld haben müssen, laßt Euch nur indeffen die Zeit nicht lang werden".
Oskar fuhr sich wiederholt mit der Hand durch sein welliges Haar; er stand noch immer am Fenster.
„Ich habe von der „Feuerliese" noch nie ein Wort gehört", mischte sich jetzt Onkel Rudolf, der Oskar unausgesetzt scharf beobachtet hatte, in das Gespräch. „Weshalb trägt sie denn diesen absonderlichen Namen?"
„Den haben ihr einige übermüthige Kolleginnen beigelegt", erklärte der Hauptmann, „weil sie rothes Haar hat, ein prachtvolles rothes Haar aber — nebenbei gesagt — sie machten sich
sondern in Zululand selbst, wo die Eingeborenen, nachdem sie nun einmal auf den Kriegspfad gedrängt, die Waffen gegen sich selber kehren, um ihre alten Stammesstreitigkeiten auszufechten. So find schon z. B. die Stämme Usibepus und Dinizulus kräftig aneinander gerathen. Schließlich werden dann die Engländer noch als Friedensstifter eingreifen muffen,„ was die Kosten des füvafrikanischen Krieges noch um ein Bedeutendes vermehren könnte.
Umschau.
Der Freisinn und die Handelsverträge.
Was man im freihändlerischen Lager unter Handelsverträgen versteht, hat die „Freis. Ztg." mit dankenswerther Offenherzigkeit erklärt. Alle Handelsverträge, sagt sie, werden nur im Interesse des Inlandes, des übereinstimmenden Interesses der inländischen Konsumenten und der exportirenden Produzenten, abgeschlossen. L-onach geht man im sreihändlerischen Lager bewußt und eingestanden über den größten und wichtigsten Jnteressenkreis, über diejenigen Produzenten die für den inländischen Markt arbeiten und in erster Reihe Anspruch auf Berücksichtigung haben — über die Landwirth- schaft — in Konsequenz des sreihändlerischen Prinzips gleichgültig hinweg.
Trotz alledem scheint die „Freis. Ztg." eine geheime Freundin des Doppeltarifes zu sein, denn fie schreibt:
„Abgesehen davon ist eS doch jedenfalls richtiger, von vornherein einen Zolltarif zu entwerfen, wie er bis zuletzt sestgehalten werden kann, als Zolltarife ins Blaue hinein aufzustellen, die hernach beim Abschluß der Handelsverträge dem Auslande gegenüber nicht aufrecht erhalten werden können/
Ganz einverstanden. Der Minimaltarif soll dem Vorbeugen, er soll unter allen Umständen gegenüber dem Auslande aufrecht erhalten werden.
Das Mittelmeer der Zukunft.
Der bekannte Generaldirektor der Harnburg- Amerika-Linie Ballin, ist neuerdings vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen und zur Früh- ftückstafel gezogen worden. Bei jener Audienz sind die Pläne der genannten Schiffsahrts - Gesellschaft über eine ständige Dampfschifffahrts- Verbindung San Franzisco — Tientsin ausführlich besprochen worden. Durch die Einrichtung jener Dampfschifffahrtslinie soll eine nähere Verbindung zwischen Europa über Amerika hinaus nach Dftaffen geschaffen und der stille Ocean zu einem Mittelmeere gemacht
einen Scherz daraus, aber es sprach sich rasch herum, und heute kennt sie jeder nur unter dem Namen „Feuerliefe". Wahrhaftig, verehrter Herr, Sie müssen sehr selten ins Theater gehen, daß Ihnen dies unbekannt bleiben konnte".
„Ja, äußerst selten," nickte Onkel Rudolf.
Otto von Krön warf einen etwas spöttelnden Blick auf Oskar, dann fuhr er fort:
„UebrigenS ist die reizende Tragödin die Perle aller Schauspielerinnen, nicht allein was ihre Schönheit betrifft, sondern auch in sittlicher Beziehung steht sie ganz rein da. Keiner kann sich rühmen, jemals von ihr ausgezeichnet worden zu fein. So viel Bouquets und Sonstiges Stetten ihr auch schon zugeschickt hat, sie weist alles zurück, nicht die kleinste Blume wird angenommen. Sie hat übrigens eine alte Dienerin bei sich, scheint eine Art von Vertraute oder Freundin zu fein, denn man sieht sie viel zusammen ausgehen. Diese hütet die Wohnung ihrer Herrin mit einer Ausdauer, als wäre sie der in einen Drachen verwandelte Fafner, und müßte den Nibelungenring in der Neighöhle des Riesen bewachen."
Der Hauptmann lachte übet seinen vermeintlichen Witz, und Olga, die bisher schweigend zu- gehört hatte, wandte sich an ihn: „Sie, mein wertester Herr von Krön, Sie haben wohl auch schon schmachtend an der Thüre dieser Gefeierten Einlaß begehrt, weil Sie dies alles so genau wissen?"
Der Angeredete schlug in komischer Beteuerung an seine Brust. „Warum nicht gar, Fräulein Olga, wie kommen Sie auf diesen absurden Gedanken, ich höre das alles gelegentlich von den anderen."
werden. Diese Pläne find jetzt im Londoner Unterhause zur Erörterung gelangt. Ein Londoner Telegramm meldet darüber das Folgende:
Herbert Roberts fragt, ob der Regierung bekannt sei, daß der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie erklärt habe, daß diese Linie gemeinsam mit dem Norddeutschen Lloyd die Einrichtung eines Dampfschiffdienstes auf dem Vanglse-Fluß, so weit dieser schiffbar sei, beabsichtige, und daß erstere Gesellschaft einen regelmäßigen Dienst zwischen Tsingtau, Tschifu und Tientsin eingerichtet habe. Roberts fragt weiter, ob die Regierung alle Maßnahmen treffe, um die gegenwärtige vorherrschende Stellung Englands in jenen Gegenden zu sichern. Unterstaatssekretär des Aeußeren Cranboint erwidert, was den ersten Theil der Frage betreffe, so sei der Regierung nichts zur Kenntniß gekommen. Wegen der Aufrechterhaltung der Handelsstellung Englands in den genannten Gegenden wie überallsonst müsse England sich auf die Unternehmungslust und die Thatkraft feiner Kaufleute verlassen, die Regierung werde aber Alles, was in ihrer Macht stehe, thun, den Kaufleuten günstige Gelegenheit zu sichern, weil die allgemeinen Grundsätze der englischen Finanzpolitik es gestatten.
Deutsches Reich
Berlin, 12. Juni
— Der Kaiser von Oesterreich richtete, wie die „Nordd. Allg. Ztg * meldet, am 31. Mai von Wien nachstehendes Telegramm an den Grafen Waldersee: „Ich war von Ihrer Ernennung zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen in Ostasien aufrichtigst befriedigt. So gereicht es mir nunmehr, da Sie an dem gedeihlichen Abschluste der Ihnen übertragenen Aufgaben stehen und nach Europa heimkehren werden, zur vollsten Freude, Sie, lieber Feldmarschall, hierzu auf das Wärmste beglückwünschen zu können. Das Vertrauen, welches Ihr erhabener Kaiser in seinen vielbewährten Heerführer setzte, haben Sie unter den eigenartigsten Verhältnissen ans das Gediegenste gerechtfertigt. Gerne wußte ich die a« Lande verwendeten Detachements meiner Eekadre in Ostasien unter Ihrem Befehl und herzlichst danke ich Ihnen sür alle Fürsorge und echte Waffenbrüderschaft, welche Sie da stets walten ließen. Möge Sie, lieber Feldmarschall, auch sernerhin Gottes Schutz begleiten im Dienste der guten Sache und damit Ihres allerhöchsten Kriegsherrn."
— Das preußische Staatsmini st erium trat Dienstag Nachmittag unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten Grafen Bülow zu einer Sitzung zusammen. Man nimmt an, daß angesichts der bevorstehenden Ministerreise die Nothlagc der Land- wirthschaft im Osten zur Sprache gebracht worden ist.
— Wie die „Rhein.-Westsäl. Ztg." ersährt, ist der Amerikaner Westerfield, ein ergebener Anhänger
Die Baronin ließ jetzt den Thee bringen, ur.b man unterhielt sich sehr lebhaft.
Baron Rudolf drängte bald zum Aufbruch. Oskar athmete erleichtert auf, als auch der Hauptmann sich verabschiedete, er sah jetzt sehr blaß aus. Der Onkel schüttelte dem Neffen kräftig die Hand. „Laß Dich einmal bei mir sehen, mein lieber Junge, eine Stunde wirst Du doch für mich noch übrig haben."
II.
Die gefeierte Tragödin Liese Ottman war in ihrem reizend eingerichteten Zimmer eben damit beschäftigt, ihren Liebling Hansi, einen buntgefiederten Papagei, ein wenig zu necken, indem sie ein Stückchen Zucker zwischen die Stäbe des Messingkäfigs schob, und sobald Hansi darnach haschte, es rasch wieder heraus- nahm. Ein Kleid von lichtblauem Cachemir umfloß in weichen Falten die herrliche Gestalt der Schauspielerin, und endigte in einer kurzen Schleppe, die von einet vollen Rüsche umsäumt, auf dem dicken Teppich lag. Das roth- schimmernde goldene Haar war in zwei Flechten geordnet, um den zierlichen Kopf geschlungen. Die bleiche Wintersonne sandte einen Strahl gerade auf die leuchtende Erscheinung und es entstand ein seltsames Flimmern aus dem Haupte des schönen Mädchens, als hätte die Sonne es darauf abgesehen, mit diesem Glanze zu wetteifern.
Auf einem niedrigen Sessel saß eine behäbige Frau, der die Gutmütigkeit aus dem runzeligen Gesicht geschrieben stand; sie lächelte zärtlich dem Mädchen zu.
(Fortsetzung folgt.