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t anderen Völkern aufnehmen könne.

Wir kommen aber mit eitler Selbstbespiegel­ung nicht weiter. Die Stimmen aus dem Aus­lande dürfen uns nicht dazu verführen, selbst­gefällig die erlangten Erfolge zu übertreiben und die Schwierigkeiten zu verkennen, die unserer noch harren, oder auch die Opfer zu vergessen, mit denen die errungenen Erfolge erkauft find. Wenn die englischen Zeitungen fortwährend die siegreiche deutsche Concurrenz beklagen, so thun sie .es natürlich nicht, um uns damit eine Freude zu machen, sondern um die Industrie des eigenen Landes durch den Hinweis aus uns zu den größten Anstrengungen anzusvornen. Daß ihre Berichte, die ganz offenbar diesem bestimmten Zweck dienen, auf ^diesen Zweck auch zugefchnitten werden, Licht und Schatten nicht gleich vertheilen, deutsche ^Erfolge mehr hervorheben und vergrößern, englische zurücktreten lassen oder verkleinern, das ist selbstverständlich. Wir wollen aber den Engländern nicht den Gefallen thun, alles von ihnen Gesagte für baare Münze zu nehmen, sondern uns lieber ein wenig an die Kehrseite der Medaille halten. Das ist nützlicher für uns, wenn es auch nicht ganz so angenehm klingt.

Selbstverständlich bin ich gern bereit, auf Deinen liebevollen Vorschlag einzugehen", lautete die in sehr sanftem Tone gegebene Antwort. »Ich will meine ganze Kraft einsetzen, Dir Dein Heim so gemächlich als möglich zu ge­stalten, Du sollst die Bequemlichkeit niemals vermiffen, so lange ich in Deinem Hause wohnen werde.

Kein Zweifel, unsere wirthschaftliche Thätig- keit hat in den letzten 25 Jahren große Fort­schritte gemacht, unser Export hat um etwa 40 Pct. zugenommen. Aber wir haben doch immer erst die Hälfte der Ausfuhr erreicht, die England erzielt; Kohle und Eisen, die Grad­messer der Industrie, find in der englischen Produktion auch heute noch mit ganz anderen Ziffern vertreten, wie bei uns, Kohle etwa mit

Sie hatte jetzt vollständig ihre Faffung tviedergewonnen und sah ihm mit einem fast demüthigen Blick in die braunen, voll und fragend auf ihr ruhenden Augen.

Die Deutschen im Auslande.

** In den letzten Jahren haben wir in steigendem Maße von den Fortschritten lesen und zu hören bekommen, welche die Industrie im Auslande gemacht hat. die englische Preffe ist nicht müde geworden, das Aufblühen des deutschen Aus­fuhrhandels in glühenden Farben zu schildern und bewegliche Klagen über den unangenehmen Wettbewerb anzustimmen, den Deutschland allenthalben der englischen Industrie macht. Mit Genugthuung ist jede Stimme, die aus dem Auslande herüberklang und von deutschen Erfolgen im Geschäftsleben zu erzählen wußte, bei uns vernommen worden, und an zahlreichen Stammtischen gilt es heute als unumstößliche

i würde," meinte er, gerührt

, anscheinend treuherzigen Ton:und Du, Olga, komm, sei nicht so trotzig und blicke Licht so finster drein. Wenn Du mir vertrauend

Die Feuerliese.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

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Fällt es Dir so schwer, einen Entschluß zu fassen, Agathe?" unterbrach Rudolf ihren Eedankengang.

1*, entgegen kommst, so wirst Du finden, daß Du letckäf ^inen bessern Freund besitzest, als mich."

Er faßte ihre herabhängende Hand und zog il2u.2 sie leise näher.

Ich füge mich ganz Mamas Wunsche, , S« Dnkel."

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Wahrheit, daß wir es heute überall auf dem E Erdenrund in geschäftlicher Beziehung mit allen

ie denSBift Du nicht einverstanden mit meinem Plan, Olga?"

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e.woft Hand entgegen.Ich wußte es ja, daß ich nb «i ttine Fehlbitte thun ) grati $on ihrem anscheine

dem doppelten, Eisen um 50 Pct. höher. Einen solchen Konkurrenten, wie den englischen, dem eine Jahrhunderte alte Erfahrung und Geschäfts­praxis zur Seite stehen, der durch eine an allen Punkten der Erde bekannte und respektierte Flagge gedeckt wird, vom Markte zu verdrängen, ist nicht leicht. Es hat damit gute Wege und wir Deutschen müssen Anstrengungen machen, um nur schrittweise Terrain zu gewinnen, ja wir müssen gefaßt darauf sein, daß wir selbst das, was wir erlangt, fortwährend mit Auf­bietung aller Kräfte zu Vertheidigen haben.

Unsere Ausfuhr-Vermehrung ist übrigens schon jetzt nur dadurch ermöglicht worden, daß unser inländisches Publikum der Industrie eine Export-Prämie gewährte, natürlich ohne daß es eine Ahnung davon hatte. Die Kartelle der Groß-Industrie haben für den inländischen Markt andere Preise wie für den Export, und wo es Zoll und Frachten angezeigt erscheinen lassen, wird dem ausländischen Käufer weniger berechnet, als dem inländischen, nur um den fremden Markt nicht zu verlieren und die Produktion nicht einschränken zu müssen. Selbst­verständlich treten solche Preisdifferenzen nicht dauernd auf, nur je nach den wechselnden Ver­hältnissen des Marktes, aber eine gesunde Er­scheinung sind sie doch nicht, und einer durch solche Mittel erzielten Vermehrung des Exports kann man sich kaum freuen.

Ein ferner zu erwägender Punkt ist der starke Antheil, den die Maschinenindustrie an unserer Ausfuhr hat. Wir liefern damit dem Auslande die Waffen, mit denen es uns eines Tages bekämpfen wird. Die Engländer haben in dieser Hinsicht^ja auch mit uns ihre Er­fahrungen gemacht. Als unsere Industrie noch in ihren Anfangsstadien war, da lieferte uns England mit größtem Eifer alle Maschinen, deren wir bedurften. Es dauerte aber nicht lange, fo bauten wir uns die Maschinen selbst und unsere Fabrikate traten in Wettbewerb mit den englischen. Nicht anders wird es auch uns mit den Ländern gehen, die wir heute mit unseren Maschinen versehen. Sie werden nicht lange gutmüthige Abnehmer unserer Maschinen sein und überdies mit den Fabrikanten, die sie auf den aus Deutschland bezogenen Maschinen Herstellen, unseren eigenen Fabrikaten beschwer­lich werden.

Endlich wollen wir auch nicht vergessen, daß mit der Zunahme der deutschen Ausfuhr ein bedauerliches Aufgeben der Nationalität durch die Deutschen im Auslande Hand in Hand geht. Die so oft beklagte Vaterlandslosigkeit des Deutschen in der Fremde ist auch heute noch

deren glänzend-braunes Haar strich, flüsterten kaum hörbar die Lippen:Soll ich jetzt gleich mit ihm sprechen wegen der Kaution, mein Kind?"

Ich halte den Zeitpunkt nicht für ange­messen, indessen, wie Du willst", tönte es ebenso zurück.

Recht lange werden wir Olga wohl nicht mehr bei uns haben," wandte sich Agathe wieder an den etwas abseits getretenen Schwager, und als dieser verwundert aufblickte, fetzte sie hinzu: Nun ja, das Kind wird sich verheirathen, mit neunzehn Jahren denken die Mädchen doch wohl schon daran."

Ah so, ich dachte, da? hat noch gute Wege, oder hat sich schon rin Bewerber gesunden?"

Allerdings, Olga ist so gut wie verlobt mit dem Hauptmann von Krön, natürlich blos im Stillen. Olga haßt einen langen, öffentlichen Brautstand, und will die Verlobung nicht eher bekannt gemacht wissen, bis sie sicher weiß, daß die Hochzeit bald folgen kann."

Ein malitiöses Lächeln flog über das fein­geschnittene Gesicht des Barons.

Ach so, davon wußte ich natürlich kein Wort! Die Geschichte hat wohl einen Hacken: die Ausstattung vermuthlich, wie Olga?"

Er faßte die Nichte am Kinn und hob das gesenkte Gesicht in die Höhe, um ihr in die Augen zu sehen. i

Sie schüttelte den Kopf.Das wäre noch das Wenigste, Onkel, aber aber, die Kaution."

So, so, kam es gedehnt von seinen Lippen, indem er gedankenvoll seinen schönen,

nicht verschwunden und wird wohl auch so bald nicht verschwinden. Schneller als irgend ein anderer nimmt der Deutsche in der Fremde Sprache, Sitten und Gewohnheiten seiner Um­gebung an, nicht nur im Verkehr mit Fremden gleicher Kulturstufe, sondern auch mit minderwerthigen Ausländern fällt es ihm gar nicht schwer, sein Deutschthum abzustreifen. Schon über gewissen Kreisen in unseren See­städten liegt ein leiser englischer Hauch. In den Vereinigten Staaten geht mindestens die nächste Generation der eingewanderten Deutschen dem Deutschthum ganz verloren, schon bei einge­wanderten Deutschen selbst aber findet man vielfach das Bestreben, so schnell als möglich ihre Herkunft vergessen zu machen. In Ruß­land und Polen kann man an den Bahn­brechern der Industrie, die dort aus Deutsch­land zugezogen find, die betrübende Beobacht­ung machen, wie schnell fich ein Deutscher in einen Russen oder Polen, je. nach den Umständen umwandeln kann. So gehts leider überall trotz aller deutschen Turn- und Sängervereine. Ehrenwerthe Ausnahmen giebts natürlich allent­halben, aber sie bestätigen nur die Regel. Bei dem Gros mag allensalls der Durst groß bleiben: aber das Bewußtsein der Pflicht, sich jederzeit als Deutscher fühlen, die besten Seiten des deutschen Volkscharakters zu wahren und zu pflegen, schwindet ihm schnell dahin. Die Handelsberichte der Engländer klagen darüber, daß die Deutschen sich beim Absatz ihrer Maaren überall den Verhältnissen ihrer Abnehmer anzu­passen verstehen, daß sie der Sprache und den Gewohnheiten der Käufer an den fremden Plätzen besser kundig sind und ihnen mehr Rechnung tragen als die Engländer. Das hängt unstreitig mit der Schattenseite des deutschen Wesens, seiner Bereitwilligkeit zur Selbstentäußerung, eng zusammen; aber es sollte so weit nicht gehen. Selbst der mater­ielle Vortheil, den das Mutterland durch Er­weiterung seines Absatzgebiets zunächst davon haben mag, zerfließt bei näherer Betrachtung in nichts. Dauernde Erfolge, und nur solche können uns erwünscht sein, werden auf solche Weise für Deutschland nicht erzielt. Wer nicht an seiner Nationalität festhalt, der wird auch kaum an der deutschen Waare sesthalten, wenn es die Umstände mit fich bringen. Man muß »gewärtig sein, daß er, wenn er Vortheil dabei findet, aus einem_ Pionier deutscher Industrie auch ein Vorkämpfer englischer Interessen wird und sein Deutschthum auch auf dem geschäft­lichen Gebiete ebenso verleugnet wie anderwärts.

Nicht herabsetzen sollen solche Erivägungen,

Bart strich,da ist Dein Herr Hauptmann also ohne Vermögen?"

Du kannst ihn heute noch sehen, lieber Onkel," fiel Olga eifrig ein, nm die Frage des Barons zu übergehen.Er kommt nachher mit Oskar zum Thee."

Das wird mir zu lange dauern, ich möchte noch einmal in die Fabrik hinaus, um nachzusehen, so gern ich Oskar sprechen möchte, um zu hören, wie er von meinem Vorschlag denkt."

Olga wollte sich indessen die günstige Ge­legenheit nicht entgehen lassen, ihren Verlobten dem Onkel vorzustellen, und wurde nun auf ein­mal gesprächig.Die beiden kommen schon gegen fünf Uhr, lieber Onkel, jetzt ist es vier, die Stunde wirst Du doch noch übrig haben, bitte, bleibe doch noch."

Auch die Baronin bat darum, und so ent­schloß er sich dazu.

Die Dämmerung war rasch herniedergesunken, man hatte die Lampen angezündet, und Olga begann einen rauschenden Strauß'schen Walzer auf dem Klavier zu spielen, der Baron lauschte aufmerksam den vollen und doch weichen Tönen und als sie darauf eben eine Symphonie von Beethoven beginnen wollte, wurde draußen die Klingel gezogen, Sporen klirrten und im nächsten Moment traten die beiden Erwarteten ein.

Oskar, Olgas Bruder, war kaum des Onkels ansichtig geworden, als er schon sichtlich erfreut auf denselben zueilte:Onkel, lieber Onkel, welche freudige Ueberraschung, Dich hierzu sehen; welchem Zufall verdanken wir denn diesen seltenen Besuch?"

Der Onkel schüttelte kräftig die dargebotene Rechte.Oskar, mein lieber Junge, wie geht

was wir erreicht, sondern darauf hindeuten, daß wir noch viel Arbeit vor uns haben. Es klingt nicht erfreulich, ist aber doch heilsam.

Umschau.

Von den Evangelischen Arbeiter- Vereinen.

In der Leitung des Gesammtverbandes der Evangelischen Arbeitervereine giebt man fich die größte Mühe, die vom Delegiertentage ver­fahrenen Zustände wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. Die Sache dürfte aber ziemlich aussichtslos sein. Es wäre auch wahrlich kein Gewinn, wenn der in dem Gesammt- verbande einmal vorhandene tiefe Riß ober­flächlich übertüncht würde. Solange Raumann im Vorstande sitzt, ist an einen wirklichen Frieden nicht zu denken; wir halten also eine Besserung der Zustände nur für möglich, wenn die wirklich auf christlichem, also grundsätzlich der Sozialdemokratie feindlichem Boden stehenden Vereine sich absondern und den Rest dem nationalsozialen Agitator überlassen.

DerEvangelische Arbeiterbote", das Organ des Gesammtverbandes, macht auf die großen Mängel im Stimmenverhältnisse der einzelnen Verbände aufmerksam. Statutenmäßig kommt auf je 1006 Mitglieder eine Stimme; damit ist scheinbar das möglichst größte Maß von Gleich­heit und Gerechtigkeit gewährt. In der Praxis nimmt fich diese Gleichberechtigung ganz anders aus. Sehen wir uns die Zusammensetzung des Ausschusses und das Stimmenverhältniß doch einmal genauer an:

Dec Rheinisch - Westfälische Verband, dessen Leiter zu Gunsten Naumanns aus dem Vor­ständeherausgewählt" worden ist, ist mit feinen circa 35 000 Mitgliedern im Gesamwt- verbande nur durch 5 Ausschußmitglieoer ver­treten, während der kleine Mittelrheinische Ver­band mit ca. 2400 Mitgliedern durch 2 Aus­schußmitglieder, und der einem Provinzial- oder Landesverband nicht angeschlossene soziale Ar­beiterverein in Berlin mit 80 Mitgliedern durch ein Ausschußmitglied vertreten ist. Demnach entsendet der Rheinisch - Westfälische Verband einen Vertreter auf je 7000 Mit­glieder; der Mittelrheinische einen Vertreter auf je 1200 Mitglieder und der soziale Verein (Naumann) in Berlin einen Vertreter auf 80 Mitglieder. Der Berliner evangelische Arbeiter­verein (Stöcker), der nach offiziellen Angaben nicht mehr 1500, sondern nur noch 800 Mit­glieder zählt, ist ebensalls durch ein Ausschuß­mitglied vertreten. Das sind allerdings recht

es Dir denn? Du machst Dich auch recht rar bei mit."

®u weißt, Onkel, erst die Pflicht, dann das Vergnügen," lachte der junge Offizier,und daß die Erstere streng ist, weißt Du aus Er­fahrung."

Er wandte fich um und stellte seinen Be­gleiter, Hauptmann von Krön, vor. lieber das frische, offene Gesicht Oskars glitt ein schelmisches Lächeln, indem er bedeutungsvoll hinzusetzte:Du wirst auf alle Fälle noch oft Gelegenheit haben, den Herrn Hauptmann näher kennen zu lernen, lieber Onkel."

Der Herr Hauptmann räusperte fich verlegen, er warf Oskar einen eigenthümlichen Blick zu, und indem er zu Olga trat, flüsterte er leise: Ich bitte Dich, die Angelegenheit nicht in meiner Gegenwart erörtern zu wollen, es ist mir sehr peinlich."

Sie ist bereits angedeutet worden, vorhin, mir scheint aber, er will nicht so ohne weiteres darauf eingehen," gab fie ebenso leise zurück.

Die Unterhaltung wurde jetzt allgemeiner, Baron v. Hagedorn hatte seinen Neffen förmlich mit Beschlag belegt, und diesem schien das gar nicht unangenehm zusein; man sah es, daß die beiden sich von HerzenMgechan waren, die Blicke des Onkels hingen mit saft väterlichem Stolze an dem schönen, intelligenten Gesicht des Neffen, der heute ungewöhnlich aufgeräumt und heiter schien, was gegen feine sonstige Gewohnheit war. Meist ging er still und fast schwerrnüthig einher, und hatte sogar längere Zeit versäumt, den verehrten Onkel zu besuchen.

(Fortsetzung folgt.

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Mittwoch 12 Juni 1901.

BunHidl: bei Im CsmHHm 1 ML WX 1Q5 WBM I IMM. (cwL HM|,

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