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Dienstag, 11. Juni 1901.

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36. Jahrg.

Friedensverhandlungen.

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Aus der englischen Armee.

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(Nachdruck verboten.)

Die Fkuekliese.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

(Fortfrtztma.)

Ach, da täuschest Du Dich ganz entschieden, Rudolf, ganz entschieden. Olga hat Dich lieb, wie einen zweiten Vater;"

Die Baronin gerieth plötzlich sehr in Eifer, ihre Wangen rötheten sich mehr und mehr.

Sage mir nur, bester Rudolf, welchen Grund sollte denn Olga haben, Dich nicht zu lieben, sorgst Du denn nicht in wahrhaft väter­licher Weise für uns Alle, was wären wir über­haupt ohne Dich und Deine Großmuth? Muß man da nicht lieben, wo einem so viel Gutes geschieht?"

Laß das, Agathe, ich habe meinem sterben­den Bruder versprochen, für die Seinen zu sorgen und dies Gelübde ist mir heilig, ich werde es halten, so lange ich lebe, und noch über mein' Grab hinaus sollt Ihr Alle vor jedem Mangel beschützt sein. Ich kann das ja um so leichter, als ich Gott sei Dank mit Glücksgütern reich gesegnet bin, und selbst, wenn ich es nicht wäre, würde ich des geliebten Bruders wegen, jeden Bisten gern mit den ©einigen theilen. Sogar undankbare _ Nichten sollten mich nicht davon abhalten," fügte er schelmisch lächelnd hinzu.

Die Baronin führte ihr Taschentuch an die Augen und bemerkte so nicht, wie hinter dem rothen Vorhang, der den Salon von dem anstoßenden Zimmer trennte, der Kops einer jungen Dame sichtbar wurde. Dieselbe mußte

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Charakteristisch für die Lage in Johannes­burg und weiterhin überhaupt für die Zustände der englischen Armee ist folgende interessante Mit­theilung, die derKreuzztg." von befreundeter Seite zugegangen ist.Durch einen vor sechs Wochen aus Johannesburg abgereisten Herrn erfahre ich authentisch, daß die Buren bei­nahe täglich Johannesburg Besuche abstatten und dort ihre Proklamationen an- schlagen. Wunderbar aber ist es, daß in un­mittelbarer Nähe von Johannesburg fast täglich Reibereien zwischen englischen regu- _____ löten und kolonialen Truppen statt- >u der., finden. So hat vor etwa sechs Wochen sogar pt ein Bataillon englischer kolonialer gegen ein Bataillon regulärer englischer Truppen im Felde ^gestanden und kamen bei dem schließlich scharfen Schießen der Streitenden sogar Geschütze zur Anwendung. Die Reibereien waren dadurch entstanden, daß die Offiziere der englischen regulären Armee die zum Theil selbstgewählten Offiziere der kolonialen Truppen nicht für voll ansehen und dementsprechend behandeln, wie dieses von Seiten der Kolonialen schon früher bemerkt und sehr übel vermerkt worden ist."

Amüsant zu lesen muß der amtliche Bericht der Kommission sein, die zur Untersuchung der Reorganisation des britischen Kriegs­amtes eingesetzt ist. Sie sagt, nach derLon­doner Allg. Korr." kurz zusammengefaßt,

daß die jetzige Organisation ein systemloses Ee- wachs ohne die nöthige Zutheilung von Pflichten, Be­stimmung der Verantwortlichkeit und Festsetzung von Autorität ist und daß das Zentralorgan der Armee .mittels eines gewaltigen Systems kleinlicher An­ordnungen" zu leiten versucht hat, kurzum daß das Heer mit dem sprichwörtlichenRed tape" (dem rothen Band, mit dem die englischen Regierungsakten um- schürt sind) sozusagen strangulirt worden ist. Nicht einmal die sonst unbrauchbaren Systemen zugeschriebene .Elastizität" hat das Comitee im Kriegsamt gesunden."

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21.

Vom Kriegsschauplatz liegen heute Nachrichten nicht vor, dagegen wird Meldung aus Johannesburg verbreitet, wonach ubaUx thatsächlich wieder Friedensverhandlungen im - I@ange sind. Wie aus Johannesburg gemeldet wirb, erhielt Botha Kitcheners Zustimmung, zwecks Erleichterung der Friedensverhandlungen über Standerton-Durban mit Krüger in Europa in direkte telegraphische Verbindungen zu treten. ° DBotha lud Kitchener ein, in neue persönliche Verhandlungen zu treten und schlug Standerton als Zusammenkunftsort vor.

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Und da wundern sich die Herren noch, wenn man im Festlande die britische Heeresverwaltung etwas scharf beurtheilt!

Aus dem Lager der Buren.

DieDaily News" veröffentlichen eine Unter­redung mit einem jungen hollendischen Arzt Dr. Poutsma, welcher seit Mai 1900 eine Am­bulanz auf der Seite der Buren geführt und an den meisten Unternehmungen De Weis, De- larehs und der anderer Burenführer theilge- nommen hat.

lieber Christian De Wet und die Art und Weise, wie dieser die englischen Truppen zum Narren hielt, äußerte sich der Doktor wie folgt:Dewet hat 35000 Mann mit sich, als ich ihn verließ. Was seine wunderbaren Märsche anbetrifft, so verdankt er die glänzenden Erfolge derselben einzig und allein seinem Scharfsinne. Oft sah es schlimm genug mit uns aus, und mehr als einmal war selbst De Wet daran, das Spiel aufzugeben. In einer denkwürdigen Nacht schienen wir thatsächlich verloren zu sein, und De Wet selbst sagte: »Heute müssen sie uns fangen." Gegen 10 Uhr abends machte er persönlich die Runde im Lager und befahl allen, große Lagerfeuer anzu­zünden. Als diese, mehrere Hunderte an der Zahl, lustig brannten, kam der Befehl zum Aufsatteln, und die ganze kleine Armee ritt Hals über Kopf davon, indem sie die brennenden Feuer hinter sich zurückließ. Die Engländer glaubten natürlich, daß die Buren bei ihren Feuern säßen und warteten geduldig den nächsten Morgen ab, der die entscheidende Schlacht bringen sollte, aber nur, um den Vogel ausge­flogen zu finden! Bei einer andern Gelegenheit, als General Knox uns so hart auf den Fersen war, stand uns nur ein Weg offen und zwar durch den Engpaß von Sprmghaansnek, der von den englischen Geschützen und Jnfanterie- stellungen auf drei Bergeshöhen derartig beherrscht wurde, daß man hätte glauben sollen, nicht einmal eine Ratte könnte lebendig durch diesen Engpaß ent­schlüpfen, wenn die Engländer das Feuer eröffneten. Unsere Lage schien vollständig hoffnungslos, und selbst Präsident Steijn meinte, daß dieses Spießruten­laufen nicht unternommen werden könne, weil der Verlust an Mannschaften allzugroß sein würde. De Wet erklärte kurzer Hand: »Es ist unser einziger Ausweg, und wir müssen durch." Er gab sofort das entsprechende Kommando und unsere ganze Abtheilung ritt in voller Karriere in den Engpaß hinein, während die britischen Kanonen, Pompons und Gewehre ein rasendes Schnellfeuer eröffneten. Ich kam hinten nach mit einigen verwundeten Buren und wurde von den verfolgenden Engländern gefangen genommen. Die letzteren waren der Ansicht, daß unsere Verluste geradezu entsetzlich gewesen sein müßten, was ich be­zweifle, da keine Toten gefunden werden konnten. General Knox setzte mich mit meiner Ambulanz sosort wieder in Freiheit und nach zwei Tagen stieß ich wieder zu De Wet. Auf meine Frage, wie viel Mann er in dem Paß verloren habe, erklärte er kurzweg, daß die Engländer viel zu hoch schossen und infolge- dessen niemand getötet hätten."

Auf die Frage, wie es im allgemeinen mit den Ve rlusten der Buren ausgesehen habe, äußerte sich Dr. Poutsma wie folgt: »Ich würde es selbst nicht glauben, daß unsere Verluste und besonders diejenigen der De Wetschen Abtheilungen immer verhältnißmäßig

die letzten Worte noch gehört haben, ein spöttischer Zug kräuselte ihre Lippen, während sie vollends auf Baron Rudolf zutrat, und ihm die Finger­spitzen reichte.

Guten Tag, Onkel," sagte sie kurz, und nicht eben freundlich.

Ah, da bist du ja, Olga!" rief dieser der Nichte zu, wo hast Du denn gesteckt, daß man Dich nicht zu sehen bekam?"

Ja, ich war in meinem Zimmer, und habe

Sie stockte plötzlich; der Onkel konnte ja das viele Romanlesen nicht leiden. Was chm nun sagen?

Gelesen vermutlich?" vollendete dieser.

Olga nickte trotzig.

Was geht es denn Dich an, was ich thue!" Dieser Gedanke war deutlich auf dem Gesichte des jungen Mädchens zu lesen. Das letztere wäre sehr hübsch zu nennen gewesen, wenn nicht ein Zug trotzigen Hochmuthes die Linien gleich­sam erstarrt hätte.

Der Baron zog jetzt einige Papiere aus der Tasche, faltete dieselben auseinander, und hielt sie Olga- entgegen mit dem Bemerken: Sage mir, Kind, hast Du Deine Modistin angewiesen, die Rechnungen an mich gelangen zu laffen, oder ist es ein Jrrthum?"-

Die junge Dame schien nun doch etwas verlegen zu werden, sie senkte einige Sekunden lang den Blick zur Erde, ehe sie erwiderte: Nun ja, Onkel, die Mama klagt von Anfang bis zu Ende, daß ihr Geld immer nicht reichen will; sobald ich einen Hut oder ein neues Kleid haben muß, geht diese abscheuliche Lamentiererei

so gering gewesen sind, wenn ich nicht gerade als Arzt die beste Gelegenheit gehabt hätte, in dieser Hinsicht die eingehendsten Erfahrungen zu machen. Da war z. B. unser Angriff auf Dewetsdorp, welches von 512 englischen Soldaten besetzt war, die von von uns gefangen genommen wurden, bevor die erwarteten britischen Entsatztruppen eintrafen. Sie werden es kaum glauben, aber es ist Thatsache, daß der Angriff auf Dewetsdorp nur von 120 Buren aus­geführt wurde.

Der Kampf dauerte drei Tage und dann ergaben sich die Engländer, nachdem 99 von ihnen gelobtet und verwundet worden waren, so daß wir 413 Ge­fangene machten. Ich erinnere mich dieser Ziffern genau, da ich selbst die britischen Verwundeten zu verbinden hatte, weil englische Aerzte nicht vorhan­den waren. Wir verloren bei diesem Kampf nur 5 Tobte unb 8 Verwundete. Die Erklärung hierfür ist, daß der englische Durchschnittssoldat, wenn er sich in den Laufgräben befindet, fast immer zu hoch schießt und seine Munition verschwendet. Dies ist, neben der Thatsache, daß die Engländer durchweg schlechte Schützen stnd, die einzige Erklärung dasür, daß unsere Verluste im allgemeinen immer so gering waren."

Englische Zensur Die Buren­familien.

DerPester Lloyd" veröffentlicht eine An­zahl Korrespondenzen aus Pretoria aus der Zeit vom 27. April bis 6. Mai. Der Verfasser scheint ein Ungar zu sein. Wir entnehmen diesen Briesen, Folgendes:

In letzter Zeit wurden von den Engländern ver­schärfte Maßregeln gegen die Expedition von Briefen mit Umgehung des Zensors durch Mitgabe der Post an Abreisende erlassen. Ein derart beförderter Brief wurde bei einem Holländer in Durban, wo alle nach Europa reisende Personen einer Gepäck- und Leibes­visitation unterzogen werden, gesunden; man ermittelte den Schreiber und überantwortete ihn der gericht­lichen Untersuchung nach dem Kriegsrecht. Der Brief enthielt Schilderungen von Mißhandlungen, begangen von englischen Militärs an Surenfrauen und -Kindern. Obgleich der Briefschreiber Zeugen vorladen ließ, weiche die Thatsachen bestätigten, wurde er dennoch verurtheilt. Das Urtheil befindet sich noch bei Lord Kitchener zur Bestätigung.

Am 26. März sand in Johannisburg eine öffent­liche Gerichtsverhandlung gegen zwei Deutsche wegen Verbreitung des Gerüchtes, daß General French von den Buren gesungen worden sei. Behufs Erbring­ung des Wahrheitsbeweises verlangte der 33er- theidiger, daß Lord Kitchener eidlich vernommen werde, ob General French gefangen sei ober nicht. Daraufhin sei bie Verhandlung vertagt unb nichtmehr ausgenommen worben. Dagegen ist einige Monate vorher zu Pretoria ein Bur, ber bas Gerücht von der Gefangennahme Bullers verbreitet hatte, zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt, obgleich er erklärte, daß er dabei gewesen sei. Die Buren - Familien kommen mit ihren Ochsenwagen und ihrem Hausgeräthe in bie sog. Flüchtlingslager. Die Wagen unb Thiere werben ihnen abgenommen und quitrirt. Die Verpflegung bekommen bie Familien von ber Regierung, boch wirb ihnen ber Preis hierfür von bem Werthe ber Ochsen unb bes Wagens abgerechnet, so baß sie schließlich noch Schulbner ber Engländer bleiben werden, wenn sie einmal den Schätzungswerth ihrer Gespanne aus­gezehrt haben.Die Engländer", bemerkt der Ver­

los, die ich hasse, und die mich wirklich anekelt, und da dachte ich"

Da dachtest Du, der Onkel, der kann's bezahlen, der Knicker," unterbrach dieser die Nichte; ein humoristisches Lächeln umspielte dabei die bärtigen Lippen,wenn Du ihn auch nicht besonders gern magst, aber bezahlen darf er doch für Dich."

Du weißt wohl," wandte er sich an die scheinbar bestürzt dareinblickende Mutter,daß ich nicht geizig bin, daß ich jeden Wunsch gern ersülle, aber ich möchte nicht, daß Olga in meinem Portemonnaie einen unerschöpflichen Quell für ihre vielen unnützen Ausgaben sähe, sie soll auch lernen, sich nach ihren Einnahmen zu richten, ich bewilligte ihr deshalb ein reich­liches Taschengeld, und mit diesem muß sie auskommen! Ich habe diese Rechnungen noch einmal bezahlt, aber wahrlich zum letztenmal."

Der Ton war nicht unfreundlich, aber be­stimmt, und Olga wagte keine Einwendungen. Die Baronin legte beteuernd die Hände in einander und sagte weinerlich:

Lieber Rudolf, wirst Du mir glauben, ich wußte nichts von Olgas Beginnen, sie wird alle Tage anspruchsvoller, es ist mir unmöglich, alle ihre Wünsche zu befriedigen."

Um Olgas Lippen zuckte wieder jenes spöttische Lächeln, das ihr eigen war; es schien, als wollte sie etwas entgegnen, besann sich aber rasch, denn dem Onkel zu sagen, daß die Mutter selbst ihr vor einigen Tagen den guten Rath ertheilt hatte, die Rechnungen an seine Adresse senden zu laffen, das ging doch nicht gut an, so gern sie auch möchte.

Baron Rudolf machte eine abwehrende

faffer,mochten sich mit ber Verpflegung der soge­nannten Refugees in bas Licht ber Menfchenfteund- lichkeit stellen; in Wirklichkeit laffen sie sich Alles be» zahlen unb machen dabei gewiß kein schlechtes Geschäft.

Englands Blutsteuer.

Seit Beginn des Krieges hat allein die eng­lische reguläre Armee 66 186 Mann verloren; darunter sind 19 648 Tote oder vollständig Kampfunfähige. Die Ziffern sind höher als je­mals während eines Feldzuges. Betrugen im ersten Jahre die Verluste an Toten, Verwundeten Kranken und Invaliden im Mittel monatlich 2000 Mann, so erreichen sie jetzt das Drei­fache, Vierfache und gehen noch darüber hinaus. Im Monat Mai wurden von britischen Truppen im Felde getötet, starben an Wunden und Krank­heit: 723 Mann. Verwundete zählt man 486, vermißt werden 83 zusammen 1292 Mann. Als Invaliden entlasten und heimbefördert wurden in der ersten Maiwoche 2600, in der zweiten 2100, in der dritten 3000, in der vierten 700 zusammen 8400 Mann. Nach den amtlichen Listen find ferner als Abgänge vom Bestände in diesem Monat an 2000 Kranke zu verzeichnen. Im ganzen hat Lord Kitchener im Monat Mai einen Rückgang seiner Präsenziffer von mindestens 10 000 Mann zu verzeichnen. Wie viele kriegstüchtige Leute mag er überhaupt noch haben?"

Umschau.

Deutsch-französische Annäherung.

Unter dieser Ueberschrift giebt der Pariser Figaro" eine bemerkenswerthe Mittheilung wieder, die als Zeichen einer Verbesterung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frank­reich aufgefaßt werden soll. Ein Stationsvor­steher-Stellvertreter vom Bahnhof in Köln machte seinen Kollegen vom Nordbahnhof in Paris seine Aufwartung. Diese erwiderten seine Höflichkeit damit, daß sie sich, mit Genehmigung ihres Chefs, ihrem deutschen Amtsgenossen zur Verfügung stellten.Jeder von den französischen Bahnbeamten betrachtete den Kölner Kollegen einen Tag als seinen Gast; der erste führte ihn zum Botanischen Garten und zum Athenäum, der zweite zum Eiffelthurm und in die Oper; und so weiter" bemerkt derFigaro". Und gewissermaßen als Seitenstück hierzu wisten reichsländische Blätter aus Straßburg zu melden, daß sich der Verkehr zwischen Metz, der Haupt­stadt Deutsch - Lothringens, und Nancy, , der Hauptstadt Französisch-Lothringens, freundlicher und lebhafter gestalte als je seit 1870. Höhere altdeutsche Beamte seien von ihren französischen

Handbewegung. Nach kurzer Pause begann er von neuem, sich an seine Schwägerin wendend:

Dies ist auch nicht der Grund meines Be­suches, Agathe, sondern ein Vorschlag, den ich Dir machen möchte, führt mich eigentlich zu Dir Ich habe nämlich gestern die Wahrnehmung gemacht, daß meine Haushälterin eine un­redliche Person ist, die nur ihren eigenen Vortheil im Auge hat, und mich betrügt, wo sie immer kann. Wie Du weißt, bin ich den ganzen Tag in der Fabrik beschäftigt, kann mich also um den Haushalt wenig kümmern, den Dienstboten fehlt die rechte Aufsicht. Komm ich nach Haufe, finde ich oft nicht einmal ein geheiztes Zimmer, ein schlechtes Nachtessen, kurz, keine Bequemlichkeit. Mein Haus ist groß und leer, und bietet Raum für Viele, wie Dir be­kannt ist, und da dachte ich mir, wenn Du mit Deinen Kindern ganz zu mir zögest, ich würde mich Wohler dabei befinden, und hätte Ruhe und Ordnung im Hause, der ewige Wechsel mit den Haushälterinnen paßt mir nicht. Was meinst Du, Agathe? Ich könnte auch in jeder Weise bester für Euch sorgen".

Ueber das Gesicht der Angeredeten war ein jäher Blitz des Triumphes geflogen, der Blick hing am Boden, um nicht zu Verratheu, was in ihrem Innern vorging. Was für eine Aussicht eröffnete sich da. Sie als Repräsentantin des herrlichen Hauses, vielleicht später gar als Herrin desselben. Der Kopf schwindelte ihr bei dem Gedanken, den weiter auszuspinnen, jetzt keine Zeit war. Wie würde man sie beneiden, o unerhörtes Glück, das sich ihr hier bot.

(Fortsetzung folgt.