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Mütwoch^ 22. Mai 1901.

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a. Die Vorgänge in der letzten Sitzung des Reichstags, die zum Scheitern des Branntwein- steuernothgesetzes führten und damit einen großen xheil der Landwirthschaft in schwere Bedrängniß bringen dürften, stehen immer noch im Vorder­gründe der Erörterungen. In der Obstruktions- prcsie, bestehend aus den Blättern der Sozial­demokratie, des Freisinns und der National- liberalen des linken Flügels wird zur Zeit eine »merkwürdige Verdrehungs- und Verschleierungs- kkunst geübt. Man schiebt die Schuld an dem tScheitern des Nothgesetzes den Parteien der kRechten oder wie es geschmackvoll ausgedrückt und behauptet,

bruch des Reichstags herbeigeführt; geflissentlich verschweigt man aber, daß von der Landwirth- schaft feindlich gesinnten Linken fast sämmtliche Mitglieder fehlten und daß die wenigen An­wesenden noch vor der zwLilen Abstimmung avon eilten, um so unter allen Umständen den

wesend und stimmten mit nein, alle anderen fehlten. Bei der zweiten Abstimmung, die der Beschlußunfähigkeit anheim fiel, waren nur 5 Personen, sogenannte Streikpostensteher anwesend.

Der südafrÄanWe Krieg.

Zu der Meldung, daß von den englischen Behörden die Zulus auf die Buren los­gelassen worden sind, schreibt man aus London: Da die englischen Truppen nicht mehr aus-

Reichstag beschlußunfähig zu machen und der Landwirthschaft eine erneute schwere Schädigung zuzusühren. Jeder, der sich von parteipolitischer Voreingenommenheit freihält, der die Dinge von rein sachlichen Erwägungen und nach den Lebensinteressen des Volkes prüft, wird ein solches Verhalten nur auf's Tiefste bedauern.

Bor uns liegt das amtliche Protokoll über die Vorgänge jener Reichstagssitzung vom 15. Mai. Wir stellen daraus die thatsächlichen Vorgänge sest, um dem Leser selbst Gelegenheit zu einem sachgemäßen Urtheil zu bieten. Da an jenem Tage 4 Mandate erledigt waren, das Mandat für Ottweiler-St. Wendel in Folge des Ablebens des Frhrn. v. Stumm, das Mandat für Greifswald - Grimmen in Folge Ablebens des Abg. Graf v. Bismarck-Bohlen, das Mandat str Memel - Heidekrug in Folge des Todes des Abg. Smalakys, und endlich das Mandat für Mülheim a. d. Ruhr-Duisburg in Folge der

Ernennung des nationalliberalen Abgeordneten Moller zum preußischen Handelsminister so bestand der Reichstag zur Zeit nur aus 393 Mitgliedern, die absolute Mehrheit betrug, da diese sich auf den Sollbestand von 397 Mit­gliedern berechnet, 199. Was die Ausrede der Feinde der Landwirthschaft betrifft,, daß die Rechte zu schwach vertreten gewesen sei, so ist diese dem amtlichen Protokoll zufolge durchaus hinfällig. Bei einer Körperschaft von fast 400 Mitgliedern, die sich aus den verschiedensten Berufszweigen zufammensetzt, ist schlechterdings nicht zu verlangen, daß alle Mitglieder regel­mäßig zur Stelle sind. Eine Zahl von Gründen, Krankheit, dringende Familienangelegenheiten, unaufschiebbare Berussgeschäfte, Unkenntuiß über den augenblicklichen Stand der Verhand­lungen im Hause und Anderes mehr lüften es natürlich erscheinen, wenn eine Zahl von Abge­ordneten nicht zur Stelle ist. Es fragt sich zunächst nur, ob eine unverhültnißmäßig hohe Zahl von Abgeordneten an jenem 2,age nicht anwesend war, ob eine Absicht versiegt, und dieser Vorwurf kann gegen die Freunde des Branntweinsteuergesetzes nicht erhoben werden, wohl aber gegen deren Gegner.

Von den 51 Mitgliedern der deutsch- konservativen Partei fehlten nur 9, von diesen wiederum waren 3 durch Krankheit entschuldigt, und 6 fehlten ohne Entschuldigung.

Don der Reichspartei, die zur Zeit 20 Mitglieder zählt, waren 18 anwesend und stimmten mit ja, es fehlten nur 2 und zwar der Abg. Profeflor Pault als entschuldigt und der Abg. Dr. Höffel ohne Entschuldigung.

Vom Eentrum, das gegenwärtig in einer Stärke von 107 Mitgliedern besteht, waren 78 anwesend, die mit ja stimmten; 29 fehlten, und von diesen wiederum ohne Entschuldigung 14, 8 waren beurlaubt, 2 krank und 5 entschuldigt. Zur zweiten Abstimmung kam übrigens noch Abg. Gerstenberger hinzu, und stimmte mit ja.

Von der 14 Mann starken Polenfraktion waren 9 anwesend und stimmten mit ja, 5 fehlten leider ohne Entschuldigung.

Sehr viel ungünstiger allerdings stellt sich das Verhältniß bei der deutsch-sozialen Reformpartei, die 10 Mitglieder zählt, es waren nur 5 anwesend, die mit ja stimmten, einer fehlte als entschuldigt, nämlich der Abg. Gäbel, 4 fehlten ohne Entschuldigung.

Noch kläglicher ist aber das Bild, das die nationalliberale Partei bot. Die Partei zählt 50 Mitglieder, 27 waren anwesend, 23 fehlten zum größten Theil ohne Entschuldigung. Von den 27 anwesenden Mitgliedern stimmten

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Umschau.

Deutsche Schadenersatzansprüche in Transvaal.

Bei der Berathung der Petition des Vereins der Transvaal-Ausgewiesenen in Berlin wegen ihrer Schadensersatzansprüche der Heberweisung zur Erwägung von der Petitionskommisfion empfohlen wird, gab der Regierungsvertreter eine Erklärung ab, die, nach derD. Tagekztg." in folgenden Sätzen gipfelte:Obwohl olles geschehen sei, was nach Lage der Sache zur Zeit habe gethän werden können, so habe die Regierung sich doch nicht der Erkenntniß ver­schlossen, daß damit dem augenblicklichen Noth- stand, der sich in wirthschaftlicher Bedrängniß befindenden Nusgewiesenen nicht abgeholfen fei. Es sei deshalb der Versuch gemacht worden, von der englischen Regierung die Leistung eines Vorschusses in ungefährer Höhe von 5000 Pf. Sterling 100 000 Mk. zu erwirken, um da­mit den am meisten Nothleidenden zu helfen. Diesem Vorschläge gegenüber habe sich die englische Regierung indessen leider ablehnend verhalten, da sie sich durch ein solches Zuge- ständniß von vornherein ungünstig präjudiziren würde. Gleichzeitig habe sie jedoch bei diesem Anlaß aus das entschiedenste erklärt, daß ihrer­seits der ernsteste Wille bestehe, alle gerecht­fertigten und bona iide gemachten Ansprüche zu befriedigen. Hebei" den weiteren Verlauf der Sache könne zur Zeit nur so viel gesagt werden, daß sich nach Beendigung der Verhandlungen in London die Kommission voraussichtlich nach Südafrika begeben werde, um dort an Ort und Stelle die einzelnen Ansprüche noch eingehender zu prüfen. Auch hierbei sei eine sorgfältige Vertretuug der deutschen Interessen in Aussicht genommen. Immerhin dürste nicht verkannt werden, daß mit Rücksicht auf die weiten Ent­fernungen und Schwierigkeiten der Verhand­lungen die Befriedigung auch der bestbegründeten Ansprüche noch in weiter Ferne stehe.

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(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post- ^stalten und Landbriesträgern entgegen- ßenommen.

14 mit ja, diese Ja-Stimmen wurden aber da­durch unwirksam, daß gleichzeitig 13 mit nein stimmten. Dazu kommt noch, daß 2 Mitglieder, nämlich die Abgg. Horn-Goslar und Schulze, die bei der ersten Abstimmung mit nein ge­stimmt hatten, sich vor der zweiten Abstimmung entfernten und damit das Scheitern des Gesetzes herbeiführten. Zu erwähnen wäre hier noch, daß von den 37 keiner Fraktion angehörigen Abgeordneten, den sogenannten Wilden, 15 mit ja und einer mit nein stimmten, 21 fehlten, davon 17 unentschuldigt. Das Gros stellten hierbei die reichsländischen Abgeordneten.

Und nun zu den Parteien der landwirth- schaftlichen Gegner, deren Sünden in der Presse so geflissentlich verschwiegen werden. Am trau­rigsten ist das Verhalten der Sozialdemokraten und der freisinnigen Volkspartei. Die sozial­demokratische Fraktion zählt 57 Mit­glieder, nur 4 waren anwesend, die mit nein stimmten, 50 fehlten als unentschuldigt, 2 als krank und einer als beurlaubt. Als in Folge dieser Massenenthaltung der Reichstag sich bei der ersten Abstimmung doch noch mit knapper Mehrheit als beschlußfähig erwies, liefen vor der zweiten Abstimmung noch die Herren Auer, Bebel und Wurm davon, um das Haus nun­mehr sicher arbeitsunfähig zu machen. Am ärgsten hat es der Abg. Stadthagen getrieben, der sich an den Berathungen mit langen Dauer­reden über das Thema:Was ist Brannt­wein? beteiligte, lebhaft für namentliche Ab­stimmung eintrat, bann aber vor der Ab­stimmung jedesmal verschwand.

Aehnlich hat es die freisinnige Volks­partei gemacht. Von 27 Mitgliedern waren 4 anwesend und stimmten mit nein, 17 sehlten ohne Entschuldigung. Um das Haus beschluß­unfähig zu machen, liefen vor der zweiten Ab­stimmung die Abgg. Gaulke, Fischbach und Müller davon.

Don der freisinnigen Vereinigung, die 13 Mitglieder zählt, waren 3 anwesend und stimmten mit nein, 10 fehlten fast durchweg ohne Entschuldigung.

Die süddeutsche Volkspartei, die durch 7 Abgeordnete vertreten ist, glänzte durch Abwesenheit sämmtlicher Mitglieder, 3 fehlten als beurlaubt, 4 ohne Entschuldigung.

Diese vier Parteien, Sozialdemokraten, frei­sinnige Volkspartei, süddeutsche Volkspartei und freisinnige Vereinigung, deren gemeinsames Kennzeichen eine Zurückweisung aller berechtigten Forderungen des Mittelstandes, insbesondere der Landwirthschaft ist, zählt insgesammt 140 Mitglieder. Von diesen waren nur 11 an-

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Beilagen werden von unserer

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Original-Roman von Irene v. Hellmuth, (^ortietznna.)

Als später die Gräfin Luise erschien, konnte er sich, trotz aller mahnenden und abwehrenden ! Blicke, die ihm die Präsidentin zuwarf, nicht '! enthalten, ihr von dem Mädchen zu sprechen.

Du hättest die Kleine nur fingen hören -sollen, diese Stimme dringt einem wirklich ins Herz. Das giebt später eine große Künstlerin, wenn das noch sehr kindliche Organ erst Kraft und Festigkeit gewonnen haben wird. Für das offen zu Tage tretende Talent des Mädchens wäre es wirklich schade, wollte man es ver­kümmern lasten."

Von diesem Tage an hütete Erika sich fast ängstlich, das Schloß wieder zu betreten. Be­ständig aber schwebte vor ihren Blicken das Bild jenes Mannes, welches dort im Musiksalon hing. Diese Augen, die so melancholisch aus dem stillen Gesicht schauten, mußte sie schon irgendwo gesehen haben, aber wo nur? Es {war seltsam, sie hatte die Empfindung, als ob dies Antlitz und die Melodie jenes Liedes zusammengehörten, als ob sie beides zugleich einmal gesehen und gehört hätte. Aber die Erinnerung war so verwischt, daß es ihr beinahe vorkam, als hätte sie einmal etwas derartiges geträumt.

Auch den Park betrat sie niemals wieder: so viel Beatrice auch bitten mochte, es half nichts.

Meine Studien nehmen mich ganz in An­spruch", behauptete Erika stets.

(Nachdruck verboten.)

Das Heimalhlied.

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Mochte das Wetter noch so schlecht fein, es hinderte Erika nicht, den Weg nach dem traulichen Musikerheim Meister Kühnes zurückzulegen. Sie war aber auch dort ein gern gesehener Gast, stets erheiterten sich bei ihrem Eintritt die Züge des Kapellmeisters. Denn manchmal schauten die kleinen Aeuglein gar trübselig aus dem runden, vollen aber sehr gutmütigen Ge­sicht. Kühne sehnte sich immer mehr zurück nach dem gewohnten Leben der Stadt, nach seiner Thätigkeit, die er wieder aufnehmen wollte, so bald der Gesundheitszustand seiner Gattin, die er sehr liebte, dies gestattete. Man würde den musikalisch hochge­bildeten Mann mit Freuden wieder in seine alte Stellung ausgenommen haben, aber feine Frau behauptete stets, nur in der Ruhe und Stille, in der Abgeschiedenheit des Landlebens könne sie ihre Gesundheit wieder erlangen, niemals aber in dem Treiben und Lärmen der Großstadt. Von Jugend auf an ein zurück­gezogenes Leben gewöhnt, fühlte sie sich in dem stillen Heim unendlich wohl, und trennen mochte sich Meister Kühne nicht von feiner Gattin. So fügte er sich, wenn auch manchmal heimlich seufzend, in das Unvermeidliche. Frau Kläre wußte freilich nichts davon, daß der Gatte das Leben in der Stadt fo schmerzlich vermißte. Ihr zeigte er immer eine heitere Stirn, für Sie hatte er stets ein freundliches Lächeln.

Gott sei Dank", sagte sie oft,daß wir so gestellt sind, um leben zu können, wo es uns gefällt, daß wir nicht dem Verdienst nachzu­jagen brauchen."

Sie hatte dem Gatten ein großes Ver­mögen eingebracht, das der Familie ein sorgen­

freies Leben gestattete. Dieser Umstand er­möglichte es auch, für den Sohn, von dem die Mutter sich nicht trennen mochte, die besten Lehrer zu engagiren. Dabei zeigte es sich, daß auchReinhold der Sanfte", wie Erika scherz­weise den stillen Bruder getauft hatte, etwas profitiren konnte. Er durfte an dem Unterricht theilnehmen, und er that es mit großem Eifer. So bildete sich nach und nach ein inniges Ver­hältniß heraus.

X.

Nun noch ein paar Jahre auf das Konser­vatorium, und die Künstlerin ist fertig!" sagte Meister Kühne eines Tages zu Erika.Das wird ein Aussehen geben, wenn Du zum ersten Mal vor die Oeffentlichkeit trittst."

Er war stolz auf seine talentvolle Schülerin, die er liebte, wie eine Tochter. Er hatte sich so an das Mädchen gewöhnt, daß ihm auch, als dieses größer wurde, das fremdeSie" nicht über die Lippen wollte. Erika protestirte auch entschieden dagegen. Sie verehrte ihren gütigen Lehrer wie einen zweiten Vater.

Die Natur hat Dir Alles gegeben, was Du für Deinen künftigen Beruf nöthig hast, mein Kind!" fuhr Kühne fort.

Du bist die geborene Künstlerin."

Wohlgefällig betrachtete er das reizende Gesicht Erikas.

Die blonden Locken hingen freilich nicht mehr wie ehemals feflellos um Stirn und Nacken, sie waren in zwei dicke Zöpfe geflochten und wie ein Kranz um den schön geformten Kopf geschlungen. Die dunklen Augenbrauen konnten sich zwar auch jetzt noch oft genug unmuthig zusammenziehen, wie auch aus den blauen

Augen nicht selten der alte Trotz hervorleuchtete, was besonders dann geschah, wenn ihr zufällig die Präsidentin oder Lothar begegnete. Instinktiv fühlte Erika, daß diese Beiden ihr nicht wohl wollten, wenn sie auch nicht ahnte, warum. In das Schloß war Erika nicht wieder ge­kommen, sie hatte den Verkehr mit Beatrice völlig abgebrochen. Das lag nun freilich nicht an Erika allein, es wäre wohl kaum dahin gekommen, wenn nicht Lothar es seiner Gattin geradezu verboten hätte, fernerhin diehvch- müthige Person" bei sich zu', empfangen. Anfangs lehnte Beatrice sich freilich gegen ein solches Verbot auf, aber da auch die Frau Präsidentin ihr heftige Vorwürfe machte, und daS lln- paflende eines solchen Verkehrs mit scharfen Worten tadelte, gab sie endlich nach. Sie war des Kampfes müde, und mochte nicht diejenige fein, die wie die Präsidentin behauptete, den Frieden des ganzen Hanfes störte. Es war ihr alles so unendlich gleichgiltig geworden, und sie fragte sich oft:Wozu lebe ich über­haupt?" Das Leben bot ihr keine Freude.

Lothar dachte in diesem Punkte ganz anders. Seine Hoffnung war die reiche Erbschaft, die ihm unbedingt über kurz ober lang zusallen mußte.

Was der Alte doch für ein zähes Leben hat!" sagte er im vertraulichen Gespräch.Das ließ sich wirklich nicht voraussehen; ich hätte nicht geglaubt, daß das so lange dauern würde. Man wartet und wartet, und muß immer auf der Hut fein, daß nicht irgend ein tückischer Zufall noch im letzten Augenblick das ganze Spiel verdirbt.

(Fortsetzung folgt.)