R
Bit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
D*«r1rlL«hrltch,r Biiae>Pt«ifbet »*? $ et
M 116
Erstes Blatt
zu
; neue
(936
1 allein
oder
S8
(Nachdruck verboten.)
252
Han».
e und
«1 h,
iver.
itM-lli.
:r
uiisaa, inden.
ir/a
i mich
(3569
Zur Kriegslage in Südafrika.
* Bezüglich des gegenwärtigen Standes des
wieder zu spielen versucht, allerdings nur aus dem Grunde, weil er und die mit verbündeten Finanzgruppen und Grubenmagnate um jeden Preis den Krieg beendet wissen wollen, der ihnen schon viel zu lange dauert und Verluste zufügt, die selbst die kühnsten Börsenspekulationen nicht mehr auszugleichen versprechen. Wir theilten schon mit, daß seit einigen Wochen von Rhodes die größten Anstrengungen gemacht werden, um die englische Regierung zu weitestgehenden Konzessionen an die Buren in diesem Sinne zu bewegen und daß Cecil Rhodes selbst in gleicher Weise und auf das dringendste bei Herrn Chamberlain vorstellig geworden. Wenn die Buren bereit wären, den Rhodesleuten die nöthigen Zugeständnisse zu machen, d. h. die sozusagen unumschränkte Herrschaft über die Grubendistrikte einzuräumen, und die Ausbeutung aller Gruben des Landes bedingungslos zu überlasten, so wären diese dagegen bereit, für eine weitestgehende Selbstverwaltung der Bauern-Distrikte der beiden Republiken einzu- , treten. Die Drohung in der Ankündigung eines Ministeriums Rhodes liegt in dem Worte „Jameson", d. h. sollten sich die Friedensverhandlungen endgiltig zerschlagen, so wird dem Afrikanderleben Südafrikas ein Ministerum Jameson als Schreckgespenst gezeigt, das dann ein Regiment der eisernen Faust und der brutalsten Unterdrückung des Holländer Elements inauguriren würde.
»ächten. Um das zu ermöglichen, wurde Milners mf Urlaub geschickt, Frau Louis Botha mit ituen Unterhandlungen betraut, ihr ein eigener
-alonwagen zur Reise nach Durban und eine »esondere Kajütte für die Ueberfahrt nach buropa zur Verfügung gestellt und Lord Kitchener «sondere Vollmachten ertheilt, um mit den Bärenführern eine Basis für die Friedenspräliminarien fest zu legen. Vertraulich verbautet, daß das thatsächlich geschehen und Frau Botha nach Europa gereist sei, um diese Grund- Büge eines eventuellen Friedens dem Präsidenten
auf ihre dringenden Bitten in verhältnißmäßig kurzer Zeit gelernt hatte, vorsang und vorspielte.
Mit Reinhold war es allerdings ganz anders; er saß früh und spät über seinen Büchern und lernte, er war überhaupt ein stilles Kind, das gerade Gegentheil von Erika. Wenn der es fertig brachte, und einmal ein Gelehrter wurde, so wollte der „Großvater" gern das Geld daran wenden. Denn daS war etwas „Reelles", etwas das die darauf verwendeten Kapitalien reichlich wieder einbringen würde, die Ehre gar nicht zu rechnen. Aber mit der „Singerei" — dabei kratzte er sich jedesmal hinter den Ohren, — war er niemals recht einverstanden, ließ eS aber doch geschehen, daß Erika regelmäßig Musik und Gesangsunterricht bekam. Das erforderte vorläufig keine großen pekuniären Opfer.
An dem Bergabhang, der einen schönen Ausblick in das Thal gestattete, befand sich eine Art Villenkolonnie, — verschiedene wohlhabende Leute hatten sich, die herrliche Gegend erkennend, dort angesiedelt. Unter ihnen befand sich auch ein älterer, sehr liebenswürdiger Herr. Derselbe war früher Kapellmeister an der Hofoper gewesen, und hatte sich, seiner kränklichen ruhebedürftigen Frau zuliebe, hierher zurückgezogen, weil er hoffte, in der stärkenden ozonreichen Luft werde die geliebte Gattin genesen.
Zu diesem begab sich Beatrice mit ihrem Schützling.
Und Meister Kühne erklärte sich zu ihrer Freude bereit, Erika an dem Unterricht, den er seinem eigenen, einzigen Sohne gab theilnehmen zu laffen.
Fall. Von Anfang an hat der Reichstag mit Beschlußunfähigkeit zu kämpfen gehabt und so wird es erfahrungsgemäß bleiben bis zur letzten Session; denn auch die Aussicht auf Neuwahlen hat bisher das Pflichtgefühl der Abgeordneten nicht geschärft, weiß man doch, daß auch im Lande das Jntereste an den parlamentarischen Verhandlungen fast total geschwunden ist.
Ein großer Vortheil der fünfjährigen Legislaturperioden ist aber unleugbar der, daß die Wahlagitationen seltener geworden sind. Nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch deren Verbündete, die weiblichen wie die männlichen Freisinnigen und die Demokraten, agitieren nach dem Grundsätze: „Wir wählen um zu wühlen". Es darf also immerhin als ein Ge-
Rückkehr zu dreijährigen Legislaturperioden?
In den „Berliner Neuesten Nachrichten" wird in einer von „hochgeschätzter Seite" ergangenen Zuschrift die Rückkehr zur dreijährigen Legislaturperiode empfohlen. Begründet wird dieser Vorschlag namentlich durch die Behauptung, die Einführung der fünfjährigen Legislaturperioden habe sich mehr schädlich als nützlich erwiesen. Man habe von ihr einen ruhigeren und stetigeren Gang der inneren Politik, ein sachlicheres Arbeiten im Parlament, ein Zurücktreten der demagogischen Agitation im Lande erwartet. Nichts oder doch nur sehr wenig davon sei eingetroffen. Namentlich würden im Reichstage auch in den den Wahlen fernliegenden Sessionen von den Führern gewisser Parteien ebenso viel oder gar noch mehr Reden zum Fenster hinaus gehalten als früher. Dagegen sei ganz unverkennbar, daß die Hinausrückung des Termine? der Neuwahlen um zwei Jahre auf das Pflichtgefühl der großen Menge der Abgeordneten von höchst ungünstigem, wahrhaft verhängnißvollem Einflüsse gewesen sei.
Diese Anschauung bestreiten wir ganz entschieden. Wäre sie richtig, so müßte die Präsenz im Reichstage erheblich stärker, also das „Pflichtgefühl der großen Menge der Abgeordneten" in den ersten Jahren der Legislaturperiode bedeutend reger sein als später. Bekanntlich aber ist das ganz und gar nicht der
winn betrachtet werden, daß die Gelegenheit solchen Wühlereien verringert ist.
: Mir- swabt (ranz, setzten (3408
r.
herzliche Begrüßungsworte, die mit einem dreifachen Hoch auf den obersten Kriegsherrn endigten. Hierauf begaben sich die Mannschaften, soweit sie nicht gefahren werden mußten, in geschlossenen Reihen zu Fuß nach dem nahegelegenen Barackcnlazareth, an dessen Eingänge eine riesige Ehrenpforte errichtet war. Die drei ans dem Lazarethgebiete errichteten Zelte, welche den Mannschaften zunächst als Aufenthalt angewiesen wurden, boten einen freundlichen Anblick, auch ihr Inneres ließ nichts zu wünschen übrig; auf den Zelten wehte neben der deutschen Flagge das Rothe Kreuz. Hier wurden die Ankommenden mit Kaffee, Kuchen, Cigarren :c. bewirthet, wobei die Matrosenkapelle muntere Weisen aufspielte. Im Anschluß hieran wurde das in der Llohd- kantine inzwischen zubereitete Mittagsmahl in zwei von der Kantine zur Verfügung gestellten Speisesälen eingenommen. Gegen Abend fuhren dann diejenigen Mannschaften, welche nicht im Barackenlazareth zu verbleiben haben, nach herzlichem Abschied von ihren Kameraden direkt nach Berlin weiter, um sich hier der Militärbehörde zur Verfügung zu stellen.
Das Mädchen wandette daher mit der Musikmappe am Arm täglich dem freundlichen Hause Meister Kühnes zu. Es waren für Erika Stunden deS ungetrübtesten Genusses, die sie dort verlebte.
Und bald zeigte es sich, wie recht Beatrice gehabt hatte, als sie behauptete, Erika besitze ein großes Talent.
„Das Mädel wird einmal eine Sängerin werden, wie man sie mit der Laterne suchen muß!" behauptete Kühne stets. „So eine Stimme — ich staune selbst darüber."
Es war ihm eine Lust, Erika zu unterrichten. Die Musik war sein Element. Mit wahrer Begeisterung hing er an ihr, und diese Begeisterung wußte er auch auf seine Schülerin zu übertragen. Er verstand es, sie einzuführen in das Geheimniß der schönen, wahren, edlen Kunst, und ihr die Wunder derselben zu offenbaren. Und Erika war eine gelehrige Schülerin. Mit innigem Derständniß folgte sie den Lehren und Rathschlägen des begeisterten Meisters. Ihre Augen hingen an seinen Lippen, sie wurde nie müde, ihm zuzuhören.
Nach und nach gewöhnte sich auch Trautmann an den Gedanken, Erika die Künsterlaufbahn betreten zu sehen. Ihre süße Stimme schmeichelte sich auch ihm in? Herz, er wehrte sich nicht mehr dagegen. Er hätte auch wahrscheinlich nichts ausgerichtet.
Aber ein Stück von dem alten Trotz lebte immer noch in dem Mädchen, wenn er auch selten zum Ausbruch kam.
Zum Beispiel war Erika nie zu bewegen,
(3515
pier: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten", Ifang — na, dann hatte ich immer Sorge um meine Hühner, sie hielten sich auch wohlweislich Sem, wenn der „schöne" Gesang ertönte. Und M — nun ja — ich kann wohl recht häßlich Weifen, aber nicht schön fingen Und nun wollen pie Leute durchaus an dem Mädel ein mufikali- ffches Talent entdecken. Ich gratuliere der «Namsell Uebermuth. Wird was Schönes dabei kherauskommen. Die hat ja zu nichts Geduld". lAn klein wenig schmunzelte er aber doch, wenn ; Erika ihm das Heimathlied, das Beatrice ihr
Sonntag 19 Mai 1901.
Umschau
Die Heimkehr der Chinakämpfer.
Hebet den Empfang der mit dem Llohd- dampfer „Stuttgart" in die Heimath zurückgekehrten invaliden Chinakämpfer werden uns aus Bremerhaven folgende Einzelheiten gemeldet. Der Dampfer traf von Antwerpen kommend, pünktlich am Donnerstag Vormittag (Himmelfahrt) auf der dortigen Rhede ein; die Landung der Mannschaften erfolgte bei der festlich geschmückten Lloydhalle, wo die Kapelle der 3. Matrosen - Artillerie - Abtheilung Aufstellung genommen hatte, welche zum Empfange befohlen war. Außerdem waren noch die Kriegervereine von Bremerhaven und aus anderen Unterweserorten mit ihren Fahnen erschienen. Trotzdem die Umgebung des Landungsplatzes polizeilich abgesperrt worden war, hatte sich doch eine tausendköpfige Menschenmenge eingefunden, die die Heimkehrenden mit brausenden Hurrahrufen empfingen. Alsbald nach Betreten des heimath- lichen Bodens richtete der Kommandant von Geestemünde, Kapitän z. S. Krieg, im Auftrage des Kaisers an die zurückgekehrten Chinakämpfer
. «rüget zu unterbreiten. Kommt es zum Frieden, wegeu kehrt Sir Alfred Milnet nicht nach Prätoria inkauf Hurück. Zerschlagen sich auch diesmal die Frtedens- Verhandlungen, so wird derselbe nach Ablauf seines gegenwärtigen Urlaubs wieder die Zügel 'M englischen Regiments in Pretoria übernehmen. Was die Ankündigung eines Kabinets Cecil Rhodes—Jameson betrifft, so liegt darin gleichzeitig eine Drohung und eine Lockung. Es ist bekannt, daß Rhodes bereits früher schon den Afrikander-Holländer Freund spielte und jetzt
bei gelegentlichen Besuchen, die sie Beatrice ab- stattete, einen Ton zu singen, wenn Lothar zu Hause wat. Dann schüttelte sie zu allen Bitten ihrer gütigen Beschützerin den Kopf.
„Nein, nein, ich finge nicht — ich kann heute nicht singen!" sagte sie dann. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt, sie hatte eine ihr selbst unerklärliche Antipathie gegen Lothar, dessen Augen immer so finster auf ihr ruhten, und der sie stets mit feindseligen Blicken betrachtete.
„Du bist ein kleiner Trotzkopf, weißt Du daS auch?" pflegte Beatrice zu sagen.
Einmal nahm die junge Frau ihren Schützling auch mit hinüber in die Wohnung des Grafen. Erika betrat den Musiksalon, wo an der Wand das Bild Siegfried'? hing. Wie merkwürdig bekannt ihr plötzlich diese Züge erschienen! Wo in aller Welt hatte sie dies Gesicht schon gesehn? Sie zermarterte sich den Kopf unb konnte doch des Räthsels Lösung nicht finden. Ein unbeschreibliches Gefühl beschlich sie, als fte in den Anblick des Bildes versunken dastand, halb Sehnen, halb Bangen.
Was starrst Du dies Porträt so an?" flüsterte Beatrice.
„Wer ist das hier?" fragte Erika statt aller Antwort.
„Hüte Dich, davon zu sprechen, — still, der Onkel, — er darf nicht an die Geschichte gemahnt werden!"
Man hörte den Rollwagen des Grafen, den ein Diener eben in den Salon schob.
(Fortsetzung folgt.)
* Zur industriellen und Welthandelsfrage
hat Profeffor Ad. Wagner in der „Täglichen Rundschktu" einige ausführliche Aufsätze veröffentlicht. in denen er sich mit seinen frei- händlerischen, namentlich nationalsozialen Gegnern auseinandersetzt und nach ausführlicher Darlegung des Für und Wider zu folgendem Schluffe gelangt:
„Aus dem Gesichtspunkt des dauernden nationalen Gesa mtinteresses und und unserer ganzen deutschen Volkswirthschast ist das einseitige, alles überwuchernde Jndustrie- staatsshstem ungünstig zu beurteilen. Es gilt daher meines Erachtens eine solche Wirth- schaftspolitik, auch eine solche auswärtige Handelspolitik besonders in Bezug auf Agrar- prodvckte — bei aller Anerkennung der Noth- wendigkeit unserer starken Theilnahme am Welthandel, die auch ohne Freihandel in Agrarprodukten uns nicht fehlen wird — zu empfehlen und zu fordern, welche uns eine richtige „Mischung" der beiden Elemente, des agrar- staatlichen und des Jndustriestaatlichen, sichert. Dazu gehören, auch im wahren, dauernden Arbeitsinteresse, agrarische Schutzzölle, nicht maßlose, aber in ausreichender, d. h. die gegenwärtigen Dertragszölle erheblich übersteigender Höhe. Handelsverträge bleiben daneben gewiß erwünscht, selbst geboten. Sie werden aber, zumal mit Rußland, auch bei fester deutscher Politik in diesen Dingen nicht unmöglich fein und sich mit Vorteilen für unsere Industrie abschließen lassen. Die für die ganze Nation wichtigeren agrarischen Interessen dürfen dabei aber nicht preisgegeben werden."
fctibttiti tdgltdi — » ;ui- tu yceiteti».«
S»««ta,a»irrsgr; 3H»«rtnt» Sosatagsblalt. qe CY/ihrn 9m« Mb BeriM: Zotz. >»g. «ach U»iv«MStb-B,chdr»ck»«l
Äatbxra Markt 91. — Ttirvhos 66
I Das Heimathlied.
8 Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
| (Fortsetzung.)
I Und so wurde denn eines Tages wirklich 1 im Verwalterhäuschen ein Klavier aufgestellt, 8 zu« heimlichen Verdruß des biederen Alten.
B Nun ging das „Geklimper" unaufhörlich 1 fort. Beatrice unterwies das Mädchen in den 1 Anfangsgründen, eS machte ihr Vergnügen, 6 wenn sie sah, wie Erikas Augen leuchteten bei I dem Unterricht, wenn eine neue Hebung be- | gönnen wurde. Das Mädchen wußte sich über- S Haupt nichts Lieberes, als an dem geliebten I Instrument zu fitzen.
E „Ich kann mir wahrhaftig nicht denken", ■ brummte Trautmann, „wo das Mädel das 8 mufikalische Talent herbekommen haben sollte, j In unserer Familie kannte man so etwas nicht. v* 8cnn meine Frau 'mal den „guten Kameraden",
,tfarbe elbstverständlich eine ganze Reihe sich theil- r oeise kreuzende Einflüsse. Augenblicklich herrschen Diejenigen vor, die unter Wahrung des äußeren igln“ j$eine§ tior allem, wenn auch nicht um jeden impe“) preis, einen schnellen Frieden herbeiführen
j Krieges in Südafrika tauchen in englischen ■ Preßorganen fortgesetzt Nachrichten auf, die den «ms* Zweck haben, die Mißerfolge des englischen Heeres zu bemänteln und die Welt über die k ****** Kriegslage selbst zu täuschen. So haben die letzten Tage uns eine ganze Reihe offizieller Erklärungen und Dementis gebracht, die über- (xmstimmend versichern, daß nichts fester und lebens- Einiger dastände al? das Kapministerium, daß nuferen |git Alfred Milners Stellung nach wie vor (3570 ^erschüttert fei und bleibt und die englische fSS, Regierung entschlossen sei, ihr genügend be- kanntes altes Hnterjochungsprogramm durch- (zuführen und kein Jota von ihren alten Forde- innigen nach zu lassen. Parallel damit liefen Mittheilungen der Nitlander Organe in Südafrika selbst und anderer Blätter, welche gleich- IftS zeitig den baldigen Rücktritt des Kapparlaments Jfi (anb dessen Ersetzung durch ein Kabinett Rhodes tait dem bekannten Dr. Jameson als bevor- r Aus- Wehend ankündigten.
l Klei-1 In London wie in Kapstadt wirken, wie